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fllldd, Freitag, den 3. Juli 1903.
30. Jahrgang.
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Deutsche Rundschau für Geographie uud Statistik. Unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner herausgegeben von Prof. Dr. Fr. Umlauft. XXV. Fahrgang 1902/1903 (A. Hartleben's Verlag in Wien, jährlich 12 Hefte zu 1.15 Mk.)
Inhalt des 10. Heftes: Eine Besteigung des Vulkans Popocatepetl in Mexiko. Von Heinrich Lemcke in Mexiko. (Mit 4 Abb.) — Fortschritte der geographischen Forschungen und Reisen im Jahre 1902. 1. Asien. Von Dr. I. M. Jüttner. — Die Sorben in Deutschland. Von Dr. I. Reiner in Charlotten- burg. (Mit 2 Abb.) — Forschungsreisen am Rio Branco. Von Georg Hübner in Mankos. (Fortsetzung.) — Astronomische und physikalische Geographie. Die besten Lokalitäten für astronomische Stationen. — Politische Geographie und Statistik. Die Grenzberichtigung von Abessinien. (Mit einer Karte.) Zur letzten Volkszählungsstatistik des Fürstentums Bulgarien. — Geographische Nckrologie. Todesfälle. Dr. Johann Santo. — Kleine Mitteilungen aus allen Erdteilen. — Geographische und verwandte Vereine. — Vom Büchertisch. — Eingegangene Bücher, Karten rc. — Kartenbeilage: Grenzen in Ost-Aftika nach den Verträgen von 1900 und 1902. Maßstab 1 : 12,000.000.
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Betrachten wir die Stimmmittel der Vögel etwas näher. Während die Amphibien die Stimme mehr mit dem Gaumen, die Säugetiere mehr mit den Lippen hervorbringen, erzeugen die Vögel die ihrige zum Teil mit der Zunge, und schon deswegen ist sie die vollkommenste unter den Tierstimmen. Der Kehlkopf ist sehr einfach, er ist nur ein einfacher Spalt ohne einen dehnbaren Rand, ohne Stimmritzenbänder und andere Vorrichtungen, welche beim Menschen die wunderbare Mannigfaltigkeit der Töne bewirken. Dagegen haben die Vögel am Ende der Luftröhre einen eigentümlichen Apparat, den sog. unteren Kehlkopf, welcher sich am vollkommensten bei den Singvögeln findet. Da, wo die Luftröhre in zwei Aeste übergeht, ist ein breiter, horniger Absatz, ähnlich dem Gerüste einer Trommel, in welchen von unten eine hornige Scheidewand hineinragt. Jeder Ast der Luftröhre ist durch eine Stimmritze mit zwei Stimmbändern versehen. Zugleich heften sich teils an die Trommel, teils an die Ringe der Luftröhre einige Muskeln, die am meisten zu der wechselvollen Modulation der Töne bei den Singvögeln beitragen. Die besten Sänger haben fünf solcher Muskelpaare; die meisten übrigen Vögel nur ein oder zwei — und sind daher keiner Mannigfaltigkeit der Töne fähig. Btt den Wasser- und Sumpfvögeln sind kreischende oder schnatternde Stimmen vorherrschend. Die Albatrosse schreien fast wie die Esel; manche Möven, zumal die Lachmöve, lassen eigentümliche Gurgeltöne, die hoch in den Lüften ziehenden Schwane einen tiefen Posaunenton hören.
Auch die Hühner, Kletter- und Raubvögel entbehren des vollständigen Singmuskelapparats, indem sie nur einen einzigen Singmuskel haben; und doch hat jedes Geschlecht seine eigentümliche Stimme, woran wir sie und sie sich untereinander erkennen: die Tauben ihr Trommeln, Girren und Lachen, die Truthühner ihr Schluchzen, die Auerhähne ihr Schleifen, die Haushühner ihr Gackern und Glucken, die Wachtel ihren sanften, im Daktylustakte ertönenden Ruf, die Geier ihr Pfeifen.
Bei den Singvögeln, die einen gleichen Singmuskelapparat haben, scheint auch die Nahrung von Einfluß auf die Stimme zu sein. Die von Würmern oder Fliegen, Mücken und anderen Insekten lebenden haben eine klare, silberhelle Stimme, die Körnerfresser dagegen einen vollerklingenden, häufiger trillernden Gesang. So trägt jeder Vogel je nach seinen besonder» Mitteln und Kräften zu dem vollen Chore das ©einige bei, manche machen sich sogar ein musikalisches Vergnügen eigener Erfindung, z. B. der Specht, welcher stundenlang auf einem dürren Aste sitzt und mit seinem kräfligen, keilförmigen Schnabel so tüchtig darauf loshämmert, daß es weithin durch den Wald dröhnt.
