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fulda, Montag, den 15. Juni 1903,

M 133

den

(Nachdruck verboten.)

30. Jahrgang.

Berlin, den 13. Juni 1903.

** Behauptet und bestritten worden ist, daß die deutschen Finanzminister demnächst sich in einer Konferenz über die sogenannte Reichsfinanzreform aussprechen würden. Nun

wird der ,Südd. Reichskorr/ ersichtlich hoch­offiziös aus Berlin geschrieben: „Daß in der Preffe Meldungen über eine Konferenz der deutschen Finanzminister auftauchen, ist an sich nicht überraschend. Denn die große Frage der Reichsfinanzreform gehört zu den Aufgaben, dse dem neuen Reichstag innerhalb der kommenden Legislaturperiode, wenn auch kaum schon in der nächsten Session, beschäftigen müssen, und dem föderativen Geiste, in dem die Reichsgeschäfte geführt werden, würde es entsprechen, wenn für eine so wichtige Reformvorlage die Verbündeten Regierungen die Einigung der Ansichten in mündlichen Erörterungen zwischen den bundes­staatlichen Fachministern vorbereitet werden könnte. Unzutreffend ist es aber, wenn man von einer „demnächst" zusammenlretenden Ministerkonferenz gesprochen hat. Auch nach der erst für Anfang Juli bevorstehenden Rückkehr des preußischen Finanzminffters von seiner amerikanischen Reise wird noch geraume Zeit vergehen, bevor über­haupt eine Konferenz zustande kommen kann. Aktuelle Bedeutung hat also die ganze Frage nicht."

% Der Handelsminister setzte am Freitag die am Mittwoch begonnene Besichtigung be­merkenswerter Berliner Fabriken fort und besuchte die Maschinen- und Apparatefabrik der Allgemeinen Elektrizitätsgesellschaft in der Acker- straße, von deren Anlage und Einrichtungen er unter Führung ihres Direktors Jordan mit Interesse Kenntnis nahm.

* Rücktritt des badische« Gesandte« von Jagemann. Es wird der .Kölnischen Zeitung" bestätigt, daß der badische Gesandte am preußischen Hofe und Bundesratsbevollmächtigte Wirklicher Geheimer Rat Dr. von Jagemann demnächst in den Ruhestand treten wird. Er war, so schreibt das Blatt offiziös, lange Jahre unter dem Minister Nokk Vortragender Rat im badischen Justiz- und Kultusministerium und wurde Ende Mai 1893 ausersehen, der Nach­folger des zum badischen Minister ernannten Herrn von Brauer als Gesandter in Berlin zu werden. Zehn Jahre hat er seitdem diese Stellung bekleidet, vor allem hat er sich im Bundesrat als überaus eifriger und kenntnis­reicher Mitarbeiter hervorgetan, im Reichstag hat er nur wenig Gelegenheit gehabt, aufzutreten. Ats besonderes Verdienst ist ihm anzurechnen, daß er der hiesigen badischen Gesandichaft an Stelle des alten völlig unzureichenden Hauses in der Behrenstraße ein glänzendes, würdiges und

Meine Yerzens-Mma

Erzählung von M. Freericks.

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druck und Verlag der Zuldaer Actiendruckeret in Zulda (Harmonie) Fernsprecher Nr. 9.

Md zoiertage Viertel« Ährt. Bezugspreis dfme vrmgerlohn und KelteAgeld in Fulda und wÄsimtSOPffl.

Verantwortlicher

Seichstagswahl.

Zu Wahlvorstehern sind ernannt: für

Wahlbezirk

KM- Für die morgige Reichstagswahl hat die Centtumspartei folgende Kandidaten aufgestellt

Wahlkreis Fulda-Gersseld-Schlüchtern: Rentner Richard Müller-Fulda.

Wahlkreis Hünfeld-Hersfeld-Rotenburg: Rentner Richard Müller-Zulda.

Wahlkreis Hanau-Gelnhausen-Orb: Rentner Richard Müller-Fnlda.

Wahlkreis Marburg-Kirchhain-Frankenberg: Redakteur Joseph Baum-Fulda. Für die übrigen Wahlkreise des Reg.-Bez. Kassel: Rentuer Richard Müller-Fulda.

