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30. Jahrgang
flllda, Donnerstag, den 23. Juli 1903.
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schien Worte
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richtete darnach ihre Lebensweise ein.
Elisabeth batte daS dringende Bedürfnis körper-
hatte den Sommer an verschiedenen, reizend gelegenen Orten Verlebt.
Da er sich die volle Gunst seines Schwiegervaters in epee erworben und sich als vorzüglicher Rcisemarschall der einfachen Familie ganz unentbehrlich gemach' hatte, wurde er von dieser mit Bitten beftSrmt, sie nickt zu verlaffen.
Lachend bemerkte Hubert, wie sehr sie sich geschmeichelt gefühlt hätten, daß er ihretwegen keine Opfer scheute, um »seinen Urlaub" immer wieder verlängern zu lasten.
Alles schien ihm zu glücken. Die Hockzeit war schon festgesetzt
Da führte er zu seinem Unglück die Gesellschaft nach einem vornehmen Badeorte mit einer Spielbank. Seine Mittel waren, trotzdem er aus der toaste seines Schwiegervater« lebte, ganz erschöpft.
Weinend hielten sich die Geschwister lange umfangen; es war ein schmerzliches Wiedersehen. Sie weilten noch geraume Zeil am Grabe, ehe sie sich auf den Heimweg machten. Lisbeth schauderte trnr Kälte, und trod allen Sträubens mußte sie es sich gefallen lasten, daß fie ihr Bruder in ein Weinhaus führte, wo er ein besonderes Zimmer bestellte.
Sie hatten sich so viel zu fragen, zu sagen
Mit tiefem Schmerz und bitterer Reue hörte Hubert aus die Erzählung seiner Schwester. Er hatte leine Entschuldigung für sein Verhalten; er versuchte erll auch keine; er machte sich selbst die bittersten Vorwürfe, zeigte die heftigste Reue und bat seine Schwester, nur das eine zu glauben, daß, wie sein Benehmen auch gegen ihn spräche, er doch nie aufgehört habe, fie und die Mutter aufs zärtlichste zu lieben.
Er schämte fich nicht der Tränen, und wiederholt die Schwester liebevoll umarmend, dankte er ihr für die der Mutter erwiesene Liebe und versprach ihr, fortan ibr Schützer zu sein.
Lisbeth vergaß in der Freude, ihn wieder bei fich zu haben, nicht mehr allein und verlaffen zu sein, des Kummers und Grames, den er chr uno der Verstorbenen bereitet hotte. Mit sanften Trostesworten suchte fie leine wilden Schmerzensausbrüche zu besänftigen.
Hubert gehörte zu jenen Naturen, die ibr Herz schnell und le-chr den heftigsten Gefühlen öffnen und in solchen Augenblicken, mit bitterer Reue den Leichtsinn verfluchend, ernstlich Befferung geloben und doch schon in der nächsten Stunde den alte« liebgewonnenen Pfad der Sünde wieder einschlage«.
b. Das Konklave.
(Von unserem römischen Mitarbeiter.)
lieber die Pap stwahl wird so unglaublich viel unnützes und unsinniges Zeug zu Markte getragen, daß es nachgerade zu toll geworden ist. Wollte man alle Kardinäle aufzählen, denen die meisten Aussichten prophezeit wurden, so würde
Verlauf seiner Verlobungsangeleg<-nheit. Es -hm daS Herz zu erleichtern, seinem Grolle geben zu können.
Er hatte, ganz seinem Plane gemäß, mit Braut unv deren Eltern die Residenz» verlaffen.
Zügungen.
Erzählung von A. tthdolph.
------ (Nachdruck verboten.)
An der Bahre des hl. Vaters.
