H
uldaer
3d*etnt fielt*, mit lisna^mt der Sonn» nnd $tiert«8<- viertel»
•Int vrtngerlohn »"» MtlgtlHnSnieann» ostnärts l Mt. 50 Pf«.
vrr«nt»o etlicher Ws sy
»christleiter:>.»e-ler
, pwiXwhTXioa. Wochenbeilage:„IllustrierteZonntagszeitung
Monatsdeilage: „$iilbaer GefchichtsblStter".
Anzeigen: vte d» fpaltig« pelitzeUe tta deren Kann 15 Pta. Reklamen die petttzeü» 25 Pfg.; del Dieta» Holungen »ird entfye. Rabatt gewährt.
druck AU» verleg tat Zuldaer Actiendrnckereß in Znldn (ljarmonie). Zernsprecher Ur. 9.
M 153. fUlda, Donnerstag, den 9. Juli 1903. 30. Jahrgang.
Bestellungen
anf die .Fuldaer Z eitung' werden noch fortwährend angenommen. Die schwere Erkrankung des hl. Vaters und die bevorstehenden wichtigen Vorgänge in Rom sollten jeden Katholiken veranlassen, ein gutes, täglich erscheinendes katholisches Blatt — auch in der arbeitreichen Sommerzeit — zu halten. Bei dieser Gelegenheit sei auch mitgeteilt, daß die ,Fuldaer Zeitung' aus vielseitigen Wunsch fortan wieder — wie früher, — die vollständigen Ziehungslisten der königl. preußischen Klassenlotterie zum Abdruck bringen wird.
Im Feuilleton der .Fuldaer Ztg/erscheint feit Dienstag eine hochinteressante und gediegene Erzählung „Fügungen", die gewiß den Beifall unserer Leserinnen finden wird. Neu hinzukommende Abonnenten werden die bereits erschienenen Nummern — so weit der Vorrat reicht — auf Wunsch nachgeliefert.
Die Krankheit -er hl. Vaters.
Die Meldungen aus Rom über das Befinden des hl. Vaters lauten, wenn die Nachrichten sich auch teilweise widersprechen, heute sehr e r n st. Es ist wunderbar, mit welcher Energie Papst Leo die Krankheit erträgt, mit welch eiserner Willensstärke sein Geist Herr über den hinfälligen und schwachen Körper ist, mit welcher Seelengröße er fei”em Ende ent» gegensiehr, das er selbst herannahen fühlt. Nach menschlichem Ermeffen kann der Tod nur noch durch ein Wunder zurückgehalten werden.
Bis heute Nachmittag 1I» 1 Uhr liegen folgende Nachrichten vor:
Rom, 8. Juli.^Mazzoni macht den Eindruck, daß er die Hoffnung ausgegeben hat, die er gestern abend noch hegte. — Der Papst rief gestern abend seinen Sekretär Angeli und sagte zu ihm, er bedauere es, daß er nicht an dem morgen beginnenden neuntägigen Gebete zu Ehren der hl. Gottesmutter reilnehmen könne, die der Papst sehr verehrt und deren Bild er stets auf der Brust trägt.
* Rom, 8. Juli, 8 Uhr norm. Mazzoni rraf den Papst heute in ziemlich gedrückter Stimmung im Bette liegend. Der Papst sagte ihm, daß in seinem Zustand ein Rückschritt ««getreten fei. Er fühle sich schwach, gestern habe er sich besser gefühlt. Er beklagte dies, weil er heute viel zu tun habe. Mazzoni äußerte später, der Papst wolle aufstehen, um ohne Hilfe alles selbst zu tun. Gegen 11 Uhr wollte er sich aus dem Bett erheben und sich in den Lehnstuhl setzen. Die Cyanose (Blauwerden) breite sich in den Händen aus. Der Papst nehme noch Nahrung an, aber nur sehr wenig. Die Temperatur schwanke zwischen 36,3 und 36,4. Mazzoni wird mit Lapponi abends um 7‘/s Uhr den Papst besuchen, wenn nicht eine unvorhergesehene Verschlimmerung eintritt. Die der Brust entzogene Flüssigkeit wird heute analysiert werden.
