MaerM Zeitung
wackenbMaae: ..Illustrierte Zonntaazzettung" Monatrbeilagr: „Zuldaer GeschichtsblStter'^.
30. Jahrgang
fUlda, Samstag, den 11. Juli 1903,
Xs 155
> Zweites glatt
Radikalen waren über den plötzlichen Sesfionsschlttß verstimmt. Auch in den Reihen der Offiziere soll einige Verstimmung herrschen; vielleicht weil die er« wartete umfangreiche Belohnung für die Beteiligung an der Revolution ausblieb.
Zwischen den Bereinigten Staate« und Rußland ist die wegen der Juden in Kitschenew entstandene Spannung noch nicht beseitigt, scheint sich vielmehr zu vergrößern.
Lrscheint täglich, ett Annahme der Sen» und zeiertage. viertel« jährl.v«rug»prel» ohne vringerlohn n»d vefteLgeld in Zulda «nd «»r»Srt«lMk.50pf-.
noten und Gold.
Jede der vielen Kassen der Bank hat einen Kassierer als Vorsteher; die Abteilungen stehen untereinander in beständigem Verkehr. Jeder Kassierer hat als Assistenten zum Mindesten einen Geldzähler. Dieser übernimmt alle größeren Posten Geld zur Revision, da die Reichsbank alle ihr offen oder verschloffen übergebenen Rollen oder Beutel nachzählt.
Der Geldzähler wird, um einen kaufmännischen Ausdruck zu gebrauchen, von dem Kassierer für den empfangenen Geldposten belastet: nachdem er denselben durchgezählt hat, gibt er die revi- dirten Pakete, nach Vorschriften der Bank gepackt, der Kassensteile zurück, um von dieser hierfür die entsprechende Gutschrift zu empfangen. Stellen sich Fehlbeträge heraus, so ist der Geldzähler, wie schon oben erwähnt, hierfür verantwortlich. Um ihn vor jeder Störung durch dritte Personen zu schützen, ist die Einrichtung getroffen, daß Unbefugten, auch Beamten, der Zutritt an den Tisch des Zählers streng verboten ist. Nur solche Herren, welche als Assistenten des betreffenden Kassierers tätig sind, haben die Erlaubnis, in den Zählerraum einzutreten.
Auch das Geldzählen ist eine Arbeit, welche gelernt sein will, namentlich wenn sie mit erheblicher Geschwindigkeit und peinlicher Sorgfalt ausgeführt werden foll. Ich beobachtete in der Wechselkasse der Reichsbapk einen Geldzähler, welcher einen Beutel mit 1500 Mark von einem Berliner großen Verkehrsinstitut in Empfang genommen hatte und sich anschickte, denselben durchzuzählen. Er streckte die linke Hand aus und ließ mit der Rechten den Segen des Silberbergbaues in sie hineinfallen. Es klang geradezu melodisch; wenn zehn Stück in der Hand ruhten stapelte ' der Zähler sie auf dem Tische auf. Plötzlich hielt er inne und ließ einen Taler nochmals nachklingen. „Der ist falsch," meinte er, und warf das Geldstück aus den Tisch. Der Ueberbringer des Geldbeutels machte eine schüchterne Einwendung. „Schicken Sie ihn rn d:e Münze oder soll ich ihn selbst kuriren?" Auf eine bejahende Aeußerung brachte er mit drei Schnitten den Taler — aus dem Leim. Derselbe war dreiteilig aus minderwertigem Metall durch
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heranbringt.
Der Geldzähler im Komptoir für Wertpapiere hat nichts mit diesem plebejischen Kupfer- und Nickelgelb zu schaffen; seine Tätigkeit ist erue wesentlich andere. Alle eingehenden Effekten, mögen sie nun per Post, durch Börsenankauf ober persönliche Ueberbringung eingeliefert werden, werden zunächst vom Kassierer in Empfang genommen, welcher sie in die Hände des Geldzählers gibt. Er revidiert die Stücke, vergleicht sie mit dem Einlieferungsverzeichnisse und bereitet fie zur Uebergabe an die Tresorverwaltung vor. Diese ist die Aufbewahrerin aller Effekten; sie beschäftigt 6 Kassierer und einige 40 Geldzähler. Die strengsten Bestimmungen für die Handhabung der Geschäfte im eigentlichen Tresorraum sind in Kraft. Geöffnet und verschlossen wird der Tresor nur von den Kassierern. Die Geldzähler dürfen ihn nur zu Zweien oder in Begleitung eines Kaffierers betreten, um Arbeiten in den Schränken vorzunehmen. In diesen, zu denen wiederum die Kaffierer allein die Schlüffe! führen, sind die Depots nach Buch« staben und Nummern geordnet. Die Depots werden zum Abtrennen der nächstfälligen Kupons, nach Abteilungen geordnet, herausgenommen; nachdem die Kupons seitens des Geldzählers abgetrennt sind, hält der Kassierer eine nochmalige eingehende Revision der Stücke und legt dieselben in den Schrank zurück.
