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30. Jahrgang

fUlda, Freitag, den 24* Juli 1903.

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Rn der Bahre unseres hl. Vaters.

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kämmerer erwidert.

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• Rom, 23. Juli 1903. Das Wetter ist herrlich, i Es herrscht, große Hitze. Seit dem frühen Morgen find die Polizeibehörden auf dem Peter Splatze beschäftigt, um Vorkehrungen für die Aufrechterhaltung der Ordnung und die Regelung des Verkehrs zu treffen. Zwei Regimenter Soldaten sind unter den Säulen­gängen deS Platzes aufgestellt, eine Kompagnie steht

An seiner Seite wurde Lisbeth doch nicht glück­lich: er mußte fest bleiben; ein Zusammen!« ben mit ihr war nicht möglich. Schon fühlte er die unbe­queme« Fesseln, die sie ihm auserlegen würde.

So harmlos sie war, für die Dauer konnte e»

unter dem Säulengang der Kirche. Karabinieri ver­sehen den Dienst im Innern derselben. Um Uhr beaannen die Glocken zu läuten. Tausende von Men­schen erwarteten die Oeffnung der Tore. Diese erfolgte um 6 Uhr, und die Besichtigung der Leiche begann. Die Füße des Papstes befinden sich innerhalb des Gitters der Kapelle, sodaß eS unmöglich ist dieselben zu küssen. In der Umgebung der Kirche herrscht lebhaftes Treiben, die Straßenbahnwagen sind überfüllt. Man schätzt die Meng«, die von 6 bis 8 Uhr an der Leiche vorüberging, auf 15,000 Personen. Nobel- und Schweizergarden verrichten den Dienst in

Mgungen.

Erzählung von A. Uhdolph.

------ (Nachdruck verboten.!

ein Speisezirmnerchen. •

Sind die Kardinale im Konklave angekommen, so begeben sie sich in die Sixtinische Kapelle, wo ihnen die auf die Wahlordnung bezüglichen Bullen der früheren Päpste vorgeiesen und von ihnen" beschworen werden. Hierauf werden sie nach ihren Wohnungen auf den Korrldoren des Vatikans entlassen. Ehemals durften die Kar dmäle jeden abend nach Hause zurüclkeqren und mußten am frühen Morgen wieder im Konklave eintreffen; diesesmal aber nach ihrem ersten Em- tritt roe den sie nicht mchr entlassen. Alle Türen und Fenster nach außen werden ver- mauert, mit Ausnahme einer einzigen Türe, durch welche die von der Ferne etwa später eintreffenden Kardinäle noch ins Konklave kommen können, oder, wenn einer -bet Konklavisten erkrankt, der­selbe hinausgebracht wird. Dieie Türe hat ober von innen und außen ein verschiedenes Schloß; der Schlüssel zum inneren Schlosse wnd vom Marschal l de- Konklave, Fürst Ch tg i, derjenige zum äußern aber vom Oberzelemonienmerster in Ver­wahrung genommen. In dieser Türe ist ein einziges Fenster, durch welches die Kardinäle in corpore den fremden Gesandten Audienz geben, wenn sehr dringende Geschäfte eine s-lche erheischen. Der Eingang ins Konklave wird stark von Militär bewacht. Am zweiten Tage nach dem Eintritte ins Konklave wird in der Sixtinischen Kapelle von einem Kardinalbischof die hl. Geist-

