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Druck und Verlag der Fuldaer Acttendruckcri in Fulda (Harmonie). Fernsprecher Nr. 9.
M 161.
fUlda, Samstag, den 18. Juli 1903.
30. Jahrgang.
Wachen-Rundschau.
(Nachdruck verbotcn.)
D Fulda, 18. Juli 1903.
Während im Befind en des hl. Vaters vorübergehend eine Wendung zum Besseren eingetreten war, hat sich sein Zustand in den letzten Tagen wieder verschlimmert, so datz man stündlich mit seiner Auflösung rechnet. Aus Anlaß der Erkrankung des Papstes hat der König von Italien seinen Besuch in Frankreich verschoben. B.'i der Motivierung dieses Aufschubs wurde viel von den Rücksichten gesprochen, die der Qmrinal auf den Vatikan nehme; rs ist indeffen sraglich, ob nicht für den König Viktor die Krankheit des Papstes ein erwünschter Vorwand für die Hinausschiebung seiner Reise mar, da zuvor schon von Frankreich halbamtlich verlautete, daß Loubet den Besuch in diesem Jahre nicht mehr erwidern könne. Die Nachricht, daß der deutsche Kaiser mit Rücksicht auf die Erkrankung des hl. Vaters seine Nordlandreise aufschieben werde, hat sich als eine Fabel erwiesen. Der Kaiser hat die Reise bereits am 11. d. Mts. angetreten; wie offiziös, gemeldet worden ist, ist eine Verschiebung derselben aus gedachtem Grunde überhaupt nicht in Frage gekommen. Ebenso hat sich die Blättermeldung als eine Erfindung entpuppt, daß der Kaiser bei einem Gottesdienst in einem besonder» Gebete des Papstes gedacht habe. Der ,Reichsbote' und seine Gesinnungsgenossen werden daher wohl wieder ruhig schlafen können. Merkwürdig ist, daß der ,Reichsbote', der sonst so sehr darüber klagt, daß allerhand Sensationsnachrichten über den Papst verbreitet werden, und dementsprechend wünscht, daß Front gegen dieselben in der Presse dadurch gemacht werde, daß man ihnen die Aufnahme verweigere — hat er doch noch in diesen Tagen einem deutschen Zentrumsblatt gegenüber auf die bekannten Aeußerungen des Unterstaatssekretärs im Vatikan, Monsignore Della Chiesa Hinweisen zu müssen geglaubt, solche Sensationsnachrichten unkontrolliert gern in seine Spalten aufnimmt, sobald er sie gegen den Katholizismus verwerten zu können glaubt. Demselben Beweggrund entspringt sein Bedürfnis, mit Rücksicht auf Vorgänge im Vatikan über die Reliquienverehrung der Katholiken zu spötteln. Es ist das ja nun beim ,Reichsboten' nichts neues; aber die Art, wie er dieses unter Hineinziehung des Papstes und unter Verächtlichmachung eines sterbenden Greises tut, ist doch derart, daß wir meinen sollten, es könne dies auch in protestantischen Kreisen keinem anderen Gefühl a!s dem des Ekels begegnen. Vornehm hebt sich dagegen beispielsweise die Haltung der ebenfalls evangelischen ,Kreuzzeitung' ab, die ihrem Abscheu über die Art, in welcher sich die Sen- fationsprcsse der Erkrankung des hl. Balers bemächtigt hat, unverhohlen Ausdruck gegeben hat. Diese Sensationsmache geht so weit, daß eine viel gelesene Wochenschrift sich sogar der Taktlosigkeit schuldig machte, ihren Lesern bereits das „Sterbezimmer" Leos XIII. im Bilde vorzuführen. Gegen derartige Taktlosigkeiten und verletzende Zumutungen können sich die katholischen Leser nur durch den sich von selbst ergebenden Akt der Selbsthilfe schützen.
Gegen das Urteil, welches imProzeßHüssener die zweite Instanz gefällt hat, ist Revision beim Reichsmilitärgerichr durch den Gerichtsherrn eingelegt worden. Hoffentlich wird die erneute Verhandlung zu einem Urteil führen, welches mehr dem Rechtsbewußtsein des deutschen Volkes entspricht.
