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Huldaer W Zeitung

monotsbeuag«: „Fuldaer Geschichtsblätter".

z. Pariel« in Sulfto. rvochenb-iiag-: „Illustrierte Sonntagsjeitung"

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Druck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda (Harmonie). Fernsprecher Nr . 9.

fllldd, Donnerstag, den 2. Juli 1903.

M 147.

30. Jahrgang.

Berlin, den 1. Juli 1903.

§ Die Reden des Reichskanzlers Grafen Bülow sind soeben in glänzender Ausstattung in Buchform erschienen. Mehrere Blätter, auch solche, die sonst dem Reichskanzler ganz wohlgesinnt sind, finden, daß zu dieser Veröffentlichung gerade kein dringendes Be­dürfnis vorgelegen habe. Derselben Ansicht sind wir auch. Graf Bülow hätte besser getan, die Erlaubnis zu dieser Veröffentlichung nicht zu geben, denn so große politische Bedeutung haben diese schönen Reden doch nicht.

** Die nächste Berufs- und Gewerbe- Statistik ist nunmehr bestimmt für das Jahr 1905 festgesetzt. Die Vorbereitungen dazu wer­den alsbald vom reichsstatistischen Amte in An­griff genommen. Erfolgreich können sie dadurch unterstützt werden, wenn dem genannten Amte praktische Vorschläge zur Vereinfachung und da­bei zur Vervollkommnung dieser wichtigen Statistik aus allen Berufs- und Gewerbekreisen unterbreitet werden.

—* Während bei uns die Scharfmacherpresse aus Anlaß des Wahlergebnisses die Aenderung des Reichstagswahlrechts empsiehlr, hat dies selbe Wahlergebnis bei den „Ordnungsparteien" in Sachsen der Erkenntnis Bahn gebrochen, daß man klug täte, die Verstümmelung des sächsischen Landtagswahkrechls sobald als möglich wieder gut zu machen. Von liberaler wie von konser­vativer Seite ergeht die dringende Mahnung an die Presse, das Dreiklassenwahlrecht, mit dem man die Sozialdemokraten „vernichten" zu können glaubte, wieder abzuschaffen. Den Sozialdemo­kraten wird man dabei leider von den Erfolgen» die ihnen die Verstümmelung des Wahlrechts gebracht hat, nichts wieder abnehmen können.

? In dem westpreußischen Reichstagswahl- kreise Konitz-Tuchel ist eine Reichstags­neuwahl erforderlich geworden, weil der dort gewählte polnische Kandidat Leo v. Czarlinski das Mandat abgelehnt und vorgezogen hat, das ihm in dem Posenschen Wahlkreise Wirsitz- Schubin zugefallene Mandat anzunehmen. Den Wirsttz - Schubiner Wahlkreis hatte Herr von Czarlinski auch in der verflossenen Legislatur­periode vertreten. Aber augenscheinlich ist nicht diese Talsache für die Entscheidung des Herrn v. Czarlinski bestimmend gewesen, sondern die Erwägung, daß in Konitz-Tuchel, wo er in der Hauptwahl mit einer Mehrheit von 4300 Stimmen gesiegt hatte, die Wahl eines Polen als gesichert gelten darf, was von Wirsitz-Schubin, wo die polnische Mehrheit nur 800 Stimmen betrug, nicht in gleichem Maße gilt. Die Neu­wahl in Konitz-Tuchel ist auf den 10, Juli an­beraumt worden.

[:] Wegen der Wahlmogeleien, die auch amtlich festgestellt worden sind, hat der Minister

Der WergHof.

Bolksroman von I. Oberparleiter.

11 --------- (Nachdruck »erboten.)

„Halt, Kind!" rief Leni, „bedenke, daß der, von dem Du so sprichst, Dein Vater ist. Ehre Vater und Mutter, befiehlt ras Gebot Gottes, — verurteile Niemanden, auch den nicht, der Dir Uebles getan.

„Noch kannst Du nicht wiffen, ob das Herz Deines Vaters wirklich verderbt war, oder ob seine Hand­lungsweise nicht vorübergehendem, jugendlichen Leicht­sinne entsprungen. — Hatte er doch keine Ahnung davon, daß er Vater war, wer weiß, ob ihn dies Bewußtsein nicht zur Besinnung gebracht, ihn nicht zurückgeführt hätte zum liebevollen Herzen Deiner Mutter —"

Statt der Antwort warf sich Broni neben Leni auf die Bank, um dem Tränenstrome freien Lauf zu lassen.

