verantwortllcher f' Zchristleiter.Zos.vaum
«rfcheint tiglich. mit Mruahme der So#» »ö Zeiertage. Viertel« Mhrl. vezugrpreir «h,e Bringerlot)n und "Befelgelb in Zulda und ««oSrtr IMk. 50 pfg
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Zernsprecher Nr.
MaerM Zeitung
: J. parzeLer in Zulda. wochenbeüage: „Illustrierte Zonntagzzettung" monatrbeüage: „Zllldaer Geschichtzblätter".
M 141.
fUlda, Mittwoch, den 24. Juni 1903.
30. Jahrgang.
§ Drei Millionen
unfern Zentrumsmann Müller-Fulda.
Zusammenstellung sind nach den Einzelresultaten,
\ sondern weil sie die extremste ist. Sie geht
Gregor trat einen Schritt zurück:
DcutschesRtid)
die Ergebnisse der Reichstagswahlen, soweit amtliche Nachrichten darüber vorliegen. Was speziell die Zsntrumskandidaturen
worden gegen 1,455,139 im Jahre 1896. Das bedeutet also für das Zentrum einen Stimmenzuwachs von etwa 3<45>O(N> «Stimmen. Bekanntlich hat das Zentrum in diesem Jahre in mehreren Wahlkreisen keinen Zählkandidaten
Damit wollen wir indeffen keineswegs sagen, daß man sich wegen der 3 Millionen nicht zu beunruhigen brauche. Im Gegenteil, wir halten eS für eine sehr bedenkliche Erscheinung, wenn die Unzufriedenheit int Deutschen Reiche so groß ist, daß 3 Millionen erwachsener Männer
I was daS allerbedenklichste ist, die Unzufriedenheit die wenigen Zentrumsleute schon bei der Kauptwahl wächst von Jahr zu Jahr und hat sicher noch zumeist für den freis. Kandidaten Seyboth gestimmt, immer nicht ihren Höhepunkt erreicht. Unter der der mit einem Sozialdemokraten in die Stichwahl Regierung des jetzigen Kaisers hat sich die Zahl gekommen ist. Im Wahlkreise Rinteln-Hof- der sozialdemokratischen Stimmen mehr als ver- g ei sm ar-Wol sh a gen findet Stichwahl zwischen | vierfacht. Wie vielfach sich die Zahl der sozial- dem Antisemiten v. Reventlow und dem Sozialdemokratischen Abgeordneten vermehrt hat, läßt demokraten Vetterlein statt; die dortigen Zentrums- sich noch nicht bestimmen; jedenfalls noch weit Wähler wollen sich der Stimme enthalten, auf mehr als die der Stimmen. Es wird Zeit, daß keinen Fall aber für den Sozialdemokraten man ernstlich nach den Gründen forscht und eiyer- stimmen. In den beiden anderen Wahlkreisen feits peinlich alles vermeidet, was in weiten Kreisen I des Regierungsbezirks Kassel hat bekanntlich die UtHufriedenheit schafft, anderseits alles tut, um | Hauptwahl schon die Entscheidung gebracht und die Ursachen berechtigter Unzufriedeuheit aus dem ' ~
Wege zu räumen. Die Scharfmacher machen angesichts des Wahlergebnisses schon wieder Stimmung für Ausnahme-Gesetze. Regierung und , „ . , Reichstags-Mehrheit werden aber wohl nicht so
sein Lohn zu niedrig ist, der kleine Beamte, der töricht sein, ihnen zu folgen. Man muß vielmehr zu viel Dienst und zu wenig Gehalt zu haben trotz aller Enttäuschungen mit der Sozialreform glaubt, der Handwerker, dessen Geschäft nicht so fortfahren. Besonders lehrreich ist, daß dort, groß ist, wie er es wünscht, sie alle wählen wo der Kaiser im letzten Jahre scharfe Reden sozialdemokratisch, um sich mit dem Stimmzettel gegen die Sozialdemokratie gerichtet hat und die den Aerger von der Brust zu schaffen. Ja, wir Unternehmer ihn mit Dank- und Zustim- sind überzeugt, daß Tausende nur deshalb sozial- mungs-Adressen von Arbeitern zu täu- demokratisch wählen, um andere zu ärgern; scheu suchten, die Zahl der sozialdemokratischen insbesondere tun dies zahlreiche kleine Beamte, Stimmen ganz befonders stark gewachsen ist.