Im Wahlreglement für die Wahlen zum preußischen Landtag find einige Umänderungen vorgenommen worden, die zwar keine grundsätzliche Bedeutung, wohl aber poliiische Konsequenzen haben. Wenn die Sozialdemokratie so tut, als ob sie diese Aenderungen erzwungen habe und dieselben somit einen Erfolg der Sozialdemokratie bedeuteien, so heißt das nichts anderes als den Wählern Sand in die Auge» streuen, denn in zweifacher Hinsicht find die vorgenommenen Aenderungen der Sozialdemokratie in Wirklichkeit unbequem. Die Sozialdemokratie hatte mit Rückficht darauf, daß bisher jeder Urwähler verlangen konnte, die Namen seiner Kandidaten neben seinem Namen in die Liste einzulragen, Obst: ultion augekündigt. Diese Obstruktion ist nunmehr dadurch vereitelt worden, daß fortan der Protokollführer die Namen einzutragen hat. Die erwähnte politische Konsequenz der vorgenommenen Lenderungen — und von ihr wird namentlich die Sozialdemokratie in ihrem Verhältnis zum Freisinn berührt — liegt darin, daß durch die Bestimmung, daß für die Folge die verschiedenen Adge ordneten in einem Wahlakt gewählt werden, Kompromißparteien sich g-gensiitig nicht mehr, wie bisher, hinsichtlich der Innehaltung des Kon promiffes kontrollieren und bei Verletzung desselben Ranküne üben können.
Der französische Präsident Loubet hat in der verflossenen Woche den Besuch des englischen Königs erwidert. Es hat nicht zwischen beiden Staatsoberhäuptern an lebhaften Freundschafisbezeugungen gefehlt; indessen deutet nichts mit Bestimmtheit darauf hin, daß, tote in der beteiligten Presse vermutet wird, zwischen beiden Ländern bestimmte politische Abmachungen relroffen worden sind. In einer guten Beziehung zwischen Frankreich unb England können wir nur eine weitere Bürgschaft für den Frieden erblicken, und daher ist vom deutschen Standpunkte aus
gegen eine derartige Freundschaft nichts zu erinnern. Durch den Besuch Loubet's ist der Besuch des amerikanischen Geschwaders in England teils in den Hintergrund gedrängt worden; doch hat es auch hier nicht an lebhaften Sympathiekundgebungen, an denen auch der König Eduard beteiligt ist, gefehlt. — Die französischen Kammern sind geschlossen worden. Seinen kulturkämpserischen Maßnahmen hat Mrnisterprästdent Combes eine neue hinzu- gefugt, welche die Schließung gewisser Kapellen verfügt.
Bezüglich der Beziehungen Bulgariens zur Türkei waren in dieser Wocke neue beunruhigende Nachrichten in Umlauf gesetzt worden, indessen haben dieselben sich nicht bewahrheitet. Vielmehr haben sich die Verhältnisse zwischen beiden Staaten durch gegenseitige Zugeständnisse erin blich günstiger gestaltet.
In Serbien sind die diplomatischen Beziehungen zu den Mächten von letzteren in vollem Umfange ausgenommen worden. Charakteristisch ist, daß sämtliche in Rußland sich aufhaltende serbische Offiziere sich veranlaßt gesehen haben, nach Serbien zurückzukehren, da ihnen von feiten ihrer rm fischen Kollegen der Umgang verweigert wurde.
In den marokkanischen Verhältnissen ist infolge der Eroberung von Taza durch den Kriegsminister des Sultans von Marokko eine neue Lage geschaffen worden, welche zu der Hoffnung berechtigt, daß die Wirren einer Lösung entgegengehen.
Unpolitische Zeitläuse.
(Nachdruck verboten.)
D Berlin, 16. Juli 1903.
Während ich dies schreibe, leidet und ringt unser hl. Vater noch in Todesnot. Vierzehn Tage währt schon der Kampf zwischen seiner zähen Natur und den Mächten der Zerstörung.
Das lange Leiden auf dem Krankenlager wird in den meisten Fällen durch die Hoffnung auf Genesung erleichtert. Die Menschen hatten ja bis zum Alleräußersten an der Hoffnung fest. Wenn die Aerzte einen Kranken auch aufgeben, so hoffen doch noch die Verwandten und Freunde, und wenn auch bei denen die Verzweiflung eintritt, so hat doch nicht selten der Kranke selbst noch eine gewisse Hoffnung, die seine Geduld stützt. Am Krankenlager des hl. Vaters ver-. sagt dieser Trost. Die Last der über 93 Jahre- mit ihren unvermeidlichen Wirkungen auf die Säfte und Kräfte des Körpers machte von vornherein, als eine ernste Störung in den Brustorganen sich zeigte, die Wiederherstellung ganz unwahrscheinlich. Auch das zeitweilige Aufflackern der Widerstandskraft in dem wunderbar beanlagten Körper konnte die nüchternen Beobachter nicht über die verhängnisvolle Lage täuschen. Der schreckliche Kräfteverfall in den letzten Tagen, der auch zu Störungen der bisher noch klaren Gehirntätigkeit führte, hat nun auch die allerletzten Hoffnungen ausgeräumt. Der hohe Kranke selbst hatte bekanntlich schon längst seine Rechnung mit der Welt abgeschlossen. In dem Bewußtsein, daß der Kampf des greisen Körpers gegen den langsam andrängenden Tod vollständig aussichtslos ist, erscheinen die verlängerten Qualen des Kranken als ein wirkliches Leiden, als eine scharfe Prüfung und Läuterung zum Schluffe des hochbegnadeten und wunderbar erfolgreichen Lebens.
