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Monatrdellage: „gulbacr Geschichtsblätter".

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Druck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda (Harmonie). Fernsprecher Ur 9.

M 168.

fulda, Montag, den 27. Juli 1903.

30. Jahrgang.

Zügungen.

Erzählung von A. Uhdolph.

18 ------ (Nachdruck verboten.)

O, Lisbeth hatte sich jetzt glücklich gefühlt - sie war so anspruchslos, sie verlangte nur Ruhe, Frieden —, wenn nicht die Sorge um chren Bruder ihr Herz schwer bedrückt haben würde.

_ Bis jetzt hatte sie noch keiner der so häufigen Gesellschaften im Hause des Präfidenten beigewohnt. Bon all den zahlreichen Bekannten und Freunden, die dort verkehrten, halte fie erst einige Damen flüchtig kennen gelernt.

Nahm man Rückficht auf ihre tiefe Trauer oder ließ man andere Gründe Mitwirken — genug, LiSbeth war es vergönnt, unbemerkt und zurückgezogen leben zu können.

Das Geburtsfest des Präfidenten nahte heran; man machte bte größten Vorbereitungen, um eS mög­lichst freudig und großartig zu begehen. Man hoffte, daß auch der Sohn de« Haufe», Manfred, Urlaub er- halten und zu drefem Tage in die Residenz kommen «erde.

. Die ganze Familie war mit Recht auf den Sohn und Bruderstolz Er war der Netteste, ein glück- ücheS Ge lisch beider Eltern. Hoch und schlank ge­wachsen, trug er die Züge seiner Mutter; aber bei chm war der hochmütige Ausdruck in männliche Ent­schiedenheit verändert, und au» seinem dunklen, geist­vollen Auge sprach di« Freundlichkeit und Güte der Vaters.

Daß die Schattenseiten an den weiblichen Gliedern der Familie bei ihm nicht hervortraten, ver­dankte er seiner Erziehung, welche seine Eltern' nach Art vornehmer Leute gänzlich Fremden überlaffrn hatten.

ES war ein großes Glück für Manfred, daß die

Wahl seines Vaters aus eine sehr berühinte, von Jesuiten geleitete Anstalt gefallen war, der Manfred schon sehr jung als Pensionär übergeben wurde.

Seinen vortrefflichen Lehrern war eS gelungen, ihm außer einer gediegenen wissenschaftlichen Bildung, feste religiöse und sittliche Prinzipien zu vermitteln, welchen er in dem gefährlichen Treiben der großen Welt treu blieb.

Es war drei Tage vor dem Feste. Die Familie des Präsidenten saß im Salon beisammen; LiSbeth war au»gegangen, um einige Besorgungen zu machen. Man sprach vo.i Manfred.

Da — ganz unerwartet — trat dieser ein, be- 8leitet von einem Herrn, der den Sohn des Hause» cdeutend überragte, eine imposante gebieterische Er- cheinuug. Ueberrascht blickten die im Zimmer An­wesenden auf die Eingetretenen; die Gegenwart des Fremden hemmte die lauten, herzlichen $egrüf$ungen, ! ie sonst ohne Zweifel Manfred von Seiten seiner Familie zu teil geworden wären.

„Ihn erkennt wohl nicht mehr meinen alten Freund, Baron Eggenberg? Endlich ist er heimge- ! chrt von seinen großen Reisen, und ich hatte das Glück, mit chm zusammenzutreffen und ihn zu mir zu entführen zu können. Ich hoffe, er hat uns trotz einer Würde al» Doktor der Philosophie, Mitglied nehrerer gelehrter Gesellschaften , Ritter hoher ein« heimischer und auswärtiger Orden usw. noch die rüheren Freundschaftsgefühle bewahrt .'

Der Präsident hatte sich erhoben und schritt rasch auf Baron Eggenberg zu, während Manfted seine Mutter und seine Schwester zärtlich begrüßte.

„Entschuldigen Sie, Herr Baron, daß wir Sie nicht sofort erkannten; aber aus dem Jüngling ist ein Mann geworden. Seien Sie herzlichst bei un» will­kommen !"

