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Maer

Zeitung

30. Jahrgang

fUiaa, Freitag, den 3. Juli 1903.

M 148

zu ermitteln, wo und in welcher Höhe Unter« stützungen der Beamten-Wohnungs-Vereine durch Hergabe von Staats-Hypotheken-Darlehen ge­geben werden können.

* Der Liberalismus droht, er werde zur

Persönlichkeit über die Sozialdemokratie getan haben soll, wird vom.Konfektionär' mit­geteilt. Der Kaiser erklärte danach, daß die Sozialdemokratte eine Erscheinung sei, deren Entwickelung man abwarten müsse. Er halte es nicht für an der Zeit, in diese Bewegung einzugreifen — Bekanntlich soll auch der Kaiser schon bald nach seinem Regierungsantritt gesagt haben: Die Sozialdemokratte überlassen Sie mir, mit der werde ich schon selber fertig werden. Aber dann kamen doch Umsturz--. und Zucht­hausgesetz. . *«-■

* Dispositionen für das K aisermanöver. Die Kaisermanöoer werden in der Gegend von Merseburg zwischen den beiden sächsischen Armeekorps (XII. und XIX.) einerseits und dem preußischen IV. und IX. Korps andererseits statt­finden. Die beiden ersten Tage werden zum kriegsmäßigen Aufmarsch der Korps und zum Zusammenstoß der feindlichen Vorttuppen an der Nordwestgrenze Sachsens verwendet. General der Infanterie von Treischke, der kommandierende General des XIX. Armeekorps, soll den Ober­befehl über die gesamten sächsischen Truppen er­halten. Vom dritten Manövertage ab ist die Uebernahme des Kommandps über die Sachsen durch den Kaiser geplant, und am letzten Tage wird ein Angriff der durch das eine preußische Korps verstärkten sächsischen Armee auf einen markierten Feind, der von dem anderen Korps gestellt wird, stattfinden. "Am 5. September, abends 6 Uhr, gibt König Georg von Sachsen im Leipziger Palmgarten eine Paradetafel zu ö00 Gedecken, der der Kaiser beiwohnen wird. Im Anschluß daran findet eine Serenade und Zapfenstreich statt, an dem die gesamten Musik­korps des XIX. Armeekorps mit den Spielleuten, im ganzen etwa 1000 Mann, teilzunehmen haben. Gegen 9 Uhr ist der Aufbruch der Majestäten

festgesetzt.

—* Wie groß das Interesse der Regierung für die Regelung der Wohnungsfrage der Beamten ist, ergibt sich aus der Tatsache, daß in diesen Tagen zwei Kommissare der kgl. Re­gierung von Potsdam den Bezirk bereisen, um statistische Aufnahmen der Wohnungspreise vor-

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Grunde gegangen ist: die Kulturkämpferei und konfessionelle Hetze. Wie schon sein „Erfolg" bei den Wahlen zeigt, stärkt er damit nur die Sozialdemokratie, gegen die man sich doch zusammenschließen will, und spaltet und schwächt den Liberalismus. Eine Wirkung aber hat er, die wir zu beklagen keinen Grund haben, die aber dem „orthodoxen" Meichsbotertt und seinen „anti­ultramontanen" Gesinnungsgenossen schwere Sorge bereitet: er bringt die Konservativen und das Zentrum einander näher. Wenn der Liberalismus sich in unseliger Ver­blendung selbst ruiniert und zum Verarbeiter der Sozialdemokratie macht, dann bleibt den Konser­vativen — wie der Regierung — nichts an­deres übrig, als mit dem Zentrum zu gehen und mit ihm die positiven Aufgaben des politischen Lebens zu lösen.

Eine Annäherung der Konservativen an das Zentrum zwingt sie aber auch weiter, alles ab­zuweisen, was das Zentrum zurückstoßen könnte. Sie müssen daher vor allem jeder kon­fessionellen Hetze absagen. All das wüste Gezeter „antiultramontaner" Pastoren und Pro­fessoren über „römische Herrschsucht", „hierarchi­sche Tendenzen", „ultramontane Gefahr" kann bei ihnen kein Gehör finden. Die maßgebende konservative Presse weist denn auch mit aner­kennenswerter Entschiedenheit die konfessionelle Hetze zurück und warnt die Ihrigen, sich durch den Evangelischen Bund als Vorspann für den kirchenfeindlichen Liberalismus gebrauchen zu lassen. Nur so verbohrte Fanatiker wie der,Reichsbote' glauben noch immer, die Liberalen mit Aussicht auf Erfolg mahnen zu können, doch von ihrem religiösen, sozialen und wirtschaftlichen Subjektivismus zu lassen und mit den Konser­vativen gegen den Ultramontanismus und So­zialismus zu kämpfen. Als ob der Liberalismus seine Religions- und Kirchenfeindlichkeit abschwören und gleichzeitig die Hetze gegen die Katholiken fortsetzen könnte. Der Grund für seinen „Antt- UltramontaniSmus" ist ja in seiner Kirchenfeind­lichkeit überhaupt zu suchen.