* Rom, 8. Juli, 10.15 Uhr norm. (Wiederholt; weil nur in einem Teile der letzten Austage enthalten.) Das soeben veröffentlichte Bulletin lautet: Die Nacht ist ziemlich ruhig verlaufen, obwohl erquickender Schlaf nicht eintrat. Der Pulsschlag ist rasch, aber regulär.
Fügungen.
Erzählung von A. U h d o l p h.
8 ------ (Nachdruck verboten.)
„Aber Frau, jetzt zweifle ich wirklich an Deinem gefunden Menschenverstände. Wenn man jemanden <o einladet und bittet, wie wir die Baronesse, so wäre es geradezu beleidigend für uns gewesen, wenn es ihr die Eltern nicht erlaubt hätten, die teuer ePenfions- fteunbin zu besuchen. Dafür war Lisbeth im Winter vier Wochen bei ihnen."
„Die Kosten, die ich mir gemacht habe," klagte die Fran Oberförster weiter; „das Fremdenzimmer habe ich vollständig neu einrichten lassen, im Salon neue Tapeten, neue Gardinen, die alten waren noch ganz gut —"
„Das war auch meine Meinung; aber Du dachtest damals ganz anderes darüber, liebe Frau."
„So ist es immer! Jetzt schlägst Du Dich aus die Seite der Eggenbergs. Statt dieser Kokette bekomme ich die Vorwürfe," meinte die Frau Oberförster.
„Ich dächte, wir hätten Kummer genug und nicht nötig, uns noch selost das Leben durch Unfrieden zu verbittern Das Weinen kann ich nicht ertragen. Da laufe ich davon!"
Bei diesen Worten stülpte der Oberförster toitfr lich sein Käppchen auf und rannte aus dem Zimmer.
So endeten gewöhnlich die Streitigkeiten mit seiner Frau; er räumte das Feld.
Es war gegen Mitternakpt.
Ruhe herrschte im Forsthause; tiefer Friede. Trotz der stürmischen Erregung der Gemüter hatte fich der Schlaf auf die Augen von Mutter und Tochter herabgesenkt, nur der Oberförster wachte noch und dachte mit bekümmettem Vaterherzen über die Mittel nach, seinem Sohne materielle und, wenn möglich, auch moralische Hllfe zu leisten.
die Atmung ist nicht so frei, wie gestern abend. Der Zustand des Papstes erlaubt keine lange Untersuchung; jedoch ist der Verlauf der Lungenkrankheit regelmäßig Bis jetzt haben sich eiterige Aosonderungen nicht wieder erneuert. Das Befinden des Papstes ist beunruhigend wegen der von Zeit zu Zeit eintretenden Schwäche.
* Rom, 8. Juli 1903, ll1/» Uhr norm. Einem Vertreter des ,Giornale d'Jtalia' gegenüber erklärten die Aerzte, die Flüssigkeit könne sich von neuem bilden, es sei nicht ausgeschlossen, daß die Operation wiederholt werden müsse. Die gestrige Operation wurde vorgenommen, um die Lewen des Kranken zu lindern. Die Kardinäle begaben sich gegen 9 Uhr nach dem Vatikan.
* Rom, 8. Juli, 12 Uhr 15 Minuten Mittags Der Zustand des Papstes hat sich plötz lich verschlechtert. Der Großpönitentiar, Kardinal Serafino Banutelli, wurde herbeigerufen, um dem Papste die Absolution ,,in articulo mortis“ (in Todesgefahr) zu erteilen. Das Ende steht unmittelbar bevor.
* Rom, 8. Juli 1903. Eine Sonderausgabe der ,Boce della Berits' berichtet: Der Zustand des Papstes um 5 Uhr nachmittags ist im wesentlichen stationär; der verhältnismäßig befriedigende Zustand der Lunge und des Brustfells hält an, aber die unzureicyende Nierentätigkeit besteht fort und besonders die Fortdauer des Kräfteniedergangs bedroht das Leben des erhabenen Patienten.
