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n>o**Mw: „RlMrierte Sonntagsjdtnng

30. Jahrgang.

flllda, Samstag, den 13. Juni 1903.

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, Zweites Blatt

eine Stunde die Verfassung außer Kraft setzte, um mit einer unbequem gewordenen Volksver- retung aufzuräumen, wurde anscheinend mit Ruhe ertragen. Wenn es nun endlich unter den Offi­zieren zur Gährung gekommen ist, so schreibt man das vor allem dem Umstande zu, daß die Köni­gin Draga ihren Mann veranlassen wollte, mit >ülfe der neuen servilen Parlaments - Mehrheit i ;ren Bruder, einen aufgeblasenen und verhaßten ungen Leutnant, zum Thronfolger ernennen zu

müssen die besonnenen Wähler für Recht und Frieden eintreten.

Bei den alten Deutschen haben, wenn Not an Mann war, auch die Frauen sich an Wehr und Waffen beteiligt. Mögen die braven christlichen Frauen auch jetzt das ihrige tun, daß ,ei unfern Wahlen die Religion, die gute Sitte, das Recht und der Friede die Oberhand behalten und Deutschland die Vorzüge, die es vor andern Völkern hat, wahrt und mehrt. Schlechte Frauen werden oft zum Unglück ihrer Familien und ihre Völker. Gute Frauen können segens­reiche Schutzengel sein.

In den Frieden unserer Fronleichnamsfeier ommt aus Serbien eine Schreckensnachricht: Das Königspaar ist nebst mehreren Anhängern ermordet worden. Die blutige Umwälzung oll vom Heere ausgeführt worden sein.

Die Revolution ist ein Verbrechen, und wenn re mit Blutvergießen verbunden ist, em doppeltes verbrechen. Es ist schlimm, wenn die Bürger die Treue und die Ordnung durchbrechen ; aber es macht einen noch viel schlechteren Eindruck, wenn Offiziere ihre Waffen gegen den Herrscher erheben, dem sie Treue geschworen haben. Als weitere Erschwerung kommt noch hinzu, daß auch das Blut einer Frau vergossen worden ist.

Das ist die eine Seite der Medaille. Die andere Seite ist die, daß der ermordete König Alexander ebenso wie sein Vater Milan eine heillose Mißwirtschaft geführt haben, die schon längst ein Ende mit Schrecken befürchten ließ.

WaS für Leute haben da auf Serbiens Thron gesessen? Milan war ein genußsüchtiger Schwächling, ein Verschwender, ein Spieler und Frauenjäger. Die jämmerliche Rolle, die er tn dem Kriege gegen Bulgarien gespielt, ist ja noch in frischer Erinnerung. Seine Frau, die Königin Natalie, war an Geist und Charakter dem ver­lotterten König unendlich überlegen; ihr einziger Fehler war höchstens ein Uebermaß von Selbst­herrlichkeit und Zähigkeit. Die tapfere und tugendhafte Lebensgefährtin wurde Herrn Milan lästig; er benutzte feine königliche Macht über den schismatischen Bischof, um sich scheiden zu lassen. Als er die Ehre des Palastes und bi Ordnung des Staatswesens genugsam geschädig hatte, dankte er ab, um unbehelligt in Paris seinen dunklen Vergnügungen nachgehen zu können. Die Zukunft seines Geschlechtes und seines Volkes legte er in die Hände seines zwölfjährigen Sohnes, dem er durch den Ehescheidungsskandal und die Vergewaltigung der Verfassung em schlechtes Beispiel gegeben hatte. Der minder­jährige Alexander Tarn unter die Leitung einer Regentschaft, und dabei befanden sich Krone und Land recht wohl. Aber Papa Milan kam bald in Geld Verlegenheit, und da er von der ge­wissenhaften Regentschaft nichts zu erwarten hatte, stachelte er seinen Sohn an, sich vorzeitig eigenmächtig für großjährig zu erklären und die Regentschaft über den Haufen zu werfen. Das war der erste Staatsstreich des Königs Alexander, und es folgte ihm noch eine ganze Reihe. Die Verfassungen Serbiens wurden gewechselt wie die Hemden. Gegen Versprechen und Gesetz blieb der Exkönig Milan im Lande, um die Staats­kasse zu schröpfen, und als im Jahre 1899 der Unmut sich zu einem Attentat auf Milan ver­flieg, wurde ein Schreckensregiment in Gang gebracht, das auch unschuldige politische Gegner

Unpolitische Zeitläufe.

(Nachdruck verboten.)

