Einzelbild herunterladen
 

VW £111 Xam*

»h«e Sringerlohu *e* M M Illi J Bf I

vefteLgeidinMdann» MM M W W MM I

«eswörts Btt. 50 Pte

veraittwortlich« W

rchriftleit«:Z<»s.v<m*

3. Arzell« ti Zulda. wochenbeNage: „Illustrierte Sonntagsjeitung"

Zeitung

Monatsbellage: „Zuldaer Gefchichtrblätter".

Is$eigei; Vie et» fpattige -etitzeile o5et deren Sau« 15 pfg. HeflomtR die Petitzeile 25 Pfg.; bei Wieder­holungen wird entspr.

Rabatt gewahrt.

Druck und Verlag der ZuldaerActiendruckerei in Zulda (Harmonie). Fernsprecher Ur 9.

JVS 174.

flllda, Montag, den 3. August 1903.

30. Jahrgang.

Berlin, den 1. August 1903.

Deutsches Keich

।

§ Biel Lärm um nichts. Der ,Vor- ist wieder einmal in der Lage, Schrift­stücke zu veröffentlichen, die ihm ein dienstbarer Seist zugestellt hat. Es handelt sich diesmal aber nicht um die Entwendung geheimer Akten- ftücke, sondern um die Mitteilung von Vorgängen, von denen Unbeteiligte leicht Kenntnis erlangen konnten. Die Angelegenheit betrifft die Aende- rung des heutigen Reichstagswahl­rechts. Ein in der Oeffentlichkeit bisher ziem­lich unbekannter Herr, Dr. Ä. Giese brecht aus der Nähe von Deggendorf in Bayern hat vor den Wahlen im " Einverständnis und mit Unterstützung einer Gruppe von Herren, die fast durchweg zu den Vertretern des Großkapitals gehören, an gesinnungsoerwandte Kreise ein Zir­kular ergehen laffen, in welchem in Hinsicht auf die Zunahme der Sozialdemokratie die Notwen­digkeit einer Aenderung des heutigen Wahlrechts dargelegt wird und zwei Abhandlungen in Aussicht gestellt werden, durch welche „ein allgemeiner Vorstoß von solcher Wucht und Äus- dauer"vorgenommen werden sollte, „daß dieReform denn Zusammentritt des Reichstags das ganze innerpolitische Interesse in Anspruch genommen wird." Jene Abhandlungen sollten in Millionen von Exemplaren in das deutsche Volk geworfen werden. Der ,Vorwärts' hat jene Herren dieser Mühe überhoben, da er jene Abhandlungen be­reits zur Kenntnis der Oeffentlichkeit bringt. Die wesenllichften Vorschläge des Herrn Giesebrechts sind: Jeder Reichsangehörige soll zunächst eine Stimme haben, ist er wirtschaftlich selbständig, so erhält er noch eine zweite, hat er die Be­rechtigung zum einjährig-freiwilligen Dienst, eine dritte, und endlich erhält er nach erreichtem 35. Lebensjahre noch eine weitere Stimme. — Der ganze „Vorstoß" hat nicht das geringste höhere politische Jntereffe und kann eine ernst­hafte Drskuffion nicht beanspruchen. Der ,Vor- wärts' sucht natürlich das Vorkommnis weidlich für die sozialdemokratische Agitation auszubeuten und das ist die traurige Be­deutung der ganzen Sache.

§ Auf die Vizepräsidentenfrage kommt in ihren „Rückblicken" die ,Nordd. Allg. Ztg.' zurück und meint: „Die Wahl des Präsidiums des Reichstages ist weder eine Rechtsfrage, noch sollte sie eigentlich eine Parteifrage sein; denn sie ist und bleibt eine Frage des Vertrauens zu den Fähigkeiten, dem Takte und dem Gerechtig­keitssinn des zu Erwählenden. Dieser Stand­punkt dürfte auch in der Zukunft der maßgebende bleiben. Die Behandlung der Angelegenheit von feiten der Sozialdemokratie hat höchstens eine symptomatische Bedeutung, und in diesem Sinne kann man sogar den Auseinandersetzungen der Partei über die Frage, die bei den bevorstehenden

Fügungen.

