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Druck und Verlag der Zuldaer Lctiendruckerei in Hulda (Harmonie). Zernsprecher Nr 9.
30. Jahrgang.
flllda, Mittwoch, den 1. Juli 1903.
BIBETOTHECA’
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ßtMengta ms das .8. Maria! 1903 der,Fuldaer Zeitung5 werden noch fortwährend von alle« Postanstalten, Landbriefträgern und von unserer Expedition < Harmonie) entgegengenommen.
Folgerichtig wäre es nun lediKi Genossen auch die kindische Opposi einige Formalitäten aufgäben. In einem Landtage der thüringischen Kleinstaaten sitzt bereits ein Sozialdemokrat im Präsidium. Man hat unseres Wissens keinen Grund, das zu beklagen. (Fast komisch wirkt es übrigens, wenn Bernstein den Genossen zur Gewissensberuhigung sagen zu wollen scheint, sie könnten bei einem Hoch auf den Kaiser auch dann noch davonlaüfen, wenn einer der ihrigen im Vorstande sitze und dem Kaiser Besuche abstatte. Sie würden sich dann mit der leeren Demonstration doch nur doppelt lächerlich machen.)
Was die Reichstagsmehrheit zu einem sozialdemokratischen Vizepräsidenten sagen würde, der „alles mitzumachen" bereit wäre, wisien wir nicht. Vom Zentrum möchten wir annehmen, daß es in Erinnerung an die ihm früher von der kulturkämpferischen Mehrheit zu Teil gewordene Behandlung bei der Besetzung der Präsidentenstellen und in Konsequenz seiner bisher der sozialdemokratischen Forderung gegenüber beobachteten Haltung nicht Nein sagen würde. Die Rechte und vielleicht auch die Nationalliberalen würden sich voraussichtlich sträuben. Sollte dann das Zentrum mit Hilfe der Freisinnigen und Sozialdemokraten einen sozialdemokratischen Vizepräsidenten wählen? In solcher Weise die positiven Parteien vor den Kopf zu stoßen, ginge nicht gut an. Indes wollen wir erst abwarten, ob Herr Bernstein mit seinem Vorschläge überhaupt Anklang findet. Selbft- vechändlich würde die Mehrheit, wenn sie auf die Forderung der Genossen einginge, nicht jeden beliebigen Vizepräsidenten aeceptieren. Daß z. B. Herr Singer, der sich im vorigen Winter so rücksichtslos über die Geschäftsordnung hinweggesetzt hat, angenommen würde, wäre absolut ausgeschlossen.
3: Vizepräsident Singer!
Gleich nach dem Bekanntwerden des Wahlergebnisses besürworteten freisinnige Blätter diensteifrig die Aufnahme eines Sozialdemokraten in das Präsidium des Reichstags. Wenn jetzt ein Berichterstatter meldet, die Sozialdemokraten würden sür das Amt des ersten Vizepräsidenten einen Genossen präsentieren, so sagt er damit etwas ganz selbstverständliches. Schon früher haben sie auf einen Vizepräsidenten- posten Anspruch erhoben. Ihre Forderung wurde von der Mehrheit grundsätzlich abgelehnt, weil sie nicht zugeben wollten, daß der aus ihrer Mitte gewählte Vizepräsident die mit seinem Amte verbundenen höfischen Verpflichtungen erfülle, also sich mit seinen Kollegen dem Kaiser vor fiel le und etwaige Einladungen zu Hoffest- üchkeiten u. dergl. Folge leistet.
Wenn sie aus der Weigerung beharren, so 1 wird ihr Anspruch natürlich auch diesmal glatt abgewiesen werden. Es genügt nicht, daß Zsr Genofle Vizepräsident versprichi, allen seinen geschäftsordnungsmäßigen Obliegenheiten nachkommen zu wollen; er muß auch die mit dem Amre verbundenen Pflichten der Etikette erfüllen.
