30. Jahrgang.
TU Ida, Samstag, den 1. August 1903.
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H Deutschland und die Papftwahl
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Deutsches Reich,
Es handelte sich nur noch darum, sie unter einem passenden Vorwande zu entlassen, was besonders Lidwina des Bruders wegen als ganz notwendig darstellte.
Der Monat Februar nahm ruhig seinen Verlauf; mach außenhin wenigstens; nichts deutete darauf hin, daß mit Ausnahme des Präsidenten, alle mehr oder weniger innerlich erregt waren.
Selbst Baron Eggenberg, der seinen Aufenthalt in der Residenz bis anfangs März ausgedehnt hatte, war aus seinem gewohnten Gleichmut herausgerissen. Er hatte ein merkwürdiges Jntereffe für Lisbeth, die bescheidene, unbeachtete Gesellschafterin, gefaßt.
Schon seit geraumer Zeit konnte man ihn täglich um dieselbe Zeit im Lesekabinet neben dem Salon finden. Wie es den Anschein hatte, war er ganz ins Studium eines gelehrten Werkes vertieft; aber ach! Der Verfaffer desselben würde sich sehr enttäuscht gefühlt haben, hätte er die Gedanken des Barons erraten können.
Ließ sich irgend ein Geräusch vernehmen, so wendete der Baron erschrocken eine Seite um, ohne auch nur einen Buchstaben der vorhergehenden gelesen zu haben. Seine ganze Aufmerksamkeit konzentrierte sich auf seinen Gehörsinn. Zwar waren die Portieren zum Salon geschlossen, nichtsdestoweniger aber vernahm man deutlich die musikalischen Uebungea Frieda's und von Zeit zu Zeit die weiche Stimme Lisbeth's, welche ihr Gesangsunterricht erteilte.
Nicht selten geschah es, daß sie selbst einige Töne ang; aber dann war Eggenberg wie elektrisiert.
„Sie hat eine wunderbare Stimme, niemand kann das leugnen; ich brauche gar nicht ein solcher Musik
schwärmer zu sein, wie ich es bin, um sie zu bewundern. Könnte ich nur ein einziges mal ein Lied vollständig von ihr hören! Aber sie darum bitten, nein, ich kann mich dazu nicht herablassen."
Und so wartete der Baron Tag um Tag geduldig und doch immer vergeblich auf die Erfüllung seines Wunsches.
Seit dem Geburtstage des Präsidenten verheimlichte er sich auch nicht, daß er sich lebhaft für das fremde Fräulein interessierte. Es tat ihm leid, daß ein so schönes, begabtes Wesen auf moralische Abwege geraten sei.
Trotz seiner großen Strenge gegen dergleichen Fehler ^entschuldigte er sie mit ihrer Jugend, ihren körperlichen Reizen, ihrer Armut. Er fand es gar nicht auffallend, daß seine Gedanken sich gar so viel mit ihr beschäftigten.
In seiner stattlichen Größe kam er sich wie berufen vor, an ihr ein gutes Werk zu vollführen, wenn ihm auch noch nicht deutlich war, was er eigentlich wollte. Vorläufig war es ihm genug, sie recht scharf und genau zu beobachten.
So war es ihm denn auch bald gelungen, ziemlich genau ihre Tageseinteilung kennen zu lernen. Daß sie trotz der kalten Jahreszeit täglich um 6 Uhr in der heiligen Meffe war, wußte er nicht, da der Tag für ihn im Hause des Präsidenten nicht so zeitig begann
Sie ging sehr wenig aus und, wie es schien, nur im ^Auftrage der Präsidentin. Daß sie bisweilen erst bei einbrechender Dunkelheit Ausgänge machte, fand er höchst unpassend.
Er vergaß, daß Lisbeth nicht mehr zu der bevorzugten Klasse junger Damen gerechnet wurde, denen man solches nicht'zumute; er erinnerte sich dabei nur, daß gerade ein solcher Ausgang von ihr ihm die Gelegenheit gegeben hatte, sie als das kennen zu lernen, für was er sie hielt.
Er hatte sich vorgenommen, ihr einmal nachzuzugehen, war aber jedesmal daran verhindert worden.
Fügungen.
Ärzählung von A. Uhdolph.
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wochenb-ilagk:„IllustrierteSonntagsjcrtting
Unter dieser Ueberschrift bringt die ,Voff. Ztg/ einen längeren Artikel, welcher durch die offiziöse Meldung der,Nordd. Allg. Ztg/ veranlaßt worden ist, daß von keiner deutschen Stelle Einflüsse zu gunsten oder zu ungunsten irgend eines Kardinals aufgeboten würden.