für die Wahl eines neuen Papstes die hl. Geiste messe lieft. Hierauf hält ein anderer Kardinal eine lateinische Rede, worin er das hl. Kollegium ermahnt, einen für den hohen Beruf vollkommen würdigen Mann zum Papste zu wählen. Dann gehen tie Kardinäle in das Konklave. Urtier dem Namen Konklave versteht man sowohl die Versammlung aller Kardinäle, die sich zur Wahl eines neuen Oberhauptes der katholischen Kirche vereinigen, als auch den Ort selbst, wo diese Wahl vorgenommen wird. In dem für die Wahl ausersehenen Palaste zum Vatikan sind für die Kardinäle Zellen do;; hölzernen Balken und Brettern gebaut und mit Tuch obtr feinem Zeuge behängt. Diese Zellen laufen in einer langen Gallerie hin, von welcher erstere Licht erhalten; denn in jeder Zelle ist ein kleines Fenster angebracht, damit Licht hineinfalle. Die Fenster der Gallerie sind bis auf den oberen Flügel vermauert, daher die Zellen ziemlich dunkel sind. Heber jeder Zelle hängt das Wappen des darin wohnenden Kardinals. Die einzelnen Zellen unterscheiden sich auch du ch die Farbe der Tapeten, womit sie behangen stnd.^inoem die Zellen derjenigen Kardinäle, die von dem ver­storbenen Papste erwählt wurden, violett, die der übrigen aber grün oder rot sind. Eine Zelle ist gewöhnlich nur so groß, daß sie eben Raum zu einem Tische, Bell, einigen Stühlen und kleinen Schränken gewährt. Neben der Zelle des Kardinals ist auch eine Zelle für fernen Sekretär und eine kleine Kapelle, sonne auch

messe gelesen und alle Kardinäle gehen zur hl. I Kommunion. In dieser Kapelle sind auch die I Wahlversammlungen, vom dritten Tage an- I gefangen morgens um 6 Uhr und nachmittags I 2 Uhr. Ein Zeremonienmeister geht zuvor, mit I einer Glocke läutend, durch das ganze Konklave, I wobei er ruft: „Ad capellam Domini!“ „Zur I Kapelle des Herrn". Nun gehen die Kardinäle I in die Kapelle und nehmen ihre Sitze ein. Diese I Sitze, sowie der Boden sind mit grünem Tuch I überzogen; vor jedem Sitze steht ein mit dem I Wappen des Kardinals geziertes Pult. Vor I Beginn jeder Wahlversammlung wird morgens I fine stille hl. Geist messe non einem Augustiner- I Mönch gelesen, nachmittags ein Psalm abgesungen. I Mitten in der Wahlkapelle befindet sich ein langer I Tisch. Aus diesem Argen noch die unbeschriebenen I Wahlzettel und in der Milte stehen oroei Kelche. I Nun werden die drei Scrutatoren gewählt und I ebensoviele Revisoren zur Kontrolle der ersteren. I Diese Wahl geschieht durch Ziehen von Kugeln, I auf deren jeder der Name eines Kardinals steht. I Nun folgt die eigentliche Wahl Der älteste I Kardinal tritt an den Tisch, nimmt einen Zettel, deren Form genau vorgeschrieben ist, schreibt darauf den Namen desjenigen, dem er die Stimme gibt, faltet den Zettel und besiegelt ihn. nähert sich Dann dem Altar, indem er den Zettel zwischen zwei Fingern in der Höhe hält, kniet auf die unterste Stufe des Allars nieder, ver­richtet ein stilles Gebet, spricht dann mit lauter Stimme die vorgeschriebene eidliche Versicherung, daß er nach bestem Wissen unb Gewissen dem­jenigen die Stimme gebe, den er für den wür­digsten Nachfolger auf dem Stuhle Petri erkenne und legt seinen Wahlzettel in eine auf *>em Altäre stehende Schüssel und bann in den Kelch feinst, der mitten auf dem Altäre steht. So machen es nach ihm alle übrig« n Kardi­

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Wenn alle Wahlzettel abgegeben sind, so wird der damit gefüllte Kelch von dem Altäre weg und auf den Tisch hingestellt, und die Scrutatoren zählen die Zettel. Stimmt die Zahl derselben mit der Anzahl der gegenroäitigen Kardinäle genau überein, so werden die Wahl­zettel geöffnet, von jedem der Scrutatoren ge­lesen, und endlich von dem dritten der darauf-, stehende Namen desjenigen, dem der Zettel die Stimme gibt, laut ausgerufen. Die Kardinäle notieren sich die Namen auf den vor ihnen liegenden Tabellen. Hal bei dem ersten Scru- . tinium keiner der Kardinäle zwei Drittteile aller Stimme« erhallen, so werben die Wahl- , ze.tel alle verbrannt. Es ist nämlich in einer > Ecke der Kapelle ein Kohlenfeuer, über demselben i ein Rohr angebracht, durch welches der Rauch der verbrannten Wahlzettel inS Freie geleitet i und dadurch dem draußen harrenden Volke die , ergebnislose Wahl angezeigt wird. Die nächste i Wahl findet alsdann am darauffolgenden Nach- > oder Vormittage statt. ______________

