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30. Jahrgang
fUlda, Dienstag, den 30. Juni 1903,
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। Erstes Blatt i
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Marggrafs ist ziemlich gut. Alle drei Personen werden auf Staatskosten einen längeren Erholungsurlaub antreten, weil sich durch die Serum- Einspritzungen rheumatische Beschwerden bei ihn-n eingestellt haben.
transportiert werden können, ergibt sich daraus, daß ein Rohr, das in meiner Gegenwart von der Unterschablone herabgekippt wurde, einen gänzlich fehlerfreien Muff aufweist. Es ist natürlich gar nicht zu vermeiden, daß auch einmal ein Rohr bei unvorsichtiger Behandlung zerbrochen wird, das kommt aber sowohl bei Eisenals auch bei Tonrohren vor und liegt nicht sowohl an deren Beschaffenheit, als an der mehr oder minder großen Vorsicht, mit der diese Waren behandelt werden. Hieraus einen Vorwurf gegen den Hersteller herleiten zu wollen, wäre verfehlt, zumal, wenn der Bruch selbst zeigt, daß das Rohr gut ausgesührt ist, was ich allenthalben angetroffen habe.
Im Allgemeinen ist ja mit der Verwendung aller Zementwaren, seien es Rohre, Platten, Werkstücke und dergl., immer ein gewisses Risiko . verbunden. Der Beton ist ein Kunstprodukt, er wird durch Mischung hergestellt und mit der Hand von einzelnen Arbeitern verarbeitet. Man ist also abhängig von sehr vielen Faktoren und es könnte daher im Prinzip die Frage aufgeworfen werden, ob es richtig ist, ein derartiges Material verwenden und diese Frage ist durch die Praxis längst bejaht worden. Die in der Verwendung von Zementwaren bedingten Vorteile überwiegen die in der Herstellung möglicherweise begründeten Nachteile so erheblich, daß niemand daran denken wird, auf die Verwendung von Zementwaren zu verzichten, wenn nicht andere Gründe dafür sprechen. Es ist aber eine Vertrauenssache der ausführenden Firma gegenüber. Nach den Eindrücken, die ich gewonnen habe, ist das der Firma Mölde«- & Cie. von der Stadt Fulda geschenkte Vertrauen ein vollständig gerechtfertigtes. ,
Auch die Baustellen fand ichchin einem befriedigenden Zustande. Die auf den Rohren angeschriebenen Daten der Herstellung zeigten, daß sie etwa im Alter von 3 Monaten verwendet werden, was angemessen erscheint, unter welches man aber auch nicht herabgehen sollte.
Daß die Firma Mölders nicht nur die Rohre liefert, sondern auch di« Kanäle herstellt, halte ich für die Stadt für vorteilhaft, da bei etwaigen defekten, die in der Garantiezeit vorkommen und die ja nirgends ganz ausbleiben, der Erbauer des Kanals sich nicht mit der schlechten Rohrlieferung und der Rohrlieferant nicht mit der schlechten Kanalherstellung, Rohrverlegung, Verfüllung und dergl. entschuldigen kann.
Ich kann also mein Urteil dahin zusammen- faffen, daß nach den Beobachtungen, die ich heute hinsichtlich der Herstellung der Zementrohre und auf den Baustellen gemacht habe, keine Veranlassung vorliegt, im Baubetriebe der Kanalisation Änderungen eintreten zu lassen.
gez. Höpfner, Stadtbaurat.
rchristleitrrrZos.vaum
ÄM., roofrnbeitage: „Illustrierte Somltagyeüung
s Zur Kanalisation.
Zur Aufklärung der Bürgerschaft veranlaßt uns der Magistrat nachstehend das von dem bekannten Tiefbautechniker Stadtbaurat Höpfner in Kassel (einem der Preisrichter bei Beurteilung der auf unser Preisausschreiben eingegangenen Entwürfe für die Neukanalisation der Stadt Fulda) über die Herstellung der Zementröhren durch die Firma Mölders & Co. und die Ausführung der Kanalisationsarbeiten durch die gleiche Firma erstattete Gutachten zu veröffentlichen :
„Auf Veranlasfung des Herrn Oberbürgermeisters Dr. Antoni habe ich mich am heutigen Tage in seiner und des hiesigen Herrn Stadtbaurats Begleitung zunächst nach der Rohrfabrik der Firma Mölders & Co. und alsdann auf die verschiedenen Baustellen begeben, um einen Einblick zu gewinnen in die Herstellung und Verlegung der zur Kanalisation verwendeten
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vruck und Verlag der Zuldaer Actiendruckerek in Zulda (Harmonie) Zernsprecher Nr. 9.