Graf Bülow hat einmal im Reichstage eine schallende Heiterkeit hervorgerufen, als er in Anknüpfung an eine bestimmte politische Frage auf die Kritik eines Teiles der deutschen Presse zu sprechen kam und mitteilte, daß er wegen einer Rede, die er wenige Tage zuvor im Reichstage gehalten, in einem Blatte die Zensur bekommen habe, daß dieselbe ein hervorragendes staatsmännisches Genie verrate, daß aber rin jenem gesinnungsverwandtes Blatt aus gleichem Anlaß geschrieben habe, daß diese Rede die ganze politische Beschränktheit des Reichskanzlers dokumentiere. Wenn der Reichskanzler sein Material vermehren will, so ,m- pfehlen wir ihm die ,Voss. Zrg/
Die ,Voff. Ztg.' ist ungehalten darüber, daß Deutschland der Papstwahl müßig zusehe. Je voller dre Lorbeerkränze seien, die man Leo XHI. spende, desto eher müsse vermutet werden, die deutsche Regierung nehme den lebhaftesten Anteil an den Vorgängen im Konklave und suche, soweit sie könne, ihren Einfluß einzusetzen, damit -cht Mann von ähnlicher Gesinnung, wie sie dem bisherigen Träger der dreifachen Krone nachgesagt werde, gewählt werde. „Aber da kommen die Beschwichtigungshofräte und versichern feierlich, Deutschland sei weit entfernt, sich in diese innere Angelegenheit des Kardinalskollegiums zu Mischen. Niemals sei daran gedacht worden, ein Einspruchsrecht zu beanspruchen oder auszuüben, niemals habe die Regierung beabsichtigt, einen bestimmten Kardinal zu bekämpfen oder zu unterstützen. Für das Reich gebe es keine andere Politik als die vollkommener Zurückhaltung" — und mit Emphase fragt die ,Vosf. Ztg.' dann: .„Deutschland soll nichts besseres zu tun wiffen, mit gekreuzten Armen abzuwarten, wer als neuer Papst ausgerufen wird?"
Wir wiffen nicht, wie weit die Politik der ,Voff. Ztg.' die Politik der Reichsregierung beeinflußt, wenn aber die ,Voff. Ztg.' — und daran kann ja nicht gezweifelt werden — mit ihrer Politik die Regierung zu beeinflussen sucht, so hat sie m.seres Erachtens allen Anlaß, mit der Haltung der deutschen Regierung dem Kon- Äave gegenüber zufrieden zu sein, denn es ist noch Acht lange her, daß dieselbe .Voss. Ztg/ schrieb, die Kardinäle, die für die Papstwahl in Betracht kämen, seien stets „unbekannte Größen", und das spätere Verhalten des Gewählten pflege nie mit den Erwartungen übereinzustimmen, die man an seine eventuelle Wahl geknüpft gehabt
Berlin, den 31. Juli 1903*.
* Die Gedächtnisfeier der Katholiken Berlins für Papst Leo XIII. hat am Donnerstag unter starker Beteiligung stattgefunden. Die Versammlung richtete an den Kardinal Kopp folgendes Telegramm: „Die heutige Trauerversammlung der Berliner Katholiken bittet Euere Eminenz, den Ausdruck des tiefsten Schmerzes über das Hinscheiden des großen Papstes, sowie die Versicherung ihrer heißen Gebete um die Wahl eines würdigen Nachfolgers huldreichst entgegenzunehmen und dem heiligen Kollegium unterbreiten zu wollen." Die Gedächtnisrede hielt der Dominikanerpater Bonaventura, welcher in ergreifenden Worten ein Lebensbild des Verblichenen entwarf und seine Verdienste auf den verschiedenen Gebieten des Lebens schilderte.
* Die Rückkehr des Kaisers von seiner Nordlandreise wird nach den bisherigen Dispositionen am nächsten Freitag oder Samstag erfolgen. Wie gemeldet wild, wird die „Hoyen- zollern" mit dem Kaiser an Bord in Cuxhaven landen, worauf der Monarch sofort mittels Sonderzuges die Reife nach Berlin an tritt. Bon hier aus wird sich der Kaiser nach Erledigung der während seiner mehrwöchigen Abwesenheit angehäuften Regierungsgeschäste Nach Schloß Wilhelmshöhe bei Kaffel begeben, um dort im Kreise der inzwischen eingttroffenen kaiserliche Familie vorläufigen Sommeraufenrhalt zu nehmen. — In der zweiten Hälfte des Monats August wird der Monarch in Posen erwartet.
