flllda, Dienstag, den 4. August 1903.
30. Jahrgang.
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Deutsches Reich J
’ Ausland
Es war schon 11 Uhr vorbei, als sich Lisbeth's Tür öffnete und diese mit schnellem, leichtem Tritt die Treppe hinuntereilte. Sie hatte nicht bemerkt, daß ihr aus einer andern Tür eine weibliche Gestalt folgte, aber oben am Treppenrande stehen blieb und eifrig horchte, wohin sich Lisbeth wenden würde.
Schon nach wenigen Minuten gab fie ihren Lauscherposten auf und floh eilig in ihr Zimmer zurück.
Lisbeth erschien oben und begab fich in ihr Schlafgemach. Kaum war dasselbe geschloffen, so öffnete sich von neuem die andere Tür, und dieselbe weibliche Gestalt wie vorher, in welcher wir Lidwina erkennen, trat heraus und glitt unhörbar wie ein Schatten die Treppe hinunter.
Sie hatte mit dem durch die Eifersucht geschärften Gehör etwas von den letzten Worten Eggenberg's zu Lisbeth vernommen und argwöhnte, daß die beiden noch vor der Abreise eine Zusammenkunft haben würden. Sie hatte deshalb die Tür ihres Schlafzimmers nur leicht angelehnt, um Lisbeth genau beobachten zu können. Als Frucht ihres Spionierens wußte fie nun, daß fie beim Portier gewesen war.
Sie zögerte keinen Augenblick, sich ebenfalls zu diesem zu begeben, um möglichst herauszubekommen, Vas Lisbeth bei ihm gewollt hatte. Das Glück war günstig. Sofort bei ihrem Eintreten sah fie einen Brief auf dem Tische liegen. Ohne Bedenken nahm fie denselben an sich.
.Das ist doch der Brief, den Fräul-in Lisb.'th brachte?" Sie hatte sofort den Namen Eggenberg unterschieden.
Der Portier bejaht» ihre Frage und fügte hinzu: »Ich soll ihn morgen früh dem Herrn Baron vor seiner Abreije übergeben."
8ügungen.
Erzählung von A. Uhdolph.
------ (Nachdruck verboten.)
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Verantwortlicher rchristleilenIos.vam«
3. w»chenb<il°g-:„Illustrierte Sonntagszeitung
Berlin, den 3. August 1903.
§ Zu dem 50jährigen Regierungs- jubiläumdes Herzogs Ernst von Sachsen- Altenburg schreibt der ,Reichsanz.': „Mit den Bewohnern der unter seinem weisen Szepter blühenden altenburgischen Lande nimmt das Gesamtvaterland herzlichen Anteil an diesem Gedenktag, der dem Lebenswerk eines ehrwürdigen deutschen Bundesfürsten gewidmet ist. Gern erinnern wir uns heute der Verdienste, die Seine Hoheit Sich in den großen Jahren der Reichsgründung durch Seine Haltung als Landesfürst wie im Felde um die nationale Sache erworben hat. Wir begrüßen den hohen Jubilar mit ehrerbietigen Glückwünschen und mit der Hoffnung, daß Er noch viele Jahre der Liebe Seines Volkes und der Verehrung der deutschen Patrioten erhalten bleiben werde!"
** „Bedroht das jetzige Reichstagswahlrecht den Bestand des Reiches?" Unter dieser Ueberschrift bringt die ,Post' einen Artikel, in welchem sie der Anschauung Ausdruck gibt, daß die Beantwortung der Frage von der Vorfrage abhängig sei, ob das Reichstagswahlrecht so, wie es jetzt bestehe, aufrecht erhalten bleiben könne, ohne daß dadurch der Bestand des Reiches und unserer Monarchie ernstlich gefährdet werde. Für die Beantwortung dieser Vorfrage kündigt die .Post' besondere Erörterungen an. Man sieht, das Scharfmacherblatt hat von der unglücklichen Aktion des Dr- Giesebrecht noch nichts gelernt.
