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vrack esb Verlag bet SalbtierSttUHbrutfertl in Fulda (Fatmoaie). Frrus-lecher Nr. 9.
M 128.
ftllda, Montag, den 8. Juni 1903.
30. Jahrgang.
2
(Nachdruck verboten.)
Deutsches Reich,
Haag, 6. Juni 1903. Die Protokolle zwischen Venezuela, England, Deutschland und Italien bestimmen: „Der Zar wird aus den Mitgliedern des Schiedsgerichtshofes 3 Schiedsrichter ernennen, welche über die Frage der Bevorzugung dieser Mächte in der Bezahlung ihrer Schuldforderungen zu entscheiden haben. Die Schiedsrichter werden nicht Untertanen der Gläubigermächte sein dürfen. Sie werden am 1. September im Haag zusammentreten. Der Urteilsspruch wird innerhalb von 6 Monaten erfolgen. Die Mächte, welche sich einer Bevorzugung widersetzen, werden in die Verhandlung eingreifen können."
* Wien, 6. Juni 1903. Die ungarische Obstruktion wird weiter getrieben werden. Die Unabhängigkeitspartei beschloß nach dem
Meine Herzens-Mama
Erzählung von M. Freericks.
Berlin, den 6. Juni 1903.
** Der Kaiser tritt bekanntlich am 6. Juli 'eine diesjährige Nord land reise an. Der Kreuzer „Nymphe" und das Depeschenboot „Sleipner" begleiten die „Hohenzollern". Zum zehntenmale dampft der Monarch mit der jetzigen „Hohenzollern" nordwärts nach den Gestaden ' Norwegens.
** Zur Zeit schweben wieder Verhandlungen zwischen dem Reichsjustizamt und dem Reichsgericht in Leipzig über die Frage, wie am zweckmäßigsten die nicht länger aufschiebbare (Entlastung des Reichsgerichts herbeigeführt werden kann. Wenn auch die Erwägungen darüber noch nicht abgeschlossen sind, so läßt sich doch jetzt schon sagen, daß an der Hergufsetzung der Revisionssumme auf 3000 Mark bis auf gewisse Ausnahmen festgehalten werden soll, jedoch dürften noch andere gesetzgeberische Maßregeln in Betracht kommen. Bevor der Ent- wurf aufgestellt wird, müßte zunächst eine Ver- üändigung mit den maßgebenden Parteien des Reichstags herbeigeführt werden.
* Sozialdemokratie und Handelsverträge. Kürzlich hat der bekannte freihändlerische Italiener L u z z a t t i, ein Vertrauensmann des „Handelsvertragsvereins", sich über das Zustande- j kommen von Handelsverträgen zu Gunsten Italiens ausgesprochen. Der ,Vorwärts" schreibt hierzu: „Die Erfüllung der Hoffnung Luzzatis liegt in der Verstärkung der deutschen Sozialdemokratie." Auf eine solche Verstärkung der deutschen Sozialrevolutionäre setzt nicht nur Luzzati, sondern mancher Ausländer zur Erfüllung seiner Wünsche die Hoffnung.
„Ja," berichtete Ottilie nun flüsternd, „mein Papa und meine Mama gingen im Garten. Ich stand zwischen den Himbeerstauden, um die letzten Beeren zu naschen. Das hatten mir die Eltern erlaubt; aber sie wußten nicht, daß ich jetzt da war und konnten mich auch nicht sehen. Da sagte Papa: „Ohne Zweifel, Emma, der Doktor muß wieder heiraten."
„Das sehe ich wohl ein," sagte Mama; „aber, lieber Gott! es ist ein Wagnis für beide Teile."
,,O, mit chm darfs eine Frau schon wagen," sagte Papa.
.Ja," sagte Mama, „mit ihm schon; aber Stief- mutter ju jein ist wahrlich nicht leicht. — Die armen,
„Grade ihretwegen muß und wird er sich endlich entschließen," sagte mein Papa, und da nickke Mama und die Tränen rollten ihr nur so über die Wangen. Mehr hörte ich nicht. — Gute Nacht, Leuchen! S-i nur still, du kannst doch nichts daran ändern. Gute Nacht, Rudi! weine nicht mehr. Morgen bringe ich Dir ein großes Stück Johannisbrot mit."