Es trat eine lange, bange Pause ein. Leni, selbst tief ergriffen, war keines Wortes mächtig, die Weinende zu trösten. Sie führte Vroni wieder vor die Hütte. Ein heftiger Donner ließ Beide erschrecken.

Endlich brach Leni das Schweigen.

„Laß Dir noch die wenigen Worte, die ich Dir zu sagen habe, mitteilen. Ich hatte kaum den Brief gelesen, schickte der alte Furtner nach mir. — Am Berghofe angekommen, erfuhr ich, daß man dort Nachts ein Kind hinterlegt hat. — Vroni! Kind! ahnst Du, welcher Gedanke mich sofort erfaßte? Ahnst Du, welches Gefühl sich meiner bemächtigte, als meine Vermutung sich bestätigte, daß dies Kind dasselbe war, daS einige Tage vorher in meiner Hütte geboren wurde. — O, ich hätte nun Jedem, der lieblos von der »Rabenmutter" sprach, zurufen können: „Nicht sie ist der schuldige Teil, sondern der, der so gewissenlos ein ihm angetraute», nach Liebe und Treue schmachten­des Herz in Verzweiflung getrieben; doch ich mußte

des Innern ein Reskript erlassen, in dem unter Bezugnahme auf solche mehrfach konstatierte Fälle von unberechtigter Abgabe von Stimmen die Wahlvorstände besonders bei Reick stags- wahlen darauf hingewiesen werden, daß sie in allen Fällen, wo Grund zu der Annahme einer unberechtigten Stimmabgabe vorliegt, berechtigt sind, eine Legitimation des betreffenden Wählers zu verlangen und eventuell für eine Feststellung der Personen zu sorgen. In dem Reskript wird weiter darauf aufmerksam gemacht, daß solche Manipulationen mit Gefängnis bis zu drei Jahren bestraft werden.

(*) In den letzten Tagen ist in Pose» eine größere Anzahl städtischer Lehrer zu einer amtlichen Rücksprache vor den Kreisschul- inspektor geladen worden. Der Kreisschul- irypektor eröffnete ihnen im Auftrage der Re­gierung, daß er sie, da sie sich im November vorigen Jahres an den Stadtverordnetenwahlen nicht beteiligt hätten, auf den bekannten Erlaß des Staatsministeriums vom 12. April 1898 Hinweisen müsse, auf Grund dessen von ihnen erwartet werde, daß sie in Zukunft ihrer Pflicht als Staatsbürger und Beamte genügen würden. Wie verlautet, sollen nicht blos in Posen selbst, sondern in der ganzen Provinz viele Lehrer und Beamte aller Kategorien wegen derselben Unterlassungssünde zur Rede gestellt worden sein. Es ist ferner hier und da angedeutet worden, daß solchen Beamten und Lehrern, die auch in Zukunft von ihrem Wahl­recht keinen Gebrauch machen würden, der Genuß der sogenannten Ostmarkenzulage entzogen werden solle. — So züchtet man förmlich politische Heuchler heran.

* Auch ein Erfolg der Jesuitenhetze. Fortgesetzt k-agt die ,Kreuzztg.', daß die auf protestantischer Seite — nicht nur im evangeli­schen Bunde, sondern auch in orthodoxen Kreisen ins Werk gesetzte Protestbewegung gegen die Auf­hebung des § 2 des Jesuitengesetzes das Gegen­teil von dem herbeiführe, was-sie bezwecke: sie füge der gläubig - protestantischen Richtung zum Vortest der liberalen schweren Nachteil zu, und ebenso politisch den Konservativen. Das habe sich jetzt wieder in dem schlesischen Wahlkreise Jauer-Bolkenheim gezeigt, wo protestanti­sche Prediger gegen den konservativen Kandidaten agitierten, weil dieser sich nicht gegen die Auf­hebung des § 2 erklärt hatte. Die Folge dieser Agitation war, daß nicht der Konservative, son­dern der Freisinnige in die Stichwahl kam und auch gewählt wprde. Recht so! DieHetzer müssen am eigenen Leihe die Folgen ihres verbrecherischen Treibens erfahren. Den Katholiken wolle > sie schaden und schneiden sich ins eigene Fleisch! Nur so fortgemacht!

