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Druck and Verla- der Zuldaer Actkendruckeret in Zulda (Harmonie). Zernsprecher Nr. 9.
M 132.
fUlda, Samstag, den 13. Juni 1903.
30. Jahrgang.
*, Der Königsmorö !n velgrad ist so recht etwas für unsere sozialdemokratische Preffe. Nicht Anarchisten oder Sozialisten haben das Blutbad angerichtet, sondern Angehörige der Armee, Die ifonft als die stärkste und zuverlässigste Stütze des Thrones gilt, und die angesehensten Führerder bürgerlichen Parteien sind, wenn auch nicht direkt beteiligt, so doch eingeweiht gewesen und haben die Tat gebilligt. Denn woher käme sonst unmittelbar nach Vollführung des Verbrechens die neue Regierung ? Das serbische Volk ist nicht etwa empört über die Schandtat und lyncht die Verbrecher, sondern es jubelt und beflaggt die Häuser. Kein Zweifel, der Unterschied zwischen der Wirkung dieses Verbrechens und der Wirkung anarchistischer Untaten ist ebenso groß, wie der Unterschied zwischen den Urhebern des einen und des andern, und man begreift es, wenn die sozialdemokratische Presse das ausbeutet.
Daß auch außerhalb Serbiens die Belgrader Schlächterei kühler behandelt wird als die anarchistischen Mordtaten der letzten Jahre, mag ja eine richtige Beobachtung der sozialdemokratischen Preffe sein, aber das gilt nicht für die Beurteilung der Tat an sich. In dieser ist man überall einig, und daß es gerade Offiziere waren, die sie vollbrachten, verschärft das Urteil. Daß aber das Schreien nach Rache, Umsturz- und Ausnahme- Gesetzen, die Verallgemeinerung der Entrüstung zu Anklagen gegen den Militarismus überhaupt, und was sonst der,Vorwärts^ jetzt vermißt, gar keinen Sinn hätte, liegt auf der Hand. Europa kann doch keine Ausnahme-Gesetze gegen die serbische Armee erlassen oder die Bestrafung der Mörder übernehmen.
Bei allem Mitleid, das man für die Opfer der Militär-Verschwörung haben mag, des sich aufdrängenden Gedankens kann man sich doch nicht erwehren: die Dynastie Obrenowitsch ist an ihrem Untergange selbst schuld. Hatte schon König Milan ihr Ansehen gründlich untergraben, sein Sohn Alexander hat geradezu frevelhaft mit seiner Krone gespielt. Wieviel der Verantwortung für sein Tun auf seine Erziehung und seine Ratgeber kommen mag, können wir nicht beurteilen, aber was er getan hat, mußte die Katastrophe über ihn heraufbeschwören. Dieses frivole Staats- streicheln, das er schon mit seinem 17. Jahre be- gann, dieses blinde Wüten gegen seine wirklichen oder vermeintlichen Gegner, diese Tragikomödie seiner Verheiratung mit all ihrem Gefolge von Korruption und Kliquenwirtschaft bis zu dem Plan, den Bruder der Draga Maschin zum Thronerben zu ernennen, mußte über kurz oder lang zu einem verhängnisvollen Ende führen. Das har dem jungen Könige selbst sein Vater vorausgesagt, der doch frivol und leichtfertig genug war.
Meine Herzem-Mama.
Erzählung von 3JL Freericks
6 (Nachdruck verboten.)
Mein Papa hatte, so erzählte mir Georg dank- erftillt, dessen Liebestat an mir glänzend belohnt; aber auch ohne dies hätte er mir gern jede Geiälligkeit erzeigt. Er hatte mir sogar ein lebendes Eichhörnchen emgefangen und ein nettes Bauer mit Rädchen darin gemacht, an dem das drollige Tierchen lustig hinauffprang. Ich freute mich sehr darüber; Rudolf- chen sollte es haben, wenn ich nach Hause zurückkehrte — ach! einmal mutz ich doch wobl oahin zurück! Ich konnte schon am Stock einige Schritte wieder gehen und wurde täglich sicherer dabei. Papa fragte mich jedesmal bei seinen letzten Besuchen, ob er das nächste mal mich mitnehmen solle. Aber sofort schwand dann mem Heller Frohsinn; ich schwieg beharrlich in ungebrochenem Widerstand und ergriff, wenn sie m'r nalje genug war, Fräulein Luisens Hand wie ein Rettungsanker. So blieb ich noch immer; oft versicherte Papa den Damen: „Ich verstehe das Kind mcht mehr!"
