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3.Wsch-Müage: „Illustrierte Sonntagszeitung"

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Anzeigen: Vie ein­spaltige Petitzeile oder deren Raum 15 pfg. Reklamen die petitzeile 25 Pfg.; bei lvieder- holungen wird entspr. Rabatt gewährt.

Druck und Verlag der Fuldaer Rctiendruckerel in Fulda (Harmonie). Fernsprecher Nr 9.

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fulda, Mittwoch, den 29. Juli 1903.

30. Jahrgang.

Ns 170.

Berlin, den 28. Juli 1903.

*. Zwei Telegramme des Kaisers. Nach dem Stapellauf des kleinen Kreuzers „Hamburg" auf der Werft der Aktiengesellschaft Vulkan in Stettin hatte der Hamburger Bürgen meister Dr. Burchard, der den Taufakt voll­zogen hat, -ein Telegramm an den Kaiser ge­richtet. Darauf hat der Kaiser folgende tele­graphische Antwort erteilt:

,Zch freue mich, durch Euerer Magnifizenz Tele­gramm zu hören, daß der Stapeüauf Meines Kreuzers „Hamburg" glücklich von statten gegangen ist. Möge der Name der alten Hansastadt, der seil Jahrhunderten auf aller Meeren einen gute« Klang hat, auch dem neuen Schiffe Meiner Marine. Glück bringen!"

Anläßlich der Einreihung Dovers in die An- laufhä^en der deutschen Amerikaschiffe hat der Kaiser außer dem Telegramm an den General­direktor Ballin auch ein« Glückwunschdepesche an den zweiten Präsidenten des Hafens von Dover gerichtet, die folgenden Wortlaut hat:

„Ich höre von Herrn Ballin, daß der erste Versuch eine» der großen Hamburg-Amerikanischen Dampfer, am neuen Pier zu lenden, ein vollständiger Erfolg wer. Empfangen Sie meine beiten Glückwünsche für diesen feefota, der mir große Freude macht, umsomehr, als ich wcH, daß die Wahl von Dover zum Landungs­platz für die Hamburg-Amerika-Linie vor allem Ihrem Vorschlag zu verdanken ist. Ich schicke Ihnen Meine besten Wünsche ffc die Zukunft des neuen großen Hafens von Dover und hoffe, ein häufiger Besuch deutscher Dampfer wird mehr und mehr zur Ent­wickelung unserer Handelsverhälinisse beitragen."

—* Gine Ministerielle Verfügung weist ie Anbetracht der alljährlich in der Armee wäh­rend Oder nach den Manöuern aaftretenden Fälle von ansteckenden Krankheiten, Namentlich Typhus und Ruhr u. s. w., für deren Entstehung meist Einschleppung aus der Be- »ölksrung als Ursache angenommen wird, die Bezirksregierungen an, der Gefahr der Ansteckung mit allen Mitteln zu begegnen, zumal die er­krankten Militärpersonen wieder zu Verschlep­pungen der Krankheit in die Garnisonone Anlaß geben. Zufolge dieser Verfügung ist es den Ortspolizeibehörden zur besonderen Pflicht ge­macht worden, von jedem Falle einer Erkrankung a» Typhus oder von Typhusverdacht, desgleichen von Ruhr und sonstigen ansteckenden Krankheiten xntet Angabe der Wohnung, in der die Krank­heit aufgetreten, den vorgesetzten Behörden An zeige zu erstatten. Von infizierten Wohnstätten find Einquartierungen fernzuhalten.

