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flllda, Dienstag, den 2h Juli 1903/
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Neber die letzten Stunden des heil.
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druck und Verlag der ZuldaerActiendruckerei in Hulda (Harmonie). Fernsprecher Nr. 9.
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Anzeigen: Die ein fpaltige Petitzeile oder deren Raum 15 pfg. Reklamen die Petitzcilr 25 Pfg.; bei wieder Holungen wird enifpr Rabatt gewährt.
Vaters liegen folgende Nachrichten vor:
* Rom, 20. Juli, 1.15 Uhr nachm.
„Schande? Ach warum nicht gar! Glauben Sie nur, je vornehmer die Herrschaften sind, je mehr Schulden wachen sie. Ich kenne das aus Erfahrung. War lange genug Köchin bei reichen Leuten; alles wurde auf Borg genommen, und kamen die armen Handwerker mahnen, wurden sie womöglich noch zur Türe hinausgeworfen. und das war bei hochgeachteten Leuten. Schande? Nein, nein, wo denken Sie denn hin! Verlier n Sie den Mut nicht! Doch >ch muß fort. Die arme Frau Oberförster bekommt sonst, weil ich hier so lange plaudere, zu spät ihr Frühstück. Gott befohlen!"
Dabei war die gute Frau schon die Treppe hinunter. Das letzte Ereignis schien der Gipfelpunkt des Elends gewesen zu sein. Der Gesundheitszustand Frau Ulme» nan's hob sich etwas und Lisbeth war es dadurch möglich, einen großen Posten Bestellungen auszufüyren.
Das Weihnachtsfest war herangenaht.
Lisbeth hatte den Schlaf mehrever Nächte geopfert, um den heiligen Abend ungestört mit ihrer Mutter zubringen zu können und ihr einige kleine Ueber- raschungen zu bereiten. Noch einige Stiche! Jetzt war die Arbeit vollendet und schnell eilte sie nach dem Geschäfte.
Wie froh machte sie der Gedanke, auch Frau Banner ihre Schuld abtragen zu können, ohne deren Hilfe sie wohl der Verzweiflung anheim gefallen wäre.
Heute bekam sie Geld, viel Gew, wie es ihr schien. Die Demütigungen, welche ihr in dem Verkehre mit der Wäschehandlung keineswegs erspart blieben, war sie schon ziemlich gewöhnt; sie achtete nn igstenr nicht mehr so darauf, wie anfänglich; sie war froh G-td und Arbeit zu bekommen.
Auf dem Rückwege wollte sie ihre bescheidenen. Wei.,nach'Srintäufe machen, unter anderen auck- einen kleinen Weihnachtsdaum.
S-e m:: te ziemlich lange in der Wäschebandlung warten. Endlich erschien ter Besitzer selbst und bat
„Königlicher Oberförster, ja. Doch was hat das..." „Ruhig, ruhig! Wurde er nicht wegen Defekten zwei Jahren Gefängnis verurteilt?"
O wie kühl, wie erbarmungslos kühl, als handle sich um eine ganz glcichgiltige Sache, klangen diese
„O machen Sie ferne Einwendungen; bei mir ist es sehr einsam; ich bin Witwe, mit meiner alten Tante allein. Wenn es Ihnen und Ihrer Frau Mutier r d)t ist, gehl sie etwas zu dieser, während I Sie bei mir arbeiten. Meiner alten Tante geschieht damit noch ein großer Gefallen, weil sie sonst so viel allein sitzen muß, wenn ich außer dem Hause arbeite. Ich bin nämlich Waschfrau
„Sehen Sie, liebes Fräulein," fuhr sie dringend fort, „wenn Sie mir das abschlagen, beleidigen und betrüben Sie mich sehr. Ich denke dann, Sie verachten mich, weil ich nur eine arme, ungebildete Wäscherin bin und sie ein vornehmes Fräulein!"
„Vornehm?" brachte Lisbeth hervor.
„Ja vornehm, wenn Sie auch so viel arbeiten. Fürs Unglück kann niemand. Also, nicht wahr, feie Sache ist abgemacht?"
