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woch«»b-ii°g-:„Z«uftrier«eSoMtagzzeitung

30. Jahrgang

fUlda, Freitag, den 12. Juni 1903.

M 131.

(Nachdruck verboten.)

S

• Zweites Blatt'

Anfeindungen, die von allen Seiten gegen das Zentrum gerichtet werden!

Also auf die sicheren Wahlkreise werden sich die Augen der Katholiken bei der bevorstehen­den Wahl ganz besonders richten in der festen Erwartung, daß diese ihre Wahlpflicht viel mehr als bisher tun. ____________

* London, 11. Juni 1903. Jin Lager des Mullah sollen sich nach einer Meldung der ,Daily Mail' zwei Weiße und zehn Ioas als Gefangene befinden. Die Weißen, feien wahrscheinlich Buren vom freiwilligen Buren- Korps. Spione brachten die Nachricht, daß ein gefangener Bur furchtbar gefoltert wörden fei. Viele der bei Plunketts Kolonne befindlichen Offiziere seien nur verwundet ge­wesen; die Somalis des Mullah hätten ihnen die Köpfe abgeschnitten, sie auf Spießen durch die Dörfer getragen uud schließlich um die Zareba des Mullah aufgepflanzt.

* Konstantinopel, 10. Juni 1903. Ern echtes Albanesenstückchen wird wieder em- mal berichtet. Eine große Anzahl Melisforen von Hotti-Grudi griffen ein an der Grenze ge­legenes Blockhaus der türkischen Militärposten an, töteten mehrere Soldaten, zündeten das Block­haus an und flüchteten mit ihren Familien und Vieh nach Montenegro. Die montenegnnlsche Regierung bat die Pforte, die Flüchtlinge zu be­gnadigen und ihnen die Rückkehr in ihre Heimat gestatten zu wollen.

versuchen, in friedlicher Verständigung mit den Unternehmern wenigstens den nachmittag zum Feiertage zu machen. In Berlin sollen besonders in den Gewerkschaften für die Arbeitsruhe am 16. Juni agitiert werden, damit den Sozial­demokraten am Wahltage die nötige Anzahl von Helfern zur Verfügung gestellt werden können. Wir glauben, man täte beffer, die Agitation zu unterlassen, da sie voraussichtlich zum schaden der Arbeiter ausschlagen dürfte. Die Arbeitgeber richten sich zur Gegenwehr und so steht zu be­fürchten, daß die Arbeiter, ähnlich wie bei der Maifeier, wider Willen noch einige Tage mehr feiern müßten, wenn sie ohne Erlaubnis am Wahltage feierten. Kann man ihnen aber mit gutem Gewisfen zu Schritten raten, die einen mehr oder minder größeren Lohnausfall zur Folge haben müßten? Der,Vorwärts' sagt zwar, der Feiertag soll durch friedliche Verständigung er­zielt werden. Aber man weiß ja, wie das geht. Ehe man sich versieht, ist Aufregung und Streit, Streik und Aussperrung da. Es liegt auch gar kein Grund vor, einen Feiertag zu machen, be­sonders jetzt, wo der Wahlakt bis 7 Uhr abends dauert. Für die außerhalb ihres Wohnortes be­schäftigten Arbeiter wird allerdings das Wahlen einige Schwierigkeiten haben. Es ist billig, daß ihnen gestattet wird, ein paar Stunden früher als gewöhnlich Feierabend zu machen. Aber allen Arbeitern den ganzen Nachmittag fretzu- geben, dazu liegt gar kein ausreichender Grund vor. Da könnte ja schließlich „jeder kommen". Winde jetzt der halbe Tag frei gegeben, so würde natürlich das nächste Mal der ganze Tag zum Feiertag gemacht werden

Monatsbeilage: „zuldaer Geschichtsblamr"

ja auch unsere Verhältnisse, außer dem, was sie meiner mangelhaften, erregten Mitteilung entnommen, fremd.

