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30. Jahrgang.

fttlda, Samstag, den 4. Juli 1903.

M 149

Deutsches speich,

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rchristleitenZos.Vaum 3. SSiCfL. w»chenb°ll°ge: „Illustrierte Sonntagszeitung

Der Werghof.

Volksroman von I. Oberparleiter.

14 ------ (Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung aus dem zweiten Blatt.)

„Was!" rief Furtner, indem er die Hände zusammen­schlug, „ist das Maß des Unglückes noch nicht voll; muß das ganze Gebäude zusammenstürzen?!--

Leider," sprach er mit gedämpfter Stimme, „kann ich meinen Stiessohn nicht vorführen — er ist seit gestern abend verschollen, man befürchtet, daß er ver­unglückte."

„Nun, wenn deni so wäre, dann hätte allerdings die weltliche Gerechtigkeit mit ihm nichts mehr zu schaffen."

Die Angekommenen machten Miene, sich zu ent­fernen.

„Und worin besteht denn der Waldfrevel, der meinem Stiefsohne zur Last gelegt wird?" wagte Gregor zu fragen.

- Auf Geheiß des Forstinspektors erzählte Leger den Vorfall, der fich in der vergangenen Nacht im Fichten­schlage abspielte. Er teilte weiter mit, daß aus dem Verhöre, welches mit dem verwundeten Holzhauer Martl angestellt wurde, hervörgeht, daß derselbe von Georg und Findig gedungen war, diesen Waldfrevel zu verüben. Der Holzhauer ging um so bereitwilliger auf das Verbrechen ein, als er sich gleichzeitig auch an Leger seiner Entlassung wegen rächen konnte. Leger aber sollte in den Augen seines Vorgesetzten als ein nachlässiger Forstmann hingestellt und infolge dessen feine Beförderung zum Fächer vereitelt werden. Durch die Dazwischenkunft des Letzteren wurde natürlich der ganze Plan vereitelt.

„Nun wird mir auch das Weitere klar," erklärte Gregor in bewegtem, schmerzlichem Tone. „Ist Georg ^wirklich verunglückt, woran fast nicht mehr zu zweifeln

klassenwahlrechtes mit Garantie gegen eine völlige Ueberflutung des Landtages durch bte Sozial­demokraten!"

Also revidierte Kartellpolitik, Verzicht auf das einseitige Scharfmachertum, Aufhören der konfessionellen Hetze. Wenigstens möchten rott dies Programm gern aus den Worten des ,Dresd. Anz.' herauslesen; die dunkle und klausulierte Fassung läßt allerdings vermuten, daß man roohl erkannt hat, was not tut, aber es nicht unumwunden auszufprechen wagt. Bisher war Sachsen das Paradies des Scharfmachertums. Nirgends ist mit so mel amtlicher und privater Gewalttätigkeit,. Rechts­verdrehung und Schikanen gegen die Soztaldemo- kratie gearbeitet worden, wie dort. Ueber den Erfolg kann wohl nachgerade auch em. Stock­blinder nicht mehr im Zweifel fern. Will man fortan aufrichtig „Beseitigung aller einseitigen Klassenpolitik" und „ausgletchende Berück­sichtigung aller Erwerbs- und Berufsklassen" so muß man dem Scharfmachertum den Laufpaß geben, denn dies ist die einseitigste Klaffenpolrlik, die sich denken läßt. Aber es wird uns schwer, an eine solche gründliche Bekehrung der Hellen Sachsen zu glauben. Hielt es doch Reser Tage das .Vaterland', das Organ der sächsischen Kon­servativen, angesichts des Wahlergebnisses für angebracht, der Regierung ein „Landgraf, werde hart!" zuzurufen und energische Avwehrmaßregeln gegen die Sozialdemokratie zu fordern. Bet fo viel Verblendung darf man kaum auf Bekehrung hoffen.

Sehr richtig empfiehlt der,Dresd. Anz/ den Sachsen auch, die „kon fessionellen Gegen­sätze" zu beseitigen. Aber ängstlich ver­klausuliert er sich mit einem „tunlichst". Den Hetzpastoren rund herauszusagen, ihr landver- derberisches Treiben müsse aufhören, wagt er schon gar nicht. Zu dem optimistischen Gedanken, seine Mahnung werde etwas helfen, wagen wir uns nicht aufzuschwingen. Der stupide Fana­tismus hat bei den letzten Wahlen aus lauter Haß gegen „Rom" den Sozialdemokraten eine Reihe von Mandaten verschafft. Die .Kreuzig, bedauert, daß die Herren vom evangelischen Bunde für die durch die ernste Zeit gebotenen nationalen Pflichten kein Verständnis gezeigt hätten. Dies Bedauern wird die Fanatiker wenig kümmern. Und daß sie einen großen Einfluß in Sachsen haben, beweisen hunderterlei Vorgänge, beweist auch hinreichend der Um­stand, daß die Katholiken dort keine Freiheit der Religionsübung und Gleichberechtigung erlangen können.