'Rom, 8. Juli, 12 Uhr 55 Miu. nach«. (Privattelegramm.) Der Zustand des hl. Balers hat sich heute früh sehr verschlimmert. Sämtliche in Rom anwesenden Kardinale sind im Vatikan versammelt.
* Rom, 8. Juli, 2 Uhr nachm. Soeben wurde beschlossen, einen dritten Arzt zu einer Konsultat io n hinzuzuzieh en. Man glaubt, es sei Professor Kaldarelli (Neapel.) Der Papst biftijerte seiner Umgebung verschiedenes.
* Rom, 8. Juli, 7 Uhr abends. Wie es heißt^ wird der Zustand des Papstes immer ernster. Die Aerzte sind beunruhigt. Der Papst fängt qn, erregt zu werden. Et zeigt Zeichen der Erschöpfung. Wie versichert wird, hat Rampolla alle Anordnungen getroffen, um im gegebenen Zeitpunkt den Vatikan zu verlassen. Seine Wohnung an der Piazza Santa Maria ist in Bereitschaft gesetzt. Der Sekretär des Kardinals Oreglia und der Architekt Schneider beginnen für die Abhaltung des Konklave die geeigneten Räumlichkeiten aus zusuchen. Auf Wunsch der Familie Peeci wird unter Zuziehung des SenatorsDr. Kaldarelli der abends eintrifft, eine Untersuchung stattfinden. Dieselbe wird morgen früh erfolgen.
* Rom» 8. Juli 1903. Bulletin von 8'/- Uhr abends. Der Tag verging ruhig ohne Schwächeanfälle. Der Puls war nicht rasch und ein wenig stetiger. Die Atmung war ruhig. Der allgemeine Zustand ist sehr erleichtert. Lapponi, Mazzoni.
):( tote ein Papst stirbt.
Sobald der Papst ernstlich erkrankt und der Tod zu befürchten ist, müssen seine Leibärzte sowohl ihn selbst, wie auch seinen Beichtvater auf die drohende Gefahr aufmerksam machen, damit nichts versäumt werde, was zum Seelenheil des Sterbenden notwendig und der Würde der Kirche angemessen ist. Auch noch im Tode soll der Papst den Fürsten und allen Gläubigen ein Beispiel geben und dadurch, daß er frühzeitig und vorschriftsmäßig deichtet und die heilige Wegzehrung empfängt, daß er fernerhin ausdrücklich all' denen verzeiht, die ihn beleidigt haben, und alle diejenigen um Verzeihung bittet, denen er etwa Unbill angetan; außerdem soll ec nach dem
War er auch heftig aufgebraust, so ftanb es doch vom ersten Augenblicke an bei ihm fest, die Schulden seines Sohne» auszugleichen. „Wenn Hubert so viel Liebe steht," dachte er bei fich, „muß er doch endlich einmal zur Besinnung kommen: er hat kein harte«, böses Herz; er ist nur leichtsinnig, aber gut und rechtschaffen."
Solche und ähnliche Gedanken beruhigten und ttösteten den Oberförster allgemach, und schon nahte fich auch ihm der sanfte Schlaf.
Da plötzlich schreckte er auf. Durch das Plätschern des Regens glaubte er Pferdegetrappel vernommen zu haben; der Hund schlug fteudig an, verstummte aber auch sofott wieder. Sollte er sich getäuscht haben? Er horchte scharf auf.
Das ist ein fremdes Geräusch. Irgend eine Hand hat mit Steinchen an das Fenster geworfen. Der Oberförster erhob fich schnell und öffnete dasselbe.
Der Regen schlug ihm ins Geficht, der kalte Wind durchschauerte ihn; er beugte fich hinaus; doch noch ehe er fragen konnte, hörte er mit vorsichtig gedämpfter Stimme die Worte:
„Um Gottes Barmherzigkeit willen, Vater, öffne schnell und laß mich ein!"
Warum durchbebte das Herz des Oberförsters ein tätlicher Schreck, als er die Stimme seines SohneS vernahm; es schien ihm momentan still zu stehen.