Jugendfreundes von »ihr, und deren Mutter," eit ärie P^pa. „Sie wohnen in der nicht fernen Statu M., machten die kleine Reise aus der Bahn bis zu unserer nächsten Station und von dort mit einer Mietskutsche. Sie wollte» meinen ärztlichen Rat einholen, und so­viel wie möglich in meine dauernde Behandlung treten. Es scheint, daß das Leiden und die Anstrengung der Fahrt die Kranke reizbar gemacht hatten; vielleicht ist auch das Naturell nicht sehr liebenswürdig: ich ke- ne sie nur sehr wenig. Gewiß aber ist, mein geliebtes Kind! daß Deine Leidenschaftlichkeit unbemerkt aufge> wuchert war, und durch unsinnige Erzählungen und Bemerkungen anderseits, wie Deinerseits durch kindisch verworrene Auffassung zu dem Dich so quälenden Irr­tum mb zu dem beklagenswerten Ausbruch kam. Indes ich habe ja zu meiner herzlichen Genugtuung erfahren, wie sehr Du es jetzt wieder gut machen willst. Als erster Lohn dafür ist Dir nun schon das Schreck­bild verwischt: alles im ßaufe ist w.e früher."

Er langte aus seiner Tasche e.n hübich gebundenes Märchenbuch und reichte es mir. „Sieh, das habe ich Dir mitzebracht, Leuchen! Ich habe es Dir selber lusgewählt und genau durchgesehen; es ist keine der unwahren und schädlichen Geschichten von der bösen Stiefmutter darin. Dies wird Dir unschädliche Unter­haltung gewähren."

Papa glaubte mich ganz mit dem schönen Bucke beschäftigt; doch die am nächsten Tage bevorstehende Trennung von d eser lieben Familie und besonders von dem mir unsäglich teuer gewordenen Fräulein Luise, be chäftigie mich innerlich noch mehr und zog magnetisch meine Augen auf die Letztere. Ick hörte deshalb genau, daß Papa, obwohl mit gedämpfter Stimme, zu ihr sagte: „Sie Verehrtestes Fräulein! mögen sich über meinen Mangel an väterlicher Autorität, gegenüber dem mir bis vorhin unbegreiflichen Wider­stand meines Kindes gegen das Heimkommen, gewundert haben. Ich möchte wich ein roenig rechtfertigen: Teils mußte ich als Arzt der Pflege und Ruhe ohne Lange­

so herzlich, weil ich jetzt erkenne, daß Du es mit dem Opfermut wahrer Liebe tust. — Fräulein Hellmann!" wandte er sich dann wieder an die Dame, „Ihnen verdanke ich unsäglich viel . . . Gott segne Sie!" Seine Stimme bebte merklich, besonders bei den letzten Worten, in die ich von Herzen, wenn auch schweigend, einstimmte. „Sie überschätzen meine kleine Leistungen. Herr Doktor!" wehrte Fräulein Luise das Lob ab, „Ist doch eL so besonders gut veranlagtes junges Leben ein reichlich lohnendes Feld für die Bestrebungen, es richtig zu entwickelu und harmonisch zu gestalten."

„Oyne Zweifel!" bestätigte Papa. „Aber in diesen Ihren Bestrebungen und Erfolgen ernenne ich auch in dieser gesegneten Stunde, was diesem jungen Leben und dem meines Söhnchens so lange gefehlt hat."

„Das wird jetzt bester, ja hoffentlich ganz ausae- glichen werden, durch die Aenderungen, die Sie kürz­lich in Jürem Familienkreise geschaffen haben," meinte dar Fräulein in sichtlicher Teilnahme. „HAenchen lproch soeben noch davon" Papa schwieg einige Augenblicke, dann faote er mit einer Bedeutung, die mir damals noch nicht verständlich war; „Ich war teilweise Zeuge des betreffenden Austausches, gottlob! Ich gestehe es ohne Verlegenheit, denn die Offen­barungen, die mir da wurden, waren mir zu wichtig, zu heilig. Das mir so ziemlich Rätselhafte, das in dem Kinde vorging, ist nur dadurch enthüllt, und . . . vcrehrtestes Fräulein! das Kleinod Ihrer ®eftnnung. --Leuchen!" wendete er sich dann einfach und ruhig zu mir, „hinsichtlich der Stiefmutter, die ich so­eben bei meinem Kommen dich nennen hörte, bist du vollständig im Irrtum, wie es auch Frau Stellbaum und Ottilie teilweise find: Es ist keine da! du kannst ohne jede Furcht, zu der ohnedin kein Grund Vortag, in's Vaterhaus zurückkommen."