weil sie wissen, daß die Vorgesetzten es nicht
gleich die auswärtige Politik, die Sozialpolitik oder die Kirchenpolitik sein muß, was die Unzufriedenheit erregt. Der Arbeiter, der von seinem Werkmeister angeschnauzt worden ist, der Bergmann, dem nach seiner Meinung ein Wagen zu Unrecht genullt worden ist, der Taglöhner, dem
I in der Kritik am schärfsten vor und tritt am I sich bewogen finden, sich für eine Partei zu er-1 gegen den Sozialdemokraten Thiel ein. In Esch' «MMM Olf m 3. MM« IW kecksten gegen die Regierung und alles bestehende i klären, die alles Bestehende umstürzen will. Und wege-Schmalkalden-Witzenhausen haben
1 auf, deshalb fallen ihr die Stimmen der Un|tt»1 ***•'" " i —:—n—1.........
friedenen vorzugsweise zu. Wären die Freisinnigen die Partei der äußersten Linken, f» würden sie das Sammelbecken der Unzufriedenheit fein. Im Vergleich mit der Sozialdemokratie aber kann sie den Wettbewert nicht bestehen. Die „Genoffen* verstehen sich auf das Raisonieren doch bedeutend besser und darum sind sie die Einheimser der Stimmen aller Unzufriedenen.
_ Womit einer unzufrieden ist, das ist ziemlich!
der „Kxldaer Zeitung^ werden fortwährend von allen Postanstalten, Laudbriefträgern «nd von «nserer Expedition (Harmonie) «etgegeugenomme«.
wie sie das offiziöse Blatt angbtz, im ganzen für das Zentrum 1,790,641 Stimmen abgegeben
angeht, so stehen die Stimmabgaben von etwa 25 Wahlkreisen noch aus. Nach einer vorläuägen
zwar in Fritzlar-Homberg-Ziegenhain für den Antisemiten Liebermann v. Sonnenberg und in Fulda-Gersfeld-Schlüchtern für
Die Sozialdemokratie hat die meisten Stimmen erhalten, nicht weil sie die stärkste Partei,
Zeit gewonnen, aller gewonnen! Schla gt ein, Furtner, — dabei bot er die Hand dar — es soll dies meine Sache sein!"
* Die Zunahme der ZeutrumOstimmeu- Die ,Nordd. Allgem. Zig.' veröffentlicht heute
Nach den amtlichen Wahlergebnissen hat bet m / , , _ - - .
.Vorwärts' bereits 2,911,327 Stimmen gezählt, Nebensache. Man denke nur ja mcht, daß es
di« am 16. Juni für die Sozialdemokratie abge- " s** '"•*•**-*•'•”* t-t-u»
8«ben worden sind. Das sind rund 800,000 »rehr als im Jahre 1898. Dabei fehlen noch iS Wahlbezirke, für welche die sozialdemokrati- ffchen Zahlen nicht angegeben sind. Es ist also »W unwahrscheinlich, daß die Sozialdemokraten wirklich 3 Millionen Stimmen aufgebracht haben. Daß sie darauf fehr stolz sind, finden wir ganz begreiflich. Wir bestreiten auch nicht, daß diese Zahlen eine ernste Mahnung sind. Nur bedeuten sse ganz entschieden nicht das, was die Sozialdemokraten herauslesen möchten.