Wir eS die Ahnung unermeßlich großen Unheils? Für einen Augenblick blieb er regungslos; doch schon im n chsten war er zur Türe hinausgeeitt — das Fenster vergaß er zu schließen — und öffnete seinem Sohn die Haustüre.
„Hubert, was ist Dir, wo konmst Du her? So unerwattet mitten in der Nacht, bei diesem Wetter? Tritt schnell ein! Ich werde Peter wecken, daß er das Pferd —"
„Wecke Niemanden, Vater! Ich will unbemerkt bleiben; ich reite sofort zurück."
Er faßte den Arm des Oberförsters.
„Vater, führe mich in Deine Stube, doch still, daß Niemand erwacht." __ »■
Ordo Romanus all' feinen Familiären, d. h. seinen Hausgenossen und allen denen, die in seinen und des römischen Stuhles Dienstes stehen, einen Ablaß erteilen und ihnen etwaige Beträge nachlaffen. Der schwer erkrankte Papst soll fernerhin rechtzeitig die Kardinäle an sein Kranken.lager rufen, vor ihnen das Glaubensbekenntnis ablegen, in ihrer Gegenwart sein Testament machen und seine Grabstätte bestimmen. Auch die Kardinäle soll der Sterbende um Verzeihung bitten, ihnen seine Hausgenossen und Bediensteten empfehlen, ihnen Kenntnis geben von den Schulden, die er etwa zum Wohle und int Dienste der Kirche gemacht, damit sein Nachfolger diese gewissenhaft berichtige; desgleichen soll er ihnen mitteilen, wo er etwaigen Geldvorrat oder seine Kleinodien und bergt niedergelegt habe. Ganz besonders aber soll er die Kardinäle zu Frieden und Freundschaft ermahnen und ihnen das Wohl der Kirche anempfehlen; auch ist es ihm, obgleich er kein Recht hat, sich einen Nachfolger zu bestimmen, gestattet, nach seinem Gewissen über die etwa zu wählende Person sich vor den Kardinälen auszusprechen und ihnen dieselbe zu empfehlen. Hat der kranke Papst all' dieses getan, dann erteilt er den Kardinälen den apostolischen Segen und entläßt sie. Der Beichtvater, die Kämmerer und Hausprälaten bleiben bei dem Sterbenden und haben vor allem die Pflicht, dafür zu sorgen, daß er, wenn der Tod naht, die Sterbesakramente empfängt in der Form, die das römische Pontifikate vorschreibt. In dem Sterbezimmer muß ein Kruzifix aufgestellt fein, vor dem zwei große Wachskerzen brennen; wenn der Papst in den leßen Zügen liegt, dann soll einer der Haus- pwalaten ihm beständig das Bild des Ge- kreuziglen vorhalten und ihm dasselbe oft zum Küssen» reichen, zum Andenken an das bittere Leiden unseres Herrn. Die herbeigerufenen Pönitenüare beten dann das officium defunctorum nebst de» sieben Bußpsalmen, womit fortqefahren wird, bis der Papst verschieden ist. Von dem erfolgtest Tode des heil. Vaters wird zuerst der Karinnalkämmerer in Kenntnis gesetzt, der fich alsbald in violetfarbenem Kleide mit weißem Chorrocke, begleitet von den übrigen Kämmerern, die ebenfalls Trauerkleider tragen, in das Sterbe- gemach begibt, um die Leiche zu rekognoszieren. Ehe er in das Gemach ein tritt, klopft er dreimal mit einem goldenen Hammer an die Türe und ruft dabei den verstorbenen Papst mit seinem Tauf-, Familien- und Papstnamen. Eingetreten, nähert er sich dem Sterbelager, und nachdem er den Tod konstatiert hat, läßt er von einem der apostolischen Notare hierüber ein Protokoll aufnehmen, das er alsdann unterzeichnet,. Hierauf nimmt er den sogenannten Fischerring, das goldene Privatsiegel des verstorbenen Papstes an sich, das er in der nächstfolgenden Generalkongregation in Gegenwart der Kardinäle zerbricht. An den anderen amtlichen Siegeln vernichtet er den Namen des Papstes. In früheren Zeiten nahm er dann Besitz von dem Palaste, in dem der Papst gestorben ist, und ließ, solange
Schweigend gehen sie t»e Treppe hinauf und treten in das Gemach des Oberförsters. Während dieser mit zitternder Hand eine Kerze anzündet, wirst sein Sohn den nassen Regenmantel unbesorgt aufs Sopha. Das Zimmer ist erhellt, und erst jetzt kann der Oberförster das Geficht seines Sohnes deutlich erkennen, dessen Züge furchtbar entstellt find.