Mit unklarem Wehgefühl hatte ich das Gesagte vernommen und blrckke nun wie erstarrt Ottilien nach, j Gleichgültig gegen Rudolphs Weinen, das dadurch eben noch verlängert wurde, sah ich, daß unten ein Knabe Steinchen in den Fluß warf. Da wo fie sanken bildeten fich erst kleine tiefe Kreise, dann immer größere, flachere, bis jede Spur von ihnen verschwand. Das zog mich an. Ich schreck: e zusammen, als Stellbaums laute Stimme durch die Abendstille rief: „Helene, wo bleibst du denn so lange mit Rudolphchen?"
Ich rührte mich aber nicht, um ihr zu folgen, gab auch keine Antwort; keineswegs ans Trotz, sondern fcefahgen und niedergedrückt von dem was uns bevor-
* Washington, 6. Juni 1903. Der Admiral des in den chinesischen Gewässern stationierten Geschwaders der Vereint gtenStaaten von Amerika berichtete, daß die Lage in China ernst sei. Das amerikanische Geschwader wird in den chinesischen Gewässern zusammengezogen.
* Pretoria, 6. Juni 1903. Louis Botha hat eine öffentliche Aufforderung an die Burghers zur Teilnahme an einer am 20. d. M. in Heidelberg stattstndenden Versammlung gerichtet, um wichtige Angelegenheiten zu besprechen. Das holländische Blatt,Volksstem' bemerkt, obwohl die Führer der Buren nicht den Wunsch hegten, eine besondere Rolle in der Politik zu spielen, lieferten doch die jüngsten Ereignisse einen stehen sollte. Frau Stellbaum kam nun, uns zu holen und fragte streng, warum Rudolph weine und was mir wieder im Querkopf spuke. Sie nannte mich, indes ich überlegte, ob und was ich ihr sagen dürfe, „Muckerin" und „Trotzkopf", dem es wohl noch anders beigebracht werden dürfte, und zog mit ins Haus.
Nun aber regte fich wirklich der Trotz in mir, sowohl gegen die „ungerechte Stellbaum" als gegen das mir Angedrohte, dem ich in meiner erregten Phantasie gleich das Gesicht der garstigen Stiefmutter, mit einer großen Brille, und eine derbe stockbewaffnete Faust schuf. Ich gab an dem Abend weder Antwort aus eine Frage, noch wollte ich mein leichtes, schmackhaftes Abendbrot genießen. Schweigend, mit glühenden Wangen legte ich mich in's Bett.
Die gute Stellbaum war doch besorgt, besonders wegen meiner fieberhaften Röte und des Nichtessens. Leise kam fie an mein Bett und fand mich noch wach, mit funkelnden, starrblicke^den Augen. „Du hast was, Kind! Und du sollst es mir sagen!" sprach sie mich dringlich an. „Solch dummes Mucken macht Dich nur appetitlos und mir macht es Aerger." Ich schwieg beharrlich ; fie fühlte mit besorgtem Blick meine heißen Wangen, schüttelte unmutig den Kopf, gab mir ein Gläschen Brausepulver, das ich willenlos nahm, i stopfte mir die Decke fest und verließ mich mit dem kurzen Befehl: „Nun schlaf' gleich!"
Ich folgte ober dem Befehl nicht, sondern lauschte und lauschte, ob Papa noch nicht heim käme. Es wurde heute obeno spät, aber endlich kam er doch.
Sein erster Gang, sobald er den Ueberzieher abgelegt hatte, war zu uns, obschon wir immer schon schliefen, wenn er später als gewöhnlich kam. Jetzt wendete ich mich um und legte mich auf die Stirne, ich wußte selbst nicht warum; nun tat ich, als ob ich schliefe und rührte mich nicht.
„Ei, Töchterchen, d« liegst nicht gutl" sagte Papa und legte mich sanft um. Da bemerke er, daß ich, trotz der geschloff-uen Augen nicht schlief und aufgeregt war. „Mein Leuchen, was ist Dir?" fragte er in zärtlicher Sorge. Ich schlug nun die Augen auf
| ,B. T/ in ihrer Konferenz am Freitag, die | Obstruktion gegen die Regierung mit allen Mitteln heftigst fortzusetzen. Die Partei beabsichtigt schon in den nächsten Tagen alle Mittel einer „technischen Obstruktion" anzuwenden, um eventuell die Entscheidung herbeizuführen.