Zufammenkitten in klingende Münze verwandelt worden.
Dasselbe Feingefühl bekundete ein Geldzähler, welcher aus einem großen Haufen Banknoten einen falschen Schein mit sicherem Griff herauszog. Er nahm ihn unter die Lupe und gab fein Verdikt auf: „Gefälscht!" ab. In der Reichsdmckerei wurde später das Urteil bestätigt. Für Goldstücke ist zur besseren Kontrolle ihres Gehaltes eine sinnreiche Wage, welche durch Wasserkraft betrieben wird, in beständigem Gange. Dieselbe scheidet mit automatischer Sicherheit die minderwertigen oder falschen Stücke aus.
Trotz der großen Sicherheit, mit welcher die Geldzähler ihr Amt versehen, übernimmt die Reichsbank keine Gewähr für die verschlossenen Rollen und Beutel. Auf jedem Stück findet sich auf dem Etikett der Vermerk: „Ohne Gewähr. Daher beim Empfang nachzuzählen!" Das Publikum und die Handelswelt nimmt jedoch in der Regel ohne Zählung des Inhalts das Geld an; Irrtümer nach dieser Richtung, durch Beamte begangen, kommen fast niemals vor. Um Versehen möglichst zu vermeiden wird jede Geldsorte mit einem andersfarbigen Etikett versehen. Das Kupfergeld wird braun, das Nickel blau, das Silber weiß und das Gold rot etikettiert. Silber und Gold werden in Beutel besserer Qualität ohne Naht verpackt.
Eine gute Kontrolle für größere Posten Geldes ist die Waage, welche jedes einigermaßen erhebliche Manko registriert. Bei den Pfennigen und Nickeln, deren Durchzählen nicht zu den amüsanten Amtshandlungen gehört, wird bte Waage allemal angewendet. Der zum Durchzählen bestimmte Beutel wird ausgeschüttet und auf einen Tisch geworfen, der eine nach oben gerichtete Kante hat. ...
In der Tischplatte befindet sich ein Einschnitt, an welchen ein Schlauch gelegt wird, der in einen Beutel mündet. Der Zähler streift immer fünf Geldstücke ab und läßt dieselben in den Einschnitt fallen. Sobald er hundert abgezählt hat, macht er zu seiner Notiz einen Kreidestrich. Ist der Beutel durchgezählt, und etikettiert, so wandert er zur Kontrollstation, der Waage. Besonders leistungsfähige Lieferanten für Pfennige und Nickel an der Reichsbank sind die ersten Verkehrsinstitute, als Pferdebahn, Omnibusse Betriebskasfen der Eisenbahn usw. Aber auch das königliche Steueramt ist nicht zu vergessen, welches oft fuhrenweise die Nickel und Pfennige
Der Geldzähler.
(Ein Momentbild aus der Reichsbank.)
ES gibt Leute auf der Erdenwelt, die sich kein herrlicheres Los wünschen, als täglich ihr Geld zu zählen und die Kupons von ihren Pfandbriefen abzuschneiden.
„Der Krempel imponiert mir gar nicht!" sagt der würdige Herr, welcher in seiner amtlichen Charge sich Geldzähler der Reichsbank nennt. Er riß mittelst eines Winkelhakens mit schnellen Griffen von einer Anzahl Pfandbriefen, Aktien, Staatsschuldverschreibungen und ähnlichen angenehmen Urkunden die fälligen Kupons herunter, welche der kleine Rentner mit liebevoller Vorsicht abzuschneiden pflegt. Hier aber wurde die Arbeit mit einem gewissen sorglosen Plan vorgenommen, in welchem zum Ausdruck gelangte, daß der Geldzähler sich von der Macht des Reichtums nicht blenden läßt. „Der Krempel imponiert mir gar nicht," wiederholte der Beamte, während die Kupons auf dem Tische rasselten wie die dürren Blätter, welche vom Baume fallen. „Anfangs staunt man selbst wohl über die Menge der Werte, welche einem durch die Finger gehen, später aber macht man sich nichts mehr daraus. Das Geld hat für uns, die wir Tag für Tag
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Zernsprecher Ur. 9.