«scheint täglich, mit Lurnahme der Sonn- Eeiertage. viertel- Khrl.Ve;«grvr«ir Ahne vringerlohn und vestellgeld in Zulda und «tmvärts 1 Ml. 50 pfg.
Verantwortlicher
Zementrohre und habe über die hierbei gewonnenen Eindrücke dem verehrlichen Magistrat zu berichten wie folgt:
' Die von der Firma Mölders & Co. geschaffene Anlage ist eine provisorische, macht aber trotzdem in allen ihren Teilen einen sehr guten Eindruck. Es herrscht Ordnung und Uebersichtlichleit, ohne welche ein sorgfältiges und sachgemäßes Arbeiten von vorneherein ausgeschloffen ist.
Als Rohmaterial für die Rohrfabrikation wird ein Kies verwendet, der vom Main bezogen ist und der eine zur Betonherstellung paffende Mischung von Sand und Steinen verschiedenen Kornes aufweist. Daß hin und wieder kleine Ziegelbröckchen darin vorkommen, die, wie das aus ihrer Beschaffenheit hervorgeht, im Flußkies enthalten waren und nicht etwa später absichtlich oder durch unordentliche Lagerung des Kieses hineingekommen sind, halte ich für gänzlich unbedenklich umso mehr, als ihr Vorkommen prozentual ein verschwindendes gegenüber dem anderen gröberen Material ist.
Dieser Kies wird 'sortiert und für Rohrstärken verschiedener Abmessunaen auch in entsprechender Korngröße verwendet. Die Vermischung mit dem aus der Fabrik Carlstadt bezogenen Portlandzement geschieht zunächst trocken und mi. Hand, da sich die Aufstellung von Mischmaschinen für den provisorischen Betrieb nicht lohnt. Es ist nun klar, daß bei genügender Sorgfalt des Unternehmers und gehöriger Ueberwachung auch mit Hand ein vollständig inniges Gemifch der Betonmaterialen hergestellt werden kann und die vorgefundenen Mischungen zeigten denn auch in der Tat ein vollständig gleichmäßiges nnd homogenes Aussehen.
Die Mischungsverhältnisse von 1:5 bis 1:6 für den eigentlichen Bohrkörper je nach dem Durch- mesfer der Rodre und von 1:2 für die Muffen sind richtig gewählt. Zu letzteren wird ein Teil hiesigen feinen Sandes verwendet, wogegen nichts zu erinnern ist.
Die trocken vermischten Massen werden alsdann unter allmählichem Zusatz von Wasser wester gemischt, bis sie die für die Herstellung aller Be- tonarten am zweckmäßigsten zu bezeichnende erdfeuchte Beschaffenheit erlangt haben, d. h. eine Beschaffenheit, daß sich das Gemisch anfühlt rote feuchte Gartenerde und beim Stampfen eben das Wasser an die Oberfläche tritt. Die so vorbereiteten Massen werden alsdann in die vorher aufgestellte eiserne Form, die ausEnterschablone, Kern, Mantel und Oberschablone besteht, emge- füllt und absatzweise eingestampft. Jedesmal, ehe ein neuer Absatz begonnen wird, wird der untere aufgerauht, um eine innige Verbindung des ganzen Rohrkörpers zu erzielen.
Nach Fertigstellung wird die Form entferit! und der Augenschein lehrt, daß das Rohr für sich allein auf der Unterschablone standfähig ist.
Gegen das ganze wie eben beschriebene vorgefundene Verfahren ist meines Erachtens nichts einzuwenden, die Rohre kommens vollkommen unbeschädigtem Zustande aus der Form heraus, und da der äußere Ueberoug erst nach Abnahme der Rohre kurz vor deren Verwendung aufgebracht wird, so kann es bei genügender Aufmerksamkeit des abnehmenden Beamten eigentlich gar nicht vorkommen, daß Rohre verlegt werden, welche etwa in frischem Zustande irgend eine Beschädigung ■ erlitten haben.