(£ Berlin, 11. Juni 1903.

regierenden Familie ist.

Freuen wir uns weiter, wenn wir Herrscher haben, die sich zum chrift lichen Glauben be­kennen und in ihrem Leben und Wirken auch diesen Glauben entsprechen.

Freuen wir uns endlich von Herzen, wenn wir Herrscher haben, die Verfassung und Gesetz respektieren und mit dem Recht des Volkes zu­gleich den Frieden des Landes wahren. „Ge­rechtigkeit ist die Grundlage der Reiche". Dieser alte Spruch findet seine Bewährung, in Serbien durch den negativen Gegenbeweis, bei uns posi­tiv durch die Tatsache einer ruhigen Entwickelung.

Wenn man die schweren Aergernisse und Un­glücke bei anderen Völkern betrachtet, so erscheinen die Mißhelliqkeiten und Uebelstände, über die wir klagen, verhältnismäßig klein. Wir würden ungerecht fein, wenn wir nicht »anerkännken, was bet uns besser ist, als anderswo. Und wir müßten wahnsinnig fein, wenn wir durch Unter­stützung einer revolutionären Partei selbst Hand anlegen wollten an den inneren Frieden und die Rechtssicherheit, die wir in Deutschland genießen. Wenn „von oben" keine Revolution droht, so muß das Volk auch so klug sein, der Revolution von unten rechtzeitig den Riegel vor­zuschieben.

Bei den Wahlen wollen wir nicht liebe­dienerisch, aber vernünftig fein. Der innere Friede soll der oberste Leitstern aller braven Wähler fein. Und nur den zu wahren, muß das Volk nicht bloß die roten Verführer zu- rückweisen, sondern auch die kulturkämpferischen Hasser und Heyer, die den Krieg gegen die kacholische Minderheit wieder in Gang bringen wollen. Leider hat sich auch ein Teil deutscher Staatsregierungen von diesen unfriedlichen Schreiern bange machen lassen. Um fp entschiedener

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Im nächsten Jahre kam es zum Bruch zwischen Vater und Sohn. Aber für Serbien war das kein Vorteil, denn iein junger König, der bisher unter dem Einflüsse Milans gestanden hatte, fiel nun unter den Pantoffel einer eitlen und ränke­süchtigen Frau, der 15 Jahre älteren Draga. Der „bezauberte" König war eigensinnig genug, der ganzen Welt zum Trotz die sonderbare Heirat einzugehen. Auch die sonderbare Komödie, die Draga ihm und dem Lande in betreff des er­sehnten Sprößlings vorgespielt hatte, ernüchterte den königlichen Schwächling nicht. Das Volk blieb bei allem Skandal im Palaste und bei allen Rechtsbrüchen in der Politik geduldig. Auch der letzte Staatsstreich vom 25. März d. I., der auf

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Plauderei von H. F.

——- (Nachdruck »eriotea.)

Der schönste, obgleich auch der flüchtigste Schmuck, den wir in unsere Räume hineinver­legen können, ist die lebeudige Blume, die aus dem Reiche des Lichts kommt, um in unsere beschatteten Gemächer Farbe, Leben und Wachs­tum zu bringen. Ts sind farbige Strahlen, die uns die Sonne sendet, die allbelebende. Aller Schmuck der Kunst kann die geheimnisvolle Schönheit der Blume nicht erreichen; ihr Kelch schließt eine Welt in sich, eine Welt der zar­testen Formenbildung, der glühendsten und lieb­lichsten Farbenmischung, von dem Dufte nicht zu reden, der die Phantasie des einsam Ein­geschlossenen, des vom Schnee des Winters Um­sponnenen an die Gestade von Capri und Sor­rent versetzt. Oft hat eine einzige Orangenblüte die schönsten Strophen dem Dichter in die Feder diktiert, und nicht die Orangenblüte allein, es gibt unzählige Blumenmusen, die ihrem Lieb­linge Orakel der geheimnisvollsten Wichtigkeit anvertrauen. Wer hätte das nicht empfunden bei dem ersten Veilchen, das int Januar, sorg­fältig großgezogen, aus der grünen Wiege der Blätter feinem Ziehvater oder seiner schönen Ziehmutter entgegenlächelte.