Somit können wir an eine ernstliche Umkehr in dem Musterlande der protestantischen Unduld­samkeit und der Sozialdemokratie nicht glauben. Man wird fortfahren, durch Scharfmacherel und durch konfessionelle Hetze dafür zu sorgen, daß die Sozialdemokratie dort immer mehr an­wächst.

Berlin, den 3. Juli 1903.

(*) Der ,Reichsanzeiger' veröffentlicht eine, längere Liste von Orbensanszeichnungen, die deutschen Gelehrten, Künstlern, Botschafts- und Gesandtschaftsmitgliedern, Konsilien usw. in Rom und anderen Städten Italiens aus Anlaß des Kaiserbesuchs in Rom verliehen worden sind. Professor Dr. Schulte, der Direktor des historischen Instituts m Rom, er­hielt den Roten Adlerorden 3. Klaffe mit der Schleife.

(§) Der .Vorwärts' beschäftigt sich mit verschiedenen Preßstimmen zu der Frage eines sozialdemokratischen Vizepräsidenten im Reichstage. Aus allem, was er vorbrmgt, kann man nur entnehmen, daß es ihm sehr unan­genehm wäre, wenn die Sozialdemokraten einen Vizepräsidenten stellen müßten und daß ihm nichts angenehmeres begegnen könnte, als wenn sie unter irgend einem Vorwande daran vorbei­kommen und dann über die Ungerechtigkeit der anderen Parteien zetrn könnten. Er fängt schon jetzt an, das Zentrum zu beschuldigen, es sei auch in dieser Angelegenheit ein Femd aller Ge­rechtigkeit und aller parlamentarischen Gesittung. Möge man doch einmal abwarten, ob das Zen­trum einem Sozialdemokraten, der die Obliegen­heiten seines Amtes zu erfüllen bereit ist, eine Vizepräsidentenstelle verweigert. Die Sozialdemo­kraten, die über die Rechtsverweigerung anderer Parteien zetern, möchten selbst für sich ein Aus­nahmerecht in Anspruch nehmen, indem sie nicht unter denselben Bedingungen wie andere Parteien, sondern unter bestimmten Vorbehalten einen Vize­präsidenten stellten. Besondere Vorrechte wird man den Herren wohl nicht einräumen. Darauf haben sie weniger Anspruch als irgend eine Partei, und wenn der .Vor­wärts' des Zentrum einen „Feind aller parla­mentarischen Gesittung" nennt, so möge er sich gefälligst an die parlamentarischen Sitten der Singer und Genossen erinnern. Auch die übrige sozialdemokratische Presse scheint meist ein Grauen bei dem Gedanken zu empfinden, daß ein Genosse Vizepräsident werden könnte. Anders scheint Herr v. Vollmar zu denken. Die Münchener ,Post' schreibt: „Die Sozialdemokratie ist, wie schon Vollmar in seiner Rede im Gabelsberger Keller dargelegt hat, durchaus bereit, ihren An­teil an der Verantwortung zu übernehmen. Sie wird darum auch beim Zusammentritt des Reichs­tags zweifellos ihren Anspruch auf Stellung des zweiten Präsidenten mit allem Nachdruck und ohne sich durch formalistische Bedenken irre machen zu lassen, geltend zu machen wissen." Das heißt anscheinend doch, man werde an den Formalitäten wegen des Besuches beim Kaiser usw. keinen Anstoß nehmen. Da wird es wohl noch harte Kämpfe in der Fraktion absetzen. Ein parlamentarischer Berichterstatter behauptet auf verkannt, vergib mir, was ich Dir des Schursch wegen zu Leid getan!" Und da ist ihr die Broni um den Hals gefallen und hat gesagt, nein, sie hätte ihr nichts zu vergeben, was geschebey ist, wären lauter Mißver­ständnisse gewesen. Und da hat die Frau Furtner die Vroni bei der Hand genommen und hat ihr tausend Mal gedankt für ihr gutes Herz und hat sie gebeten, sie solle ihr den Schursch ersetzen und an ihrer Seite bleiben."