Wie es nun scheint, nimmt mit dem Anwachsen der Mandate die Abneigung gegen solche-Verpflichtungen ab. Es ist der Genosse Bernstein, der zuerst den Gedanken auszu- sprechen wagt, daß die Sozialdemokraten den Widerstand gegen den Besuch beim Hofe vernünftigerweise fallen lasten sollten. In den »Sozialistischen Monatsheften5 setzi er auseinander, daß durch solche Formalitäten die politischen Grundsätze der Sozialdemokratie in keiner Weise berührt würden. Sie hätten unbestreitbar viel weniger auf sich als die Treueide zu Gunsten des Monarchen und der monarchischen Verfassung, welche von den sozialistischen Landtagsabgeordneten verlangt und geleistet würden. Wer es seiner republikanischen Gesinnung schuldig zu sein glaube, keine ihm durch das Gesetz zwangsweise auferlegte Handlung zu begehen, wodurch die Staats- verfasfung als zu Recht bestehend anerkannt werde, würde auch nicht in den Staatsdienst eintreten, ja nicht einmal die Vergünstigung des Freiwil- ^igendienstes beim Heere annehmen dürfen. Ein
Der WergHof.
Bolksroman von I. Oberparleiter.
10 -------- (Nachdruck verboten.)
„So wollte sie ihm denn auch nicht weiter zur Last fallen, sie wollte es der Zukunft überlasten, ob er den Weg zum Herzen seines Weibes finden, oder »b er mit der Zeit sich selbst zur Rechenschaft ziehen werde.
„In der Ueberzeugung, daß fie nicht länger mehr ihren Verwandten zur Last fallen könne, nahm fie Abschied von ihnen und begab sich ziellos fort, um *ich anderwärts eine Beschäftigung zu suchen. DaS Glück wollte e» auch, daß sie wieder im Salzburgischen eine ihr zusagende Beschäftigung fand. Wäre es nicht der Herzensgram gewesen, der sie Tag und Nacht quälte, fie konnte mit ihrem Lose zufrieden sein. Von ihrem Manne hatte fie seit der Trennung von den Verwandten keine Nachricht mehr erhalten — er von ihr nicht, fie hatte absichtlich weder ihm, noch sonst Jemand ihren Aufenthaltsort bekannt gegeben; unter ihrem früheren Familiennamen war sie in den Dienst eingetreten. Doch, wie der Zufall überhaupt in der Welt eine große Rolle spielt, so war es auch hier der Fall.
„In dem Aufenthaltsorte Deiner Mutter lebte eine junge, kränkliche Frau zur Erholung, deren Mann bei eben derselben Bahnlinie als Ingenieur beschäfttgt war, bei der Dein Vater eine Stellung gefunden. Eie war eine Verwandte der Dienstgeberin Deiner Mutter und kam daher häufig dahin zu Besuch.
„Bej einem dieser Besuche teilte sie nun mit, daß ihr ihr Mann in seinem letzten Briese geschrieben, er habe Bekanntschaft mit einem seit kurzem der Bau- lettung zugeteilten Partieführer gemacht, durch den wieder neues Leben in die ganze Gesellschaft gekommen fei. — Der Name, den er nannte, war der Deines BaterS.
Agitatoren versucht haben, konservative Stimmzettel von den Vertreibern anzukaufen. In einzelnen Fällen ist dies Manöver geglückt. Ferner ist erwiesen, daß konservative Stimmzrttel- verteiler durch Sozialdemokraten derart betrunken gemacht worden sind, daß sie unfähig waren, ihre Tätigkeit weiter auszuüben. Wir müssen zugestehen, bemerkt die genannte Korrespondenz hierzu, daß diejenigen Personen, die, in konser- vatwen Diensten stehend, sich in solcher Weise mißbrauchen lasten, scharf zu verurteilen sind. Aber das Verhalten der Sozialdemokraten, die angeblich die wahren Verteidiger der Wahlfreiheit und die ehrlichsten Gegner jeder Wahlbeeinflustung sind, ist bann doch so schamlos und schmachvoll, daß es eben nur zur „Ehre" der jeden Betrug deckenden roten Fahne vorkommen kann. Aus den verschiedensten Orten kommen immer neue Berichte, daß sür Abwesende, Tote, angeblich Zugezogene usw. gewählt worden ist. Daß die Wahlsälscher Sozialdemokraten gewesen seien, wird immer als selbstverständlich vorausgesetzt. Anderseits wissen freisinnige und sozialdemokratische Blätter sehr viel zu erzählen von groben Verletzungen des Wahlgeheimnisses, die namentlich in ländlichen Bezirken vorgekommen sein sollen. Jedenfalls wird die Wahlprüfungskommission des Reichstags so viel Arbeit bekommen wie nie zuvor
[:] Dr. Bärwinkel, der Senior und Superintendent in Erfurt, sendet der ,Kreuz- ztg5, eine Kundgebung. die er in der ,Thüringer Ztg.5 über feine Haltung bei der Wahl im Reichstagswahlkreise Erfurt-Schleusingen veröffentlicht hat. Er bestreitet darin, daß er die Pastoren seiner Diözese zusammengerufen habe, um sie vor der Stimmabgabe sür Herrn Jacobskötter wegen dessen Zustimmung zur Aufhebung des § 2 des Jesuitengesetzes zu warnen. „Im übrigen, so schreibt die ,Krenzztg.5, enthält seine Erklärung keine Widerlegung der Folgerungen, die wir aus der Hereinzerrung jener Frage in den Wahlkampf gezogen haben. Wir bedauern immer und immer wieder, daß konservative Männer und positive Geistliche sich auf diese Weise haben verleiten lassen, zur Vereitelung des Sieges konservativer Wahlkandidaten beizutragen. Auch die Darlegungen Dr. Bärwinkels bestärken uns in der Auffassung, daß jenes Vorgehen lediglich dem kirchlichen und dem politischen Liberalismus zu Gute kommt."