§ Für die Ueberschwer»mteu ir» Schle­ier» hat der Kaiser 10,000 Mark gespendet. Den Vorsitz in dem Hilfskomstee hat Staats­sekretär Graf Posadowsky übernommen. Von dem ä fonds perdu überwiesenen Betrage in Höhe von 1,6 Millionen Mark sollen verwendet «erden: 900,000 Mark zur Wiederbewohnbar »achung bezw. zum Aufbau von Wohnstätten «ld Wirtschaftsgebäuden; 500,000 Mk. zur Her-

stellung von Stegen, Brücken, Wehren und Fluß­ufern, und 200,000 Mk zur Deckung der an Deichanlagen unverzüglich oorzunehmenden Ar­beiten. Die Landräte und Deichbehörden sind angewiesen worden, schleunigst Vorschläge für die Verteilung dieser Beiträge zu machen, damit mit der Verteilung selbst ungesäumt vorgegangen werden kann. Mit der Organisierung der weiteren Staatshilfe soll sich das Staatsministenum in einer am Montag zu diesem Zwecke abgehaltenen Sitzung beschäftigt haben.

\ Zur Einberufung des sozialistischen Parteitages bringt der ,Vonvärts' einen län­geren Artikel, in welchem er sich auch mit dem Zentrum befaßt und konstatiert, daß es der Sozial­demokratie nicht möglich gewesen sei, den Man­datsbestand des Zentrums irgendwie erheblich an­zutasten und daß man daher auf dem Parteitage auf neue Mittel sinnen muffe, wie dies möglich fei. Daß auch innerhalb der Sozialdemokratie die Auffassung besteht, daß ein großer 7 eil der auf sie entfallenen Stimmen dem Mitläufertum zuzuschreiben ist, geht daraus hervor, daß der ,Vorwärts' es weiter als eine Aufgabe des Partei­tages hinstellt, die Mitläufer an die Sozialdemo­kratie zu fesseln. Daß, wie wir schon erwähnt haben, auf dem Parteitage der Streit Bebel- Bernstein eine große Rolle spielen wird, geht daraus hervor, daß Herr v. V o l l m a r in München sich in einer großen sozialdemokratischen Versamm­lung entschieden für die Besetzung des Vizepräsi­diums durch die Sozialdemokratie und für die Erfüllung der repräsentativen Verpflichtungen dem Kaiser gegenüber ausgesprochen hat. Bezeichnend ist es, daß Vollmar ausführte, daß die Bebel'- fchen Aeußerungen Bernstein gegenüber die freie Meinungsäußerung untergrüben und daß sie, da sie gewissermaßen in der Form eines amtlichen Erlasses erfolgt seien, geradezu den Spott der Gegner heraussorderten.

[*] Der Breslauer sozialdemokratische Verein wählte in seiner Sitzung am Montag ein fünfgliedriges, Wahlkomitee für die Bevor stehenden Landtagswahlen, welches sofort alle erforderlichen Vorarbeiten in die Wege leiten soll, so vor allem die Regelung der Kandidatenfrage. Das Komitee wurde beauftragt, zunächst bei Singer, Bebel, Bernstein, Bruhns und an anderen anzufragen, ob diese eventuell geneigt wären, eine Kandidatur für Breslau zu übernehmen. — Die Herren scheinen ihres Erfolges ja ziemlich sicher zu sein.

§ Gegen die öffentliche« Vorstellungen von Magnetiseuren und Hypnotiseuren wenden sich der Kultusminister und der Minister des Innern mit der folgenden Verfügung: „In unserem Erlaß vom 12, Mai 1881 ist darauf hingewiefen worden, daß öffent­liche Vorstellungen von sogenannten Magneti­seuren die Möglichkeit einer Schädigung der da­bei als Medien benutzten Personen sehr nahe legen und deshalb angeordnet Wochen, daß die Veranstal lung derartiger öffentlich«»Vorstellungen nicht zu gestatten sei. Aus Anlaß eines Falles von schwerer Gesundheitsschädigung, welche neuer«

Mgungen.

Erzählung von X. Rhdolph.

------ (Nachdruck verboten.)

D e Präsidentin, die trotz ihrer Voreingenommen­heit für ihre Töchter nicht blind gegen fre Vorzüge Lisbeth'- war, fühlte sich sehr beruhigt, daß diese selbst de» glücklichen Einfall hatte, nicht als Rivalin ihrer Töchter auftreten zu wollen, besonders jetzt, wo ein »ls Schwiegersohn so begehrenswerter junger Mann M ihrem Hause weilte.

