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fUlda, Mittwoch, den 22. Juli 1903.
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Charakter und lauterer Gesinnung
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30. Jahrgang.
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zweifelt: dieser Versicherung bedurfte es für seinen Kampf gegen Rom ‘ nicht erst besonders.
seiner Sozialpolitik und der Beseitigung des sozialen Elends besonders auf die Bekämpfung der Sozialdemokratie abgesehen hatte. Zudem gehört es zu den stehenden Gewohnheiten der Sozialdemokratie, sozialpolitischen Verdiensten, sofern sie nicht von sozialdemokratischer Seite ausgehen, jegliche Anerkennung zu versagen.
In den Betrachtungen der Presse über das Ableben Leo's XIII. spielt naturgemäß die Hauptrolle sein Verhältnis zu Deutschland. Das .Berliner Tageblatt' ist der Ansicht, daß die Politik Leo's und die Nachgiebigkeit Deutschlands dem päpstlichen Stuhle gegenüber in Deutschland dazu geführt habe, daß es auf der „schiefen Ebene immer weiter" gegangen sei. Das Blait hätte also lieber gehabt, daß die Verfolgungen der deutschen Katholiken, denen Leo XIII. ein, wenn auch nur beschränktes Ziel setzen konnte — denn in der Aussperrung der Jesuiten liegt noch immer ein Akt der Verfolgung — in Deutschland verewigt worden wäre. Es steht das einem Blatte übel an, welches stets seine Stimme gegen die Verfolgungen der Juden erhebt und dieselben mit den christlichen Konfessionen gleichbehandelt wissen will.
Die ,Vossische Zeitung' charakterisiert Leo XIII. mit folgenden Worten: „Leo XIII. war ein Mann von hervorragenden Gaben, von vielseitiger Bildung, scharfem Verstände, festem
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Dem verewigte« Papste Leo XIII. wird in der ,Nordd. Allgem. Zeitung', dem halbamtlichen Organ der Reichsregierung, an der Spitze ihrer Dienstag-Ausgabe folgender Nachruf gewidmet:
„In dem ehrwürdigen Alter von über 93 Jahren ist Papst Leo XIII. gestern nachmittag nach mehrwöchigem Krankenlager sanft entschlafen, nachdem er länger als 25 Jahre seines erhabenen Amtes als Oberhaupt der katholischen Kirche in Gerechtigkeit, Milde und Weisheit gewaltet hat. Ein friedliebender Kirchenfürst, ein warmherziger Freund der Armen und Unterdrückten, ein feinsinniger Gelehrter ist mit Leo XIII. dahingegangen, dessen Name weit über den Kreis der katholischen Kirche hinaus mit dem Gefühl aufrichtiger Hochschätzung genannt wurde. Unser Kaiser verehrte in dem Entschlafenen einen persönlichen Freund; die wiederholten Besuche Sr Majestät legten für das gute Verhältnis zwischen beiden beredtes Zeugnis ab. Beim Antritt seines Pontifikates ging Leo Xlllk der Ruf voran, daß er bestrebt sein werde, ein Friedenspapst zu sein, und diesen Ruf hat er dem Deutschen Reiche gegenüber in richtiger Erkenntnis der wahren Interessen sowohl der Kirche wie der Staatsgewalt gerechtfertigt. Unter seiner tätigen Mitwirkung gelang es, den Kulturkampf beizulegen und einen modus vivendi mit der katholischen Kirche zu finden, der sich bis heute bewährt hat. Schon vor 18 Jahren übertrug ihm das Vertrauen der deutschen Regierung das Amt eines Schiedsrichters im Karolinenstreit mit Spanien. Wenn heute unter regem Anteil der katholischen Bevöllerung am Ausbau des Deutschen Reiches weiter gearbeitet werden kann, so ist dies nicht zum wenigsten der staatsmännischen Einsicht Leos XIII. zu'danken, der auch nach Beilegung des Kulturkampfes wiederholt und noch in seinem letzten Lebensjahre ein offenes Verständnis für die staatlichen Bedürfnisse Deutschlands gezeigt hat. Unter den vielen Päpsten, die in der deutschen Geschichte eine Rolle gespielt haben, wird Leo XIII. eine der sympathischsten Erscheinungen bleiben."
