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Hernsprecher Nr 9.
30. Jahrgang
flllda, Freitag, den 26. Juni 1903.
Deutsches Keich
drohte Terrain zu behaupten. Das^ ist nur möglich durch politische, sozialpolitische und apologetische Schulung des Volkes, wie solche der Volksverein in intensivster Arbeit schafft.
Darum jetzt sofort nach der Wahlschlacht: An die Gewehre!
Angabeu verbreitet über eine bevorstehende Militärvorlage. Es würde z. B. für die Infanterie — die betreffenden Regimenter wurden direkt genannt — eine Vermehrung von zusammen 252 Offizieren und 6842 Unteroffizieren und Gemeinen gefordert werden. Die ,Kreuzztg/ hat fich an maßgebender Stelle erkundigt und den Bescheid erhalten, daß diese Angaben aus freier Erfindung beruhen; bis jetzt sind noch keinerlei definitive Beschlüsse über eine etwaige Militärvorlage gefaßt worden.
1 Heber unsere nächste Berufs- und Ge- werbezählnng, die im Jahre 1905 stattfinden soll, veröffentlicht Professor Werner Sombart (Breslau) in der,Soz. Praxis" einen Artikel, dem wir folgendes entnehmen: Bei der Statistik der Handwerker-Betriebe muß, wenn irgend möglich, eine Frage eingeschaltet werden: ob der Betrieb vorwiegend Reparatur - Betrieb sei oder nicht. Das technische „Wie" bleibt hier unerörtert. Die Frage ist entscheidend für das Gesamturteil über das Handwerk. Wird sie nicht gestellt, ist die ganze Statistik des gewerblichen Kleinbetriebes fast wertlos. Damit diese an Wert gewinne, muß auch mit aller Anstrengung darauf gesonnen werden, wie man das gefürchtete z. H. f. fr. R. (zu Haus für fremde Rechnung) so faßt, daß nicht neun Zehntel der Fische durch das Netz gehen, wie es jetzt zweifellos der Fall ist. Dann noch eins: Die Gewerbe-Statistik kennt nur „ W ar en - handel" schlechthin, ohne Detail- und Engros- handel zu unterscheiden. Das ist unerhört. Eine Statistik, die diese beiden toto coeio verschiedenen Dinge nicht scheidet, beraubt sich zur Hälfte ihres Wertes. Es ist eine der dringlichsten Aufgaben, daß diesem Uebelstande abgeholfen weroe. Die Frage, die hier zuzufügen wäre, würde lauten müssen: „Haben Sie einen offenen Laden? Ja oder nein?"
§ In dem Wahlkreise Erfurt-Schleusingen ist der bisherige konservative Vertreter Jacobskötter durch einen nationalliberalen Kandidaten aus der Stichwahl gedrängt worden. Dies erreicht zu haben rühmen sich der evangelische Bund und die „antiultramontane Wahloereinigung". Herr Jacobskötter hat nämlich das Verbrechen begangen, für die Aufhebung des § 2 des Jesuitengesetzes zu stimmen. Außerdem ist er Altlutheraner und als solcher dem Hauptvertreter des evangelischen Bundes in Erfurt, Senior Dr. Bärwinkel, höchst unsympathisch. Diesem Senior Dr. Bärwinkel ist, wie der .Kreuzzeitung' geschrieben wird, es in erster Linie zu danken, daß diesmal ein nationalliberaler Kandidat aufgestellt wurde, und dieser selbe Senior hat sich auch redlich darum bemüht, daß der Nationalliberale in die Stichwahl gekommen ist. Er hat einige Wochen vor der Wahl die Pastoren seiner Diözese zusammengerufen und ihnen klar gemacht, daß es mit ihrem Gewiffen unvereinbar sei, einem Mann ihre Stimme zu geben, der für die Aufhebung des § 2 des Jesuitengesetzes stimme. — Alle guten Patrioten im Wahlkreis Erfurt-Schleusingen bedauern, heißt es in der Zuschrift weiter, von ganzem Herzen, daß Herr Jacohskötter lediglich
Eine Anzahl junger Bursche» schlägt die Richtung nach den Gasthäusern ein. Auch im „Tannenzapfen", dem besten Gaftlokale des Ortes, finden wir eine Gesellschaft, doch besteht dieselbe zumeist aus den älteren, wohlhabenderen Männern des Ortes.
Ein seltener ®,.ft tritt dort ein — es ist Lorenz, - ' ~ ' Von dem Tode des alten Furtner cster verstände
3)er WergHof.
Bolksroman von I. Oberparleiter.