„Herr Präsident," ertönte jetzt die sonore Stimme de» Baron», „ich muß um Verzeihung b'tten, daß ich so unangemeldet in Ihren Familienkreis ein­

trete. Ich folgte willenlos der Freundschaftsseffel, die keine Widerrede zuließ. Ihr Herr Sohn, mein Freund Manfred, trägt allein die Schuld."

„Die er willig auf seine Schultern nimmt," rief fröhlich der Angeklagte, welcher jetzt auch seinen Vater herzlichst umarmte.

Baron Eggenberg hatte sich der Dame des Hauses genähert und ihr mit ritterlichem Anstande die Hand geküßt.

„Sie treten, Ihrem offenen Geständnisse gemäß, willenlos in unseren «ret», Herr Baron," lächelte diese verbindlich; „ich hoffe, daß Sie recht mit Ihrem Willen unser Gast bleiben und sich bei un» ganz heimisch fühlen werden.

Die Gewohnheit des ungezwungenen Gefellschasts- tones, das lebhafte Wesen ManftedS, die durch seine Ankunft freudig erregtet Gemüter der Familie, be­sonder» aber die sich in den ersten Worten kundgebende, hohe, geistige Bildung des BaronS von Eggenberg ließen bald eine animierte Unterhaltung in Fluß kommen.

Man hatte sich zwanglos um die beiden jungen Männer gruppiert und achtete im angenehmen Aus­tausch der Gedanken nicht darauf, daß der Abend hereingebrochen war, und tiefe Schatten im Salon lagerten.

LiSbeth war unterdessen nach Hause zurückgekehrt; sie wußte nichts von dem Besuche der beiden Herren.

Al» fie in da» Vorzimmer eintrat, hörte sie die lauten Stimmen der Schwestern und bemerkte, da die Pottiören zurückgeschlagen waren, daß noch kein Acht im Salon sei.

Schon daran gewöhnt, für etwaige Unaufmerk­samkeit der Diener verantwortlich gemacht zu werden, zündete fie eine große Astrallampe an und ging rasch auf den Salon zu.

Man halt- io eifrig gesprochen, daß man fie erst bemerkte, al» fie schon in der Türe stand und da» Licht blendend in den dunklen Raum fiel. Hell et«

An der Bahre unseres hl. Vaters.

B. Rom, 24. Juli 1903. (Von unserem römischen Mitarbeiter) Die feierliche Ueber- führung der sterblichen Hülle Leo's XIII. vom Thronsaale des Vatikans in die Peterskirche bot eines der pietätvollsten und imposantesten Schau­spiele, welche Rom in den letzten Zeiten aufzu­weifen hatte. Der Trauerzug bewegte sich am Mittwoch abend punkt 8 Uhr von den päpstlichen Gemächern durch den Clementinischen Saal über die päpstliche Treppe, durch die unteren Loggien, den herzoglichen und den königlichen Saal, über die königliche Treppe nach dem Portikus der Peterskirche. Letztere war durch riesige Vorhänge nach dem Petersplatze zu abgeschlossen. Uebera brannten Wachsfackeln, außerdem erstrahlten sämtliche elektrische Beleuchtungskörper. Der Zug hatte folgende Ordnung: Abteilung der palatinischen Ehrengarde; päpstliche Zeremoniare; 12 Sänftenträger und 12 Poenitenziare mit Wachsfackeln; die Bahre mit der päpstlichen Leiche, getragen von 8 Sänftenträgern und um­geben von den Großwürdenträgern des Hofstaats. Im Saale der Sarafrenieri schloffen sich die Kardinäle dem Zuge an. Ihre Wachskerzen wurden von den Kaplänen getragen. Es folgten der Fürstthronassistent Colonna mit den erblichen Großwürdenträgern des Vatikans, die Mitglieder des diplomatischen Korps (im Frack), Patriarchen, Bischöfe, römische Patrizier, Prälaten, Kämmerer und endlich die Vertreter der hiesigen katholischen Vereine. Die päpstlichen Neffen schritten hinter den Mitgliedern des Hofstaats. Die einzelnen Gruppen hatten in den verschiedenen Vorsälen und Korridoren Aufstellung genommen, um sich dem Zuge nach dessen Vorbeipasfieren anzu­schließen. Endlich gegen 9 Uhr war die Pro- Zession, welche einen ungemein erhabenen und feierlichen Eindruck machte, im Portikus von St. Pet.r am Hauptportale angekommen. Empfangen vorn Domkapitel wurde die Leiche in die Mitte der Kirche getragen, woselbst der Domherr und Patriarch von Konstantinopel Ceppetelli die Ab­solution erteilte. Vatikanische Benefiziaten trugen darauf die Bahre in die Sakramentskapelle, wo­selbst dieselbe jenseits des Gitters aufgestellt wurde. Gestern war die Leiche öffentlich fürs große Publikum ausgestellt. Die Kardinäle hielten ihre 3. Kongregation ab. Zu anfang derselben überlieferte der Unterdatar Prälat Spolverini die Akten und die Werte der Dataria und ein Be­amter der päpstlichen Kanzlei die beiden Siegel mit dem Namen „Leo XIII." Beide Siegel wurden von Ceremoniaren unbrauchbar gemacht. Cs wurde sodann beschloffen, das Begräbnis Leo's XIII. morgen (Sonnabend) abends 7 Uhr in St. Peter vorzunehmen. Am gleichen Tage werden die Diplomaten von den Kardinäle» empfangen. Am Dienstag, Mittwoch und Donnerstag werden Exequien in der Sixtinischen Kapelle, am Montag im Lateran abgehalten.