Erzählung von A. U h d o l p h.

24 ------ (Nachdruck verboten.)

Ohne näheres über die Familie des Präsidenten zu berichten, lag es doch ziemlich klar in seinem Briefe ausgeprägt, daß er diese nicht geeignet hielt, zur sittlichen Hebung seines Schützlings, wie er Elisa­beth nannte, mitzuwirken.

Wen er sich nun unter dem „edlen, weiblichen Wesen", welchem er sie anvertrauen wollte, dachte, war zwar nicht ausge prochen, Tante Pauline aber erriet es 'deutlich. Sie lächelte und seufzte gleich­zeitig; aber sie begriff auch mit ihrem klaren, von keinem Vorurteile getrübten verstände, mit ihrem liebevollen Herzen, daß ihr Neffe nicht nur das Richtige für seinen „Schützling", sondern auch das Richtige für sich selbst getroffen habe.

Ihr armer Neffe! Er wußte nicht, daß er selber an einem Abgrunde stand, er ahnte nichts von der Gefahr, in welcher er schwebte.

Ja, das fremde Mädchen mußte unbedingt zu ihr; sie mußte es kennen lernen; nur durch sie konnte ihr Neffe dann ei« richtiges Urteil über die Waise erhalten; durch sie konnte dann vielleicht noch se-n Herz auf die zarteste, mildeste Weise geheilt wer­den.

Darum hatte sie auch keine Zeit verloren; um­gehend hatte sie den Brief ihres Neffen beantwortet; sie ging in ihrem Schreiben ganz auf seine Pläne ein; mit feinen Takt vermied sie alle und jede An­spielung; nicht ein Ausdruck des Brieses, nicht eine Wendung verriet, daß ste in seinem Herzen gelesen hatte, was er selbst noch nidjt wußte; es war, als fände sie es höchst natürlich, daß er fich um das jun e Mädchen kümmere

Vorsorglich hatte ste sofort ein Schreiben an Elisabeth mit eingeschloflen, um ihren Neffen nicht in

Verhandlungen des Parteitages in Szene gehen werden, ein gewiffes Jntereffe vindizieren.

% Aus dem Wahlkreise Deffau-Zerbst wird dem ,Berl. Tagedl.' gegenüber den national- liberalen Aeußerungen von der Aufstellung des Herrn Büsing als gemeinsamen liberalen Kan­didaten noch geschrieben: „Selbstverständlich liegt für die Anhänger der freisinnigen Vereinigung als der weitaus stärksten liberalen Partei des Kreises nicht oer mindeste Anlaß vor, auf die Aufstellung eines eigenen Kandidaten zu Gunsten derjenigen eines Kompromißkandidaten zu ver­zichten. Wenn bisher über die Person des Kan­didaten der fteisinnigen Vereiniguna noch kein entscheidender Beschluß gefaßt ist, so darf das nicht dahin gedeutet werden, als feien die An­hänger der freisinnigen Vereinigung geneigt, sich auf eine Kompromißkandidatur einzulaffen. Unter keinen Umständen wird das geschehen; zu ge gebener Zeit wird die Entscheidung über den Kandidaten der freisinnigen Vereinigung fallen; für wen die Mitglieder der Vereinigung sich aber auch entscheiden mögen, in jedem Falle wird es ein Mann sein, welcher der freisinnigen Vereinigung angehört.

% Zum Anschluß der Rationalsozialen au die freisinnige Bereinigung veröffent­licht die »Nation' einen Artikel Pfarrer Nau­manns, in dem nochmals die Gründe für diese Verschmelzung auseinandergesetzt werden. Nach dem Naumann auf die Unmöglichkeit eines Ueber- gangs zu der Sozialdemokratie hingewiesen hat, fährt er fort: „Die freisinnige Vereinigung ist diejenige politische Gruppe, in der w r nach meiner Ueberzeugung am besten uns heimisch fühlen können. Was mich dabei leitet, ist der Eindruck der tapferen und tadellosen Haltung der freisinnigen Vereinigung in dem Kampf für die Flottenvorlagen, gegen die Zuchthausvorlage und gegen den Zolltarif. Hier ist wenigstens noch wirklicher Liberalismus, hier ist Optimis­mus, hier ist politische Nervenkraft, die auch in stürmischsten Tagen aushält." — In Hinsicht auf eventuelle künftige obstruklionistische Vor­gänge könnte alfo die Verschmelzung des national­sozialen Vereins mit der freisinnigen Vereinigung Bedeutung haben, wenn nicht der Zuwachs, den die freisinnige V reinigung dadurch erhält, ein minimaler wäre.