7 --------- (Nachdruck »erboten.)
Margaretha trat an ihren Sohn heran. In sanfter mütterlicher Weise, ihm die Haare aus der Stirne streichend, sprach sie in halb vorwurfsvollem Tone:
„Schurschel, hab' ich die Ueberzeugung, daß es eine Lüge ist? Schurschl, Du weißt, ich hab Dich gerne, aber manchmal denk ich mir doch, daß der Vater recht' hat, wenn er sagt, ich hätte Dich aus lauter Li-be verzogen. — Schurschl, wann bist Du dem, heute wieder heimgekommen? — Was soll denn dieses Leben — wohin soll es denn führen?"
„Nur keine Vorwürfe!" grollte Georg, „die verträgt heute mein Kopf nicht. — Was aber den gestrigen Abend anbelangt, so ist wieder niemand anderes schuld, als dieser Grünspecht, dieser Jägerbube!"
--Wieso, was hat's gegeben?"
„Was wird's gegeben haben? In der Schenke beim „Tannenzapfen" war er und hat dem Wüte angekündigt, daß dieser ein Zimmer für den Forstinspektor bereit halten soll, weil derselbe morgen, also heute kommen wird. Da haben ihm die Gäste als zukünftigen Förster gratuliert. Daraufhin hat er mit den Gästen angestoßen, und diese wieder haben ihn und bie Brom hoch leben laffen. Da hat der Lump die Frechheit gehabt und geht auch auf mich zu und will auch mit mir anstoßen —*
»Was! der Hungerleider?" Das hast Du Tir doch nicht gefallen laffen?"
„Ist leicht reden, „gefallen laffen", wie ich mit chm hab anbandeln wollen, trinkt der Feigling aus «ld geht seines Weges. — Ich hab' wirs gefallen laffen müssen, daß mich die Anderen noch ausgelacht haben."
„Nun, und Du?"
„Ich hab meinen Zorn an dem Waldheger aus-
][ An die Gewehre!
Die Wahlschlacht ist geschlagen. In den Tagesblättern werden bereits Streiszüge über das Wahlschlachtfeld gemacht und überall hört man die Klage über das Anwachsen der Sozialdemokratie.
Der katholische Volksteil hat, trotzdem gerade für ihn das Wort galt „Feinde ringsum", mit Bravour sich geschlagen und den konzentrierten Ansturm der vereinigten feindlichen Armeen zurückgewiesen.
Aber, es wäre falsch, durch diese Erfolge zu einem falschen Optimismus sich verleiten zu laffen. Wir find weit entfernt von einem zu Tode betrübten Pessimismus wie von einem zum Himmel jauchzenden Optimismus. Wer zwischen beiden die richtige Mitte einhält, wird die Tatsachen kühlen Herzens betrachten und daraus seine Schlüffe ziehen für die — weitere Arbeit.
Ja Arbeit: es geht nicht an, daß ein Feldherr nach einer gewonnenen Schlacht seine Truppen nach Hause entläßt zu satter Ruhe und Trägheit, um so weniger dann, wenn der Gang des Feldzugs auch für den Sieger ernste Mahnungen gebracht hat.
Und eine solche ernste Mahnung ist die Tatsache, daß manche katholische Volkskreise sich keineswegs immun (gesichert) gegen den Sozialismus erwiesen haben. Sind aber solche Kreise angefressen, so wäre es Torheit, demgegenüber die Augen verschließen zu wollen und sich im Hinblick auf den Wahlausgang immer mit den Worten trösten zu wollen: wie wir es so herrlich weit gebracht haben.
Da fällt uns ein Bericht über die Lage des Katholizismus in der heutigen Zeit ein, welchen wir jüngst in einer Broschüre gelesen haben. Was diesem Bericht seine eigentümliche Bedeutung gibt, ist der Umstand, daß damit die Hinweise, welche auf katholischer Seite von verschiedensten Männern über die kritische Lage des Katholizismus gemacht worden waren, entkräftet werden sollen! Da kann man lesen:
„In Spanien bemühen sich schon seit Jahrhunderten die Fliedner und Konsorten, dem Katholizismus das Lebenslicht auszublasen, und das Volk in den Schoß der allein vernünftigen, protestantischen „Kirche" zu führen; und dse Resultate ihrer „Evangelisation" sind verschwindend gering, gleich null. In Frankreich suchen freimaurerische Regierungen bereits seit mehr denn einem Jahrhundert im Bunde mit einer ungläubigen Philosophie die katholische Kirche auszurotten; und es ist ihnen bis heute nicht gelungen. Das Land bleibt katholisch (?) und sendet alljährlich Hunderte von begeisterten Missionären hinaus in die weite Welt. . . . In Italien ist die äußere Lage der Kirche wohl gedrückt, aber das Volk in seiner überwältigenden Mehrheit doch katholisch ... In Oesterreich mögen vielfach große Lauheit und Mißstände aller Art vorherrschen. Aber daran ist gar kein Zweifel, daß die breiten Massen des Volkes für den Glauben und die religiöse Einwirkung sehr empfänglich sind. Laßt nur rüstige Arbeiter in diesen Weinberg des Herrn, dann wird es an religiösem Leben und Streben nicht fehlen. In Deutschland entstehen allerwärts neue Kirchen . . . religiöse Vereine usw."