„So, das stagst Du noch? Bon wem kommt denn auf unserem Hof alle Gift und Galle, als von ihr, dieser Erbschleicherin! Wer anders stiftet Unstieden „Wie wollt Ihr das zu Wege bringen — habt in unserer Ehe, als sie! — wer anders liegt uns am
Ihr ehrliche Mittel?* Hals und verkürzt uns unser Erbgut, als dieses
„Wo die Löwenhant nicht reicht, muß der Fuchs- Mädchen! — wer tut dem Schurschl, dem armen
pelz herhalten" — kennt Ihr dies Sprichwort?" war Jungen, alles zum Trotz, so daß er sich kränkt, und
die Antwort Findigs, dabei leuchteten seine grauen es kein Wunder ist, wenn er über sie Unwillig wird.* Augen in unheimlichem Lichte. »Nun, was den Georg anbelangt,* warf Furtner
Gregor schien mit einem Male an dem Wesen rasch ein, „so hätte ich auch ein ernstes Wort zu reden, seines Gegenüber einen solchen Abscheu bekommen zu Er führt ja ein wahres Schlemmerleben; feit gestern haben, daß er fast im Begriffe stand, sich des Be- morgen hat man ihn nicht zu Gesicht bekommen, suches mit kurzen Worten zu entledigen, als sich aus Wohin soll das führen? Wirst als Mutter gut tun, dem Nebenzimmer einer jener Zwiste zwischen Frau ihm das an's Herz zu legen, von mir, als seinem Margaretha und Brom vernehmen ließ, wie sie sich Stiefvater, faßt er alles schief auf, und doch kann es nun täglich auf dem Berghofe wiederholten. Irgend so nicht fortgehen!*
eines nichtigen Grundes wegen wußte Margaretha Margaretha fand nicht sofort eine Antwort. Sie einen Streit vom Zaune zu brechen, um ihren Zorn mußte fick gestehen, daß der Borwurf ihres Mannes an der verhaßten Broni auszulassen. nur zu berechtigt sei, und doch wollte sie es nicht
„Ah! es scheint, Eure Frau hat ein Wörtchen offen zugeben. Sie biß sich in die Lippen, wie sie es im Geheimen mit Euch zu sprechen,* meinte Findig zu tun pflegte, wenn sie einen Groll unterdrücken wollte, mit ironischem Lächeln, — „will durchaus nicht stören. „Nun, und was soll denn eigentlich jetzt wieder — Solltet Ihr jedoch dennoch den Fuchspelz nötig der Grund zum Zwiste mit Brom sein ?" fragte Furt> er, haben, bitte — er steht jeder Zeit gegen angemessene bevor noch Margaretha zu Worte kommen konnte. Entlohnung zur Verfügung.* — Diese Frage gab Margarethen Gelegenheit, dem
Mtt diesen Worten verließ Findig die gute Stube verhaltenen Zorne Luft zu machen, ihr beleidigtes in dem Augenblick, als Margaretha aus dem Neben- Mutterherz zu erleichtern.
zimmer in dieselbe hineinstürzte und die Türe mit „So, da soll man nicht in Harnisch kommen?* allen Anzeichen höchsten Ingrimmes hinter sich zuschlug, eiferte sie, heftig mit den Händen gestikulierend, „wenn
Sie schien sich eben zum Kirchengang vorbereitet man dieser Dirne befiehlt, sie solle dem «Schurschl zu haben, denn sie trug den Sonntagsstaat und ein ' einen Glühwein in die Kammer tragen, weil's ihm
„Wieso nicht? Spricht man doch allgemein davon als von etwas Selbstverständlichem. — Jeden Tag kann der Forstinspektor komme«, und wenn alles zur Zufriedenheit abläuft, dann wird wohl gleich die Besetzung vorgenommen.*
„Wie aber,* entgegnete Findig, jedes Wort scharf betonend, —wieaber, Herr Furtner, wenn Leger die erhoffte Försterstelle nicht erhielte, he?----
mächtiges Gebetbuch, dessen Ecken mit Silber beschlagen. Sie schleuderte das Buch in ihrer Aufregung mit Wucht auf den Tisch.