(§) Korrigiert. Die.Köln. Volksztg.' hatte es als eine Unverfchämtheit bezeichnet, daß der .Reichsbote' die Behauptung aufgestellt habe, die katholischen Frauen ließen bei den Wahlen ihre „weiblichen Reize" spielen, um die Männer zur Stimmabgabe für das Zentrum zu veranlassen. Darauf erwidert der ,Reichsbote': „Nicht wir haben davon gesprochen, daß die katholischen Frauen bei den Wahlen mit ihren natürlichen Gaben auf die Männer im Sinne der Zentrumskandidaten wirken sollen, sondern das hat ein waschechtes ultramontanes Organ getan, wie das seiner Zeit durch die gesamte deutsche Preffe ging." Der ,Reichsbote' korrigiert also seine Behauptung, indem er nur von „natürlichen Gaben" spricht. Uns ist der Zusammenhang, in welchem diese Worte gebraucht sein sollen, nicht bekannt; aber bei den „natürlichen Gaben" braucht nicht ohne weiteres an das gedacht zu werden, was dem ,Reichsb.' vorschwebte. Obgleich nach dem .Reichsboten' diese Bemerkung durch die gesamte deutsche Preffe gegangen sein soll, weiß er noch nicht einmal, aus welcher Quelle sie stammt. Es ist das für die Art der Polemik, wie sie der ,Reichsb.' treibt, äußerst bezeichnend. Man sieht, daß dem ,Reichsb.' bei seinen Verhetzungen sehr aufdieFinqergesehen werden muß.
über die Frage der eventuellen Verlängerung dieses Verbots unter den Vertretern der Mächte in Peking keine Uebereinstimmung zu erzielen gewesen ist. Vielmehr sollen sich mehrere der Vertreter gegen eine Verlängerung ausgesprochen haben. Da die chinesische Regierung die Aufhebung des Verbots gemäß Artikel V. des Schlußprotokolls nur auf Verlangen der Signatur- mächte verpflichtet ist, so ist als wahrscheinlich anzusehen, daß das Verbot nach Ablauf der zweijährigen Frist infolge Nichterneuerung stillschweigend außer Kraft tritt. Es ist anzunehmen, daß alsdann auch die Mächte die von ihnen erlassenen Verbote der Ausfuhr von Waffen und Kriegsmaterial nach China alsbald aufheben werden. Für Deutschland ist das entsprechende Verbot durch die Allerhöchste Verordnung vom 6. August 1900 ergangen.
* Berlin, 3.Aug. 1903. Das kaiserliche Hof- Infler wird im Laufe dieser Woche wieder im Neuen Palais sein. — Dementi. Die ,Nordd. Allg. Ztg.' bezeichnet die von einem englischen Blatt verbreitete Nachricht, der deutsche Kaiser habe wegen eines im Herbst ds. Is. in England abzustattenden Besuches an den König Eduard geschrieben, als erfunden. — Zur schlesischen Hochwasserkatastrophe. Kultusminister Studt hat sich am Montag in das schlesische Ueberschwemmungsgebiet begebe». - DiePrivatspenden für die Ueberschwemmten in Schlesien haben, der .Schles. Ztg.' zufolge, bereits den Gesamtbetrag von 450000 Mark erreicht. — Eine Verfügung, betreff end Rechtsgeschäfte und Rechtsstreitigkeit en Nichteingeborener mit Eingeborenen im süd- westafrikanischen Schutzgebiet, wird im .Reichsanzeiger' veröffentlicht.
* Neustrelitz, 2. Aug. 1903. Bisher war es in unserem Ländchen erforderlich, vor einer jeden katholischen Beerdigung von Katholiken die Regierung um Erlaubnis zu fragen, ob es gestattet werde, daß in diesem Falle der katholische Geistliche auf dem Kirchhofe seine Funktionen ausübe. Die Antwort lautete dann regelmäßig, die Regierung wolle es „dispensando“, dispensweise erlauben, daß der katholische Geistliche als solcher auf dem Kirchhofe fungiere. Auf eine Anfrage des hiesigen katholischen Pfarramtes, ob nach Annahme des sogenannten Toleranzantrages durch den Landtag diese Bestimmung nicht fortfalle, wurde dieser Tage die Antwort gegeben, daß „bei Todesfällen von Katholiken der katholische Geistliche einer besonderen Erlaubnis zur Vornahme einer Be- erdigung nicht mehr bedarf, und zwar auch dann nicht, wenn die Beerdigung auf einem Kirchhof erfolgt, der im Eigentum einer hiesigen protestantischen Kirche steht, wie solches bei den meisten Kirchhöfen unseres Landes noch der Fall ist". Damit ist eine der letzten Schranken gefallen aus jener Zeit, wo die Katholiken hier nur „geduldet" wurden.
B. Rom, 2. August 1903. Eine große Menschenmenge hielt den ganzen gestrigen Tag einen Biiefbogen, schnell flog die Feder über denselben hin, ein Lächeln wahrhaft teuflischer Befriedigung erhellte ihr Gesicht.
„Nun, wenn er je etwas von Liebe für fie fühlte, so ist cs jetzt für immer damit aus, oder ich müßte Eggenberg nicht kennen.