Von den Höhen, in welche Dichter auf dem Flügelroß sich erheben, pflegt das Leben und die Welt sich anders zu präsentieren, als für den-
Berlin, den 25. Juni 1903.
** Reichskanzler Graf v. Bülow, der heute Morgen feiner Wahlpflicht genügte, ist auf Einladung des Kaisers mit dem Mittagszuge nach Kiel abgereist. Der Reichskanzler ist jetzt völlig wicderherge stellt und beabsichtigt bald nach feiner Rückkehr von Kiel den gewohnten Sommeraufenthalt in Norderney zu nehmen.
(*) Beim Reichskanzler Grafen v. Bülow erschienen am Mittwoch Oberbürgermeister Knobloch und Stadtverordnetenvorsteher Profeffor ®r.' Bocksch aus Bromberg, um ihm den Ehrenbürgerbrief der Stadt Bromberg zu überreichen. Der Oberbürgermeister händigte dem Reichskanzler die künstlerisch ausgestattete Urkunde mit einer Ansprache ein, worin er feine Zustimmung der Polenpolitik und feinen Dank für die Fürsorgemaßnahmen des Staates in Bromberg aussprach. In seiner Erwiderung bemerkte der Reichskanzler u. A., an der Ostmarkenpolitik, als deren Ziel der Oberbürgermeister die vorbehaltlose Einordnung der Preußen polnischer Nationalität unter die preußische Herrschaft zutreffend bezeichnet habe, würde unbeirrt festgehalten werden. Wir bildeten uns nicht ein, daß der historische Kampf, den das Deutschtum im Osten mit seinen Gegnern führen müffe, von heute auf morgen beendet werden könne. Wenn aber von deutscher Seite von oben und unten weiter stetig, mutig und geduldig gearbeitet werde, würden die Früchte nicht ausbleiben.
(§) Dem Oberpräsidenten von Schlesien Herzog von Trachenberg ist nunmehr vom Könige der nachgesuchte Abschied mit Pension zum 1. Juli erteilt worden, und zwar unter der Verleihung des Verdienstordens der preußischen Krone. Dieser Orden wurde anläßlich der Zweihundertjahrfeier des Königreichs Preußen am 18. Januar 1901 gestiftet und bisher erst achtmal verliehen, nämlich an den Prinz-Regenten Albrecht, den Generalobersten Frhr. v Los, den den früheren Botschafter in London, Grafen Hatzfeld-Wildenburg, den General der Infanterie z. D. v. Strubberg, und an vier Ausländer, den Grafen Lamsdorff, den türkischen Großvesir Said Pascha, den Kronprinzen von Siam und den italienischen Minister Prinetti.
[*] Seit einigen Tagen werden in verschiedenen Blättern, meist in Anlehnung an sehr ausführliche Mitteilungen, die den .Dresdener Nachr/ „von sehr gut unterrichteter auswärtiger militärischer Seite" zugegangen waren, allerlei detaillierte — Warst ja immer ein findiger Kopf — sollte es da kein Mittel geben? Weißt, was der Schlaukrps, der Findig, zum Vater gemeint hat? „Wo die Löwenhaut nicht reicht, muß der Fuchspelz helfen."
Georg, der bisher nut mit geteilter Aufmerksamkeit den Worten gefolgt war, schien Plötzlich mehr Interesse an der Sache gewonnen au haben.
„Findig, sagst Du?" fragte er, „ist das nicht der entlassene Herrschaftsbsamte?"
„Derselbe — eine durchtriebene Haut," war die Antwort.
Georg schien wie elektrisiert. Behend sprang er auf.
„Gut," meinte er, „so will ich diese durchtriebene Haut befragen, was der Fuchspelz kosten soll."
Damit machte er sich fertig, um nach Alt berg zu gehen.