* Der Verband der Windthorstbnnde Deutschlands, welcher gegenwärtig (1. bis 3. August) in Stuttgart seinen 4. Vertretertag ab­hält, zählt nach dem soeben erschienenen Jahres­bericht in 75 Bunden rund 6900 Mitglieder gegen 4400 Mitglieder am Schluffe des vorigen Berichtsjahres. Der erfreuliche Zuwachs von 2500 Mitglidern innerhalb Jahresfrist ist wesent­lich dem wichtigen politischen Ereignis der Reichs­tags wählen zuzuschreiben, welche in vielen Orten die Gründung von Wrndthorstbunden gezeitigt haben. In einer größeren Zahl von Orten, 14, stehen weitere Gründungen bevor. Das im 7. Jahr­gang stehende Verbandsorgan Windthorst- blälter zählt gegenwärtig 6800 Abonnemen gegen 4000 zu Beginn des abgelaufenen Berichts­

dir Notwendigkeit zu versetzen, die Sache mündlich verhandeln zu muffen.

Der Baron war durch die sch-elle und günstige Antwort fei -er Tante äußerst freudig g.stimmt. Er «l'e in den Salon hinunter, um Elisabeth dort zu treffen; er hoffte sie allein zu finden, da die Damen Brcten, wie er wußte, noch vor dem Souper einige Besuche machten. Sie hatten i n auch für diese Zeit abwesend geglaubt, da er nach seiner eigenen Angabe noch mehrere Ab.chiedSvisiten zu machen hatte.

Den letzten Abend wollte man dann ganz en famille in trauter Häuslichkeit verleben. Nun hatte er den Brief seiner Tante erhalten, und vergeffen waren die Abschied-Visiten.

Er trat in den Salon, Elisabeth war nicht da; er blickte in'- Nebenzimmer, auch dort war sie nicht.

Ein Gefühl schmerzlicher Enttäuschung überkam ihn; er hätte ihr so gern persönlich den Brief seiner Tante übergeben. Noch einen Blick in den Salon! Wie hatte er sie zuerst übersehen können!

Elisabeth saß regungslos am Piano ; die Klaviatur war geöffnet, aber kein Ton wurde den Tasten ent­lockt, das schöne Haupt ruhte auf den verschränkten Armen. War sie ermüdet eingeschlafen? Eggenberg machte ein Geräusch.

Sie fuhr auf; sie sah den Baren an der Tür stehen, eilig und erschreckt wollte sie sich entfernen. Dieses verschüchterte Wffen ihm gegenüber machte einen tiefen, einen beschämenden Eindruck auf ihn, er fühlte, daß er etwas gut zu machen habe

„Ich babe Sie gestört, erschreckt. Ich bitte tausend­mal um Verzeihung, aber auch um die Gunst, mich für kurze Zeit anzuhören; ich suchte Sie."

„Mich?" kam e« halb eiftount, ha b erfreut von den L'ppen L-sbeth's. „Mich?"

Was konnte derBaron von ihr wü. scheu? Er sah so freundlich zu ihr nieder. Hatte er sich endlich da­mit ausgesöhnt, sie hier im Hause gefunden zu haben ? Dachte er milder über sie, die Tochter des Geächteten?

Brachte er ihr vielleicht einen Gruß von Hildegard ? Sie verdiente es eigentlich nicht, sie hatte ihreFreun-

jahres. Wir wünschen dem Verbände ein weiteres Blühen, Wachsen und Gedeihen!