88 Zur Hochwafferkatastrophe. Der Kaiser hat an den Oberpräsidenten der Provinz Posen folgendes Telegramm gerichtet: „Ich freue mich, aus den Meldungen zu ersehen, daß schwere Schäden nicht erfolgten. Für die durch Nässe betroffene Bevölkerung habe Ich den Finanzminister angewiesen, 270000 Mark zur Verfügung zu stellen. Ebenfalls werde Ich persönlich Ihnen eine Summe zugehen lassen." Indem der Oberpräsident dies veröffentlicht, fügt er hinzu, daß der Kaiser aus Anlaß der Ueberschwemmungen in der Provinz Posen eine persönliche Gnadenbeihilfe von 5000 Mark bewilligt hat. Ferner hat der Kaiser genehmigt, daß der Kronprinz das Protektorat über das Komitee zum Besten der Uebei;
schwemmten Übernimmt. — Am Donnerstag hat wiederum unter dem Vorsitz des Finanzministers eine Sitzung stattgefunden, in welcher die Verhältnisse des Ueberschwemmungsgebietes in der Provinz Brandenburg zur Beratung standen. An der Sitzung nahmen der Oberpräsident von Bethmann-Hollweg aus Potsdam, der Regierungspräsident v. Windheim aus Frankfurt a. Oder und der Landesdirektor Frhr, v. Manteuffel teil. Letztere führten aus, daß sich noch ,Pcht übersehen lasse, welche Mittel notwendig
Unterdessen nwr die Fastenzeit herangekommen und Tggenbcrg begab sich, einer frommen Gewohnheit gemäß, schon frühzeitig in die Kirche, um recht ungestört und gesammelt die hl Sakramente zu empfangen.
Es war noch vollständig Nacht. Im Gotteshause brannten nur die Kerzen am Altäre und die Wachslichter einiger frommen Beter. Er schritt auf einen Beichtstuhl zu. Täuschten ihn seine Augen? Kniete dort nicht Lisbeth?
Sie sah ihn nicht; sie hatte die Augen gesenkt und schien wollständig in Andacht versunken. Ihr reines Profil wurde von dem Scheine ihres Wachsstockes klar beleuchtet.
Ein merkwürdiges Gefühl beschlich Egg'liberg. War es möglich, daß er sich getäuscht hatte, oder sah er eine büßende Magdalena vor sich?
Mit Gewalt riß er sich von ihrem Anblicke los und trat in den Schatten auf die andere Seite des Beichtstuhles; mit Gewalt kämpfte er gegen die an- stürmenden Gedanken, die ihn bei der hl Handlung, welche er im Begriffe stand vorzunehmen, zerstreuen wollten.
Ein entschiedenes Wollen von seiner Seite; die Sammlung kehrte zurück, aber auch die strenge Selbstprüfung, ob er nicht, zwar absichtslos, aber trotzdem nicht ohne schwere Sckuld, einem Wesen hartes Unrecht getan hatte, dessen er sich anklagen und das er gut machen mußte.
Der Baron schloß Lisbeth innig in sein Gebet mit ein. Mit größter Aufmerksamkeit hatte er seine Augen bewacht; er hatte Lisbeth nicht mehr gesehen; aber als er die Kirche verließ, geschah es mit dem festen Borsatze, sich genau über sie zu unterrichten und ihr entweder die geraubte Ehre zu ersetzen, was er so gern getan hätte, oder — sollte er sich nicht getäuscht haben — für ihre Rettung zu wirken.
Noch an demselben Tage oot sich ihm eine günstige Gelegenheit.
Es war in der achten Stunde abends, als er von feinem Fenster aus Lisbeth aus dem Hause her- austteten sah. In wenig Minuten war er ihr nach.
feien, um die Herbstbestellung zu ermöglichen und im welchem Umfange eine staatliche und provinzielle Hilfsaktion geboten sein würde, um die durch Ueberschwemmung Geschädigten dauernd im Nahrungszustande zu erhalten. Zur Beseitigung augenblicklicher Notstände bewilligte der Finanzminister 50 000 Mk. als erste Rate a fonda perdu, vorbehaltlich der Genehmigung desLandtags.