„Ist sie denn wieder fortgegang-n?" fragte ich halb jubelnd, halb zweifelnd.

„Die Damen, die am Abend, als du fortgingst, bei mir waren, find die sehr nervenkranke Frau eines

5. Wahlbezirk gebildet von den Straßen Angel, Domdechanei, Domplatz, Eichsseld, Elisabethstraße, Frauenberg, Haimbacherstraße, Hinterburg, Horaserweg^Kron- hosstraße Langenbrückestraße, Lichtweg, Maber- zellerstraße, Marienstraße, Tränke, Wilhelmstraße. Wahllokal: Roter Saal im Grangeriegebäude.

Metzgermstr. Anton Schwarz. Stellvertreter: Bäckermeister Fritz Rübsam.

6. Wahlbezirk

gebildet von den Straßen Bahnhof, Bahnhofstraße, Neue Bahnhofstraße, An der Bretterhalle, Dalberg- straße. Am Franzosenwäldchen, Georgstraße, Hem- richstraße, Lindenstraße, Nikolausstraße, Peters­bergerweg, Petersgasse, Rhabanusstraße, Rhön­straße, Schrödershäuschen, Am Schützenhaus, Sturmiusstraße, Viehmarktplatz.

Wahllokal: Gasthaus zur Linde. Malermeister Philipp Neidhardt. Stellvertreter: Rentner Adam Schultheis.

Die Wahl findet am 16. Juni d. I., vor­mittags von l0 Uhr bis nachmittags 7 Uhr ohne Unterbrechung statt.

Die Stimmzettel müssen von weißem Papier sein und dürfen außer der genauen Bezeichnung des zu Wählenden, mit welcher der Stimmzettel außerhalb des Wahllokals zu versehen ist, «kein weiteres Kennzeichen enthalten. Dpe Stimmzettel sind in einem amtlich abgestempelten Umschlag, der sonst'keine Kennzeichen haben darf, dem Wahl­vorsteher zu übergeben. Die Abgabe der Stimm­zettel geschieht in der Weise, daß der Wähler von einer im Wahllokal bereit stehenden Person einen amtlich abgestempelten Umschlag entgegen­nimmt, sich in einen besonderen Raum begibt, wo er den Stimmzettel in den Umschlag steckt, dann an den Vorstandstisch tritt, seinen Namen nennt und nach Auffinden seines Namens in der Wähler­liste den Umschlag mit dem Stimmzettel dem Wahlvorsteher übergibt.

Fräulein Luise schüttelte wehmütig den Kopf und erwiderte: „Liebes Leuchen, das alles ist höchst un­richtig. Ottilie ist selbst eben noch ein Kind und weiß es nicht bester. Mir glaubst Du doch wohl mehr? — Sieh, ich kenne mehrere «Stiefmütter, die ihre Kinder lieben, wie deren erste Mama; auch lieben die Kinder sie von ganzem Herzen wieder Wenn Deine jetzige Mama eine Brille trägt, so liegt das sicher an einer Augenfchwäche; sie möchte gewiß derselben nicht be­dürfen. Meine Mutter trägt doch auch eine Brille bei der Arbeit; findest Du denn auch die so schrecklich?"

„Ach nein, das ist wahr!" rief ich, erstaunt, daß mir das nie ausgefallen war. „Aber die Brille bet Stiefmutter ist so groß und dunkel!--Ach, da

ist Papa!"

Fräulein Luise wendete sich, leicht erschreckend, dem Ankommenden zu, der seitwärts aus dem Gebüsche kam, von dem nur eine Taxurhecke uns trennte. Sie mochte in ihrem Zartgefühl fürchten, daß Papa unser lebhaft geführtes Gespräch gehört habe, eine Tatsache, die >hr bald, mir erst viel später, zur Gewißheit wurde. Ich dachte nichts weiter, als daß jetzt mir Gelegenheit gegeben war, Papa sowohl wie Fräulein Luise meine aufrichtige Siebe zu zeigen.

