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j. K'Ä'äi«. wochkilbeiiag-: „Illustrierte Sonntagszeitung"
Zeitung
Monatsbeilage: „Zuldaer GefchichtrdMer".
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Druck und Verlag der Zuldaer Actiendruckeret in Zulda (Harmonie) Fernsprecher Nr. 9.
JVS 144.
fulda, Samstag, den 27. Juni 1903.
30. Jahrgang.
Wegen des Feiertags Peter und Paul wird die nächste Nummer unserer Zeitung erst am Dienstag ausgegeben.
0 Vie Stichwahlen haben im großen und ganzen das allgemein erwartete Ergebnis gehabt und den Eindruck bestätigt, den man von der Hauptwahl erhalten. Im wesentlichen bleibt die Zusammensetzung des Reichstages die alte. Das Zentrum ist nach wie vor die ausschlaggebende Partei. Die Parteien, die die sog. Zollmehrheit bildete, erfahren so unbedeutende Veränderungen, wie sie bei jeder Wahl schon allein durch Zufälligkeiten herbeigeführt werden. Der „Ruck nach links", mit dem sich die Liberalen über ihren Mißerfolg zu trösten suchen, ist lediglich den Sozialdemokraten zugute gekommen, und zwar auf Kosten aller Parteien. Und weil eben alle Parteien daran beteiligt sind, so macht es für die einzelnen nicht viel aus, wenigstens für die größeren nicht. Für die beiden freisinnigen Parteien ist die Sache schon empfindlicher, ebenso für die Antisemiten. Am empfindlichsten wohl für den Bund der Landwirte.
Sollte die Regierung je den Wunsch gehegt haben, mit einer liberalen Mehrheit zu regieren, so wird sie ihn jetzt endgiltig begraben haben. Wenn überhaupt in absehbarer Zeit, dann war jetzt die Zeil für die Schaffung einer starken liberalen Partei gekommen, vorausgesetzt, daß die Unzufriedenheit des Volkes mit der Zollpolitik so groß war, wie die Liberalen es sich einbildeten. Nun haben sich die National- liberalen mit Mühe und Not behauptet, die Freisinnigen sind arg zusammengeschmolzen. Mit den Nationalliberalen wird die liberale Linke etwa 90 Mann zählen. Damit kann keine Regierung etwas anfangen. Die Linksliberalen rechnen zwar die Sozialdemokraten a.ch gern mit zur liberalen Linken, allein was soll eine Regierung damit machen? Die „Zollmehrheit" hat ein glänzendes Vertrauensvotum vom Volk erhalten, das auch von der Regierung nicht unbeachtet bleiben kann. Das Verschwinden der Führer des Bundes der Landwirte aus dem Reichstage wird sie als eine Erleichterung empfinden und die Mehrheitsparteien haben kaum Anlaß, unglücklich darüber zu fein.
,J" Bezug auf daS Zentrum haben die Stichwahlen uns, wir gestehen es, einige Enttäuschung bereiter. Es war an 36 Stichwahlen beteiligt und wir hatten gehofft, es werde aus ihnen v e r st ä r k t hervorgehen. Leider ist das Gegenteil geschehen. Von den 15 Man- oaten, die es in der Stichwahl zu ver
teidigen hatte, hat eS nicht weniger als 4 verloren: Kattowitz an die radikalen Polen, Limburg an die Nationalliberalen, Straubing an den Bauernbund und Mainz an die Sozialdemokraten. Mit den beiden Verlusten vom 16. Juni: Fraustadt-Lissa, das in der Stichwahl der Reichspartei zugefallen ist, und Reichenbach-Neurode, das die Sozialdemokraten wiedergewonnen, beträgt also der Verlust des Zentrums 6 Mandate. 21 von den 36 Stichwahlkreisen des Zentrums waren bisher im Besitze anderer Parteien gewesen. Von diesen hat es nur einen einzigen, Hildesheim gewonnen, und das ist auch nur ein halber Sieg denn er wurde nur mit Hilfe des Landwirtsbundes errungen und der bisherige Inhaber des Mandats war ein Deutschhannoveraner gewesen. Wir hatten wirklich erwartet, daß wir etwas mehr Glück haben würden. Im allgemeinen wird der Mißerfolg wohl damit zu erklären fein, daß gegen daS Zentrum eben alle anderen Parteien aus konfessioneller Abneigung zusammenhalten, oder daß sie ihm wenigstens keine wirksame Unterstützung angedeihen lassen, sondern lieber mit verschränkten Armen zusehen wie es kämpft, selbst wenn es gegen einen Sozialdemokraten kämpft.