[•] Zur Hochwafserkatastrophe. Der Kaiser hat, wie die ,Kreuzztg.' hört, für die durch die Ueberschwemmungen in der Provinz Brandenburg Betroffenen eine Beihilfe von 2000 M. bewilligt. — Die Meldung des,Reichsboten', daß der Aufschub der Reise des Kultusministers Dr. Studt in das schlesische Ueberschwemmungs- gebiet deshalb erfolgt fei, weil der Medizinal­referent des Kultusministeriums erkrankt fei, ist, wie die ,Nat. Ztg.' erfährt, unrichtig. Der Medizinalreferent Geh. Obermedizinalrat Prof. Dr. Kirchner, der den Minister auf der Reise ins Ueberschwemmungsgebiet begleiten wird, er­freut sich vielmehr der besten Gesundheit.

—* In der Zeit vom 1. April 1903 bis zum Schlüsse des Monats Juni 1903 sind folgende Einnahmen (einschließlich der ge­stundeten Beträge) an Zöllen und gemein­schaftlichen Berbrauchsstenern sowie andere Einnahmen des Deutschen Reichs zur Anschreibung gelangt: Zölle 117,870,981 Mk. (gegen das Vorjahr -s- 2 099,687 Mark), Tabaksteuer 2,355,166 Mk. (— 140,836 Mk ), Zuckersteuer und Zuschlag 20,747.658 M. (-s-4.578 224 M.), Salzsteuer 10,947,108 M (-j- 278,279 Mark), Maischbottichsteuer — 1,608,475 Mk (weniger 6,197,069 M.), Verbrauchsabgabe von Brannt­wein und Zuschlag 31,698,131 (-s-855,573 M), Brennsteuer 746,693 Mk. (+ 747,002 Mark), Schaumweinsteuer 1,043,679 M. (-|- 1,043,679 Mark), Brausteuer 8,142,162 Mk. (— 76,470 Mark), Uebergangsabgade von Bier 861,780 M. (— 14.745 M.), Summe 192,804,883 Mark (4- 3,173,324 Mark). Stempelsteuer für: a) Wertpapiere 3,504,562 Mk. (— 5,849,241 Mark), b) Kauf- und sonstige Anschaf- ungsgeschäfte 3,158,584 Mark (-r • 324,875 Mark), c) Lose zu: Privatlotterien 1,626,024 Mark (—41,429 M.), Staatslotterien 4,152,241 Mark (— 2,403,738 Mk.), d) Schiffsfrachtur- kundn 201,326 M- (-s- 6,567 M), Spielkarten- stempel 322,031 Mk. (— 24,666 M), Wechsel­stempelsteuer 3,024.965 M. (4- 35,776 Mark), Post- und Telegraphenverwaltung 109,378,073 Mark (4- 4,760,058 Mk.), Reichseisenbahnver­waltung 22,980,000 Mk. (4- 1,353,000 Mk.).

*** Berlin, 1. August 1903. Der Kaiser hat der katholischen Schulgemeinde zu Schmilau bei Kol- mar i. P. als Be Hilfe zu den Kosten für den Bau einer neuen Schule aus seinem Dispositionsfonds 14000 Mark überweisen lassen. Ferner bewilligte der Monarch der neu gebildeten katholischen Schul­gemeinde zu Neuhof bei Liepa zur Errichtung einer Schule eine StaatSbeihtlfe von 7600 Mark. — Die für die einleitenden Verhandlungen zur Revi­sion des Handelsvertrages mit Rußland bestimmten deutschen Kommissare hoben sich, wie die .Nordd. Allg. Ztg.' offiziös mitteilt, am Samstag nach St. Petersburg begeben. — Der .Reichsanzeiger' meldet die Ernennung der Kaufleute Thomas Siggelkow und August Schernau zu Vizekonsuln in Caldera bezw. Coquimbo (Chile). — Laut Bekannt­machung des , Reichs an zeige rs' wird der Zivil­ingenieur Artbur Manke in Stettin, Friedrich Karl- firaße 12a, welcher, ohne in die Liste der Patentan­wälte eingetragen zu sein, die Vertretung vor dem Kaiserlichen Patentamt berufsmäßig betreibt, auf Grund

bin unverantwortlich vernacblässigr, aber es toar ihr unmöglich gewesen, an sie zu schreiben.

