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Zerusprecher Ur.
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Jtö 157.
fUlda, Dienstag, den 14. Juli 1903.
30. Jahrgang.
Vie Krankheit der hl. vaterr.
Die letzten über das Befinden des hl. Vaters eingegangenen Nachrichten lauten recht ungünstig.
• Rom, 13. Juli 1903. Krankheitsbericht von heute morgen 9 Uhr. Vor Mitternacht war der Papst ruhig, empfand aber später von Zeit zu Zeit eine vorübergehende Unruhe. Die Untersuchung der Brust ergab keine Aenderung in dem vorgestern feftgestelLen Zustande. Die Nierentätigkeit ist immer noch ungenügend, das Allgemeinbefinden etwas deprimiert. Puls 82, Atmung 32, Temperatur 36,2. Mazzoni. Lapponi. — Als die Aerzte beim Papste eintraten, war derselbe im Begriffe, einzuschlummern. Der Papst sagte, er fühle sich schwach und abgespannt, und bat, ihn schlafen zu lassen, da er müde sei. Bor dem Fortgehen nahmen die Aerzte eine flüchtige Untersuchung vor, wobei sie feststellten, daß die Flüssigkeit in der Brusthöhle sich nicht vermehrt habe, der hohe Kranke schwach sei und fich in einer weniger gehobenen Stimmung befinde. Seit gestern nahm der Papst wenig Nahrung. Während des Besuches der Aerzte am heutigen Morgen befand sich Kardinal Rampolla im Borzimmer. Als Mazzoni den Vatikan verließ, hatten die Personen, die ihn sahen, den Eindruck, daß er besorgt sei. Mazzoni begab stch zu Roffoni, um ihn über das Befinden des Papstes zu unterrichten.
* München, 13. Juli 1903. Der päpstliche Nuntius erhielt folgendes Telegramm aus Rom von 12 Uhr 45 Minuten mittags: Die Besserung im Befinden des heiligen Vaters hält nicht an. Verdoppeln wir unsere Gebete. Kardinal Rampolla.
• Rom, 13. Juli 1903. Das Mornale d'Jtalia' meldet: Der Kardinal Vives begab stch um 91/» Uhr in den Vatikan, die anderen Kardinäle folgten später. Der Papst empfing indessen niemand. Die Aerzte sollen wegen der mangelnden Nierenfunktionen beunruhigt sein; eine Katastrophe ist immer zu befürchten. Lapponi verließ deu Vatikan um 91/» Uhr. Nach der ,Tribuna' wird die Nachmittagsuntersuchung wegen der leichten Verschlimmerung im Befinden des hohen Kranken früher vorgenommen werden. Das deprimierte Allgemeinbefinden setzte während der Nacht den Vatikan in Unruhe. Fast alle Gesandten sprachen heute früh im Vatikan vor. o
i;. Rom, 13. Juli 1903 10.25 Uhr abends. Der Zustand des hl. Vaters hat fich leider wieder verschlimmert. Seit 24 Stunde« ist er ohne Nahrung. Der hohe Kranke fühlt fich infolgedessen äußerst schwach. Alle Besnche sind nnter- fagt.
Berlin, den 13. Juli 1903.
]:[ Der Kaiser hat den Oberpräsidenten Delbrück in Danzig durch Telegramm benachrichtigt, daß der amerikanische Milliardär Vanderbilt an Bord seiner Jacht „North- stad" in Danzig eintrifft, um das Ordens- schloß in Marienburg zu besichtigen, auf dessen Schönheiten ihn der Kaiser aufmerksam gemacht hat. Generalmajor v. Mackensen, der Kommandeur der Leibhusarenbrigade, ist angewiesen worden, den Eisenbahnkönig zu einem Mahle bei den Leibhusaren einzuladen.
§ Mit der zu erwartenden Heeresvorlage beschäftigt fich ein Artikel im Berliner Tageblatt, welcher mit G. unterzeichnet ist. Offenbar ist
8ügungen.
Erzählung von A. Uhdolph.
7 ------ (Nachdruck verboten.)