Als ich denn noch einmal zaghaft bat: „Papachen! laß mich doch hier!" und dann im blitzschnellen Ein­falle hinzusügte: „Du lärmst ja auch hrer bleiben, hier ist es so gut! Und Rudolschen muh auch kommen — dann find wir alle wieder froh!" mußten alle lachen. Die Frau Oberförster nahm sich sofort als Anwalt meiner an, während Fräulein Luise mit ihren wunder­lieben Augen ihrer Mutter Worte bittend unter­stützte.

„Herr Doktor!" sagte die alte Dame, „ich halte es wirklich nach jeder Richtung für das Beste, wenn die Kleine bis zu ihrer Heilung hier bleibt. Ich ver- fichere Ihnen, fie wird hier gut aufgehoben fern, und Ihr Herr Kollege, dem fie nun doch einmal als Patientin unterstellt ist, wird ihr die beste Fürsorge angrdeihen lasten. Er wird Ihnen auch für uns bürgen. Sie könnten dann, nach Muße, möglichst oft kommen."

„Verehrte Frau Oberförster!" erwiderte Papa zögernd, „einer Bürgschaft für Sie «nd Ihr geehrt^ Haus bedarf es nicht. Aber die Gewißhett, daß ich Ihnen durch mein Kind eine schwere Last aufbürde, die ich irgend auszugleichen keine Möglichkeit sehe, macht mich, dm Ihnen fremden Mann, zaghaft in der Annahme so großer Güte."

„So ganz fremd ist uns Helenchen nicht mehr; sie hat mit meiner Tochter schon einen Freundschaftsbund geschloffen. Die Pflege hier in der Waldeinsamkeit wird der Kleinen nützen und meiner Tochter eine willkommene Unterhaltung und Freude sein. Also, ohne Bedenken, taffen Sie fie uns!"

So blieb ick, obwohl nicht ohne bittere Wehmut von Papa Abschied nehmend: „Grüße mein liebe» Rudolschen . . . und Stellbaum . . . und^Hanne... und Zakick . . . und . . . bringe mir morgen „Lili" mit, daß ich fie Fräulein Luise zeige."

Papa nickte fteundlich Gewährung

Mein Fuß wurde ia Gips gelegt und der Arzt war mit meinem Befinden wie mit meiner Pflege

Meine Herzens-Mama

Erzählung von M. Freericks.

Knjeigen: Die ein­spaltige peiitzeile ob« deren Baum 15 Pffl. Keilcmcn die petiheil« 25 pfg.; bei wieder. Holungen wird entfpr. llabult gewährt.

vruck snd Verlag bet zuldaer Lctiendruckerei in Hulda (Harmonie).

Iernsprecher lir. 9.

Deutscher Reich.

Serlin, den 11. Juni 1903.

% Der Kaiser hat, wie die ,Preuß. Korresp.' berichtet, vor einiger Zeit im Kasino eines vor­nehmen schlesischen Regiments geäußert: ,,Jch !ann nur Amerikaner gebrauchen." Die genannte Zeitungs - Korrespondenz gibt ihrer Mitteilung nachstehende Begleitsätze mit: „Das Interesse, das der deutsche Kaiser an den Ver­einigten Staaten, den drüben eingesührten Ar­beitsmethoden und der Art ihrer entscheidenden Persönlichkeiten zu denken und zu handeln, nimmt, ist bekannt. In Rücksicht auf diefes Jnteresfe hat ja auch die Amerikasahrt des Finanzminifters >ei denen, die wissen, wie der W.nd weht, so großes Aufsehen gemacht. Die Vorstellung, daß Bekanntschaft mit den Vereinigten Staaten als Ergänzung moderner Bildung unbedingt erforder­lich ist, beherrscht den Monarchen ganz und gar; sie kommt in einem Worte zum Ausdruck, das er vor einiger Zeit als Gast im Kasino eines vornehmen schlesischen Regiments zuerst gesprochen und seitdem bei den verschiedensten Gelegenheiten im Prioatgespräch in gleicher oder ähnlicher Form wiederholt hat: „Ich kann nur Amerikaner gebrauchen!" lautet es in der ursprünglichen Fassung. Natürlich bedeutet die Aeußerung kein offizielles Programm. Wenn dieses Wort kein offizielles Programm bedeuten soll, wird man ihm, meint die ,Vosf. Ztg.' doch die Deutung beilegen müssen, daß der Kaiser die dem Amerikaner eigentümliche ruhige Regsamkeit im Erwerbsleben gewissen deutschen Kreisen als Muster erhalten wollte. Den deuftchen Handel aber und die deutsche Industrie kann in dieser Hinsicht die kaiserliche Mahnung nicht treffen.