B. Rom, 21. Juli 1903. Seit gestern ist der Stuhl Petri „vakant"! Leo XIII. schloß für immer die Augen. Der Tod trat um 2 Uhr 50 Minuten nachmittags ein, trotzdem die offizielle Nachricht vom Ableben erst einige Minuten nach 4 Uhr bekanntgegeben wurde. Um diese Zeit wurden auch die Tore des Vatikans geschlossen. In der Stadt Rom verbreitete sich die Nachricht erst gegen 5 Uhr. lieber die Vorgänge im Sterbezimmer kann ich folgendes berichten: Nachdem der Zustand Leos XIII. sich um 11 Uhr 45 Minuten vormittags in außerordentlicher Weise verschlimmert hatte, holte der Oberkämmerer Bisleti den bei ihm abgestiegenen Kardinal Großpönitentiar S. Vannutelli, welcher alsbald in vollen Kardinalsgewändern am Sterbebette erschien; ebenso der Kardinaldekan Oreglm, welcher bereits um 9 Uhr früh seine vatikanische Wohnung bezogen hatte. Indessen berief Staatssekretär Kardinal Rampoüa alle Kardinäle in den Vatikan. Mit ihnen erschienen auch die 3 päpstlichen Neffen, die vatikanischen Würdenträger und die fremden Diplomaten. Die Kardinäle wurden bald darauf ans Sterbebett geführt. Leo XIII. erkannte jeden einzelnen und segnete alle Anwesenden, welche ihm darauf die bereits völlig erkaltete Hand küßten. Alle gingen sodann hinaus und nur die Aerzte, einige Diener, sowie die Kardinäle Oreglia und Vannutelli blieben am Sterbebette. Leo XIII. empfahl dem Kardinaldekan die Sorge um das Kardinals- kolleaium, wie um die Regierung der Kirche. Die Kardinäle hatten sich inzwischen in die neben- liegende päpstliche Prioatbibliothek begeben, während die Botschafter und die Gesandten, die übrigen geistlichen und weltlichen Würdenträger und der Hofstaat im Thronsaal und in den übrigen Vorsälen warteten. In der päpstlichen Privatkapelle betete die Geistlichkeit. Einige Minuten vor 2 Uhr traten alle Vorgenannten wiederum ins Sterbezimmer ein. Leo XIII. lag bereits wie entseelt da. Punkt 2 Uhr 50 Min. trat der Tod ein. Alle Anwesenden sanken auf die Knie, und der Kardinal-Großpönitentiar sprach die Sterbegebete. Sodann sprach er sein Requiem aeternam“ und erteilte die Absolution. Noch einmal küßten alle des Toten Hand und en:fernten sich sodann tief ergriffen und mit Tränen in den Augen. Sofort stellten die Aerzte den Totenschein aus und vom Majordomus gerufen erschienen d e Beichtväter der Peterskirche, um die Leichenwache gemeinsam mit den Nobelgardisten zu übernehmen. Bald darauf fand die Identifizierung der Leiche durch den Camerarius Kardinal Oreglia statt, worüber ein Protokoll ausgenommen wurde.
Bis vor Schluß des Bronzetores herrschte große Stille auf dem in vollster Glut der römischen Julisonne daliegenden riesigen Petersplatze. Nur im Schatten der Berninischen Kolonnaden
lieber und geistiger Ruhe und überließ fich willenlos oer zärtlichen Sorgfalt ihres Bruders.
Er erzählte ihr viel aus seinem Leben; es waren packende, intereffante Bilder von Land und Leuten; fie hörte gern zu; ober »in« vermißte fie darin, was doch für fie die Hauptsache war, die Geschichte seines eigenen Lebens und Treiben«; es war, als sähe fie nur die Szenerie eines Stückes, die handelnden Personen aber fehlten darin.
Selbst seiner Braut hatte er noch keine Erwähnung getan, und Lisbeth wagte nicht, nach ihr zu fragen.
Ein Zufall sollte da« Gespräch au* sie bringen Beim Oeffnen seines Po temonnaieS fiel thm ein kleiner goldener Ring heraus, und Lisbeth bück' e fich, ihn aufzuheben.