Es fragt sich, wenn der Frühling und Som­mer uns den Schwarm dieser schönen Wanderer und Pilger ins Haus schickt, wie wir sie empfan­gen. Wahrlich, schlecht genug! Nicht allein, daß wir die Gewächse, die es nicht vertragen, die Genossen unserer Stubenluft und unserer Stuben- Gewohnheiten zu sein, zwingen, hinter den ge­schlossenen Scheiben auszuhalten, wir geben auch denen, die willig bei uns bleiben, nicht den ge­hörigen Ort, nicht die gehörige Sage, wo sich ihre Schönheit zeigen, ihr Wachstum frei ent­wickeln kann. Wie viele verkümmerte Fenster-

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Monatrbeilage: „Küdaer Geschichtrolatter". 5-rus,recher llr.».

pflanzen und Bäumchen sieht man, die, mit etwas Aufmerksamkeit, mit etwas mehr Kenntnis der Gesetze, nach denen sich das Wohlergehen und die Schönheit der Pflanze richtet, behandelt, doppelt und dreifach schöner zur Erscheinung kommen würden. Auf einem engen Fensterbrettchen, von einer bestaubten Gardine von dem Lichte halb geschieden, quält sich manches fröhliche Epheu- re:s langsam zu Tode, wahrend die Stube und das Fenster Platz genug hätten, ihm ein gedeih­liches Dasein zu geben. In den Gemächern der Reichen geht es nicht besser her. Dort sind die Blumentische an der Tagesordnung, deren Zier­lichkeit nicht den Blumen, sondern nur der Zim- merdekoration gilt. Hat ein tüchtiger Gärtner, der zugleich Sinn für den Charakter der einzel­nen Blumen, ihre Verträglichkeit oder Feindschaft zu einander, für Farbenzusammenstellungen hat, diese Blumenanhäufungen über sich, so mag etwas Erfreuliche allerdings entstehen; gewöhnlich aber sind diese, noch oft tief in eine dunkele Ecke ge­stellten Tische jammervolle Blumen-Leichenhäuser, in denen der Wurm, das Insekt, der Staub wüten und wo mit Mühe gerade das Unschöne, das.Verkrüppelte, das Gesperrte und Gezerrte hervorgerufen und festgehalten wird. Wie die Blumentische nur zur Zimmerdekoration herab- gewürdigt werden, so die Buketts nur zu Toilette- Gegenständen. Der Blume wird hierbei jede Freiheit, mithin jede Schönheit genommen. Bin­det man ein Bukett, einen solchen Blumenkerker los, so zeigt sich, daß, um die zarten Pflänzchen und Blüten bis hinaus zu fördern an die Spitze der Pyramide, ihr Stengel eine Drahtverlänge­rung erhalten, demnach kein belebender Wasser- quell das arme umsponnene Blümchen oben zu erreichen vermag. Rasch welken daher alle diese gezwungenen und hinaufgeschraubten Florakinder, und schon in den nächsten Stunden sinkt die Pracht kläglich zusammen.

Will man eine Blume betrachten in ihrer ganzen Schönheit, so lege man sie in eine flache Schale, womöglich in eine einfache, dunkelgefärbte; denn die vergoldeten» Blumenbecher und Schalen sind alle miteinander eine Art Barbarei, weil Gold und gemalte Blumen immer Den Blick von der Farbenpracht der Blumen abziehen und diese

dadurch, daß König Alexander zur Abdankung ge- zwnngen werden sollte. I« Verbindung mit der radikalen Partei wurde der Streich auSgeführt. Man hatte aber ohne den Mut des Königs die Rechnung gemacht, welcher sich nicht einschüchtern ließ, vielmehr n aller Form Rechtens den Obersten Naumovie, der ihm die Abdankungsurkunde aufdrängte, erschoß. Damit war für das Schloß der Warm und für die Aufrührer das Zeichen für ein grauenhaftes Gemetzel gegeben, bei dem ein Oberstleutnant die Königin mit einer Hacke erschlug und alle dem Könige treu ge­bliebenen Offiziere das Lebe» ließen. Es wurde »fort eine provisorische Regierung gebildet.

Daß die bulgarischen Banden noch immer nicht zur Ruhe gebracht find, beweist die Meldung au» Ristovatz an der Bahn Nisch-Uebküb, daß zu allgemeinem Erstaunen eine Bande von 165 Mann, die eine Anzahl Bomben bei fich hatte und mit Gras­gewehren bewaffnet war, in der Nähe der Stadt auf» tauchte, die dann von den türkischen Truppen mn- ingelt und vernichtet wurde. Ebenso wurde in der 'Sähe von Saloniki eine Bande aufgerieben. 280 albamfische Familien, darunter 78 Bewaffnete, über« chritten die montenegrinische Grenze und wurden ent- vaffnet in daS Innere Montenegros gebracht.

laffen.