fafien ai einem milden, sonnigen Oklober- Rachmittag in der hundert Schritte vom Hause ent- 2r®*en 4-hube von w ldem Wein in einem kleinen Teich. E?n nicht eben künstlerisch schöner Treiton ,oß aus einer großen Muschel Waffe: in ein darunter angebrachtes Becken; weder wurde die Muschel je leer, noch das Becken je übervoll — ein unlösbares Rätsel für mich. Dies war wem LieblingSvlah. auf dem ich fast iäflich mit Fräulein L^y'e saß. Heute hatte die aanze Familie hier Kaffee getrunken, und der schelmische Herr Oberförst.r, welcher mich gern neckte, — ein Verfahren, das eine harmlose Schlagfertigkeit in mir entwickelte — stand auf, um seiner
Unter solchen Umständen wird das Mitleid stark gedämpft durch den Einwurf: Ihr habt's gewollt. Nehmen wir dazu, daß Serbien im großen und ganzen noch als ein halbwildes Land bezeichnet werden muß. Daß da das Heer und das Offizierkorps etwas ganz anderes ist, als etwa in Deutschland, versteht sich ganz von selbst, und daß von den Taten dieses Offizierkorps ein Schatten auf die Armeen anderer Länder fallen könnte, ist ein unsinniger Gedanke. Ein Vergleich zwischen der serbischen Armee und der Armee zivilisierter Staaten ist von vornherein unmöglich. In einem halbbarbarischen Lande pflegen politische Katastrophen sich auch in der landesüblichen Weise zu vollziehen. Man hatte allerdings wohl nicht erwartet, daß die Beseitigung des Königs so schlächtermäßig in's Werk gesetzt werden könnte, wie es vor hundert und mehr Jahren nicht einmal in Rußland landesüblich war. Man hat sich eben in den Serben getäuscht und sie für kulturbeleckter gehalten als sie sind. Der König und die Königin hätten das Volk besser kennen müssen m d nicht so viel Haß gegen sich heraufbeschwören dürfen, daß es ihre Abschlachtung mit einem Gefühle der Erleichterung und Freude vernahm.
Das politische Europa scheint der Katastrophe mit ganz besonderer Kaltblütigkeit gegenüberzustehen. Nach allem, was über die Stellung der Mächte berichtet wird, werden sie der weiteren Entwickelung in Serbien ruhig zusehen, keinerlei Einmischung versuchen, falls nicht alles etwa drunter und drüber geht, und den Prinzen Karageorgiewitsch als König anerkennen, wenn die Serben ihn dazu erwählen. Ja, wir haben den Eindruck, als ob der hohen Diplomatie das Ereignis der Nacht zum 11. Juni vom Standpunkt rein praktisch-politischer Erwägung aus betrachtet, am Ende noch als die beste Lösung der serbischen Frage erscheine. Daß die Dynastie Obrenowitsch einer Katastrophe entgegentrieb, konnte der europäischen Diplomatie nicht wohl zweifelhaft sein. Eine Revolution in Serbien würde sicher mehr Blut gekostet haben, als das Verbrechen vom 11. Juni, und konnte leicht Verwickelungen herbeiführen, denen die Mächte nicht ruhig zusehen konnten. Dann war Gefahr da, daß sie untereinander in Streit gerieten. Nun die Dynastie Obrenowitsch vollständig ausgerottet worden ist, kann sich ihrer keine Partei mehr annehmen und der neue König Peter Karageorgiewitsch dürfte, abgesehen von einigen Günstlingen Alexanders und .Dragas, das ganze Land von vornherein auf seiner Seite haben. Falls nicht etwa sein Schwiegervater von Montenegro als sein Rivale auftritt oder er die Torheiten seines Vorgängers nicht wiederholt, hätte also das Land einstweilen Aussicht auf ruhige Entwickelung. Das Vertrauen und die Sympathie Europas würde er und die. Serben sich allerdings erst neu erwerben müssen.
* ♦ *
Aus London wird geschrieben, die Proklamation Peter Karageorgiewitschs, des Schwiegersohnes des Fürsten von Montenegro, zum Könige sei die wahrscheinliche Lösung der Lage. Seine Wahl sei am annehmbarsten für'das Volk.
kleinen Herrin — ras war ich — noch flink ein kleines Häschen zu morgen Mittag zu schießen, um damit ihrem gewaffn-ten Mündchen zu parieren, ohne in Ungnade zu fallen. Das liebe Mütterchen ging mit ihm ins Haus und ich begleitete beide bis an die Türe; dann kehrte ich zu Fräulein Luise zurück, die nähend in der offenen Laube saß. Das Weingerank bildete in leuchtend roten und gelben Farben einen prächtigen Rahmen um sie, von dem ihr frischer Teint und das einfache dunkelgrüne Kleid sich wirksam abhoben. So gefiel sie mir ausnehmend. Ich humpelte möglichst rasch heran, umfing sie mit beiden Armen und küßte sie stürmisch.