Mit den in der Hauptwahl eroberten Mandaten für Ottweiler-St. Wendel und Wasserburg macht das Hildesheimer einen Gewinn von 3 Mandaten aus. Der Verlust von 6 Mandaten ist also zur Hälfte wenigstens wieder wett gemacht worden, so daß sich 'als Schlußergebnis ein Minus von 3 Mandaten ergibt. Bisher besaß das Zentrum 103 Mandate. (In den meisten Blättern wird die Zahl falsch angegeben; am häufigsten vergißt man den Grafen Ballestrem mitzuzählen, der als Präsident offiziell unter den „Wilden" aufgeführt wird.) In der Hauptwahl errang es 88, in der Stichwahl 12 Mandate. Sein Bestand ist also 100 gegen früher 103. So unerfreulich der ^Verlust von 3 Mandaten ist, für die" Stellung des Zentrums im Reichstage fällt er nicht ins Gewicht. Von den 4 deutschhannoverschen Hospitanten des Zentrums sind Frhr. v. Wangenheim (Lüneburg) und Baron v. Arnswalde (Hoya- Verden) ihren nationalliberalen Gegnern unterlegen.
Die Sozialdemokraten haben in der Stichwahl, wenn recht gezählt worden ist, 25 Mandate gewonnen, haben es also mit den 54 Mandaten vom 16. Juni auf 79 (oder 81?) gebracht. Das ist das Ergebnis, das man nach der Hauptwahl erwartet hatte. Ihre Zunahme beträgt rund zwei Dutzend Mandate. Sie hatten sich selbst wohl auch nicht mehr von den Stichwahlen versprochen, da sie bei diesen stets verhältnismäßig schlecht abschneiden. Wenn sie davon redeten, die stärkste Partei werden zu wollen, so war das nur Renommisterei. Das nächste mal allerdings kann es ihnen glücken, zumal wenn sie so rasch fortschreiten, wie in dem von Scharfmachern und konfessionellen Fanatikern gleichmäßig für sie bearbeiteten Sachsen. Von den 23 sächsischen Wahlkreisen haben sie nun
3>er WergHof.
Bolksroman von I. Oberparleiter.
' ® --------- (Nachdruck verboten.»
Mit diesen Worten kehrte sich Brom der Hüttern. Eine gute Weile sah ihr Fnrtner wie in Gedanken »nloren nach. „Hm!" murmelte er, „seltsames Mädl; man sollte es kaum glauben, daß in einem so schwachen Geschöpfe ein so entschiedener Wille herrschen könne — und doch gleichzeitig das sanfte, gefühlvolle Wesen. Welch seltene Mischung von Temperamenten."
Sinnend schritt er dem Walde zu, nicht ohne vorher noch einen Blick auf die Waldhütte zurückzuwerfen, als suchte er nochmals Bronis Gestalt. — Der Weg führte durch den Wald ins Tal hinab.
., ^ange ging Furtner in Gedanken so vor sich hin, als b ein Mann entgegenkam. — Es war Lorenz,
hMe zuschrit? "$annen5Qpfen" kommend, der Wald- nnfi««6Fakten sich seit ihrer Trennung vor a Wen "icbt wieder gesehen, und ihr tiScS »»'«««.,ff« tarn ihn-, d-h-, ju Momente sahen sie einander starr in die
8 9 »,rc "n}(Ara$ furtner zuerst das Schweigen.
Lorenz?" sagte er mit sichtlicher Handweichen. “e er dem Angesprochenen die »nrfSl£en£ trU9„ in ber ^nen Hand seinen Gebirgsstock, m der anderen einen mächtigen Strauß von ae- Hnmelten Bergkräutern - Es Een i^eä feh pl^können" $U em' “m bem Händedrucke ausweichen bar A°u her," meinte er, „dieses Zusammentreffeft, „der Herr Furtner, der Berghofbefitzer'"
Ja wohl, Lenz, der bin ich," lächelte Gregor doch nimmer der, wie vor zwanzig Jahren."