Die leichtfertige Wirtschaft im Königs-Konak von Belgrad ist um so weniger zu begreifen, als man dort ganz genau wußte, daß Prinz Peter, der Nachfolger des einftigen Serbenherzogs „Schwarzer Georg", der Schwiegerfohu des Fül­len von Montenegro und guter Freund des tu jft= chenHofes, seit Jahren auf der Lauer stand, um eine Ansprüche auf den serbischen Thron bei der ersten besten Gelegenheit geltend zu machen. Dieser Karageorgewissch hat gewiß feine Hand und ver­mutlich auch feinGeld im serbischen Spiele. Einige agen, er fei schon von der revoltierenden Armee ,um König ausgerufen worden, andere erwarten, daß ihn schon am nächsten Montag die einberufene ölte Skupfchtina ausruft. Dann geht die serbi­sche Wirtschaft unter einem neuen Namen; aber wird sie auch in neuen Geleisen gehen?

Wer die krause Geschichte der letzten Jahr­zehnte voll Leichtsinn und Laster, Dummheiten und Bosheiten sich zu Gemüte führt, muß dem Himmel herzlichen Dank sagen, wenn feinem Lande ein pflichttreuer Monarck beschieden ist. Die Könige haben auch unter den modernen Verhältnissen," wo die Verfassung ihre Macht einschränkt, noch eine überreiche Fülle von Ge­legenheit und von Mitteln, ihrem Land und Volke zum Glücke oder zum Unglück, zum Segen oder zum Fluch zu dienen. Von wie ungeheue­rem Werte ist es zum Beispiel schon, wenn der Herrscher und fein HauS in ihrem Familienleben dem Volke ein gutes Beispiel geben! Welch' eine heillose Verwirrung der sittlichen Begriffe führt andererfetts ein schlechtes Beispiel der Höchst- gestellten, eine leichtsinnige oder gar lasterhafte Lebensführung in den maßgebenden Kreisen her­bei. Die sittliche Leichssertigkeit führt auch in der Regel zu schweren Katastrophen. Man denke z. B. an das schreckliche Ende des einzigen Sohnes des Kaisers Franz Joseph, des seinen Leidenschaften erlegenen Kronprinzen Rudolf. Man muß es also dankbar anerkennen, wenn in unseren Herrscherhäusern Gewissenhaftigkeit und sittliche Ordnung herrschen. Möge niemals wieder in Deutschland ein Skandal auftauchen, wie er der sittenstrengen sächsischen Königs­familie durch eine angeheiratete Prinzessin leider beschieden war. Die „hellen Sachsen", die in ihrer kulturkämpferischen Verbissenheit sich viel­fach zu Sympathien für die verirrte Prinzessin Luise haben verleiten lassen, sollten doch angesichts der serbischen Ereignisse sich einmal klar machen, welch ein Segen eine streng solide, welch ein Unheil eine leichtfertige Lebensführung in der

wschen-Smidschau.

(Nachdruck verboten.)

□ Fulda, 13. Im» 1903.

Bo» denReichstagswahlen trennt u»S nun nur noch eine kurze Spanne Zeit. Derjenige, welcher von dem Wunsche beseelt ist, daß wieder Ruhe m s Land kommt, wird es mit Freuden begrüßen, daß die Wahlagitation bald ihr Ende findet. Ls ist diesmal in der Wahlbewegung an Verhetzung alles mögliche geleistet woroen, auf konfessionellem Gebiete noch mehr al» auf dem wirtschaftlichen. Die Schreier vom Evangelischen Bunde und die Leute, welche dieselben Geschäfte besorgen wie sie, haben es fntiggebracht, daß die Regierung in der Frage des Jesmtmgese^s ben Rückzug angetreten hat, denn nach einer er- flärnng des bay-rischen Ministerpräsidenten Frhrn. von Podewils wird vorläufig die Aufhebung des § 2 nicht erfolgen. Angesichts der „antiultramontanen Treibereien ist es eine Pflicht der Katholiken, bei dm . Wahlen dafür zu sorgen, daß die Aspirationen, welche die Hintermänner dieser Treibereien besttlen, auf politischem Gebiete nicht erfüllt werden. Gelingt es dm Gegnern, das Zentrum aus feiner ausschlag- uebmden Stellung zu verdrängen, so bekommen totr wieder eine kultnrkampierifche Aera, von der die jetzige katholikenfeindliche Bewegung nur em schwacher Vorgeschmack ist.