Die Meinung, daß die Rohre unter allen Umständen besser sein müßten, wenn sie nach dem sog. nassen Verfahren hergestellt werden, d. h. wenn der Beton bei dem Einbringen in die Form eine mehr breiige Beschaffenheit hat, kann ich nicht teilen und auch der Augenschein lehrt, daß die mit erdfeuchtem Beton hergestellten, welches Verfahren wohl von den allermeisten Zementwarenfadrikaten verwendet wird, ihrem Zweck vollständig entsprechen. Es ist selbstverständlich, daß ein aus sehr nassem Beton hergestelltes Rohr längere Z^t in der Form bleiben muß, um die nötige Standfähigkeit zu erhalten, und es bedingt dies für den Unternehmer die Vorhaltung einer sehr großen Anzahl von Formen, für die Bauverwaltung ein längeres Warten, bis die Rohre verwendbar werden, für keinen Teil aber einen Vorteil, denn Tausende von Metern Rohre, die nach dem trockenen Verfahren — wenn ich mich so ausdrücken soll — hergestellt werden und in vielen Städten zur Verwendung gelangt sind, beweisen, daß solche Rohre in jeder Hinsicht den an sie zu stellenden Anforderungen entsprechen. Es wäre daher kaum einzusehen, weshalb von dem jetzt angewendeten Verfahren abgegangen werden sollte, zumal es wegen der Vorhaltung der vielen Formen teurer sein würde, nasse Mischungen zu verwenden.
Daß die von der Firma Mölders u. Cie. hergestellten Rohre in kürzester Zeit so weit erhärten, daß sie ohne Gefahr der Beschädigung
Deutscher Reich.
Berlin, den 29. Juni 1903.
* Die beiden letzten Stichwahlen haben am Samstag stattgefunden. In Detmold siegte die fteisinnige Volkspartei über die Sozialdemokraten, und in Hombura-Kufel erhielt Staufer (Bund der Landwirte) etwa 2000 Stimmen mehr als sein nationalliberaler Gegner. — Der neue Reichstag setzt sich also zusammen aus 100 Mitgliedern des Zentrums und zwei Hospitanten desselben, 52 Konservativen, 19 Mitgliedern der Reichspartei, 9 Antisemiten, 51 Nationalliberalen, 21 Mitgliedern der freisinnigen Volkspartei, 6 der deutschen Volkspartei und 9 der freisinnigen Vereinigung, 81 Sozialdemokraten, 9 Elsässern, 16 Pol n, 3 Welfen, 7 Mitgliedern des Bauernbundes und des Bundes der Landwirte, einem Dänen und 11 Wilden.
(§) Zu den gemeldeten Wahlfälschungen in Berlin wird der ,Deutschen Tagesztgck von einem Praktiker, der seit ca. 20 Jahren bei verschiedenen Gelegenheiten als Wahlvorsteher fungierte, mitgeteilt:
„Es ist für den Eingeweihten kein Geheimnis, daß die Schiebungen in größerem Maßstabe bei jeder Reichstagswahl vorkommen. Wähler, die im Krankenhause sind, die sich auf der Reise befinden, oder im Gefängnis, auch solche, die längst gestorben sind, erscheinen bei den Wahlen auf der Bildfläche; ebenso diejenigen, von denen man genau weiß, daß sie unter keinen Umständen an die Urne zu bringen sind. Man unterrichtet sich vor allen Dingen von Seiten derjenigen, denen an der Korrigierung des Wahlresultates gelegen ist, über die Persönlichkeit des Wahlvorstandes in den Wahlbezirken; wesentlich kommt es darauf an, festzustellen, ob im Wahlvorstand jemand sitzt, der die Identität des abwesenden Wählers festzustellen in der Lage ist. Sind diese Erkundigungen mit der nötigen Gewissenhaftigkeit erfolgt, dann hat es weiter keine Gefahr, selten gelingt es, den Schwindel dann festzustellen; so kann es wohl vorkommen, daß eine ganze Reihe von Personen ihre wichtigsten staatsbürgerlichen Rechte ausüben, ohne daß sie eine Ahnung davon haben. Auch in anderen Orten, besonders in Großstädten sind dergleichen Fälle früher schon vorgekommen, doch hat es immer schon Schwierig, ketten gemacht, die Beweise nach dieser Richtung hin zu erbringen. In dasselbe Kapitel gehören auch die fingierten Umzüge. Es ist geradezu wunderbar, wie das „Wechselfieber" unmittelbar vor den Reichstagswahlen in manchen Kreisen grassiert. Leute, die lange Zeit z. B. im äußersten Norden gewohnt haben, empfinden auf einmal das Bedürfnis, nach der Rosenthaler- straße zu ziehen, andere, die am Kreuzberg hausten, verziehen in das Innere der Stadt und mieten bei Bekannten möblierte Wohnungen oder Schlafstellen. Sie «erden in die Liste der betreffenden Kreise, in diesem Balle im 5. und 3. Kreis eingetragen und dann ist die ache erledigt. So reguliert man auf die einfachste Weise von der Welt im gegebenen Falle das Stimmenverhältnis der Parteien, denn der Nachweis, daß die veränderungSsüchtigen Wähler wirklich umgezogen find, wird von den Behörden heute nicht verlangt."