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3 ÄÄ wochenMagk: „Illustrierte Sonntagrzeltung

B. Rom, 21. Juli 1903. Im Vatikan , I herrschte gestern nachmittag und heute morgen । I große Bestürzung, denn der päpstliche ■ Fischerring" war nicht aufzufinden! I Nach altem Brauche soll dieser Ring (welcher | übrigens nicht zum Tragen, sondern nur zum I Siegeln päpstlicher Schriftstücke bestimmt ist) sich | in der ständigen Obhut des Oberstkämmerers oe= I ff, ben. Dieser hat ihn bann unmittelbar nach | dem Ableben des Papstes währenb der bekannten ■ Zeremonie ber Rekognoszierung der päpstlichen ■ Leiche dem Kardinal Camerarius oder Camerlengo I zu übergeben. Letzterer bescheinigt demselben den I Empfang und legt den Ring der nächsten Kar- I binaltongregation vor, in welcher er von papst- ■ liehen Zeremoniaren zerbrochen wird. Nun gab I indessen ber Dbertämmerer Blsletr zum Erstaunen ■ aller bie Erklärung ab, daß er niemals von H Leo XIII. diesen Ring zur Aufbewahrung I empfangen habe. Kardinal Oreglia bemerkte I dies in dem betreffenben Protokoll und las das- I fr.be heute früh m der ersten Kongregation den I & irbinalen vor. Man nimmt im Vatikan all- ■ gemein an, daß Leo XIII. ben Ring felbst I irgendwo verwahrt habe und wagte selbstver- I sihndl'.ch nicht, während des Krankenlagers den- I je Iben danach zu fragen. Wahrscheinlich liegt er I im Schreibtische Leo's XIII., welcher in den I letzten Tagen im Schlafzimmer stand. Derselbe I darf jedoch einstweilen noch nicht geöffnet werden. I S er Schreibtisch wurde heute vormittag in ein ■ a deres Zimmer getragen und dasselbe sodann ■ versiegelt. — In vielen Berichten roi d man I o'.me "Zweifel lesen, daß der Kardinal Oreglia ■ während der Zeremonie ber Rekognoszierung der B päpstlichen Leiche die Stirn derselben mit einem I „silbernen Hammer" dreimal berührt habe, gleich- W zeitig den Vers.orbenen ebenfalls dreimal mit W dessen Taufnamen rufend Dieser Hammer ist B indes überhaupt nicht vorhanden. Seme Existenz ■ ist eine Legende, welche sich weitervererbt von I einen Papst auf den andern. Wahrscheinlich ■ liegt eine falsche Beobachtung dieser Verwechselung ■ zu Grunde. Der Kardinal besprengt nämlich M dreimal bas Gesicht des entseelten Papstes mit ■ Weihwasser unb bebient sich babei eines sogen. ■ Aspergil's, welches aus einer durchlöcherten B silbernen Äugel unb einem ebenfalls silbernen ■ Stiel besteht. — Hier würben heute sogar schon B Bilder dieser Zeremonie verkauft, welche den ■ Kardinal Oreglia darstellen, den „Hammer" in B der Hand haltend. Es gibt sogar im Vatikan I Persönlichkeiten, welche noch gestern fest an ben ■ „Hammer" glaubten!

der Kapelle.

« Rom, 23. Juli 1903. Die Kardinäle Svampa und B o sch i sind hier einqetroffeN. Während der Feier­lichkeiten in der Peterskirche wurde Kardinal Oreglia gestern abend infolge der Hitze von einem Unwohlsein betroffen und mutzte nach Hause gehen.