Seit zwei Tagen ist die Leiche Leo's XIII. schon im Petersdom ausgestellt und die ganze Zeit hindurch herrscht ein gewaltiges Leben und Gedränge in der Kirche wie auf dem riesigen Platze vor derselben. Unaufhörlich bringen

Droschken, Fuhrwerke aller Art und elektrische Straßenbahnen neue Menschenmassen, während die aus der inneren Stadt und aus dem neuen Stadtteil „Pati di Castello" zum Petersplatz führenden Wege schwarz von Menschen sind. Das größte Gedränge herrschte merkwürdiger Weise gerade während der heißesten Tages­stunden, zwischen 12 und 2 Uhr. Denn erstens fanden sich um diese Zeit alle diejenigen ein, welche durch ihre Berufspflichten an den übrigen Tagesstunden verhindert waren; zweitens aber dachte eine große Anzahl: „In den heißesten Stunden, zwischen 12 und 2 Uhr mittags wird niemand sich in St. Peter einfinden; außerdem sitzt um diese Zeit ganz Rom bei Tische oder pflegt der traditionellen Siesta." Dasselbe hatten aber — wie es scheint — fast alle gedacht, welche sich den heutigen Tag zu ihrem Besuche der päpstlichen Leiche ausgesucht hatten und daher fanden sich diese alle fast gleichzeitig auf dem Platze ein. Die Sonne brannte fürchterlich. In beiden riesigen Kolonadenreihen standen Soldaten. Ebenso war die ganze Treppe der Basilika militärisch besetzt. Die Menschenmaffen drängten fürchterlich gegen den schmalen Eingang am Holzzaun, welcher von Gendarmen bewacht wuroe. Das Publikum wurde nur gruppenweise durch den Eingang gelassen. Die Steine der großen Plattform der Treppe glühten. Viele wurden ohnmächtig. An allen Ecken und Enden des Petersplatzes und seiner nächsten Umgebungen, der Kirche selbst rc. waren Rettungsstationen der Gesellschaft des „Roten Kreuzes" errichtet. Die königlichen Truppen und die Gendarmen taten vollauf ihre Schuldigkeit. Nur durch ihr energisches und zugleich zielbewußtes Auftreten wurden größere Konfusionen oder gar ernstere Unglücksfälle verhindert. Im Innern der Kirche taten Sicherheit-wachen und Gendarmen den Dienst. Die Menge wurde durch einen durch zwei Reihen schweren Holzbänken gebildeten Gang geschoben. Das Gedränge war furchtbar. Stehen­bleiben durfte niemand vor der Sakraments­kapelle, in welcher Leo XUI. aufgebahrt laa. Das Arrangement war indessen derart gut, daß alle, wenn auch nur wenige Augenblicke, den Papst ganz deutlich sehen konnten. Das Gesicht Leo's XIII. zeigte eine etwas dunklere Färbung als die letzten beiden Tage nach der Ein­balsamierung. Heute abend wurde die Aus- stellung geschloffen.

