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M 156.

fUlda, Montag, den 13. Zuli 1903.

30. Jahrgang.

Vie Krankheit des hl. Vaters.

daß ick das Geld veruntreute.

Was würde eS helfen, meine Unschuld zu beteuern? In kurzer Zeit würde eine eingeleitete Untersuchung Klarheit in die Sache bringen und ibn unrettbar ver-

Uhr nachmittags statt. Der hohe Pattent wurde einer erneuten Untersuchung unterzogen, in welcher sich herausstellte, daß die krankhafte Flüssigkeit sich neuerdings und zwar rapid in den Lungen­höhlen ansammelte. Ueberhaupt wurde eine Ver­schlimmerung im Zustand des Papstes festgestellt. Schon nach der Beratung wurde die Notwendig­keit eines zweiten Stiches in die Brusthöhle aus­gesprochen. Derselbe wurde dann auch um 11 Uhr nachts, nach einer anderen Version mor­gens gegen 10 Uhr vorgenommen. • Die Nacht verlief ruhig und der hl. Vater hatte einen er­quickenden Schlaf. Es ist also, wie ich gestern schrieb, ein Auf- und Abwogen von Besserung. Dieses Wellenspiel zieht seine Kreise weithin.

derben, ohne mich gänzlich zu reinigen, da Niemand glauben würde, daß ich nicht Mitschuldiger sei. So ist es besier, daß einer leidet und einer wenigstens ge­rettet werde. Ach Lisbeth, wirst Du es ertragen, daß Dein Vater vor Gericht und im Gefängnis ..."

* Rom, 11. Juli 1903 6.35 vm. Das Hand- schreiben des Kaisers, von dem wir berichteten, wird in vatikanischen Kreisen in Abrede gestellt.

genommen. Es ist das gewissermaßen ein Grad­messer der weltumspannenden Bedeutung des Papsttums.

auch Peter fragte mich heute früh, ob ich nichts gehört habe. Ich will ihn sogleich näher ausforschen . .

„Bleib, sage ich Dir, bleib . ."

„Sicher waren es Diebe ..."

Jede günstige Nachricht belebt die Hoffnung, jede Kunde von Verschlimmerung er­weckt bange Befürchtungen. In diesem Wechsel der Gefühle weiß der Christ, daß er zum Ge­bete seine Zuflucht nehmen muß, zum Trost und zur Erleichterung sür sein eigenes geängstigtes Herz, zum Wohle dessen, der Gegenstand unserer Hoffnungen und Befürchtungen ist. Unter den vielen Andachtsübungen, die in Rom für die Genesung des hl. Vaters abgehalten werden, ist ein feierliches Triduum zu erwähnen, das gestern Abend in der Kirche des Namens Jesu (al Gesü) begonnen wurde. — Jedoch, wenn irgend, so ist es hier am Platze zu sagen: „Dein Wille ge­schehe." — Von der materiellen Seite ist die Krankheit des hl. Vaters von nicht geringer Be­deutung. Das römische Telegraphenbureau hat diese Tage durchschnittlich 12—15000 Lire ein-

Sitzungen.

Erzählung von A. Uhdolph.

------ (Nachdruck verboten.)

Erscheint täglich, mit M &

Ausnahme der Sonn» M A ä M W ▲

und Zeiertage. viertel» jöf>d. Bezugspreis ■ | |

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Schriftleiter:«. Wetzl« für die Inserate .

3- r>«r«-« f« Suida. Wochenbeilage: „IllUftnerte 5oNNtag5ZtttllNg

„Das darfst Du nicht. Nimmer werde ich es zu­

geben; alle Minen werde ich sprengen, Alles in Be-

•q.,,, .-nc. - r. , c , wegung setzen, um den wirklichen Verbrecher zu ent-

. r 7? ^tb, willst Du mich nicht verstehen, oder decken. Ja, gewiß! Jetzt erinnere ich mich. Ich habe verstehst Du mich wirklich nicht. Das Geld fehlt. I in der vergangenen Nacht Geräusch vernommen und