Der Kaiser hat an Kardinal Oreglia aus Molde folgendes Telegramm aus Anlaß des Ablebens des Papstes gerichtet:
„Schmerzlich bewegt durch die soeben erhaltene Trauernachricht, sende Ich dem hohen Kardinalskollegium den Ausdruck Meiner aufrichtigen Anteilnahme an dem schweren Verlust, welchen die römisch-katholische Kirche durch den Heimgang des Papstes Leo XIII. erlitten hat. Ich werde dem erhabenen Gr eise, der Mir ein persönlicher Freund war, und dessen so außerordentliche Gaben des Herzens und des Geistes Ich noch bei Meiner letzten Anwesenheit in Rom, erst noch vor wenigen Wochen, erneut bewundern mußte, ein treues Andenken bewahren."
Auch Graf Bülow hat von -Norderney aus an den Camerleugo ein in warmen Worten gehaltenes Beileidstelegramm gesandt.
Der Kaiser von Oesterreich richtete an den Pronuntius Taliani folgendes Telegramm:
„In dem Augenblicke, wo die katholische Welt durch die Nachricht von dem Hinscheiden ihres obersten Hirten in tiefste Trauer versetzt ist, liegt es mir besonders am Herzen, Ew. Eminenz den großen Schmerz auszudrücken, welchen der herbe und in der ganzen Welt so tief empfundene Verlust mir verursacht hat. Die kindliche Liebe und die unbegrenzte Verehrung, welche Ich für den hl. Vater zu deflen Lebzeiten empfand, folgen dem Dahingeschiedenen in die Ewigkeit. Sein Andenken
+ Der Tod Leo's XIII.
beherrscht die gesamte deutsche Presse. Obwohl das Hinscheiden des hl. Vaters schon seit mehr als zwei Wochen erwartet wurde, und der Umstand, daß die Katastrophe wiederholt als unmittelbar bevorstehend betrachtet wurde, in der Presse bereits einen beträchtlichen Teil der Erörterungen, welche sonst erst nach dem erfolgten Tode emzutreten pflegen, vorweg hatte nehmen lassen, bewegen alle politischen Blätter, sie mögen einer Parteirichtung angehören, welcher sie wollen, an der Spitze ihrer Dienstags - Ausgabe spaltenlange Artikel, in denen ein umfassendes Lebensbild des Verewigten entworfen, sein Pontifikat derKritik unterzogen, der persönliche Charakter Seo’§- XIII. gezeichnet und — wie das nun einmal nicht anders geht — die künftige Politik des Vatikans in mehr oder minder bestimmter Form geognostiziert wird. Wenn aus dieserTeil- nahme der nichtkatholischen Presse ein Schluß gezogen werden darf, dann ist es der, daß man das Papsttum, welches inan sonst zuweilen gern jeder besonderen Bedeutung für die moderne Zeit zu entkleiden sucht, als eine Weltmacht empfindet, auf die gegenwärtig das Auge der gesamten politischen Welt gerichtet ist. Mit Genugtuung verzeichnen wir, daß in der angesehenen nichtkatholischen Presse sich in der Beurteilung der Persönlichkeit des entschlafenen hl. Vaters, sowie seiner Politik eine einmütige Auffassung dahin kund gibt, daß der Heimgegangene ein tadelloser Charakter gewesen und daß seine persönliche Liebenswürdigkeit sich auch in seiner Politik dadurch zu erkennen gegeben habe, daß Versöhnung und Friedensliebe ihre Leitmotive gewesen seien. Daneben wird allseitig die hohe geistige Begabung des Verewigten, sein diplomatisches Geschick und die aus seiner Friedensliebe hervorgehende weise politische Mäßigung hervorgehoben. Selbst ein Blatt von