Maer W Zeitung
verantwortlicher
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fulüs, Samstag, den 4. Juli 1903.
M 149
Druck und Verlag d« Fuldaer Actiendruckerei in Fnlda (Harmonie) Fernsprecher Nr. 9.
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30. Jahrgang
Monatsbeilag-: „Fuldaer GeschichtrblStter"
Erscheint täglich, mit Ausnahme der Sok» und Feiertage, viertel jährl. Bezugspreis ohne Vringerlohn «nd vestellgeld in Fulda und auswärts t M. 50 pfg.
Schriftleiter:Zof.Baum
3. parzeller in Fulda. Wochenbeilage: „Illustrierte Sonntagrzeitung
Unpolitische Zeitläuse.
(Nachdruck verboten.)
(0 Berlin, 2. Juli 1903.
Hier zu Lande fangen jetzt die großen Ferien an. Raus aus Berlin heißt die Parole des Tages. Es ist eine Zeit der Völkerwanderung. Tausende fliehen aus der Stadt, aber sie weist doch keine leeren Stellen auf. Die Strandorte und sonstigen Sommerfrischen warten schon mit listigem Schmunzeln auf die anbrandende Menschenwelle. Dort merkt man die Verschiebung der Massen recht deutlich, namentlich an den . mächtig steigenden Preisen. Die Hochsaison muß es bringen!
Da hatte nun einer die schreckliche „Nachricht" aufgebracht, der preußische Unterrichtsminister wolle auch die großen Ferien der modernen „Vereinheitlichung" unterwerfen. Um des Himprels willen! Wer sollte dann die Wohnungs- und Kostpreise in den Sonimer- rrischen überhaupt noch erschwingen können, wenn die ganzen Schaaren der großen und kleinen Gäste vom Osten und Westen her zu gleicher Zeit einträfen? Ein wahres Glück, daß die großen Ferien im Westen erst anfangen, wenn sie im Osten zu Ende gehen! „Teile und herrsche!" Ohne diese Verschiedenheit, welche eine zweifache Schicht ermöglicht, wäre das sommerliche Erholungsbedürfnis in feinem richtig angewachsenem Umfange gar nicht zu befriedigen? Uebrigens hat auch, so viel ich weiß, kein Teil Lust, seine gegenwärtige Ferienordnung aufzugeben. Im Osten ist man an den Hochsommer gewöhnt, im Westen zieht man die mildere, reinere Luft vor, die sich nach den Hundstagen einstellt. In der Theorie neige ich mich mehr nach der herbstlichen Seite hin; aber als Familienvater muß ich den Juliferien die beste Seite abzugewinnen suchen. Es geht so und geht auch anders. Man lasse jeden Landesteil nach seinem Fasson sommerselig werden, den einen nach dem andern.
Die Regierung denkt noch gar nicht an Einheitsferien für das ganze Land. Es kommt nur in Betracht, daß man in jedem einzelnen Landes- leile die Ferien für die höheren Schulen und für die Volksschulen in Uebereinstimmung bringen will. In den Berliner Vororten ist es jetzt schon geschehen. Das ist auch sehr berechtigt. Denn es gibt zahlreiche Familien, die auf beiden Arten von Schulen zugleich Sprößlinge hat. Während die kleineren Kinder die Volksschule besuchen, gehen die größeren Geschwister auf die Realfchule oder das Gymnasium oder die höhere Töchterschule. Welch eine Störung des Familienlebens, wenn der eine Teil des Nachwuchses zur Schule muß, während der andere Teil Ferren
Der WergHof.'
Volksroman von I. Oberparleiter.
1® -------- (Nachdruck »erboten.»
Gregor wollte forteilen, doch am Gartenzoune, über den man einen freien Ausblick ins Tal hatte,' blieb er plötzlich tote gebannt stehen.
„Dort kommt Lenz mit Leni," sprach er eingeschüchtert, „jetzt g rade in diesem Augenblicke. — Merkwürdig, was wenige Augenblicke vermögen! —
„Was waren diese Leute früher für mich — wie tief standen sie vermeintlich unter meinem Werte, und wie hoch stehen sie Plötzlich über mir, wie gedemütigt muß ich vor sie hintreten; aber ich will es, ich will a u gegenüber meinen Fehler eingestehen. Doch erst tom ich mich sammeln, denn es kommt mir plötz- lrch vor, als sollte 'äch vor den Richterstuhl treten."
Gregor begab «zch ins Wohnhaus. Kurze Zeit darauf sehen wir auch Lorenz und Leni eintreten.