Funktionen des Staatssekretärs zu über- , nehmen gehabt und bei der Papstkrönung wäre Lewer können wir auch im Nachstehenden es Mnsgr. Volpini gewesen, welcher dem neuen nur solche Nachrichten über das Befinden des Papst das weiße Käppchen aufgesetzt hätte und h l. Vaters zusammenstellen, welche nach mensch- von diesem dafür das eigene rote Kardinals- lichem Ermessen die Hoffnung auf Genesung käppchen erhalten hätte, was so viel hieße, als ausschließen. Diese trüben Nachrichten scheinen daß er im nächsten Konsistorium zum Kardinal leider an Zuverlässigkeit nichts zu wünschen übrig kreiert worden wäre. (Sein tragischer Tod wird zu lassen, während sonst die berechtigten Klagen allseitig sehr bedauert. Gestern abend, während über die Unzuverlässigkeit der in Umlauf gesetzten Mnsgr. Volpini in der päpstlichen Anttkamera Nachrichten sich mehren. In dieser Beziehung sich mit dem Kommandanten der Nobelgarde verdient eine römische Privatmeldung der unterhielt, rührte ihn der Schlag und ohne das ,Köln. Ztg/ vom Samstag Beachtung, welche Bewußtsein wieder erlangt zu haben, verschied bautet: der ausgezeichnete Prälat, welcher sich des

„Gewisse römische Blätter, voran die beiden sonst größten Vertrauens Seiner Heiligkeit erfreute.

der rührseligsten Weise ausznschmücken. Ich habe o.em heuigen Vater von diesem traurigen Er- -----— ----------- *>— ------ I klgms Mitteilung zu machen; andererseits be­finden sich die Kardinäle in großer Ver­legenheit, denn es muß vor einer eventuellen Papstwahl dieser neue und wichtige Posten wieder besetzt werden. Das Interesse der römischen Bevölkerung für die Nachrichten aus dem Vatikan hat etwas nachgelassen. Sonntag und Montag sprach man nur von der Krank­heit des Papstes, jetzt aber, besonders infolge der Besserung, welche schon fast 24 Stunden anhält, „ist man sich einig", daß der „Santo Padre“ auch diesmal „wieder gesund würde". Heute morgen sollte eine Konsultation mit einem oder zwei anderen Aerzten stattfinden; man hat aber infolge der andauernden Besserung im Be-1

Aus aller Welt regnet es förmlich Teil­nah mebew eise für den Papst. Alle, auch die nichtchristlichen Souveräne, wie der Sultan, er­kundigen sich täglich, und die Telegramme der Privaten, die in Körben nach der Staatskanzlei geschafft werden, find einfach nicht zu zählen. Ein Beamter des Staatssekretariats erklärte, es «erde Wochen bedürfen, um in diesen Mont­blanc von Telegrammen einige Ordnung zu bringen. Auch die Kundgebungen in Italien nehmen zu. So hat der liberale Provinzialrat von Neapel einmütig und feierlich eine Sym­pathiekundgebung für Leo votiert. In Rom find bereits Tausende von Fremden, darunter viele Deutsche eingetroffen, und eine Reihe, Hotels, die, wie in der letzten Saison stets üblich, ihre Pforten bereits geschlossen hatten, wurden wieder geöffnet und Hals über Kopf zur Aufnahme des zu erwartenden starken Fremdenbesuchs in Stand gesetzt. Im Vatikan wimmelt es von vielfach sehr hervorragenden Fremden, die sich in das Register der Loggia eintragen.

Von unserem römischen Mitarbeiter liegen uns heute die folgenden zwei Berichte vor:

B. Rom, 9. Juli 1903. Der unerbittliche Tod hat im Vatikan nun doch ein Opfer ge­fordert. Nachdem gestern abend im Befinden Seiner Heiligkeit etwas Besserung eingetreten ist, welche bis zur Stunde auch glücklich anhält, ist Monsignor Volpini einem Schlaganfall er­legen. Dieser Prälat, welcher erst vor wenigen Tagen von Leo XIII. zum Sekretär der Konsistorialkongregation ernannt wurde, hätte als solcher im nächsten Konklave die