** Die badischen Jungliberalen fühlen sich durch die „Erfolge" der „antiultramontanen" Hetze ermutigt, den Nationalliberalen die „schärfere Tonart" auszunöügen. Die Vereine der nationalliberalen Jugend erlösten einen Aufruf, worin sie vor allem den Kampf gegen das Zentrum proklamieren. In Baden hat die „antiultramontane" Hetze den Nationalliberalen nichts genützt, und den Herrn Bassermann an der Erlangung des Karlsruher Mandats gehindert; in Bayern hat der Liberalismus mit seiner Zentrums- und Ka holikenhetze Fiasko gemacht, in Sachsen haben die „Antiultramontanen" glücklich sämtliche Wahlkreise bis auf einen den Sozialdemo-
Berlin, den 30. Juni 1903.
(*) Die ,Deutsche Tageszeitung5 will natürlich trotz der Wahlniederlage aller Bundes- Häuptlinge nicht zugeben, daß der Bund der Landwirte eine Niederlage erlitten habe. Sie behauptet, die agrarische Bewegung sei aus den Wahlen durchaus nicht geschwächt hervorgegangen, sondern habe eine ganz entschiedene Stärkung ersahren, die sich schon dadurch gezeigt habe, daß der Bund der Landwirte numerisch eher stärker als schwächer in das Parlament einziehe. Glaubt das Blatt wirklich, die paar süddeutsche Bauernbündler würden im Reichstage irgend welche Rolle spielen? Mit dem bisherigen Einfluß des Bündlertums ist es vorbei, da hilft nichts!
]»[ Stimmzettelkauf. So ziemlich aus allen Wahlkreisen wird der Konservativen Korrespondenz5 berichtet, daß sozialdemokratische „Kaum war fie g-nesen, so erklärte sie, wiederan ihren Bestimmungsort zurückzukehren; so rote sie gekommen, des Nachts, wollte sie wieder den Weg mit Dir, dem armen Wurme, antreten.
„O Kind, Vroni! Du hast keine Ahnung, wie schmerzlich diese Trennung auch für mich war, schmerzlicher alk das Wiedersehen. Immer und immer wieder fiel mir Deine Mutter um den Hals, herzte und küßte mich und bat mich —ihrem Unglückskinde eine Mutter zu fein.55
Leni mußte innehalten, fie war zu sehr ergriffen von der Erinnerung.
„Ich hatte keine Ahnung,55 sprach fie endlich wetter, indem sie sich eine Träne trocknete, „welche Bedeutung Deine unglückliche Mutter ihren letzten Worten beimaß. Ich begleitete fie im Dunkel des Waldes noch eine kurze Strecke Weges und kehrte dann, Trauer und Wehmut im Herzen, in meine stille, vereinsamte Hütte zurück.-----------55
„Ich durchwachte die ganze Nacht; die Ereignisse der letzten Tage, die Gemütserregungen des Abschiedes ließen keinen Schlummer in meine Augen kommen. Früher als sonst stand ich auf, um Zerstteuung in der Arbeit zu suchen; da nahm ich wie alltäglich das Gebetbuch zur Hand, um meine Morgenandacht zu verrichten. — Da, wer beschreibt mein Entsetzen, fällt ein Bries heraus — es war ein Brief Deiner Mutter, den dieselbe am Tage vorher während meiner Abwesenheit an mich geschrieben. Diesen Bries habe ich als teure Reliquie, als eine Art Testament Deiner Mutter ausbewabrt.55
„O!55 bat Vroni, indem sie vor Leni in die Knie stürzte, „Muhme, laßt mich diese« teure Andenken meiner unglücklichen Mutter sehen, laßt mich einen Blick werfen in ihre teuren Schriftzüge I"
Sewi erhob sich. „Kind,55 sagte sie, „wenn ich Dir Deine Bitte verweigern wollte, hätte ich des Briefes nicht erwähnt, doch faste Dich, um das ertragen zu können, uns er Dir offenbaren wird.55
Damit ging sie in die Hütte, und Vroni folgte
ihr; bald hatte sie das vergilbte Papier, das in ihrem Gebetbuch versteckt war, gefunden.