Postillone als Ziegesvertünder.
Während in unseren Tagen die Kunde von weltgeschichtlichen Ereignissen vermöge des Telegraphen mit Blitzesschnelle nach allen Wohnstätten menschlicher Kultur fliegt und durch die Presse sofort allerwärts verbreitet wird, war man ftüher zur Ueberbringung wichtiger Nachrichten ausschließlich auf reitende Boten angewiesen. Zu den Zeiten Friedrich des Großen erschien als Ueberbringer einer Siegesdepesche ein königlicher Flügeladjutant, ober ein Feldjäger, ober jemanb ber durch die Sendung ausgezeichnet werben sollte. Bei ben Siegesver- tünbungen war bie Post 'zumeist beteiligt; benn jeber solcher Kuriere pflegte von blafenben Postillons begleitet zu sein, bte oft in einer Anzahl von 20 bis 50 erschienen.
So ritten bem königlichen Flügeladjutanten, welcher die Kunde des Sieges von Soor (30. September 1745) nach Berlin brachte, 20 Post- hornschmetterer vorauf. Der königliche Kurier, welcher die Nachricht des Sieges von Kesselsdorf trutL konnte Berlin in dunkler Abendstunde — B Uhr — erreichen. Dies veranlaßte ihn, zunächst in bie Stabt zu schicken, um 4o Postillonen nebst ber gleichen Anzahl Fackeln von weißem Wachs herbeizuholen. Das Hofpostamt sanbte bereitwilligst alles, unb nun setzte sich bie glänzenbe Sieg verkündende Kalvalkade in Bewegung, bie Postillone mit brennenden Wachsfackeln vorauf. Die Nachricht von dem glänzenden Siege bei Leuten erfuhr Berlin durch einen mit 30 blasenden Postillons eintreffenden Feldjäger. Als am nachmittag des 31. Oktober 1762 die Nachricht von der durch Prinz Heinrich, dem Bruder des alten Fritz, am 28. desselben Monats gewonnenen Schlacht bei Freiberg nach Berlin kam, schrieb Marquis b' Argens, Kammerherr unb Vertrauter beS Königs, demselben, wie angenehm überraschenb ber Klang ber Posthörner ihm gewesen sei. Bei ber feierlichen Verkündung des Teschener Friedens (13. Mai 1779) in Berlin ritten zwanzig Postillons an ber Spitze von vier Hospostsekretären im Galaanzuge bem festlich gefleibeten Herolbe vorauf durch die Straßen Berlins.
Die blasenden Postillons als Begleiter eines Siegesboten sind noch im verflossenen Jahrhundert gebräuchlich gewesen. Leutnant von Wrangel hielt 1807 in Königsberg seinen Einzug mit 20 berittenen Postillons, um König Friedrich Wilhelm III. ben Sieg bei Pultusk (26. Dezember 1806) zu melben. Darüber, wie bie Siegeskuriere bie große Anzahl von Postillons jebesmal zusammenbrachten, ist uns nichts Sicheres überliefert; wahrscheinlich geschah bies in ber Weise, daß die Kuriere auf allen Poststationen, welche sie des Pferdewechfels wegen berühren mußten, einige Postillons Mitnahmen, bis ein dem Zweck entsprechendes Korps beisammen war. Noch wahrscheinlicher ist es, daß man im Notfälle des Blafens und des Reitens kundige Leute in Postillonsuniform steckte, um auf diese Weise dec Tradition gerecht zu werden.
* Neuer Komet. Im Sternbilde des Wasser mannrs, nahe der Grenze des Steinbockes, entdeckte Borrelly zu' Marseille in der Nacht vom 21. zum 22. Juni einen Kometen mit ausgeprägtem Kern und Schweif. Die tägliche Bewegung betrug 7 Bogen- mmuten westlich und 44 Minuten nördlich. Auf Grund der bezüglichen, durch die Kieler Zentralstelle vermittelten Nachricht ist der Himmelskörper bereits in der folgenden Nacht auf zahlreichen Sternwarten beobachtet werden; die Beobachtungen der ersten drei Nächte in Marseille und Straßburg setzten den Pariser Astronomen Fayet in den Stand, eine vorläufige wahre und s chembai e Bahn zu berechnen. Hiernach wird'der Komet auch weiterhin sehr rasch nach Norden gehen und vermutlich eine so große Helligkeit erlangen, daß, besonder» nach Ablauf der Bollmondnächte, die Sichtbarkeit
wochen-Rundschau.