I wenn nur die fast 94 Jahre nichl wären! So-1 überall dahin, wo katholische Herzen schlagen, eben erfahre ich, daß, entgegen den bisherigen die mit inniger Liebe am Oberhaupte ihrer Kirche ärztlichen Bestimmungen, absolut niemand zum hängen. ? v heil. Vater zuzulassen, außer dem Geheimen Sekretär Mnsgr. Angeli und dem getreuen Kammerdiener Pio Centra, Se. Eminenz Kar­dinal Rampolla eine Audienz bei Seiner Heiligkeit hatte, in welcher auch über verschiedene geschäftliche Dinge verhandelt wurde. Diese Nachricht ist ganz besonders geeignet, über den Zustand Sr. Heiligkeit zu beruhigen, wovon auch anderseits die beginnende Arbeitslust das

| beste Zeugnis gibt. Es wird noch gemeldet, daß Viktor Emanuel III. seinen Besuch in Paris, welcher auf Mitte Juli festgesetzt war, verschoben hat, um vorerst die Genesung Sr. Heiligkeit ab­zuwarten. Die „Patrioten" sprengen das Gerücht um, daß dieser eventuelle Aufschub der Reise mit Rücksicht auf etwaige politische Ver­wickelungen bei der Wahl eines neuen Papstes erfolgen müsse. In Wirklichkeit scheinen jedoch persönliche, edlere Motive den König zur Ver­tagung seiner Reise zu bestimmen. Denn es wäre doch ein gar zu großes Armutszeugnis, wenn die Italiener nach fast 33 Jahren sich noch nicht sicher in ihrer „unantastbaren Hauptstadt" fühlen würden. Wozu dann alle die bombastischen Versicherungen und das famose Garantiegesetz?!!

B. Rom, 10. Juli 1903. Ueber das Be­finden des hl. Vaters hat sich dieser selbst । „ . -. %-- --------------- --H-----o .....— , seinen drei Neffen, den Grafen Lodovico,

finden des herltgen Vaters davon wieder ab- Riccardo und Camillo Pecci gegenüber gestern gesehen und dieselbe eventuell auf morgen ver- dahin geäußert, daß es ihm zwar besser gehe schoben. Man hat es übrigens schon seit Sonn- als tags zuvor, jedoch er sei nicht außer Gefahr: tag getadelt, daß angesichts des gefährlichen Zu- Ma non siamo fuori di pericolo. Bezüglich des standes Seiner Heiligkeit kein anderer Arzt zu Besuches des Kardinals Rampolla ist nachzu- Rate gezogen wurde, denn sowohl Lapponi als tragen, daß der hl. Vater denselben von selbst Mazzom sind beide hervorragende Chirurgen aufforderte, ihm über wichtigere Angelegenheiten und Kliniker wahrend die eigentliche Pathologie Bericht zu erstatten. Nach Kardinal Rampolla wur- I so sehr ihr Fach ist. Minister Bazzelli, den noch die Kardinäle Oreglia, Gotti und della sicher bekanntlich em berühmter Arzt und Volpe empfangen, die nicht genug die geistige Frische Kliniker ist, sollte sich dahin geäußert haben, daß des kranken Greises bewundern konnten. Die der hohe Patient nur an Malariafieber" zuerst beschlossene, dann wieder aufgehobene ärzt- leide, welches er sich auf seinen Spaziergängen liche Beratung wurde nun doch abgehalten, wie im vatikanischen Garten zugezogen hätte. Dem- ich bereits telegraphierte. Von den beiden Pro- nach wäre die Diagnose der beiden Aerzte des fessoren, die anfangs in Betracht gezogen waren, - ■ vollständig verfehlt, was anfangs wurde keiner gewählt, sondern der Commendatore einiges Mißtrauen gegen dieselben hervorgerufen Eugenio Roffoni, Profeffor der speziellen ärzt- «unaenentiünduna lautende TUr«0 s.roaJ nicht ™em9 erstaunt lichen Pathologi an der römischen Universität, züglich der Krankheit des hl. Vaters g über diese Gerüchte und dementierte sie so- Die Beratung der Aerzte fand etwas nach vier Lungenentzündung wäre der Papst fort mit der Bemerkung, er schätze die Tüchtigkeit'....... - - - 1 - - - - ■ - lor“-----------------