Es ist uns keineswegs lieb, daß der Libera­lismus sich mehr und mehr ruiniert und durch p^Bvztnldemokrrttierrsetz4m7ird. -Aber -selbst-^ verständlich kann die Zentrumspartei keine Hand zu seiner Rettung rühren, wenn er von der Kul­turkämpferei leben zu können glaubt. Wir sähen gern, wenn er im Stande wäre, dem Konserva­tismus das Gegengewicht zu halten. Aber mit einem Leichnam verbindet man sich bekanntlich nicht, das Zentrum am wenigsten dann, wenn er auch noch nach Kulturkampf riecht.

Regierung die Katholiken nicht quält, sondern ihnen einigermaßen gerecht wird, droht das liberale Bürgertum, sich dem Radikalismus zu ergeben und wählt — sozialdemokratisch! Nach der Stichwahl kam die ,Köln. Ztg.' (Nr. 566) nochmals auf die nationalliberale Wähleroersamm­lung in Köln zurück.

„Die Regierung, sagt sie, müsse aus dem Gange der Versammlung erkennen, daß sie mit einer immer stärker werdenden Bevorzugung des Zentrums aber­tausende ruhiger Bürger derart aufreize, daß sie geneigt sind, mit sozialistischen Stimmzetteln den angesammelten Ingrimm gegen das Zentrum kund­zugeben. Die Regierung müffe klar aussprechen, daß sie allen reaktionären Bestrebungen, insbesondere allen kulturfeindlichen Versuchen des Zentrums sowie der Konservativen unbedingt ablehnend gegenüberstehe, tut die Regierung das gegenwärtig nicht, wo die Konser­vativen und das Zentrum sich wiederum die Hand reichen, so würde sie mit einer weiteren starken Zunahme de» Sozialdemokraten zu rechnen

{:] Sine neue Sammelpolitif.

Der Traum vm der „großen liberalen Partei" ist dutch die Wahlen gründlich zerstört worden. Wenn die Versicherung des Prinzen Hohenloh, der Reichskanzler möchte lieber mit den Listralen als mit dem Zentrum gehen, bei manchem unverwüstlichen liberalen Optimisten das Herz höher schlagen ließ, die ganzen 5 Mandate die der gesamte Liberalismus bei der Hauptwafl errang, mußten auch dem ärgsten utopistischn Schwärmer klar machen, daß einstweilen mit dem Liberalismus nicht zu regieren ist. Die 80 Mandate, die er dann noch in der Stichwahl errang, konnten für ihn auch die Regierungsfäsigkeit nicht retten, sondern nur bestätigen, daß ei mit ihm immer mehr ab­wärts geht, daß die Sozialdemokratie sich an­schickt, ihn zu beaben, und daß er eigentlich nur noch von der Gmde der Parteien lebt, die ihn der Sozialdemokmtie gegenüber für das kleinere Uebel halten.

Ist der Tratm zerronnen, so möchte man aber doch wenigiens den Liberalismus so stark machen, wie er ® nach der Zahl seiner Mandate sein könnte, als, seine Parteisplitter sammeln. Die,Nat. Lib torr/ mahnt, doch die inneren Zwistigkeiten bä Seite zu stellen und eine größer eEinmttigkeit anzustreben, wenigstens gegenüber der Sozialdemokratie. Die Mahnung findet im freisinntzen Lager zustimmenden Wider­hall. Nur freuch scheint die Verwirklichung im weiten Felde zu liegen. So lange man bei den theoretischen Erörterungen bleibt, ist man völlig einig darüber, daß man liberal sein will und daß der Liberalismus noch entschiedener als bisher betont werben müßte. Sobald man aber zur Praxis kommt, versteht man sich nicht mehr. Da entdecken die Freisinnigen bei den National­liberalen mit Entsetzen Leute, die die reinstem Agrarier und mit Hilfe des Bundes der Landwirte gewühlt sind. Wo beibt da der Liberalismus? Die Nationalliberalen ihrerseits finden unter den Freisinnigen Leute, die mit den Sozialdemokraten liebäugeln und für ihre Gruppe einen lesonderen Stein im Brette der Sozialdemokrati! 'zu erobern suchen. Wo soll da die ©inmfltigtei: gegenüber der Sozialdemokratie Herkommen? ju alledem haben wir noch die Eifersucht utter den Führern der verschiedenen Gruppen, die eine Einigung nicht auskommen läßt, sowie dir verschiedene Stellung der ein­zelnen Gruppen zu den „nationalen" Fragen.