dem Schlage des ,Vorwärts', das keine Autoritäten anerkennt, muß in die Anerkennung der Verdienste des hl. Vaters einstimmen, wenngleich es in bezug auf die sozialpolitische Auffassung und Tätigkeit Leo's XIII. Ansichten bekundet, die wir, weil auf einer mangelnden Sachkenntnis beruhend, als unzutreffend zurückweisen müssen. Nach dem sozialdemokratischen Blatte hat Leo XI ll. eine Art von Sozialpolitik getrieben, die die realen Ver- hältniffe völlig verkannt habe. Wir können dem .Vorwärts' nur raten, die einschlägigen Enzykliken Leo's XIII. mit mehr Aufmerksamkeit zu studieren, als er es bisher getan zu haben scheint, »bet nicht nur diese theoretische Sozialpolitik des Entschlafenen, sondern auch seine praktische, die er für die ärmeren Klaffen und besonders für die Waisen getrieben hat, widerlegen die Auffassung des sozialdemokratischen Hauptorgans. Man darf bei der Beurteilung der Auffassung im.Vorwärts' nicht übersehen, daß sie durch die Tatsache beeinflußt ist, daß der Papst es bei
in der Ewigkeit — was erwartet mich? Lisbeth, bete für Deine Mutter! Hubert, Hubert! Ist es möglich, daß Du mich so wenig liebst, Du Kind, daS ich so liebte, daß ich für Dich meine Seele hätte verkaufen können!"
Kaum verständlich klangen die Worte; über die abgezehrten, fiebergeröteten Wangen floffen die Tränen.
„Hubert hat gewiß nicht aufgehört. Dich zu lieben."
„Das unglückliche Kind! Ich zürne ihm nicht. Aber was soll ich sagen, wenn mich der ewige Richter fragen wird, wo die Kinder sind, die Er mir anvertraut hat! Wehe mir! Ich fürchte, Hubert wird verloren sein, und meine Liebe — meine törichte Liebe — meine Eitelkeit — mein Hochmuth sind die Ursache seines Verderbens. Auch ich bin verloren, denn ich kann es nicht mehr gut machen."
„Du quälst Dich zu sehr; Du gibst Dir allein die Schuld; der Mensch hat seinen freien SBitlen. Wir find alle Sünder; wir fehlen, aber der Ausgang jedes Dinges steht in Gottes Hand, und Reue macht Alles gut."
„Kind, Du verstehst gut zu trösten. Ja, Reue! Gott ist barmherzig. Nicht wahr, er wird auch mir verzeihen und mein Gebet an seinem Thron für Hubert wird nicht fruchtlos sein. Ich fühle, ich weide bald sterben.
„Ich danke Dir für all Deine Liebe; ich segne Dich aus Herzensgrund und ich weiß, der Segen einer Mutter findet seine Bestätigung und Erfüllung durch Gott. Was ich fehlte, kann ich hier nicht mehr sühnen; doch in Deine Hände lege ich meine Aufgabe. Schwöre es mir, Elisabeth, daß Du ihn, so viel es in Deinen Kräften fiehen wird, beschützen und auf den Pfad der Tugend zurückziehen, daß Du an ihm wie eine Mutter handeln willst; dann sterbe ich ruhiger."
Fühlte Elisabeth, welch schwere Last sie auf ihre Schultern legte? Sie fiel unwillkürlich auf ihre Kniee nieder, und fest und einfach klang ihr „Ich schwöre es".
„Ich weiß, daß Du im Ernste sprichst. Ja Elisabeth, ich bin überzeugt von Deiner Liebe, Deiner Opferwilligkeit. Ach, daß ich es so spät erkenne!"
Lisbeth schaute befremdet auf. So hatte ihre Mutter noch nie gesprochen. Neues Glück, neue Hoffnung hob ihre junge Brust. Auch sah die Mutter so wohl aus; ihre sonst blassen Wangen waren gerötet, ihre Augen glänzten.
