Einzelbild herunterladen
 

trfdHhd tS-lich, wtt RMSuaipttt btt $•** Mb $tiertage. Mertel» Mel. Vezugrpreir ohne vringerlohn und VeßeLgelb in Zxlda «ab «rwsrteimr.sopfg

Verantwortlicher rchristleitenZos.vaum Nir die Inserate 3. parzeller in 8«lba.

Zuldaer

Wochenbeilage: „Illustrierte Sonntagrzeitung"

Zeitung

Monatrbeiiage: „gulöaer Geschichkblätter".

X*5ti|e«: Vie et* fpaltige Petitzeile ober bereit Saum 15 pfg. Reklamen bie Petitzeile 25 Pfg.; bei Wieder­holungen wird entspr. Rabatt gewährt.

Druck und Verlag der Suldaer Actiendruckerei in Zulda (Harmonie). Zernsprecher Nr. 9.

flllda, Donnerstag, den 30. Juli 1903.

M 171.

Berlin, den 29. Juli 1903

** Der frühere Präsident des Ab- aeordntenhauses, Wirkl. Geh. Rat v. Köl­ler auf Cantrack in Pommern, hat den Vor­stand des konservativen Vereins des Wahlkreises Kammi n-Greifen berg, den er fast 37 Jahre hindurch im Abgeordnetenhause vertreten hat, er­klärt, daß er seines hohen Alters wegen ein Man­dat nicht wieder annehmen könne. Diese Nach­richt wird in den Kreisen des preußischen Ab­geordnetenhauses allgemeiner Teilnahme begegnen, denn Herr v. Köller erfreute sich dort, wie sich noch unlängst bei dem ihm zu Ehren veranstal­teten Festessen gezeigt hat, einer außerordentlichen Beliebtheit bei allen Parteien. An seiner Stelle wollen die Konservativen im Kamminer Kreise den Grafen Hans v. Wartensleben als Kandidaten ausstellen.

[:] Einen Appell an die sächsische Regierung richtet der,Reichsbote'. Er möchte ihr „sehr lebhaft zu bedenken geben, ob mit der schiefen Ebene, die sie betreten hat, nicht den Absichten der ultramontanen politischen Propa­ganda eine neue Tür geöffnet rotrö. Die römische Aktion beginnt dort, wo sie einbrechen und weiter vorstoßen will, — und daß sie diese Ab­sicht in Sachsen seit langen Jahren hat, ist kein Geheimnis —, stets damit, die vorhandenen Zustände, soweit sie ihr im Wege stehen, zu ver wirren, um dann weiter im Trüben zu fischen. So war ihr auch bisher in Sachsen das Kartell der ftaatserhaltenden Parteien ein starkes Hinder­nis ihrer Ausbreitung; wenn es gefallen sein wird, wird sie viel leichteres Spiel haben. Das sollten gew.sse liberale Phraseure bedenken, schließen auch die Sozis vielfach unbewußt mit ultramontane Geschäfte." Wer war es doch neulich in Sachsen, von dem wir nachweisen konnten, daß er die Geschäfte der Sozialdemo­kratie bei den letzten Wahlen besorgt habe? Niemand anders als der dem ,Reichsboten' in seiner Gesinnung nahestehende Evangelische Bund. — An einer andern Stelle meint der ,Reichsbote' mit Bezug auf eine Rede, die Bischof Korum gehalten haben soll: „Dieser Hochsommer fii wirklich wieder intereffant". — Angesichts der Wirkung, welche die sommerliche Hitze nach der obigen Auslassung auf den ,Reichsboten' aus­geübt |u haben scheint, finden mit dies aller­dings auch.

** Aus Anlast der Ueberschwemmungen in der Provinz Posen hat unter dem Vor­sitze des Finanzministers Frhrn. v. Rheinbaben am Mittwoch, wie die,Norddeutsche Allg. Ztg.' meldet, im Finanzministerium unter Zuziehung von Vertretern der anderen in Betracht kom­menden Ministerien eine Beratung über die zu treffenden Maßnahmen stattgefunden. An der Beratung nahmen auch teil der Oberpräsidialrat Thon aus Posen in Vertretung des Overpräsi-

Zügungen.