„Hubett, Hubert, mein Kind, was ist Dir? Du bist krank?
Vergessen ist der Kummer, verraucht der Zorn bei dem jammervollen Anblicke de» SohneS. Ein kurzer Kampf malt fich aus dessen Antlitz, kurz, aber heftig. Eine rasche Bewegung; er ist seinem Vater zu Füßen gesunken und umklammert dessen Knie
„Rette mich, ich bin entehrt, verloren, rette mich!"
Der Vater will seinen Sohn austichten; doch dieser wehrt es ihm.
„Nein, laß mich hier liegen; »hier ist mein Platz. Ich bin Deiner Liebe nicht wert, und doch schreie ich zu Dir, Sätet, Barmherzigkeit, rette mich!"
„Hubert, steh' auf! Erkläre Dich! Du weißt, Dein Vater tut alles für Dich. Ist es der Wechsel, welcher Dich so ängstigt? Sei ruhig, Hubert! Die Mutter und ich werden Mittel und Wege schaffen, diese Schuld auszugleichen. Ich werde schon morgen in die Stadt fahren und die Geschichte in Ordnung bringen "
„Ach, Vater, wäre es das allein! Ich muß Dir eine neue Schuld bekennen."
„Auch die werden Deine Eltern zu decken wissen; wie viel ist es?"
„Vater!"
„Sage es schnell, Hubert!"
„Ich brauche 3000 Mark."
„Da« nimmt freilich den ganzen Rest des Vermögens Deiner Mutter weg; doch — sie liebt Dich. Verzweifle nicht, Hubert! Wir werden morgen mit ihr reden."
„Morgen! — Da ist es zu spät!"
„Zu spät? Wie wäre das möglich? ES wird Dich doch kein Gläubiger noch diese Nacht ..."
„SS ist zu spät, Vater! O, widersprich nicht; eS
die weltliche Herrschaft des Papsttums dauerte, die Stadttore, die Engelsburg und andere wichtige Plätze der Stadt mit Abteilungen der Schweizergarde besetzen. War dies alles geschehen, dann gibt er Befehl zum Läuten der großen Glocke im Kapitol. Dreiunddreißigmal, der Zahl der Jahre entsprechend, die Christus der Herr auf Erden gelebt, ertönte der verhängnisvolle Glockenton über die Stadt hin, um der Stadt und der ganzen Welt anzukündigen, daß das sichtbare Oberhaupt der katholischen Kirche gestorben sei. Sobald die Glocke des Kapitols ausgeklungen, begam das Geläute in allen Kirchen der Stadt. Der Oberst der päpstlichen Leibwache sammelte alsbald einen Teil feiner Mannschaft und eilte unter Trommelschlag zum Kapitol und zum Stadtgefängnis, woselbst er alle wegen geringer Fehltritte Verurteilten in Freiheit setzte. Der Kardinal- Kämmerer verließ den Palast, in dem der Papst gestorben, und suhr in einem mit den päpstlichen Abzeichen geschmückten Wagen durch die Hauptstraßen der Stadt zu seiner Wohnung. Alle im Dienste des verstorbenen Papstes gewesenen Beamten begleiteten ihn; denn er war jetzt ihr Herr, wie er überhaupt, unterstützt von drei anderen Kardinälen, interimistisch an Stelle des Hingeschiedenen tritt, bis der Nachfolger gewählt ist.