„Wie niedlich sagte fie, ihn betrachtend und sogleich mit ihrem scharfen Auge ein eingraviertes verschlungenes FF bemerkend.
'„G fällt Dir das Ding, so schenke ich es Dir. Ich wollte es eigentlich bei Gelegenheft verkaufin. Noch der letzte Überrest aus meinem BnSutigams- stande Lisbeth, hast mich ja gar nicht darnach gefragt. Damit ist es auS! War eine ganz gewöhnliche Spießergesell'chaft, lohnt fich wahrlich nicht der Mühe und Artigkeit, die ich an fie ve schwendete!"
Elisabeth m ßfiel der Ton, in welchem ihr Bruder die Sache berührte; doch fühlte fie auch Mitleid mit ihm; denn trotz der zur Schau getragenen Gleichgiltigkeit fon-te man deutlich den Äerger getäuschier Hoffnung herauSbören.
So schweigsam er zuerst darüber gewesen war, so ausführlich erzählte er nun seiner Schwester den
Was schien ihm natürlicher, als sein Glück nm grünen Tische zu versuchen, und es war ihm bold. Konnte er müh n d-r Verlockung widerstehen, dann und wann heimlich ein Spielchen zu machen?
Papa Fleischer, der aiie Philister, durfte es nicht merken. Er hatte die noch ganz vorsündflutliche Anficht, das Spiel als etwas Satanisch's zu verabscheuen und in jedem Spieler em untergegangenes Subjekt zu erblicken.
„W;e konnte ick ahnen," rief Hubert mit Wut aus, „dcß dieser simple Gerbermeister ein solcher he-mdückischer Schleicher wäre und mir nachspürte! Kurz und gut, einet Tages finde ich ihr Quartier verschloffen; der Portier sagte mir, die Herrschaft sei verreist und übergibt mir ein Paket nebst einem Briefe. I- dem Paket finde ich d-e Geschenke, welcke ich meiner holden Braut g*modjt hatte; ich lese den Wisch und — gut, daß der alte Hallunke nicht da war — ich glaube ick hätte ihm alle Knochen zerbrochen — also ich lese berin, daß er mir höflichst mein Wort zurückgibt, weil er seine Tochter keinem Spieler und „Leutnant a. D." zur Frau geben werde; über andere«, worüber er schweige, hätte er vielleicht hinweagesehen.
„Glaube mir, Lisbeth, der Mann log. Richt weil ich ein Spielchen gemacht hätte, verweigerte er mir seine Tochter, sondern weil ich Ulmcnau heiße, weil mir die Makel anhaftet, daß der Vater bestraft wurde.
„Konnte man denn ahnen, daß eine solche Lappalie so fürchterliche Folgen haben würde! O diese Unglücksnacht! Ich werde fie lebenslang verfluchen!"
„F'uche nicht, Bruder," bat tieferschrocken Elisabeth.
