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Druck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda (Harmonie). Fernsprecher Nr. 9.
M 135.
fUldfl, Mittwoch, den 17. Juni 1903.
30. Jahrgang.
Deutsches Reich.
Berlin, den 16. Juni 1903.
** Der »Vorwärts^, der andern gern Lüge, Fälschung und Schwindel vorwirft, richtete am letzten Tage vor der ReichstagSwahl an die Eisenbahner folgenden Aufruf: „Eisenbahner, wählt sozialdemokratisch! Budde will es! Der Eisenbahnminister Budde sagte in der Sitzung deS preußischen Abgeordnetenhauses am 24. Febr. 1903: „Die Bediensteten können wählen, wiesle wollen, auch Sozialdemokraten, dagegen habe ich gar nichts." DaS ist auf die ganz Dummen berechnet und gibt eine Probe davon, wie hoch der .Vorwärts' die Verstandskräfte seiner Leser einschätzt. Er mag allerdings Grund zu der Annahme haben, daß viele die Täuschung nicht zu durchschauen vermögen, denn er muß doch wissen, was er seinen Lesern bieten darf. Weiter schreibt der.Vorwärts': „Die Sozialdemokratie ist die Partei der Arbeiter!" und führt zum Beweise dafür an, was Graf v. Posadowsky am 23. Jan. 1903 im Reichstage gesagt hat; der »Vorwärts' führt aber ein Taschenspielerkunststück aus und schreibt dem Grafen v. PosadowSky den folgenden Satz zu: Die Arbeiter wahren ihr gutes Recht einzig und allein dadurch, daß sie sozialdemokratisch wählen. Natürlich hat das Graf Posa- dowsky nicht gesagt, das fügt der,Vorwärts' zu den Worten des Grafen v. Posadowsky selber hinzu! aber er setzt das, was Graf v. Posa-
)( Freiwillige Versicherung öer lmSmrtschaWcheu Betriebsuilternehnler ans srunö -es ZuMen« verfichernngsgesetzes.
Die Wahrnehmung, daß bisher in den Kreisen der bäuerlichen Bevölkerung nur in geringem Umfange von der durch das Jnvalidenversiche- rungsgesetz vom 13. Juli 1899 bedeutend erleichterten Einrichtung der freiwilligen Versicherung (Selbstversicherung und Weiterversicherung) Gebrauch gemacht worden ist, hat dem Minister für Landwirtschaft, Domänen und Forsten Veranlassung gegeben, durch Erlaß vom 21. Mai 1903 die Landwirtschaftskammern darauf aufmerksam zu machen, daß sie sich ein Verdienst erwerben würden, wenn sie in dieser Richtung durch ihre Organe, besonders die Wanderlehrer und die landwirtschaftlichen Vereine aufklärend unter den bäuerlichen Betriebsunternehmern wirken wollten. In gleicher Weise sind die Regierungspräsidenten veranlaßt worden, die zur Durchführung des Jnvalidenversicherungs- gesetzes gemäß tz 57 zu 5 berufenen unteren Verwaltungsbehörden anzuweisen, daß sie sich diese wichtige Frage angelegen sein lassen.
Aus dem Inhalt des erwähnten Erlasses ist folgendes hervorzuheben: Die Vorteile der freiwilligen Versicherung liegen auf der Hand. Der Bezug einer Rente für den Fall längerer Krankheit, dauernder Erwerbsunfähigkeit und deS Alters schützt die Versicherten vor der äußersten Not und gewährt ihnen ein sorgenfreiere? Alter, als es ihnen ohne Versicherung häufig beschieden ist. Für die bäuerliche Bevölkerung ist aber von besonderer Wichtigkeit, daß die bestimmte Aussicht auf eine Rente es den Besitzern gestattet, bei Lebzeiten das Besitztum einem ihrer Kinder zu billigen Bedingungen zu übertragen, ohne ge- zwungen zu sein, sich zur Sicherstellung ihres Alters Altenteile in einer Höhe auszubedingen, welche häufig außer Verhältnis zum Wert der überlassenen Besitzung steht.