Warum? fragt da der erschütterte Zuschauer. Warum läßt Gott den, der als sein Stellvertreter auf Erden so treu und segensreich gewaltet hat, am Schluffe seines Erdenwallens die Folgen der Erbsünde, die Krankheit und den Tod, in so bitterlicher Weise empfinden? Warum läßt er den ersten und bravsten seiner Diener nicht in einem sanften Tode nach recht kurzer Krankheit hinüberschlummern? Wer so fragt, geht von dem Empfinden aus, daß Gott diejenigen, die er liebt, schon hier auf Erden vor Schmerz und Leid sorgfältig bewahren müsse. Das ist aber, wie die hl. Schrift lehrt und die Erfahrung fort und fort beweist, nicht die Art des Herrn. Wie Christus leiden mußte, um zur Herrlichkeit einzugehen, so läßt Gott auch die Menschen leiden, die er liebt. D. h. leiden hier auf Erden, damit sie im Jenseits nicht zu leiden brauchen, sondern um so schneller und in um so höherem Grade der Himmelswonne teilhaftig werden. Derartige Serben, welche die letzten Schlacken der irdischen Unvollkommenheiten beseitigen und für die andere Welt Wucherzinsen des reinsten Glückes andäufen, sind im Grunde Gnadengeschenke. Um so mehr, als diese Leiden nur den sterblichen Teil des Menschen treffen und die Seele inzwischen in dem Frieden bleibt, den ihr das gute Gewissen und die christlichen Gnadenmittel verschaffen. Dieser Seelenfrieden nimmt der Todesfurcht sowie der Todesqual den schärfsten Stachel.
In dem vorliegenden Falle kommt noch ein anderer Gesichtspunkt in Betracht Der totkranke )l. Vater soll nach einer Mitteilung, daß auch laue Christen durch die Nachrichten von seinem
Leiden zumNachdenken undBeten veranlaßt würden, geflüstert haben: 0, felix infirmites! O, glückliche Krankheit! In der Tat hat die Krankheit Leo's XIII. und besonders die echt christliche und männliche Haltung des Leidenden in der Welt einen wirklich erbaulichen Eindruck gemacht. Manches Herz, das den seelsorglichen Anstrengungen des gesunden Papstes sich verschlossen hatte, ist von dem kranken Papst erschüttert und gewonnen worden. Und wenn Leo XIII. in den Tagen seiner Kraft und feines Fleißes viel für den Frieden der Christenheit getan hat, so ist von seinem Krankenlager auch eine wirksame Mahnung zum Frieden und zur gegenseitigen Achtung in die gespaltene Christenheit hinausgegangen. Wie ist die katholische Kirche überhaupt und das Papsttum im besonderen neuerdings beschimpft und verleumdet worden! Jo Deutschland namentlich während des letzten Wahlkampfes von den protestantischen und ungläubigen Hetzern! Dem schändlichen Zerrbild, das der verlogene Haß entworfen, konnte nichts Wirksameres entgegen gestellt werden als das Bild des päpstlichen Sterbebettes, das den Augen von Freund und Feind zeigt, wie das Oberhaupt der katholischen Kirche als wahrer Nachfolger Christi leidet und stirbt, ein Heiliger zugleich und ein Held!