*, Der Handelsminister besuchte am Mittwoch Elisabeth Hof, ein für die Berliner Verhältnisfe charakteristisches Fabnkgrundstück, auf dem in einem neuen, gut eingerichteten Ge­bäude 16 verschiedene Fabrikbetriebe mietsweise untergebracht find. Eingehender besichtigte der Minister die Fabriken von Lorenz (Telephon- und Telegraphenbau), Hardegen u. Co (Elektrische Apparate), Krall u. Thomat (Neusilberwaren), Stengel n. Co. (Steindruckerei), Koppin (Be- leuchtungsgegenstände), Perlich (Schäfte) und Lütticke (Blechspielzeuq). Der Minister war von dem Unterstaatsfekretär, dem Ministerialdirektor, dem Referenten, dem Regierungs- und Gewerbe­rat für Berlin und dem zuständigen Gewerbe­inspektor begleitet.

** Den Wahltag möchten die Sozraldemo- kraten gerne zum Feiertage oder wenigstens zum halben Feiertage machen. Der .Vorwärts' bringt in den letzten Tagen an der Spitze jeder Nummer eine Aufforderung an die Arbeiter, zu

•, Wahlfaulheit in Zentrums- Wahlkreisen.

Mit Recht ist für die am 16. Juni statt- findende Reichstagswahl als Parole für die Zentrumswähler ausgegeben worden: Alle Mann ohne Ausnahme müssen zur Wahlurne schreiten! Keinerdars fehlen!

Diese Parole gilt vor allem für die katho­lischen Wähler in jenen Wahlkreisen, welche bisher dem Zentrum angehörten und in denen bie Wiederwahl eines Zentrumsabgeordneten sicher ist. Gerade die sicheren Zentrumswahl­kreise bedürfen dieser Aufforderung. Denn sie gerade sind es, die bei den früheren Wahlen verschuldet haben, daß die Zahl der für das Zentrum abgegebenen Stimmen so weit hinter der Zahl der wahlfähigen Katholiken zurückblieb. ■ Der Wahlfaulhert der sicheren Zentrumswahl­kreise ist es zuzuschreiben, daß das Zentrum bei den letzten Wahlen über die Zahl von 1445000 Stimmen nicht hinauskam.

Warum aber eine Steigerung der für das Zentrum abgegebenen Stimmen so wichtig ist, liegt für jeden Einsichtigen auf der Hand. Es genügt nicht, daß das Zentrum die Zahl seiner Wahlkreise behauptet, sondern ebenso wichtig für den Einfluß der Partei ist es, daß hinter der Zahl der Abgeordneten eine gewaltige Masse von Wählern steht, die bei der Reichstagswahl, allen Anfeindungen zum Trotz, durch die Abgabe eines Stimmzettels diesen Abgeordneten, ihrer bisherigen Tätigkeit wie ihrem Aktionsprogramm für die Zukunft ihr Vertrauen kundgeben.

Nicht besser also kann die Stellung des Zentrums, die so wichtig ist, für die nächsten 5 Jahre gestärkt werden, als dadurch, daß sämt­liche Katholiken, die auf dem Boden des Zentrums stehen, am Wahltage auch wirklich ihre Stimme für dieses abgeben.

