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M-aer M Zeitung

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fUlda, Freitag, den 10. Juli 1903.

30. Jahrgang

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Berlin, den 9. Juli 1903.

* Die Nachricht, der Kaiser werde im Falle des Ablebens des Papstes seine Nordlands­reise verschieben und an den Bestattungs­feierlichkeiten in Rom teilnehmen, ist dem ,Berl. Lok.-Anz,' zufolge absolut falsch. Der Kaiser und die Kaiserin werden des außergewöhnlich guten Wetters wegen noch einige Tage in den

Wir haben das Urteil des Kriegsgerichts, das den Fähnrich Hüssener wegen Erstechung des Soldaten Hartmann in Essen mit vier Jahren Gefängnis bestrafte, zwar wilde gesunden, aber nicht in den Tadel derjenigen gestimmt, die ': glaubten in Be-

empfing der Papst seinen Neffen, sowie verschiedene Kardinale, darnnter Oreglia. Professor Rossoni, der bekanntlich als dritter Arzt hinzugezogen .— „„ , wurde, soll erklärt haben, daß der Zustand rapid

Nhr und verweilte dort ungefähr eine Stunde, abwärts gehe. Die Operation wird erneuert.

B. Rom, 10. Juli 9 Nhr 5 Mi», vorm. (Von nu­ferem römischen Mitarbeiter.) Das Befinden des

(*) Das zweite Urteil gegen den Hähnrich hüssener.

Lrschelnt täglich, mit Anrnahme der $onn= und Feiertage. Viertel­jahr!. Bezugspreis ohne vrtngerlohn und Bestellgeldi« Fulda und auswärts t Ml. 50 pfg.

Verantwortlicher 5chriftleiter:L. Wetzl« 3.PrellerInMda. Wochenbeilage:„IllustrierteTonntagszeitung

aber, wenn er nächstens Offizier wird, als voll­berechtigten und tadellosen Kameraden anerkennen.

Man möchte hoffe»,, daß es mit der Karriere Hüffeners aus sei und er zum Offizier nicht werde befähigt gefunden werden. Das wäre am Ende noch eine gewrsse Genugtuung für die öffentliche Meinung. Das Oberkriegsgericht aber ist offenbar anderer Ansicht gewesen. Es hat ausdrücklich deshalb von einer Gefängnisstrafe abgesehen, weil damit Degradation verbunden ist. Also Hüffener soll Fähnrich bleiben und oemnächst Offizier werden. Das ist nun doch ein ziemlich starker Schlag ins Gesicht der öffentlichen Meinung und kann nur bedenkliche Folgen nach sich ziehen. Hüssener hat sich immer darauf berufen, in der Instruktion sei zur Warnung für die Offiziersaspiranten erzählt worden, wie ein Leutnant, der in einem ähn­lichem Falle nicht gehandelr habe, wie er, seinen Abschied habe nehmen müssen. Die Sache scheint ja ein wenig anders gewesen zu sein, aber sie hat das Urteil Hüffeners verwirrt. Wird nun nicht auch die milde Auffaffung des Oberkriegs­gerichts von seiner Handlungsweise das Urteil mancher jungen Leute von ähnlicher Charakter­anlage verwirren? Mit seinen zwei Jahren ehrenvoller Haft für eine schneidige „Waffentat" wird er manchen, durch künstliche Züchtung eines falschen Ehrbegriffs ohnehin schon stark lädierten Hohlköpfen als ein Held erscheinen, dessen Bei­spiel Nachahmung verdiene. Die Folgen, die daraus entstehen können, liegen gewiffermaßen dann doch im „System", wenn man Urteile fällt wie das des Oberkriegsgerichts.