Eie fürchtete nicht etwa, Lisbeth könne im Ernste eine Eroberung machen, aber sie konnte doch immer- hi» in unangenehmer Weise die Gedanken und Blicke w» ihren Töchtern ablenken.

Der Geburtstag des Präfidenten war gekommen. Sben glänzend erleuchteten weiten Räumen bewegte eine zahlreiche, auserlesene Gesellschaft

Der Präsident war in bester Laune; er war durch «ine» der höchsten Orden ausgezeichnet worden, welcher N* nebst einem eigenhändigen, gnädigen Schreiben sei»es Landesherrn von einem Prinzen des regierenden House« selbst überbracht worden war.

Derselbe batte sogar die Gesellschaft durch eine, «ernt auch nur kurze Anwesenheit beehrt und sich be- somders liebenswürdig mit den Damen des Hauses unterhalten.

Er hatte auch Baron Eggenberg, der trotz seiner Hegend schon einen bedeutenden Ruf als Gelehrter WMvß, schmeichelhaft ausgezeichnet.

Da er al« intimer Freund des HauseS galt, warf diese Gunst ihre Strahlen mir auf die fieiherrliche Familie.

Fra» von Breien schwamm in Wo««; ihre beiden ®ere» Töchter, welche m ihren kostbare» und ge­schmackvollen Toiletten unter den anderen jungen Damen vorteilhaft hervorleuchtete», waren von einer MH« Bewunderer umringt, »ud auch Frieda, um

welche daS Mutterherz immer am meisten bangte, schien heute ganz besonders Glück zu hab--'!.

Das Kleid von blaßblauer Seide und die Ver­gißmeinnicht im Haare standen ihr vortrefflich; >hr Teint war durch den genoffenen Wei-, und die Auf­regung lebhaft gerötet und ihre Äugen strahlten vor Lust und Freude. Es schien, als sollte sie ihren älteren Schwestern den Rang ablaufen.

Ein junger, eleganter Regierungsrat hielt sich be­ständig an ihrer Seite; er hatte sie zum Souper ge­führt und überschüttete sie ftrmlich mit seinen Auf- merk amkeiten

An feinem Inne war sie in das Mufiftimmer ge­treten, das zu diesem Feste in einen zauberhaften Wintergarten verwandelt worden war. Er hatte sie zum Instrument gezogen und bestürmte sie mit Bitten, ihm etwa« vorznsingen. Es war nur Koketterie, daß sie es wiederholt abschlua, da sie im Innern darnach brannte, vor ihm eines der neu einstudierten Lieder zu fingen.

Jetzt kam aber eine neue Verlegenheit dazu. Wer sollte sie begleiten? Niemand konnte es so diskret, niemand gab ihr so nach wie Lisbeth, und diese sollte doch nicht in den Salon herunter kommen. Was für ein Gesicht würden Mama und Lidwina machen?

Aber vielleicht merkten sie es gar nicht, und dann — fie komm ja nur auf kurze Zeit und nicht al« mit zur Gesellschaft gehörig, nur gleichsam wie einer von den Musikern, bic zum Tanze aufspielen.

Die Sache war entschieden; Manfred war in der Nähe; fie winkte ihm.

„Schicke einen Diener »ach Fräulein Lisbeth; fie soll sofort herunterkommen ; Mama wünscht rS."

Manfred'» Augen blitzten freudig auf; Frieda hätte sich keinen schnelleren S9 Atu, wie ibn, wählen können.

Ohne zu überleg », eilte er selbst die Treppe hinauf noch be» Gemächern seiner Schwestern, wo auch Lisbeth chr Zimmer hatte.