„Schurschl, hast vielleicht zu wenig Geld bei Dir ?" fragte noch die besorgte Mutter, „Du weißt, gewisse Leute haben immer beffere Einfälle, wenn sie in den Taschen etwas klingen hören."
Damit schob sie dem Schurschl ihre Börse zu und geleitete ihn unter mütterlichen Wünschen auf ein glückliches Gelingen seines Vorhabens zur Türe hinaus.
Der Nachmittag desselben Tages ließ fich recht schwül an. Dunkle Wolken, die fich über dem Fichten- schlag, dem Wetterwinkel Altbergs, allmählich auftürmten, ließen für den Abend eines jener Gewitter befürchten, wie sie häufig zwischen diesen Heiden Höhenzügen sich niederließen.--------
Der Nachmittagsgottesdienst ist zu Ende. Die weiblichen Andächtigen begeben fich gruppenweise wieder in chre Behausungen oder halten unter dem Schatten der mächtigen Kastanienbäume am Ort-Platze ein Plauderstündchen. Auch Broni war mit Leni in der Kirche gewesen. Beide schreiten nun den Hügel hinab dem Waldhäuschen zu. In Broni's Antlitz kann man Zufriedenheit lesen, — vergessen war der vormittägige Austritt mit der Berghofbesitzerin — Rude war wieder eingekehrt in ihre Seele.
Penis Bruder. — ,— . .. .... durch die Schwester verständigt, ist er vorzeitig in die Heimat g.tommeo, um, wie er fügte, mit Gregor roch eioe alte Rechnung abzuschließen. Nichtnurseine Tracht, sondern auch sein ganzes Wesen zeigt den Aelpler. Die Alpenwelt mit ihren unvergleichlichen Reizen wurde ihm zur zweiten Heimat, er selbst ward inmitten der herrlichen Alpennatur zum ideale» Menschen. Er betrachtet alles, was diese an Schönheiten bietet, mit anderen Augen als andere, gewöhnliche Menschen. Ihm singen die Vöglein ganz andere Weisen als jenen; das Murmeln des Bächleins gilt ihm, dem Einsame:-, als Freundesgruß; die Blümlein, die ihn alle kennen, nicken ihm von fer .e zu,—die Gemsen, die Rebe, sie fluchten nicht vor ihm, den alten Bekannten. Seine liebsten Freunde sind ihm die weißköpfigen Bergesgipfel — denen kann er sein Leid klagen; er weiß, daß es da oben kein Falsch gibt wie tief unten im Tale, wie draußen im Lande. Frühmorgens, wenn ihn der Auerhahn weckt, dann steht er auf, und dann steigt er immer höher und höher, bis die Alm tief unter ihm liegt. — Und wenn er nun einen Blick tief hinunter ins Tat wirft und weit hinaus in die Alpen- to< (t, immer weiter und weiter, bis wo der Himmel und die vergoldeten Berge eins sind — bann fühlt er, büß er inmitten eines wunderbaren, unermeßlichen Domes steht, dem an Pracht und Herrlichkeit kein Dom auf Erden gleicht- — Die Bergriesen sind ihm nichts anderes, als die graniten Säulen, - auf denen das blaue Gewölbe ruht! Die mächtigen Felseng-rüste, die an diesen Riesensäulen angebracht find, erscheine» ihm als Altäre, als Kanzeln, welche die Natur Hwc Verherrlichung des Schöpfers aufgestellt hat. lln» dann, wann der Himmelvater selber die goldene Amy«
jenigen, der in der Niederung des Lebens stehend die Sachen aus unmittelbarster Nähe zu beobachten Gelegenheit hat. Der weiß, daß keine Zeit ist zu einem Optimismus, der nur zu leicht die Aufmerksamkeit abzieht von den nächsten Aufgaben und die Tatkraft schwächt.
Wie wenig reimt sich zu dieser eben angeführten poetischen Schilderung die Tatsache von dem Uebergreifen des Sozialismus auch auf den katholischen Volksteil! Und man vergesse nicht, es ist das ein Beweis nicht blos wirtschaftlicher Unzufriedenheit, sondern auch der religiösen Verschwommenheit, Unklarheit, Gleichgiltigkeit. Deshalb handelt es sich in Zukunft und zwar schon in allernächster Zukunft nicht blos um sozialpolitische Weiterarbeit, sondern auch um religiöse und apologetische Schulung des katholischen Volkes. Die neue Zeit stellt neue erhöhte Anforderungen an alle, welchen das Wohl der Kirche am Herzen liegt.