„Die Sachen Vronis täten wir abholen, Herr Furtner, sprach Leni, die sich mit ihrem Bruder im Hintergründe der guten Stube hielt, während Gregor im Vordergründe, die Hände auf einen Stuhl gestützt, tetn Gesicht abgewendet, regungslos dastand.
„Und wo «st Brom?" wagte Gregor mit zitternder Stimme zu fragen.
„Sie ist bis ins Dorf mitgegangen," antwortete Leni, „da hat sie von dem Unglücke gehört, das den Georg getroffen haben soll, bat laut zu jammern an- gefangen und ist hinunter auf die Talwiese, um etwas Näheres zu erfahren "
„Ihr werdet daher schon erlauben," ergänzte Lorenz, „daß wir die Sachen Vrvni's ordnen und nitnehmen. Es ist unS besonders darum zu tun, daß an gewisses Andenken ihrer unglücklichen Mutter nicht verloren gehe, denn das, Herr Furtner, möchte sie jetzt um keinen Preis vermissen."
Lorenz hatte letztere Bemerkung mit besonderem
hat! Es entspricht überhaupt dem sozialen Zuge der Zeit, wenn man die äußerlichen Unter- schiede zwischen den „höheren" und den „gewöhnlichen" Schulen möglichst beseitigt.
In meiner Jugend stellten wir über die Ferien durchaus keine tiefsinnigen Betrachtungen an. Wenn die Ferienzeit kam, brauchten die Kinder nicht zur Schule; das war der Kern dieser „Frage". Die Kinder konnten zu Hause bei der Arbeit helfen und in den übrigen freien Stunden sich austummeln. Unter den außerordentlichen Vergnügungen war ein Besuch bei irgend einem auswärtigen Onkel schon das Höchste. Gymnasiasten oder Studenien unternahmen auch wohl eine Ferienfahrt in eine sehenswerte Gegend der Nachbarschaft, wobei mehr auf Gehen, als auf Fahren und mehr auf Freiquartier in Klöstern rc., als auf Hotels ge- rechnq) war. Ferienaufenthalte an der See oder im Gebirge — ach, daran wagten wir nicht einmal zu träumen.
Die moderne Jugend ist anspruchsvoller. Nicht bloß die Kinder von begüterten Eltern, nän, auch die Sprößlinge der unteren Klaffen. Das Aufblühen der Ferienkolonien hat unter dem städtischen Nachwuchs die Erkenntnis verbreitet, daß es zu dem unveräußerlichen Kindes recht gehöre, während der großen Ferien sich „draußen" zu erholen und zu ergötzen. Der moderne Knirps hat schon das Gefühl, daß es nicht fein ist, im Hochsommer in der Steinwüste der Stadt zu bleiben.
Am schlimmsten ergeht es hierbei, wie in vielen anderen Dingen, dem Mittelstände. Der Arbeiter bringt seine Kinder in einer wohltätigen Ferienkolonie unter; die wohlhabenden Eltern reisen mit ihren Kindern in eine Sommerfrische. Die Eltern aus dem Mittelstände, die keine Wohltaten annehmen wollen, aber selbst aus Mangel an Zeit oder Geld ihren Kindern das Erwünschte nicht bieten können, sitzen zwischen den Stühlen in der Asche. (Darum empfiehlt sich die Mahnung, daß man nach Möglichkeit Ferienheime gründen sollte, in denen zahlungsfähige Eltern ihre Kinder unter zuverlässiger Pflegschaft auf einige Wochen unterbringen können, ohne irgendwie das Gefühl zu haben, daß sie sich „etwas schenken lassen".)
Die^Flucht m dle"Sommerfnsche ist nicht blos bei Kindern und deren Pflegern zu einer Art Leidenschaft ausgebildet, sondern zieht auch ihre Kreise bis in die arbeitenden Klassen hinein, wo man früher gar nicht an Ferien oder Erholungsreisen gedacht hat. Es gibt Geschäfte, in denen das ganze Personal von der obersten Spitze bis zum Hausknecht hinab Sommerferien bekommt; die Ferienzeit schrumpft allerdings nach unten hin stark zusammen, aber etwas ist doch mehr als gar nichts. Wer hat denn früher daran gedacht, einem Ladenmädchen unter Fortzahlung des Gehaltes acht oder vierzehn Tage Sommerferien zu bewilligen? Jetzt gibt es aber solche beurlaubte Verkäuferinnen.
Nachdrucke gesprocken; aber ohne auch diesen hätte sie auf Gregor einen tiefen Eindruck hervorgerusen.
