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Fernsprecher Nr. 4.
M 169.
fUlda, Dienstag, den 28. Juli 1903.
30. Jahrgang.
Zum Tode des hl. Vaters.
B. Rom, 25. Juli 1903. Heute hat sich das Kardinals-Kollegium während der nunmehr bereits 5 Tage andauernden Sedisvakanz zum ersten male den beim päpstlichen Stuhle beglaubigten Diplomaten gegenüber in seiner ganzen Souveränetät gezeigt. Um 11 Uhr versammelten sich im sogen. Gendarmen-Saale (dem einzigen der ehemaligen Papstwohnung, welcher nicht verschlossen ist) die Abgesandten aller Mächte: Botschafter, Gesandte, Minister-Residenten, Geschäftsträger, Botschafts-und Legationsräte, Sekretäre, Attaches rc. Alle waren in großer Gala- Uniform erschienen. Einige Minuten nach 11 Uhr meldete der Zeremonial - Präfekt Prälat Riggi den Kardinälen, welche seit einer Stunde im Kongregations - Saale eine Sitzung abgehalten hatten, daß das diplomatische Korps dem Karoi- nals - Kollegium sein Beileid anläßlich des Ablebens Leo's XUi. ausdrücken wolle. Auf Anordnung des Vorsitzenden, Kardinal - Dekans Creg Ito, führten päpstliche Zeremoniare die Diplomaten in den nahegelegenen Konsistorial- Saal. Bei ihrem Eintritte machten alle drei tiefe Verbeugungen; Die Kardinale erhoben sich von ihren Sitzen und nahmen das Barett qb. Der Doyen der Botschafter, der Portugiese Martins d'Antas, hielt eine Ansprache, welche vom Kardinaldekan in französischer Sprache er widert wurde. Dieser erwähnte in seiner längeren Rede die guten Beziehungen, welche Leo XIII. mit den betreffenden Mächten unterhalten habe und betonte zum Schluffe, daß die Kardinäle im Begriffe ständen, sich ins Konklave zu begeben, um die wichtigste und verantwortungsvollste Mission zu übernehmen, nämlich diejenige der Papstwahl. Nach Beendigung der Ansprachen gingen die Botschafter und die Gesandten und Missionschefs zu jedem einzelnen der Kardinäle, um ihnen die Hand zu reichen. Das diplomatische Gefolge verbrieft während dieser Zeit stehend in der Mitte des Saales. Nach Beendigung dieser diplomatischen Audienz erschien eine Abordnung der Maltheser- ritter bei den Kardinälen. In Vertretung des abwesenden Großmeisters hielt der Comthur Fra Alexander Capranica eine kurze Ansprache, welche ebenfalls auch vom Kardinal Oreglia beantwortet wurde. — Heute Mittag »urde die öffentliche Ausstellung der Leiche Leo's XIII. geschloffen und alles für die heute Abend um 7 Uhr beginnende Beisetzungsfeier vorbereitet. — Nachdem der Kommandant der Schweizergarde erst vor wenigen Tagen gegen einen seiner Offiziere disziplinarisch einschreiten mußte, hat nunmehr der Kommandant der Nobelgarde dasselbe gegen zwei seiner Gardisten tun müssen. Dieselben halten sich krank gemeldet. Als der Korpsarzt sie besuchen wollte, waren sie nicht zu Hause. Heute sitzen sie in Arrest.
* Rom, 27. Juli 1903. In der Basilika „San Giovanni in Laterans" ist heute ein feierlicher Trauer- gottesdienst für Papst Leo XIII. abgehalten worden, an dem das diplomatische Korps, die katholische Aristokratie, die Ritter des Maltheser-Ordens, die Familie Pecci und viele andere Personen trilnahmen. Die
Zügungen.
Erzählung von A. N h d o l p h.
19 ------ (Nachdruck verboten.)
«Das kann ich ja unmöglich . . ."
.Sie werden uns nicht so betrüben, Herr Baron. Wer HauS bietet glücklicherweise so ausreichende Mume, daß sie nicht fürchten dürfen, in irgend einer ff» ^engt und belästigt zu werden. Sie bleiben vollkommen freier Herr Ihrer Zeit und Entschließungen, llns wtrd es schon zur großen Genugtuung gereichen, roeü”m . e un8 dann und wann, wie es Ihnen Zeit und Nergung gestattet, nut Ihrem Besuche beehren."
„Herr Präsident, meine Sachen . . ."