Sie hatte derselben ihre unglückliche Lage in der Residenz, ihre Demütigungen, ihre Entbehrungen, ihre Armut, ihren Kummer nicht mitteilen wollen. Sie kannte ihre Freundin zu gut, um richt zu wissen, baß diese alles aufbi ten würde, um ihr eine erträglichere Existenz zu verschaffen; sie wollte der Freundschaft kein Almosen verdanken.

Als sie in dar Haus des Präsidenten eingetretew war und ihre Lage für den Augenblick gesichert, wollte sie an Hildegard schreiben; doch das erste Begegnen mit deren Brüter hatte ihr allen Mut benommen; sie wußte, daß die beiden Geschwister geistesverwandte Seelen waren, und schloß auS seinem Benehmen, daß auch Hildeger» fich mit einer gewissen Zurückhaltung von ihr abgewendet habe. Durch ihn war sie in ihrem Vertrauen zu ihrer Freundin erschüttert worden. Der Bl ck, der Ton seiner Stimme erfüllte in diesem Augen- bücke ihr Herz mit froher Hoffnung.

E.igenberg hatte sich ihr genähert; er lehnte leicht feine Gestalt an das Instrument.

„Ja, ich habe Sie gesucht. Ich habe einen Auftrag an Sie."

„Von Hildegard?" wollte sie ihn fragend unter­brechen, er ober ließ ihr nicht die Z it; er fühlte jetzt, wo er sprechen mußte, eine gewisse Verlegenheit.

In seiner Erregung vorher halte er gar nicht daran gedacht, daß er fein Tun doch irgendwie motivieren mußte, um fich nicht in ein g nj eigentümliches Licht vor ihr zu setzen, die vielleicht gar keinen Wunsch hegte, das Haus des Präsidenten zu verlaffen und die fich möglicherweise ganz glücklich hier fühlte, wenn auch aus ihren Zügen mehr sanfte Refignation und geduldiges Ertragen als Befriedigung zu lesen war.

In seiner Veclegendeit fuhr er eifrig fort:

„Ich habe einen Auftrag, eine Bitte an Sie von meiner Tante, der Baronesse Pauline von Eggenberg."

„Von Ihrer Tante, der Baronesse? Ich habe nicht die Ehre, die Dame zu kennen."

„Aber Sie sind ihr nicht unbekannt."

des § 17 des Gesetzes, beireffend die Patentanwälte vom 21. Mai 1900, vom Vertrauensgeschäft aus* geschloffen. — Eine Konzession für den Ver' lagsbuchhändler Ernst Bohsen zur Gewinnung von Edelsteinen und Halbedelsteinen in einem Gebiet an der Südgrenze von Deutsch-Ostafrika wird im .Reichsanzeiger' veröffentlicht.

* Rom, 2. Aug. 1903. Nachdem bereits gestern zwei ergebnislose Absttmmungen statt­gefunden hatten, war auch heute wieder von bet frühesten Morgenstunde an eine zahlreiche Men­schenmenge auf dem Petersplatze versammelt, die trotz der großen Hitze die Sfumat a (Rauch der verbrannten Stimmzettel) erwartete. Diese er­schien um 11 Uhr 20 Minuten, innerhalb 6 Minuten zweimal hintereinander, was darauf schließen läßt, daß eine Acceßwahl stattfand und zuerst die Zettel der ersten Abstimmung und dann die der Acceßwahl verbrannt wurden. Als die Sfumata vorüber war, begab sich eine zahlreiche Menschen­menge in tie Peterskirche, um zu beten. Von der außerhalb des Konklaves befindlichen Loge über der Bronzetür des Vatikans aus betrachteten viele Prälaten und Angehörige der Nobelgarde das belebte Bild, das der Petersplatz gewährte. — Heute vormittag celebrierte Msgr. Lazza- resch am Hauptaltare der Peterskirche die hl. Messe, der u. a. alle katholischen Vereine und Schulen beiwohnten. Nach der hl. Messe zogen alle Anwesenden in Prozession am Grabe des Papstes vorüber. Die ,Voce della Verita' mel­det, daß schon bedeutende Spende,, für das Denk­mal Leo's XIII. eingegangen seien. — Der Peters­platz war heute von 5 Uhr abends an außer­ordentlich belebt. Die Menge wuchs so stark an, daß die militärische Absperrung verstärkt und auch auf den Platz vor oer Kirche ausgedehnt wurde; doch wird das Publikum in der Peters­kirche, deren sämtliche Türen geöffnet sind, zu­gelassen. Um 6 Uhr 40 Min. stieg die vierte Sfumata vom Dache der Sixtinischen Kapelle auf; die Menge wartete noch eine zeitlang auf dem Petersplatze.