Er wandte sich denn auch sofort zu den Geschwistern um und bat in flehendem Tone:
„Lenz, Leni, was sagt Ihr? das Andenken ihrer ungtücklicven Mutter? O, spannt mich nicht auf die Folter, habt Erbarmen mit einem von Gewissensbissen Gequälten! Seit wenigen Minuten kenne ich das Geheimnis von Bronis Herkunft. — Hier ist das bewußte Andenken ihrer unglücklichen Mutter — das Andenken Stasi'-."
Gregor zog bei diesen Worten Goldkette und Kreuz hervor.
„Glaubt mir", fuhr er fort, „der Anblick diese- Kleinodes, er hat mir den Abgrund gezeigt, in welchen ich gestürzt bin — er hat mich aber auch zur Besinnung gebracht und in mir den Vorsatz hervorge- rufen, an Brom das gut zu machen, was ich an Stasi verbrochen. — Ich selbst will meinem Kinde dieses Andenken überreichen, ich will es bitten, mich als Vater anzunehmen, mich in Liebe in sein Herz einzuschließen."
Er wollte die Hand des Geschwisterpaares gleichsam wie zur Versöhnung ergreifen, doch Lorenz trat um einen Schritt zurück. Eine auffallende Veränderung war plötzlich mit ihm vorgegangen. Während er sich früher fast schüchtern und zurückhaltend im Hintergründe verhielt, schien seine Gestalt nun merklich größer geworden zu sein; feine Augen rollten, die blaffen Wangen färbten sich.
„Oho, Herr Furtner!" rief er mit vor Erregung zitternder Stimme, „so schnell geht die Sache wohl nicht! Nicht umsonst habe ich achtzehn Jahre lang aus jenen Augenblick gewartet, wo ich als Rächer meiner Schwester vor Euch hintreten kann, um Euch zu sagen: „Furtner, Ihr seid nicht wert, dieses Kleinod, diese Perle, Euer Kind zu nennen, so wenig Ihr wert wäret, Stasi, diese treue, edle Seele Euer Weib zu nennen. Nein, das wonnige Gefühl der Valertteude sollt Ihr Eurem eigenen Kinde gegenüber nie bekennen dürfen, Ihr habt dieses Recht verwirkt, — fremd soll
Die Sache paßt in das System unserer Sozialreform hinein. Gesetzlich wird dafür gesorgt, daß der Arbeiter zunächst täglich seine genügende Arbeitspause hat, und dann wöchentlich seinen Erholungstag in Sonntagsruhe genieße. Die weitere Stufe ist die jährliche Erholungspause, die allerdings nicht durch Gesetz eingeführt ist und auch wohl nicht eingeführt werden kann, aber doch mehr und mehr zur Sitte wird. All' diese täglichen, wöchentlichen und sonstigen Vergünstigungen beruhen auf der Erwartung, daß die Zeit der Ausspannung und Erholung nicht verloren gehe, sondern daß der erfrischte Mensch in der verkürzten Arbeitszeit um so leistungsfähiger sein werde. Dieselbe Berechnung liegt ja auch der Gewährung von Schulferien zur Erfrischung der Kräfte von Schülern und Lehrern zu gründe. Wer also in irgend einer Weise Ferien genießt, der mache sich auch die Pflicht klar, von den aufgemunterten Kräften des Körpers und des Geistes mit frischem Eifer recht flott Gebrauch zu machen.