Schon auf dem zweiten Korridor aogelavgt, blieb er plötzlich stehen; er wurde sich be« Rnschicklichen

dings durch die Einwirkung eines Suggestors in einer öffentlichen Vorstellung herbeigeführt worden ist, bringen wir obigen Runderlaß unter Hinweis darauf ergebenst in Erinnerung, daß den Magnetiseuren die Suggestorei. und Hypnoti­seure gleich zu achten sind. Wir ersuchen daher erneut, die Polizeibehörden anzuweisen, die Ver­anstaltung öffentlicher Vorstellungen von Ein­wirkungen auf den Menschen mckteis Suggestion, Hypnose, Magnetismus und ähnliche Methoden nicht zu gestatten."

** Berlin, 28. Juli 1903. Für Papst Leo XIII. hat heute vormittag in der katholischen Garni­sonkirche zu Berlin ein Requiem fü die Mili- tärgemeind- stattgefunden, welchem die sämtlichen katholischen dienstfreien Offiziere der Garnison bei­wohnten. Als Vertreter des Kaisers erschien Erb­prinz von Hohenzollern. Außerdem waren anwesend General von Höpfner und.General von Spitz. Tas Totenamt wurde zelebriert von Generalvikar Vollmar.

Der ,R ei cksanz«iq e r' meldet die Verleihung der Königlichen Krone zum Roten Adlerorden erster Klaffe mit Eichenlaub an den Oberpräsidenten oer Rheinprov rnz, Wirkl. Geh. Rat Nasse zu Kob­lenz. Der wüittembergi'che Gesandte Frhr. v. Barnbüler hat Berlin verlaffen. Wäh end seiner Abwesenheit führt der württembcrgische Militärbevou- mächtigke Generalmajor v. Marchtaler die Geschäfte der Gesandtschaft. Der Abg. Bolik-Cosel ist in Berlin der .Germania' zufolge eingetroffen, um für die durch die Wafferkatastrophe schwer geschädigten kleinen Landwirte und anbtre Einwohner seines Wahlkreises beim Ministerium schnelle und ausreichende Hilfe zu erbitten. Auch der Abg. Erzpriester Frank hat bereits mit den Ministerien wegen der Unterstützung der Geschädigten Verhandlungen gepflogen. Der Reichstagsabgeordnete für Thorn-Kulm-Briesen, der polnische Chefredakteur Brejski, hat nunmehr seine zweimonatige Gefängnisstrafe wegen Prei-beleidi- gung verbüßt. Beim Verlaffen des Gefängnisses zu »ollub und bei seiner Ankunft in Thorn und in feinem Geschäftshause wurden ihm von seinen politischen Freunden stürmische Ovationen bereitet. Der Bankier Sternberg, welcher seinerzeit wegen Un- fittlick keit verurteilt worden war, hat sich nunmehr dauernd in Paris niedergelassen und beabsichtigt, nach Berlin nicht mehr zurückzukehren. Zur Zeit sind fiine Vertreter damit beschäftigt, seinen in Berlin ge­legenen Grundbesitz zu veräußern. Dieser Besitz umfaßt insgesamt 14 Grundstücke uub wirb auf rund 36 Mill. Markbewertet.

* Paris, 28. Juli 1903. In der Notre Dame-Kirche wurde heute vom Nuntius Lorenzelli ein feierlicher Trauergottesdienst für den Papst abgehalten. Präsident Loubet, Minister­präsident Combes und mehrere Minister sandten Vertreter zur Teilnahme. Unter den Anwesenden befanden sich Minister Delcaffse, Kriegsminister Andröe, Frau Loubet, Mitglieder des diploma­tischen Korps, Deputierte, Senatoren und Ver­treter von Vereinen. Vor der Kirche hatten sich trotz des Regens einige Neugierige eingefunden. Acht Personen, welche Schmährufe auf die Geist­lichkeit ausstießen, wurden verhaftet, später aber wieder entlasten. Als der Kriegsminister Andree nach Beendigung des Trauergottesdienstes aus der

Kirche trat, ertönte aus bei Menge ein Pfiff. Der Manifestant, Redakteur ein ;s sozialdemokratischen Blattes, wurde sofort verhaftet.