* Christiania, 7. Juni 1903. Die Krisis im norwegischen Kabinet ist nunmehr akut geworden. Den in Christiania am Freitag erschienenen Abendblättern zufolge gilt es für sehr wahrscheinlich, daß der Kriegsminister Stang wegen seiner Stellungnahme zur Kon srlats frage um seine Entlassung einkommen und daß auch der Ackerbauminister Konow zurücktreten wird.
* London, 7. Juni 1903. Gegen Chamberlains Zollpläne machen die anerkannten Führer der englischen Liberaleu energisch Front. Auf Edward Grey ist nunmehr Campbell- Bannerman mit einer öffentlichen Erklärung gefolgt, die an Schärfe nichts zu wünschen übrig läßt. In einer Ansprache, die er in einer liberalen Versammlung in Perth hielt, sagte Cambell-Bannerman, England habe das Freihandelssystem erprobt, und jeder Tag in den letzten 50 Jahren habe einen neuen Beweis für die Segnungen, die es bringe, geliefert. Das Ziel des Planes Chamberlains sei, das Reich durch die Bande des Eigennutzes zusammenzukitten; aber er — Campbell-Bannerman — glaube nicht, daß solche schmutzige Bande nötig seien, um das Reich zu erhalten. Nach Zolltarifen würden Trusts kommen und das Ende werde der nationale Verfall sein.
* Rom, 6. Juni 1903. Im Auftrage des Kaisers hat gestern der deutsche Militärattache in Rom, Major von Chelius, dem Könige von Italien als Chef des 13. preußischen Husürenregiments ein Modell der neuen Litewka überreicht.
* Petersburg, 6. Juni 1903. Der Minister für Volksaufklärung ist durch Kaiserl. Handschreiben angewiesen worden, zu Beginn des neuen Lehrjahres allen Mittelschulen des Königreiches Polen die Erteilung des römisch - katholischen Religions-Unterrichtes in polnischer Sprache zu gestatten. Seit dem Jahre 1880 war für 6 Mittelschulen die Erteilung des Reli- gions - Unterrichtes für Katholiken in russischer Sprache vorgeschrieben.
klaren Beweis für die Notwendigkeit, daß die Regierung mit den Ansichten des Volkes bekannt werde. Das Blatt fügt hinzu, es würden noch weitere Versammlungen ähnlicher Art in anderen Teilen des Landes einberufen, wenn sich die Notwendigkeit hierfür ergäbe.
Zur Reichstagswahlbewegung.
* Wahlkreis Fulda-Gersfeld-Schlüch- tern Die gestern nachmittag im Diegelmann- schen Saale in Schmalnau unter dem Vorsitz des Herrn Pfarrers Trappe abgehaltene Zentrumswahlversammlung, zu welcher die Parteigenossen aus den Pfarreien Schmalnau, Lütter, Ried und Weyhers sehr zahlreich erschienen waren, nahm einen überaus schönen Verlarff. Als erster Redner begründete und empfahl Herr Prof. Dr. Leimb ach aus Fulda die Kandidatur des Herrn Richard Müller mit Hinweis auf deffen erfolgreiche parlamentarische Tätigkeit. Er hob besonders seinen unermüdlichen Effer in Ausübung seines Mandates hervor und feierte ihn als einen Mann, der, ausgestattet mit reichen Kenntnissen namentlich in finanztechnischer Hinsicht, ziel- bewußt das Programm des Zentrums auf religiösem, wirtschaftlichem und politischem Gebiete vertreten habe. Herr Redakteur Weßler aus Fulda betonte die Notwendigkeit einer allgemeinen Wahlbeteiligung, besprach vom Zentrumsstandpunkt aus die wichtigsten Aufgaben des neuen Reichstages und verteidigte das Zentrum, das eine echte und rechte Volkspartei sei gegen die Vorwürfe, welche in einem massenhaft in der Rhön verbreiteten sozialdemokratischen Flugblatt gegen dasselbe erhoben wurden. Herr Stadtv. Reith aus Fulda, ein gebürtiger Schmalnauer, richtete mit Hinweis auf die großen Verdienste des Zentrums um den Arbeiterstand, einen kräftigen Appell an seine Landsleute, am 16. Juni ihre Pflicht zu tun und beleuchtete an der Hand des „Grundsteins" den sozialdemokratischen Grundsatz „Religion ist Privatsache". Nach einem packenden Schlußwort motivierte Herr Pfarrer Trappe ein begeistert aufgenommenes Hoch auf Papst und Kaiser. Sämtliche Redner wurden durch reichen Beifall ausgezeichnet.