In der Preffe wird die Hoffnung ausge­sprochen, der Vertreter der Anklage, hinter deffen Antrag das Gericht so ungeheuer weit zurück­blieb, werde an's Reichsmilitärgericht gehen und dies werde das Urteil aufheben. Da es dies nur wegen eines Formfehlers kann, ist wenig Aussicht auf Verwirklichung dieser Hoffnung. Wohl aber steht zu erwarten, daß nach wenig Monaten die Begnadigung Hüffners erfolgt. Das wäre dann allerdings für die Sozialdemo­kraten Waffer auf die Mühle und würde ihren Angriffen aus das Heer und die Flotte und da­bei diesem herrschende „System" doppelten Er­folg sichern, aber nach den bisherigen Erfah­rungen haben wir keinen Grund zu der An­nahme, daß sich kein Minister finden werde, der die Begnadigung mit Erfolg befürwortete.

monatsbeiiagc „Fuldaer Geschichtsblätter"

Die Kraiitljcit des hl. Vaters.

Der Zu stand des hl. Vaters ist andauernd ernst. Die letzte Nacht verlies zwar nach über­einstimmenden Nachrichten ruhig, aber der Krankenbericht am gestrigen Nachmittage mußte bereits einen weiteren Verfall der Kräfte fest­stellen, da sich die Flüffigkeit im Brustfell schnell vermehrt hat.

Die ,Köln. Ztg.' meint, wenn auch mitunter eine tteine Besserung erkennbar sei, so könne das doch nur eine Verlängerung des Todeskampfes bedeuten. Von einer Verlängerung des Todes­kampfes kann aber gar keine Rede sein, zumal ein Todeskampf überhaupt noch nicht eingetreten ist. Sagen wir daher besser: Eine Hinaus­schiebung des Todeskampfes. Leo Xlfl. Leben, das die Vorfehunq fo wunderbar gelenkt hat. liegt in Gottes Hand und Willen. Was wird Er in Seinem unersorschlichen Ratschluffe tun? — Wir wiffen es nicht und niemand auf Erden kann'es wiffen. Auf den Allerhöchsten wollen wir vertrauen, auf Ihn bauen; Sein Wille geschehe! Gott segne und stärke unfern h. Vater!

Heber den Verlauf der Krankheit gingen ui.s folgende Drahtnachrichten zu:

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Druck und Verlag der FuldaerActtendruckerei in Fulda (Harmonie). Fernsprecher Nr. »>.

auffordern können, er habe jedoch daS größte Vertrauen zu seinem Kollegen im Vatikan; er selbst habe beide Methoden erfolgreich bei König

Deutsches Reith.

hl. Vaters ist äußerst schlecht. Die Herztätigkeit setzt fast aanr aus.

* Rom, 9. Juli 1903. Der berühmte italienische Arzt B a e e e l l i, welcher die bei dem Papst angewandten Methoden der Punktation des Brustfelles und der In­halation von Sauerstoff ausgearbeitet hat, erklärte dem Korrespondenten der ,Morning Post', die an Papst LeoXIII.ausgeführteOperation verursache keineSchmerzen und sei einfacher Art.AlsAckerbauminister deritalienischen Regierung hätte man ihn unmöglich zu der Operation

„Ich konnte nicht anders; der Weg ist zu auf­geweicht, der Wagen zu schwer; ich würde zu lang­sam vorwärts kommen. Ich muß eilen, eilen."

Und wieder flog jenes n rvöse Zucken über seinen Körper

„Behüte Dich Gott!"

Schnell war er eingefliegen; Peter knallte mit der Peitsche; die Pferde wieherten in der frischen Morgenluft, kräftig zogen sie an.

.Adieu, adieu! Peter, so schnell, wie die Pferde lausen können."

Der Wagen rollte dem Hoftore zu; doch noch «he er dasselbe erreicht hatte, bog ein anderer durch das­selbe hinein.

„Guten Morgen, Herr Oberförster," rief eine joviale Stimme aus demselben heraus. „Gute« Morgen! Das nennt man Glück haben! Gerade noch im rechten Augenblicke abgefaßt."

Die beiden Wagen hielten neben einander; der Sprecher war aus dem {einigen herausgesprungen und reichte dem Oberförster, der ebenfalls abgestiegen war und deffen Gesicht für einen Augenblick Toten­blässe überzogen hatte, fteundlich die Hand.

„Nun, wie geht's, verehrter Freund? Nichts für ungut; aber Sie sehen jämmerlich aus. DaS kommt aber davon, wenn man fick wie ein Einfiedler zurück­zieht und jede lustige Gesellschaft flieht. Für heute lade ich mich mit den beiden Herren hier bei Ihnen zu Gaste."