* London, 28. Juli 1903. lieber seine Ver­waltungsgrund sähe in Transvaal gab am Montag Chamberlain im englischen Unterhause im Laufe der Beratung über daS Gefetz betreffend Garantie der Zinsen der Trans­vaal-Anleihe im Betrage von 35 Millionen Pfund Sterling programmatische Erklärungen ab. Be­züglich der Verwendung indischer Kulis beim Eisenbahnbau führte er aus, dte öffentliche Meinung in Transvaal sei gegenwärtig gegen die Ein­führung asiatischer Arbeitskräfte und er habe deshalb nrchts zu bereit Gunste getan. Er werde später der öffentlichen SVieinung auch nach anderer Richtung hin Genüge tun; denn er wünsche Transvaal so weit als Höflich als Kolonie mit Selbstverwaltung zu behandeln. Die Frage der Einführung chinesischer Arbeiter sei verfrüht, weil noch keine darauf bezüglichen Vorschläge an ihn herangetreten seien. Er sei der Meinung, die neuen Kolonien würden im Stande sein, ihren Verbindlichkeiten nachzukommen und zu den am besten gedeihenden unter den englischen Kolonien zahlen.

* Rom, 28. Juli 1903. Heule morgen wurde eine Kardinalversammlung abge­halten und danach um 10 Uhr in der Sixtini­schen Kapelle der erste der drei von dem Kar­dinalskollegium veranstalteten feierlichen Trauer­gottes dienste für den Papst. Demselben wohnten außer 52 Kardinälen das diplomatische Korps, der Großmeister des Malteserordens, der Adel und wenige Geladene bei. In der Mitte der Kapelle war em prächtiger, von der Tirara gefrönter, von brennenden Kerzen umgebener Katafalk errichtet. Die Nobelgarden hielten an ihm Wache. Die Kardinale in violettem Trauer­ornat betraten in feierlichem Zuge die Kapelle, begleitet von Nobel- und Schweizergarden. Serafino Vannutelki zelebrierte die Trauer- meffe. Alsdann vollzogen die Kardiuäle Agliardi, Vincenzo Vannutelli, Satelli und Richard nach­einander vor dem Katafalk die Zeremon der Absolution. Kurz nach 12 Uhr war die F ier beendet.

* Konstantinopel, 27. Juli 1903. Nach er Pforte aus S- loniki zugegangenen Nach­richten befanden sich am See gegen 30 Komi- tadschis, von denen nach kurzem Gefecht ohne Geschützfeuer 3 getötet und 3 gefangen ge­nommen wurden. Die übrigen sollen geflüchtet sein oder nach anderer Annahme sich am See versteckt halten.

* Sofia, 28. Juli 1903. In einem Tele­gramm der .Kölnischen Zeitung' aus Berün wwn 27. Juli heißt es: Die aus Belgrad verbratleten Nachrichten über die angeblich bedrohte Stellung des Fürsten Ferdinand von Bulgarien stellten sich von Anfang an als r hantasievolle Unfreundlichkeiten dar und sind schon von den verschiedensten Seften nachdrück­lich widerlegt. Diese einmal begonnene Kampagne scheint jetzt von Serbien aus fortgesetzt zu werden.

seines Vo-babens bewußt und wollte eben wieder schnell zurück, als er Lisbeih's Stimme zu vernehmen glaubte.

Gewiß, er wollte nicht ben Horcher spielen; er konnte aber unmöglich bem Reize widerstehen, fie, wenn auch nur von fern, sprechen zu hören.

Es führte von oben eine schmale Wenbeltreppe unmittelbar in einen Gartenvavillon hinunter, ber, mit ben herrlichsten tropischen Gewächsen geschmückt, sowohl im Sommer als auch im Wi»ter seinen Schwestern gleichsam als Bouboir biente unb aus welchem man aus eine offene Terafle unb von biefer in ben Garten gelangte.