Dabei hatte die resolute Frau schon die Maschine ergriffen und sie in ihre auf demselben Flur gelegene Stube getragen.
Es war gut, daß Lisbeth so unerwartet durch die Hartherzigkeit der Steuerrätin eine Freundin gefunden hatte. Ihre Mutter wurde von Tag zu Tag kränker und sckwächer. Lisbeth mußte ihr so viel Zeit opfern, daß sie heinahe nichts verdienen konnte.
und sagte chr, sie solle sich darüber nicht beunruhigen, sie sei eine erfahrene, praktische Frau.
Li'btth begnügte sich mit dieser Erklärung, besonders weil ihre Gedanken zu sehr mit ihrer Mutter beschäftigt waren; sonst hätte sie wohl — und das mit Recht — der gut n Frau keinen Glauben geschenkt.
Trotz allen Fleißes, trotz aller Entbehrungen, die sie sich auflegte, brach doch einmal der gefürchtete Morgen an, wo kein Pfennig mehr zu ihrer Verfügung stand.
Sie mußte sich dazu entschließen, was sie bis jetzt noch der Mutter wegen vermieden hatte, ihre eigenen Betten zu versetzen, da selbst die meisten Möbel in der Stube schon das Siegel des Gerichtsvollstreckers trugen. Sie war der Verzweiflung nahe. Woher Brod nehmen?
Da trat die Wäscherin bei ihr ein. „Ich gehe aus, liebes Fräulein, was kann ich Ihnen mitbringen?"
Lisbeth wurde purpurrot; sie gab der Frau einen Wink und verließ mit ihr das Zimmer.
„Beste Frau Banner", begann sie draußen stotternd, „Sw wissen, ich konnte jetzt so wenig arbeiten; ich habe noch viel unvollendet liegen. Vielleicht gibt Ihnen der Bäudler unten das Nötige zum Frühstück auch einmal ohne Geld- Sagen Sie ihm nur, ich würde bald bezahlen; ich besitze ja noch die Maschine, und vielleicht find Sie mir heute behilflich, meine Betten zu verkaufen."
Lisbeth wurde bald rot, bald blaß, während sie so sprach; sie kämpfte mit unterdrückten Tränen, die endlich eit Gewalt berv orbrachen.
„Weinen Sie doch nicht so, liebes Fräulein! Da. sei Gott vor, daß wir Vie Betten schon verkaufe» Ich werde schon alles gut besorgen, Sie sollen nich's entbehren müssen. Lassen Sie sich das nicht zuHerz-n! gehen. Ach du meine Gute, dos kann jedem p stst reo!" .
„Ack, Frau Banner, die Schande . . .“
$d)riftkiter:2L Weiler
j. Ktte?“Äba. Wochenbeilage: „Illustrierte Zonntagszeitung
* Rom, 20. Juli, 4.20 Uhr «achm. Papst ist um 4 Uhr nachmittags gestorben. Bronzetür des Vatikans ist geschloffen.
* Rom, 20. Juli 1903. Dem Ableben
30. Jahrgang
Papstes, um demselben die letzte Absolution zu erteilen. Im Vatikan herrscht große Aufregung. Auf dem Petersplatz ist der Wagenverkehr sehr lebhaft. Die in Rom residierenden Kardinale wurden dringend in den Vatikan berufen. Sie treffen nach und nach ein.
* Rom, 20. Juli 1903. Gegen 2 Uhr nachmittags wurde Dr. Mazzoni dringend in den Vatikan berufen.
* Rom, 20. Juli 1903. Die Erteilung der letzten Absolution an Den Papst, die der Großpönitentiar Kardinal Serafiuo Vannntelli unter Beihilfe des Zeremoniars des päpstlichen Hofstaates vornahm, war von ergreifendem Eindruck. Die anwesenden Kardinale, unter ihnen Oreglia, Rampolla, della Volpe, Vives, sowie die Neffen des Papstes hatten sich niedergekniek und suchten die Tränen zurückzuhalten, um den Papst, der bei ziemlich klarem Bewußtsein war, nicht zu erregen. Es wird berichtet, der Papst habe zu Oreglia einige Worte gesprochen und die Kirche seiner Sorge anvertraut. Msgnr. Bisleti habe um den päpstlichen Segen gebeten für die Personen des Hofdienstes, die nebenan versammelt waren. Der Papst habe den Segen erteilt und gesagt, dies sei sein letztes Lebewohl. Dann habe der Papst mit großer Anstrengung den Kardinälen die Hand gereicht. Hierauf seien anregende Mittel angewendet worden, die den Papst ein wenig wieder belebt hätten.