„Zu viel Ehre, Herr Oberforstrat! Es freut mich außerordeMlich..."

„Erlauben Sie, daß ich Ihnen sogleich die beide« i jenen vorstelle. Herr RegierungSaffessor v. Ralbow, Herr Rechnungsrat Bitter." /

„Wir find schon alte Bekannte," bemerkte dieser lächelnd.

„Ich bitte, daß die Herren eintreten."

Der Oberförster ging voran und öffnete die Türe der Empfangszimmers.

»Ich hoffe, die Herren werden eine Taffe Kaffee nidjt verschmähen."

* Rom, 9. Juli 1903. Der Papst, welcher "während der Nacht etwas geschlafen hat, verließ das Bett heule Morgen um S',- Uhr. Mazzolini zele­brierte im Zimmer des Papstes die hl. Meffe und er­teilte ihm die hl. Kommunion. Der Papst genoß etwas Fleischbrühe. Professor Mazzoni betrat den Vatikan nm 8‘/i Uhr und verweilte dort ungefähr eine Stunde. Die Temperatur beträgt 36,2—36,6 Grad. Der Puls ist etwas schwach. Die bläuliche Färbung der Hände beginnt zu verschwinden. Die Nierentätigkeit bessert sich. Wenn nichi ein unvorhergesehener Fall eintritt, wird Mazzoni erst um 7‘ s Uhr abends in den Vatikan zurückkehren. Eine Konsultation dürfte jetzt nicht statt- sindeu. Dem Papst ist der Tod des Monsignore V ol- pini nicht mitgeteilt worden. Da dieser Kanonikus von St. P ter war, hätten die Glocken der Peters- kirche läuten mflffen, man unterließ dies aber, um

den Papst nicht zu beunruhigen.

• München, 9. Juli 1903. Der hiesigen päpstlichen Nuntiatur ist folgendes kurz vor Mitternacht in Rom aufgegebene Telegramm zugegangen: Der hl. Vater verbrachte den Tag ruhig; der PulS schlägt weniger langsam; der Allgemeinzustand ist etwas ge­hoben. Beten wir. Rampolla.

* Rom, 9. Juli 1903 Alle medizinischen Autori­täten, die die Krankheit des Papstes von außen ver­folgen, sind der Ansicht, daß er nach dem wissenschaft­lichen Urteil längst hätte tot fein mflffen. Leo sei ein Ausnahmemenfch an zäher Körperkraft und Riesen­energie. Beide halten ihn im Kampf gegen das lang­same Absterben aufrecht.

* Rom, 9. Juli 1903, 9 Uhr vorm. .Giornale d'Jtalia' meint, alles weife darauf hin, daß eine Nieren­entzündung bei dem Papste ausgeschlossen sei. Das Blatt fügt hinzu, die Besserung dauere an. Der Zu­stand sei aber immer no ch ernst. — Die.Tribuna' schreibt: „Um 5 Uhr morgens wurden die Fenster im Zimmer des Papstes geöffnet, um frische Luft einzu- j ---- ----- ,

lassen. Personen, welche den Vatikan verließen, gaben es zu milde fanden, denn wir beruhigende Nachrichten, jedoch warnte Mazzolini tracht ziehen zu müssen, daß es sich doch um D-, «.mittags, j™«'"-,““Ä,

bericht Lapponis und Mazzonis besagt: Die Nachtwar unter dem Einfluß emfeltlger militärischer ruhig. Der Papst schlief. Der Prozeß der Lungen- Erziehung und aus falschem Ehrbegriff beging, entjflnbung nimmt einen günstigen Verlaus Jetzt ist Hüssener vom Oberkrieqsqerichte, bei ln Tetten der Lunge, dieunbe^tfindvonder bem et sowohl wie der Maatsanwalt Berufung noch in der pleurrnschen Höhlung eristrerenden tlemen ■ , « .? n 8

Menge Flüssigkeit. Das Allgemeinbefinden hebt sich kiugelegt hatte, nur zu 2 Jahren und i Tagen andauernd. Festungshaft verurteilt worden.

nichts und — ob ich mir Reißen oder einen hefttgen Katarrh zuziehe, ist ihm gleich."