* Rom, 23. Juli 1903. Die Sakramentskapelle der Peterskirche ist durch Wachskerzen matt erleuchtet. Nobelgarden mit gesenktem Schwert halten die Toten- wacht; zwei Kardinalshüte mit goldenen Quasten hängen rechts und links vom Totenbett. Die Pönitentiare der Peterskirche verrichten am Altar der Kapelle Gebete. Einzelne Kardinäle und andere hervorragende Persön­lichkeiten betraten das Innere der Kapelle. Heute vor­mittag begannen die Novemdialien, die neuntägige Leichenfeier für den Papst. Sechs Trauergottes­dienste finden an den ersten sechs Tagen in der Chor­kapelle der Peterskirche seitens des vatikanischen Kapitels statt. Es folgen drei Gottesdienst« namenS des Kar- dinalskollegiums in der Sixtinischen Kapelle. Der heutige Gottesdienst wurde um tu Uhr vormittags in der Chor­kapelle abgehalten. In der Milte der Ka elle war -in herrlicher, von der Tiara überragter, von zahllosen brennenden Kerzen umsäumter Katafalk errichtet Einer der dem Kapitel von St Peter angehörenden Bischöfe zelebrierte die Trauermesse und erteilte die Absolution. Der Feierlichkeit wohnten die Kapitelsmitglieder und eine Anzahl besonders zugelassener hervorragender Per- fönlichkeilen bei. Die Kirche war, da die öffentliche Ausstellung der Leiche fortdauert, von Gläubigen dicht gefüllt. Morgen finden in d n zahlreichen Kirchen Roms Trauergottesdienste für den Papst statt.

* Rom 23. Juli 1903. In der heute statlgehabten dritten Sitzung des Kardinalskollegiums wurde die Kommission für die ma-eriellen Arbeiten des Kon­klaves ernannt, welcher die Kardinäle Macchr, della Volpe und Casali angehören. Lapponr wurde zum Konklavearzl gewählt, ferner noch ein an­derer Arzt, ein Chirurg und ein Apotheker

* Rom, 23. Juli 19 3. Die Umgebung des Va­tikans ist sehr belebt. Eine zahlreiche Menge begibt sich zur Leiche des Papstes Auf dem PeterSplatze ver­lausen zahlreiche Händler Zeitungen, Ansichtskarten und Nadeln mit dem Bildnis des Papste? Leo Zahl­reich« Photographen machen Aufnahmen. Unter den Kolonaden sind mehrere Unfallstationen errichtet. Dre italienischen Offiziere kaffen die Soldaten gruppenweise an der Leiche vorüberziehen. Verschiedene Meldungen aus den Provinzen besagen, daß dort die Militär- und Zivilbehörden an den Trauerfeierlichkeiten für den Papst teilnrbmen. Am SamStag um 11 Uhr wird das heilige Kollegium da? diplomatische Korps offi­ziell empfangen. Der Doyen des diplomatischen Korps wird eine Ansprache halten, die der Kardinal-

„Jch habe," fuhr Hubert fort, „Dir noch etwas mitzuteilen; aber ick- furchte, Du wixst damit nicht einverstanden sein. Deine Ansichten differieren in diesem Punkte zu sehr mit den meinigen. Bielleicht versöhnt Dich etwas die Aussicht, daß wir für den Fall Deiner Einwilligung uns nicht gänzlich zu trennen haben (Lis­beth horchte aus); ich meine, daß wir wenigstens in derselben Stadt bleiben und dadurch Gelegenheit haben, recht oft zusammen zu kommen. Also darf ich meinen zweiten Vorzchlag vorbringen?"

Lisbeth nickte nur bejahend.