Die Säugetiere tragen verhältnismäßig wenig zu dem Getöne des Lebens in der Natur bei, denn sie lassen ihre Stimme viel seltener erschallen als die Vögel; auch ist dieselbe an und für sich weit schwächer. Während die großem Vögel, wie wir sahen, ihre Stimme aus einer Höhe von mehr als einer halben Meile herabschicken, macht sich die der Säugetiere schwerlich weiter als eine Viertelmeile vernehmbar. Doch erheben auch sie alle ihre Stimmen, um sich in der Ferne zu erkennen oder um Gefühle der Freude und des Schmerzes, .der Zuneigung und des Zorns, des Hungers uno des Durstes auszudrücken. Fröhlich hallt das Tal wider von den Summen der blökenden Heerde», von dem Wiehern der Rosse, dem Bellen der Hunde; die Löwen und Tiger erfüllen mit furchtbarem Gebrüll die einsame» Wüsten, die Affen durchziehen mit kreischendem Geschrei die Wälder der Tropen. Keins hat die Stimme des Andern, sie alle finden sich zusammen in den weiten Räumen, wo sie zerstreut umherfchwärmen. Also ordnete es Gott der Herr zur Erhaltung des tierischen Lebens.
Erscheint täglich, mit Ausnahme der §onn- hh6 Sekttage. Viertel; fährt. Bezugspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und auswärts 1 Mk. 50 pfg
verantwortlicher Schriftleiter-Zos.Baum
j. pärzeller in Hulda. wochcnbeiiage: „Illustrierte Sonntagszeitung
+ Sur Jubelfeier bet Kartoffel brachte die ,Fuld. Ztg/ vor einigen Tagen ein hübsches Artikelchen, dem wir einige Bemerkungen von lokalem Interesse beizufügen nicht ermangeln wollen. Auch im Fuldaer Lande hatte die Einführung des Kartoffelbaues viele Widersacher; denn wie überall blickte man auch hier die unbekannte Knollenfrucht mit gar argwöhnischen Augen an. Daß die nährende Feldfrucht aber endlich doch mehr und mehr Eingang fand, war besonders dem beharrlichen Bemühe» des Kur- mainzische» und Fürst!. Fuldischen Geheimrates Johann Anton v. Röthlein, Fuldisch« Domsyndikus und Oberamtmann zu S a l z s ch l ir f, zu verdanken, der vorab in der dortigen Gegend, im domstistischen Gerichte Großenlüder, das Vorurteil der Landwirte bekämpfte, indem er Jahr für Jahr die Felder mit Kartoffeln bestellen ließ. Er war Mitbesitzer der Saline von Salzschlirf, welche im Jahre 1706 der Dr. med. Johann Konrad Grundeln, Kurfürstlich Mainzischer Keller- und Salzdirektor zu Orb, zur einen Hälfte an ihn und Johann Adam Mott den älteren, zur andern Hälfte an 50 Nachbarn zu Salzschlirf verkauft hatte. Johann Anton v. Röthlein war es auch, der 1750 die Neumühle an der Fulda nächst Bronzell angelegt hat, die erst später, nachdem der Fabrikant Hüttenmüler von Schlitz sie kaufte und zur Papiermühle einrichtete, „Hüttenmühle" genannt wurde. Der Geheimrat v. Röthlein hat sich um die Wohlfahrt unseres fuldischen Vaterländchens vielfach verdient gemacht. Er wohnte neben der Severikirche in einem sehr alten Hause, das an Stelle des jetzigen „Marienheims" sich befand. Nach Süden und Westen zog sich ein großer Garten hin, in welchen Röthlein's Schwiegersohn, der F. F. Geheimrat und Kanzlei- Direktor Joh. Heinrich Peter Franz von Pape, genannt von Papius, das jetzt dem Mutterhause gegenüber stehende stattliche Eckhaus stellte. Der Fürst!. Fuldifche Hofkanzler Joh. Eberhard v. Kaiser, welcher der Schwiegersohn des Herrn v. Papius war, hat später das alte Röthlein'sche Haus umgebaut und ihm seine jetzige Gestalt gegeben. Wir sehen baren die Jahreszahl 1772. Johann Anton v. Röthlein war vermählt mit Maria Franziska Her- z i n g, einer Tochter des Fürst!. Fuldischen Kammerrates und Stadtschultheißen Aene-as Her- z ing, und der Katharina Elisabeth Herzing, geb. Stendorfs. AuchHerzing verdient gleich seinem Schwiegersöhne, daß sein Andenken in Fulda in Ehren bleibe. Ist doch sein Name mit der Geschichte unseres Dombaues gar ruhmvoll verknüpft. Denn Aeneas Herzing war jener Ehrenmann, der nach des Fürstabtes Plazidus von Droste Tod lieber dem Verdacht sich aussetz 'e, die fürstliche Kabinetskasse geplündert zu haben und deshalb sogar ins Gefängnis sich setzen ließ, ehe er das von Fürst Plazidus hinterlassene Vermöge» an das Kapitel auslieferte. Erst nachdem dem Stiftsdechant Adalbert v. Schleifras zum Fürstabt erwählt worden war, offenbarte der treue Mann, wie er seinem seligen Herrn zu tun gelobt, wo der Schatz sich befand. So waren die Domherren um die Erbschaft gekommen, die 600,000 Gulden betragen haben soll, nun aber unzersplittert Adalbert !, die Mittel zur Ausführung seiner großartigen Baupläne gewährten.