„O, ich habe fein le ruh geS Blut wie Du. Glaubst Du denn, Schwester, daß der Bruch meiner Verlobung das einzige Unglück ist, welches ich meinem unseligen Namen verdanke! Glaubst Du, ich habe müßig die Hände in den Schooß gelegt, habe mich
gewesen ist. Er forderte die Kammer auf, zum Zeichen der Trauer die Sitzung aufzuheben. Aehnlich äußerte sich der Minister des Aeußern, de Favereau. Paul Janson spricht sich hieraus namens der liberalen Partei gegen die Aufhebung der Sitzung aus, welche eine politische und religiöse Manifestation bedeuten würde, die in Belgien ohne Präzedenzfall wäre. Er erinnert an die Zeit, als unter der liberalen Regierung die diplomatischen Beziehungen zwischen Belgien und dem Batikan abgebrochen waren und an die Zweideutigke ten Leo's XIII. in dieser Epoche. Hierauf feiert der christlich-soziale Abgeordnete Abbe Daens den verstorbenen Papst als den Berfaffer der Encyclica rerum novaram. Leo XIII. fei der Erste gewesen, welcher feit Jahrtausenden in der Kirche wieder dem wahren Christentum zur Sprache geholfen habe. Noch immer gäbe es heute eine kleine Gruppe von Kapitalisten und Reichen gegenüber den zahllosen Masten der Armen und Bedürftigen. Es sei eine Schmach und die Hauptaufgabe des Christentums und muffe als solche erkannt werden, die große Sozia lresorm durchzuführen und die ganze Gesellschaftsordnung zu resormieren.Vandervelde pflichtet hierauf im Namen der Sozialdemokraten den Ausführungen des Abg. Janson bei. Hierauf wird die Sitzung aufgehoben. Die ganze R aste stimmte für die Aufhebung, dte ganze Linke dagegen. Eine Nachmittagssitzung findet trotzdem statt.
• Paris, 22. Juli 1903. Frankreich läßt sich beim Leichenbegängnis des Papstes vom Botschafter beim Batikan, Nifard, vertreten. Präsident _£oubet schickt zur persönlichen Vertretung zwei Offiziere des militärischen Hofstaates nach Rom.
* Rom, 22. Juli 1903. Die Leiche des Papstes ist nunmehr im Thronsaal unter einem Baldachin aufgebahrt. Sie ist bekleidet mit der weißen Soutane, dem roten Schultermäntelchen, roten Schuhen und rotem Käppchen. Ein kleiner Altar befindet sich im Saal. Nobelgarden halten die Ehrenwache. Das diplomatische Korps beim päpstlichen Stuhl, sowie der Adel und die Würdenträger des päpstlichen Hofes werden heute Zutritt zu der Bahre erhalten.
• Rom, 22. Juli 1903. Gegen 91/ Uhr begann ein lebhafter Verkehr auf dem Petersplatze. Dre Würdenträger des päpfilichen Hofes, das diplomatische Korps und andere hohe Persönlichkeiten begaben sich nach dem Vatikan, um die Leiche des PapsteS zu sehen. Der Zutritt ist bis 5 Uhr gestattet. Dann werden die Pönitentiare die Leiche wieder mit den Ponttfikalgewändern bekleiden. Es wird immer schwieriger, Zutritt zum Batikan zu erlangen. Die Schweizergarden wiesen gestern sogar Mazzoni zurück. Die Kontrolle wird noch verschärft, wenn der Papst in die Peterskirche gebracht ist, was heute abend 8 Uhr geschehen soll.
* Rom, 22. Juli 1903. ,Voce della Beritctt meldet in einem Bericht über die Einbalsamierung der Leiche des Papstes: Man machte einen Einschnitt in die Brusthöhle uno fand Flüssigkeit, deren Eigenschaften einen Beweis für den pleuritischen Vorgang lieferten. Der untere Mittellappen der rechten Lunge war verhärtet, hepatisiert. (Der auch von ärztlicher Seite so heftig befehdete Prof. Lapponi ist also gerechtfertigt). Nach der Einbalsamierung wurde ein Protokoll aufgenommen, das die Diagnose auf Lungen- Entzündung mit nachfolgender Brustfell-Entzündung bestätigte.
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von allen, die überhaupt nur in Betracht kommen, gar keiner mehr übrig bleiben. Wir überlassen es der Vorsehung, der Kirche Gottes denjenigen Papst zu geben, der sie in den augenblicklichen Verhältnissen am besten leiten und regieren wird.