„©tnb nicht, wie Du es wünschest, ins Hotel, sondern m unser Haus dirigiert worden, mein lieber Areund. Du siehst, es gibt kein Entrinnen für Dich. Ich hoffe, es wird Dir jetzt als Mann noch ebenso heimisch tn der Erkerstube oben sein, wie einst als Knabe."
Eggenberg konnte, wollte er nicht direkt verletzen, der so überaus liebenswürdigen Einladung des Präsi deuten und dem stürmischen Drängen seines Freunde« nicht länger widerstehen; er mußte - inwilligen. Er empkahl sich deshalb nur auf kurze Zeit, um einige notwendige Gänge in der Stadt zu machen, und versprach sich rechtzeitig beim Abendbrot einzufinden.
Jetzt war die Familie ohne fremden Zeugen beisammen. Frieda konnte deshalb nicht länger das zurückhalten, was ihr schon auf der Zunge brannte.
„Manfred," rief sie lachend aus. „Du hast ja Fräulein Liabetft mit Deinen Blicken förmlich ver- sihlungen. Die Arme wup^ za bald nicht mehr, wo sie hinsehea sollte."
»Unser entfaat terrible/ suchte mit gezwungenem Bicheln die Präfidentin zu scherzen. „Du mußt es ihr »nchseheu, lieber Manfred."
Kardinalskongregation nahm heute die Auslosung der Gemächer vor, w-lche die Kardinäle während des Konklaves bewohnen werden. Die Räumlichkeiten in der gleichen Höhe mit der Sixtinischen Kapelle bleiben den kränklichen Kardinälen Vorbehalten.
* Rom, 27. Juli 1903. Die Arbeiten zur Errichtung der Räumlichkeiten für das Konklave werden fortgesetzt. Kardinal Rampolla verließ den Vatikan, um in dem Palais Wohnung zu nehmen, welches ihm als Erzpriester von St. Peter gehört. — Wie die ,Voce della Berits meldet, entschloß man sich, die für das Konklave allgemeinen Anordnungen nach dem P ane Vespignanis von 1878 beizubehalten.
(*) Uegeleien an -er Bahre Leo's xin.
Kaum ist die weltgeschicht iche Persönlichkeit Leo's XIII. von der Wellbühne abgetreten, so beginnt bereits eine gewisse Presse damit, gegen die Kardinäle, welche den neuen Papst zu wählen Haven, allerhand Flegeleien zu verüben. Es ist das nichts neues. Bei jeder Papstwahl ist noch immer von dieser Art Skandalpresse das Kardinals - Kollegium als eine Gesellschaft von Jntriguanten hin gestellt worden. So war es im Jahre 1878 nach dem Tode Pius IX., damals war als Hauptintriguant Kardinal — Pecci behandelt worden und heute — stellt ihm an seiner Bahre Freund und Feind einmütig das Zeugnis aus, daß er ein durchaus vornehmer, tadelloser Charakter gewesen sei, was von den weltgeschichtlichen Persönlichkeiten des 19. Jahrhunderts nicht in alleweg gesagt werden kann! Aber war Leo XII . dieser selbe Charakter nicht schon im Jahre 1878? Und doch damals die Anklage auf Jntriguen?
Eben jetzt machen verschiedene Schandgedichte, die nach dieser Seite hin das hohe Kardinals- Kollegium verdächtigen, die Runde durch eine gewisse Presse. Offenbar sind diese Blätter nichts — Bessere^ gewohnt und dieArtikelschreibcr und Geschichtedrechsler leben in Kreisen, wo nicht das Verdienst, nicht das Gewiffen entscheidend ist, sondern das Höchstmaß in Jntriguen. Und so meinen diese kläffenden Hunde, es müsse die ganze Welt auf demselben niederen Niveau stehen, wie sie selbst.
Gegen diese intriguengewohnte und intriguen- lüsterne Gesellschaft wendet sich das jüngste Hirtenschreiben Sr. Eminenz des Herrn Kardinals Fischer-Köln, in dem es heißt:
Schon haben sich verschiedene öffentliche Blätter in den letzten Wochen während der Krankheit des hl. Vaters mit der Papstwahl beschäftigt. Sie sprachen von gewissen Kandidaten für die hohe Würde, von Abmachungen unter Mitgliedern des hl. Kollegiums, gar von bestimmten Kardinälen, die für sich die päpstliche Tiara erstrebten und zu dem Ende sich selber bemühten.
Die Weltkinder reden nach ihrer Weise und lieben es, von sich und dem eigenen Tun auf andere und deren Weise zu schließen. Es ist ihnen nicht zu zu verargen. Sie haben für dieseDingekern Verständnis.