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und Verfassung des Mittelalters rc. Jntereffenten wird dieser sorgfältig zusammengestellte Katalog, welch« sehr viele, seltene imd vergriffene Büch« aufweist, auf Verlangen »»berechnet und franko übersandt.
•: Die Stimme der Tiere.
Naturwissenschaftliche Studie von Dr. Karl Kuntze.
-------- (Nachdruck verboten.)
MüH die Natur im Schmucke des Frühlings noch so liebreich prangen, mag der Schmelz der Farben, der Duft der Blumen noch so sehr des Menschen Herz erfreuen, mögen die Sttahlen der Sonne »och so mild sich herniedersenken, der größte Reiz der Natur bleiben doch immer die lebendigen Stimmen berf’Iben. Was wäre der ftische grüne Wald ohne das Rauschen der Quelle, ohne den oieltönigen Gesang der Vögel, die blühende Wiese ohne das fröhliche Ergehen bet Herden, ohne das Summen der Insekten, waS wäre die herrlichste Landschaft, wenn nicht die Stimmen ber Natur auch dem Gehör seine Nahrung gäben, welches fast mehr noch als das Gesicht uns zu mitfühlenden Wesen macht? Und wäre es, wenn der Winter so vieles Lebendige aus unser« Nähe vertreibt ober verstummen läßt, auch nur das heis«e Krächzen d« Raben, der Schrei des einsamen Raubvogels, das Pochen
Das Antiquariat der Fa. Friedrich Meyers Buchhandlung in Leipzig versendet soeben seinen 49. AutiqnariatS-Satalog, der eine gediegene Auswahl von Werken znr Rechts- und StaatSwiffenschast enthält. Das Verzeichnis umfaßt: Nationalökonomie,
(*) Kleine Nachrichten. München. Die Verwendung von Spiritus-Glühlicht empfiehlt ein Erlaß des bayerischen Kriegsministeriums den Truppen und Dienststellen. — Kiel. Im Kriegshafen stießen die Dampfboote des Kreuzers „Viktoria ßuife" und des Schulschiffes „Moltke" zusammen; beide erhielten ein großes Leck und sanken sofort. Die Besatzungen wurden glücklicherweise gerettet. — Altena i. Wests. DaS unvorsichtige Han- tteren mit einem geladenen Revolver mußte der noch jugendliche Schloff« Erdmann mit dem Tode büßen. Im Begriff, eine Patrone aus der Waffe, zu entfernen, entlud sich dieselbe, die Kugel drang dem Unglückliche« ins Her», und nach turgen Augenblicken verschied derselbe.— Wiborg. Wegen Betrügereien in Höhe von einer halben Million Marr wurde.
.Stockholms Tidningen' zufolge, in Wiborg (Finnland) der schwedische Feldjäger-Leutnant Lindgreen festgenommen. Als Mitschuldiger sei der Direttor einer dortigen Aktiengesellschaft, Hardesvogt, verhaftet worden. — Stendal. Der Lehrer Wilhelm Erx« leben aus dem Dorfe Klein-Engersen wurde nach zweitägiger Verhandlung vom hiesigen Schwurgerichte, weil er sein eigenes Schulhaus in Brand gesteckt hatte, zu zwei Jahren Zuchthaus und drei Jahren Ehrverlust verurteilt. — Berlin. Der Kaiser ließ aus seinem Dispositionsfonds 225000 Mark an die von Unwetter und Sturmflut schwer getroffenen Fischer in Zersen an der Ostsee überweisen. — Straßburg. Bei einem im Soldatental in dem Anwesen des Landwirts Becher stattgehabten Brand kam die 17jährige Tochter Bechers, sowie ein Dienstmädchen in den Flammen um. — Kahla (Thür.). Beim Baden in der Saale ertrank in Kahla der 22jährige Modelleur Hermann Schulze. — Wien. In Laibach stürzte der Luftschifser Leon Steffens, mit seinem richtigen Namen Jan Blaschek, mit dem Fallschirm ab und erlitt mehrfache Knochen brüche.