Die Opfer, welche durch die freiwillige Versicherung übernommen werden, sind sehr gering, nachdem das jetzt geltende Gesetz die von dem Jnvaliditäts- und Altersversicherungsgesetz vom 22. Juni 1889 geforderte Beibringung der Zu- fatzmarke von 8 Pfennig für die Beitragswoche beseitigt hat, so daß nunmehr allein die gewöhnliche Beitragsmarke wie bei der Pflichtversicherung zu verwenden ist. Ein weiterer Vorzug des jetzt geltenden Gesetzes besteht darin, daß die
Versicherung nicht mehr wie früher nur in der zweiten, sondern in allen fünf Lohnklaffen erfolgen kann, so daß die ärmere Bevölkerung in der Lage ist, sich schon mit einem Wochenbeitrag von 14 Pfennig in der ersten Klasse zu versichern, während früher der doppelte Betrag (20 Pfennig Beitragsmarke und 8 Pfennig Zusatzmarke) aufzubringen war; andererseits haben die besser gestellten Landwirte die Möglichkeit erhalten, durch Versicherung in dm höheren Lohnklassen sich größere Rentenbezüge zu sichern. Die Geringfügigkeit der Beiträge erhellt aus folgendem Beispiel:
Nach 500 Wochen Wartezeit (d. i die Wartezeit für die Selbstversicherung) beträgt die Rente in Lohnklasse 1—125 Mark; hiervon hat der Versicherte selbst beigetragen 500 X 14 = 70 Mark, so daß ein in 5 Jahren entrichteter Beitrag von nur 70 Mark genügt, um sich für den Eintritt der Invalidität eine jährlich wiederkehrende Rente von 125 Mark zu sichern. Zur Erhaltung des Anspruches auf diese Rente genügt eine Beitragsleistung von 40 Beitragsmarken in 2 Jahren oder jährlich 2,80 Mark.
In dem Erlaß werden sodann die näheren Bestimmungen über die freiwillige Versicherung erörtert.
eifrig mit dem Aufbau eines Denkmals für Hoffmann von Fallersleben, den bekannten Dichter, der auf der alten Benediktinerabtei Corvey lange Jahre wirkte und dort seine Ruhestätte gefunden, beschäftigt. — Warschau. Am Alexanderplatz stürzte ein massives Wohngebäude ein. Bis jetzt sind 19 Tote aus den Trümmern hervorgezogen. Die Gesamtzahl der Toten dürfte 30 bis 40 betragen. — Essen. Am Sonntag vormittag fand in der Kolonie Altenhof, dem Heim der pensionierten Invaliden der Krupp'schen Fabrik, die Enthüllung eines Denkmals für F. A. Krupp statt.
* Z« der diesjährigen NordlandSreise des Kaisers wird der ,Voss. Ztg.' aus Christiania geschrieben: Der norwegische Kaiserlotse Nordhus, der im Auftrage des Kaisers die Fahrverhältnisse bei der Landschaft Judherred im Drontheimer Fjord untersucheu sollte, hat seine Reise beendet und gefunden, daß die Größenverhältnisse der „Hohenzollern" gestatten, die fraglichen Gebiete zu besuchen. Die Reise würde Gelegenheit bieten, eine der schönsten Fjordpartien Norwegens in Augenschein zu nehmen.
* Moderner Nachwuchs. Jüngling: „Freunde, heut' habe ich einen großartigen Fortschritt gemacht: Zum ersten Mal Selbstmordgedanken gehabt!"
Die Wahrheit über den Jesuiteuorde«! Soeben erschien Heft 151/152 der Sammlung Ka'ho- lische Flugschriften zur Lehr und Wehr im Verlage der Germania Berlin C., betitelt: Der Jesuitenorden, Ursprung, Geist, Verfassung, Tätigkeit und Sittenlehre desselben. Von August Perger 8. J. 116 Seiten, Preis nur 20 Pfg , franko 23 Pfg. Inhalt: 1. Ursprung des Ordens. 2. Ziel und Geist der Ordens. 3. Gliederung und Verfassung des Ordens. 4. Tätigkeit des Ordens. 5. Siltenlehre des Ordens. 6. Aufhebung und Wiederherstellung des Ordens. Die Herausgabe eines Schristch-ns, wie das obige, war längst ein Bedürfnis, besonders gegenwärtig, da der Kampf gegen den Orden mit unerhörter Schärfe und Bitterkeit, unter Anwendung der unlautersten Mittel gesü rt wird. Jeder einzelne Katholik kann hier mithelfen, indem er sich zur Pflicht macht, wenigstens eine kleine Partie abzusetzen. Wichtig ist es auch, das Schriftchen dem evangelischen Volksteil zugänglich zu machen.
dowsky gesagt hat, nicht in Anführungszeichen, scheidet es nicht von seinem eigenen Zusatz, und so wird der Anschein erweckt, als habe Graf o. Posadowsky gesagt: „Die Arbeiter wahren ihr gutes Recht einzig und allein dadurch, daß sie sozialdemokratisch wählen." Wie würde das sozialdemokratische Blatt von sittlicher Entrüstung überschäumen, wenn bürgerliche Blätter und Parteien sich solche Mogeleien erlaubten!