ES blieb Hubert nichts anders übrig, als fich zu fügen. In besonderer Rücksichtnahme auf den traurigen Vorfall, der ihn aus seiner Karriere drängte und auf die Fürsprache einflußreicher Bekanntschaften wurde sein Urlaub auf ein Jahr ausgedehnt, ehe er definitiv aus der Armee ausschied.
Er hatte vorläufig seinen Wohnsitz in der Residenz aufgeschlagen, um, wie er schrieb, sich so bald als möglich einen neuen Wirkungskreis zu schaffen, wozu ihm die große Stadt am geeignetsten schien.
Die Verzweiflung der Frau Oberförster war unbeschreiblich. Mit den rasendsten Ausbrüchen förmlicher Tobsucht wechselten Stunden vollständiger Gefühllosigkeit. _
Bald überschüttete sie den Gatten mit den heftigsten Vorwürfen, warf ihm erbittert das zerstörte Lebensglück des Sohnes vor, bald brach sie in Tränen des Mitleids aus über sein Geschick. Man fürchtete ernstlich für ihren Verstand.
Die Folgen ihres traurigen geistigen Zustandes blieben nicht aus. Ein heftiges Nervenfieber warf sie aufs Krankenlager; eine wohltätige Bewußtlosigkeit «mnachtete ihre Sinne, als man ihren Gatten aus dem Hause führte.
Und Elisabeth? Wie hatte das siebzehnjährige zarte Mädchen die herben Schicksalsschläge ertragen? Auf ihren Schultern hatte vorzüglich die Pflege des unglücklichen Vaters, der verzweifelnden Mutter geruht, auf ihr die Verwaltung des so sehr gestörten Haushaltes, die Abwickelung verschiedener für eine junge Dame höchst unangenehmer Geschäfte.
Woher nahm sie die physische und moralische Kraft, um fich in diesen Tagen des Jammers aufrecht zu erhalten? Besaß fie so wenig Herz, daß fie
der Verfasser Oberst a. D. Gaedke, der in letzter Zeit häufiger das Berliner Tageblatt zu publizistischen Aeußerungen in militärischen Angelegenheiten benutzt hat. In dem Artikel wird dafür plaidirt, daß die Mehrforderungen im laufenden Jahre nicht dem Parlament unterbreitet würden, weil sie keine Gegenliebe finden würden. Die Regierung solle daher bis zum nächsten Jahre warten. Es scheint, daß der Liberalismus wünscht, es möge vor der Entscheidung über die Heeresvorlage die Handelsvertragsoerhandlung beendet sein.
% Der preußische Eisenbahnminister hat für die Streckenkenntnis des Lokomotivführer und Zugführer im Schnellzugdienst neue wichtige Bestimmungen getroffen. Danach hat der Lokomotivführer auf ihm unbekannten Strecken die erforderliche Streckenkenntnis zu erwerben, daß er als „dritter Mann" auf der Lokomotive Belehrungsfahrten bei Tage und bei Nacht in jeder Richtung ausführt. Kein Lokomotivführer darf fortan zur Beförderung von Zügen (einschließlich einzeln fahrender Lokomotiven) auf einer Strecke zugelafsen werden, auf der er nicht mindestens je zwei, und falls es stch um die Vorbereitung für Personenzüge auf Hauptbahnen oder für Schnellzüge handelt, mindestens je drei Belehrungsfahrten bei Tage und bei Nacht in jeder Richtung ausgeführt und außerdem schriftlich erklärt hat, daß er die Strecke kenne und imstande sei, aus ihr die Zugfahrten mit voller Sicherheit durchzuführen.
• Berti«, 13. Juli 1903. Der Vorsitzende der Berliner Bäckerinnung Konkordia Obermeister C. Gemeinhardt ist gestern plötzlich gestorben. — Der bekannte Professor, Geheimrat Reißner aus Breslau, welcher wegen gewisser Injektions-Experimente seiner Zeit viel von sich hat reden machen lassen, hat, wie der ,Nationalzeitung' telegraphisch mitgeteilt wird, einen ehrenvollen Ruf nach Wien e r h a l t e n, wo er Direktor der Klinik für Haut- und Geschlechtskrankheiten werden soll. — Im Pommernbank-Prozeß ist endlich die Beweisaufnahme nach mehr als zweimonatiger Ver- handlungsdauer geschloffen worden. — Prinz Adalbert wrrd Ende September fein Kommando auf dem in den ostasiatischen Gewässern befindlichen großen Kreuzer „Hertha" antreten.