Das hl. Kollegium ist eine Gemeinschaft von gereiften, in den verschiedensten kirchlichen Stellungen bewährten, g ew issenh asten Männern, die sich der schweren, überaus schweren Verantwortung wohl bewußt sind, die sie vor Golt, vor der Kirche, vor der Welt haben bei der Ausübung ihres wichtigsten Vorrechtes, der Wahl eines neuen Papstes. Den treuen Kindern der Kirche braucht es nicht ecgens versichert zu werden, daß die Kardinäle bei dieser wichtigen Handlung sich nicht leiten laffen durch
Bei den Worten Frieda'« war eine verräterische Glut über das Gesicht des jungen Mannes gi flogen.
„So, so — habe ich Fräulein — wie heißt sie denn schnell — Fräulein Lisbeth zu auffällig angesehen? Eire Erinnerung, eine Aehnlichkrit — voila tout."
Lidwina hatte ebenso gut wie ihre Schwester die Blicke und das Benehmen ihres Bruder» beobachtet, wenn auch nicht mit der gleichen Harmlosigkeit, jandern mit Aerger und banger Befürchtung.
Sie war im Innern wütend über die Ungeschicklichkeit ihrer Schwester, einen so zarten Puntt ans Licht gezogen zu haben, durchaus nicht au» Rücksicht auf ihren Bruder oder gar auf Lisbeth, sondern nur, weil sie fürchlete, Manfred dadurch erst aus etwa» aufmerksam gemacht zu haben, was sich sonst vielleicht als flüchtiger Eindruck schnell verwischt hätte.
Gern würde sie ihrer Schwester ein Zeichen mit dem Fuße gegeben haben, aber sie wußte aus Erfahrung, daß diese kein Verständnis dafür hatte und in ihrer unerträglichen Naivität es noch durch irgend eine laute Frage, wie „Wünschest Du etwas?" den Andern verriet.
Da Elisabeth bi» jetzt gar nicht an dem gesellschaftlichen Leben teilgenommen hatte und v»n den Damen trotz aller Herablaffung doch nur als untergebene Person betrachtet wurde, hatte man nicht darauf geachtet, mit welch großen Reizen sie geschmückt war. Das wurde nun in einem Augenblicke anders.
Es fiel Lidwina wie Schuppen von den Augen; sie sah, Lisbeth konnte gefährlich werden, und das mußte sie verhindern. Ihr Plan war sofort entworfen.
Mit vollkommen unbefangener Miene bemerkte sie: „Manfred kann recht haben. Auch mir kam da« Ge sicht sofort bekannt vor. Ich glaube mich zu erinnern, Sewiß — ich sah ihr Porträt oder wenigsten« eine -appante Sehnlichkeit — denn sie wird doch nicht al« Modell geseffen Haden — auf einer der letzten Gemäldeausstellungen neuerer Künstler. Eie ist unleugbar eine interessante Erscheinung."
irdische, gar persönliche Rücksichten, sondern einzig und allein durch ihr Gewissen, das einstens vor dem ewigen Richrer über diese Handlung Rechenschaft abzulegen hak, durch die Rücksicht auf die Ehre Gottes, aus das Wohl der Kirche und das Heil der Seelen.
Doch eines ist für den Freund der Ehre deutschen Namens tröstlich, daß diese Flegeleien, welche wir hier im Auge haben, nicht verübt worden sind von deutschen Blättern, sondern von jüdischen und einigen sozialdemokratischen, die ja mit dem modernen Judentum verwandt und verschwägert sind.
[] Der sozialdemokratische Parteitag ist soeben von der Parteileitung auf Sonntag, den 19. September, nach Dresden einberufen worden. Nach der provisorischen Tagesordnung hat das Referat über die parlamentarische Tätigkeit der Avg. Stadthagen. Bebel ist in dieser Tagesordnung nicht als Redner vorgesehen, doch unterliegt es keinem Zweifel, daß gerade Bebel in diesem Jahre im Mittelpunkt der Diskussion stehen wird.