Ein Liberaler, der sich mit nüchternem Auge die Dinge ansicht, wie sie liegen, wird demnach kaum an den Erfolg der liberalen Sammelpolitik glauben. Nun tritt der Jungliberalismus auf und will den Liberalismus wieder beleben durch das Mittel, an dem er schon einmal zu

Erscheint täglich, mit Anrn«h»e der $»«*= »b Leiertage. viertel- siihrl. Bezugspreis ohne Bringerlohn und veßtSgeld in Znlda und «rwSrtrl M. 50 pfg.

verantwortlicher

-chriftkeiter:Zof.Ban« fSr di« Inserate

J. Parzrller in Znlda.

Berlin, den 2. Juli 1903.

§ Eine Aeußerung, die der Kaiser während der Kieler Woche in einem Gespräch über die Reichstagswahlen zu einer bekannten nicht gerade ihr gehört. Wie ich die Kommodo auf­mache, was finde ich da ganz hinten im Schubfach? — Eine schwere goldene Kette mit einem ebenso schweren Kreuz."

„Nun, wahrscheinlich halt ein Andenken vom seligen Vater," bemerkte Gregor leichthin.

„Laß mich zuerst ausreden, dann kommst Du an die Reihe!", siel ihm Margaretha ins Wort. „Die Geschichte war mir verdächtig, weil die Dirne diesen wertvollen Schmuck nie getragen bat. Ich gehe also zur Großdirne, die seit zwanzig Jahren am Berghof im Dienste steht und frage sie, ob sie etwas Näheres hierüber wisse. Die erzählt mir nun, daß man diese Kette samt dem Kreuz bei dem Kinde.gefunden habe, als es ausgesetzt wurde. Es war ihm um den Hals gehängt, sonst aber w sse man darüber nichts."

„Bei dem Kinde, sagst Du, hat man es gefunden? — Wirklich sonderbar!"

„Jr, allerdings sonderbar! Jetzt frage ich: Wie kommt eine Dirne, die ihr eigebes Kind wie einen wertlosen Gegenstand von sich wirft, zu einem solchen Kleinod? Aus eigenen Mitteln konnte sie wahr- scheivlich so teu-re Sachen nicht kaufen, denn darnach soll auch die Wäsche nicht gewesen sein, in die das Kind gehüllt war; ein Geschenk wird es wohl auch nicht gewesen sein, denn dann hätte sie wohl Kreuz und Kette verkauft, um in ihrer No' einige Mittel zu erlangen. — Selbst tragen konnte sie es auch nicht, weil dazu wahrscheinlich ihr Stand nicht gepaßt hat, oder weil sie fürchten mußte, sich damit zu verraten; waS ist alfo wahrscheinlicher, als daß die Mutter des Kindes das auf unrechtmäßi e Weise erworbene so­genannte Andenken in einer faffchen Anwandlung von Mutterliebe dem Kinde mitgegeben hat, damit dieses wenigstens einmal nach Jahren, wenn eine Entdeckung nicht mehr fo leicht möglich ist, damit Staat machen könne. Daß die Dirne sich bam’t nie hat seben lassen, ist leicht begreiflich: entweder machte sie sich darüber selbst solche Gedanken, oder sie schämte sich, an ihre Mutter erinnert zu werden."

Bolksronan von I. Oberparleiter.

12 -------- (Nachdruck »erboten.)

„Haha!" lachte Fu tner, „auf die Talwiese ist rr gegangen — geh, Margareiha, das glaubst doch selber nicht. Du wirst doch zugestchen, daß es ihn mehr kränken würde, wenn in Ungarn der Wein mißrate, als wenn das Hochwasser die ganze Talwiese mitgenommen hätte. Wundert mich gar nicht, wenn ein Mädl wie die Vroni vor so einem Liederlich, so einem Nichtsnutz einen Abscheu kriegt und lieber in der Waldhütte bleiben will als auf dem Berghof."

„Aas!" kreischte Margaretha vor Zorn, „was, diese freche, scheinheilige Dirne zie st Du dem Schurschl vor? Haha! es wäre wohl, eine große Ehre, das Kind einer Rabenmutter, das Kind einer Diebin — versteh mich wohl, einer Diebin zur Schwiegertochter zu haben!"