„Nun, nun, Margaretha, was hat's denn wieder gegeben?* beschwichtigte Gregor.
Die harmlos klingende Frage schien aber erst recht den Zündstoff in Margarethens Pulverkammer geschleudert zu haben. Die Hände in die Hüfte gestemmt, kreischte sie :
gern haben und über die vielen sozialdemokratischen «Stimmen verdrießlich sein werden. Nicht minder häufig wird der Sozialdemokrat von dem mit seiner wirschaftlichen Lage Unzufriedenen gewählt, in dem ganz dunklen Gefühle, er könne helfen; wenn ein Sozialdemokrat ge- wählt würde, werde es besser. Bei den jetzigen Berlin, den 23. Juni 1903.
Wahlen haben aller Wahrscheinlichkeit nach auch [*] Heber die Stellung lder Zent rumsviele Leute für die Sozialdemokraten gestimmt, I Wähler bei den Stichwahlen im Regie die ihrer ganzen Lebenslage und ihren Be- rungsbezirk Kassel ist folgendes zu bemerken: ftrebungen nach zu deren entschiedensten Gegnern Selbst beteiligt an der Stichwahl ist die gehören, blos aus Bosheit und aus Wut über Zentrumspartei nut im Wahlkreise Hünfeld- die „Agrarier". Dazu kommt das große Heer Hersfeld-Rotenburg, woderAbg. Müller- der mit dem verlogenen „Brotwucher"-Geschrei Fulda mit dem Antisemiten Werner in Stichwahl Getäuschten, und endlich das der politisch Unzu- steht. Daß die Zentrumswähler dort mit allem friedenen, die sich geärgert haben über die Eng- Eifer für ihren Kandidaten eintreten, ist selbst- ländersreundlichkeit der Regierung, über die Be- verständlich. Ebenso eifrig werden unsere Freunde Handlung der Buren, über den Kaiserbesuch im im Wahlkreise Hanau-Gelnhausen-Orb, Vatikan usw. usw. wo Stichwahl zwischen dem konservativ-national-
Könnte man alle diese „Mitläufer" abziehen, liberalen Kandidaten Lucas und dem jüdischen die 3 Millionen würden ganz gewaltig zusam- Sozialdemokraten Hoch stattfindet, für Lucas menfchrumpfen. Zieht man dann noch von eintreten, der den wichtigsten Forderungen der denen, die sich selbst für Sozialdemokraten hal- Katholiken gegenüber eine wohlwollende Stellung ten, diejenigen ab, die taffächlich vom Sozialis- einnimmt. Hoffentlich gelingt es, diesen Wahl- mus keine Ahnung haben und im Ernstfälle nicht kreis den Sozialdemokraten zu entreißen! Im daran denken würden, bei der Einführung des Wahlkreise Marburg-Kirch ha in-Frank en- sozialistischen Staates mitzuwirken, die vielleicht berg dagegen können die Katholiken demkonser- ' vativen Kandidaten v. Pappenheim ihre Stimme nicht geben, weil er eine schroff ablehnende Haltung gegen die Aufhebung des § 2 des Jesuiten- gesetzes einnimmt; die dortigen Zentrumswähler werden ihre 1900 Stimmen für den national- sozialen Kandidaten v. Gerlach in die Wagschale werfen, der in Sachen des Jesuitengesetzes uns volle Gerechtigkeit widerfahren lassen will. Im Wahlkreise Kassel-Melsungen treten die Zentrumswähler für den Antisemiten Sattmann
BolkSroman von I. Oberparleiter.
(Nachdruck »erbäte».!
Furtner hatte dieses Gespräch halb für sich geführt, er sah gar nicht auf Findig, der jedes Wort mit sarkastischem Lächeln auffing.