Um das Wie und Wo der neuen Arbeit braucht nicht lange geredet zu werden.
Windthorsts Schöpfung, der Volksverein für das katholische Deutschland, hat sich glänzend bewährt und die Feuerprobe glänzend bestanden. Wo der Volksverein mit seiner politischen und apologetischen Aufklärungsarbeit eingegriffen hat, hat er dem Ansturm der Sozialdemokratie einen Damm entgegengesetzt. Möchte doch allenthalben die Notwendigkeit des Zusammenschlusses aller Katholiken im Volksverein erkannt werden!
Was sollen die tatlosen Klagen über die Schlechtigkeit der Zeiten denn nützen? Eine wild dahinrasende Maschine hält man nicht auf durch Klagen, oder indem man sich ihr entgegen» wirft, sondern indem man auf sie springt und sie in die Herrschaft zu bekommen sucht.
In unseren Tagen ist nun einmal die politische Arena das Gebiet geworden, wo die Würfel fallen auch über das Schicksal der Kirche; darum nützt es nichts, zu klagen, daß die Katholiken und selbst der Klerus ins politische Leben hineingezogen werden, sondern da heißt es mittun. Nachdem das allgemeine Wahlrecht einmal errungen worden ist, heißt es: das Volk politisch schulen und nachdem der Kamps gegen die Kirche in Schrift und Wort geführt wird, heißt es: das Volk durch religiöse Schulung aufzuklären. Alles müßige Klagen nützt nichts. Die schwere Not der Zeit erfordert statt Klagen energische Arbeit auf allen Gebieten.
Zur Illustration der bedenklichen kurzsichtigen Meinungen, welche man auf katholischer Seite manchmal hören kann, wollen wir erinnern an eine Ende der 60er Jahre erschienene Broschüre über die Presse. Darin wurde den Katholiken der Rat gegeben, sich ganz und gar der Presse fernzuhalten, da diese, selbst korrumpiert, nur zur Korruption führe. Heute würde man über solche Weisheit die Köpfe schütteln, und mit Recht.
Wie aber hier die energische Arbeit der Katholiken Erfolge errungen hat, so gilt es jetzt auf anderen Gebieten Erfolge zu erringen, das be- gelaffen — warum hat er diesen Buben in Schutz genommen —"
Georg, den die Erinnerung an die Affaire etwas angegriffen zu Vaben schien, neigte sich, den müden Kopf auf die Arme gestützt, etwas zur Seite und murmelte in nur halbverständlichen Worten:
„Der Wirt wird eine Rechnung bringen--es
ist mir ein Malheur passiert mit den Krüg'ln und Gläferu."
„Da hast Du Dich gewiß wieder recht aufgeregt," beschwichtigte die besorgte Mutter, „das solltest Du nicht tun, Schurschl, das schadet Deiner Gesundheit, und Du bist bann den anderen Tag ganz mißlaunisch. — Und das alles wegen dieser nichtsnutzigen Dirne!"
„Schau, Schurschl," sprach Margaretha nach einer kleinen Pause weiter, „weißt, was ich mir schon gedacht habe? Die Mädln sind alle eines Schlages. Die meisten lieben es ja, wenn die Buben eine „Schneid" haben, aber diese Broni ist so ein scheinheiliges Wesen und mag daher auch w-eder lieber einen Scheinheiligen, wie dieser Jägerbursche ist. Wie wärs, wenn Du es bei ihr mit der Sanftmut versuchtest, vielleicht würdest Du weiter mit ihr kommen. — Schau, Schurschl, 10000 Gulden wären halt doch gut, wenn sie in der Familie blieben — besonders jetzt, wo der Vater so notwendig Geld braucht, um einen Bau übernehmen zu können."
„Der Teufel steckt in dem Mädl! Hab ich es nicht schon auf alle mögliche Art versucht, ihr diese Grillen aus dem Kopfe zu treiben?" braust: Georg auf.
„Schurschl, ich gebe noch nicht alles verloren," tröstete die Mutter, „zwar ist Broni aus dem Hause, aber wie lange dauert es, ist sie wieder hier — da müßt ich den Vater nicht kennen; der wird nicht zu- gebrn wollen, daß der Wille des Alten in dem Punkt." nicht gehalten wird, denn da fürchtet er zu viel die Nachrede der Altberger. Hauptsache wäre es also vor der Hand, dem Jägerburschen mit der Försterstelle da- Spiel zu verderben oder ihn ganz und gar wegzubringen. — Aus den Augen, ans dem Sinn heißt'«.