„Mama, geliebte Mama," rief fie aus. „Wie freue ich mich, daß Du heut so wohl aussiehst! Das ist ein schöner Weihnachtsabend! Deine Krankheit wird weichen; Du wirst genesen!"
„Wie Gott will, Lisbeth!"
Ueber das Gesicht der Kranken glitt ein trauriges Lächeln. Sie hatte die Hände ihrer Tochter ergriffen und drückte sie zärtlich. Dabei konnte es Lisbeth nicht entgehen, daß diese Hände wie heiße Kohlen glühten.
Jetzt auch bemerkte sie, wie merkwürdig unruhig ihre Mutter wurde. Nach der eben noch so lebhaft erwachten Hoffnung beklemmte plötzlich namenlose Angst ihr Herz.
Sie war zum Tische geeilt und reichte der Mutter einen beruhigenden Trank; doch er verfehlte seine Wirkung. Die Aufregung wuchs; die Kranke warf sich hin und her, und durch ihr leises Stöhnen konnte Lisbeth den Namen ihres Bruders vernehmen. Das war der wundeste Punkt im Herzen der armen Mutter, und Lisbeth konnte hier keinen Trost bringen.
Ach, wie entsetzlich, daß er, welcher all das Unglück verschuldet hatte, in grenzenlosem Leichtsinn nicht einmal daran dachte, ei durch ein Liebeswort zu mildern! O, daß ihn Gott erleuchten und zur Reue und Befferung führen möchte! So flehte Lisbeth wortlos zum Himmel, während sie die Stirn der Mutter vom Schweiße trodnete.
„Ach, wer nimmt mir die Last ab, die mich drückt und quält!" stöhnte die Kranke.
„Kind, Du bist lieb und gut, aber Du kannst mir nicht helfen. Hier auf Erden so elend und dort
wird für immerbar gesegnel fein, und es ist ihm für alle Zeiten ein hervorragender Platz in den Annalen unserer heiligen Kirche gesichert."
* Rom, 21. Juli 1903. Heute morgen traten die in Rom weilenden und die aus Italien herbeigeeilten Kardinäle — alle zum Zeichen der Trauer in veilchenfarbenem Gewände — in der Sala del Consistoro des Vatikans zur Vorbereitung des Konklave zusammen. Infolge der Beschlüsse der Kardinalversammlung werden im Damasnshofe alle Zugänge vermauert. Im Vatikan werden etwa-65 Wohnräume von je zwei bis drei Zimmern für die Kardinäle mit ihren Sekretären und Konklavisfen hergerichtet. In der Sala Ducale und in der Paulinischen Kapelle wurden Attäie zum Messelesen für sie her- gerichtet. Die Wahlhandlung erfolgt in den Morgen- und Abendfitzungen in der Sixtinischen Kapelle, an deren Wänden Sitze für die Kardinäle errichtet werden. Die Kardinäle treten in das Konklave am 31. Juli abends ein und halten am 1. August morgens die erste Wahlversammlung ab. — .Giornale d' Italia' zufolge wies die R gierung die Eisenbahnverwaltung an, den zum Konklave nach Rom kommenden Kardinälen alles Entgegenkommen zu gewähren und den ausländischen Kardinälen von der Grenze ab reservierte Wagen oder, wenn sie es wünschen, Salonwagen zur Verfügung zu stellen. — Der König von Italien kehrt von Racconizi nach Rom zurück, wo er während des Konklaves verweilen wird.