„Ei, ei," meinte er, „der Herr Furtner wird ja selbst zum Anwalt der Angeklagten. Unter solchen Umständen gäbe es doch das einfachste Mittel von der Welt, der ganzen Angelegenheit eine für beide Teile befriedigende Lösung zu geben.*
„Nun, und dieses Mittel wäre?"
„Wundert mich sehr, daß ihr nicht selbst darauf brrsallt. — So viel ich weiß, habt ihr einen heiratsfähigen Sohn — was hindert Euch, eine Heirats- wmbination einzugehen?*
„Mann!* fuhr ihm Furtner in'S Wort, — ^Mann! Ihr bringt mich aus dem Häusl; als ob oa» nicht der Stoff des täglichen Unfriedens im Hanje wäre — als ob nicht gerade deswegen diese Brom den ständigen „Zankapfel" bildete. — — So feljr mein Sohn Georg sich Mühe nimmt, die mngnng des Mädchens zu erwerben, so erfolglos mewt fern Bemühen. — Kann ihr's übrigens nicht senken, murmelte er für sich. - „Ihr werdet brä schon davon gehört haben, daß sie sich diesen Leger rn den Kopf setzt?«
«Atz' 3hr sprecht wohl von dem Forstgehilfen?* . mselben,* war die Antwort, — „und wenn,
Wie eS heim, dieser Mensch nach seinem verstorbenen «ater dte Försterstelle erhalten sollte, dann holla! - mtrb geheiratet und dann verlaßt Euch auf mein Wort, werden die 10000 Gulden sofort gekündigt.*
Mit jenem lauernden über Die Brille hervorragenden Blicke fragte Findig:
_ ^lso Ihr wißt das so sicher, daß dieser Leger die Försterstelle erhält?"
Ob sie wirklich die stärkste Partei sind, : wie sie schon vor diesen Wahlen behauptet haben, möchten wir selbst in dem Falle bezweifeln, daß an ihren Zahlen an sich nichts auszusetzen wäre. Bis auf zwei Wahlkreise haben sie bekanntlich Überall Zählkandidaten aufgestellt und so ihre Stimmen mit peinlicher Sorgfalt gesammelt. Keine andere Partei hat sich diesen Luxus ge« Hatten können. Die amtliche Statistik gibt also schon aus diesem Grunde kein zutreffendes Bild «o« der Stärke der Parteien. Allen sind zahlreiche Stimmen verloren gegangen in den nicht mit eigenen Kandidaten belegten Wahlkreisen. Außerdem hat keine Partei dort, wo sie auftrat, alle ihre Wähler an die Urne gebracht. Das ge- Üngt nur der Sozialdemokratie. Erst wenn der Wahlzwang eingeführt würde, ließe sich feststellen, welche Partei die meisten Anhänger hat.
Aber auch in diesem Falle nur, wenn die Wahl völlig frei wäre und niemand einer Partei feine «Stimme gäbe, zu der er sich nicht tatsächlich rechnete. Davon kann aber bei uns doch keine Rede fein. Namentlich muß es ganz entschieden bestritten werden, daß alle, die sozial- demokrattsche Sümmzettel abgeben, überzeugte Sozialdemokraten wären und die Ziele der Sozialdemokratie billigten. Bei keiner Partei wissen die Wähler weniger, was sie will, als bei der Sozialdemokratie, und für keine werden mehr Stimmen von Anhängern anderer Parteien abgegeben. Sonst wird von den Führern selbst zugegeben, daß die Partei eine große Menge „Mitläufer" habe, die ihr gar nicht innerlich zu- -getan feien. Wenn man nach der Wahl die Stimmen zufammenzählt, redet man davon natürlich nicht, sondern tut, als ob alle von waschechten Genossen herrührten.
noch christlich und königstreu sein wollen, so bleibt als „Partei" doch nur ein verhältnismäßig kleines Häuflein zielbewußter und standfester Genossen übrig.
aufgestellt, fonbesw gleich $m ersten Wahlgang für den Kompromißkandidatrn gestimmt, so daß hierdurch auch eine große Zahl von Stimmen dem Zentrum bei der Auszählung nicht zu gute kommt.