„Ich habe," iudr der Bruder fort, „auch für Dich eine sehr gute Unterkunft; hier in der Residenz in einer sebr vornehmen Familie, beim Präfisenten Frei- Herrn v. Breil, n Es ist ein gut_ katholisches Haus, ich habe mich genau e kündigt, es sind drei erwachsene Töchter dort, Du sollst eine Art Gesellschafterin vor- stellen, mit den jungen Damen Literatur, Musik und was »er schönsten Künste mehr sind, in denen Du w, wie ich weiß, Meister bist, treiben. Dabei w'ist Du vollständig als Glied der Familie angesehen."

Hubert bat'e sich mit einem solchen Eifer in seinen Lieblingsgeda cken hineingeredet, daß er vielleicht selbst gar nicht mehr wußte, daß er mehr seine Wunsche in betreff d r Stellung, als das, was er darüber wußte, darlegte.

LtSbeth halte fttllschweigeno rugehört. Was konnte sie tun, als einwilligen, wollte sie nicht allein in der großen Stadt zurückdleiben; eine Hoffnung hatte sie ja, mit Hubert nie,, außer ufler Verbindung zu fern.

Ihre Frrge, wie er zu dieser Stellung gekommen sei, letzte ibn einigermaßen in Verlegenheit, da er den einfachen Sachverhalt, daß er sich ihretwegen an eine Kommissionärin gewendet batte, nickttlverraten wollte.

Dar einzige 'Bestimmte, was Lisbeth erfuhr, war, daß sie schon binnen tret Tagen im Hause des Präsi­denten erwartet werde. Es bedurfte »war bei ihr keiner groß n Vorbereitungen; aer doch war ber ge­setzte Zeitpunkt überraschend nabe. Doch besser so; sie

ihm auch die Mittel geboten, ein angenehmes Leben zu führen Warum also dasselbe lassen? Arbeiten, ringen und vielleicht vergeblich? Stein, der Gedanke war ihm furchtbar. Es gab für ihn keinen Halt auf dem Wege, der immer mehr abwärts führte.

Die Religion, die für ihn stets nur etwas Aeußer- liches war, hatte jeden Einfluß auf ihn verlöre». Gedachte er je noch einmal daran, was ihm in der Jugend gelehrt worden war, wandte er sich schnell davon ab; das zog ihn nicht an; das schreckt ihn ab.

Was bot ihm denn die Religion? Nichts, nichts von dem, was er wünschte, und sie verlangte doch so viel und so Schweres, Ungewöhnliche»: Entbehrung, Abtötung, Arbeit Darum weg mit ihr, welche die Freuden des Lebens verbrelet und verbitten und »och mit künftiger Strafe droht!

Eines Tage? kam er freudig erregt nach Hause „H-ut, Lisbeth," tief er feiner Schwester zu, „wirst Du hoffentlich not mir zufrieden sein. Ein Herzens wünsch von Dtr soll sich erfüll?«. Meinen vielen Be­mühungen ist es endlich gelungen, eine anmmeffene Anstellung zu bekommen. Natürlich muß ich mich erst einarbeiten und deshalb ist der Gehalt kür den An­fang nicht gar grp i; doch soll ich freie Station und Wohnung haben. Ich habe mich noch nicht gebunden. Trotz meiner Dir bekannten Ansichten fiel es mir tm entscheidenden Augenbl cke schwer, selbst das Wort der Trennung auszuspr-chen. Dir überlasse ich die Art- wort."

Hubert hatte schön so das Erröten verlernt, daß er ohne die mindeste Verlegenheit feiner Schwester eine vollständig erdichtete Erzählung vortrug. Mit Befriedigung bemerkte er, wie freudig sie ferne Nach­richt ausnabm.

Ihre U'berlcgung "-»ar auch nur kurz. Hier mutzte ihr eigener Wunsch schweigen. Gewöhnte er sich erst an ernste Arbeit, dann war schon viel gewonnen Des­halb stimmte sie entschieden dafür, daß er die ange­botene Stelle annehme.

ibr nickt verborgen bleiben, was feine Erwerbsquelle er ja Glück im Spiel gehabt bilbete. Wie entsetzt, wie unglücklich würde sie fein, j Das spie!, seine Freude, seine Zerstreuung hatte

):( Zeremonien bei ber Wahl des neuen Papstes.