* Sie hasse« gut — die Wortführer des Bundes der Landwirte. Das muß namentlich auch der Reichskanzler. Graf v. Bülow er­fahren, den sie an erster Stelle für ihr Pech bei den Wahlen verantwortlich machen. Nachdem das Bundesorgan, die .Deutsche Tageszeitung', ihn schon sozialdemokratischer Sympathien ver-

alles über Deine arme Mutter ergehen lassen, um sie und mich nicht zu verraten. — Aber was sollte ich tun? Sollte ich mich Furtner zu Füßen werfen, ihm die Tat Deiner Mutter eingestehen und dadurch die­selbe dem Gerichte überliefern? Sollte ich Still­schweigen bewah>en und mich zur Mitschuldigen machen ? Der alte Furtner war ein seelenguter Mann, ich wußte es, er würde das arme verlassene Kind nicht von sich stoßen. — Ich beschloß daher in meiner Ver­zweiflung, vor allem den Bruder in daS Geheimnis einzuweihen und die Entscheidung ihm zu überlassen. — Indessen nahm ich mich zu Folge der Bitten des guten alten Furtner des verlassenen KindeS an. O, er hatte keine Ahnung, mit welchen Gefühlen ich an Dein Bettlein trat, welchen Kampf es mich kostete, mich austecht zu erhalten, um nicht selbst die Ver­räterin des Geheimnisses zu werden. Der Bruder be­nachrichtigte mich, daß er nicht sofort kommen könne, da er soeben mit seinem Geschäfte abschließe, um eS zu übergeben; doch möge ich einstweilen Stillschweigen bewahren. Indes war einige Zeit vergangen, da kam von dem S»lzburgischen an das hiesige Richteramt die Anzeige, daß Deine Mutter in den Bergen verun­glückt sei.

„Jesus, Maria!" rief Vronihänderingend, „meine Mutter eine Selbstmörderin!

„Erschrick nicht, Vroni", tröstete die Muhme, „Deine Mutter war keine Selbstmörderin. Ich selbst habe freilich im elften Augenblicke dasselbe befürchtet, aber »ach näherer Erkundigung wurde amtlich mitge­teilt, daß sie beim Heuern mit noch einer Helferin durch Abrutschung eines Felsens ums Leben kam."

„Du arme, arme Mutter!" wehklagte Brom, „doch habe ich wenigstens den Trost, daß Du einen ehrlichen Tod gesunden und in geheiligter Erde ruhst, und daß ich mich nicht zu schämen brauche, wenn ich an Deine« Grabhügel trete, um für Deine arme Seele zu bete«, sondern Jedem sagen kann, da unten liegt mein arme», süßes Mutterl!"

„Endlich kam der Bruder. — Eine lange Unter­redung fand zwischen ihm und Furtner statt. Was

dächtigt hat, läßt es ihn jetzt im Lichte frei­sinniger Neigungen erscheinen. In einer an Bosheit nicht zu übertreffenden Auslassung weist es darauf hin, daß der Kanzler bei der Haupt­wahl durch seine Unpäßlichkeit von dem Dilemma befreit gewesen fei, ob er dem Konservativen oder dem Freisinnigen seine Stimme geben solle, und fährt dann fort: „Jetzt bei der Stichwahl war er von allen Zweifeln befreit, und konnte ohne jeden inneren Kampf dem Freunde der Handelsverträge um jeden Preis, dem Gegner der Blotverteuerung seine Stimme geben." Weshalb soll denn ein Kanzler unbedingt kon­servativ wählen müssen? Graf v. Bülow mag sich vorsehen, daß die Bündler ihn nia t aus dem Hinterhalt erlegen.

** Dem,Vorwärts' ist bei dem Vorschläge des Genossen Dr. Bernstein, die Sozial­demokraten sollten Anspruch auf einen Vize­präsidenten im Reichstage erheben und sich in die Bedingung wegen der höfischen Formali­täten fügen, ganz unbehaglich zu Mute. Er hat offenbar die Empfindung, daß die Partei den Posten für sich fordern müßte, möchte ihr aber auch die Vorteile wahren, die ihr der Aus­schluß aus dem Vorstande bietet. Daß die Par­tei entschlossen sei, einen Vizepräsidenten-Posten zu fordern, erklärt er für eine Fabel. Es habe noch Zeit, bis die Frage vor die Instanz der Fraktion komme. Der Angelegenheit sei die Be­deutung nicht beizumessen, welche die Presse ihr aus Anlaß des Bernftein'schen Artikels beilege. Schon im Jahre 1898 sei an die Fraktion die Frage herangctreten, ob sie iyr Recht auf die Besetzung der zweiten Vizepräsidenten-Stelle gel­tend machen solle. Sie habe aber angesichts des Vorgehens der bürgerlichen Parteien darauf ver­zichtet, deren Bedingungen sie nicht zu erfüllen geneigt gewesen sei. Diese Darstellung ist ganz falsch. Die Sozialdemokraten haben durchaus nicht auf die Geltendmachung ihres Anspruches verzichtet. Weil die bürgerlichen Par­teien ihnen keinen Bizepräfidenten bedingungslos zugestehen wollten, demonstrierten sie bei der Wahl des Präsidenten durch Abgabe weißer Zettel. Bei der Wahl de» ersten und zweiten Vizepräsidenten aber stimmten sie beide male für Singer, der das erste mal 60, das zweite mal 51 Stimmen erhielt. Nennt man das ver­zichten? Der künftigen Stellungnahme der Frak­tionen will der.Vorwärts' vorsichtigerweise „nicht im allermindesten vorgreifen"; er meint aber, für eine Minderheits- und Kampfpartei sei es wert­voller, nicht im Präsidium zu sitzen. Er ahnt offenbar ganz richtig, daß es die Partei in mancher Hinsicht zur Aenderung ihrer Haltung nötigen würde, wenn einer der ihrigen Vize­präsident wäre Am liebsten sähe er es, wenn die anderen pflichtschuldigst an die zweitgrößte Partei mit dem Anerbieten einer Vizepräsidenten- stelle heranträten, aber solche Bedingungen stell­ten, daß sie stolz ablehnen könnte. Aber eine Partei, die so viel Aufhebens von ihrer Stärke macht, wird doch wohl das Bedürfnis fühlen, selbst ihre Rechte geltend zu machen, und nicht