[§] In ihrem blinden Eifer, überall Jesuiten und Jesuitenfreunde zu entdecken und die Sache der Sozialbemokratie zu fördern, hatte die Korrespondenz deK Evangelisches Bundes gegen den Kandidaten der Reichspartei in Ober- Barnim, Professor Pauli, einen Artikel gebracht, worin sie behauptete, er sei katholisch und gehöre zu jenen bedenklichen Freunden des Zentrums, denen kein Protestant bedingungslos feine Stimme geben könne. Da Pauli Mühe haben wird, sich gegen seinen sozialdemokratischen Gegner in der Stichwahl zu behaupten, hatte also die.Deutschevangelische Korrespondenz" in ihrem Katholiken- haß direkt der Sozialdemokratie Vorschubgeleistet. Hinterher muß sie demüttg bekennen, daß ihr ein „bedauerlicher Irrtum" untergelaufen sei. Sie redet sich mit der Abwesenheit des Herausgebers aus. Die Entgleisung ist um so stärker, als der angebliche Katholik Pauli gegen die Aufhebung des § 2 des Jesuitengesetzes gestimmt hat. Nebenbei sieht man auch, was von der Erklärung des Vorstandes beS evangelischen Bundes zu halten ist, der Bund mische sich nicht in die Politik. Wenn seine amtliche Korrespondenz dafür arbeitet, daß keine Katholiken und Gegner des § 2 des Jesuitengesetzes gewählt werden, ist das keine Einmischung
[ in die Politik?
etwas wüst im Kopse ist und sie weigert sich, es zu tun, weil es sich, wie sie sagt, für sie nicht schiml Denkt wohl, sie ist nur eine Gesellschaftsdame hier! — Was sagst Du dazu?*
Furtner ließ sich durch die leidenschaftlichen AuS» laffunaen seiner Frau nicht aus seiner Ruhe bringen.
„Was soll ich dazu sagen?* meinte er gelassen, „Tu weißt, daß Broni nach dem Willen des verstorbenen Vaters nicht als Dienstbote im Hause behandelt werden soll. Wenn sie aber nicht gerne geht, so wird daS seine Ursache haben, Du weißt doch, tote die Beiden zu einander stehen. Broni ist ja sonst nicht ungefällig--
schickst halt ein andermal gleich einen Dienstboten.— Uebrigens, wenn es nichts weiter ist — laß daS Margareth, ich hab' jetzt Wichtigeres mit Dir zu besprechen.
Gregors Ruhe übte auf seine Frau die entgegengesetzte Wirkung aus. Sie warf ihm einen geringschätzige« Blick zu und rief in spöttischem Ton:
„Na, und das wäre?*
„Der Postbote hat mir die langerwartete Nachricht von der Baugesellschaft überbracht. Meine Offerte ist angenommen, und ich kann mit dem nächsten Monat die Arbeit beginnen."
„Und da wirst Du Dich doch nicht besinnen?* fiel ihm Margarethen in's Wort, „als ob wir da auf dem Hof etwas verloren hätten; der wird sich wohl leicht verpachten lassen, oder was noch besser wäre, verkaufen. — Müßt nicht, was uns da halten sollt!"
„Ja, ja, ganz gut," meinte Gregor, „aber bedenk: 12000 Gulden Kaution. — Du weißt, wie wir stehen. Bargeld ist keines da, — die wohltätige Stiftung, die laut Testament gleich erlegt werden mußte, hat den größten Teil der ererbten Barschaft aufgezehrt, überdies haben wir auch vom Stiftshof her Deckungen zu leisten gehabt. Befinden sich aber die 12000 Gulden nicht binnen Monatsfrist in den Händen der Gesellschaft, so wird die Arbeit einem anderen Bewerber übergeben. Nur die alte Bckanntschaft macht's, daß man auf mich Rücksicht nimmt." (F. f.)