„Was sagst Du?" entgegnete Gregor in zurech'- weisendem Tone, „das Kind einer Diebin? Ma ga- retha, bedenk was Du sprichst — dieses sanfte Wesen soll das Kind einer B-rbrechecin sein?"

„Daß ich, mcht lache, _ softes Wesen! Da ficht man, daß Dich d:ew Schlange schon ganz ver­blendet hat. Diese vermeintliche Sanftmut ist nichts Mi Scheinheiligkeit, nut der sie auch Deinen Vater zu umstricken wußte, wahrend das Blut ihrer Mütter tn ihr steckt."

Die Hände in die Hucke stemmend, trat Mar­garetha mit dem Ausdrucke innerer Schadenfreude vor Gregor, als dieser kopfschüttelnd auf und ab gi:.g.

„Also, was sagst Du dann?" eiferte sie, — „nach d m gestrigen Auftritte, als die Brom mit der Lmi unseren Hof verlassen hatte, gehe ich in ihre Kammer, um unter ihren Sachen nachzusehen, ob n cht etwa auch darunter etwa» zu finden wäre, was

so lange sie konnten.

[:] Die Landtagswahlen in Preuße« finden, wie der ,Berliner Lokal-Anzeiger^ wissen will, wahrscheinlich zwischen dem 3. und 18. November (Buß- und Bettag) statt. In diesem Zwischenraum haben sowohl Haupt- als Stich­wahlen stattzusinden. Ein fester Termin für die Urwahlen steht noch nicht fest, er dürfte vorn 3. bis 5. November festzusetzen sein. Vor dem 3. November finden die Wahlen auf keinen Fall statt, da das Mandat des alten Landtages bis zum 3. November 1903 reicht.

* Ws eine Vorprobe zu de« Land­tagswahlen betrachten die Nation al libe­ralen die eben staügehabten Reichstagswahlen, traumverloren, die Augen starr auf das Kreuz ge richtet; er schien nicht zu hören und zu sehen, war um ihn vorging.

In ihrer Verzweiflung ttat Margaretha an ihn heran und rüttelte ihn:

„Ein Unglück, hörst Du nicht?"

„Ein UnMck?" murmelte er wie geistesabwesend, — „ein Unglück? — Ja, ja, — es wird schon so sein — es muß auch ülnr den Berghof kommen, wies über den Stiftshof gekommen ist." Mit unterdrückter Stimme seufzte er: „O Stasi! Stasi!"

Margaretha war empört über die Gleichgiltigkeit ihres Mannes.

„Du Hattherz!" schrie sie, „hörst Du nicht, was geschehen ist? Meinen armen Schurschl bat wahr­scheinlich ein Unglück betroffen. — Solche Nichtsnutze, die gar nicht hierher gehören auf die Welt, die bleiben anderen Leuten zur Last da, und mein Kind muß solch ein Los treffen.--Komm Gregor! da ist

keine Zeit zu verlieren, da heißt es schitell das Ufer untersuchen oder nachfragen, ob er sich nicht doch irgendwo gerettet!

„Ich — bin zu sehr angegriffen," stammelte der Angeredete, — „ich bin nicht imstande, Euch zu folgen — geht, geht ohne mich — ich komme nach!"

Wie eine Megäre stürzte sich Margaretha auf ihn.

„Du, Du!" wütete sie, „warst nicht umsonst sein Stiefvater!" — Damit stürzte sie mit dem Gesinde ab.

Im Hoftoume befand sich ein einfacher, schmuckloser Tisch, an dem das Gesinde bei schöner Witterung zur Sommerszeit Mittag hielt. Hier ließ sich Gregor nieder — die Füße schienen ihn verlassen zu haben. — Den Kopf in die Hände gesiützt, saß er wie träu­mend da.

„Ja," sprach er endlich, den Kopf erhebend, „ein Stiefvater war ich dem Georg, der hat eS aber nicht besser verdient — was aber war ich dem Kinde der Stasi, was meinem eigenen Fletsch und Blut? — Ein Verräter war ich, — darum die Strafe — nichts bleibt ungerächt auf der Welt." Er nahm das Kreuz

Sozialdemokratie übergehen, wenn die Re­gierung nicht dem Zentrum gegenüber andere Saiten aufziehe. Schon nach der Hauptwahl schrieb die ,Köln. Ztg/ (Nr. 545):

„Aus politischer Unreife, die so oft in den Reihen des Liberalismus zu beklagen gewesen ist, haben in wildem, allerdings sehr erklärlichem Haß gegen den Ultramontanismus taufenbe und aber­tausend e von liberalen Männern von vorn­herein für den Sozialdemotraten gestimmt, um der Regierung zu zeigen, daß sie endlich mit ihrer Liebe zum Zentrum aufhören müffe, wenn nicht das ganze liberale deutsche Bürgertum sich dem schlimmsten Radikalismus ergeben solle."