Ohne auch nur einen Moment zu zögern, faltete fie ihr Schreiben, kuvertierte es, versah es mit einer Adrffse, und ebenso leise wie das erste Mal verließ sie ihr Zimmer und trug den Brief zum Portier, der ihn schlaftrunken in Empfang nahm. Niemand im Hause hatte ihr Tun bemerk,.
12. Kapitel. Die Entlassung.
Es war 5 Uhr morgens. Im Hause des Präsidenten schien noch Alles zu schlafen, nur Manfred's und Eggenberg's Stuben waren erleuchtet. Der Wagen war schon vorgefahren der die beiden Herren nach dem Bahnhofe bringen sollte. Sie hatten sich abends von allen Mitgliedern der Familie Breien verabschiedet und vermieden jetzt jedes Geräusch, um Niemanden im Schlafe zu stören.
Manfred war schon hinuntergeeilt, er hat.e noch einige Bestellungen beim Portier zu machen. Jetzt kam Eggenberg herab.
- An der Ture erwartete ihn sein Freund; dieser sah beim bleichen Scheine der Gaslaterne merkwürdig blaß und verstört aus, and seine Stimmung klang hohl, als er mit erkünstelter Ruhe sprach: „Hier, lieber Paul, ein Brief. Er lag beim Portier für Dich bereit."
Er fügte nicht hinzu, daß er den Absender kenne, da ihm der Portier gesagt hatte, day ihn Fräulein Asbeth noch gestern nach Mitternacht für den Herrn Baron heruntergebracht hatte.
Manfred sah noch, wie das Auge seines Freundes freudig aufblitzte, als er den Brief in seiner Brusttasche barg. Im Herzen Manfred's regte sich ein böser Wurm, der Wurm der Eifersucht, der mit giftigem B>ß die Freundschaft an der Wurzel zu benagen drohte.
hindurch die schattigen Stellen des Petersplatze^ besetzt. Unter den Kolonaden standen Truppen verschiedener Waffengattungen, angeblich zur Austechterhaltung der Ordnung, denn es gibt nicht das Allergeringste, was den ruhigen Gang des Konklaves nur irgendwie stören könnte. Der Vatikan hat wegen des Konklaves auch sein Aeußeres verändert. Sämtliche Fenster der ehemaligen Wohnung des Staatssekretärs Kardinal Rampolla, sowie die Fenster der übrigen zum Konklave gehörenden Räume sind durch Bretterverschläge in ihren unteren Teilen geschloffen, etwa nach Art der bekannten Blech» verschlüge an den Fenstern unserer Gefängnisse. Bekanntlich ist fast der ganze vatikanische Palast in das Gebiet des Konklaves hineingezogen worden. Die Hauptaufmerksamkeit der auf dem Petersplatze anwesenden Volksmenge richtete sich selbstverständlich auf den traditionellen Schornstein, welcher sich in unmittelbarer Nähe des Blitzableiters aus dem Dache der Sixtzinischen Kapelle erhebt. Dieser Schornstein steht mit dem Kamin in Verbindung, in welchem die Stimmzettel nach den betreffenden Wahlgängen verbrannt werden. Die Kardinäle hatten sich gestern bereits um 7 Uhr in die Sixtinische Kapelle begeben, um der vom Kardinaldekan zelebrierten Messe beizuwohnen. Um 9 Uhr wurde ihnen in ihren Wdhnräumen das Frühstück serviert. Gegen 10 Uhr durcheilten die Zere- moniare alle Räume des Konklave und riefen mit lauter Stimme: Domini, ad Capellam. Punkt 10 Uhr fanden sich alle Kardinäle in der Sixtinischen Kapelle ein und nahmen unter ihren Baldachinen Platz. Nach einer kurzen Ansprache des Dekans Kardinal Oreglia schritt man sofort zur Wahl der „Skrutaioren", d. h. der drei Kardinäle, welche den Wahlakt leiten. Diese Wahl geschieht durch kleine Kugeln, auf welchen die Namen der Kardinäle verzeichnet sind. Sie werden in eine Börse gelegt, welche ^ auf dem großen Tische in der Mitte der Kapelle lag. Auf dieselbe Weise wurden auch drei Kardinäle gewählt, welche die Stimmzettel der etwa in ihren Räumen krank daniederliegenden Kardinäle zu holen beauftragt sind. Der erste Wahlgang war etwa um 11 Uhr beendet. Punkt 11 Uhr 15 Minuten stieg der Rauch im Schornstein auf. Er dauerte etwa 10 volle Minuten, da anscheinend sehr viel Stroh mitverbrannt wurde.