Sie fröstelte in der Tat, so daß sie sich in ein warmeS Tuch hüllte. Sie ahnte nicht, daß sie die ganze Nacht dem Einfluß der feuchten, kalten Lust «nsgesetzt gewesen war.

Als sie das Fenster schloß, hörte sie, wie ihr Mann im Hofe den Befehl gab, schnell anzuspannen. „Nun, wo fährt er denn schon so früh hin?" — sie sah auf die Uhr — „es ist ja noch nicht sieben "

Da fiel ihr der Wechsel ein. „Wenn er nach der Stabt will, wäre es daS Beste, ich begleite ihn."

Lisbeth hatte schon das Frühstück bereitet; aber weder der Vater noch die Mutter waren bis jetzt er­schienen. Endlich trat der Oberförster ein, ihm auf dem Fuße folgte seine Frau.

„Guten Morgen, Papa!" sprang ihm Lisbeth ent­gegen. Erschrocken blieb sie stehen; des Vaters Aus­sehen ist so verändert, so verstört, daß sie ihn kaum

Viktor Emanuel II. angewendet; es erfülle ihn milder größten Genugtuung, ein Mittel erfunden zu haben, durch das Sr. Heiligkeit Linderung verschafft wurde.

„Du darfst nicht fahren, ich gebe es nicht zu Mag Peter lieber in die Stadt reiten und einen Arzt holen."

Der Oberförster erhebt fich.

„Komm mit in mein Zimmer! Ich habe Dir etwas zu sogen."

Wohl zum erstenmale in ihrem Ehestände war es, daß ihr Monn in solchem Tone zu ihr sprach, so kurz, so befihlend.

Darum wagte sie auch keinen Widerspruch; mit maßlosem Staunen im Innern folgte fie ihm, hoffend, daß er endlich den Grund seines seltsam verstörten Wesens und Aussehens mitteilen werde. Sie sollte fich täuschen. In seinem Zimmer angelangt, begann er sofort und zwar in jenem kurz angebundenen Tone, welchen sie gar nicht von ihm gewöhnt war: „Liebe Frau, ich nehme die Pfandbriefe mit in die Stadt. Ich hoffe, Du hast nichts dagegen."

Ob fie etwa» dagegen hatte? O gewiß, erklang es in ihrem Innern. Zu welchem Zwecke nahm er die Pfandbriefe? So hoch belief fich ja der Wechsel nicht, für dessen Deckung fie schon eine kleine Hypothek bestimmt hatte. Aber die ungewohnte Entschiedenheit im Auftreten ihres Mannes fesselte vollständig ihre Zunge. Sie fühlte instinkttv, daß es keinen Einspruch gab, und so brachte fie nur die Worte hervor: „Mache eS, wie es Dir gut scheint!"

Bei jeder anderen Gelegrnhett würde den Oberförster dieses gefällige Nachgeben seiner Frau höchst verwundert haben; heute blieb es ohne jede Wirkung auf ihn.

„Adieu! Gegen Mittag bin ich wahrscheinlich schon wieder zurück."

Die Frau Oberförster wagte keine Frage. Sie reichte schweigend ihrem Manne die Hand; die feinige war eiskalt

Der leichte Korbwagen fuhr vor.

„Warum nimmst Du den offenen Wagen?" Das Gefühl der Sorge und Angst um die gefährdete Ge­sundheit ihres Mannes verdrängte bei der Frau Oberförster jeden anderen Gedanken.

Diese überaus milde Strafe — der Vertreter der Anklage hatte 6 Jahre Zuchthausund Aus­stoßung aus der Marine beantragt — muß mit Recht Befremden erregen. Seltsamer Weise wird in der Presse, die das erste Urteil einer ein­gehenden Kritik unterzog, von dem neuen wenig Aufhebens gemacht. Die meisten Blätter haben bis jetzt gar nichts dazu gesagt. Der.Vorwärts' legt das alsbald wieder so aus: Das erste Urteil sei unmittelbar vor den Wahlen ergangen, des­halb habe die Preffe sich aus Rücksicht auf die öffentliche Meinung entrüstet; jetzt seien die Wahlen vorbei und nun habe man selbst an dem milden Urteile nichts mehr auszusetzen. Diese Auslegung möchten wir uns nicht aneignen, aber merkwürdig ist das große Schweigen ringsum immerhin.