Den .Vorwärts' läßt der Vorwurf der Wahlbetrügereien sehr kühl. Er schreibt u. a.:
„Wenn es vorgekommen ist, daß für Verstorbene oder Verzogene andere Personen unberechtigter Weise gewählt haben, so würden solche Wählerflimmen nach der Praxis der Wahlprüfungskommisston dem siegreichen Kandidaten abzuziehen sein. Uns erscheint es jedoch von vornherein unmöglich, daß solche Wahlmogeleien in irgendwie größerem Umfange geübt werden können."
Es ist Pflicht der Behörden, die Sache mit der größten Genauigkeit zu untersuchen. Die Schuldigen werden aber wohl nicht leicht zu ermitteln sein. Noch schwerer wird der Nachweis zu liefern sein, daß gerade Sozialdemokraten die Betrügereien begangen haben. Anzunehmen ist allerdings, daß sie der Sozialdemokratie vorzugsweise zu gute gekommen sind.
* Die zur Reichskasse gelangte I stein- nähme, abzüglich der Ausfuhrvergütungen rc. und der Verwaltungskosten, beträgt für die Zeit vom 1. April bis Ende Mai bei den nachbezeichneten Einahmen: Zölle 74 642 951 Mk (-|-6362 636 Mk.), Tabaksteuer 1470980 Mk. (—169 551 Mk), Zuckersteuer und Zuschlag 20006153 Mk. <4-5 591558 Mk.), Salzsteuer 8317175 Mk. (-1-458765 Mk.) Maischbvttich- 4 steuer 603934 Mk. (—4831638 Mk.), Verbrauchsabgabe von Branntwein und Zuschlag 20 760100 Mk. (4-1 103965 Mk.), Brennsteuer 760 603 Mk. (4-760872 Mk.), Schaumweinsteuer 501957 Mk. (4-501 957 Mk.), Brausteuer und Ueberqangsabgabe von Bier 5128172 Mk. (—113 746 Mk), Summa 130 984157 Mk.) (4-9 664 818 Mk.) — Spielkartenstempel 308 549 Mk. (— 18381 Mk.)
** Die Beobachtung der letzten drei Personen, die durch den Peftfall des Dr. Sachs in Berlin in Zwangsbeobachtung gehalten wurden, konnte heute aufgehoben werden. Die beiden Wärter Marggraf und Bogen, sowie der Jn- stitutsdiener Mai sind nunmehr als nicht mehr krankheitsverdächtig anzusehen. Das Befinden
Hultzaer W Zeitung
momMtiiage: „Zuldaer Geschichtsblätter".
* Rom, 29. Juni 1903. Gestern mittag wurde im Garten der Basilika des heiligen Johann im Lateran der Grundstein zum Denkmal gelegt, das die Arbeiterinnen der ver- schiedenen Staaten zu Ehren des Papstes errichten. An der Feier nahmen der Kardinal Fer rata, das Denkmalskomitee, katholische Würdenträger und die katholischen Arbeitervereine von Rom mit Fahnen und Musik teil. Der Papst sandte seinen Segen. Es wurden Depeschen der katholischen Arbeiterinnenvereine von Berlin, Köln und Freiburg verlesen.
* London, <29. Juni 1903. Eine schwere englische Niederlage im Kampfe gegen den Mullah bemüht man sich in London vergebens zu verheimlichen. Die ,Agence Havas' meldet aus Dschibuti vom Montag: In Berber« eingetroffene Somalis bestätigen die Nachricht, daß zweitausend Mann ein geborene Truppen und etwa 40 englische Ossiziere bei Boholle durch die Leute des Mullah niedergemetzelt worden sind. Drei Offiziere feien entkommen und am 19. Juni in Berber« eingetroffen. Es verlautet, der englische Gesandte beim Negus, Harrington, welcher am unteren Nil erwartet wurde, sei in Folge der Ereignisse im Somaliland plötzlich umgekehrt und befinde sich aus dem Wege nach Harrar.