Am 31. Juli versammelt sich das gegenwärtig aus 64 Kardinälen beftefoenbe hl. Kollegium in ber St. Peterskirche, wo ein Karbinalbtschof die Gewißheit zu erlangen, daß er ein Spieler von Profession sei.

In dm letzten Tagen war mehreres vorgefallen, was ihn dringend wünschen ließ, der Aussicht seiner Schwester enthoben zn sein

Sie hatte schon einige sehr unbequeme Fragen in Betreff sei-er Existenzmittel an ihn gerichtet, und es war ihm nichts übrig geblieben, al» ihr einige Märchen auszubinden, welche sie, obgle-ch noch ohne Weltkenntnis, nicht mehr sehr gläubig aMzunehmen schien.

Auch einige, wenn auch nur sehn bescheidene Er­innerungen an Erfüllung seiner kirchlichen Pflichten waren ihm lästig geworden.

Und als fr einmal erst spät nach Mitternacht heim- gekommen war, batte sie ihm mit »«meinten Äugen empfangen. Sie hatte zwar schweigend, abtr mit un sagbar trauriger Miene, die deutlich verriet, daß sie '.hm nicht glaube, seine mühsam zusammen gelogene, stotternde Ennchuldigung a-gehört.

Hatte er nickt nur ein ganz bescheidenes Spielchen gemacht, und sich sehr mäßig gehalten, und konnte er feiner Schwester wegen plötzlich seiner Leidenschaft entsagen? Ans einem lustigen Lebemann rin finsterer Betbruder werden?

Offen mit ihr brechen, sich nicht um sie kümmern und ungestört fein gewohntes Leben fortsetzen, war er 1 nicht fähig. Eine gewisse Scheu hielt ihn noch davon zurück. „ ,

1 Elisabeth erinnerte ihn lebhaft an den verstorbenen ; Vater. Er konnte ihr nicht ins Antlitz schau-n, ohne der folgenschwersten Tat seines Leb nS zu gedenken.

Ueberdies liebte er noch seine Schwester; er konnte ' nicht ohne Bedauern ihre nassen Aug-n, ihre Trauer : sehen und hätte sie gern glückt ch gemach: — freilich auf seine Weise, darum war die Trennung notwendig. Ihm fehlte die Kraft, sich zu ernstem, männlichem Str ben und Arbeiten emporzuraffen. Bis jetzt hatte

Sind, es tut mir weh, Dir nicht willfahren zu können; aber eS geschieht hauptsächlich Deines Glückes ivegen. Glaubst Du denn, daß Du ein solche» Hunde­leben wie bisher auf die Dauer aushalten kannst? Siehst Du nicht schon jetzt ganz durchscheinend aus, nur noch ein Schatten Deines früheren Ich»? Nein, das geht nicht; Du mußt in andere, in bessere Ver- | Wniffe. Gott weiß, wie sehr ich es bedauere, daß ich nicht in der Sage bin, Dir schon jetzt an meiner | Seite ein behagliches Heim zu gründen; doch ich will I wenigstens nicht so egoistisch sein und verhindern, daß I ei Dir anderswärts blüht. Du mußt — kurz und I offen gesagt — Stellung in einer Familie annehmen " r „Ich zu fremden Leuten?"

I Ein Schauer durchrieselte die zarte Gestalt Lirbelh's. «ch, lieber hungern, frieren, arbeiten, af5 der Sieb» I löfigkeit gefühlloser Menschen ausgesetzt zu sein, den I geliebten Baier vielleicht noch im Grabe schmähen zu | hören. Daher der Ausruf höchster Angst.

„Ich zu fremden Beuten? Ach Hubert, stoße mich I nicht hinaus in die Welt!"

Für einen Augenblick war Hubert erschüttert; doch I die Rührung ging schnell vorüber; der Hang zu I freiem, leichtsinnigem Leben siegte über die Geschwister- I liebe.

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