Erzählung von A. R h d o l p h.

21 ------ (Nachdruck verboten.)

Schon an der Schwelle des Vorzimmers nahm die Präfidententochtcr mit einem Küß von Lisbeth Abschied, sie der Führung des Barons übetLffenb, angeblich um ihr durch den Diener eine Kammerfrau zu schicke", eigentlich aber, um nicht länger die an­genehme Gesellschaft des Regierungsrates von Ralbow zu entbehren

Lisbeth schritt am Arme Eggenbergs langsam und schweigend her breiten Treppe zu, die nach den oberen Stockwerken führte. Sie war noch keines klar en Gedankens fähig;-sie empfand nur das Gefühl un­nennbaren Schmerze., unerträglicher Angst und Schmach.

Eggenberg war so verlegen und wußte nichts zu sagen, sie gingen schweigend nebeneinander ber.

Plötzlich, nachdem sie de» ersten Treppenabsatz erreicht halte, wandte sie sich an Eggenberg: »Bitte, Herr Baron." sagte sie, „lassen sie sich meinelioegen nicht länger Van der Gesellschaft abhatten! Ich fühle mich stark genug, um allein in mein Zimmer zu gehen. Meinen heften Dank für Ihren Beistand."

«Sie konnte nicht länger ihre Gefühle beherrschen; zwei schwere Tränen rollten au« ihren Augen nieder, die sie eilig mit dem fein n Tasch-ntuch trockriete.

Es war dem Baton ganz eigen ums Herz, so allein einem fr ön-'n, weinenden Mädchen gegenüber

Er batle außer ordentlich strenge Grundsätze über Anstand und Schicklichkeit Er hielt das weibliche Geschlecht hoch in Ehien; aber nicht der leiseste Schalten durfte die Lilienreinhelt ihres Herzens und ihrer Sitten b flecken; nach den weiblichen Wesen in der eigenen Familie legte er den Maßstab an andere an.

Aber in dieser Situation hätte er sich selbst un­ritterlich. unwerschlich gescholten, würde er Lisbeth

deuten, sowie der Landeshauptmann v. Dziem- bowskp Beide, erklärten, daß nennenswerte Schäden an öffentlichen Deichen, Wohnstätten usw. nicht eingetreten seien, daß es dagegen er­forderlich sei, für die Erhaltung des Nahrungs­standes der durch die Ueberschwemmung Be­troffenen, unter denen sich zahlreiche kleine Be­sitzer befänden, zur Beschaffung von Saatgut und Futtermitteln sowie zur Sanierung der Wohnungen und Brunnen und zu sonstigen geboteneu sanitären Maßregeln alsbald Mittel zur Ver- füguxg zu stellen. Für die nächsten Maß­nahmen wurde seitens der genannten Vertreter ein Betrag von 300000 Mark als notwendig bezeichnet, von welchem seitens des Finanz­ministers vorbehaltlich der nachträglichen Ge- nehmigung des Landtags sofort 270000 Mark ä fonde perdu zur Verfügung gestellt wurden, während der Vertreter der Provinz die Ge­währung einer Beihilfe von 30000 Mark ä Fonds perdu glaubte in Aussicht nehmen zu können. Im übrigen herrschte Einverständnis, daß auch hier die Entschließung über die weiter erforderlichen Maßnahmen vorbehalten bleiben mfiffef bis die näheren Ermittelungen über den Umfang des Schadens und die Höhe der er­forderlichen Beihilfen zum Abschluß gelangt sind. Wegen der Hochwasserschäden in der Provinz Brandenburg findet am Donnerstag unter Teil­nahme der Oberpräsidenten in Potsdam und des Regierungspräsidenten in Frankfurt a. O. eine gleiche Beratung int Finanzministerium statt. Als Beihilfe für die Hilfstätigke't des Vater­ländischen Frauenvereins hat die Kaiserin für die Provinz Posen einen Betrag von 1000 Mark gespendet.