* Rom, 20. Juli 1903. Die im Vatikan weilenden Diplomaten erhielten ebenfalls Zutritt zu dem Zimmer des Papstes. Der Papst erteilte allen An wesenden unter großer Anstrengung den Segen und reichte ihnen die Hand zum Kusse. Die Karoinäle begaben sich, nachdem sie das Zimmer verlassen hatten, zur Bibliothek.
* Rom, 20. Juli, 4 Uhr nachm. Der Papst hat
frftehrt täglich, «tt Ausnahme der Sonn- nndzetertaae. viertel- jährl. vez».«preis ohne vringerlohn und Bestellgeld in Hulda und auswärts X Rlk. 50 Pfg.
Verantwortlicher
Fügungen.
Erzählung von A. Uhdolph.
------ (Nachdruck verboten.)
sie, mit ihm in sein Privatbureau zu kommen. Verwundert folgte ihm Lisbeth.
„Fräulein Ulwenau," begann der Geschäftsinhaber, indem er sie scharf ansah, so daß sie verlegen die Augen niederschlug. „Ich hätte nicht vermutet, daß Sie mich so hintergehen könnten."
Lisbeth blickte verwundert auf. „Ich Sie hintergehen ? Wer kann mich einer unehrenhaften Handlung beschuldigen?
„Nur rubig, Fräulein, ruhig! Beantworten Sie einfach und wahrheitsgetreu meine Fragen. War Ihr- Vater nicht Oberförster?"
Papstes ging ein kurzer Todeskampf voraus.
3 Uhr 40 Mm. kündigte Lapponi weinend den bevorstehenden Tod an. Großpönitenttar Vannutelli
Papst Leo XIII f.
Tieftrauernd steht die ganze katholische Welt an der Bahre ihres allverehrten obersten Hirten, der 25 Jahre lang als Statthalter Jesu Christi auf Erden mit Weisheit und Umsicht die Kirche regiert hat. Nach einem tatenreichen hohen und erhabenen Zielen zugewandten Leben, das reich an Kämpfen, Leiden und Verfolgungen, aber auch reich an Erfolgen, Siegen und Triumphen war, ist er nunmehr nach sechszehntägiger Krankheit abgerufen worden in ein besseres Jenseits.
Leo Xi'II. zählt in der langen Reihe der Päpste zu den bedeutendsten. Die Geschichte wird seinen Namen mit goldenen Lettern der Nach weit verkünden.
Was Joachim Pecci als Titular-Erzbischof von Damiette und Nuntius in Belgien, was er als Bischof von Perugia in 32jähriger unermüdlicher Arbeit, umringt von den größten Schwierigkeiten und Bedrängnissen geschaffen uud geleistet, würde allein schon hinreichen, um einem Kirchen- sürsten ein unauslöschliches Denkmal in der Geschichte seines engeren Vaterlandes zu sichern. Aber Gott hatte den Stern von Carpineto zu noch Höherem berufen. Hatte Kardinal Pecci bei der Papstwahl 1878 von sich selbst geglaubt, daß er, der schwache Greis, am Ziele seiner Tage angelangt sei, so sollte er bald erfahren, daß die Gnade des Allmächtigen auch dem Schwächsten neue, wunderbare Kraft verleiht. Seit jenem 20. Februar 1878, als das neue „Licht am Himmel" der Kirche aufstieg, haben die Feinde der Kirche unzählige Male den nahen Untergang des glänzenden Gestirns oorhergesagt, aber länger, als man nach menschlichem Ermessen hat erwarten können, lenkte er geistig und körperlich ungebrochen mit sicherer Hand das Steuer der Kirche.