Was die wirtschaftspolitischen Fragen anlangt, so nehmen die Sozialdemokraten zu den künftigen Handelsverträgen eine recht zweideutige Stellung em. Rach den Amßernngm v. Vollmar und Sm;er mutz man mit der Möglichkeit rechnen, daß die Sozial­demokraten gleichwohl für Verträge mit höher» Lebensmittelzöllen stimmen werden. Emm vertrags­losen Zustand herbeizuführen, scheint ihnen doch zu gewagt. Werden also die Verträge vorgelegt, so warten sie ab, ob ihre Stimme» zur Mehrheit «= forderlich find oder nicht; je nachdem stimmm sie dann dafür oder dagegen.

In Frankreich wiederhole» fich fast täglich die Ruhestörungen und Gewalttätigkeiten aus Anlaß der Schließung von geistlichen Genossen­schaften. Mehrfach haben die Ordensmitglieder fich in ihren Anstalten verbarrikadiert ober diese zu­mauern lassen. Militär und Gendarmerie erschienen dann, um gewaltsam die Häuser zu erbreche« und ihre Insassen hinauszutreiben ober wegen Widersetz­lichkeit in's Gefängnis abzuführen. Nachdem man mit ben männlichen Genossenschaften fertig ist, soll es jetzt gegen die weiblichen gehen. Combes hat dem Präsidenten Loubet eine Vorlage unterbreitet, in welcher die Genehmigungsgesuche der weiblichen Unter­richtsanstalten abgewiesen werden. Die Kammer wird natürlich auch diese Gesetzentwürfe in Bausch und Bogen bewilligen.

Die Bestrafung der Marokkaner, welche an der algerisch-marokkanischen Grenze den General­gouverneur Jonnart überfallen hatten, hat die entsandte ftanzöfische Expedition am Montag früh Figig bom­bardiert, ohne daß die Einwohnerfchaft Widerstand geleistet zu haben scheint, aber auch ohne daß sie Unterwerfung oder Vergleich anbot. Die Franzosen beabsichtigen, scheint es, auch noch andere Ortschaften

zu bornbadieren.

In Rußland find, wohl ans Anlaß der Vor­gänge in Kischmew, neue Bestimmungm über die Juden ergangen. In der Anfiedelungszone der Juden wurden 101 Ortschaften zu Kleinstädten erhoben. Damit erhalten die Juden, denen es sonst verboten »st in einem Dorfe zu übernachten, daS Recht, fich dort anzufiedeln und Immobilien zu erwerben. — Der Zar hat verfügt, daß mit Beginn des neuen Schnffahres in allen Mittelschulen Pelms der katho­lische Religionsunterricht in polnischer Sprache zugelassen ist. Rußland kann also am Ende Preußen noch als Muster dienen.

In der Türkei hat die Regierung infolge freundschaftlicher Vorstellungen Oesterreichs und Ruß­lands von den aus Anlaß der Bombenanschläge in- Saloniki verhafteten Bulgaren 406 ireigelassm, und 270 in ihre Heimat abgeschobm. 20 sollen vor Ge­richt gestellt werden und außerdem sollen fich noch 60 in Haft befinden, gegen die die Voruntersuchung »och nicht beendet ist. Ob die Zahlen stimmen und tatsächlich nicht noch mehr sich m Hast befinden, ober bereits in der Verbannung weilen, steht freilich dahin. In einem Teile Mazedoniens soll fich infolge der monatelangen Störung der Erwerbstätigkeü Not­stand zu zeigen begonnen und eine Hunzersiwi zu befürchten fein.

Ein Militäraufstand, welcher schon seit langer Zeit zu befürchten war, ist in der Fronleichnams- nacht tn der Hauptstadt Serbien» ausgebrochen. Verschwörer drangen in ben Konak des Königs unb ermorbeten ihn ünb sei.e Gemahlin. Außerdem wurden 3 Minister unb ber Bruder beb Königin er­schossen. lieber bie Ursache des Königsmordes, ber bezeichnenberweise in Belgrad mit großem Jubel «Bfgenommen worden fein, unb sogar mit einer Fest­beleuchtung ^feiert werden soll, wird mitgeteilt, daß bas Militär fich den Bruder ber Königin fraga nicht als Thronfolger ausdrängen laffen wollte. Da dieser nach zeitweiliger ^Entfernung zurückgekehrt war, verab­redete das Militär, bie Thronfolge Lunjewitzas durch ein Radikalmittel unmöglich zu machen, und zwar

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