Wie notwendig aber eine eifrige Agitation in den Städten und vor allem auf dem Lande gerade in den „bombensicheren" Wahlkreisen ist, die von den Katholiken so gern als gut ka­tholische Gegenden bezeichnet werden, beweist nachfolgende" Aufstellung. Dieser stellt einer großen Reihe von Zentrumswahlkreisen ein be­schämendes Zeugnis aus über ihren Mangel an Einsicht in die Bedeutung der Wahlen oder über die Gleichgiltigkeit, mit der sie der für die deutschen Katholiken von Tag zu Tag wichtiger werdenden Tätigkeit des Zentrums gegenüber« stehen.

Von je 100 Wahlberechtigten übten ihr Wahl- recht nicht aus:

15-20 Wahlberechtigte in den Wahlkreisen: Essen, Fraustadt-Liffa.

„Dein Papa ist also Arzt?" fragte nun die Frau Oberförster, die im Lehnseffel saß und strickte. Ich konnte nicht antworten, denn man hörte einen Wagen »nfahren und die alte Dame sagte hastig: „Da fährt ein Wagen vor, Luise! es scheint Besuch zu sein. Ein Herr springt heraus — der Vater ist im Forste, wahrscheinlich müffen wir ihn empfangen!"

Ich vernahm ein paar rasch getauschte Worte im Hausflur, dann wurde lebhaft an die Türe unseres Zimmers geklopft. Fräulein Luise öffnete vorsichtig und — mein Papa, wahrhaftig mein Papa, — ich konnte ihm von meinem Lager aus voll in's Gesicht sehen!" — trat hastig herein, ganz gegen sein sonstige besonnene Art. Er verbeugte sich flüchtig gegen die Damen und sagte rasch: „Verzeihen Sie meinem gequälten Baterherzen, daß ich mich hier eindränge; ich bin Doktor Schmitz auS P .... ich hörte, daß mein seit gestern abend vermißtes ftinb hier fei."

Er war schon an mein Sopha getreten und sah mich mit einem unbeschreiblichen Blick voll Kummer und Liebe an. Mein Herz wollte vor Reue und Bangen fast zerspringen.

„Mein Lenchen! — das konntest Du Deinem Papa antun?" kam mit Mühe über seine bebenben Lippen und veranlaßte eine wahre Explosion meiner Gefühle.

Sofort machte bet Arzt in ihm sich geltend: „Still, Kind? Du hast nicht so sehr Schuld; es muß da ein mir unbegreiflicher Irrtum obwalten. Rur ruhig, ganz ruhig, mein Herzchen! sonst machst Du mir neuen Kummer."

Er fühlte meinen Puls und sah bann nach meinem Fuß, besser» Verband er aus Achtung vor seinem FreAnde, bem Arzte auS S. nicht lüften wollte, de-

febrzufrieden. Papa wußte bei seinem fast täglichen Erscheinen seine Hocha^tung und Dankbarkeit kaum genug auszudrücken. Ich war überaus glücklich, nur Rudolf fehlte mir zuweilen. Ottilie entbehrte ich eigentlich nicht; die Erinnerung an sie hatte Jett unfern letzten Zusammenkünften etwas pemluheS; doch ließ sie mir sagen, sie würde mit ihrer Mama mich be*Udgrau Stellbaum sandte mir oft selbstbereitetes Gebäck: nur von der Stiefmutter vernahm ich mchtS. — Meine „Lili" war auch von meinem Fräulem Luise, wie ich fie täglich überzeugter nannte, ge­bührend bewundert worben. „Lili" teilte mem Lager nachts auf dem Bettchen, bas in Fräulem Luisens Zimmer für mich gestellt war, tagsüber auf dem Sopha des Wohnzimmers und unterhielt und) oft, wenn bas Fräulein im Haushalte beschäftigt war. Doch jebe freie Stunde widmete mir die Letztere mit einer Hingabe, wie nur große uneigenützige Liebe sie kennt.