Was Joachim Pecci als Bischof von Perugia in kleinerem Wirkungskreise anstrebte, das hat er auch als oberster Hirte der weltumspannenden Kirche zur Aufgabe seines Lebens gesetzt. Kampf gegen die politische und soziale Revolution, Einführung sozialer Reformen zum Besten der Minderbemittelten, Aufbau und Vertiefung des religiösen Lebens, Hebung und Förderung der christlichen Erziehung, namentlich auch der Priestererziehung, Erneuerung der christlichen Philosophie und Wissenschaft, das waren die Hauptziele der mehr als 32jährigen bischöflichen Regierung. Genau dieselben Grundzüge zeigt, nach Umfang und Art den Verhältnissen und Bedürfnissen Rechnung tragend, die Regierung des großen Papstes.
Als seine erste Aufgabe betrachtete er die Beilegung des Kulturkampfes, die Wiederherstellung des kirchlichen Friedens, vor allem in Deutschland und der Schweiz. Aber auch in anderen Ländern war sein Augenmerk unablässig auf die Verbesserung der rechtlichen und tatsächlichen Lage der katholischen Kirche gerichtet. Hand in Hand mit diesen Bestrebungen ging die Wieder
um ihr etwas behilflich zu sein, bot fick die Waschfrau zu den notwendigen Gängen und noch zu mancher Handleistung an. ,
Lisbeth war öfter über die billigen Einkäufe derselben erstaunt. Besorgt fragte sie, ob sie nicht etwa zu Schanden käme; afrer die Wäscherin lachte nur
Worte, welche sich wie ein Schwert in L sbeth's Seele bohrten. Sie fühlte sich einer Ohnmacht nahe; ihre Hand suchte nach einer Stütze.
„Sie schweigen, Fräulein! Schweigen ist auch eine Antwort!"
Lisbeth faßte fick gewaltsam. „Was hat," rief sie erregt aus, „was hat das mit meiner Rechtschaffenheit zu tun?"
Der Mann beachtete ihren Ausruf nicht
„Warum haben Sie mir das verschwiegen? Bedenken Sie, was ich aufs Spiel setzte! Wie viel feine, gute Leinwand ich Ihnen an0erbaute — ohne Kaution — k hne die geringste Sicherheit von Ihrer Seite."
„Und habe ich auch nur um ein Fädchen betro gen ? Warum also bet Vorwurf?"
„Ihr Vater, so bade ich gehört, galt auck lange, lange Jahre als ein Ehrenmann und mußt- dadurch zu täuschen, daß {eine Betrügereien ..."
„Genug, genug!" unterbrach ihn Lisbeth. „Beschimpfen Sie meinen Vater nicht!"
„Sie sind ja f'hr zart befai’et, mein Fräulein!
das Bewußtsein vollständig verloren. Die Stadt durchschwirren Todesgerüchte.
Todeskampf des, Papstes hat begonnen.
Großpönitentiar Vannutelli betrat das Zimmer des
befürchten sei. Man möge für ihn beten. Die Verschlimmerung bedeutete diesmal nicht einen Rückfall in die früheren Krankheiten; es war die Krisis furchtbarster Erschöpfung, die den Kranken physisch vollständig lähmte. Die Symptome des Kräfteverfalles mehrten sich so rasch und so heftig, daß der Großpönaentiar dem Kranken schon die Absolution in articulo mortis (in Todesgefahr) erteilen wollte. Den angewendeten energischen Belebunas- mitteln gelang es aber, die Gefahr zu beschwören. Um I Uhr fiel der Papst in ziemlich ruhigen Schlaf. Der Stillstand dauerte neun Stunden; um 10 Uhr erneuerte sich die Krisis in heftigerer Form. Der Pönitentiar der Kämmerer und die Testaments- exekutorey Macchi, Gotti und Cavicchioni würden wieder herbeigerufen; aber um 2 Uhr erklärte Lapponi, daß der Papst sich wieder besser fühlte. Die Aerzte glaubten, der Kranke werde sich wieder einigermaßen erholen und die Nacht Überstehen. Der Großpönitentiar hat trotzdem das Vorzimmer des Papstes nicht mehr verlassen. Es war hier ein furchtbar heißer Tag, und der Papst hat Hitze nie gut vertragen, am allerwenigsten den entnervenden Scirocco, und gerade dieser schreckliche Wüstenwind weht seit Sonnabend über Rom und hüllt die Stadt in Qualm und Dunst, sodaß man schlecht sieht und beschwerlich atmet. Der Papst hat bei vollem Bewußtsein lange mit Rampolla gesprochen und ihm dringend ans Herz gelegt, einige wichtige Geschäfte noch bei seinen Lebzeiten zu erledigen.