„Mir fällt ein Stein vom Herzen," seufzte Gregor, „denn wenn fich diese zwei Herzen gefunden haoen, dann zweifle ick nicht, daß Vroni auch den Weg zum Herzen ihres Vaters finden wird. — Geh!" wandte er sich wieder an den Knecht, „hilf den andern den Leichnam über den Hügel heraustragen!"

„O Mutterherz," klagte Gregor, nachdem der Knecht abgegangen war, „was für ein harter Schlag steht Dir noch bevor — nicht genug, daß Du diesen Verlust erlitten, soll nun auch noch der Name Deines Lieblings qebrandmarkt werden."

Der Forstinspektor trat zu Gregor und drückte ihm die Hand.

„Nehmen Sie unser Bedauern entgegen, sprach er „soviel aber an uns liegt, soll der Mutter kein neuer Schmerz bereitet werden. Wo kein Kläger, da kein Richter. Nachdem bereits der Himmel fein Urteil gesprochen, wollen wir dasselbe nicht noch verschärfen. — Zum Glück waren die gefällten Fichten ohnehin für den Herbst zur Abholzung bestimmt, da sie bereits begannen, überständig zu werden; es kann daher ohne Nachteil für die Herrschaft dieser Straf­fall als abgeschlossen betrachtet werden, umsomehr, da auch der eigentliche, unmittelbare Täier einer härteren Strafe verfiel, als er sonst verdient hätte. — Die Stunden des Holzhauers sind gezählt, denn er hat eine innere Verwundung erlitten, der er unter­liegen muß. Was aber diesen Findig anbelangtz so ist gegen ihn bereits ein Haftbefehl wegen Wechsel­fälschung ergangen: er wirb daher die Leute durch seine falschen Ratschläge nicht mehr auf Abwege bringen können."

):((Eine Umkehr in Sachsen?

Es scheint, daß die „Ordnungsparteien" in Sachsen allen Ernstes gewillt sind, das vor sieben Jahren eingeführte Dreiklaffenwahlrecht abzu­ändern. Der Jubel, womit man in den ersten Jahren die Wirkung dieses Wahlrechts begrüßte, hat einer starken Katerstimmung Platz gemacht. Das neue Wahlrecht hat sich allerdings „bewährt", da so nach und nach sämtliche Sozialde­mokraten aus dem Landtage hinausge­drängt wurden. Nachdem nun aber die Sozial­demokraten alle sächsischen Reichstags- Wahlkreise bis auf einen erobert haben, merkt man doch, daß die Maschine noch nicht gegen Explosionsgefahr geschützt ist, wenn man das Dampfventil verstopft, und daß man die Sozial­demokraten noch nicht los ist, wenn man sie des Wahlrechts beraubt. Man kann sich nicht mehr verhehlen, daß man durch die Entrechtung der Arbeitermaffen die Sozialdemokratie gestärkt hat.

Konservative, nationalliberale und offiziöse Blätter erklären, man habe im Jahre 1896 weit über das Ziel hinausgeschossen und müsse das Wahlgesetz soweit rückwärts revidieren, daß auch wieder Sozialdemokraten in den Landtag gelangen könnten. Da man aber offenbar den alten Zu­stand nicht wiederherstellen, sondern Garantien behalten will, daß die Sozialdemokraten nicht die Mehrheit erlangen können, so fürchten wir, daß die gute Wirkung der Revision ausbleiben und wieder nur die" Sozialdemokratie den Vorteil haben wird. Sie wird sich rühmen, die Revision ei^roungen zu haben, und eine Anzahl Mandate gewinnen, aber fortfahren mit ihren Klagen, daß man das Wahlrecht verschlechtert habe, und die Wiederherstellung des alten Wahlrechts fordern. Es fällt also auf alle Fälle für ihre Agitation ein großer Gewinn ab.