* Rom, 21. Juli 1903. Die erste vierstündige Sitzung der Kardinalskongregation war um 21la Uhr beendet. Dec Fischerring war nicht aufzufinden und konnte deshalb noch nicht zerbrochen werden. (Nach einer Meldung des Wölfischen Bureaus soll diese Zeremonie bereits erfolgt sein.) Mit Erlaubnis des Kardinal-Kamerlengos Oreglia nahmen die Neffen des Papstes Abschied von der Leiche desselben. Heute nachmittag gegen 3 Uhr wurde mit der Einbalsamierung der Leiche begonnen. Dieselbe dauert 3 Stunden und findet im geheimen Vorzimmer statt. Um^/s7 wird die Auf b ahru ng der Leiche unter dem Baldachin im Thronsaal erfolgen. Die päpstlichen Nobelgardisten chatten in Galauniform Wache. Morgen werden die Diplomaten zugelaffen werden, ebenso das Publikum wie beim Tode Pius IX. Die Ueberführung der Leiche nach der Peterskirche wird morgen Abend oder Donnerstag ftüh stattfinden. Der Schreibtisch des Papstes wurde in ein anderes Zimmer getragen und von Kardinal Oreglia versiegelt.
* Rom, 21. Juli 1903. Im Zimmer des Papstes werden durch Mönche aus dem Orden der konventualen Minoriten, die sich vierstündlich ablösen, fortdauernd Totengebete gesprochen. — Der Leichnam des Papstes ist noch immer im Sterbezimnnr aufgebahrt. Außer den Nobelgarden halten beständig die Ehrengeheimkämmerer und Kammeradjutanten des Papstes Wacht. Die Pönitentiare der Peterskirche verrichten im anstoßenden Gemach (Sebe.'e. Zahlreiche Personen wurden zur Besichtigung der Leiche und zum Fußkuffe in kleinen Gruppen zugelaffen, nachdem sie die besondere Erlaubnis des Majordomus erlangten. In allen päpstlichen Gemächern sind die Fenster und Vorhänge geschloffen. UeberaH brennen Wachskerzen in Armleuchtern.
knüpft daran die Bemerkung: „Wir haben es von jeher so gehalten. Wenn ein hervorragender Mann aus den Reihen der ultramontanen Partei starb, gegen den wir bei Lebzeiten manchen harten Kampf geführt hatten, ein Mallinckrodt oder Windthorst, so haben wir stets alles, was zu seinem Lobe zu sagen war, gebührend hervorgehoben. Die ultramontane Preffe kann sich nicht der gleichen Unbefangenheit rühmen . . . . Nach 400 Jahren hat es die ultramontane Preffe noch nicht dahin gebracht, über die weltgeschichtliche Bedeutung eines Luther mit einiger Gerechtigkeit, ja auch nur Schicklichkeit sich auszusprechen." Die,Voff. Ztg.' tut hier der „ultramontanen" Preffe Unrecht an; wenn diese Luther nicht jene Eigenschaften nachrühmt, die die,,Voss. Ztg.' am Papst Leo hervorhebt, so beruht das nicht auf einer Befangenheit der katholischen Preffe, sondern vielmehr auf dem Unterschiede, der zwischen diesen beiden Persönlichkeiten besteht. Daß der ,Reichsbote' selbst an der Bahre des Papstes seine Galle verspritzen würde, war vorauszusehen. Er schließt seine Erörterung, in der er „den Großen der Erde" — „den Staatsmännern und Fürsten" eine Strafepistel für ihre sündhafte Stellungnahme gegenüber dem Vatikan lieft — mit dem Luther'schen Wort: „Christus gilt nichts zu Rom, der Papst gilt allessamt." — Damm wollen wir's auch mit ihnen aussingen und so harten Kopf sollen sie nicht haben, wir wollen noch härteren haben!" An der Härte des reichsbotlichen Kopfes haben wir nie ge
Zügungen.
Erzählung von A. tthdolph.
I 14 ------- (Nachdruck verboten.)
Bald stand sie am Bette der geliebten Mutter, welche nichts von den Qualen ahnte, die das Innere der Tochter noch kurz vorher durchwühlt hatten. Mit Freude und Dank bettachtete fie die lieblichen Gaben der KindeShand.
„Gott segne Dich, meine gute Tochter!" sprach sie wiederholt.