* London, 13. Juli 1903. (Unterhaus.) Staatssekretär Cranborne erklärt: „Der mit der deutschen Regierung über die Tariffrage geführte Schriftwechsel werde sobald als möglich veröffentlicht werden. Die Herausgabe sei verzögert worden, damit noch die vor einigen Tagen eingegangene Depesche der deutschen Regierung und Englands Antwort daraus in der Veröffentlichung ausgenommen werden könnten." Black (Lib.) fragt, ob die Regierung dahin einen Beschluß gefaßt habe, daß das einzige wirksame Verfahren, um Deutschland zu veranlassen, Kanada die Behandlung als meistbegünstigte Nation wieder zuzugestehen, die Auferlegung von Vergeltungs- Zöllen in England .sei. Premierminister Bal
das Unglück weniger als die anderen fühlte, oder so wenig Ehrgefühl, daß die Entehrung weniger schwer auf ihr lastete?
O, nichts von alledem! Sie war eine feine, ge- ühlvolle Natur und litt unsäglich; aber sie hatte inen festen Stab, der nicht wankte, der sie stärkte, odaß fie selbst den Ihrigen noch zur Stütze werden sonnte.
Der im Kloster ausgestreute gute Samen einer ächt katholischen Erziehung war bei ihr auf gutes Erdreich gefallen und die erste« schönen Blüten ent- älteten sich in den Stürmen des Leidens.
Sie suchte den Trost, wo er sicher zu finden ist, bei ihrem Heilande im hl. Meßopfer, in der hl. Kommunion, und reichlich strömte er ihr aus dieser nie versiegenden Quelle zu.
Es war für sie die erste schwere Prüfungsstunde, und fie bestand darin und ging, trotz ihrer Jugend, seftäftigt daraus hervor, um mutig den heißen Kampf des Lebens aufzunehmen.
In die Nacht ihres Kummers fiel ein Brief ihrer Freundin Hildegard wie ein Lichtstrahl. Er war aus Nizza datiert.
Der Arzt hatte der Baronin Eggenberg den Winteranfenthalt in einem wärmeren Klima zur Pflicht gemacht.
Auf ihre Bitten hatten die beiden Töchter die Erfüllung ihrer eigenen Wünsche bis nach der Rückkehr verschoben, um ihre Mutter auf der Reise begleiten zu können.
Man war zuerst nach Nizza gegangen, wollte aber in kurzer Zeit nach Aegypten übersiedeln und elbstverständlich damit einen Besuch Palästinas her« iinden.
Welche Gefühle bestürmten Lisbeths Herz, als e in dem Briefe die ebenso dringende als zärtliche Einladung las, unverzüglich zu ihrer Freundin zu eilen, um als deren Gast die Reise mitzumachen. Im ersten Augenblicke wollte fie sofort ihre Einwilligung schreiben.
four erwiderte, er habe keinen Beschluß der Regierung über diesen Punkt mitzuteilen. Staatssekretär für Indien, Lord Hamilton, teilt mit, die Regierung treffe Vorkehrungen betr. Entsendung britischer Kommissare, welche mit dem chinesischen Kommissar und dem Vertreter des Dalai- Lamas zusammenkommen sollen, um die Fragen, betr. die Grenze zwischen Indien und Tibet und den Handel zwischen beiden Gebieten zu erörtern.