(Nachdruck verboten.)
□ Fulda, 11. Juli 1903.
Die katholische Christenheit ist von einem schweren Verluste bedroht. PapstLeo XIII. ist am Freitag voriger Woche an einer Lungenentzündung lebensgefährlich erkrankt. Wenn seine zähe Natur auch bte Welt schon wiederholt in Erstaunen gesetzt hat, so dürfen wir bei seinem hohen Alter doch kaum hoffen, daß er von seinem jetzigen Krankenlager noch aufstehen werde. Es ist schon fast wunderbar, wie ein gebrechlicher Körper auch nur einige Tage der Auflösung Widerstand leisten und sein Geist, seine Frische und Willenskraft bewahren konnte. Wohltuend be- rührt die Teilnahme, die auch in mchtkathouschen Kreisen dem erkrankten Oberhaupte der katholischen Kirche entgegengebracht wird, jptan ersieht daraus wieder, wieviel Achtung und Verehrung SeoXIIL fich während seines 25 jährigen Pontifikats persönlich erworben hat und wie unter ihm das Ansehen des Papsttums überhaupt gestiegen ist. Emer der ersten, der ihm seine lebhafte Teilnahme bekundete, war der Deutsche Kaiser, der ihn noch vor kurzem im Vatikan besucht hatte. Leo XIII. erwiderte die freundschaftlichen Gefühle des Kaisers für ihn auf das herzlichste. Noch kurz vor seiner Erkrankung hatte er zu dem Kardinal-Erzbischöfe von Köln von seiner aufrichtigen Verehrung und seinen freundschaftlichen Gefühlen für den Kaiser gesprochen. Verlieren die Katholiken Leo XIII., den wir länger gehabt haben, als wir hoffen durften, so wird ihren Schmerz die Ueberzeugung lindern, daß Gott chnen einen würdigen Nachfolger geben wird.
Mit dem Ausfall der Reichstagswahlen scheint die Regierung ziemlich zufrieden zu sein; wenigstens beurteilt die ,Nordd. Allg. Ztg. die Mehrheitsverhältnisse des neuen Reichstags günsftg. Für alle nationalen Fragen sei eine sichere Mehrheit gegeben. Für die nächste große Aufgabe, die Handelsverträge, könne fie die Lage sogar als gebessert betrachten. Die Erfolge der Sozialdemokraten gewännen ein anderes Gesicht, wenn man bedenke, daß sie erreicht worden seien, indem die Sozialdemokratie die revolutionäre Fahne in der Tasche behalten habe. Die Regierung will also vom Scharfmachertum nichts wissen; und fie tut gut daran, denn wohin die Scharfmacherei führt, das hat ja Sachsen bei den Wahlen gezeigt. Der Liberalismus, der bei den Wahlen gezeigt hat, auf wie schwachen Füßen er steht, lebt noch immer in dem Traum fort, als könnten die liberalen Elemente zu einer großen Partei konsolidiert werden. Jetzt wird der Vorschlag eines Vertrauensmännerausschufles gemacht, welcher liberal und interfraktionell sein soll. Auch dieser Versuch wird daran scheitern, daß dem Liberalismus eben die lebendige Kraft abgeht. — Die Liebenswürdigkeiten des deutschen Kaisers gegen das amerikanische Geschwader in Kiel haben bei den Deutschenhassern in England Eifersucht und Aerger erregt. Infolgedessen hat man es dort so dargestellt, als ob der Kaiser gewissermaßen auf dem amerikanischen Schiff Ausspionierung betrieben habe. In Amerika findet diese Verdächtigung natürlich Widerhall. Es scheint, daß den Amerikanern Liebenswürdigkeiten weniger imponieren, als Macht und entschiedenes Auftreten; indessen scheint der neue Botschafter Speck v. Sternburg nicht der Mann zu sein, ben Amerikanern Respekt vor Deutschlanb einzuflößen.
In Frankreich hat der Senat nach mehrtägigen Verhandlungen bas Genehmigungsgesuch der Salesianer mit 158 gegen 100 Stimmen dem Verlangen ber Regierung entsprechend abgelehnt. Die Kammern würben am Montag geschlossen. Au dcm- selben Tage trat Präsident Loubet die Reise nach England zum Besuche des Königs Eduard an. Es trifft fich für ihn ungünstig, daß jetzt die Augen der Welt auf Rom gerichtet sinv, seine Reise also nicht den äußern Effekt macht, auf den die Franzosen soviel Gewicht legen.