Interessanter wird es sein, zu erfahren, wie ein Papp gewählt wird
In den früheren Zeiten, sagen wir im ersten Jahrtausend der Kirche wurde der Papst vom Klerus und Volk der Stadt Rom gewählt, war deshalb auch in den meisten Fällen ein Mitglied des römischen Klerrs, was nicht ausschloß, daß er ein Ausländer von Geburt sein konnte. Es hat das nichts Befremdliches. Denn Papst, d. h. Oberhaupt der gesamten (katholischen) Kirche ist eben der jeweilige Bischof von Rom, als Nachfolger des hl. Petrus. In der Frühkirche wurde aber gewöhnlich der Bischof von Klerus und Volk gewählt. Es ist nun klar, daß es bei diesem Wahlmodus nicht immer glatt abging. Menschliche Leidenschaft mischt sich eben in die heiligsten Dinge. Nicht selten nahm die Wahl einen blutigen Verlauf. Spaltungen waren oft die Folge, wenn eine starke Partei ihren Kandidaten nicht durchbringen konnte, und dies selbst in den Zeiten der Verfolgung, wo man doch meinen sollte, der Druck von außen hätte ein größeres Zusammenhalten im Innern hervorbringen müssen. Von größerer Bedeutung aus dieser Zeit sind die Schismen des Hippolytas gegen Kallistus und dessen Nachfolger (217 bis 235) und dasjenige des Novation gegen den hl. Cornelius (251—253). Spater übten die deutschen Kaiser, besonders die Ottonen und der hl. Heinrich II. einen überwiegenden Einfluß auf die Papstwahl aus. Im Jahre 1059 bestimmte endlich Nikolaus II. auf einer römischen Synode, daß die Papstwahl ausschließliches Recht des Kollegiums der Kardinäle sein solle. Seit dieser Zeit datiert denn auch die hervorragende Stellung des Kardinals. Während das Kardinalat früher nur ein Ehrenamt der römischen Kirche d. h. Diözese war, erlangte, es nun seine Bedeutung für die gesamte Kirche. Näher war jedoch der Wahlmodus nicht bestimmt. Im Jahre 1178 bestimmte Alexander III., um ähnlichen unliebsamen Vorgängen, wie sie bei feiner eigenen Wahl (1159) vorkamen, vorzubeugen, daß derjenige Papst sein sollte, der wenigstens zwei Drittel der Stimmen erhalten habe. Aber auch das genügte noch nicht, um immer eine friedliche Wahl zu erzielen. Deshalb wurde im zweiten Konzil zu Lyon, im Jahre 1245 beschlossen, daß die Kardinäle bei der Papstwahl ein gemeinsames Lokal beziehen sollten. Vom lateinischen Ausdruck conclave: Zimmer, geschlossener Raum, hat nun die Papstwahl Überhaupt den jetzt üblichen Namen Konklave erholten. Jeder Verkehr mit der Außenwelt war ihnen verboten. Um sodann den Fortgang der Wahl zu beschleunigen, wurde auf derselben Kirchenversammlung be
standen einige müde Berichterstatter, andere saßen ' im benachbarten Cafö „Santa Chiara", welches durch feinen Journalisten - Verkehr in der letzten Woche fast eine Berühmtheit erlangt hat. Plötzlich, es war genau 4 Uhr und 2 Minuten, durchquerte, vom Bronzetore kommend, ein Wagen im rasendstem Tempo den Petersplatz. In demselben saß ein Funktionär. Sofort eilte alles gegen das Tor, welches in diesemMomente von den Schweizern geschlossen wurde. Nur eine kleine Seitentür des großen Tores wurde dann und wann geöffnet, um alle Fremden aus dem Palaste herauszulassen. Die Regierung war schon um 3 Uhr von dem Ableben Leo's XIII. benachrichtigt worden. Sie hatte daher die genügende Zeit, alle letzten Vorbereitungen für den nötigen Sicherheitsdienst zu treffen. Noch bevor das Bronzetor geschlossen wurde, erschienen