Das ist ein nettes Geständnis und ein schönes Konterfei der liberalen Wählerschaft. Wenn die

„Hm," meinte Gregor sinnend, „wirklich sonder­bar — unbegreiflich — sollte man so etwas denken? — Und Du sagst, die Sache sei so wertvoll?"

„Nun, beurteile selbst, Du bist in solchen Dingen erfahrener al. ich."

Damit ging MargaGtha rasch ins Gebäude ab, um das in Rede stehende Geschmeide zu holen.

Furtner stand eine Weile sinnend da, als sich vom Tale herass laufe Ruse hören ließen. Er wurde dadurch aus seinen Gedanke,: gerissen. Unwillkürlich blickte er nach der Richtung, woher die Rufe kamen. Da erkannte er seine eigenen Dienstboten, die in Eile von der Talwiese herauf kamen.

Allen voran war der Großknecht, der in auf­fälliger Weise einen Hut in der Luft schwenkte, als er des Herrn ansichtig wurde. — Es mußte etwas besonderes vorgefallen sein.

„Ein Unglück! Ein Unglück!" rief der Großknecht von weitem, indem er dabei den Hut hoch emporhielt.

Bevor jedoch das Gesinde den Berghof erreicht hatte, kam Margaretha aus dem Gehöft und reichte ihrem Manne den fraglichen Goldschmuck.

„Hier," sprach sie, „überzeuge Dich selbst."

In dem Augenblicke war der G; oßknecht heran­gekommen.

„O Frau Furtner, Frau Furtner!" jammerte er, „ein fürchterliches Unglück ist geschehen!"

Margarethe erkannte sofort, daß der Hui, den der Großknecht ihr hinreichte, ihrem Sohne Georg gehörte. — Eine schreckliche Ahnung befiel sie.

„Sprecht, sprecht!" drängte sie, „wie scid Ihr zu dem Hut gekommen?"

„Wir waren mit dem Wegräumen des Unrates auf der Talwiese beschäftigt," antwortete der Gestagte, „als wir unterhalb des weggerissenen Steges, vom Schlamme bedeckt, den Hut sanden."

„Jesus, Maria!" rief Margaretha entsetzt, „Gregor hörst Du? Georgs Hut im Schlamme der Talwiese aufgefunden — da muß ein Unglück geschehen sein!"

Furtner aber stand in einiger Entfernung wie

haben."

Die Staatsregierung weiß also, wie sie es anstellen muß. Sie darf dem katholischen Volks­teile keinen Schimmer von Gerechtigkeit zuteil werden lassen, sonst laufen die Protestanten in hellen Haufen in die Reihen der Sozialdemokratie. Die ,Köln. Ztg/ nannte das beim Schulaufsichts­gesetz und der Kommunalwahlreform eine Revision der monarchischen Gesinnung vornehmen. Merkt man denn nicht, wie sehr man durch eine solche Redeweise bekundet, daß die Königstreue des protestantischen Volkes nur so lange vorhält, wie der Staat sich zur einseitigen Vertretung seiner Interessen bereit findet? Anderseits geht auch daraus hervor, daß man auf gegnerischer Seite den Augenblick förmlich herbeilechzt, wo man parlamentarisch über das Zentrum hinweg­schreiten und dann der katholischen Kirche den Frieden des Kirchhofes bereiten kann. Unter solchen Verhältnissen muß sich das katholische Volk seiner Pflicht bei den Wahlen noch immer mehr bewußt werden.

*# Die Nationalliberale« sind nach der Nat.-Lib. Korr. bereit, den Anspruch der Sozial­demokrat en auf einen Posten im Präsidium des Reichstages anzuerkennen. Von ihrer Sette werde eine Berechtigung nimmer bestritten werden, (___ ____,...... ...________w_rdie sich aus dem Stärkeverhältnis der Parteien

lünehinen. Es "handelt sich vornehmlich darum, ohne weiteres ergebe. Dem Zentrum gegen« ■ ' ' ’ " ........ dachten s. Zt. die Nationalliberalen ganz

anders als jetzt gegenüber den Sozialdemokraten. Ihm verweigerten sie den Posten, auf den es feiner Stärke nach Anspruch hatte, hartnäckig.