der beiden Aerzte zu hoch, welchen es gegönnt ist, Se. Heiligkeit zu behandeln, als daß er in sie auch nur das geringste Mißtrauen setze. Es sei übrigens eine Genugtuung für ihn, daß seine Studien zur Diagnose des greisen Papstes beigetragen hätten. (Die Untersuchungsmethode, welche man zur Konstatierung des Vorhanden­seins der Flüssigkeit in der Lungenhöhle an­wandte, stammt nämlich von Bazzelli.) Seine Heiligkeit verbrachte die Nacht verhältnismäßig gut, nur sind die Kräfte äußerst geschwächt. Die überaus zähe Lebeskraft des hl. Vaters, verbunden mit vollständiger geistiger Frische, könnten auch diesmal noch den Sieg davontragen.

Sie werden sagen, ich, Dein Vater, habe es veruntreut, und ich — ach Lisbeth — ich kann dem nicht wider­sprechen."

Im Kopfe der Tochter tauchte jetzt die Vermutung auf, daß ihr Vater in Folge der Krankheit irre rede. m < Vielleicht las er»diesen Gedanken in ihren besorgt „Bist Du allem?" fragte plötzlich ihr Vater. blickenden Augen.

*^ir Ab allein. Was ist's ?" „Liebes Kind, ich spreche nicht im Fieber. Es ist

. -Der Oberförster kämpfte einen heftigen Kampf schreckliche Wahrheit; es hat sich ein Defekt von m seinem Innern; er fühlte, es war bester, seine 3000 Mark ergeben. Das Geld ist gestoblen und ich Tockter auf das Unvermeidliche vorzubereiten. kann den auf mir lastenden Verdacht nicht entträfiigen.

Noch eine kurze, heftige Anstrengung, und „Lis- O, würde ich allein unglücklich, aber Du, die beth, m der Kaste fehlen 3000 Mark!" löste sich von Mutter ..." 3

Si?pen’t. » . „ r, m Lisbeth war todtenbleich geworden; eine Ohnmacht

. heraus, das schwere Wort. Er wandte wandelte sie an; Alles drehte sich mit ,hr im Kreise;

•X cf tiDn keiner Tochter; er wollte ihr Entsetzen sprachlos starrte sie ihren Vater an.

nicht sehen. Jetzt begann sie zu sprechen; er blickte „Lisbeth, bist Du stumm geworden? Geliebte aus. Zu seinem größten Erstaunen war sie vollkommen Tochter ermanne Dich, sprich . . ."

rU^t9‘ w.t.a m , . „ 7 . .. . , Die augenblickliche Erstarrung wich; ein Tränen-

« st, S bat sie, denke ;etzt nicht ström schoß aus ihren Augen; leidenschaftlich beugte

an die Kaste. Es wird kein Gerd fehlen. Wo sollte sie sich über ihren Vater und küßle dessen Stirn es denn hmgekommen fein ? Wir haben ja keinen auf welcher die Angst und Qual kalten Schweiß Dieb im Hause, und außerdem ist die Kasse gut hervorgebracht hatten.

verwahrt. „Vater," rief sie aus, „Niemand darf es wagen,

Lisbeth ahnte nicht, b_ ß ihre Worte ihren Vater Dich zu beschuldigen. Deine Unschuld wird und muß mehr ergriffen, al. wenn sie in Klagen ausgebrochen an den Tag kommen. Fürchte nichts! Kronen ist Dein toare'@ • er..,, • ~ „ ... , . . ,. Freund; er wird Alles aufbieten, um den Schuldigen

„Kem Dieb tm Hause, tonte e» tn feinem zu ermitteln. Er kennt Deine Treue, Deine Recht- Jnnern. -seine eigene Tochter sprach unbefangen und schaffenheit. Erhaben stehst Du da über jeden Verdacht." leb.er benken und sagen würde. „Kind, tausche Dich nicht! Es zerreißt mir das 8IIer Serbadjt siel au, ibn allem. Er war verant- Herz, daß ich Dir auch nicht den Schatten einer toortlid;; er der Dieb. Hoffnung lassen kann. Kronen — Du hast recht —

... $n f^sler seele karnpstt und rang es. Er konnte würde Alles für mich tun; aber hier hört seine reiten^^schneller^je besser^ °on '$ren ®ugen | Macht^ auf; denn ich werde mich selbst dazu bekennen, |

„Nein, Lisbeth, das Geld wird sich nicht finden.