Selbst mit der besten Reform des Wahl­rechtes ist es aber noch keineswegs getan, am allerwenigsten in Sachsen. Es scheint, daß diese Erkenntnis auch in einigen sächsischen Köpfen aufdämmert. So schrieb dieser Tage der,Dresd. Anzeiger', das Organ der hauptstädtischen Be­hörden, u. a.: „Nach wie vor Zusammenschluß der staatserhaltenden Parteien gegen die staats­feindliche, die Interessen der Gesamtheit wie der Arbeiter nur einseitig und kurzsichtig vertretende Sozialdemokratie, aber nur unter der Voraus­setzung einer völligen Neuorganisation der na­tionalen Parteien auf monarchisch-sozialer Grund­lage und unter nachdrücklichster Betonung der großen volkswirtschaftlichen Aufgaben, der Be­seitigung aller einseitigen Klassenpolitik, der aus- gleichenden Berücksichtigung aller Erwerbs- und Berufsklassen, der tunlichsten Beseitigung aller konfessionellen Gegensätze und Reform des Drei-

Grund „zuverlässiger Informationen" zu wissen, die Ordnungsparteien dächten nicht daran, sich dem Anspruch der Sozialdemokratie zu wider­setzen. Er weiß sogar schon den Verlauf der ganzen Präsidentenwahl im einzelnen und noch verschiedenes mehr von zukünftigen Dingen zu schildern. Wo der Mann nur die „zuverlässigen Informationen" her haben mag ? Der Reichstag ist kaum gewählt; keine einzige Fraktion ist bis jetzt zusammengetreten oder Hal auf andere Werfe über die künftige Präsidentenwahl und fonstrge Fragen verhandelt. Die „zuverlässigen Infor­mationen" sind einfach aus der Luft gegriffen.

* In der Angelegenheit Pommernbank und Berliner Presseklub veröffentlicht Ge­heimer Kommerzienrat Goldberger, der Romeick wegen der 25 000 Mark angegangen hatte, eine längere Erklärung, woraus wir erfahren, daß Romeick außerordentliches Mitglied des Vereins Berliner Presse, des Mutterverems des Berliner Presseklubs, war, und daß die immerwährende Mitgliedschaft des Preffeklubs durch einmalige Beiträge in Höhe von 500 bis 1000 Mark erworben werden konnte. Offenbar hat man nicht besonders ängstlich untersucht, wer die Spender solcher Beiträge seien, sondern sie ohne weiteres freudig aufgenommen. Romeick gab fich Goldberger gegenüber den Anschein, als stelle er die 25000 Mark aus seinen Prwat- mitteln zur Verfügung und als sei er von auf­richtigem Jntereffe für die Angelegenheiten des Preffeklubs beseelt. Er tat auch, als wünsche er nicht, daß er als der Spender weiter bekannt werde. Herr Goldberger scheint an die uneigen­nützige Hochherzigkeit Romeicks geglaubt zu haben: für einen Geheimen Kommerzienrat allerdings etwas viel. — Der „Verein Berliner Kaufleute und Industrieller" ersucht den ,Vorwärts', mit- zuteilen, daß Dr. Max Wittenberg, der journalistische Vertreter der Pommernbank, nicht mehr Syndikus des Vereins ist; er war es nur Oktober und November 1902. Dr.

berg, der von der Pommernbank 12 000 Mark jährlich erhielt, sollte bekanntlich auch Angestellter des „Handelsvertragsvereins" oder für ihn agitatorisch tätig gewesen sein. Das Sekre­tariat des Handelsvertragsvereins teilt der ,Jiat.» Ztg.' berichtigend mit, daß Dr. Wittenberg niemals in irgend einer Eigenschaft mit dem Handelsvertragsverein in Verbindung gestanden hat. Dr. Max Wittenberg ist Mr Zeit Chef­redakteur der ,Neuen Hamburger Borfenhalle.

Wer treibt Propaganda? Zu den be­ständigen und immer wiederkehrenden Klagen aus den evangelischen Synoden und Predigerversamm­lungen gehört die Beschwerde über „römische Propaganda. Man wirst den Katholiken, ins­besondere den Geistlichen und Ordensschwestern vor, sie gingen daraus aus, evangelische Christen — namentlich solche, die in gemischter Ehe leben, — zum Katholizismus zu bekehren. Dieser Vor­wurf ist schon oft als durchaus unberechtigt zurückgewiesen worden, aber er kommt wieder von neuem zum Vorschein. Und nun lese man einmal, was die vom Preßausschuß des evangel. Psarrervereins sür den Konsistorialbezirk Kassel

Auch Seger reichte Gregor die Hand.

„Herr Furtner," sprach er, „Georg war mein Feind, aber, weiß Gott, ich gäbe viel darum, wenn alles nur ein böser Traum wäre . . ."