Der Erfolg, den die Sozialdemokratie bei den letzten Wahlen gehabt hat, wird dem diesjährigen Parteitag sein besonderes Gepräge geben. Nicht nur, daß derselbe die Genossen veranlassen wird, im Gefühle des Triumphes den bürger- ltchen Parteien und der bestehenden Gesellschaftsordnung gegenüber den Mund etwas zu voll zu nehmen und dem Traume vom Zusammenbruch der bürgerlichen Gesellschaft und vom Eintritt des großen „Kladderadatsch" eine nahe Verwirklichung zu prophezeien, auch nach einer andern Seite hin wird der Parteitag unter dem Zeichen des Wahlausfalles stehen, indem er — und hierin erblick n wir seinen Schwerpunkt — über die Frage zu entscheiden haben wird, inwiefern der Zuwachs an Mandaten für die Sozialdemokratie eine Aenderung ihrer Haltung erfordert. Lebhafte Debatten werden ohne Zweifel auch über die Frage entstehen, ob den Mitgliedern der sozialdemokratischen Partei das Recht der freien Meinungsäußerung in der Presse gestattet ist oder nicht. Schon im vorigen Jahre hat auf dem Parteitag in München diese Angelegenheit eine Rolle gespielt und zu einer scharfen Aus» einandersetzung zwischen den Doktrinären und den Revisionisten geführt, welche letztere sich das Recht nicht nehmen lassen wollen, statt sich der Kautskpschen Zensur zu beugen, ihre politische Auffassung in den ,Sozialistischen Monatsheften' zum Ausdruck zu bringen. Nach einer gründlichen Katzbalgerei hat man sich in München in der üblichen Weise wieder „verständigt", aber es hat sich gezeigt, daß die Meinungsdifferenzen in dieser Frage in München in Wirklichkeit nicht beglichen worden sind, sondern ungeschwächt fortbestehen.
Wird der diesjährige Parteitag hier eine Lösung bringen ? Wir nehmen keinen Anstand, diese Frage schlankweg zu verneinen, denn auf der einen Seite wird Bebel seiner Uefterzeugung, daß durch ein Vorgehen wie das Bernstein'sche die Disziplin und Einheit der Partei gefährdet
„Nicht wahr, Manfred, entzückend!" rief Jfritba begeistert aus. „Hätte ich nur ihren Teint! Sie fah wunderschön au», trotz ihres einfachen, schwarzen Kleides. . "
„Von dem sie recht gut weiß, daß es ihre sonst zu matten Züge vorteilhaft hebt," fiel Lidwina ein, der es höchst unangenehm war, haß Lisbeth in dieser Weise der Gegenstand längerer Betrachtung wurde.
„Aber Lidwina, sie ist ja in Trauer . . ."
„In Trauer, um wen?" fragte Manfred.
„Um ihre Mutter; ach, die Arme bat Niemanden mehr; eine elternldse Waise ohne Bruder oder Schwester."
„Sind ihre Eltern ..."
„Ach, passons lä-dessus! Das find böse Geschichten — nicht für Kinderohren, tote die unserer kleinen Frieda. Sie ist nämlich die Tochter einer Geschiedenen. Traurig zwar, aber doch b-ffer für sie, daß ihre Multer starb — Du verstehst 9Jtanfreb — (dieser per» ftans' eigentlich nichts) und daß sie in ein anständiges Haus verpflanzt wurde."
„Du tannst nicht glauben, tote angenehm und lieb ..."
„Sie ist sehr anstellig," schnitt Lidwina ihrer Schwester das Wort vom Munde ab. „Nur schade, daß fie sich bis jetzt so wenig Takt angeeignet hat. Es war zu ung schickt von ibr, mit der Lampe in den Talon zu kommen, wo sie Besuch wußte. Ich will nicht annehmen, daß fie es absichtlich tat, um einen Grund zu haben, hier einjutreten; aber fie muß sich mehr Zurückhaltung angewöhnen. Dergleichen Dienste muß fie dem Diener überladen, oder wenn sie sich vornehmeren Allüren nicht aapaffen w'll, muß fie fich dann nicht unmittelbar darauf zu uw» setzen. Ich habe es deutlich dem Baton Eqgenberg angesehen, wie unangenehm er fich berührt fühlte, in unserer Gesellschaft ein so foembaiüwe» Wesen zu finden. Selbst da» bestechendste Aeußere tann besonder» bei einem weiblichen Wesen den Mangel de» Zartgefühls nicht bedecken."
Manfred war die luseinandersetznng seiner Schwester
werde, kein Opfer bringen können und auf der andern Seite werden sich ein v. Vollmar, Bernstein, David, Heine und wie sie alle heißen mögen, nicht mundtot machen lassen. Das alte Wort aber: „Wer nicht pariert, der fliegt hinaus!" wird fich au diesen Männern nicht bewähren, weil das mit einer offiziellen Spaltung der Sozialdemokratie gleichbedeutend sein würde. Der Parteitag mag zu einer Stellungnahme kommen, wie er will, er wird die Tatsache nicht aus der Welt schaffen können, daß im Gegensatz zu der gepriesenen Freiheit der Sozialdemokratie das Recht der freien Meinungsäußerung in ihr n cht besteht.