* Rom, 25. Juli 1903. Nachmittags um 7 Uhr begann die Feier der vorläufigen Beisetzung des Papstes in der Pet-rskirche. Nachdem auch unter Vorantritt der kerzentragenden Pönitentiare der Peterskirche das vatikanische Kapitel in der Kapelle er- chienen war, segnete der Dekan des Kapitels die Leiche ein und stimmte das Miserere an, in das der Sänger­chor einfiel. Sodann wurde die Leiche in feierlichem Zuge aus der Sakramentskapelle durch das Mittelschiff der Kirche um den päpstlichen Altar herum nach der Chorkapelle getragen. Voran schritten die Stadträger des Kapitels. Es folgten das vatikanische Seminar, die Pönitentiare und das Kapitel von St. Peter. Hinter ihnen trugen Mitglieder der Kapelle die Bahre mit der Leiche, von Nobelgarden und Mitglieder der Erzbruder- chaft San Michele in Borgo umgeben, die brennende Fackeln trugen. Die päpstlichen Hofwürdenträger, die Ehrenkämmerer und Prälaten und eine Abteilung der Palastwachen oeendeten den Zug. Ihm schlossen sich zahlreiche Vertreter katholischer Vereine und Pfarr­

körperschaften an. Die Leiche wurde mitten in der Chorkapelle mit dem Haupt gegen den Altar nieder­gestellt. In der Chorkapelle waren die Mit- !(lieber des heiligen Kollegiums, die hier anwesend ind, bereits vollzählig versammelt. In der Kapelle nahmen ferner das diplomatische Korps, .sowie Ver­treter des römischen Adels auf besonderen Bänken Platz. Die übrigen Teilnehmer des Zuges stellten sich rechts und links von der Bahre auf, die Vereine und Körperschaften blieben außerhalb der Kapelle, deren Gitter darauf geschlossen wurde. Nunmehr eröffnete der Chorgesang die eigentliche Feier. Der Dekan des vatikanischen Kapitels segnete die Leiche noch­mals ein. Darauf trat der Majordomus an die Leiche des Papstes heran und bedeckte schweigend deren Antlitz mit einem weißen Schleier. Der Präfekt der Zeremonien deckte sodann den Körper mit einem rot- seidenen Schleier zu und schlug die Enden des Bahr­tuchs über ihm zusammen. Nobelgarben nahmen darauf die Leiche von der Bahre aus und betteten sie in den ganz mit karmesinfarbigem Samte ausgeschlageuen Sarge von Cyprefsenholz. In dem Sarg wurden drei rotseidene Börsen niedergelegt, die soviel goldene bezw. silberne und bronzene Medaillen enthalten, als das Pontifikat des Verblichenen Jahre gedauert hat; ferner eine in Blei eingeschlossene Glasröhre mit einem Per­gamentblatt, auf dem der Lebenslauf und die Verdienste des Papstes geschildert find. Nun­mehr traten die Grafen Pecci Fürst Rospigliodi, sowie die Befehlshaber der Schweizergarden und der päpstlichen Gendarmen zum Fußkusse an den Sarg heran. Darauf wurde der Deckel des Sarges geschlossen und mit den Siegeln des Kardinal­