Ich — ich weiß, wer es nahm."

„Du? Nun, dann ist ja alles gut."

* Rom, 11. Juli 1903 9.50 Dornt. Die Aertez besuchten den Papst heute früh um */<9 Uhr. Mazzoni fragte den Papst, der das Bett nicht verlassen hatte, wie er sich befinde. Der Papst antwortete: Ziemlich gut, aber ich bin müde, obgleich ich die Nacht ziemlich gut verbracht habe. Da die Aerzte den Kranken nicht anstrengen wollten, nahmen sie keine gründliche Unter­suchung vor und entfernten sich bald. Mazzoni verließ den Vatikan um 9 Uhr 20 Mm. Die Aerzte sanden den Papst geistig angeregt, trotz der körperlichen Schwäche. Der Papst wird heute im Bette bleiben, da die Atmung sich gebessert hat. Man hält es für unnütz, ihn der Ermüdung des Aufstehens auszusetzen, wie es in den letzten Tagen geschah, um die Atmung zu erleichtern. Die Aerzte empfehlen unbedingte Ruhe. Der Papst nimmt wie bisher Fleischbrühe zu sich. Um 7*/i Uhr abends werden die Aerzte den Papst wieder besuchen. Sie erklären, daß der gegenwärtige Stand der Krankheit den Ernst der ® efahr nicht' vermindere. — Der eben ausgegebene Krankheitsberich t lautet: der Papst schlief nachts in Zwischenräumen. Puls 90. Seit gestern abend ist der Zustand unverändert, was die Kräfte anbelangt. Atmung 30; Temperatur 36; Harnabsonderung stets wenig. Das Allgemeinbefinden ist ziemlich gehoben.

* Rom, 11. Juli 1903 12.40 nachm. In vatikani­schen Kreisen bricht sich immer mehr die Gewißheit Bahn, daß Lapponi sich bei seiner ersten für Lungenentzündung lautenden Diagnosebe- " ‘""Z1—” geirrt hat. Einer Lungenentzündung wäre der Papst bei seinem hohen Alter wahrscheinlich am ersten Tage der Krankheit er­legen. Indessen hat es sich in Wirklichkeit um eine Brustfellentzündung gehandelt, bei welcher später auch die Lunge in Mitleidenschaft gezogen wurde. Bon gestern ab ziehen die Kardinäle persönlich Erkundi­gungen nach dem jeweiligen Stande der Krankheit deS Papstes ein; man sieht allgemein mit mehr Ruhe allen Eventualitäten entgegen.

* Rom, 11. Juli 1903 7'/- Uhr abends. Der Krankheitsbericht vom 11. Juli 7 Uhr abends besagt: Der Tag verging ziemlich ruhig, das erleichterte Allge­meinbefinden erhält sich. Eine ärztliche Untersuchung der Brust konnte wiederholt stattfinden. Das Niveau der kleinen Menge Flüssigkeit, die nach dem gestern ausgeführten Brusthöhlenstich geblieben war, ist stationär. In der oberen Gegend an diesem Niveau hört man leichte Brustfellreibungen mit nicht reichlichem feuchten Rasseln. Der Puls ist weniger klein und weniger schwach. Der Pulsschlag ist 86, die Atmung 28, die

„Schweig, Kind! Hast Du nicht gehört, daß ich sagte, ich weiß, wer da« Geld nahm?"

„Du kennst den Dieb und willst schuldlos Alles auf Dich nehmen und denkst, ich werde das zulassen ?"

„Lisbeth, ich hätte es gern auch vor Dir ver-1 „Vater!" Es war ein Schrei des Entsetzens, den borgen; es geht nicht; die Verhältnisse zwingen mich; Lisbeth ausstieß.

ich bin krank und machtlos, Du mußt mir beistehen. „Deine Verzweiflung bricht mir d. s Herz und ich Ich vertraue Dir trotz Deiner Jugend. Sage, kannst kann es nicht ändern, muß es kommen sehen, daß Du Du ein Geheimnis bergen, ein feierlich gegebenes den Makel eines gebrandmarkten Namens an Dir Versprechen halten? Gib mir die Hand darauf, daß tragen wirst"

Du Niemanden sagst, was Du von mir erfahren sollst." Die letzten Worte fielen schwer von den Lippen Schweigend willfahrte Lisbeth ihrem Vater. des Oberförsters; namenloses Weh sprach sich in ihnen „So neige Dich näher zu mir, herab und höre." aus.