Diese Treppe war an bem heutigen Abend nicht erlruchiet; alles halte fich nach den Gesellschaits- räumen konzentriert. Selbst die Dienerschaft war teils in den Souterrains beschäftigt, teils zur Auf­wartung ber Gäste in Anspruch genommen; wer von ihnen nur einen freien Augenblick erspähen konnte, war in ber Nähe ber Säle postiert, um etwas von ben Herrlichkeiten be« Festes sehen zu können.

Tiefe Stille herrschte deshalb in diesem Teile bes Hauses, unb deutlich konnte Manfred Lirbeth's Stimme unterscheiden. Sie unterhielt sich mit einem Manne.

„Lisbeth, liebe« Herz," vernahm er, „ich banke Dir noch einmal, baß Du da« Rendezvous jo hübsch bewerkstelligt hast. Es ist hier ie der Tat ein wunder­volle«, lauschiges Plätzchen.

„Unb fie, bie schüchterne Lisbeth antwortete: „Ach, wenn wir uns doch nie mehr trennen müßten!"

Ja, fie schien zu weinen.

„Tröste Dich, Liesel," hörte er wiederum bie Mimnesstimme, „ich hoff', die Zeit ist nicht mehr firn, wo ich Dich zu mir netj.’irn kann "

„Wie heftig erschrak ich, ol» mich Baron Eggen« berg . . .'

Manfieb konnte nicht »o.stehe«, rnaS 2t«bett? ferner sagte; noch einige Augenblicke, ihr leichter Schritt ließ fich auf bet Treppe betnehmen unb Manfred eilte wie betäubt zurück

Bald hätte er vetgeffen, einem Diener den Auf­trag seiner Schwester auszurichten.

Lisbeth vernahm ben Wunsch ber Vräsibentin ohne Befremden; sie fühlte fich als bezahlte Person, die zu jeder Stunde zum D enfle bereit sein müsse. Ohne einen Bück in den Spiegel zu werfen, ging sie hinab-

Im Borzimmer trat ihr schon Frieba entgegen, bie ungebulbig geworben war, ba fich weber Manfred noch Lisbeth sehe« ließen

„Endlich, endlich, liebstes Fräulein! Ich erwarte Sie mit Sehnsucht."

Das Trauergewand Lisbeth's stach sonderbar gegen bie prächtige Helle Toilette ber Präfidentm- tocht.r ab; Frieba bemerkte eS mit einiger Verlegen­heit. „So geht es nicht."

Unb ehe noch Lisbeth wußte, wie tut geschah, hatte fie Frieba auf einen Stuhl niedergedrückt. A« Fenster öffnete eben eine prachtvolle b unfetrote Centt« folte ihren bustenben Kelch; unbarmherzig rieß Frieb« bie seltene Blume ab unb befestigte fie in Lisbeth'» blonden Haaren.

„Nun noch diese Knospe hier vorn. So! Sie sehen reizend au8, Fräulein Lisbeth!"

Sie zog den Arni ihrer Freundin unter den ihre» und betrat ben Salon. Dr erste, ber ihnen tut» gegen trat, war ber Regierungsrat. Die banale Schmeichelrebe blieb unvollenbet in seinem Munbe, als er Lisbeth an ber Seite Frieba's sah; boch al» vollendeter Weltmann faßte er fich sogleich; nicht fe Lisbeth, welche in ihm sofort ben ehemaligen Regis» rungsaffeflor von Ralbow erkannte; fie würbe leichen­blaß und zitterte so heftig, baß fie niebergeftürjt wäre, »n;n fie nicht in bemfelben Auq-nbücke ein stark« A-rn ergr-ffcit und auf einen Divan medergelaff« hätte.

5* war Egzenberg.

Fri-'sa war auf« äußerste beßMrzt, bet Varv» blieb feit unb ruhig.

„Gnädiges Fräulein," bat er, „beruhige» Sie sich; mache» Sie kein Aussehen, Rtemanb bat e« bis jetzt