* 74 Jahre gewartet. In Long-Jsland wohnte kürzlich ein sehr zahlreiches Publikum ein« Hochzeit bei, wie man sie in den Bereinigten Staaten von Nordamerika noch nicht erlebt hat. Ein Mr. Townsend Millar, in dem schönen Alter von 104 Jahren, heiratete eine verhältnismäßig junge Witwe; sie zählte nämlich nur 79 Jahre. Er hat sie bereits gekannt, als sie ein kleines Mädchen von 5 Jahren war. Trotzdem Mr. Millar damals seine 30 Jahre hatte, faßte « den Entschluß, die Großjährigkeit des Kindes abzuwarten, um es dann zu heiraten. Aber sein Unstern wollte, daß das Mädchen, als es in das heiratsfähige Alter kam, einen andern ihm vorzog. Mr. Millar verlor jedoch nicht den Mut, sondern sagte sich: „Ich werde trotzdem warten!" Seine Geduld ist nun, tote man sieht, endlich gebührend belohnt worden.
* Eine Fra« als Schiffsarzt. Wenn es so weiter geht, werden die Frauen bald in alle B«ufe eingedrungen sein, die bisher dem starken Geschlecht Vorbehalten waren. Jetzt wird aus Marseille berichtet, daß sich eine junge Aerztin, Mlle. Sarah Broido, als Schiffsarzt auf einem Dampfer hat anstelle» lassen, der zwischen Marseille und Algier fährt. Es ist das erste Mal, daß eine Frau diesen Beruf ausübt. Außerdem hoben sich noch zwei andere Damen um einen solchen Posten auf Dampfern beworben.
* Drastffche Probe. Zum Möbelhändler Wurmstoppel kommt ein Bauer, um Stühle zu kaufen. Eitw besonders fest gearbeitete Art gefällt ihm; er packt einen Stuhl und, weit ausholend, schwingt er ihn gegen Wurm stoppel. „Was fällt Ihnen ein — was wollen Se?" schreit jener angstvoll. „Probieren tu' i' 'n nur!" erwidert der Bauer; — „wissen S', die Stühl g'hör'n für a' Wirtshaus!"
* Aufklärung. „Ich hätte gar nicht gedacht, daß der filzige Meier so wohltätige Anwandlungen hat — neulich leitete er int Gasthaus sogar eine Sammlung für eine arme Witwe ein, die den Zins nicht erschwingen kann.* — „Ja, das ist die Witwe, die in seinem Hause wohnt!"
* Eine Zwangsvorstellung. „Seh'« S, Herr Schluckerl. so geht's mit dena g'scheidten Vorträg'! Da bin i' neuli' in so an’ Vortrag über Zwangsvorstellungen g'wej'n, und seit dera Zeit moan' i’ jed'n Abend, wenn i’ hoamgeh’n will, i' muß no' a Maß trink'n!"
* Grob. Dame: „Ich kann mich für den Vegetarismus nicht erwärmen; ich effe zum Beispiel erne Portion Kalbsbraten sehr gern. Geck: „Ach, dann wollte ich, ich wäre ein Kalb!" — Dame: „Ach, Sre sind ja schon ausgewachsen."
des geschäftigen Spechtes, es ist doch eine Aeußerung des Lebens, eine Erinnerung, daß nicht alles Lebendige von uns gewichen ist, was uns umsomehr erfreut, je wenig« die Landschaft bent Auge zu bieten vermag.