„Wir find unserer traurigen Aufgabe l)ter enl- hobm," ergänzte der Inspektor, „bevor ich mich aber entferne, fei mir noch gestattet, daß ich mich im Interesse meines jungen Freundes, so unpassend auch der gegebene Moment ist, einige Worte spreche: Durch Herrn Leger wurde ich vollständig in dessen Farmlien- verhältniffe eingeweiht. Aus seinem Munde erfuhr ich, wie er zu Veronika steht, aber auch zugleich, baß feine besten Absichten hier am Berghofe auf heftigen Wider­stand stoßen. Ich erachte es nun als meine Pslicw. offen zu erklären, daß besagtes Mädchen eine durch­aus glückliche Wahl getroffen hat. — Ich hatte nur gewünscht, auch das Mädchen kennen zu lernen, von dem mir mein junger Freund so viel Schones erzählte , und von dessen Herzensbildung wir soeben durch die Schilderung des Knechtes einen schönenBeweis erhielten.

Auf Gregor machten diese Worte einen tiefen Eindruck. Er war sichtlich bemüht, dem überströmen - den Gefühle Einhalt zu tun und sich den Anschein eines Unbefangenen zu geben.

„Herr Forstinspektor," sprach er, „bte Verhältnisse haben sich hier aus dem Berghofe seit kurzem so ge= ändert, daß mir jetzt ein Herzenswunsch ist, was ich fiüher aus mancherlei Gründen nur ungern gesehen hätte. — Ich werde mich glücklich schätzen, wenn ich meine — — wenn ich Vroni unter dem Schutze eines so tüchtigen Mannes weiß."

Die zitternde Stimme verrieth die Seelenstimmung, die fich Furtners bemächtigte. Er schritt auf Seger zu und schüttelte ihm treuherzig die Hand.

„Tausend Dank," sprach Leger, „diese Worte lassen mich Alles vergessen, was ich der Vroni wegen erlitten.

^Dort," versetzte Furtner, indem er mit der Hand nach Bronis Kammer wies, „find noch Zwei, denen dar Glück Bronis ebenfalls am Herzen liegt — Lorenz und Seni." (Schluß folgt.)

ist bann ist dies nur in der Weise geschehen, daß er in demselben Augenblicke, als er über den Steg flüchten wollte, mit demselben von den Wellen mitgerissen wurde."

Ja, ja," bestätigte der Forstinspektor, indem er mit dem Kopfe nickte, so etwa kann es gewesen fein." „Wenn aber Ihr Sohn," fuhr er fort, „durch diese Tat Herrn Leger in meinen Augen erniedrigen wollte, so kann ich nur sagen, daß er damit das Gegenteil erreichte." —

Lautes Rufen vom Hausflur her unterbrach das Gespräch. Mit Ungestüm stürzte der Jungknecht in's Zimmer und teilte unter Wehklagen und Händermgen mit, daß man den Leichnam Georgs gefunden.

Wir haben," fo erzählte er in umständlichster Weise, „die beiden Ufer des, Erlenbaches bis zum Mühlenwehr mit Stangen durchsucht. Wir wollten, da nichts zu finden war, umkehren. Da sehen wir unweit des Wehres einen großen Reisighaufen ange- schwemmt mit allerhand Holzteilen, wie's der Wild­bach vom Hagenberg ins Tal mitgeschwemmt haben muß. — Wie wir an den Haufen herankommen, liegt auch Georg dort, von Blättern und Reisig bedeckt."

Furtner bedeckte fein Antlitz mit beiden Hände» — eine Pause des Stillschweigens trat ein.

„Wo ist meine Frau?" fragte er endlich.

„Sie ist zurückgeblieben," antwortete der Knecht, „sie"ordnet die Uebertragung der Leiche an. Mich hat ;;e vorausgeschickt, um dem Herrn Furtner die Nach­richt zu melden. O, Herr Furtner," jammerte er, „das War ein Lamento, wie wir den Herrn Georg gefunden haben. Die Frau Furtner hat fich auf die Leiche ge­stürzt und hat gemeint, der Schursch muß noch ein Lebenszeichen von fich geben. Und die Vroni, die Vroni, ich hab' immer gemeint, sie hat gegen den Schursch ein hartes Herz, aber nein! die hat gerab so gejammert, als ob es ihr leibhaftiger Bruder war, so daß die Frau Furtner selber gerührt War und ge­sagt hat: „Vroni, jetzt erkenn ich erst, daß Du wirk­lich ein gutes Herz hast, und ich hab' Dich immer