„Dank, taufend Dank'.55 rief Vroni, indem sie den dargereichten Brief erfaßte. Mit Inbrunst drückte sie ihn an ihr Herz und küßte die Schriftzüge, die noch deutlich die Spuren der Tränen zeigten, welche die Verfasserin des Briefes einstens vergoffen.
„Lies, Vroni!55 mannte Leni, „und faste Dich!!" Unter Schluchzen begann diese, während Leni, auf einer Bank sitzend, ihr Gesicht in den Händen vergrub.
„Jnnigstgeliebte Leni, meine einzige Stütze auf dieser Welt!
Wenn alle Welt mich verurteilt, verurteile Du mich nicht wegen einer Tat, die die Menschheit unter anderen Umständen verurteilen muß. Ich vermag den Gedanken nicht zu ertragen, daß mein Kind die Schuld des gewissenlosen Vaters büßen soll, daß seine Zukunft von vorherein eine Kette von Entbehrungen und Leiden werde, während er selbst, der so frevelhaft mit meinem Herzen gespielt, sich wie ein Schuldloser den Freuden und Annehmlichkeiten der Welt hin gibt. — Nein, liebe Leni! soll es mir nicht gegönnt fein, ein sorgenloses Leben zu führen, mein Kind will ich davor bewahren, darum will ich es jenem Mann anvertrauen, dessen Ehren» Hastigkeit über jeden Zweifel erhaben ist, der an dem Kinde ras gut machen wird, was der gewissenlose Vater verschuldet. Dir, liebe Leni, wird es leicht werden, Mutterstelle an meinem Kinde zu vertreten; Dir vertraue ich mein größtes Kleinod auf dieser Erde an — o, sei ihm das, was ich ihm sein sollte — Du wirst nicht die Schuld des Vaters, den Fehler der Mutter an ihm vergelten. $er liebe Gott, der es zugeben konnte, daß fein Name vor seinem Altäre in so frevelhafter Weife mißbraucht wurde, wird das Herz jenes Mannes lenken, dem ich im Uebermaße der Mutterliebe mein Kind abtrete. — Das wertvolle goldene Kreuz famt Kette, das ich meinem Kinde als einziges Angedenken au seine Mutter mitgebe, ist etn Geschenk »eines Mannes, das er mir an umerem Ehrentage zur Erinnerung an denselben überreichte.
Bekenner demokratischer und republikanischer Grundsätze wer - e ja an keiner Demonstration zur Verherrlichung des monarchischen Prinzips txilnehmen können, aber im Besuche des Reichstags-Präsidiums beim Kaiser könne eine solche Verherrlichung nicht gesunden werden. Dies um so weniger, als die deutsche Reichsversassuno von allen Verfassungen in Deutschland gerade diejenige sei, die in bezug auf Entstehung und Satzungen den republikanischen Grundsätzen am nächsten komme. Als deutscher Kaiser sei der Vertreter der preußischen Dynastie versassungsgemäß in nicht viel anderer Lage als der Präsident e i n e r R e p u b l i k, und auf Grund dieser Eigenschaft allein würden ihm die Besuche der Reichstags-Präsidenten zu teil. Ein Sozialist und Demokrat vergebe sich nicht das geringste, wenn er als Vertreter der gesetzgebenden Behörde des Reiches dem verfastungsmäßig eingesetzten Präsidenten der Vollziehungsgewalt jährlich einen oder zwei Besuche ab statte. Er könne aber viel dazu beitragen, bei diesen Besuchen die Würde der Volksvertretung zur Geltung zu bringen."