* Rom, 3. August 1903. Die fünfte Sfumata stieg um 11 Uhr 15 Minuten auf. 2000 Menschen sind auf dem Petersplatze. Um 6 Uhr 25 Minuten abends zeigte sich die sechste Sfumata auf dem Dache der Sixtinischen Kapelle innerhalb zehn Minuten zweimal hintereinander. Die Menge, die seit etwa 5 Uhr auf dem Petersplatz geharrt hatte, verlief sich danach langsam.
* Belgrad, 3. August 1903. In Serbien kann man sich nicht genug tun, seine Ergebenheit für die Dynastie Karageorgiewitsch zu bezeugen. Die Loyalitätskundgebungen beschränken sich aber nicht blos auf die Person des neuen Königs, vielmehr hat der Ministerrat dem ,Hann. Kour.'
Er schied mit bitterem Leide; es war ihm nicht einmal vergönnt gewesen, Lisbeth auch nur ein einfaches höfliches Wort des Abschiedes zu sagen. .Sie war den ganzen letzten Abend nicht mehr im Salon unten erschienen.
Der Wagen hatte fich in Bewegung gesetzt, er rollte schnell durch die schweigenden Straßen der Stadt. Auch die beiden Herren waren verstummt, jeder beschäftigte fich mit seinen Gedanken. Man war auf dem Bahnbose angekommen, die Zeit drängte; Paul umarmte inwg Manfred, in welchem im Moment des Scheidens die alte Freundschaft warm aufwallte, und der die Umarmung herzlich erwiderte.
Bald entführte fie das schnaubende Dampfroß nach verschiedenen Himmelsgegenden.
Schon am ersten Tage nach der Abreise der beiden Herren fiel Lisbeth das ganz auffallend steife und kühle Wesen der Präsidentin und ihrer beiden ältesten Töchter auf; selbst an Frieda war eine merkbare Verlegenheit im Verhalten gegen sie sichtbar.
Sie bekümmerte sich vorläufig nicht sehr darum; sie hatte zu viel mit ihren eigenen Gedanken zu tun. Am Abend zuvor hatte sie einen heißen Kampf gekämpft; die Entscheidung, welche sie getroffen, hatte sie sich mit bitterem Schm- rze abgerungen. Zwar fühlte sie sich ruhiger in dem Bewußtsein erfüllter Pflicht, aber trotzdem tief gebeugt und verlassen.
Nichts kam ihr tröstend zu Hilfe, kein Wort, kein Zeichen der Sympathie von feiten derjenigen, auf welche fie angewiesen war.
Sie ahnie nicht, daß ihr Urteil schon gefällt war, und daß fie es nur einem noch nicht vollständig erstorbenen Mitgefühl der Präfidentin verdankte, daß die Ausführung desselben verzögert worden war.
Jetzt war die Gnad-nfrist abgelaufen. Fran v. Breten konnte nicht länger dem Drängen Lidwina'S widerstehen, die das Schwanken ihrer Mutter eine unverzeihliche Schwäche nannte, gegen eine Person, welche gänzlich unwürdig sei, noch eine Stunde in ihrem Hause zu leben, und für deren Schuld sie handgreifliche Beweise habe.
§ Die Angriffe gegen die Anfiedelungs- kommisfiou. Die in letzter Zeit aus Anlaß des Umstandes, daß die Kommission deutsche Güter aufgekauft habe, in der Preffe erhoben worden waren, sucht eine Zuschrift der ,Nat.- Ztg.' zu entkräften. In derselben wird ausgeführt, daß der Ankauf von deutschen Latifundien deswegen zu begrüßen sei, weil dadurch der Kampf gegen die Polen gefördert werde. Denn die in fürstlichem Besitz oder im Eigentum von außerhalb wohnenden Magnaten befindlichen Herrschaften würden von Verwaltungen geleitet, die für deutsch-nationale Pflid ten und höhere volkswirtschaftliche Aufgaben weder Verständnis noch Neigung besäßen. Die Begriffe und Unterschiede von deutsch uyd polnisch seien diesen Leuten vollkommen gleichgiltig. — Die Zuschrift trifft nicht den Kern der Sache. In jenen Angriffen war weniger getadelt worden, daß deutsche Güter aufgekauft würden, als vielmehr, daß für deutsche Güter so enorm hohe Preise gezahlt würden. Diesen Tadel entkräftet die Zuschrift der ,Nat.- Ztg.' nicht.