Die Kunde von dem erfolgten Tode des Papstes war in früheren Zeiten oft das Signal zur Verübung vielfältigen Unfugs. Wir erwähnen hier nur die sogenannte Spoliatio, die darin bestand, daß die Bediensteten des Papstes, und nicht selten auch Volksmassen, die in den päpstlichen Palast eindrangen, den Nachlaß des Verstorbenen plünderten. Verschiedene Päpste find gegen diese Unsitte mit aller Strenge und unter Verhängung geistlicher und weltlicher Strafen eingeschritten. Erst dadurch, daß der Kardinal-Kämmerer beim Tode des Papstes die Jurisdiktion Über den Palast übernahm, wurde diesem Unfug wirksam Einhalt getan.
Berlin, den 8. Juli 1903.
§ Eine Korrespondenz verbreitet mit Hof. Nachrichten folgende Mitteilung: „Die Freundschaftsgefühle, welche der Kaiser für den Papst Leo XIII. empfindet und die durch den Besuch des Kaisers und der beiden ältesten kaiserlichen Prinzen im Vatikan im Frühjahr d. Js. noch erheblich gesteigert worden find, haben jetzt aus Anlaß der schweren Erkrankung des greifen Kirchenfürsten erneuten Ausdruck gefunden. Der Kaiser hatte Befehl gegeben, daß ihm täglich über das Befinden des Papstes telegraphisch Bericht erstattet werden solle. Als indessen dieser kaiserliche Wunsch im Vatikan bekannt wurde, enthob der päpstliche Staatssekretär Rampolla
ist furchtbarer Ernst; morgen ist es zu spät. Wenn ich nicht jetzt, jetzt, noch in dieser Stunde das Geld bekommen kann, bin ich rettungslos verloren."
„Aber was soll ich tun? Woher soll ich denn das Geld nehmen?"
Hubett trat ganz nahe an sei,en Vater heran, beugte fich zu ihm nieder und flüsterte ihm leise ein paar Worte ins Ohr. Es war so leise, daß es nur einem Hauche glich, und doch übte es eine furchtbare Wirkung auf den Oberförster. Er sank auf einen Such, nieder; sein Angesicht wurde leichenblaß: feine Lippen bebten und suchten vergebens nach einer Ant- wott. Endlich stöhnte er: „Ich habe nicht recht verstanden, nicht wahr, Hubert? Es war ein zu häßliches Wort, was Du mir da sagtest. Ich werde kindisch; ich begreife nicht mehr gut. Ist eS nicht so?"
Ueber die Züge des jungen Mannes flog bei den Wo ten seines hochbetagten Vaters der Ausdruck heftigen Seelenschmerzes. Von neuem fiel er ihm zu Füßen, ergriff dessen kalte Hände, drückte fie an feine brennenden Lippen und fleh'e:
„Vater, es zerreißt mir das Herz, Dich so leide« zu sehen, Du sollst alles wissen. Ich habe gespielt — der Wein umnebelte meine Sinne — ich verlor — ich bemerkte höhnende Blicke meiner Kameraden — meine Ehre stand auf dem Spiele — ich griff die mir anvettraute Regimentskaffe an. Ich habe ja nur geliehen. Kaum war es Tag, so stürzte ich fort, um wir das fehlende Geld zu verschaffen. — Ich bot goldene Berge — doch niemand wollte mir die Summe leihen. Wie ich den Dienst versah, ich weiß es nicht; ich war wie im Taumel; und alles verschwor fich gegen mich — mein Oberst ließ mich zu Tische bitten — ich war unfähig zu gehen — ich schützte Krankheit vor — doch jetzt durste ich nicht ausgehen — die Garnisonsstadt ist ei ' zu kleines Rest — ich mußte als Gefangener zu Hanse bleiben, zu Hause mit der quälendsten Furcht, — ich konnte keine Schritte mehr tun, um das Geld zu erlangen. — MS die Nacht einbiach, raste ich in wildem Galopp hierher. — Vater, rette mich, ich muß das Geld