Flieden, 8. Juni 1903. In Flieden tagte gestern im Gasthause „Zum Ochsen" eine ebenfalls sehr zahlreich besuchte Wähler-Versammlung der Zentrumspartei, die einen glänzenden Verlauf nahm. Die Herren Redner aus Fulda: Bankier Otto Goebel, Fabrikant Richard Schmitt, Zahntechniker Kapp und Steinhauer Röder aus Horas ernteten großen Beifall. Ihre Ausführungen über die Tätigkeit des Zentrums und des Kandidaten Herrn Richard Müller auf religiösem, wirtschaftlichem und sozialem Gebiete und über die Aufgabe der Wähler bei der dem- nächstigen Wahl fanden begeisterte Zustimmung.
und sah meinem Papa in das liebe, edle Gesicht. Da löste sich die Starrheit meines Herzens, ich weinte laut auf, umklammerte Papas Hals und schluchzte immerzu L„Papa! —Papa! — Mein einziger Papa!"
Wiederholt fragte er in seiner liebreichen Weise, was mir fehle; da er aber kein weiteres Wort aus mir herausbrachte, redete er mir beruhigend zu, küßte m>ch herzlich, streichelte mir die Wangen, gab mir beruhigende Tropfen und holte mir sogar die „Lili" )er, die ich, nun getröstet in die Arme nahm. Dann tagte er, ob ich schon gebetet hatte; daran hatte ich nicht ein Mal gedacht.
„Sieh' Herzchen!" sagte er, „darum konntest Du aucht nicht schlafen." Er betete nun ein kurzes Nachtgebet mit mir, setzte sich an mein Bett und hielt meine Hand to lange in der seinen, bis ich unter einigen unwillkürlichen Seufzern und dem regelmäßig darauf olgenben: „O mein lieber Papa!" endlich einschlief.
Ich schlief nun so lange ununterbrochen, daß ich, gesund und frisch erwachend, kaum noch rechtzeitig in die Schule kam. Papa, den ich flüchtig begrüßte, erinnerte mich nicht ae die Auflegung von gestern abend, und ich war geneigt, diese und ihre Ursache für einen bösen Traum zu halten. Auch sah ich in den nächsten Tagen Papa wenig; es waren viele Kranke, und zudem mußte er wiederholt in das zwei Stunden ent- ernte Städtchen S., wo ein Kollege ihn in einem chwierigen Falle um seine ärztliche Mitwirkung ersucht hatte.
Gegen Frau Stellbaum fand ich aber den rechten Ton nicht gleich wieder. Doch als sie i» ihrer wohlmeinenden Weise durch einige Aufmerksamkeiten mich besonders zu gewinnen suchte, schwand die Entfremdung, j«, ich wurde nach und nach ganz zutraulich. Teils Liebe, teils Neugierde ließen ober die gute Seele nicht ruhen, bis fie mein Geheimnis, das ihr kluger Sinn immer noch im Hintergründe wahrnahm, heraus i litte. Ich widerstand am so weniger ihrem entschiedenen forgehen, als ich mich enffann, eigentlich nur verkochen zu haben, Papa nichts zu sagen.
Selbst mein Kinder ange war überrascht von dem
ih Die Einweihung der Reliefs am Vonisatius-venkmal,
die gestern nachmittag um , 3 Uhr durch den Hochw. Herrn Bischof vorgenommen wurde, gestaltete sich zu einer imposanten Festfeier, die verdient, in der Geschichte Fuldas rühmend erwähnt zu werden. Das Denkmal und der Denkmalsplatz waren festlich geziert und die umliegenden Gebäude hatten reichen Flaggenschmuck angelegt. Die Geistlichkeit, die staatlichen und städtischen Behörden (der Herr Landrat war leider zu erscheinen verhindert) und das Denkmal-Komitee waren zahlreich erschienen. Eine vielhundert- köpfige festteilnehmende Volksmenge hielt den Bonifatius- und Schloßplatz schon lange vor Beginn der Feier besetzt. Punkt drei Uhr fuhr der Wagen mit dem Hochw. Herrn Bischof und seinem Ministerium vor und sofort intonierte die Musikkapelle unter Leitung des Herrn Wienecke die von uns bereits veröffentlichte Fest-Kantate, die der Kirchenchor der Stadtpfarrei unter der Leitung des Herrn Stadtkantors Scherer zum Vortrag brachte.