§ Z«r Ersatzwahl m Dessau-Zerbst. Nach einer Meldung sollte in Dessau-Zerbst der frühere Abg. Prof. Hasse als Nachfolger für Rösicke als Kompromißkandidat aufgestellt worden sein. Diese Nachricht, welche von vornherein den Stempel der Erfindung an sich trug, wird jetzt dementirt. Gegenüber der Meinung des ,Berl. Tagebl.', daß die Konservativen in dem genannten Wahlkreise in der Stichwahl doch für einen freisinnigen Kandidaten ihre Stimme ab­geben müßten, bemerkt die ,Kreuzzeitung': „Die Rechnung mag ja wohl diesmal noch stimmen. Fraglich scheint es uns nur, ob die „Reaktionäre", in diesem Fall die Konservativen und National­liberalen, Kandidaten der Freisinnigen Ver­einigung auf die Dauer als das kleinere Hebet gegenüber der Sozialdemokratie anzusehen geneigt sein werden, wenn Organe und Wähler der Freisinnigen Vereinigung selbst in einem Büsing das größere Hebel als den sozialdemokratischen Kandidaten erblicken."

§ Die Rede des Abgeordnete« von Vollmar, die derselbe zu der sozialdemokrati­schen Prästdialfrage in München gehalten hat, wird in der Presse lebhaft besprochen. Zu seinem Hinweis, daß bereits srüher dem Zentrum das Präsidium streitig gemacht worden fei. meint das ,Berl Tagebl.': „Zu wünschen wäre der Sieg der Vollmar'schen Anschauung auch im iweralen Interesse schon deshalb, weil damit das über»

gegenüber etwas anderes gezeigt haben, als woh - wollende Höflichkeit, mitleidigen Anteil.

„Ich kann Sie nicht eher ver!affen, bis ich sie anderen Händen zur sorgsamen Pflege übergeben habe," wandte er artig ein.

Der Ton seiner Stimme war weich und warm, und in dem Strahl feines Auges erblickte Lisbeth einen Abglanz der HerzenSgüte ihrer teueren Freundin Hildegard.

Ihr Vertrauen erwachte, aber trotzdem konnte sie unmöglich dulden, daß er sie noch weiter begleite Da« Erscheinen der Kammerfrau riß sie aus ihrer Verlegenheit.

„Nun können Sie mich ohne Besorgnis verlassen, Herr Baron, noch einmal meinen Dank."

Das schöne Haupt neigte sich leicht; die kleine weiße Hand emzog sich ihm; er stand allein und schaute ihr nach, die am Arm der Kammerfrau nach einigen Augenblicken am nächsten Treppenabsatz seinen Blicken entschwand.

Vor i m am Boden lag die herrliche Blume, die Frieda nur leicht in Lirbeth'r Haar befefügt hatte. Er hob sie auf, sie duftete so wunderschön; die arm' Blume! war konnte sie dafür, daß sie eine Unwürdige schmücken mußte?

Er wandte sich den Gesellschastsräumen zu; ein Diener trat ihm entgegen ; wie erschrocken barg er die Rose in seiner Brusttasche.

Er war nur wenige Minuten abwesend gewesen; bei seiner Rückkehr in den Salon sand er Frieda klagend über den unglücklichen Zufall. Von wem sollte sie sich jetzt begleiten lasten?

Durch die Erk. ankung Lisbeth's war ihr ein großer Triumph en-gangen; sie Halle mit Sicher Veit gehofft, daß der RegierungSrat nun öglich einem ihrer Lieder hätte widerstehen können.