Der Zweck der Ferien läßt sich wohl erreichen, ohne daß man umständliche Reisen macht oder einen kostspieligen Aufenthalt in einem fremden Orte nimmt. Das moderne Reisefieber verdirbt leider manchen den Geschmack an einer ruhigen Erholungspause. Können denn z. B. die Kinder nicht auch im Elternhause vergnügte und heilsame Ferien genießen? Wer's haben kann, dem sei ja gerne die Luftveränderung und der Wechsel in der Lebensweise gegönnt, wenn es auch nicht von vorn herein feststeht, daß diese Abwechselung unter allen Umständen wohltätig wirken werde. Das „Umtopfen" der menschlichen Pflanzen schlägt oft gut und manchmal auch schlecht aus. Das elterliche Haus hat seine Schattenseiten; aber die Sommerfrische hat auch ihre Schattenseiten. DieKinder können auch im gewohntenRahmen des elterlichen Hauses ihre Abwechselung, Erholung, Erstischung und Stärkung finden, wenn nur die Eltern, die Anverwandten und die guten Freunde es vernünftig darauf anlege». Wenn sich niemand darum kümmert, was das Kind in seiner Unmasse Freizeit anfängt, so kann nicht viel Gutes dabei herauskommen. Ebensowenig aber, wenn man dem Kinde keine Bewegungsfreiheit gönnt. Sobald die Lehrer ihre Tätigkeit einstellen, haben die Eltern erhöhte Last und Sorgen. Die schwierige „Ferienaufgabe" der Eltern führt bekanntlich vielfach bald zu dem Seufzer: Ach, wenn doch die Schule nur wieder anfinge, daß die Kinder wieder in Zucht kommen! Es ist eine Kunst, die Kinder während der Ferien in richtiger Tätigkeit zu halten; einige Eltern verstehen sie nicht und andere haben keine Zeit dazu. Darum bin ich der Meinung, man müsse etwas mehr tun für die Kinder, die während der Ferien zu Haufe bleiben. Wenn, nur zeitweilig gemein,ame Spiele unter verständiger Leitung eingerichtet werden, so ist damit schon viel gewonnen. Wo Menschenfreunde noch ein Uebriges tun wollen, können sie die Jugend zu Ferien- Spaziergängen oder Tages-Ausflügen sammeln.
Euch Euer Kind bleiben, so wie Ihr ihm gegenüber fremd ward.
„Wie habe ich mich nach der Stunde. gesehnt, in der ich Euch dieses Kreuz, das Sinnbild übermenschlich! r Liebe, vor dem Jbr meiner unglücktlichen Schwester den Eid der Aufrichtigkeit und wahren, dauernden Liebe geschworen, vor die Faße werfen kann, auf daß cs Euch zurufe: „Meineidiger, Du hast mich entweiht, entweiht durch den Leichtsinn, mit dem Du Dein Gelübde gebrochen und ein Menschenleben vernichtet."
„Auch Vroni durste dieses Kreuz nicht tragen", fiel Leni ins Wort, „ich sagte ihr nur einmal: Kind, auf diesem Andenke« ruht kein Segen — und sie verlangte es nicht mehr."
Den Blick zu Boden gesenkt, das Antlitz abgewendet, stand Gregor wie ein Verurteilter da, für den jede Hoffnung auf Begnadigung geschwunden ist.
Er schien geistig abwesend zu sein. „Ja," murmelte er endlich mehr für sich als für seine Ankläger, „ja, auch ich stand unter dem Banner der Schuld. Die erste, kurze Zeit meiner ersten Ehe abgerechnet, war mein Leben eine Kette von Sorgen und Ver- hängniffen. Nichts wollte mir mehr gelingen, das Glück wendete mir den Rücken. O, Härte ich doch Stasi nie von meiner Seite gelassen, sie wäre gewiß mein Schutzgeist geblieben und Alles, Alles wäre anders geworden. Daß sie mir selbst ihr süßes Geheimnis verschwieg, wie sehr muß sie mich verachtet haben; und gewiß, das Bewußtsein, Vater zu sein, hätte mich zur Besinnung gebracht, hätte mir die Augen geöffnet, auf welch leichtfertiger Bahn ich mich befand, denn —" er preßte seine Hand ans Herz — „Stasi war mir trotzdem lieb und teuer und nur der Umstand, daß sie mich ganz in Unkenntnis über ihren späteren Aufenthaltsort ließ, hat in mir eine Art Trotz heraufbeschworen."
„Sagt das nicht, Furtner," fiel ihm Lorenz in's Won, „nein, nicht Trotz war es, der Euer Benehmen gegen Stasi hervorrief, sondern Mangel an moralischer Kraft, Euch loszusagen von der Sucht nach^irdischen Gütern, nach Ansehen und Macht. Diese Eure Schwäche
Nicht etwa, um während der Ferien die Kinde* in eine schulmäßige Dressur zu nehmen, sondern nur, um den Kindern einen angenehmen und nützlichen Zeitvertreib zu verschaffen.
Müßiggang ist aller Laster Anfang. Das gilt auch für die Ferien, und zwar den Großen wie den Kleinen.
Im übrigen wünsche ich allen Lesern von Herzen Vergnügen und Segen von der Sommerfrische, mag sie früh oder spät, in der Fremde oder Daheim genossen werden. Darf ich einen guten Rat geben, fo ist es der: Jagt die Eitelkeit zum Henker! Fragt nicht, was die Leute dazu sagen und ipie ihr euch aufspielen könnt, sondern geht bei der Wahl euerer Sommer Vergnügungen einfach nach euren Verhältnissen, euren Bedürfnissen, euren Mitteln und eurem Geschmack zu Werk, ohne euch zum Sklaven der Mode oder des Klatsches zu machen.