* Konstantinopel, 12. Juli 1903. Die österreichisch-ungarische und die russische Botschaft lenkten die Aufmerksamkeit der Pforte auf die Ausschreitungen einzelner Militär- und Zivilbeamten, sowie eiyiger mohame- danischer Einwohner in den östlichen Kreisen des Wilajets Uesküb, die kürzlich vom österreichischungarischen und russischen Konsul in Uesküb bereist worden sind, und verlangten eine entsprechende Bestrafung der Schuldigen. Infolgedessen entsandte die Pforte eine aus Militärs und Gerichts- beamlengebildeteUntersuchungskommission an Ort und Stelle. Außerdem inspizierte Generalgouverneur Hilmi Pascha persönlich die Orte Kumanowa, Jschtip, Kratowo, Kotschana, Egri- Palanka und das Gebiet von Malesch.
* Stockholm, 13. Juli 1903. Die Jahresversammlung der deutschen schiffsbautechnischen Gesellschaft wurde heute vormittag im großen Börsensaale von Geheimrat Busley mit einer Ansprache eröffnet, worauf Oberstatthalter Dickson die Anwesenden mit herzlichen Worten begrüßte. Sodann wurde ein Vortrag des dienstlich verhinderten Kontreadmirals Schmidt-Kiel über die Feststellung der Tiefladelinie verlesen. Schiffsbauingenieur A. Jsakson- Stockholm hielt einen Vortrag über die gegenwärtige unbefriedigende Vergleichsstatistik der Handelsflotten, Welin-London einen solchen über Quadrant-Davids. An die Vorträge schloß sich eine lebhafte Diskussion. Nachmittags werden die Werften und Fabriken besichtigt, abends veranstaltet die schiffsbautechnische Gesellschaft ein Festessen in Hasfelbacken.
F. Oie Enthüllung des Kolping-Srukmals in Köln.
(Originalbericht der .Fuldaer Zeitung.')
Köln, 12. Juli 1903.
Es war ein bedeutungsvoller Tag für den Verband der katholischen Gesellenvereine, an dem das Denkmal des seligen Stifters Adolf Kolping enthüllt wurde. Auf dem Platze vor der Minoritenkirche, wo der große Mann feine letzte Ruhestätte gefunden, erhebt stch sein Monument in Erz und Stein, um der Nachwelt Zeugnis zu geben von der unauslöschlichen Dankbarkeit, welche in den Herzen von vielen Tausenden christlichen Handwerksmeistern und Gesellen gegen den schlichten Priester wohnt, der, einst selbst Handwerker, fein ganzes priesterliches Leben der Besserung des Loses seiner ehemaligen Standesgenossen gewidmet hat. Weit über Deutschlands Gaue hinaus, überall, wo die deutsche Zunge klingt, wird der Name Adolf Kolping mit Liebe und Verehrung genannt, denn seine Schöpfung strömt auch heute noch, nach mehr als einem halben Jahrhundert, reichen Segen auf das Handwerk aus. Es war eine Ehrenschuld, welche die katholischen Gesellenvereine Deutschlands, Oesterreich- Ungarns und der Schweiz gegen ihren Stifter ab- trugen, wenn sie durch die Errichtung eines Monumentes den kommenden Generationen künden wollten.
Das junge Herz regte fieudig seine Schwingen, um davon >u fliegen aus all dem Leid hin zum Grabe des Heilandes.
Da fiel ihr Blick auf die bleiche Mutter und fie fühlte, wo jetzt ihr Platz fei. Als fie derselben den Brief zum Lesen gab, war ihr Entschluß gefaßt und sie antwortete mit ruhiger Stimme, wenn auch mit blassem Antlitz, daß fie die Einladung Hildegards nicht annehmen werde.
Frau Ulmenau verstand das Opfer ihrer Tochter nicht. Im engherzigen Egoismus nahm fie es als selbstverständlich an und chatte nichts zur Erwiderung als die bitteren Worte: „O, diese beneidenswerten Menschen! Was haben sie vor uns voraus, daß ihnen nur Freude blüht!"
Und als Lisbeth sich dankbar über die Liebenswürdigkeit der Familie aussprach, fiel fie mit schroffem Tone ein: „Ueberschätze fie nur nicht! Das hochmütige Volk! Vielleicht brauchen fie eine Kammer- jungfer."
Das Unglück hatte Frau Ulrnenau's Herz nicht weicher gestimmt; in Neid und Groll haderte fie mit Gott und allen Menschen.