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* Berlin, 16. Juni 1903. Ein Unfall des Prinzen Wilhelm zu Wied, Schwager der Tochter des Königs von Württemberg, hat sich heute vormittag bei der Felddienstübung des Regiments der Garde du Corps -mgelragen. Der Prinz ist Oberleutnant bei dresem Regiment. Als solcher Regimentsadjutant, hatte er in der Nähe von Michendorf eine Meldung zu überbringen. Dabei ging plötzlich sein Pferd durch und rannte in einen Kiefernwald mit niedrigen Bäumen hinein, und zwar mitten durch zwei dicht aneinanderstehende Kiefern, deren Zweige ihn vom Pferde rissen. Er blieb mit den Stiefeln in dem Zaumzeug hängen und wurde durch das Dickicht mitgefchleift, bis es gelang, das Tier aufzuhalten. Schwerverletzt und aus mehreren Wunden blutend, wurde der Prinz, dem das linke Bein ausgerenkt war, zunächst auf das Pferd eines Sergeanten gesetzt und dann mittelst Fuhrwerks nach seiner Wohnung gebracht. Heute feierte das Regiment gerade das 150 jährige Bestehen.
* Kapstadt, 13. Juni 1903. Die deutsche Südvolarexpedition hat die überlieferte Annahme von der Existenz der Terminatioinsel, die auf den Karten eingezeichnet ist, zerstört. Die Expedition fuhr an der Stelle, an der die Insel angeblich liegen soll, vorbei. Die größte gemessene Kälte betrug 48 Grad Röaumur. Mehrere Mitglieder hatten unter Frost zu leiden; ardere waren tagelang während der Schlittenfahrt schneeblind. Es wurden Nahrungsmittelstationen errichtet und Stangen als Wegweiser für andere Forscher zurückgelassen, um solche bei weiterem Vordringen nach Süden zu unterstützen.
(•) Kleine Nachrichten. Berlin. Der Kurpfuscher Nardenkötter ist von England ausgeliefert worden und am Samstag in Berlin eingetroffen. Er wurde sofort ins Gefängnis gebracht. Narden- kötterS Ueberfahrt von London nach Hamburg geschah in Begleitung zweier englischer und eines Hamburger Knminalbeamien. Das Urteil ist inzwischen rechtskräftig geworden, da Nardenkötter die ursprünglich eingelegte Revision durch seinen Verteidiger zurückziehen ließ. — Posen. Am Sonntag früh wurden in ihrem Bette der Kaffenbuchhalter der hiesigen städtischen Gasanstalt, Frankowstt, und deffen Ehefrau tot aufgefunden. Auch der Vater des Mannes wurde schwer erkrankt aufgefunden. Es wird vermutet, daß eine Rauchvergiftung vorliegen könne. — Chicago. Ein Ausstand cher Hotel- und Restaurationskellner hat ungewöhnliche Zustände hervorgerufen. Es servieren in den Hotels Damen der bepen Gesellschaft. Die Ausständigen dringen in die Hotels ein, um die noch Arbeitenden abzubringen. Die Hotelbesitzer geben nicht nach und lassen ganze Eisenbahnzüge mit Negern als Ersatz kommen. — Höxter. Hier ist man
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Freitag, 19. Juni. Nonnenkirche. Herz- Jesu-Fest. (Vollkommener Ablaß für alle Gläubigen.) Von 5 Uhr morgens Gelegenheit zum Beichten, 51/» Uhr Austeilung der hl. Kommunion, darauf Aussetzung des Allerheiligsten und hl. Meffe. Der Gottesdienst für die Gymnasiasten fällt aus. 61/«, 7 und 77« Uhr heil. Messen und Austeilung der hl. Kommunion, 81/. Uhr Festpredigt, darauf Hochamt, 10 Ubr hl. Messe, danach Segen und Beisetzung des Allerbeiligsten, 1 Uhr Aussetzung des Allerheiligsten und öffentliche Betstunde, 2 bis 3 Uhr stille Anbetung, 3 Uhr feierliche Vesper und Komplet, 4 bis 5 Uhr stille Anbetung, 5 Uhr feierliche Schußandacht.
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