„Etwas ruhiger, mein Liebling!" mahnte sie freundlich. „Solcher Sturmlaut ist nicht schön, auch schadet das unbehutsame Eilen Deinem Fuße."
„Aber ich habe Dich so sehr lieb, Fräulein Luise!" entschuldigte ich mich.
„Das weiß ich.Lenchen! und ich freue mich darüber. Aber Du weißt auch, daß die Liebe sich nicht nur in Zä'iltchkeiten erweiset, sondern auch darin, daß wir denen, die wir lieben, ganz vorzüglich aber denjenigen, denen wir nach Gottes Willen und wegen ihrer innigen Verbindung mit uns besondere Liebe schulden, aufrichtig Freude machen und nach Möglichkeit Gutes tun," mahnte das Fräulein sanft.
„O, ich möchte Dir auch wirklich so gern Freude mache und Gutes erweisen, wenn ich nur weiß wie!" versickerte ich.
„Das kannst Du; und Du tatest es auch schon oft durch Deine bereitwillige Folgsamkeit," erwiderte Fräulein Luise. „Nur in einem Punkt weichst Du mir beharrlich aus und bist Deinem guten Papa unfolgsam bis zum Trotz; Dein Papa, dem Du samt Deiner Mama die herzlichste Liebe und willige» Gehorsam schuldest. Du gibst Deinem Papa auf seinen oft geäußerten Wunsch, daß Du zu Deinen Eltern heim- kehre । möchtest, nickt einmal Antwort. Ist das Liebe?"
Mir schoflen jäh die Tränen in die Augen; ei
Die Karageorgevitsch find die alten Nebenbuhler der Obrenovitsch, deren Sproß der ermordete König Alexander war. Diese Nebenbuhlerschaft ist rund ein Jahrhundert alt; Häupter beider Familien zeichneten sich als Führer im Ausstande gegen die Türken aus; ein Obrenovitsch, Milosch, war der glücklichere und wurde 1830 erblicher Fürst, sein Sohn Michael, der nach seiner Abdankung 1839 Fürst wurde, mußte 1842 zu Gunsten des Alexander Karageorgevitsch abdanken, dieser wurde 1858 zu Gunsten des alten Milosch gestürzt, dem dann sein Sohn Michael zum zweitenmale folgte. Dieser wurde während der Vorbereitung einer neuen Verfassung 1868 im Park von Topschider bei Belgrad ermordet, wie man annimmt nicht ohne Einwirkung des Alexander Karageorgevic. (Die Verfassungsfrage mag auch bei der jüngsten Mordtat wenigstens eine gewisse Rolle gespielt haben, wenigstens deutet der Passus über die Wiederherstellung der jüngst durch den Staatsstreich des Königs Alexander außer Kraft gesetzten Verfassung vom 6. April 1901 daraus. Die Ermordung Michaels änderte an den dynastischen Verhältnissen nichts; ihm folgte der bekannte Milan, sein Neffe, der 1882 die Königskrone erlangte. 1889 dankte Milan zu Gunsten des zwölfjährigen Knaben Alexander ab, der nunmehr als Souverain ein gewaltsames Ende fand, vielleicht auch die Rache erfuhr, die der eine oder andere noch gerne an seinem Vater geübt hätte '— die Zusammensetzung des neuen Kabinetts läßt dies ahnen.
lieber die letzten Augenblicke des Königspaars sind verschiedene Darstellungen im Umlauf. Ein Wiener Blatt berichtet, daß, als man dem Königspaar die Revolver entgegenhielt und es zur Abdankung zwingen wollte, König Alexander wie Espenlaub zitterte, während die Königin einen seltenen Mut zeigte und, den König mit ihrem Leibe schützend, ausrief: „Wir acceptieren nicht!" Das Königspaar wurde in einer großen Blutlache aufge- funbet., die Kleider waren über und über mit Blut bedeckt, auch die Möbel sind vielfach demoliert. Es wird erzählt, daß sowohl der König wie die Königin mit ihren Mördern einen verzweifelten Kampf führten. Die letzten Worte des Königs sollen gelautet haben: „Ich sterbe unschuldig und habe nur das Beste für Serbien gewollt."