»Wohl, wohl, — ja die Zeit, die nagt an einem
Jeden. Die Zeit arbeitet an einem Menschen, wie eine Bretffäge am Stamm: I« Anfang geht sie schön langsam vorwärts, und da merkt man nicht viel am Stamm, daß er sich verändert; wenn sie aber dann später," meinte Lorenz, „recht im Gang ist, wenn die Fachbretter aufgezogen werden, daß der ganze Wasserstrahl das Triebwerk wie eine Furke peitscht, ih! da fliegen dann die Sägespäne nur so, daß sie bald einen Houfen bilden, und auf Ja und Nein ist der Stamm entzwei.--Jst's nicht auch so mit uns? Anfang-,
da glaubt der Mensch gar nicht, daß er alt werden fann, — da geht es ihm fast zu langsam, da will er bald groß, bald mündig sein; wenn aber dann die Fachbretter aufgezogen werden, daß der Wasserstrahl — die Leidenschaften, der Kummer, das Elend — so recht eingreifen ins menschliche Räderwerk, ja! dann fliegen die Späne — die Lebenskräfte, nur so vahin, utw da fressen sich die Zähne immer schneller und schneller in'- Mark des Lebens, bis daß endlich die letzte Lebensader entzwei geht."
„Und da glaubt denn der Lenz, daß es auch uns chon an'- Mark gehr?"
„Haha, wills meinen; alte Scherben sind wir bald — haufenweise liegen die Späne hinter uns. — Wo ifi denn der jugendliche Frohsinn, der Ueberrnut? die Brettsäg hat sie mitgenommen, dafür sind so verschiedene Sprünge ins Bretterwerk kommen — das find die Mängel, die krankhaften Zustände. Man hört sie ja fast sausen in den Ohren, diese verwünschte Brettsäg', und gar bei manchem Stamm — wenn da recht viele Aeste dazwischen kommen, Herr Furtner, verstanden? — die Gewiffensbisse, ih! da kreischt schon einmal die Säge, daß einem die Haare zu Berge stehen I"
Lorenz hatte sich förmlich in Aufregung hineingeredet: auf Furtner dagegen schienen diese Gleichniffe einen unangenehmen Eindruck gemacht zu haben. — Wozu diese Anspielungen? War er nicht noch ein Mann, ber mit der Welt zu rechnen hatte, der nach menschlicher Voraussicht noch ein erkleckliches Sümmchen
glücklich alle bis auf Bautzen, das diesmal noch in den Händen des Antisemiten Gräfe blieb, das nächste mal aber auch verloren sein wird. „Deutschland muß werden, was Sachsen ist!" ruft der ,Vorwärts' voll Siegesgefühls aus. Dahin wird es nun freilich niemals kommen. Daß übrigens auch die Sozialdemokraten wieder zurückgeworfen werden können, beweist der Verlust von 7 Mandaten, die sie bis dahin inne gehabt hatten.
Die Angabe über die Mandate der Konservativen, Reichsparteiler und Nationalliberalen schwanken etwas. Das rührt zum Teil daher, daß die Grenzen zwischen Konservativen und Reichsparteilern sowie Reichsparteilern und Nationalliberalen etwas verwischt sind; zum Tei daher, daß bald die „Wilden" der verwandten Partei zugezählt werden, bald nicht. Den Konservativen, die bisher 52 Mitglieder zählten, rechnet die ,Kreuzztg.' 53 zu. Bezüglich der Nationalliberalen (bisher 53) schwanken die Angaben zwischen 50 und 53. Die Reichspartei (bisher 20) scheint das eine, oder andere Manda verloren zu haben. Die ,Post' zählt ihr bis jetzt 18 zu. Zu den Gewinnenden gehören die Polen; sie haben statt 14 fortan 16 Mandate. Die Antisemiten (bisher 12) haben etwa ein Dritte verloren.
Die drei linksliberalen Parteien haben bei den Stichwahlen verhältnismäßig viel Glück gehabt. Die freisinnige Volkspartei dürfte es au 21 Mandate bringen, also mit einem Verluste von 6 davonkommen. Die Freisinnige Vereinigung wird statt mit 15 Mann nur mit 9 anrücken. Die süddeutsche Volkspartei zählt 6 statt der bisherigen 7 Mitglieder. Alles was diese drei Parteien errungen haben, ist aber mit fremder Hilfe errungen worden, bald der Sozialdemokratie, bald der andern Parteien. Daß der Abg. Dr. Barth, der „junge Mann des Herrn Singer" aus dem Reichstage wieder verschwinden mußte, bedauern wir gerade nicht. Er hat es redlich verdient. Von befanntern Mitgliedern der Freisinnigen Vereinigung kehren ferner die Abg. Brömel (der Mann, der bei Beratung der Zollvorlage kalte Füße bekam) und Schrader nicht wieder.