Nebenbei b'emerkt, mögen die männlichen Sommerfrischler sich nicht einen von den falschen Panamahüten mit den fabrikmäßigen Einbeulungen zulegen. Eine bummere Mode, als diese Beulen nach der Schablone, die sofort den Schwindel erkennen lasten, hat es seit Jahren nicht gegeben.
Berlin, den 3. Juli 1903.
*— Die Zusammensetzung des neue« Reichstages in Bezug aus die Konsession seiner Mitglieder erfährt, soweit es sich um evangelische und katholische Christen handelt, gegen früher keine wesentliche Veränderung. Beide Konfessionen haben einen Rückgang erlitten, der denDissidenten und Juden zu gute kommt. Die Dissidenten kehren verstärkt in der sozialdemokratischen Fraktion wieder; nach den bisherigen Ermittelungen bezeichnen sich 6 neue Abgeordnete als freireligiös bezw. als Dissidenten, jüdische Abgeordnete werden.im ganzen 9 im neuen Reichstage vorhanden fein, davon hat die sozialdemokratische Fraktion 7, die freisinnige Volkspartei und die süddeutsche Volkspartei je einen Abgeordneten. Angesichts der vielfach wiederholten Behauptung, daß nur von der sozialdemokratischen Partei Juden in größerer Zahl als Kandidaten aufgestellt feien, wird darauf hingewiesen, daß bei den diesjährigen Wahlen im ganzen 23 Juden als Kandidaten auftraten. Davon sind 14 unterlegen, und zwar 4 von der Sozialdemokratie, die anderen setzen sich zusammen als Mitglieder der freisinnigen Volkspartei, der freisinnigen Vereinigung und der nationalliberalen Partei.
* Die Frage, ob dem Gläubiger das Recht zusteht, den Gerichtsvollzieher bei der Zwangsvollstreckung in die Wohnung des Schuldners zu begleiten und darin zu
batte ich balv erkannt, und darum stellte ich mich mit Recht einer Verbindung zwischen Euch und Stasi entgegen. Ich wußte es, ein armes, wenn auch braves Weib mußte Eurem Streben nur ein unbequemer Hemmschuh fein. Stasi war in Demut, in der Einfachheit auferzogen worden, Euren Charakter hatte die Welt für das Gegenteil gcfchaffen.
„Glaubt mir, Furtner, ich verurteile auch Stasi, daß sie ihr Kind in dem Wahre, es glücklich zu machen, Eurem Vater hinterlegte — nein, sie sollte es in Armu' aufziehen, denn Armut ist keine Schande. Hier — " dabei zog er ein Schriftstück hervor, — „ist die Bestätigung von Eurem seligen Vater, daß ich nach Stasis Tode Vroni zurückbegehrte. Nur dem inständigen Bitten Eures Vaters, nicht durch Veröffentlichung Eurer moralischen Schwäche auch über ihn, diesen Ehrenmann, Schande zu verbreiten, ließ ich mich dazu bewegen, den Deckmantel des Gehenn- nisies nicht zst lüften."
„O Vater!" seufzte Gregor zerknirscht, „nun wird mir auch alles klar, was mir bisher ei» Rätsel geblieben : Diese Testamentsklausel, die Bestimmung, daß Vroni als Familienglied b-trachtet und behandelt werde, vor allem Deine große Liebe zu ihr und — diese Kühle, mit der Du mir entgegenkamst!"
Eben wollte er sich nochmals bittend an Lorenz wenden, als es an der Außentüre pochte.
Lorenz und Leni begaben sich in Vronis Kammer, um deren Sachen zu ordnen, während der Forstinspektor und Leger eintraten. Beide trugen tiefernste Mienen. Leger's Antlitz zeigte deutlich die Spuren einer durchwachten Nacht.
Gregor Furtner war sichtlich betreten von dem unverhofften Erscheinen der beiden Männer.
„Vergebt," Hub der Forstinspektor an, „daß wir so Knall und Fall in Eure Behausung einbringen, aber es geschieht, um uns einer traurigen Aufgabe zu entledigen. So schwer es mir an kommt, muß es doch gesagt werden, daß Euer Stiefsohn heute Nacht an einem großen Waldfrevel teilgenommen hat, weshalb er der irdischen Gerechttgkeit zugeführt werden muß." (S- f )