sich da zwischen den Beiden abgespielt, das kann ich Dir, Vroni, nicht sagen; vielleicht will es da» Schick­sal, daß Du auch das über kurz oder lang erfährst. Du bliebst also am Berghofe, ich blieb Deine Pflege­mutter ; — Lorenz zog hinaus in die Welt' — in die Berge, — alles übrige, Kind, weißt Du."

Noch einmal wollte Vroni in Leni drängen, ihr den Namen ihrer Eltern zu nennen, aber Leni erhob sich und nahm Vroni bei der Hand:

„Komm, Kind", sagte sie, „der Sturm stellt sich ein, schon beginnen schwere Tropfen zu fallen, — komm, laß uns drinnen beten, daß der Himmel Allen gnädig sein möge in Sturm und Gewitter!

VII.

Kaum waren Leni und Vroni unter dem schützen­den Dach angelangt, als mit elementarer Gewalt ein Gewitter losbrach, wie die ältesten Bewohner Altbergs ein solches nicht erlebt hatten. Die Wolken öffneten ihre Schleusen, und der Regen ergoß sich in Strömen zur Erde; der Sturm heulte in den Baumwipfeln und bog die mächtigsten Stämme gleich dünnem Rohren.

Toni, der noch ziemlich entfernt vom Forsthause war, wurde vom Gewitter überrascht. Ihm war zwar jeder Waldweg bekannt, doch bedurfte es der genauesten Ortskenntnis, um in diesem undurchdringlichen Dunkel sich zurechtzufinden. Die grellen Blitze nur beleuch­teten auf Sekunden die Waldstrecke und zeigten ihm den weiteren Weg. Immer gefährlicher wurde jeder Schritt. Hin und wieder hörte man das Krachen stürzend er Bäume, im Falle andere mit sich reißend.

Furchtlos schritt Leger vorwärts, um das schützende Forsthaus zu erreichen. Der Weg führte am Fichten­schlage vorbei, wo einige Hundert Meter Holz aufge­schichtet waren, die am nächsten Morgen vom Forst­inspektor übernommen werden sollten. Noch befand sich der Forstgehflfe einige Hundert Schritte davon entfernt, als es ihm dünkte, er höre trotz dem Getöse deS Sturmes die klagende Stimme eine» Menschen. So schnell es möglich war, eilte er der Stell- zu, woher der Klageton kam. Da gewahrte er in kurzer Entfernung' den matten Schein einer Laterne. Schon

erst auf das Anerbieten anderer zu warten. Konservative und freikonservative Blätter wollen von einem sozialdemokratischen Vizepräsidenten nichts wiffen. Wir meinen aber, schon die geheime Furcht des ,Vorwärts', die Fraktion vor dem Amte nicht schützen zu können, deutet darauf hin, daß ein Sozialdemokrat im Vorstande doch auch seinen Wert hätte.. Ueberdies wird sich ja infolge des Anwachsens der Partei ihre parlamentarische Haltung, sie möge wollen oder nicht, nicht unerheblich ändern müssen. Die Ausführungen Bernsteins und Heines kündigen das ja auch mit aller Deutlichkeit an.