Nach dem Bericht der ,Nationalzeitung' hätte Alexander eingewilligt, ein Schriftstück zu unterzeichnen, daß Draga sofort Serbien verlasse. Als dann aber auch die Unterzeichnung seiner Abdankung verlangt wurde, wurde der König heftig und schrie: „Das tue ich nicht, Ihr seid alle Hochverräter, Ihr kommt in die Festung!" Mischitsch erwiderte: „Majestät, das wird nicht sein!" Alexander setzte sich zur Wehr und rief noch: „Soldaten, Ihr habt mich verraten!" Draga lag im Bett. Der jetzige Bamenminister Maschin, der Bruder von Dragas erstem Mann, führte den ersten Stoß gegen Draga. Ihre Leiche lag bis nachmittag unbekleidet, so wie man sie aus dem Bett gerissen hatte.
Oberstleutnant Mischitsch, der zuerst auf den König geschossen haben soll, ist am war der erste ernste Vorwurf, den mir die Vere re mochte. Dennoch süU-e ich, daß sie nicht ganz reckt hatte, ich liebte doch Popo wirklich, ich hatte mein Leben für sein Gl ck — so weit ei mir einleuchtete — geben mögen. Aber immer stand die Gefürchtete mit der Brille und dem mir so widerwärtigen Gesichte zwischen uns, ohne daß ich es ihm entdecken konnte. Wie sollte ich nur? —
„Ich habe Papa doch lieb, sehr lieb . . . ebenso lieb wie Dich!" beteuerte ichendlich schwer -usfeufzend. „Ich möchte ihm immer gehorchen und viele Freude machen. Auch meine Mama habe ich lieb, ick denke oft an sie; aber viel weiß ich nicht mehr von ihr, sie ist ja schon so lange beim lieben Gott."
„Ich meine auch nicht Deine Mama, die im Himmel ist, mein Liebling!" sagte das Fräulein im weichsten Tone, „sondern Deine neue Mama, von der Du in den ersten Tagen' Dei es Hierseins--etwas auf
geregt sprachest."
„Eine neue Mama habe ich gar nicht," versicherte ich verwundert. „Sieh es ist so: Papa sollte eine neue Frau bekommen, and die ist nun meine Stiefmutter. Sie war gekommen mit ihrer Mama ; Papa war nicht dabei, da nannte sie mich eine Kröte, deren Augen Gift spritzten, und ihre böse Mama sagte das auch. O, die Stiefmutter ist garstig und schrecklich! — Stellbaum sagte auch, wir Kinder seien arme Würmer; unsere gute Zeit wäre gewesen. Sie weinte, als sie mir das Haar bürstete, weil Papa uns ins Zimmer haben wollte; ich wollte nicht, da fließ sie mich heftig hinein. Die Stiefmutter und ihre dicke Mama lachten mich nun an, und Papa sagte, ich solle zur Stiefmutter gehen; aber ... ich mag sie gar nicht, gar nicht leiden . ich wollte nicht! Ich sagte, sie selbst sei eine giftige Kröte. Da lief ich fort — ganz fort. Ich wollte am liebsten tot fein. —"
„Mein armes Kind!" sagte Fräulein Luise innig und zog mich zärtlich an sich. Eine Träne fiel aus ihren schönen Augen auf meine Hand. Noch einer
Donnerstag von dem Belgrader Korrespondenten der ,Nattonalztg.' interviewt worden. Mischitsch sagte: „Wir waren unserer viele, ob ich oder andere zuerst schaffen, darüber bestehen eigentlich nur Vermutungen. Uns ist die Hauptsache, daß unser Werk gelungen ist. Wir haben dem Vaterland einen ungeheuren Dienst geleistet und sind sehr befriedigt von unserem Erfolg.
Die Beisetzung der Opfer des Militäraufstandes erfolgte in der Nacht in aller Stille. Die Leichen des Königspaares lagen in Metallsärgen, die man am Abend unter großem Zulauf der Menge ins Palais gebracht hatte. Die Särge wurden auf einfache Lastwagen gehoben. Dem Leichenzuge folgte niemand. Die Beisetzung erfolgte in der Familiengruft der Obrenowitsch in der Kapelle des alten Friedhofs zu St. Markus. Die Einsegnung wurde durch sieben Geistliche vorgenommen. Die Zeremonie dauerte von VI« bis 3 Uhr morgens. In aller Stille begraben wurden auch in der Nacht zum Freitag die übrigen Opfer der Schreckensnacht mit Ausnahme des Adjutanten Oberstleutnant Naumowitsch, der am Freitag nachmittag ein öffentliches Leichenbegängnis erhielt. In der Traueranzeige teilt seine Familie mit, daß er „im Dienste der hehren Idee der Rettung seines Vaterlandes gefallen sei".