Es war eine wahre Zeit des Herls für mich. Meine bis jetzt schlummernden Geisteskräfte wurden unter dem Anhauche eines so hellen und edlen Geistes geweckt. Fräulein Luisens kluge Bemerwngen, treffende Scherze und ihre Erzählungen und Mm^en fanden in meiner Seele fruchtbaren Boden. Mern unruhiges kleines Herz wurde stille und glmchmäßiget und kannte keinen größeren Ehrgeiz, als so gut ju werden, daß ich meiner verehrten Freundin gefallen und meinem Papa stets Freude dadurch machen wurde.

Der Ausgang des Septembers und der Anfang des Oktobers brachten so schönige sonnige Tage, daß Doktor Westenberg, mein Arzt, und Pap« dchur hielten, ich muffe täglich längere Zeit in der frischen Lust verleben. Papa besorgte mir einen bequemen Rollstuhl, den bis zu einer hübschen Halblaube, meinem Lieblingsplätzchen, Fräulein Luise selbst schob; al» bann obere größere Touren mir verordnet wurden, benutzte der muntere Jägerbursche Georg jeden freien Augenblick, um sich mir dienstwillig »u erweisen.

(Fortsetzung folgt.)

-äglich. ansitohm: der $onn- ,<««. viertel- ilfaet. v-ju-rvrei. nri'igerlshr. nn) ■eStSgtlb in $ulba uni EMHw-'iit 1 llll. 50 Pffl.

versntwortNcher rchrfftieit«r:L.»eßltt fßi Me Inserate j. putjeKtr in Snlbe.

21—25 in: Reichenbach - Neurode, Bentheim-Lingen- Meppen, Bielefeld-Wiedenbrück, Jmmen- stadt.

26-30 in: Neiffe, Paderborn-Büren, Cleve-Geldern, Schweinfurt, Chingen - Laupheim, Ueber- lingen-Meßkirch, Waldshul-Säckingen, Lahr- Wolfach, Mainz-Oppenheim.

31-35 in: Tecklenburg-Steinfurt, Olpe-Arnsberg, Lipp- stadt»Brilon, Höchst-Usingen, St. Goars- Hausen-Nassau, Diez-Limburg. Munchen- Gladbach, Krefeld, Mülheim-Wipperfurth, Aichach, Eichstätt, Würzburg, Augsburg, Donauwörth, Illertissen, Büchen-Wertheim.

36- 40 in: Lublinitz-Gleiwitz,Beuthen-Tarnowitz,Katto- witz-Zabrze, Ratibor, Lüdinghausen-Beckum, Warburg-Höxter, Koblenz-St. Goar, Adenau- Cochem-Zell, ' Düsseldorf, Kempen, Düren- Jülich, Rosenheim-Landshut, Regensburg, Forchheim, Bamberg, Kitzingen, Lohr, Neu­stadt a. d. Saale, Kaufbeuren, Aalen-Ell- wangen, Biberach - Leutkirch, Offenburg- Oberkirch.

41- 45 in: Braunsberg-Heilsberg, Siegkreis-Waldbröl, Wittlich-Bernkastel, Eupen - Aachen - Land, Geilenkirchen - Heinsberg, Regierungsbezirk Sigmaringen, Jngolstadl, Weilheim, Traun­stein, Kronach, Aschaffenburg, Dillingen, Delmenhorst-Vechta.

46-50 in: Oppeln, Neustadt (Oberschlesien), Falken­burg - Grotkau, Heiligenstadt - Worbis, Münster - Coesfeld, Borken-Recklinghausen, Fulda - Gersfeld - tzchlüchteru, Neuß, Grevenbroich, Stadt-Köln, Köln-Land, Berg­heim - Euskirchen, Daum - Prüm - Bitburg, Trier, Saarburg-Saarlouis, Kelheim, Am­berg, Neumarkt.

51—55 in: Glatz-Habelschwerdt, Frankenstein-Münster- berg, Oppeln - Strehlitz-Kosel, Pleß-Rybnik, Leobschütz, Mayen-Ahrweiler, Rheinbach- Bonn, Stadt-Aachen, Passau, Achern-Bühl- Baden.

56—60 in: Neunburg vor'm Wald, Neustadt a.d.W.-R. 61-65 in den Städten: Trier, Leobschütz, Ingolstadt, Baden.