* Eisenach, 1. Juli 1903. Zu den Wahl­kreisen, wo das Zentrum fast immer den Ausschlag gibt, gehört auch der Wahlkreis Eisenach-Dermbach. Seit 20 Jahren hat das Zentrum, mit einer Ausnahme, den Kandi­daten der Freisinnigen Volkspartei durch seine Unterstützung zum Siege verholfen. Bei der jetzigen Wahl kam indessen der national- liberale Kandidat Fries (rund 3600 Stimmen) mit dem Sozialdemokraten Leber (rund 6000) in die Stichwahl und nur der kräftigsten Unter­stützung des Zentrums (stark 1300) hat Fries seine Wahl zu verdanken, da der Freisinn den Sozialdemokraten unterstützte. Es gehörte einige Ueberwindung dazu, nachdem die Redner der nationalliberalen Partei bei der Hauptwahl die Katholiken mit den liebenswürdigsten und schmei­chelhaftesten Ausdrücken wie gewöhnlich bedachten. Hoffentlich ist das Parteiorgan der National- liberalen nicht so undankbar wie die,Tagespost', das Organ jder freisinnigen Partei, die ihren Lohn für ihre nobele Haltung erhalten hat.

Ausland

* Paris, 1. Juli 1903. - Der am 22. Juli in Paris zusammentretende große Unterrichtsrat wird sich mit der Frage der Säkularisierung der Ordensgeistlichen und Kloster­schwestern zu beschäftigen haben. Mehrere Schulinspektoren und Bürgermeister haben an den Unterrichtsminister das Ersuchen gerichtet, eine Anzahl von früheren Klosterfchulen zu schließen, da die Leiterinnen derselben Klosterschwestern seien, die lediglich die Ordenstracht abgelegt hätten.

* London, 1. Juli 1903. lieber einen Krawall in Irland wird aus Arklow (Grafschaft Wicklow) berichtet, daß es dort am Sonntag abend zu einem blutigen Zusammen­stoß zwischen Nationalisten und mehreren 100 Polizi sten kam. Die Nationalisten, die in der Stadt eine Versammlung abhielten, um der Enthüllung eines Denkmals zu Ehren der im Jahre 1798 in der irischen Revolution ge­fallenen Irländer beizuwohnen, griffen die Straßenprediger an. Als einem dieser Prediger übel mitgespielt und ein Haus zerstört wurde.

wollte er daraus zugehen, als plötzlich vor ihm eine Männergestalt austauchte. In demselben Momente beleuchtete abermals ein greller Blitz den Wald.

„Ah!" rief Leger, als er die Gestalt erblickte; aber in demselben Augenblick tat er einen mächtigen Sprung zur Seite, während gleichzeitig mit Wucht eine Axt in den zunächststeh nden Baum eindrang, in­des der so Plötzlich Aufgetauchte im Dunkel des Waldes verschwand.

„Schuft!" knirschte Toni, als er sich vom Ent­setzen gefaßt hatte, „so weit steht es also mit Dir?"

Er konnte den Flüchtling bei der herrschenden Finsternis nicht verfolgen — wozu sollte er eS auch, die Gerechtigkeit mußte ihn ja ereilen. —Nurwenige Schritte trennten ihn noch vom Fichtenschlage, woher nun abermals der klagende Ruf ertönte. Die Mord­axt zu sich nehmend, schritt er schnell auf den Licht­schein zu. — Doch, was er hier gewahrte, mußte ihn in seinem Innersten empören: Einige der schönsten Fichten waren von ftevelhaster Hand untersägt und lagen, vom Sturme» zu Boden geschleudert, über die Holzstöße, die nun. selbst wie ein Wirrsal untereinander gewürfelt waren. Unter eimm dieser Stämme jedoch lag ein Mann, dessen Wehlaute erkennen küßen, daß er gräßliche Schmerzen leiden müsse. — Es war dies der vor kurzem auf Legers Veranlassung seiner Un­redlichkeit wegen aus dem herrschaftlichen Tienste ent- Imflene Holzhauer Marti. Derselbe hatte im Verein mit dem Flüchtling diese Freveltat verübt, war aber von einem durch den herrschenden Sturm stühzeittg zum Falle gekommenen Baume eckaßt und zu Boden geschleudert worden. Zum Glücke war es nur ein Ast, der Marti mitritz, und unter dessen Last er nun wehklagte. Mit großer Anstrengung gelang es endlich Leger, den ^Frevler aus dessen gefährlicher Sage zu befreien, worauf er ihn zum nahegelegenen Forsthause transportierte.

VIII.

Allgemeiner Aufruhr herrschte des andern morgen» in Altberg. Gruppenweise standen die Leute vor den Häusern, wehklagend über das Unhell, welches da»