Ihre Schwester Lidwina anzusprechen war ihr ein Greuel, da sie nur zu gut wußte, daß dieselbe ohne Rücksicht auf ihre nicht allzu starke Stt" me die Gelegenheit dazu benutzen wurde, sich möglichst hören

mächtige Zentrum ein heilsames Gegengewicht erhielte. Die Sozialdemokratie sollte der Partei für „Wahrheit, Freiheit und Recht" nicht das unbequeme Dilemma ersparen, in das sie durch den sozialdemokratischen Anspruch auf eine Prä- stdentenstelle gerät." Da wir unsere Auffassung bezüglich der hier in Rede stehenden Frage be­reits dargelegt haben, erübrigt es für uns, noch einmal darauf zurückzukommen. Die Vollmar'sche Rede hat für uns nur insofern Interesse, als v. Vollmar für eine veränderte Taktik der Sozial­demokratie eintritt, und diese seine Stellungnahme unsere Vermutungen bestätigt, daß es auf dem sozialdemokratischen Parteitag in diesem Jahre zu einem scharfen Rekontre zwischen den Parteien Bebel und v. Vollmar kommen wird. Dieser Auffassung gibt auch die ,Natl. Ztg.' Ausdruck, wenn sie schreibt: „Man darf gespannt sein, ob aus der verkäuflichen Villa von Küßnacht Zurich sofort eine den „Höfling" niederschmetternde Er­widerung des höchsten Parleichefs erfolgen oder ob Bebel vorziehen wird, die Angelegenheit mit Herrn v. Vollmar auf dem bevorstehenden Par­teitag in Dresden auszutragen. Auf diesem würde ihm denn wohl die „Freude über den glänzenden Sieg vom 16. Juni" durch die Vize­präsidentendebatte erheblich „verekelt" werden. Denn daß Herr v. Vollmar trotz seines „nicht geringen Schuldbuchs" auch in dieser Frage zahl­reiche Gesinnungsgenoffen auf dem Parteitag hinter sich haben wird, steht heute schon fest. Man wird sich darum auch in Dresden wieder einmal wie auf so manchem früheren Parteitag dazu verstehen müssen, einen kleinen „Riß" nach außen hin zu überkleistern."

* In Sachen Endell hatten die ,Täg­liche Rundschau' wegen der Hrlaubsan- gelegenheit des Generalsekretärs Ebert von der Posener Landwirtschaftskammer gegen deren Vorsitzenden v.Born verletzende Aeußerungen fallen lassen. Das Blatt erklärt nun, daß es sich in seinen Voraussetzungen getäuscht habe, und nimmt deshalb jene Aeußerungen zurück.

§ Tarifermästigunge« für die vom Roten Kreuz unterstützten Veteranen aus den Kriegs­jahren 1864, 1866 und 1870/71, hat der Eisen­bahnminister für dieses Jahr versuchsweise zum Besuch von Kurorten eintreten lassen. Danach sollen dieselben bei Benutzung der 2. und 3. W.-genklaffe auf halbe einfache Iersonenzugfahr- farten ober halbe Rückfahrkarten befördert werden.

V Berlin, 29. Juli 1903. Die Kaiserin wird in Begleitung ihrer zur Zeit in Kabinen weilenden Kinder am 10. August mittels Sonderzuges in Kiel eintreffen, um an Bord der Schoonerjacht „Iduna" am Wettsegeln von Kiel nach Glücksburg teilzunehmen. Im Anschluß hieran gedenkt die Kaiserin mehrtägige See-Ausflüge nach Alsen und der Küste von Nord­schleswig zu unternehmen. — Zu dem Gerücht von dem Rücktritt des Ministers des Innern schreibt die .Post', daß seine Quelle an der Unzufrieden­heit der Linksliberalen zu suchen sei, die vom Minister erwartet hätten, daß er seine Verwaltung liberal be­setzen und den Regierungsapparat bei den Wahlen gegen die Konservativen spielen lasten würde. Die schlesische Wasserkatastrophe sei für sie nur ein Vor­wand, denn in der Hauptsache gehe dieselbe den Minister nicht an. (Na! Na!) — Der Wirkl. G.e h. Oberregierungsrat Noell ist am Montag in zu lassen und durch ihr Heiumpauken Den Gesang vollständig zu verderben.