* In der Frage des sozialdemokratischen Bizepräsidiums hat sich Abg. Heine in der Generalversammlung des dritten Berliner Wahlkreises ganz im Sinne Bernsteins ausgesprochen. Allerdings habe Bernstein Unrecht gehabt, die Frage jetzt in die öffentliche Diskussion zu werfen; man hätte das besser zunächst der Fraktion vorbehalten. Im übrigen sei aber das Recht, die Beteiligung an der Verwaltung zu fordern, unbestreitbar. Man dürfe darauf im Interesse des Ansehens der Partei nicht verzichten, auch wenn damit Repräsentations- pflichlen bei Hofe verbunden seien. Ein wirklicher Sozialdemokrat weide durch den Gang zu Hofe von feiner Ueberzeugung nichts verlieren. Die Partei werde ihre Ansicht über die Monarchen und speziell über Kaiser Wilhelm II. dadurch nicht ändern. Fraglich sei es allerdings, ob sich in der Fraktion leicht jemand finden werde, der diese schwierige und verantwortungsvolle Stellung übernehmen wolle. Der Redner deutete an, daß Singer und Bebel wegen ihrer Verpflichtungen zur rednerischen Vertretung der Partei bei der. Frage der Besetzung de? Präsidiums außer Betracht kommen. Hierzu bemerkt die ,Nat. Ztg/: „Wir glauben doch, daß sich nicht unschwer Leute finden würden, die zur Uebernahme der Vize- präfidenischaft gerne bereit wären Auch von den nach außcnhin fürchterlich Unversöhnlichen dürfte sich mancher im Grund seines Herzens unendlich geschmeichelt fühlen, wenn ihm die Fraktion den Sitz im Präsioium „aufnötigen" möchte." — klebrigens sand Heine mit seinen Ausführungen nur geringe Zustimmung. Die Mehrzahl der Redner wollte lieber auf den sozialdemokratischen Vizepräsidenten verzichten, als ihn durch einen Besuch bei Hofe erkaufen.
** In Sachen der Beteiligung an de» preußische» Landtagswahlen scheint die Sozialdemokratie keineswegs so einig zu sein, rote es den Anschein hat. Es mehren sich die Stimmen innerhalb der Partei, welche die Beteiligung an den Wahlen hauptsächlich wegen der öffentlichen Stimmenabgabe prinzipiell verwerfen. In einer sozialdemokratischen Versammlung in Schmargendorf bei Berlin, wo Abg. oüvrfl übev hje preußischen Landtagswablen referierte, wurde ihm entgegengehalten, daß die Beteiligung an der Wahl ein Fehler sei, es fei besser, wenn man die aufgeroenbeten Geldmittel in anderer Weise verwende. Zubeil wandte sich energisch gegen diese Anschauung und erkärte, daß während der Wahlperiode eine derartige Gegenagitation unbedingt unterbleiben müsse. — Also auch hier soll has Recht der steten Meinungsäußerung verkümmert wr^en.
** „Kürschners Deutscher Reichstag 1903" ist erschienen. Das von H. Htllger Er kostete ihm nicht viel Mühe, sie einzuholen und, begünstigt durch die wogenden Menschenmassen, ihr unbemerkt zu folgen. Sie hatte einen sehr belebten Platz erreicht.
Da — unter einem großen Gaskandelaber — erblickte er schon von weitem denselben Mann, mit welchem er sie am Abende seiner Ankunft in der Residenz gesehen hatte.
Er hatte damals mit seinem Freunde Manfred vom Bahnhofe aus diesen Platz passieren müssen; der Kutscher konnte wegen des großen Menschenzusammen- laufs nur Schritt fahren, ja er war sogar genötigt gewesen, einmal ganz anzuhalten, und so hatte Eggenberg Muße gehabt, das junge Paar, welches unter der Laterne stand und dann Arm in Arm neben dem Wagen ging, genau zu beobachten.
Die beiden Personen waren dem Baron aus doppelten Gründen aufgefallen; einerseits wegen der großen Schönheit sowohl der jungen Dame, als auch des Mannes, andererseits aber auch, weil er in letzterem ein ganz verkommenes Subjekt erkannt hatte.
Die jungen Leute waren, noch ehe sich der Wagen in eia schnelleres Tempo setzen konnte, in ein Restaurant eingetreten, das offenkundig nur der verrufensten Menschenklasse ats Vergnügungslokal diente. Wie mußte der Baron erstaunen, kaum eine Stunde darauf dieselbe junge Dame im Hause des Präsidenten als Gesellschafterin vorzufinden!