W. Rom, 20. Juli, nachm. 5.25 Uhr. Sobald das Ableben des Papstes bekannt war, wurden Militär- und Polizeiposten auf dem Petersplatze auf- gestellt. Am Bronzetor und an den übrigen Toren des Vatikans stehen Truppen zur Verfügung des zuständigen L olizeikommiffars. Ueberall herrscht völlige Ruhe. Die Fenster des Sterbezimmers stehen offen. Die Peterskirche ist geöffnet.
W. Rom, 20. Juli, 6 Uhr 25 Minuten abends. Kardinalkämmerer Oreglia, der vom vatikanischen Palast Besitz ergriffen und die Leitung der Geschäfte während der Sedisvakanz übernommen hat, begab sich bald nach dem Tode, von Schweizergarden und Nobelgarden geleitet, mit dem Vizekämmerer, dem geistlichen und dem apostolischen Kämmerer im veilchenblauen Trauerornat nach dem Sterbegemach zur Feststellung des Todes des Papstes. Der Kardinal trat an die verschlossene Pforte des Sterbezimmers und rief unter tiefem Schweigen der Anwesenden dreimal laut den Namen des Papstes, öfinete sodann die Tür und trat, vom ganzen Gefolge begleitet, an das Bett uno klopfte mit einem silbernen Hämmerchen dreimal an die Stirn des Toten, indem er ihn laut beim Namen rief, während alle Anwesenden niederknieten. Sodann verkündete der Kardinal den Versammelten, daß der Papst Leo XIII. gestorben sei und verließ, von den Geistlichen begleitet, das Gemah.
W. Rom, 20. Juli, nachm. 6.50 Uhr. Sobald der Tod eintrat, schloß Lapponi dem Papste die Augen und faltete die Hände über der Brust. Zehn Minuten, nachdem der Tod eingetreten, verließ Oreglia das Sterbezimmer. Schweizergarden erwiesen ihm die dem Papste als Souverän zustehenden Ehren und geleiteten ihn in feierlichem Zuge nach den Gemächern.
W. Rom, 20. Juli, nachm. 6.55 Uhr. Kurz bevor der Tod des Papstes eintrat, begaben sich die Kardinal.: und die Würdenträger, ungefähr 60 Personen, in das Sterbezimmer. Alle knieten nieder, während Vannutelli fortfuhr, Sterbegebete zu verrichten. Sofort nach dem Ableben des Papstes übernahm Oreglia die Leitung der Kirche. Rampolla stellte seine Tätigkeit als Staatssekretär ein, die Monsignore delle Chicsa, wie vorge- schrieben, übernahm.
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monatsbeilcge: „gulöaer GeschichttblSttet".
Herstellung der zerstörten kirchlichen Organisationen und die Erneuerung des religiösen Lebens. Groß waren auch die Ersolge, welche die Propaganda und Missionstätigkeit der Kirche nicht nur in Afrika, Asien und Australien, sondern auch in den Ländern Amerika's, sowie in den europäischen Staaten, z. B. in England, ünter der glorreichen Regierung des Papstes errang. Was Leo XIII. für die Reform der christlichen Wissenschaft, des Studiums der Philosophie im Sinne des hl. Thomas von Aquin getan hat, die uneigennützige und hochherzige Förderung, welche er namentlich durch Oeffnung der vatikanischen Archive der historischen und litterarischen Forschung angedeihen ließ, alles dies gehört zu den unvergänglichen Verdiensten seines Pontifikates.