Noch wechselte er mit ihr einige Begrüßungswarte, alS ich fckon feine Hand erfaße, ihm herzlich in die Augen blickte und mit einem mmigen inner» Anlauf hervorbrackte: „Papa, morgen gebe ich mit Dir nach Hause!"

„Da machst Du mir eine wirlliche Freude, Kind!" erwiderte Papa, und feine Augen glänzten in der Wahrheit des Gesagten. „Sieh, meine Freude ist darum

gebildet von den Straßen Am Bachrain, Boni- fatiusplatz, Borgiasstraße, Buseckstraße, Butter- markt. Doll, Florengaffe, Friedrichsmarkt,Friedrich- straße, Hitzenplan, Künzellerweg, Marktstraße, Kleine Marktstraße, Nonnengaffe, Ohmstraße, Peterstor, Sack, Schlachthausgasse, Schloßstraße, Schulstraße, Schweinemarkt, Steinweg.

Wahllokal: Ballhaussaal.

Schlossermeister Franz Wilhelm Fleischmann.

Stellvertreter: Fabrikant Walther Plappert.

2. Wahlbezirk

gebildet von den Straßen Brauhausstraße, Edel­zellerweg, Gemüsemarkt, Hirtsrain, Judenberg, Judengasse, Kanalstraße, Kapuzinerstraße, Katt- straße die Häuser Nr. 1 bis einschl. Nr. 21, Am Landkrankenhaus, Luckenberg, Meistersgasse, Mittelstraße, Mühlenstraße, Pfandhausstraße, Rittergasse,Rosengasse,Severiberg, Schildeckstraße.

Wahllokal: Waisenhaus.

Apothekenbesitzer Emil Reinhardt. Stellvertreter: Kaufmann Nathan Esch weg e.

3. Wahlbezirk

gebiDet von den Straßen Adalbertstraße, Artillerie­straße, Buttlarstraße, Bosestraße, Josephsstraße, Hohenzollernstraße, Kurfürstenstraße, Leipziger­straße, Liobastraße, Michaelsberg, Moltkestraße, Niesigerstr., Pauluspromenade, Paulustor, Se- basttanstraße. An der Waides, Am Waldschlößchen, Wittichstraße, Zieherserweg.

Wahllokal: Stadtsaal.

Hauptlehrer Vonderau. Stellvertreter: Lehrer Peter Schmitt.

Wahlbezirk

gebildet von den Straßen Abtstor, Feldstraße, Fischfeld, Frankfurterstraße, Gartenstraße, Jo­hannisstraße, Karlstraße von Haus Nr. 22 bis einschl. Nr. 42, Königstraße, Lengsfeldergasse, Löherstraße, Hinter den Löhern, Pröbel, Hintere Schleifersgasse, Vordere Schleifersgasse, Simpli- ziusbrunnen, Wallweg, Bei der Wiesenmühle.

Wahllokal: Gasthaus Hinterburg. Wachswarenfabrikant Karl Rübsam.

Stellvertreter: Kaufmann Franz Anton Neuß.

geräumiges Heim in der Lennöftraße cer“ schafft hat. Herr von Jagemann und seine kunstsinnige Gemahlin führten in der Reichs- hauptftadl ein sehr geselliges Haus. Sie werden sich dem Vernehmen nach in Heidelberg nieder- laffen.

** Ausstellung für Arbeiterwoylfahrt. Die Ständige Ausstellung für Arbeiterwohlfahrr in Berlin wird vom 18. b§. Mts. er für das Publikum geöffnet sein. Als Besuchszeit ist vor­läufig für die Wochentage mit Ausnahme des Montags, an welchem die Ausstellung geschlossen bleibt, die Zeil von 8 bis 11 Uhr vormittags, außerdem für jeden Dienstag und Donnerstag die Zeit von 6 bis 9 Uhr abends und für die Sonntage die Zeit von l bis 6 Uhr nachmittags festgesetzt. Um der Presse Gelegenheit zur Be­sichtigung der Ausstellung vor ihrer Eröffnung zu geben, wird sie Montag den 15. ds. Mts. von 10 bis 1 Uhr allem für die sich legitimieren­den Vertreter der Preffe geöffnet sein. Eine sach­kundig« Führung durch die Ausstellung wird um 10 Uhr beginnen und etwa eine Stunde in An­spruch nehmen.