Die amtliche Liste der Opfer ist, wie folgt, festgestellt worden. Außer dem Königspaar wurden folgende Personen erschossen: Die Brüder der Königin Draga Nikola und Nikodel Lunje- witz, der Ministerpräsident General Demeter Zinzar Markowitsch, der Kriegsminister General Pawlowitsch, der General adjutant General Lasar Petrowissch, der zweite Adjutant Generalstabsoberst Michael Naumowitsch,der Ordonnanzoffizier Artillerie-Hauptmann Jowan Milkowitsch und Leutnant Milan Gagowitsch. Schwer verwundet wurde der frühere Minister des Innern Welim- Teodorowitsch und der Kommandant der Donaudivision Demeter Nikolitsch. Der erschossene Kriegsminister Pawlowitsch soll in einen Kasten oder Schrank geflüchtet sein, auf den nicht weniger als 25 Schüsse abgegeben wurden.
[ Deutsches Reich,
Berlin, den 12. Juni 1903.
. ** Der Hirteubrief des Kardinal-Fürstbischofs von Breslau hat, scheint es, in den weitesten poimschen Kreisen, sowohl in Preußen wie in Oesterreich und Rußland, schwer verstimmt und gereizt. Daß die radikal-polnische Presse unzufrieden ist, verstehen wie ja. Aber daß sich aller Polen eine fieberhafte Erregung bemächtigt habe, daß, wie liberale Blätter behaupten, die polnische Geistlichkeit den Hirtenbrief einmütig verurteilen soll, daß überhaupt die guten Katholiken an dem Hirtenbriefe Anstoß nehmen und gegen die deutsche katholische Geistlichkeit und das Zentrum von tiefster Erbitterung ergriffen sein sollen, das ist uns gänzlich unver-
kleinm Prüfe begann sie w eher: „Glaube mir. Leuchen! d- mu'3 em Irrtum oder rin Dir eingeflößtes Vorurteil obmalten. Die Frau, die Dein so verehr--mgs- tnenrr Papa ge -äfeP h.<t. um in -hx auch feinen Kindern eine Mama wieder z • gebe • kann unmöglich so sein, wie Du sie Dr verstell': und beschreibst. Stiefmutter i't em Höß iche? Wort; oberflächliche Menschen verbinden oft ganz verkehrte Vorstellungen und Begriffe damit. Tie "cue Frau Deines Papa's ist Deine Mama, die Du lieben und Hochhalten mußt wie die erste und wie Deinen Papa; io hat der liebe Gott es ausdrücklich geboten. Du wirst sie auch lieb gewinnen, wenn Du guten Willen haft und Dich an sie gewöhnest. Versprich e» mir, mein Liebling! daß Du gern zu ihr zu'.ückkehren und ihr und Deinem Papa Freude machen toillst.--?“
Das Herz pochte mir fast hörbar in Qual und Angst; aber ich bliest regungslos still.
„Wie, Kind, Du willst nicht? — Wie bist Du doch hier io unbeugsam und sonst fo weich und liebevoll!" rief Fräulein Luise schmerzlich „O Kind, glaube es mir, eine solche zweite Mama hat einen schweren Stand; könnte meine kleine Helene es übers Herz bringen, ihr ihn noch mehr zu erschweren?"
„Du sollst sie einmal sehen, Fräulein Luise mit ihrer fürchterlichen Brille, so daß man nichts von ihren Bugen sehen kann!" ivendete ich ein. „ ">c6 weiß auch, warum sie die vor hat."
„Run, warum denn? —" fragte die Dame, als ich zögerte.
„Damit wir, Rudolfcken und ich, nicht in ihren Augen sehen sollen, wie sie uns haßt. Otti hat es mir gefagt Die hat nur auch noch von et-ier anderen dösen Stiefmutter vorgelesen, öie war eine Kö-igin, und doch grausam gegen die arme Königstochter Lide, — tot grausam! — Otti hat auch fönst einmal wirklich eine gesehen, die wäre schrecklich gewesen, sagte sie."
(Fortsetzung folgt)
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