Während das Gericht erster Instanz erklärte, Hüssener habe sich gegen die Dienstvorschriften vergangen, war das Oberkriegsgericht der An­sicht, daß er zum Gebrauch der Waffe berechtigt gewesen sei. So viel aus den Mitteilungen der Presse über die Urteilsgründe zu ersehen ist, hat es dann zwar auch gefunden, daß er zu weit gegangen sei, aber doch gemeint, daß die Um­stände für ihn sehr milde lägen. Also ist, sagt der.Vorwärts', doch das System schuld; Hüssener ist keine Ausnahme-Erscheinung, sondern nur ein notwendiges Ergebnis des Systems. Dieser An­sicht können wir uns auch heute noch nicht an­schließen. Er war weder durch den militärischen Ehrbegriff noch durch die Dienstvorschriften zu der Tötung Hartmanns genötigt, und besonnenere, weniger eingebildete Personen an seiner Stelle hätten das Unglück zu vermeiden gewußt. Wohl aber ist es nochmals zu betonen, daß die Dienst­vorschriften unklar und die Belehrung des Offi­ziers-Nachwuchses mangelhaft sei und den unreifen jungen Leuten ein falscher Ehrbegriff beigebracht werden muß, wenn solche Dinge wie in Essen vorkommen können. Außerdem bleibt das höchst befremdend, daß ein für den Offiziers-Beruf so ungeeigneter Mann wie Hüffener überhaupt in die Marine ausgenommen werden und, wiewohl seine Charakter - Mängel bekannt waren, darin bleiben konnte.

Der .Vorwärts' hatte das erste Urteil als ein notgedrungenes Zugeständnis an die öffent­liche Meinung bezeichnet. Das Gericht habe das System, den Militarismus, entlasten wollen, wiewohl dieser der eigentlich Schuldige gewesen sei. Wir denken nicht so beleidigend über das Kriegsgericht, begreifen aber, wenn man in dem Urteil zweiter Instanz so etwas wie das Er­gebnis eines Systems sieht. Daß eine gemütliche Festungshaft von zwei Jahren keine genügende Sühne für einen frivolen Totschlag ist, wird jeder finden, der nicht gänzlich innerhalb des militärischen Jdeenkreises lebt. Und auch in den Offizierskreisen des Landheeres wie der Marine wird eS zahlreiche Personen geben, denen die Berührung mit dem zu „ehrenvoller" Festungs­haft verurteilten Fähnrich nicht gerade angenehm sein würde und die in ihrem Innern doch nicht so ganz davon überzeugt sind, daß seine Ehre keinen Schaden gelitten habe. Sie müssen ihn

। . Rom, 9. Juli, 11 Uhr vorm. Der Papst ließ um

10 Uhr vormittags Kardinal Rampolla rufen und plauderte lange mit ihm, wobei er ihn über wichtige Angelegenheiten unterrichtete. Er drückte seine Be­friedigung über das von mehreren Staatsoberhäuptern und hohen Persönlichkeiten, sowie den Kardinälen und der Stadt Rom bekundete Interesse an seiner Gesund­heit aus.

• Rom, 9. Juli, 5 Uhr nachmittags. In einer Sonderausgabe bestätigt der.Offervatore Romano', daß der Papst mit dem Kardinalstaaissekretär Rampolla eine längere Unterredung hatte. Der Papst sprach dabei von seiner Krankheit, deren »erschiedene Phasen er aufzählte und drückte die Hoffnung aus, die noch bestehende Schwäche überwinden zu können. Der Papst fragte daraus Rampolla, ob er mit ihm über Geschäft­liches zu sprechen habe. Er ging mit großer Klarheit aus die Angelegenheiten ein, die Rampolla vorlegte, und gab entsprechende Befehle. Beim Abschied erklärte der Papst, daß er heute gerne noch den einen oder den anderen Kardinal empfangen hätte.