So erklärt es sich auch, daß die Katholiken neben dem tiefen Mitgefühl mit ihrem sterbenden Oberhaupte eine ruhige Zuversicht bekunden — trotz der schwierigen Zeitverhältniffe. Wir zweifeln keinen Augenblick daran, daß dieselbe Herde des Herrn, die 1878 nach dem erbaulichen Tote des edlen Pius IX. alles' zum Besten lenkte, auch jetzt, wenn der weise und erfolgreiche Leo unter der Bewunderung aller edel denkenden Menschen seine scharfen Augen geschlossen hat, für eine sichere und gute Wahl, für einen würdigen Nachfolger sorgen wird. Gerade jetzt, wo das Oberhaupt der Kirche auf dem Schmerzens- und Todesbette liegt gleich einem gewöhnlichen schwachen Menschen und durch den Respekt von Kirche und Papsttum auch bei den erklärten Gegnern höher steht, als jemals zuvor, gerade jetzt fühlen wir recht, daß die Kirche nicht bloß ein sichtbares, sondern auch ein unsichtbares Oberhaupt hat und Gott sehbar in der Bresche steht.
Aber nun wollen wir von der Weltbetrachtung wieder zur Selbstbetrachtung zurückkommen und an die eigene Brust schlagen. Wenn Papst Leo Xlll. nach seinem heiligmäßigen Leben und seinen großen Verdiensten einen so schmerzhaften Todeskampf bestehen muß, was wird dann für uns recht und billig fein? Auch wir werden einst (vielleicht schon bald) auf das Krankenlager sinken, von dem man unsere Leichen forttragen wird. Zum Glück werden nicht die Augen und Ohren der ganzen Welt auf unser Sterbezimmer gerichtet fein; aber wir dürfen doch erwarten, daß unsere Angehörigen und Freunde uns ihre Teilnahme zuwenden: auch ihr Mitleid mit den unvermeidlichen Leiden. Aber ein schlimmes Zeichen wäre es, wenn unsere Umgebung dann durch Mitleid mit unserer gefährdeten Seele Furcht vor unferem Schicksale im Jenseits kundgäbe. Es wäre törichte Eitelkeit, wenn wir uns einbildeten, auf dem letzten Krankenbette einen imposanten und erbaulichen Eindruck machen zu können nach Art des Eindruckes, den Leo XIII. auf die Welt hervorgebracht hat. Aber dahin muß doch unsere Sorge gehen, daß wir keinen schlechten, schrecklichen Eindruck auf unsere Umgebung machen. Und da gibt's nur ein Vorbeugungsmittel: Wer ruhig sterben will, muß i ut leben.
Wer das Leben „genossen" hat nach Art der Weltmenschen, wird beim Sterben verzweifelt wenig Genuß haben.' Ein frivoles Sprüchwort sagt: „Lustig gelebt und felig gestorben!" Aber das lustige Leben und der selige Tod reimen sich nicht zusammen. Wohl kann man frisch und froh leben und doch in rechter Vorbereitung auf einen seligen Tod. Doch das lustige Leben ist ganz was anderes, als wahre Frische und echter Frohsinn; darin liegt die Jagd nach eitler Lust, und das wird am Ende des Lebens eine drückende Last.
Wir müssen allzumal sterben. Der Tod ist der strammste Demokrat, der keinen Unterschied macht zwischen dem Bettler und dem Fürsten. Aber gleichmäßig für alle ist nur die Trennung der Seele vom Körper. Wie der Mensch den Weg ins Jenseits antrilt, und was ihm dort beschieden wird, ist für die einzelnen verschieden. Man sagt, jeder fei im Leben feines Glückes Schmied. Ob wir uns das Glück im Tode nicht auch selbst schmieden müssen?
Wir werden sterben — über kurz oder lang. Mitten im Leben sind wir vom Tod umfangen, Darüber in Angst und Jammer zu verfallen, hätte keinen Zweck. Im Gegenteil, freuen wir uns, daß Gott uns augenblicklich noch Leben und Kraft gewährt und uns somit noch Gelegenheit gibt, zu wirken und zu schaffen, auf einen
guten Tod uns noch in jeder Hinsicht voczu- bereilen.
Eine roeve Lehre lautet: Lebe so, wie du einstens auf dem Sterbebett wünschen wirst, gelebt zu haben! Lebe so, nichtblos nach der religiösen Seite hin, sondern auch in deiner weltlichen Tätigkeit. In deinem Berufe und für deine Familie tue heute, was du morgen, wenn du krank werden solltest, gern getan haben möchtest.
Sie PMrophezciMg Ses hl. MüdjiaS.