Den glänzendsten Ruhmeskranz wand sich Leo X-Il. durch seinen weitausschauenden und zielbewußten Kampf gegen die Revolution, insbesondere gegen die sozialistischen Umsturzbestrebungen, welche die ganze bestehende Staats- und Gesellschaftsordnung bedrohen. Aber nicht nur kämpfend und abwehrend, sondern auch heilend und bessernd griff sein Wort in die sozialen Wirren der Gegenwart ein. Namentlich seine berühmte Encyklika über die Arbeiterfrage ent-, wickelt ein Programm und System der christlichen Sozialreform, dessen hohe Bedeutung für die Zukunft und dessen praktischer Blick selbst von vielen Gegnern des Papsttums offen anerkannt und bewundert wird.
Gleich seinem großen Vorgänger, dem edlen Dulder Pius IX., ist auch Leo X(lT. von den Rechten und Gerechtsamen des hl. Stuhles um keines Haares Breite zurückgewichen; keine Gelegenheit ließ er vorübergehen, ohne die unverjährbare Forderung der territorialen Souveränität des Papsttums zu erneuern und gegen die Vergewaltigungen, denen die Kirche in Italien ausgesetzt ist, zu protestieren.
So steht das Bild des großen Papstes in ungetrübtem Glorienscheine vor unseren Augen. Als hellstrahlender Stern hat er den christlichen Völkern durch das nächtliche Dunkel der religiösen, politischen und sozialen Wirrnisse den Weg gezeigt zum einzigen Heile, zur Rückkehr auf den Boden der christlichen Wahrheiten und des praktischen Christentums, welches allein unser zeitliches und ewiges Glück zu verwirklichen vermag.
Nun ist er aus seinem Wirkungskreise abberufen und verwaist steht die heilige Kirche da. Aber wir brauchen deshalb nicht zu verzagen. Christus, der Sohn Gottes, wird seiner Kirche einen neuen Oberhirten erwecken. Leo XIII. sagte am Montag selber: „Joachim Pecci wird sterben, aber das Papsttum ist unvergänglich." Ist es ja doch eine der ersten Grundwahrheiten unserer hl. Religion, daß das Papsttum der Fels ist, auf den Christus seine Kirche gegründet hat und daß es deshalb unzerstörbar fortbestehe bis ans Ende der Zeiten. „Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen, und die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen!"
kniete am Bette nieder und begann die Sterbegebete. Die Neffen beS Papstes, Rampolla und die Würdenträger knieten ebenfalls nieder und meinten unaufhörlich. Der Papst war völlig bewußtlos, sein Gesicht äußerst bleich, die Atmungsbewegungen hatten aufgehört. Der Papst starb ruhig. Um 4 Uhr 4 Minuten verkündete Lapponi den eingetretenen Tod. Die Leiche bleibt auf dem Bette. Das Gesicht ist mit einem weißen Schleier bedeckt bis zur amtlichen Todesfeststellung durch den Kardinalkämmerer. Graf Peeei, Lapponi, Centra und zwei Nobelgarden halten die Totenwacht.
' Rom, 20. Juli 1903. Nach einem Berichte der ,Boce della Berit»' waren die letzten Worte des Papstes an Monsignore Angeli gerichtet, der ihm Mut zusprach. Der Papst lispelte fast unhörbar: „Ich bin schon in den Händen Gottes." Einem Berichte des,Berl. Lokal-Anzg.' entnehmen wir noch einige Einzelheiten: Der Zustand des Papstes verschlimmerte sich plötzlich Sonnabend in später Abendstunde Man war darauf so wenig gefaßt, daß Lapponi nicht im Vatikan war und mit dem päpstlichen Wagen geholt werden mußte. Der rasende Galopp der zwei riesigen Rappen fiel allgemein auf und zeigte klar, daß im Vatikan ernste Dinge im Anzuge seien. In einem anderen Wagen wurden der Großpönitentiar und der Kämmerer geholt. Gleichzeitig telegraphierte Rampolla an die Nuntien, das Befinden des Papstes sei derart verschlimmert, daß das Aergste zu