vor demselben ein Offizier und eine Abteilung der römischen Munizipal - Ga de. Von aller Seiten strömten aus den umliegenden Häusern Menschen herbei. Die vom Vatikan kommenden Berichterstatter und Boten, welche in rasendem empo die Stadt durchfuhren, allarmierten bald die Bewohner. Von 5 Uhr ab war der Petersplatz bereits vollständig gefüllt. Es erschienen ein Grenadier- Bataillon, sowie starke Gendarmerie-Abteilungen, um die Ordnung aufrecht zu erhalten. Die elektrischen Bahnen brachten immer neue Ankömmlinge. Das dauerte so fort bis in die spätesten Abendstunden. Dem großen Publikum wurde die Trauernachricht erst zwischen 5. und 6 Uhr abends durch die Extra-Ausgaben der Zeitungen rnitge- teilt. Um 6 Uhr abends erschienen die Kommandanten der päpstlichen Nobelgarde, der palatini- schen Ehrengarde, der Schweizer und der Palast- Gendarmerie in ^Begleitung der betreffenden Oberoffiziere beim Kardinal- Karnerarius Oreglia in dessen Wohnung im Vatikan, um demselben den vorgeschriebenen Beileidsbesuch abzustatten. Als die Reihe an den Kommandanten der Ehrengarde, Camillus Peeci, kam, umarmte derKardinal denselben. Die beim Ableben Sr. Heiligkeit anwesend gewesenen Kardinäle verließen den Vatikan um 4 Uhr, um gegen 6 Uhr teilweise dahin zurückzukehren. Ein starker Regen hat glücklicherweise ; die Temperatur etwas abgekühlt.
* Berlin, 22 Juli 1903 Ein feierliches Requiem für Papst Leo XIII. findet in derHedwigs- kirche am Sonnabend vormittag 10 » Uhr statt. Prälat Neuber wird es zelebrieren. Für die übrigen Kirchen sind noch keine endgiltigen Anordnungen getroffen worden, da die amtliche Verfügung aus Breslau noch aussteht. Jedoch werden bereits in allen katholischen Kirchen Berlins mittags von 12 -1 Uhr die Glocken geläutet.
* Stuttgart, 22. Juli 1903. Der König hat anläßlich des Ablebens des Papstes in einem deileids- fchreiben und die Königin telegraphisch dem Bischof von Rottenburg ihre Teilnahme ausgesprochen.
* Brüssel, 22. Juli 1903. Zu Beginn der heutigen Kammerfitzung widmete der Präsident S ch o llaert dem verstorbenen Papste einen Nachruf, in dem er besonders hervorhob, was Leo XIII. für die arbeitenden Klassen empfunden und seine herzliche Freundschaft für Belgien betonte, wo er lange Zeit Nuntius
Nack den stärksten seeischen Grick tterungen sind sie beinahe noch in demselben Ätenuge fähig, fich mit staunenswertem Gleichmute, ja mtt Begier dem Genuffe vgeith eines nichtigen Vergnügen« hinzugeben.
Aw ersten Tage ihres Beisammenseins g dachte Hubert nur in wenigen abgerissenen Worten seiner eigenen Schicksale; es war natürlich, daß dte Unterhaltung immer und immer wieder auf die teuere Verstorbene zurückkehrte. Er gab eS nicht zu, daß Lisbeth ihre Wohnung auffuchte; fie mußte sich nach seinen Anordnungen fügen und mit ihm im Hotel einkehren.
Als er am folgenden Morgen mtt ihr die düstere Stube, in welcher seine Mutter ihr Leben ausgehancht hatte, besuchte, überkam ihn ein förmliches Entsetzen.
„Elisabeth, wie ist es möglich, daß Du so viele Monate hier zubringen konntest?" rief er aus. „Ich würde sterben "
Im nächsten Augenblicke schon bereute er seinen AuSspruch Sie mußte die Wohnung sofort aufgeben.
„Für kurze Zeit reichen meine Mittel aus, daß wir beide anständig auskommen können," sagte er
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