Und jetzt begann der Kranke in leisem Ton seiner „Vater, Du mußt fliehen, fort, fort . .

Tochter den nächtlichen Besuch ihres Bruders zu „Kann ich? Bin ich nicht an allen Gliedern ge-

erzählen mit allem, was sich dabei zugetragen hatte, lahmt, und glaubst Du, daß man mich nicht überwacht?

Gespannt lauschte sie seinen Worten. Und könnte ich auch, was würde es Dir Helsen?

„Und sollte dies so strafbar sein? Ist es im Dein Name ist entehrt; Du bleibst die Tochter eines.." Grunde nicht dasselbe, ob Pfandbriefe oder bares „Schweig, Vater, schweig! Sprich nicht so!" flehte Geld in der Kasse ist, wenn nur der Wert der Lisbeth, indem sie den Kranken mit Küssen bedeckte, gleiche ist?" „Denke nicht an mich! O könnte ich Dir helfen!"

„Das würde wich auch nicht verderben; es würde „Du zürnst mir nicht?"

mir höchstens eine Rüge zuziehen, besonders, da Kronen „Dir, dem Unschuldigen, Unglücklichen?"

mein Freund ist. Doch höre weiter! Es fehlen noch „Dank, tausend Dank für diese Worte! O, ich

andere 3000 Mark und diese . . ." Der Oberförster bin nicht schuldlos; ich war zu schwach. Die fremde hatte die letzten Worte so leise geflüstert, daß sie kaum Schuld, sie liegt auf mir wie Zentnerschwere. Doch von Lisbeth's scharfem Ohr vernommen werden konnten. Hubert," fuhr der Oberförster ängstlich auf, „muß

„Unmöglich!" fuhr sie auf. augenblicklich fort aus unserer Gegend."

„Bleibe ruhig, Kind! Hier hilft kein Aufbrausen; „Er wird nicht'zu bewegen sein, Dich zu ver- wir müssen alles mit kaltem Blute überlegen." lassen. Er wird diese Opfer nicht annehmen. Du

Er zog seine Tochter, die aufgesprungen war, auf denkst zu niedrig von Deinem Sohne."

den Sitz zurück. Es folgte jetzt eine lange Unterredung. „Ich muß ihn zwingen. Schreibe ihm . . ."

Es war gleichsam ein Kämpfen und Ringen. Lisbeth „Er ist selbst da."

wollte sich nicht überzeugen lassen. Zuletzt sentte fie „Hubert hier?"

schweigend, verzweifelnd das Haupt. „Natürlich; er tarn sofort auf die Kunde von

„Du siehst, geliebtes Kind, es gibt keinen Ausweg. I Deiner Erkrankung."

Kenntnis von einem Gespräch mit dem Vertreter des Kardinal-Staatssekretärs Rampolla, Msgr. Della Shiesa, der diese Ausschmückungen als unwahr mit aller Entschiedenheit zurückwies. Er ertlärte, der Papst sei physisch viel zu schwach, um lange Ge­spräche führen zu können. Er spreche den ganzen Tag über nur wenige Worte und sei kaum imstande, die Arme zu heben, nur das Auge zeige die alte Lebendig­keit. Es sei unwürdig, den ernsten Augenblick zu solchem marktschreierischen Tun zu mißbrauchen, das nur dazu ersonnen sei, den trügerischen Schein guter Information u erwecken. Leider findet dieses Treiben die Unter« tützung der offiziösen,Agenzia Stefanfi, die, an- tatt sich auf die Uebermittelung von Tatsachen zu be- chränken, krittklos Erfindungen übernimmt, neuerdings bgar ohne Quellenangabe, so daß die Sichtung des Wahren vom Falschen in den Redaktionen kaum noch möglich ist.

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