Daß der „alldeutsche" Professor Hasse verschwunden ist, wird Graf Bülow kaum bedauern. Das Verschwinden seiner nationalliberalen Parteigenossen Franken und Hilbck vermögen wir nicht zu beklagen. Dagegen tut es uns um den bisherigen Fraktionsvorsitzenden Bassermann leid. Er war uns von allen Nationalliberalen der sympatischste. Er besaß einerseits wenig Neigung für die Kulturkämpferei, und war andererseits ein eifriger Vorkämpfer der Sozialreform. Auch der zweite Vizepräsident Büsing ist nicht wieder gewählt worden. Das Schicksal der Häupter des Bundes der Landwirte Dr. Hahn, Dr. Rösicke und Lucke hat in der Stichwahl der Abg. Dr. Oertel geteilt. Mit ihm verschwindet die umfangreichste Persönlichkeit aus dem Reichstage. Seine weithin leuchtende weiße Weste gehört zu den bekannt ften „Erscheinungen" im Reichstage. Die .Deutsche Tagesztg/ schreibt
von Jahren Zeit batte, um fein Konto mit der Welt abzuschließen? Mißmutig wandte er sich zum Gehen.
„Na, Lorenz," meinte er in halb boshafter, halb scherzhafter Weise, „halt' Er nur seine Brettsäg' ein wenig auf, Er versteht ja diese Kunst. Wozu wären sie denn da, diese Heilkräuter, um die Er ja in den Bergen herumkriecht? Ihn scheint sie schon hart mitgenommen zu haben — dabei wies er lächelnd nach der Stirne — was aber mich anbelangt, so ist der Stamm gottlob noch kernig und das Mark noch gesund — damit nichts für ungut!"
Fmtner ging seines Weges. Lorenz hingegen sah ihm mit Verachtung und zornblitzerden Augen eine Weile nach:
„Geh' nur, Du gesunder Mann mit dem kranken Herzen," murmelte er, „Deine Krankheit sitzt tiefer, als Du glaubst. Aber ich hab' ein Kraut für Dich — süß ist es nicht, doch heilsam!"
Damit schritt Lorenz der Waldhütte zu.
Immer düsterer wurde ber abendliche Himmel. Das Rollen des Donners nahm immer mehr an Stärke zu und immer häufiger wurde das eintretende Dunkel von leuchtenden Blitzen erhellt.
Lorenz schritt durch das herrschaftliche Waldgehege einsam und in Gedanken verloren dahin.
Unweit des Waldhäuschens stand eine mächtige, weitästigeBuche, unter deren Dache auf einer bequemen Rasenbank soeben Hand in HandLeni und Broni saßen. — Ach, wie wohl tat Vroni diese himmlische, selige Ruhe inmitten der herrlichen Waldnatur nach so stürmischen, ihr Innerstes mit bitterem Weh erfüllenden Tagen.
„Ach, Muhme," seufzte sie, „was gelten all' die Schätze der Welt gegen ein ruhiges, zufriedenes Gemüt. — Wer es doch so gut haben könnte, weit entfernt nur sich und den Seinen leben zu können!"
„Nun, mein Kind," sprach Senf, „dieser Wunsch wird vielleicht früher, als Du ahnst, in Erfüllung ge^en."
routentbrannt der preußischen Regierung sein Unglück im sächsischen Freiburg zu, da diese Herrn Lüsensky, Vortragenden Rat im Handelsministerium, gegen ihn habe kandidieren laffen. Wie die Wahlen in Sachsen zeigen, wäre Herr Oertel auch ohne Herrn Lusensky verloren gewesen. Im Zentrum wird man besonders den Verlust der Abg.Letocha und Cahensly bedauern. Eine neue Partei, die vorläufig auf einen Mann beschränkt ist, zieht mit dem National-Sozialen v. Gerlach in den Reichstag ein, der in demselben Augenblicke gewählt wurde, in dem Pastor Naumann in seinem Blatte den Konkurs der Nationalsozialen anzeigte.
Berlin, den 26. Juni 1903.