Der Hochw. Herr Bischof hielt nun eine Ansprache, in der er, anknüpfend an die Mahnung des Völkerapostels: „Gedenket eurer Vorsteher, die euch das Wort Gottes verkünden", darauf hinwies, wie es edle Männer nach elfhundert Jahren unternommen hätten, dem hl. Bonifatius in Fulda ein Denkmal zu setzen, als Denkmal der Liebe und Verehrung für ihren Patron, als ein Denkmal eingedenk der Pflicht der Dankbarkeit für unseren Glaubensvater, aber nicht nur für Fuldas Bewohner, sondern als ein Denkmal für ganz Deutschland, weil Bonifatius, wie auf dem Monument zu lesen fei: „Germanorum Aposto- lus“, Deutschlands größter Wohltäter gewesen sei, dem unser deutsches Vaterland alles, Religion und Sitte, kurz die Kultur zu verdanken habe. Und abermals, eingedenk der Mahnung des hl. Paulus, hätten es jetzt hochangesehene Männer unserer Stadt unternommen, diesem Denkmal einen weiteren Schmuck, jene Zierde, die ihm schon vom genialen Meister Henschel zugedacht war, zu geben. Dieser herrliche Schmuck stelle in 4 Reliefs das große Apostolat des hl. Bonifatius in vortrefflicher Weise dar. Im ersten Bilde sehen und bewundern wir den Glaubensmut des Heiligen, als er sich einschifft, um nach Deutschland zu ziehen und dort das Evangelium zu verkünden; int zweiten Bilde sehen» wir ihn beim Fällen der Donnereiche als wahren Glaubenshelden im Kampf gegen die Finsternis des Heidentums; gehen wir ein Stück weiter, fo zeigt sich uns ein gar liebliches Bild: die Gründung des Hochstiftes Fulda, der Lieblingsschöpfung unseres Apostels. Hier wollte er begraben sein und seine Auferstehung erwarten; dieses Kloster Fulda — das war sein Testament — sollte sein apostolisches Werk fortsetzen und so wurde Fulda die bedeutendste Erziehungsanstalt für den deutschen Klerus und damit die Pflanzstätte jeglicher Kultur für das deutsche Vaterland.
jähen Farbenwechsel, der auf Stellbamn's breitem Gesicht vor sich ging bei meinem aufgeregten Berichte. Erst stand sie wie versteinert, bann brach es los: „So? So?! — Die Apothekers sollten fich doch um die eigenen Angelegenheiten kümmern, da hätten fie genug zu tun. Hat's etwa bet Herr Doktor nicht so gut im Hause, wie es ein Herr nur wünschen kann? Braucht er je eine Minute auf das Essen ober die Bebienung zu warten? Sieht er irgendwo auch nur ein Stäubchen? Vergeude ich ihm das Geringste? Und seid ihr Kinder nicht dick und gesund — ja, viel mehr als die Hopfenstange, die Otti, und die beiden langbeinigen Studenten, chre Brüder, — Hu! dem guten Doktor da so eine Fledermaus unter den Hut zu schieben! — Oh! Oh! eine Stiefmutter!"
Und im Ueberftrömen ihrer verschiedenartigen Empfindungen gab fie mir einen herzhaften Kuß — eine mich vollends überraschende Tat — und schluchzte: „Oh, ihr armen Würmer . . . nun ist eure gute Zeit gewesen!"
„Ich laufe weg, wenn eine Stiefmutter kommt!" erklärte ich.
„Ach, Du sollst wohl bleiben und herhalte« müffen!" meinte Stellbaum jetzt nachdenklich und niedergeschlagen. „Aber ich... ich werde für alle meine Arbeit und Treue hinaus . . ."
• Unerwartet öffnete fich in diesem Augenblick die Küchentüre — unser Austausch hatte nämlich am Herde ftattgefunben — und Papa, besten Heimkehr wir in unserer großen Erregtheit nicht wahrgenommen, trat eilig herein. Er schien von irgend etwas eingenommen, gab unter seinem milden Lächeln mir mir ikuchtig die Hand, fragte wo Rudolph sei, und auf die befriedigende Auskunft Stellbaum's sagte er rasch: „Sorgen Sie gegen sechs Uhr heute abend für einen Sen Tee im Empflngsz-mmer. Es werden zwei men kommen; mir liegt daran, daß fie gut und ein bewirtet werben. Ich hab's eilig!" — Dann ging er.
(Fortsetzung folgt.)