* Budapest, 29. Juni 1903. Das neue ungarische Kabinet ist fertig. Graf Khuen- Hedervary legte Samstag vormittag dem Kaiser die Ministerliste vor, welche vollinhaltlich angenommen wurde. Die Minister von Lukacs, Daranyi, v. Wlassics, Lang und Ploß behalten ihre Portefeuilles. Graf Khuen-Hedervary über- nimmt neben dem Ministerpräsidium die Leitung des Ministeriums oes Innern und interimistisch das Ministerium a latere. Generalmajor Kolos- vary übernimmt das Honvedministerium und Professor Tomasics das Ministerium für Kroatien.
* Konstantinopel, 29. Juni 1903. Die Pforte teilte dem österreich-ungarischen und dem russischen Botschafter mit, daß eine aus Bulgarien gekommene Bande von 80 Personen den Ortsvorsteher von Leschko, im Kreise Dschumaja, entführte und ermordete, weil er Mitglieder des Komitees verraten hatte.
* New-Uork, 29. Juni 1903. Ueber eine ernste russisch - amerikanische Verstim- muug, hervorgerufen durch die amerikanische Volksbewegung wegen der Greuel von Kischinew, berichtet das Reuter'sche Bureau folgendes aus Washington: Rußland notifizierte der Regierung der Vereinigten Staaten, daß es Roosevelts Entschluß tief bedauere, die jüdische Bitt schrift über die Vorgänge in Kischinew der russischen Regierung zu übermitteln. Es hoffe, die Vereinigten Staaten werden mit den ihnen dargebrachten Sympathieäußerungen zufrieden fein. Das Auswärtige Amt werde die Petition zurückweifen auf Gr und feiner Politik, sich jeder Einmischung in die inneren Angelegenheiten fremder Mächte zu enthalten und für sich selbst auf einer gleichen Behandlung zu bestehen. Nach der ,New-Uork Times' ist der russische Botschafter Graf Cassini^über die Haltung Roosevelts in der Kischinewfrage in Unruhe und erwägt ganz offen die Möglichkeit seiner Abberufung.
Fulda, den 30. Juni 1903.
----- Am Sonntag, den 28. Juni, beging die in der Klosterkirche am Frauenberg errichtete Marianische Bruderschaft in feierlicher Weise ihr Titularsest. Es war ein erhebender Anblick, als am Morgen in der 7 Uhr-Messe die Männer in dichten Scharen sich zum Tisch des Herrn begaben. Nachmittags 2 Uhr war Bruderschaftsversammlung; der hochw. P. Guardian Gervasius Theis hielt die Festpredigt mit dem Vorspruch: „Ego diligentes me diligo“, „Ich liebe die, welche mich lieben." Im Anschluß an die üblichen Gebete sand eine feierliche Prozession durch Kirche und Klosterhof statt, wobei die zahlreichen Mitglieder der Bruderschaft dem Allerheiligsten mit brennenden Kerzen folgten. Nach dem sakramentalen Segen versammelten sich die Mitglieder im sogen. Fürstensaal des Klosters, um unter dem Vorsitz des hochw. P. Guardian die Neuwahl des Sekretärs vorzunehmen; als solcher ging der Metzgermeister Herr Franz Sch ult - heis, Fulda, aus der Wahl hervor. — Seit der letzten Generalversammlung im vorigen Jahr traten der Bruderschaft 16 neue Mitglieder bei; ihre Gesamtzahl beläuft sich auf 366; möge dieselbe sich weiter recht gedeihlich entwickeln!
qD Die katholische Mäuuergesellschaft M. N. machte gestern nachmittag, wie alljährlich am Peter und Paulsseste, einen gemeinschaftlichen Ausflug. Diesmal war das idyllisch gelegene Kleinheiligkreuz als Ziel der Wagenfahrt ausersehen. Nachdem die Teilnehmer sich in dem kühlen Waldesschatten gestärkt und die im Jahre 1696 von dem Neuenberger Dekan Adalbert von Schleifras, dem späteren Fuldaer Fürstabte, erbaute Kirche, die jetzt leider als Scheune und Pferdestall benutzt wird, besichtigt hatten, wurde