*** Der deutsche Kaiser hat, wie aus Belgrad gemeldet wird, als erster auf die amtliche Mitteilung des Königs Peter I. von seiner Thronbesteigung geantwortet. Die in französischer Sprache abgefaßte Depesche hat in deutscher Uebersetzung folgenden Wortlaut:
Ich habe die Anzeige, durch welche Eure Majestät mir die Mitteilung von Ihrer Thronbesteigung machten, empfangen und nehme von dieser Mitteilung Notiz. Ich hege die Hoffnung, daß Eure Majestät Ihr Bemühen darauf richten werden, daß die guten Beziehungen, welche seitherzwischen Deutschland und Serbien geherrscht haben, in Zukunft aufrecht erhalten und sich weiter entwickeln werden. Ich gebe dem Wunsche Ausdruck, daß die Regierung Eurer Majestät eine Periode des Friedens und des Fortschrittes für Ihr Königreick inaugurieren möge. Wilhelm.
* Aus Anlaß des Abschlusses der deutschschwedischen Vereinbarung betreffend die Stadt Wismar über die wir bereits ausführlich berichtet haben, hat Kaiser Wilhelm am 21. Juni an König Oskar folgendes Telegramm gesandt:
Ich erhalte soeben die Nachricht von der Unterzeichnung des Wismarvertrages. Euerer Majestät und Schweden sage Ich Meinen Dank für die bei dieser Gelegenheit erneut betätigte freundnachbarliche Gesinnung.
König Oskar erwiderte mit folgendem Telegramm:
«•- W finde Euerer Majestät meinen herzlichen Dank TUt bas freundliche Telegramm, welches ich soeben ^a6e- Ich selbst und Mein schwedisches Boll haben gewünscht, in diesem Falle Unsere aufrichtigen und freundschaftlichen Gefühle an den Tag M legen. Indem Ich dies bekräftige, spreche Ich die Hoffnung aus, daß auch in kommenden Zeiten immer gegenseitiges Vertrauen herrschen möge.
§ Der Oberstaatsanwalt in Genua hat ein der Auslieferung des Spions Wessel an Deutschland günstiges Gutachten abgegeben, dem sich in der nächsten Woche die dortigen Richter jedenfalls anschließen werden. Der französische Generalkonsul Meyer in Genua versuchte vergebens auf diesen Entschluß des Oberstaatsanwalts einzuwirken; es müssen mithin sehr ernste Gründe für die Auslieferung Weffels vorliegen.
Leni wollte noch weiter sprechen, als Lorenz aus dem Schattten der Bäume hervortrat und die Beiden mit einem freubiqen „Holla!" bewillkomrnte. Nun war es natürlich bas Erste, baß er ihnen bte frohe Mitteilung von der Ankunft des Inspektors machte.
Freude und Schrecken bemächtigten sich Bronis.
„Ach, Muhme," seufzte sie und legte ihr Köpfchen auf Lenis Schulter, „ich kann es gar nicht glauben, daß der so heiß ersehnte Tag wirklich nahen soll." —
Ein Schuß aus unmittelbarer Nähe schreckte sie empor.
„Das ist Toni," sagte Leni, „er wird noch vor Einbruch der Nacht seinen Rundgang durch den Forst machen, wie er's gewohnt ist."
Und so war es auch. Leger, in der Hand einen Raubvogel tragend, wurde im nächsten Momente auf dem freien Platze sichtbar. Er war nicht wenig erstaunt, seine Geliebte hier im stillen Waldhäuschen so unverhofft zu treffen, denn von den Ereigniffen am Berghofe hatte er bisher nichts erfahren. Die Bewillkommnung war daher desto inniger. Leger ließ sich neben Vroni auf der Rasenbank nieder, und nun mußte sie ihm des Langen und Breiten über ihre Prüfungszeit am Berghofe erzählen.
Vroni hätte ihrem Geliebten so viel zu sagen gehabt, und doch lag eine gewisse Schwermut auf ihrem Herzen, so daß sie nicht die rechten Worte ber Freube finden konnte. — Endlich erfaßte sie seine beiden Hände, sah ihm in seine treuen Augen und sprach:
„Toni, ich kann eS nicht glauben, daß das Glück o nahe wäre, und daß wir uns gehören sollen. Ach, und je näher die Entscheidung kommt, desto mehr drückt mich das Bewußtsein, Dir nicht einmal sagen zu können, wer meine Eltern waren." Dabei brach re in Tränen aus. „Glaube mir, Toni, Jahre meines Lebens gäbe 'ch dahin, könnte ich mich an ein treues Mutterherz schmiegen, könnte ich meinen Kummer, meinen Schmerz an der Brust Derjenigen wegweinen, die mir das Leben geschenkt; könnte ich