Lisbeth's Antwort war, weil fie durch das Ge- !jeirnnis ihres Unglücks, das fie nicht offenbaren wollte, niedergedrückt wurde, seltsam besangen und trübe. '
Von allen übrigen Freunden war fich nur der Oberforstrat ganz gleich geblieben. Er besuchte die Damen von Zeit zu Zeit und hatte ihnen das freundliche Anerbieten gemacht, vorläufig in feinem großen Hause ihren Aufenthalt zu nehmen.
Frau Ulmenau erblickte aber darin eine Art einen Almosens und konnte fich nicht überwinden, es anzunehmen. Auch fürchtete fie, irgend jemand aus ihren früheren Bekanntenkreisen zu begegnen, und dieser Gedanke war ihr schrecklich.
Hätte fie geahnt, daß die ihr auf seine Verwendung von der Regierung gewährte Gnadenunterstützung nur eine Erfindung seiner Freundschaft war und in
wie hoch sie den Mann schätzen, der die Lösung der sozialen Frage für denHandwerkerstano bahnbrechend i« die Hand genommen.
Man hatte sich nicht getäuscht, daß man eine große Beteiligung aus allen Kreisen des Verbandes bei der Enthüllungsfeier erwartete. Es war eine imposante Begrüßungs-Versammlung, welche am Samstag Abend im festlich geschmückten Prunksaale der Bürgergesellschaft stattfand. Biele feierten ein frohes Wiedersehen, die stch irgendwo in einem katholischen Gesellenverein im weiten deutschen Vaterlande kennen gelernt hatten. Freude und Jubel herrschte überall. Die Kol- pingssöhne waren herbeigeeilt aus Rheinland, Westfalen, Hessen-Nassau, Schlesien, Mecklenburg, Elsaß, Bayern, Baden, Württemberg, Oesterreich, Ungarn, Steiermark, Böhmen, Galizien, Schweiz, Tirol, Paris, Brüssel, London, Amsterdam, New-Aork usw. Waren stch auch fast alle fremd, so fühlten fie sich doch alle als Brüder, die im Baterhause verkehren. Der Kölner Lokalpräses ergriff zuerst das Wort, um die tausendköpfige Versammlung zu begrüßen; er betonte, daß der Gesellenverein heute der Welt zeigen wolle, daß er noch lebe. Herr Generalpräses Schweitzer hob in seiner oft von stürmischem Beifall unterbrochenen Rede hervor, die heutige Versammlung sei eine internationale, indem aus allen Weltgegenden die Söhne Kolpings nach dem „heiligen Köln" gekommen seien, um den Mann zu ehren, den der selige Zentrumsführer Windthorst einst den größten Sozialpolitiker des 19. Jahrhunderts genannt habe. Eine solche Ehrung fei in unserer Zeit doppelt notwendig. Bis jetzt seien schon 12,000 Kol- pingssöhne zur Enthüllungsfeier gekommen, morgen werde die Zahl auf 15,000 steigen. Nachdem der hochw. Herr Generalpräses die vielen ausländischen Deputationen und die außerordentlich zahlreich anwesenden geistlichen Präsides besonders begrüßt hatte, versprach er. weiterzubauen am Werke Kolpings im Sinne des sei. Stifters, daß er seinen Mitgliedern ein glückseliges Sterbestündlein bereiten wolle. Die Zahl der Begrüßungsansprachen war fast eckdlos, wir können dieselben unmöglich alle verzeichnen. Wir wollen nur noch die Ansprache des Londoner Präses erwähnen, die große Begeisterung hervorrief. Er erzählte, wie er gleich Vater Kolping ein Handwerksgeselle und Mitglied des Kölner Gesellenvereins gewesen und dann Priester geworden sei. Die Gesangvorträge des Kölner Gesellenvereins, sämtlich mit Orchesterbegleitung, fanden den verdienten Beifall.