Genosse Bernstein hat ganz recht: wer die Kameele der Treueide in den Landtagen verschluckt hat, sollte nicht kleinlich die Mücken eines Besuches beim Kaiser seihen. Daß er es für nötig hält, daneben noch allerlei Gründe anszn- tüsteln, warum sich ein Sozialist durch einen solchen Besuch nichts vergebe, läßt darauf schließen, daß er auf starken Widerstand in der Partei gefaßt ist. Es wird ihr ja auch nicht leicht werden, den Besuch zu gestatten, weil sie sich damit in grellen Gegensatz zu ihrem bis- herigen Verhalten stellen und es schwer sein wird, den Wechsel der Haltung zu begründen. Ohne Zweifel wird es manche verbissene Genossen geben, die grundsätzlich von der Zumutung, daß ein Sozialdemokrat sich zu einem Besuche beim Kaiser herbeilasse, nichts wissen mögen. Den meisten aber dürfte noch größere Sorge die Frage machen, wie man bei einem Wechsel in der Haltung den Schein wahren könm. Würde das gelingen, so zweifeln wir gar nicht, daß die große Mehrheit zugreifen würde. Innerlich geben die meisten Herrn Bernstein sicher recht.
Wir sind nun nicht geneigt, gleich über eine neue großeMauserungder S oziald emo- kratie zu jubeln. Aber daß sich mit dem An- wachsen der Partei auch ihr Charakter ändert, zeigt sich da doch ohne Zweifel wieder. Selbst wenn Bernstein diesmal noch nicht durchdringen sollte, so ist doch eine „Entwickelung" im Werden, die abermals zur Abschleifung einer der scharfen Kanten der Sozialdemokratie führen wird. Die 81 Mandate werden die Partei nötigen, auf die Erzielung positiver Erfolge für die Arbeiter hinzuwirken, da diese doch von einer so starken Vertretung endlich auch greif» bare Leistungen erwarten und die Ausrede, die Sozialdemokratie fei im Reichstage zu schwach, um etwas erreichen zu können, nicht mehr gelten lassen. Die positive Arbeit kann aber immer nur die der Erreichung des „Endzieles" entgegenkommende Reformarbeit fein.
„Besonders, schrieb er, fei derselbe der Liebling der Damen, da er eine besondere Gabe zur Erheiterung und Unterhaltung besitze. So arglos jene Frau diese Mitteilung machte, so sehr mußte fie das ohnehin kranke Herz Deiner Mutter verletzen. — Also er konnte Vergnügen an Unterhaltung finden, konnte selbst dazu die Anregung geben, während er wußte, daß sein armes, gekränktes Weib in der Fremde ihr Leben fristete. O, wie Schuppen fiel es ihr von den Augen — er vermißte fie nicht. —
„Nicht lange Zeit mehr hielt fie fich in ihrem Dienstorte auf; — sie nahm ihre Zuflucht zu mir, der Einzigen, der fie sich anvertrauen konnte.55
Wieder schwieg Leni eine Weile; der Himmel wurde immer düsterer, immer heftiger größten die fernen Donner'.
„Weiter, Muhme!55 bat Vroni, „laßt mich auch das Schrecklichste wissen, mein Herz ist gewappnet auch gegen die aufregendste Enthüllung.55
„Bald bin ich zu Ende, Vroni,55 fuhr Leni weiter fort.
„Vergebens bat ich Deine Mutter, fich dem Vater ihres Mannes, einem Ebrenmanne durch und durch anzuvertrauen, — aber vergebens.55
„Nein, und tausendmal nein!55 rief fie. „Wenn mein Mann, der Pflichtvergessene es unterließ, mir jenen Platz anzuweifen, der mir feit unserer Verbindung gebührte, wenn er fich etwa schämt, mich vor seinen Angehörigen als fein Weib zu bezeichnen, dann sei es Gott vor, mir erst jenen Platz zu erbetteln, nein, durch meiner Hände Arbeit will ich mir einen ehrenhaften Platz in der Menschheit verschaffen. — Ich kehre wieder zurück an meinen Dienstort — für mein Schmerzenskind wird der Himmel sorgen.55
„Nichts vermochte fie von ihrem Vorhaben abzubringen. So kamst Du hier zur Welt.
„Kein Mensch außer mir und einer alten Verwandten, die nun schon längst die Erde deckt, batte eine Ahnung, von dem, was hier in der Hütte vor fich ging. Es sollte auch niemand davon etwas erfahren, das war die inständigste Bitte Deiner Mutter.
wenn öj
gen