Eggenberg bot sich der jungen Dame als Ersatz an Sie konnte es nicht ablehnen und hatte keine Ur,ad)e es zu bereuen. Er war Meister in der Musik; er wußte sich vollkommen ihrem Gesänge an- zuschließen und durch feix Spiel ihre Schwächen ge­schickt zu verbergen.

Frieda fang mehrere Lieder und erntete reichen Beifall. Während sie glückstrahlenv die lauten Hul­digungen der galanten Zuhörer entgegennahm und mit mädchenhaftem Erröten und innerem Jubel den leise geflüsterten Schmeickelworten des Regierungs­rates lauschte, ließ Eggenberg, von Den herrlichen Tönen des kostbaren Instrumentes verlockt und von einem eigenen traumhaften Zustande gänzlich de fangen, beinahe unbewußt feine Ftnger über die Tasten hinzüiten.

Und es erllang'n bald wilde trotzige Akkorde, bald süß schmeichelnde Melodien. 'Er vergaß die ihn umgebende bunte, tändelnde Menge; die Musik schied ihn von der Außenwelt und oersinnlichie in ihrer zauberhaft geheimnisvollen Weise d-e Gefühle, die sich, ihm noch selber unverständlich, in feinem Innern regln.

Er batte nicht bemerkt, daß sich auf die Saufeufe dicht neben un und den Regierungsrat die Präsi­dentin ntebergelaffrn hatte.

Ralbow sagte ihr die schmeichelhaftesten Kompli­mente über den Gesang ihrer Tochter.

„Wir sind dem Herrn Baron Eggenberg zu großem Danke verpflichtet," fuhr er fort, „daß er uns durch seine B-gleitung dieieu Kunstgenuß ermög- itcht-. Das berbeignuirr.e Fräulein Uim ...•."

Er tonnte den N^men n ch vollenden; die Präsi­dentin fiel ihm ins Wort.

Z-emlich erregt wandte sie sich zu Frieda: „Fräu­lein L sbetb war hier im Salon?"

Sogleich aber beherrschte sie als vollendete Welt­dame tbten Unmut und fügte süß lächelnd hinzu:

30. Jahrgang.

feiner Wohnung, Lützowstraße 70, gestorben. Er war vor Jahresfrist Vortragender Rat im Ministerrum be8 Innern und bis jetzt Mitglied der Prüfungskommrsston für höhere Verwaltungsbeamte und des Kuratoriums der Preußischen Rentenversicherungsanstalt. Der Ver­storbene war am 15. Juli 1830 in Waldbroel geboren.

Wegen Soldatenmißhandlung tst in Berlin ein Unteroffizier vom 4. Garberegiment z. F. verhaftet worden. Ursache war der Selbstmord eines Soldaten, der nach seiner Aussage von jenem Unteroffizier ge­schlagen worden war. — Wegen des Laurahütter Wahlkrawalls ist oberschlestschen Blättern zufolge jetzt auch der Vater des Abg. Korfanty in Unter­suchungshaft genommen worden. — Zum Verkehr mit Geheimmitteln. Nach den ,Berl. Politischen Nachr.' sollen einheitliche Bestimmungen über den Verkehr mit Geheimmitteln am 1. Januar 1904 ix Kraft treten.