* Rom» 9. Juli, 6 Uhr nachmittags. Heute Nach­mittag um 5 Uhr wurde folgender Krankheitsbe­richt veröffentlicht: Da sich das Allgemeinbefinden des bohen Patienten verschlechterte, fand um 4 Uhr nachmittags eine Konsultation statt, an der Professor Rossoni teilnahm. Die Untersuchung ergab, daß sich die Flüssigkeit im Brust feil neuerdings schnell vermebrt hat und daß die Herztätigkeit schwach ist, aber ohne Anzeichen einer Herzklappenstörung. Der Puls ist leicht zusammendrückbar. Die Anzahl der Puls­schläge beträgt neunzig. Die Atmung ist oberflächlich und wenig häufig. Die Harnentleerung ist gering. Der Zustand des Papstes wird als ernst angesehen.

* Rom, 9. Juli 7.55 Uhr abends. Soeben

- „ erkannte; das Lächeln weicht von ihren Zügen, fragend

£ 11 (111 tt P 1t | haftet ihr Auge auf ihrem Baier.

0 v II. । Auch die hinzugetretene Frau Obersörfter hatte

Erzählung von A. Uhdolph. beim Anblicke ihres Mannes ihre Frage vergessen.

___. . . „Nun. was starrt Ihr mich so an, als wenn ich (N chdruck verboten.) | etn Geist märe? Was ist denn so Sonderbares an mir?

2. Kapitel. — Die Revision. ’•* ,

Der Oberförster suchte zu lacken; aber es war nur Die Nacht war vorüber. ein heiserer Ton, der unheimlich und beängstigend au»

Rach all den trüben Regentagen war endlich ein seiner Kehle drang.

Heller fteundlicher Morgen angebrochen. Zwar tropfte „Ihr seid wohl zu Salzsäulen geworden? Gebt es noch von den Bäume»; aber die Sonne spiegelte mir lieber schnell heißen Kaffee. Ich friere! Ich muß fich tausendfach in den glitzernden Perlen, und der sogleich fort."

Wald prangte trotz des größtenteils schon geschwundenen Lisbeth beeilte fich, den Worten des Vaters Folge SommergrünS festlich in den lebhafteren Farben des zu leisten, während die Frau Oberförster immer noch Herbstes. schweigend ihren Mann betrachtete.

Die Frau Oberförster hatte fich erhoben; ihr Blick „Es ist ja geradezu unleidlich, fortwährend so an­fiel verwundert auf das offene Fenster. gestarrt zu weiden! Kennst Du mich noch nicht genüg«

„Wie rücksichtslos mein Mann ist! Well heute ein sam?"

wenig die Sonne scheint, öffnet er schon in so früher Dabei gießt er .sich eine starke Portion Arak in Stunde das Fenster. Er ist abgehärtet, ihm schadet es den Kaffee.

I „Mann, was tuft Du? Du vergißt wohl ganz, daß Du die Arakflasche in der Hand hast."

„Ich muß mich erwärmen. Es ist ja entsetzlich kalt."

Die Frau Oberförster macht im Innern ihre Be­trachtungen über den Widerspruch dieser Worte mit dem offenen Fenster in der Schlafstube; aber fie kann ihnen nicht nachhängen; fie ist in der Tat ängstlich beunruhigt. Ihrem Manne muß etwa» zugestoßen fein; der Wechsel allein konnte ihn nicht so verstören.

„Du bist wohl krank, fieber Mann," beginnt fie endlich. „Du solltest heut' nicht ausfahren, besonders nicht am frühen Morgen. Du kannst . . ."

„Laß mich! Du verstehst da» nicht; ich muß fahren." „Niemand kann Dir das zumute«, wenn Du Dich unwohl fühlst, und da» kannst Du doch nicht leugnen."

Der Oberförster Überhörte die Bemerkung seiner Fran; in fieberhafter Hast goß er das heiße Getränk hinunter, während von Zett zu Zeit ein nervöses Zucken itber feinen Körper flog.