Wir empfehlen diese Liste allen maßgebenden katholischen Kreisen, Geistlichen wie Laien, zur ausmerlsamen Beachtung. Mancher wird viel­leicht bisher gar nicht das „Sündenregister" ge­kannt haben, das sich hier auch für seinen Wahl­kreis auftut. Mögen alle Wahlkreise, welche in dieser Liste, die keine Ehrenlifte ist, stehen, nun in letzter Stunde dasjenige Mittel benutzen, das allein eine zahlreiche, wenn möglich vollzählige Beteiligung der katholischen Wähler sichert, näm­lich die agitatorische Kleinarbeit bis in die letzten Straßen des kleinsten Dörfchens.

Die Agitationsarbeit kann aber nicht von einigen wenigen Männern geleistet werden, sondern es müssen in jeder Gemeinde für je eine Straße ein oder mehrere Vertrauensmänner auf­gestellt werden, die aus den verfchiedenen Be- rufskreifen genommen sind. Wenn die maß­gebenden Persönlichkeiten sich nur einige Mühe geben, wird man unschwer solche Männer aus allen Berusskreisen finden, die mit Freuden be­reit sind, die kleine Agitationsarbeit zu leisten, wenn man sie nur heranrust.

Möge man überall so arbeiten, daß die Zentrumsstimmen bei der nächsten Reichstags­wahl weit über l1/2 Millionen steigen. Das ist der beste Dank gegen das Zentrum, das in Treue bisher so erfolgreich gewirkt hat. Das ist aber auch die besteAntwort auf alle vor der selbst zugegen war. Dieser sein Kollegs der von der Frau Oberförster in jber Nacht meinen Namen gehört, hatte gleich richtig vermutet, wer ich sein könne, obwohl er bei seinen seltenen Besuchen bei Papa mich in den letzten Jahren wohl kaum gesehen hatte. Er sandte gleich bei Tagesanbruch einen raschen Boten nach P., welches bem S.ädtchen S. zwanzig Minuten näher liegt als bas Forsthaus. Papa, der eben so wenig wie Frau Stellbaum nur einen Augen­blick in der bangen Nacht geruht, sondern unablässig mit vielen Leuten gesucht hatte, erfuhr durck das Schreiben des Freundes, daß ich im Forsthause Nieo- rnngen, mit gebrochenem Bein, doch in bester Obhut sei.

Noch immer weinte ich in bitterer Reue und Rat­losigkeit, ungeachtet Papas freundlichem Zureden; sah ich doch das Bild der schrecklichen Stiefmutter stets nn Geiste hinter ihm. Erst als Fräulein Luise mit­leidig hinzutrat, ihren seelenvollen Blick liebreich cur mich richtete und mir leise ins Ohr sagte: „Du willst ja künftig gut und besonnen fein, sieh darum hat der liehe Gott Dir schon vergeben und Dein guter Papa auch. Deshalb sei ruhig und heiter, dann wird auch er wieder froh!" — da wurde mir tröstlicher zu Mute. Ich lächelte Papa zu und bat ihn um einen Kuß.

In warmen Daickesworten wandte sich Papa darauf zu den beiden liebenswürdigen Damen, be­dauernd, daß fie die Unruhe und Last in so hohem Grade hätten tragen müffen, und überlegte dann mit ihnen, wie ich wohl am bequemsten nach Hause zu transportieren sei.

„Nach Hause?" rief.ich mit unverhehltem Schrecken. „Ach, Papa, laß mich doch hier bleiben!" Mein un­erfahrener Geist dachte sich die ©tiefmutter schon bleibend wohnhaft in unserem Haute.

„Du bist mir in der Tat rätselhaft wie noch iie, Lenchev!" bemerkte Papa betroffen. „Ich fasse es nicht, was dem Kinde zu solchem Onerstreiche und diesem Verharren Beranlaffung gab; nie kannte ich ei so!" erklärte er den Damen.

Diese schwiegen in zarter Zurückhaltung; chneu waren

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