** DasKomitee „für die imWreschener Prozesse verurteilten Eltern und Kinder", das auch die „für die junge Generation im preußi­schen Anteile gesammelten Fonds" bisher ver­waltete, hat „aus Rücksicht auf die Schwierig­keiten, die hinsichtlich der Weiterverwaltung dieses Fonds infolge der erhobenen Klagen entstanden sind", sich aufgelöst und die weitere Tätigkeit, sowie die Fonds einem zu diesem Zwecke neu­gebildeten Komitee mit dem Sitze in Krakau über­tragen.

% In einem ministeriellen Bescheide an einen Fragesteller heißt es: „Da die amt­lichen Wahlkuverts nicht gummiert worden sind, sind sie auch nicht zum Zukleben eingerichtet. Jedem Wähler stehl indessen frei, das Wahl- kouvert durch eine Mundoblaie, Klebpapier oder sonstwie zu schließen, ohne daß der Stimmzettel seine Giltigkeit verliert. Es ist jedoch im Inte­resse einer beschleunigten Auszählung der Stimm­zettel liegend, daß die Wahlkuverts nicht ver­schlossen werden.

* Berlin, 13. Juni 1903. Der Reichskanzler Graf Bülow wird den Kaiser auf der Reise nach Hamburg zur Enthüllung des Denkmals für Kaiser Wilhelm I. begleiten. —Der Präsid ent der Justiz­prüfungskommission Wirkt. Geh. Rat Prof. Dr. Adolf Stötzel feierte am Samstag sein SOjähriges Dienstjubiläum. Er hatte sich allen Ovationen dadurch entzogen, daß er am Donnerstag mit seiner Gemahlin ruc.lc, bie sie hier aufs vorzüglichste genoß, in An- sch ag brmgen, und hatte dafür ja von Ihnen und den Jin'gen die herzlichsten Beweise Ihrer gastfreund­lichen Bereitwilligkeit . . . teils bemerkte ich mit väter­lichem Jntecesse die glückliche Seelenentfaltung meines kleinen Mädchens unter so günstigen Einflüssen. Nur wegen der großen Last, die Ihnen, trotz Ihrer Hoch- berzigkeit, doch fühlbar sein mußte, fah ich mich ge­nötigt, den Aufenthalt endlich abzubrechen. Und . . . und der letzte Grund: mir selbst war hier zu wohl, zu heimisch, um mir durch das Zurückholen des Kindes die Veranlassung zum öfteren Wiederkommen zu nehmen . . ."

„Guten Abend, lieber Doktor!" ertönte jetzt die freundliche Stimme der nahenden Frau Oberförster. Wir alle hatten ihren leichten Schritt überhört. „Nun tragen Sie selbst die Verantwortlichkeit, wenn Lenchen zu lange draußen bleibt; ich kam, um Luise zu mahnen, das Kind herein zu führen. Fühlt Ihr denn alle nicht, tote kalt es wird?"

Wir gingen ins Haus. Papa blieb den ganzen Abend und fah bewegt und doch heiter aus. Ich fühlte schon heraus, daß die Sorge um meinen selt­samen Gemütszustand von ihm genommen sei; mit schien das genügend seine Heiterkeit zu begründen. — Der liebenswürdige alte Herr brachte mir richtig das versprochene Häschen; als er aber hörte, daß es mir morgen Mittag zum Abschiedsmahl sollte bereitet werden, wurde er sehr schweigsam. Als ich ihm gute Nacht wünschte, zog er mich herzlich an sich, küßte mich und Hagte: „Nun, mein so glücklich eingefangenes Vöglein wieder flügge geworden ist, fliegt es uns wieder fort und wir haben das vereinfamte Nachsehen! 31* — recht ist's so: daheim, im eigenen Nestchen ist's alleweil am besten!"

Ich kämpfte fo ersichtlich mit meinem überhand nehmenden Trennungsschmerz, daß Fräulein Luise mich eiligst in unsere Kammer entführte.

„Tu darfft im Laufe des Winters, und im künftigen

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s.Ä’Äw. wocheMiiage: „Illustrierte Somitagrzeitung" Monaktxilage: „znldaer Geschichtsbiatter.

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