Berlin, den 27. Juli 1903.
\ Eine Gedächtnisfeier der Katholiken Berlins und der Umgegend für den verstorbenen hl. Vater findet am nächsten Donnerstag statt. Die Gedächtnisrede wird der Dominik, merpater Bonaventura halten.
** Sein silbernes Priesterjubiläum beging am Sonntag in Berlin unter großer Beteiligung der Gemeinde Monsignore Kuratus Schwarz in St. Mathias. Die Festpredigt hielt der frühere Pfarrer von St. Mathias, Geistl. Rat Pappenberg aus Buldern-Westfalen. Herr Kuratus Schwarz steht durch seine langjährige Tätigkeit in der Redaktion der .Germania' der katholischen Presse sehr nahe und hat sich große Verdienste um dieselbe erworben.
* Zwischen König Eduard von England und dem deutschen Kaiser soll im Herbste nach einer Blättermeldung eine Zusammenkunft stattfinden. Die Angaben darüber, wo dieselbe erfolge, gehen auseinander. Selbst in der Frage, ob in Deutschland oder England, stimmen sie nicht überein. Nach einem Berliner Lokalblatt soll auch gleichzeitig der Kaiser von Rußland teilnehmen. Die ,Berl. Neuest. Nachr.', die das Gerücht von der Teilnahme des Kaisers von Rußland an der Zusammenkunft noch nicht verzeichnen, bemerken zu der Begegnung des deutschen Kaisers mit König Eduard, sie nähmen an, daß es sich um einen Privatbesuch deS Kaisers handele, denn eine Staatsvisite empfehle sich so lange nicht, als sich nicht in England die unfreundliche, ja gehässige Stimmung gegen das deutsche Reich gelegt habe.
§§ Zum deutsch-venezolauischeu Kou- stikt. Der,Reichsanzeiger' meldet: „Nach Artikel 3 des am 7. Mai 1903 abgeschlossenen, in der Nummer 110 des .Reichsanzeiger' abgedruckten Abkommens zwischen Deutschland und Venezuela Über die zur Feststellung der deutschen Reklamationen berufene gemischte Kommission sind die Reklamationen bei der Kommission von dem Kaiserlich deutschen Gesandten in Caracas bis zum 1. Juli 1903 anzumelden. Diese Frist
vollkommen unklar; doch genügte fie, um für den Augenblick einen bösen Schatten auf die ihm so strahlend erschienene Mädchengestalt zu werfen; darauf aufmerksam gemacht, mußte auch er anerkennen, daß fich sein Freund Eggenberg auffallend kühl gegen Fräulein Lisbeth benommen und auch nicht ein Wort an sie gerichtet hatte.
Er war von Jugend auf daran gewöhnt, tn dem, was Anstand und gute Sitten betraf, seine Schwester Lidwina für unfehlbar zu halten, und er verlangte vor allem von einem weiblichen Wesen, daß es sich auch nicht um Haaresbreite von dem fireng vorgezeichnete» Wege entferne. ,
Lidwina ersah aus den Mienen ihres Bruders, daß fie nicht umsonst gesprochen habe, und bot deshalb für den Reft des Abends in ganz besonderem Maße all ihre Liebenswürdigkeit ans. um die Gedanke» des Bruders vollständig zu feffeln und ihn in die ihr wünschenswerten Bahnen zu lenken. Es kam ihr habet zu Hilfe, daß Lisbeth auf ihren eigenen Wunsch nicht beim Abendbrot erschien
Baron Eggenberg hatte im Sturme die Herze» erobert; freilich machten die Schwestern davon ein tiefes Geheimnis; die Präsidentin dagegen konnte nicht umhin, al» fie endlich mit ihrem Gatten allein war, den Wunsch auszusprechen, daß es ihnen gelingen möchte, den Baron für eine der Töchter als Gatte» zu gewinnen.
@8 war schon spät in der Nacht, als die beide» Freunde noch in traulichem Gespräche beisammen saßen. Es herrschte zwischen ihnen eine innige Freundschaft, die, noch aus den Knabenjahren stammend, durch dte Zeit und Trennung nicht gelockert, sondern besesttkft worden war, weil sie aus gegenseitiger Achtung um» gleichen Prinzipien beruhte.
Der Baron war um eitrige Jahre älter al«^äRan« fred, der trotz der leidenschaftlichen Nnhängltchkett a» ihn stets mit einer gewiffen Ehrfurcht zu fetnae Fre»nde aufgeschaut hatte. Oh»« Neid erkannte erröte ihm übtilfgene GeisteSkraft de» Baran» an, der ch»