B. Rom, 1. August 1903. Nach einem Be­richte des statistischen Amtes des Handels­ministeriums belief sich die italienische Weinausfuhr nach Oesterreich-Ungarn auf 542,719 Hektoliter, nach der Schweiz auf 166,140, nach dem Deutschen Reich auf 63,315, nach Argentinien auf 209,585 und nach Brasilien auf 108,010 Hektoliter. In dieser Ausfuhrstatistik figuriert die europäische Türkei mit 4,347 Hetto- litet, China mit 4,229 Hektoliter und Groß­britannien und Irland mit 5,860 Hektoliter. Der Wert des exportierten Weines beläuft sich auf 33.415,254 Lire.

* Wien, 2. Äug. 1903. Ein neues Manöver­unglück österreichischer Truppen hat sich bei Stanislau in Galizien zugetragen. Trotz der wahrhaft tropischen Hitze wurden dort bis in

Er glaubte damit keine direkte Unwahrheit zu sprechen; er hatte sie ja durch feinen Brief genugsam bei seiner Tante Angeführt. In ihr bestärkte dieser Ausspruch nur die Ueberzeugung, daß er sie erkannt habe. Und möglich war es immerhin, daß Baro- neffe Pauline Eggenberg durch Hildegard von ihr ge­hört hatte.

„Hier ist ein Brief n einer Tante an Sie. Ich bitte Sie dringend" — der Ton seiner Stimme wurde weich und warm — „derselben keineverneioende Ant­wort zu geben". Was sie Ihnen rät oder vorschlägt, tonnen Sie unbedenklich annehmen.

Lisbeth konnte sich keine Vorstellung von dem Anliegen der Baroneffe machen; aber schon der Ge­danke, daß Personen aus einer Familie, welche sie boch verehrte, mit ihr in irgend eine Beziehung treten wollten, machte sie glücklich. Sie ertlürte deshalb auch ohne Zögern, daß sie, ohne -rfi den Brief ge­lesen zu haben, nicht zweifle, daß sie mit feinem In­halte vollständig einverstanden sein werde.

Ihre schnelle und bereitwill.ge Antwort schien den Baron sichtlich sehr za erfreue«; er vergaß sich gleichsam und folgte nur den momentanen Ein­gebungen seines froh bewegten Innern.

„Fräulein Elisabeth, Ihre Freundlichkeit ermutigt mich zu einer Bitte. Bis jetzt war es mir nur ver­gönnt, im anstoßenden Gemache wenige Töne Ihrer herrlichen Stimme zu bewundern. Wü'den Sie mir wohl am letzten Abend meiner Anwesenheit die Gunst gewähren, irgend ein Lied vorzutragen?"

Lisbeth zögerte zuerst mit der Antwort, doch warn« sollte sie seine Bitte nicht erfüllen? Stand er ihr nicht durch Hildegard nahe? Schrieb sich ihre Bekannffchast nicht schon von den Kinderjahren her, wenn er auch es v-rgefsen zu haben schien oder es doch wenigstens beharrlich ignorierte?

Sie war ihm überdies zu Dank verpflichtet, da er bis jetzt ihr Inkognito in der Familie des Präsidenten nicht verletzt hatte.

Er batte ein Notenheft in die Hand genommen und blätterte darin.