Eggenberg's Herz schnürte sich schmerzlich zusammen. als er Lisbeth auf diesen, ihm von feinem Aufenthalte in Wiesbaden her als berüchtigter Spieler bekannten Herrn zueilen sah, als er bemerken mußte, wie freudig sie diesem ihre Hand reichte und dann wiederum Arm in Arm mit ihm in eifrigem Gespräche sich in der Menge verlor.
Er hatte die Lust verloren, sie weiter zu verfolgen ; eine eigentümliche Mutlosigkeit war über den starken Mann gekommen; cs war, als wäre er im Innern verwundet worden. Müde uud matt kehrte er nach Hause zurück und schloß sich in sein Zimmer ein
hätte, daher sei es ein müßiger Wunsch, daß dieser Kardinal gewählt und jener Kardinal nicht gewählt werde. Nicht darauf also komme es an, wer gewählt werde, sondern wie der Gewählte sich gewissermaßen später — um ein triviales Wort zu gebrauchen — entpuppen werde. Die ,Voss. Ztg/ hat also hiermit der deutschen Regierung eine Richtschnur gegeben und heutezmacht sie der Regierung einen Vorwurf daraus, daß sie mit verschränkten Armen der Papstwahl zusehe und nicht den Wunsch zu erkennen gebe, daß dieser gewählt und jener nicht gewählt werde. Das ist die „Politik" des doppelten Bodens.
Diese Politik treibt die ,Voff. Ztg.' in dem erwähnten Artikel auch noch nach einer anderen Seite hin. Es sind noch nicht vierzehn Tage her, daß die ,Voff. Ztg/schrieb: „Auch die nicht- katholische Welt hat den Verlauf der letzten Tage Leo's XIII. mit Teilnahme verfolgt. Ein Mann, der in so hohen Jahren den Kampf gegen den alles überwindenden Tod noch mit fo viel Kraft und Ausdauer führt, muß ein ungewöhnlicher Mann sein. Und das haben wir schon stühergewußt.; Leo XIII. war ein Mann von hervorragenden Gaben, von vielseitiger Bildung, scharsem Verstände, festem Charakter und lauterer Gesinnung. Das alles haben wir anerkannt, längst ehe er an das Sterbelager gefessell war. . . . Die Teilnahme, die den letzten Schicksalen Leos XIII- entgegengebracht wurde, galt der her. vorragenden Persönlichkeit. Wäre ein unbedeutender und niedrig gesinnter Mann Papst gewesen, so hätte sein Tod in der Nichtkatholischen Welt keine Erregung hervorgerufen." Und im Anschluß hieran rühmte dann die ,Voss. Ztg/ ihre eigene Unparteilichkeit und ihren Gerechtigkeitssinn, der das Große auch auf katholischer Seite freimütig anerkenne, während die katholische Presse sich nicht dem Gegner gegenüber aus eine solche ideale Stufe aufzuschwingen vermöge. Heute hat die ,Vosfischen Zeitung' dies alles vergessen und kennt nur noch an die Tugenden Leo XIII., die ihm „nachgesagt werden." Sie selbst aber zerstört diese Nachsage, indem sie ihren Spott darüber treibt, daß Papst Leo XIII. „groß als Mensch, als Priester und Staatsmann" genannt werde; an feiner Politik könne man nur irre werden, es sei Verstellung, wenn das" Zentrum dem Papste politische Weisheit nachrühme rc. rc. „Aber die regierungstreuen Blätter rühmen nichtsdestoweniger den toten Papst mit einem Eifer, wie einst die .Kreuzztg/ den ersten Nikolaus, als wäre er ein Vater des Vaterlandes gestorben." Wir müssen es als eine interne Angelegenheit der ,Vosf. Ztg/ betrachten, sich mit einem solchen widerspruchsvollen Verhalten in der tzrssNstlichrett so gut zu blamieren wie sie kann; wenn aber die ,Voss. Ztg/ in Zukunft wieder einmal sich der Zentrumspreffe als ein Muster der unbefangenen Kritik des politischen Gegners hinstellt, bann wird sie uns schon gestatten müssen, daß wir. zur Beleuchtung ihrer Unbefangenheit und Konsequenz die Nummern 336 und 353 der,Voss. Ztg/ aus dem Jahrgangs 1903 hervorholen.