Wunberbar mannigfaltig sinb bie Mittel unb Wege, welche bie Tiere anwenden, um in dem tausendfach wechselnden Getümmel des Lebens nicht lautlos zu bleiben. Doch nicht allen Tieren verlieh bie Natur eine Lunge unb somit eine wirkliche Stimme. Unzählige Tiergestalten auf ber Erbe unb unter ber Erbe unb im Wasser leben einsam unb stumm, in sich selbst verschlossen mit ihren Trieben zur Erhaltung bes Lebens unb zur Fortpflanzung des Geschlechtes. Andere wissen den Mangel einer Stimme auf verschiedene Weise zu «setzen. Myriaden von Mücken, Fliegen, Bremsen, Immen unb Käfern summen, schwirren unb schnurre», unb doch haben sie alle keine eigentliche Stimme. Starr unb regungslos, fast im Zustanbe bes Schein- tobes liegen bie Insekte» verborge» in falten Nächten unb kühlen Tage», aber jeher wanne Sonnenstrahl weckt sie zu regem Leben unb bie Glut bes Sommers ruft sie zu rastloser Beweg- lichkeit. Jnbem bie Luft teils in bie Tracheen, welche durch häutige Klappen verfchloffen sind, teils in bie Luftgefäße ber ausgespannten Flügel heftig einströmt, werben diese in eine zitternde Bewegung versetzt unb bewirken so jene sein- schwirrenben ober tiefsummenden Töne, durch welche sich bie fliegenden Insekten hörbar machen. Einige Käfer haben noch besondere Töne, wodurch sie sich gegenseitig zu rufen scheinen. Der Klopfkäfer schlägt mit seinem Oberkiefer an ba§ Holz, wodurch ein Ton wie das Ticken einer Taschenuhr hervorgebracht wird, weshalb ihn der Aberglaube die Totenuhr nannte. Der Schröter- ober Bockkäfer erzeugt durch Reibung feiner Halsringel einen girrenden Ton, fast wie von einer Geige, was ihm auch den Namen Geiger verschaffte. Am lautesten in der Jnsekten- roelt macht sich das muntere Völkchen der Heimchen und Grillen, welche ihre Streichinstrumente — denn andere haben sie nicht — vom frühen Morgen an bis in die späte, stille Nacht in Feld unb Wiese ertönen lassen. Die einen bewirken ihr Zirpen ober sogenanntes Singen burch fchnelle Reibung ber Flügelbecken aufeinander, bie anberen burch bas Reiben der Hinterschenkel an den Flügeldecken.
Den Fischen versagte bie Natur jede laute Aeußerung des Lebens; stumm verbringen sie ihr Leben in dem Dämmerlichte, welches selbst beim hellsten Sonnenschein unter dem Wasser herrscht. Erst bei den Amphibien tritt die Lunge auf und somit die erste Spur einer wirklichen Stimme. Die meisten bringen es aber nur zu einem zischenden ober hauchenden Geräusch, indem sie die Luft heftig ausstoßen. Nur die Familie ber Frösche hat die Natur in bstser Beziehung bevorzugt; sie erheben sogar zu gewissen Tages- und Jahreszeiten ihre Stimme am lautesten in dem vollen Orchester ber Tierwelt. Kein Tier, vermag in Bezug auf Kraft unb Ausbau« der Stimme mit unferm Wafferftosche zu rivalisieren, geschweige denn mit dem fußlangen Brüller Vir- giniens und Louisianas (Rana mugieus), dessen dumpfes Geschrei dem Brüllen eines Ochsen gleicht. Kein Tier hal aber auch solche Mittel zur Verstärkung der Stimme erhalten als der Frosch; denn wie zwei Trommeln treten seine gewaltigen Schallblasen aus den geschwellten Backen hervor. x
Nicht nur an Stärke, sondern auch an Wohllaut unb Mannigfaltigkeit ber Tone sind bie Vogel bie begabtesten unter den Tieren. Welch' unendliche Skala von Tönen, vom Heisern Krächzen der Raben, vom wilden, schrillenden Schrei des Raubvogels,, vom dumpfen Stöhnen der Royr- dommel, vom leisen Girren ber Holztaube bis zum jubelnben Schmettern der Lerche, dem sanften, süßklagenden Flötentone der Nachtigall und Amsel, dem wechselvollen Trillern des Finken und Kanarienvogels!
Die Stimme der Vögel ist nicht nur im Verhältnis zum Körpervolumen stärker als die der vierfüßigen Tiere, sondern selbst an und für sich, abgesehen von diesem Verhältnis. Wir vernehmen die Stimme der größeren Vögel oft schon, ehe unser Auge sie entdecken kann; sie müssen sich dann zu einer Höhe emporgeschwungen haben, welche wenigstens 3000 mal mehr beträgt als °ihr Durchmesser, weil «st in dies« Entfernung das menschliche Auge die Gegenstände nicht mehr «blickt. Wenn nun ein Vogel mit ausgebreiteten Flügeln ein Gegenstand von vier Fuß im Durchmesser ist, so wird er* erst in einer Höhe von 12,000 Fuß ober ein« halben Meile verschwinden. Wenigstens ebenso groß werden wir alfo die Schallweite der Sttmmen der größern Vögel annehmen können.
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