Auf dem Balkan ziehen sich neue Wolken zusammen. Bulgarien, das der Pforte durch Begünstigung des B.'nbenwesens in Mazedonien zu Beschwerden Anlaß gegeben hat, raffelt der Türkei gegenüber mächtig mit dem Säbel, weil diese an ben Grenzen türkische Truppen konzentriert habe. Die Pforte erklärt indessen, daß sie nichts Böses gegen Bulgarien vorhabe und daß sie keine Truppen an t er bulgarischen Grenze zusammenziehe, sondern nur militärische Maßnahmen zur Unterdrückung des von Bulgarien begünstigten Bandenwesens treffe. Bulgarien wird von den Offiziösen der verschiedenen Mächte eindringlich vor jeglicher Friedensstörung gewarnt
In Serbien scheint schon in den Flitterwochen des neuen Königtums einige Verstimmung zu herrschen. Die Session der Skvpschlma, von der die Regierung gern noch Vollmachten zur Regelung der üblen Finanzlage gehabt hätte, wurde unversehens geschlossen, weil die Radikalen die Regierung mit der Frage überrascht hatten, warum sie nach ihrer Einsetzung sich der Skupschtina nicht vorgestellt und ihr Programm nicht dargelegt habe, unb weil die Mehrheit beschlossen hatte, diese Anfrage vor den Nach- tragskredilen aus die Tagesordnung zu stellen, lieber dies Vorgehen war König Peter wftimmt und die
mit ben höchsten Beträgen arbeiten, überhaupt nicht einen Wert als solches. Es ist uns Material wie jebes anbere, das gewissenhaft behandelt wirb; aber ein besonderes Interesse bringen wir ihm nicht entgegen. Es würbe eher jutreffenb sein, wenn ich sagen wollte, baß wir eine gewisse Verachtung dagegen hegen!" „Wenn aber bie Kasse nicht stimmt?" „So bezahlen wir bas Manko auf Heller unb Pfennig; benn wir müssen alle Fehlbeträge ersetzen. Eine Ent- schäbigung hierfür steht uns nicht zu. Aber sprechen wir nicht von biesen unangenehmen Dingen. Es gibt Kollegen, welche so oft an ben Mankos zu zahlen haben, bie ratenweise getilgt werben müssen.
Die Gelbzähler bei der Reichsbank sind aus dem Stande ber civilversorgungsberechtigten Militäranwärter hervorgegangen. Die Bewerber, welche sehr zahlreich sinb, müssen brillante Führungs- Atteste haben, schriftgewandt sein und gut rechnen können. Nach einer längeren Probezeit erhalten sie Charge als „Kassendiener". Nach langjähriger Dienstzeit aber werden bei der Reichsbank bie besonders tüchtigen Kasfendiener zu „Geldzähler" befördert. Sie rangieren in diesem Amte hinter den Registratur- und Kanzlei-Sekretären als Subaltern-Beamte. Bereits als Kassendiener müssen sie eine Kaution stellen, welche zur Höhe der ihnen anvertrauten Beträge jedoch in gar keinem Verhältnisse steht. Denn durch die Hände dieser Beamten geht oft der vieltausend- fache Wert der hinterlegten Kaution.
Das Gehalt der Kasfendiener beginnt mit 1350 Mark unb steigt bis zu 1650 Mark; das Höchstgehalt der Geldzähler beträgt 2550 Mark. Bei beiden Beamten - Klassen treten noch Woh- nungsgeld-Zuschuß und Gratisikationen zu Neujahr hinzu. Die Gelbzähler können ebenso rote alle anderen Beamten versetzt werden. Ihre direkten Vorgesetzten sind die Kassierer, als deren Assistenten sie fungieren. Kassierer und Geldzähler besorgen ausschließlich die technischen Geschäfte der Bank, indem nur sie allein mit Geld und Geldeswert in unmittelbare Berührung kommen.
Die Geschäfte der Geldzähler bei der Reichsbank sind sehr mannigfaltig. Sie sind in die vielen Kaffen der Reichsbank verteilt, jene Kanäle, durch welche bas Geld in bie Bank strömt, um sich bald wieder aus ben gefüllten Tresors in die Oeffentlichkeit zu ergießen. Der Geldzähler arbeitet über der Erde tn den prächtigen Räumen und stahlgepanzerten Zählkammern der Bank ober in bem großartigen, gegen Feuer und Einbruch gesicherten Kellergeroölbe unter dem mächtigen Geviert, auf welchem sich der Bankpalast erhebt. Die Geldzähler zählen bar Geld, Bank-