Der Sonntag vormittag brachte noch eine ungeheure Anzahl Gäste in vielen Extrazügen aus den benachbarten Städten. Das Wetter ist prächtig, da ein gestern abend niedergegangenes Gewitter die Luft swohl- tuend reinigte. Es sind nun an fünfhundert Ve r- eine vertreten. Kardinal Gruscha in Wien, ein alter Freund Kolpings, der persönlich am Erscheinen verhindert ist, sandte einen Vertreter. Es herrscht überall freudige Stimmung, die auch äußerlich zum Ausdruck komnit durch reiche Beflaggung und Ausschmückung der Häuser. Die lange Breiteftraße, in der das schöne Ge- sellenhospitum liegt, ist auf beiden Seiten mit Riesen- guirlanden geziert.
Schon von 8 Uhr ab nahmen die Fahnendeputationen Aufstellung vor dem Portale der mächtigen Kölner Kathedrale, um den Hochw. Herrn Kardinal- Erzbischof Fischer, der vor einigen Tagen von seiner Romreise zurückgekehrt ist, zu empfangen. Punkt 9 Uhr fuhr Se. Eminenz vor, begrüßt von feierlichem Glockengeläute des Domes. Sofort begann das Pontifikalamt, wobei der Domchor eine Messe für gemischten Chor sang. Da der Männergesang im Rheinlande und besonders in Köln in hoher Blüte steht, braucht wohl kaum erwähnt zu werden, daß die Chöre eine wahre Glanzleistung waren.
Nun ging es zum Denkmalsplatze vor der Minoritenkirche. Sofort nach Eintreffen des Hochw. Herrn Kardinals begann die Enthüllungsfeier. Der Gesellenchor sang mit Musikbegleitung vierstimmig daS bekannte Lied „Kolpings Grab":
Ein Gotteshaus seht ihr zu Köllen am Rhein; Die wandernden Burschen, sie treten dort ein; Zu Füßen des Altars, am steinernen Grab, Da knien sie nieder mit Bündel und Stab......
Wahrheit aus seiner Tasche floß, fie würde dieselbe sicher zurückgewiesen haben.
Der Tag des Abschiedes von der Heimat, von dem lieben, trauten Forsthause, war herangenaht.
Der Winter hatte dem Walde sein dichtes, weißes Kleid angelegt, unter dem er schlafend vom künftigen Frühlinge träumte. Still und ruhig war es in der Natur, still wie ausgestorben im Forsthause.
Ein Schlitten stand vor der Türe. Auf den Arm der Tochter gestützt, schritt Frau Ulmenau langsam aus dem Hause; auf der Schwelle zögerte sie, doch nur für einen Augenblick; bald fitzt fie, warm in Decken eingehüllt, im Schlitten.
Die Pferde ziehen an, schnell gleitet er aus dem Hofe, hinaus in den Wald. Lisbeth schaut zurück; ein letzter Blick fällt auf das einsame Forsthaus, die Wiege und das Grab ihrer Jugendheiterkeit, ihres unbefangenen kindlichen Glückes; jetzt eine Biegung des Weges, die Heimat ist verschwunden.
Ein Seufzer entringt sich aus ihrer Brust, eine Träne rollt langsam hernieder. Nur unverzagt vorwärts, du junges Leben, hinaus in die Welt! Du stehst nicht allein. Dein Vater im Himmel wacht über dich; auf Ihn vertraue, Er wird dich nicht verlassen.
4. Kapitel. In der Stadt.
Schon ist eine geraume Zeit vergangen, seit fich Frau Ulmenau mit ihrer Tochter in der Stadt niedergelassen hat. Allen Bedenken zum Trotz hatte man den Ort gewählt, der das Gefängnis des Oberförsters umschloß.
Die kleine Wohnung ist durch die Sorgfalt der Tochter gemütlich und geschmackvoll eingerichttt. An den Fenstern stehen blühende Blumen; schneeweiße Gardinen und blitzende Fenster geben Zeugnis von der unermüdlich schaffenden Hand Lisbeths.
Frau Ulmenau konnte ihrer Tochter in nichts beistehen; eine große Schwäche, verbunden mit krankhaft erregter Nervosität, ist als Folge des fie getroffenen harten Schlags und der überstandene«