B. Rom, 29. Juli 1903. Unfer sonst um diese heiße Jahreszeit so ausgestorbenes und stilles Rom hat plötzlich in Folge der letzten so­wie der bevorstehenden Ereignisse im Vatikan sein Saisonleben wieder erhalten. Jeder Eisen­bahnzug bringt neue Ankömmlinge aus allen Ländern, besonders viele Deutsche, Oefterreicher und die unvermeidlichen Engländer. Die Ameri­kaner betreiben in diesen Tagen das Romretsen „en gross“. In Neapel landeten ihrer 400 auf einem eigens gecharterten Schiffe. Weitere Dampfer voller Amerikaturisten sind in Neapel sowohl wie in Civitavecchia, dem alten Hafen für Rom angemeldet. Alle wollen sie sich den alten Vatikan ansehen, in welchem die Kardinäle einen neuen Papst wählen werden, vor allem aber warten sie auf den „Rauch", welchen die nach einem vergeblichen Skrutinium ver­brannten Stimmzettel der Kardinäle erzeugen. Angesichts dieses erneuten, ganz ungewöhn­lichen Fremdenzufluffes haben mehrere der bereits in den letzten Junitagen geschloffenen großen Hotels ihre Pforten wieder eröffnet, ebenso viele Cafes und Geschäftshäuser auf dem Korso. Es steht uns eine vollkommene Nachsaison be­vor. — In einigen Teilen des Königreichs Italien sieht es gegenwärtig mit der Land­wirtschaft recht schlimm aus. Entweder fehlt es völlig an dem gerade jetzt so sehr nö­tigen Regen oder es gibt zu viel davon. Gestern gab es in der Hmgegend von Brescia mehrere Hagelschläge, welche unermeßlichen Schaden an­richteten. Als ob gerade in dieser seit Jahren schwergeprüften Gegend die Reblaus, die Rost­pilze und alle die vielen anderen Hebeln, unten welchen die dortige Landwirtschaft leidet, nicht genügten! Namentlich der Wein und die Pfirsichbäume litten gewaltig; deren Ernte ist fast vernichtet. Hnd die famosen Kanonenschüsse gegen den Hagel haben nicht im Geringsten ge­nützt. — Die erste und zweite Division des italienischen Mittelmeergeschwaders sind von Gaeta nach der Maddalena abgegangen, um daselbst mit der Torpedobootfloltille gemein­sam einige Hebungen vorzunehmen., Somit

„Sie muffen nämlich wissen, daß Das Fräulein in tiefer Trauer ist "

„Ich war ganz erstaunt, sie hier in Ihrem Hause zu finden."

„Sie kennen Fräulein Lisbeth?" rief Frieda überrascht aus, während die Präsidentin gleichzeitig in die Worte ausbrach:

„Wen meinen Sie? Sprechen Sie von unserer Gesellschafterin Fräulein Ulm ?“

Hatte Ralbow den Namen überhört, ober glaubte er, daß ihn die Präfibentin, der Gewohnheit vieler Menschen gemäß, nur nicht deutlich ausspräche? Wie dem auch fei, er f eachlete diesen Umstand nicht und antwortete:

„Es ist zwar schon über ein Jahr, baß ich sie nicht sah, aber ick erkannte fte sogleich wieder "

„Wo kamen Sie denn mit ihr zusammen?" fragte neugierig Fueva.

Ralbow schwieg einen Augenblick; er war sichtlich etwas verlegen; er überlegte, ob er die unglückliche Veranlassung, wo er Fräulein U menau gesehen hatte, kurz m-D falt erwähnen sollte ober nicht; ihm kam die Rolle, welche er dabei gespielt halte, plötzlich gar nicht mehr sehr ritterlich vor.

Es war zwar nicht seine Schuld, daß man ihn mit der außerordentlichen Revision beauftragt hatte; aber es ist doch immerhin nicht angenehm, als un­mittelbare Ursache des Unglücks einer ganzen Familie erscheinen zu müssen, besonders vor Damen, die >a gewöhnlich so unlogisch denken und nur ihren Ge­fühlen folger..

Als ein Mann fühlet Berechnung dünkte es ihm vorteilhafter, len Rücksichtsvollen rnb Empfindsamen zu spielen, dem es leib tut, die naungen Schicksale anderer mitleidslos ans Licht zu ziehen.

Di' Familie Breien kannte sicher die Vorgeschichte ■brer Gesellschafterin und, indem sie seine Zartheit ge­bührend bewunderte, erfuhr sie nicht erst, inwiefern er dabei beteiligt war.