In den letzten Tagen wurde wieder vielfach die Prophezeiung erwähnt, welche der heilige Malachias, der im Jahre 1148 als Erzbischof von Armagh in Irland gestorben ist, verfaßt haben soll. In 111 Mottos oder Devisen mit einem ausführlichen Schlußsätze werden in dieser Prophezeiung die Päpste von Cölestin IL an (1143) bis zum Weltende kurz charakterisiert. Leo XIII., in dessen blauem Wappenfeld ein leuchtender Stern steht, wird bekanntlich als himen in coelo (Licht im Himmel) bezeichnet. Für die kommenden Päpste sind noch zehn Titel übrig; Ignis ardens (Brennendes Feuer); Religio depopulata (Verwüstete Religion); Fides intre- pida (Unerschrockener Glaube); Pastor an geltens (Engelgleicher Hirt); Pastor et nauta (Hirt und Schiffer); Flos florum (Blume der Blumen); De medietate lunae (Von der Hälfte des Mondes); De labore solis (Von der Mühe der Sonne); De gloria olivae (Von dem Ruhme der Olive). Der letzte Papst wird Petrus Romanus (Petrus der Römer) heißen: In persecutione extrema sacrae Romanae Ecclesiae sedebit Petrus Romanus qui pascet oves in multis tribulationibus; quibus transactis, civitas septicollis diruetur, et Index tremendus indicabit populum. (In der letzten Verfolgung der hl. römischen Kirche wird Petrus der Römer regieren; dieser wird die Schafe in vielen Trübsalen weiden, worauf die siebenhügelige Stadt zerstört werden und der furchtbare Richter das Volk richten wird.) Demnach würde in 150 Jahren das Ende der Welt eintreten.
Die angebliche Weissagung wurde zum ersten- male veröffentlicht im Jahre 1595 zu Venedig von dem Benediktiner Arnold Wion in dem Werke: Lignum vitae. Der Herausgeber sagt nicht, woher er das Manuskript bekommen habe; er bemerkt bloß, nachdem er bei Auszählung der Kirchenfürsten aus dem Benediktinerorden auch den hl. Malachias erwähnt hatte: „Man sagt (fertur), daß derselbe auch einige kleinere Schriften verfaßt habe, von denen mir bloß eine Prophezeiung über die Päpste zu Gesicht gekommen ist. Da diese Prophezeiung kurz und bis jetzt, soviel ich weiß, noch niemals gedruckt worden ist, da auch viele danach verlangen, so habe ich sie abdrucken lassen." Seitdem ist über das von Wion mitgeteilte Schriftstück schon vieles und vielerlei geschrieben worden. Während die Weissagung den einen für echt galt, wurde sie von den anderen als ein betrügerisches Machwerk verworfen; namentlich war es der Jesuit Menestrier (gestorben 1705), der sich bemühte nachzuweisen, daß irgend ein Fälscher im Jahre 1590, anläßlich einer neuen Papstwahl, die Prophezeiung fabriziert habe. Auch in neuester Zeit haben katholische und protestantische Forscher dem vielbesprochenen Dokument wiederholt ihre Aufmerksamkeil zugewendet. Am ausführlichsten hat aber darüber gehandelt ein französischer Geistlicher, Dr. Joseph Mailre, der jüngst über die angebliche Weissagung zwei dicke Bände veröffentlicht hat. (La prophetie de» papes attribuee ä S. Maiachie. Paris, Lethielleux. 1901. 1902 XVI, 864 und 775 Seiten.)
Maitre tritt ganz entschieden für die Echtheit und Glaubwürdigkeit der Weissagung in die Schranken. Es muß zwar zugegeben werden, daß er seine Aufgabe nicht auf die leichte Schulter genommen hat. Mit einem großen Aufwand von Gelehrsamkeit sucht er den Gegenstand allseitig zu beleuchten. Trotzdem wird man sich mit dem gewonnenen Resultat nicht einverstanden erklären können. Für die Echtheit des Schriftstückes hat Maitre keinen einzigen stichhaltigen Grund vorgebracht. Er stützt sich namentlich auf den Umstand, daß alle Angaben der Prophezeiurg bis jetzt genau in Erfüllung gegangen sind Daß die Angaben über die Päpste von Cölestin II. bis auf Sixtus V. (gestorben 1590) im allgemeinen ziemlich genau sind, ist allerdings wahr. Doch handelt es sich vor allem darum, die Genauigkeit der Devisen nach 1590 festzustellen. Wenn nun auch einige dieser Devisen sich als zutreffend erweisen, so sind doch die meisten so unbestimmt, daß man, wie der Jesuit A. Zimmermann im Freiburger Kirchenlexikon (VIII, 542) mit Recht betont, „alles Mögliche herauslesen kann". Es ist daher verlorene Mühe, aus der Ueberein-