O wie glücklich machten Lisbetb solche Worte. Sie vergaß für Augenblicke auch ihr Elend. Wohlwar die Mutter schon in den letzten Monaten zu ihr zärtlicher geworden; fie konnte unmöglich Auge und Herz gegen die aufopferungsvolle Liebe der Tochter verschließen; ! aber es war immer und immer noch der eine Punkt, den ihr die Mutter nicht vergeben, nicht vergessen wollte, und das war ihre Weigerung, den Oberforstrat zu heiraten.
„Du hättest nicht so arbeiten dürfen und ich würde ein glückliches Leben geführt haben, wärst Du nicht so kindisch und eigenfinnig gewesen."
Solches und Aehnliches mußte Lisbeth oft hören, hören, wie ihre Kindesliebe angezweifelt wurde. Am meisten schmerzte es sie, daß dies gerade durch ihre Mutter geschah, welche früher nur gleichgiltig, jetzt geradezu erbittert gegen Frömmigkeit und Religion war, da fie es nur diesen „überspannten Ideen" zuschrieb, daß ihre Tochter ein so großes Glück, wie eine Heirat mit Kronen ihr schien, zurückgewiesen hatte.
„Gott segne Dich, mein geliebtes Kind!" Lisbeth küßte in überwallender Empfindung die abgezehrten, gelblich schimmernden Hände der Mutter.
„Könnte ich mein Leben hingeben, um Dich gesund und glücklich zu machen!" rief fie aus.
Die Mutter, welche sich etwas aufgerichtet hatte, sank in die Kissen zurück; Totenblässe überzog ihre Wangen. Erschreckt rief Lisbeth aus: „Ich werde nach dem Arzt schicken!"
„Lieber nach dem Pri-ster," flüsterte die Kranke. Warum all den Jammer und Schmerz beschreiben, wenn ein geliebtes Wesen, eine Mutter, mit dem Tode ringt und sicher und schnell der Auflösung entgegen« geht, wenn alle menschliche Hilfe vergeblich ist, wenn Gottes Hand die Pforten der Ewigkeit öffnet und sein Geschöpf zu sich beruft?
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Frau Ulmenau hatte ausgerungeu; ihre letzten Augenblicke waren verklärt durch die Tröstungen der hl. Religion, die fie mit innigem Vertrauen und tiefer Andacht empfangen hatte.
Lisbeth hatte lange in dumpfem Schmerze am Bette der Hingeschiedenen gekniet. Jetzt erhebt fie fich; der bleiche Schein der Lampe fällt auf das Antlitz der lobten; sie fühlt kein Grauen; sie steht aufgerichtet neben der leblosen Hülle der Mutter und betrachtet den geschlossenen Mund, der noch mit dem letzten Atemzuge einen Segenswunsch für fie hatte.
„Mutter," flüsterte sie. „Mutter, Du hast mich verlassen; aber ich habe ein heiliges Vermächtnis, das mich an diese Erde fettet, e n Vermächtnis beider Eltern. Ich werde es treu bewahren. Mein Leben ist Hubert geweiht."
Die erste Träne ringt sich schwer los unter den gesenkten Augenlidern; fie fließt der tobten Mutter. Fließt fie nicht auch ahnungsvoll den Blüten des Lebens, die ihr Schwur einst erbarmungslos zerknicken und zertreten wird?
Lisbeth's Blick reicht nicht in die Zukunft. Ihr Versprechen dünkt ihr ein Trofi, ein Stab, eine Leuchte für ihr ferneres Leben. Ein edler Zweck des Daseins erhebt und adelt dasselbe.
Wechnachtlich durchzieht der Geruch des Tannenbaums das Zimmer.
Maer W Zeitung
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Schriftleiter: A. Wehle»
3- panellerttl Fulda. Wochenbeilage: „Illustrierte Sonntagrzeitung" Monatrbellage: ,,^UlÖQCr (5cjd)id)tsb!ättcrn.