kämmerers Oreglia, des Kardinals Rampolla, des Erzpriesters der Basilika und des Majordomus versiegelt. Während alle Anwesenden in und außer der Kapelle laut beteten, wurde der versiegelte Sarg sodann in den Bleisarg gestellt und dieser ver­lötet. Auf dem Deckel des letzteren kündet eine In­schrift das Lebensalter, das Pontifikatsjahr und den Todestag des Verstorbenen an. Nach der Verlötung, während welcher der Kapitalsnotar eine auf den Tod und die Beisetzung des Papstes bezügliche lateinische Urkunde verlas, wurde auch der Bleisarg versiegelt und in einen dritten Sarg aus Ulmenholz mit dem Wappen deS Papstes auf dem Deckel gestellt. Nach einer nochmaligen letzten Einsegnung wurde der Sarg von Nobelgarden unter Vorantritt des vatikanischen Kapitels und der Kardinäle aus der Kapelle zu dem Sarkophage getragen, in dem die vorläufige Beisetzung deS Papstes stattfindet. In diesem von der Tiara überragten Behältnis über der Stute, die zur linken Empore der Chorkapelle fühtt, wird die Lerche des Papstes ruhen, bis das Grabmal an der in dem Testamente bestimmten Stätte in der Kirche San Giovanni in Laterans vollendet ist. Unter Ab- singung des Psalms „Benedictas Dominus Deus Israel* wurde etwa um 9 Uhr abends der Sarg zur Höhe des Sarkophages emporgezogen und hier beigesetzt, während die Glocken der Basilika läuteten und viel­stimmige Gebete und Gesänge den weiten Raum der Kirche erfüllten. Sog.eich nach erfolgter Beisetzung schlossen Maurer die Oeffnung des Sarkophages, wo­bei nur die Grafen Peeei, Vertreter des Kapitels, ein Notar und einige Nobelgarden zugegen blieben, während alle übrigen die Kirche verließen. Ueber dem Sarkophag ist ein kleines Schild mit der Inschrift „Leo p. p. 13* angebracht. Um ',,10 Uhr herrschte in und um Santt Peter tiefe Stille.

Berlin, den 25. Juli 1903.

% Requiem für Papst Leo XIII. in der Berliner Hedwigskirche. Unter großer Teilnahme der offiziellen Kreise und der katholi­schen Bevölkerung Berlins sand am Samstag vor­

mittag in der Hedwigskirche das feierliche Requiem fürden verstorbenen Papst Leo XIII. statt. Dasselbe wurde durch den hochw. Herrn Prälaten Neuber celebriert. Schon um 91/* Uhr sammelten sich vor dem Pfarrhause mit umflorten Fahnen und Ban­nern die Deputationen der zahlreichen katholischen Vereine. Bald nach 10 Uhr begann die Auf­fahrt der offiziellen Teilnehmer, die der mit dem Maltbeser-Kreuz geschmückte Graf Tallayrand- Perigord empfing. Als Vertreter des Kaisers erschien der Erbprinz von Hohenzollern; im Auftrage der Kaiserin Graf Mirbach. Die Reichs- und Staatsregierungen vertraten die Minister Graf v. Posadowsky - Wehner, Dr. Studt, Freiherr v. Rheinbaben, Frei­herr v. Hammerstein und Staatssekretär Krätke. Für den Reichskanzler war Staats­sekretär Konrad erschienen. Vom diplomatischen Korps waren der italienische Botschafter Graf Lanza, der österreichisch-ungarische, französische und belgische Geschäftsträger mit zahlreichen Attaches anwesend. Polizei-Präsident v. Bor­ries, einige Stadträte und Stadtverordnete, so­wie die katholische Geistlichkeit, die hier anwesen­den Zentrums-Abgeordneten, katholische Generäle, Stabsoffiziere u. a. m. wohnten der Feier bei. Nach dem Requiem fand in feierlicher Weise die „absolutio ad tumbam“ statt. An den Hochaltar zurückgekehrt, trat Prälat Neuber an den Ver­treter des Kaisers heran und sprach ihm den Dank für sein Erscheinen aus. — Ueber die Ver­tretung des Kaisers bei den Beerdi­gungs-Feierlichkeiten fürden hl. Vater sind Nachrichten von der Entsendung eines König!. Prinzen durch die Presse gegangen. Dazu schreibt der Merl. Lok.-Anz/: „Obwohl die Frage noch nicht entschieden ist, spricht doch die größte Wahr­scheinlichkeit dafür, daß sich der Kaiser durch den preußischen Gesandten am Vatikan, Freiherrn v. Rotenhan, vertreten lasten wird." — Im Anschlüsse hieran sei noch mitgeteilt, daß die öffentliche Ausstellung der Leicke des Papstes am Samstag geschlossen worden ist.