(*) Sanitätsoffiziere und Ehrengerichte Nach einer Entscheidung des Medizinalministers unterstehen ehemalige Sanitätsoffiziere, die mit dem Recht zum Tragen der Uniform aus dem Militäroerhältnis geschieden sind, zunächst den ärztlichen Ehrengerichten, gleichzeitig aber auch den Ehrengerichten für die Sanitätsoffiziere.
[:] Zur sächsischen Wahlrechtsreform. Nachdem bereits vor einigen Tagen, wie wir mitgeteilt, aus sächsischen industriellen Kreisen Vorschläge für die Wahlrechtsreform gemacht worden sind, wird jetzt auch in der .Deutsch. Tagesztg.', deren Leiter bekanntlich aus Sachsen stammt, eine Direktive für die Wahlrechtsreform zu geben versucht: „Die Abänderung des Wahlrechts muß unseres Erachtens drei Ziele verfolgen und erreichen: einmal darf das Wahlrecht nicht plutokratisch sein, es muß ferner die sozialdemo- kratstche Ueberwucherung der Ständekammer verhindern, und es muß drittens dem Mittelstände den ausschlaggebenden Einfluß wahren.und sichern. Denn daß int Mittelstände die staatserhaltenden Kräfte am stärksten vorhanden sind, das muß nachgerade jede Regierung anerkennen. Werden mit der Reform diese Ziele besser erreicht als mit dem jetzt geltenden Gesetze, so wollen wir sie mit Freuden begrüßen. Freilich wird auch dann und auch dadurch an der Tatsache nichts geändert, daß die Ankündigung der Abänderung so unzeitgemäß war wie nur möglich. Die Sozialdemokratie sieht in ihr einen Erfolg ihrer Bestrebungen, eine Anerkennung ihrer Macht; und daß sie dazu ein gewisses Recht hat, kann niemand bestreiten." '
—* Bekanntlich hat die chinesische Regierung auf Verlangen der Mächte durch ein auch in das Pekinger Schlußprotokoll aufqenommenes Kaiserlich chinesisches Edikt vom 25. August 1901 die Einfuhr von Waffen und Kriegsmaterial nach China zunächst auf die Dauer von 2 Jahren verboten. Es bestätigt sich jetzt, wie die.Norddeutsche Allgemeine Zeitung' offiziös mitteilt, daß
Mit der größten Ruhe bemerkte Lidwina: „Gut, gut! Fräulein Lisbeth wünscht ihn noch einmal zurück."
Der Mann ließ fie arglos mit dem Briefe davongehen. Die Aoriste desselben lautete an eine Baronesse Eggenberg.
, In ihrem Zimmer angelangt, verschloß Lidwina es sorgfältig, und nun, ohne das geringste Zaudern, riß sie das Kuvert auf und verschlang den Inhalt des Briefes mit ihren Blicken.
Er war teilweise sehr unverständlich. Lisbeth sprach darin von einem Unglück, das ihren Namen mit Schande beladen habe, als von etwas, das der Adressatin bekannt fein mußte. Was das war, konnte sich Lidwina nicht erklären; fie hatte auch nicht Zeit, darüber nachzudenken. So murmelte sie nur vor sich hin:
„Dieses Geheimnis will ich schon ergründen; selbst einen falschen Namen führt fie. Schade, daß ich das nicht gleich benützen kann, es könnte sie vors Gericht bringen, ich würde mich aber verraten und vor Eggenberg bloßstellen. Damit muß ich warten "
Etwas war sonnenklar; durch die Vermittelung Eggenc-erg's war Lisbeth eine Stelle bei seiner Tante angetragen worden. Sie lehnte dieselbe mit den Versicherungen ihres innigsten Dankes und dem ungeheuchelten offenen Geständnis tiefsten Bedauerns ab, weil sie ihres Bruders wegen, der ihr von den sterbenden Eltern übergeben worden;ei, die Residenz nicht verlosten könnte. „Ihres Bruders wegen"; sie hatte also einen Bruder.
Doch wozu sich über Dinge den Kops zerbrechen, die fie nicht erraten konnte und die fie wenig interessierten. Nur ein Gedanke beseelte fie, daß Eggenberg Lisbeth in seiner Nähe haben wollte, daß er mit ihr in Verbindung stand. Spielte diese durch ihre Zurückweisung die Spröde, um ihn noch mehr anzureizen oder zog sie Manfred dem Baron vor?
Ihr regelmäßiges Gesicht war häßlich verzerrt von Groll und Eifersucht, ihr Auge starr auf einen Punkt gerichtet; offenbar grübelte sie über einen Plan nach, aber ntir kurze Zeit. Mit Hast ergriff fie
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