** Der Kaiser Hal an die Gattin seines verstorbenen Religionslehrers Predigers PersiuS in Potsdam folgendes Beileidstelegramm gesandt: „An Frau Prediger Persius, Potsdam. Die Nachricht von dem Heimgang Ihres hoch­verehrten Gatten, und diesem für Sie, gnädige Frau, unersetzlichen Verlust, erfüllt mich mit auf­richtiger Teilnahme, und ich füge gern hinzu, daß nicht nur feine vierzigjährige Tätigkeit an der Heiligengeist-Ktrche, sondern auch fein Wirken als Seelsorger in meinem Elternhause mir un­vergeßlich bleiben wird. Wilhelm R. — Auch die Kaiserin hat der Witwe des Entschlafenen von Sabinen aus ein in den wärmsten Worten gehaltenes Beileidstelegramm gesandt.

*** Die für den Monat August geplante Seefahrt des Kaiserpaares mit dem Lloyd- bampfer „Kaiser Wilhelm 11." ist, wie dem ,Berl. Lok. Anz/ mitgeteilt wird, wegen ver­änderter Reisepläne des Kaisers verschoben worden.

[*] Der Minister des Innern, Frhr. v. Hammerstein, hat einen fünfwöchigen Ur­laub angetreten und sich zunächst nach Stein­horst bei Eschede in der Provinz Hannover begeben.

leuchtet war fie allen Blicken deutlich sichtbar, während fie selbst noch nicht die anwesenden Gestalten unter­scheiden konnte.

Die bunkelrote, schwere Sammtportiere bildete einen prächtigen Hintergrund zu der anmutigen, licht­umflossenen Gestalt Elisabelh's. Das helle blonde Haar lockte sich in natürlich ungezwungener Weise um da» seine klassisch geschnittene Gesicht mit den rosig angehauchten Wangen; die großen, blauen Augen blickten träumerisch unter den langen, dunklen Wimpern empor mit einem Ernst, der eigentümlich mit den weichen, kindlichen Zügen konttastierte, aber dadurch um so mehr mit geheimnisvoller Macht die Herzen anzog.

Unbefangen grüßend nähette fie sich dem Tische,, aus welchem fie die Lampe niedersetzte.

„Fräulein LiSbeth, unsere Gesellschafterin," lautete die ftlrze Vorstellung der Präfidentin, und erst, da weder Manfted noch Eggenderg Miene machten, sich zu setzen, fügte fie hinzu: „Herr Baron von Eggen­berg und mein Soho, Leutnant von Breten."

Bei dem Namen Eggenberg blitzte LiSbeth'» Auge freubig auf, um ober im nämlichen Augenblicke verwirrt und verlegen sich zu Boden zu senken, da fie den eigentümlichen Blick de» BaronS gewahrte, der sie scharf und stechend fixierte. Ihr aufwallende» fteudiges Gefühl wurde wie von einer eisigen Hand in di» Brust zurückgedrängt.

Die durch Lisbeths Erscheinen verursachte Unter­brechung der Unterhaltung bauerte nur wenige Augen­blicke ; bald hatte sie wieder ihre frühere Lebhaftig­keit angenommen.

Li-beth verhielt sich, mit einer Handarbeit be­schäftige, bescheiden schweigend; fie fühlte sich unwill­kürlich geniert und beängstigt; sie wollte nicht be­achtet werden, aber gerade dieser Wunsch fand keine Erhörung.

Manfted, gleich bei ihrem Erscheinen von ihrer Schö. heü und Anmut hingerissen, gab sich die