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Zernfprechee Ur. 9.
30. Jahrgang.
flllM Samstag, den 6. Juni 1903.
± Hauptversammlung des Vereins katholischer deutscher Lehrerinnen.
Die 18. Hauptversammlung der katholischen deutschen Lehrerinnen hat in gegenwärtiger Pfingst- woche in der schönen Kunststadt Düsseldors unter großer Beteiligung getagt.
Am Pfingstmontag celebrirte der Hochw. Herr Erzbischof von Köln Dr. Antonius Fischer in der St. Rochuskirche ein Pontifikalamt, wobei er eine Ansprache an die versammelten Lehrerinnen hielt.
Die Verhandlungen, zu denen der Herr Erzbischof, sowie die Vertreter der König!. Regierung und der Stadt erschienen waren, wurden um ll1/» Uhr im Kaisersaale der Tonhalle durch die erste Vorsitzende Frl. Pauline Herder-Boppard eröffnet. Auf ihre Bitte richtete der Herr Erzbischof das Wort an die Versammlung und gab seiner Freude Ausdruck, daß er, obgleich am Vorabende seiner Romreise stehend, dennoch habe erscheinen können. Boll Dank gegen Gott, daß wir eine christliche Schule haben, die in manchen Ländern fehle, wünschte er der Versammlung Gottes reichsten Segen, damit sie dazu beitragen möge, den guten Geist, der die katholischen deutschen Lehrerinnen beherrscht, zu festigen und zu stärken und ihren schönen Verein mehr und mehr auszubreiten. Hierauf erteilte er den Niederknieenden den oberhirtlichen Segen.
Herr Oberregierungsrat Schenner sprach seinen Segenswunsch namens der Regierung aus, welche den Lehrerinnenstand sehr schätze und nicht auf seine Mitarbeit verzichten wolle.
Der Vertreter der Stadt, Herr Beigeordneter Schulrat Keßler, wies auf das große Jntereffe bin, das die Stadt Düffeldorf der gesunden Entwickelung des Lehrerinnenstandes entgegen bringe. Zähle der Verein hier doch 200 Mitglieder — ein Beweis, welchen Anteil man den Lehrerinnen am Erziehungswerk einräume. Ja, die Erziehung der ganzen weiblichen katholischen Jugend liege in den Händen der katho- kischen Lehrerinnen, und ihre Mitarbeit habe sich so vollauf bewährt, daß man nicht mehr darauf verzichten möge. Was diese Mitarbeit so wünschenswert mache, sei neben der Pflichttreue und Hingabe an den Beruf der vortreffliche sittliche Einfluß der Lehrerin auf die Heranwachsende Jugend. Und wo den Lehrerinnen «uf dem Felde der Erziehung freier Wettbewerb zur Entfaltung ihrer Kräfte geboten werde, da würden sich dieselben auch überall volle Gleichberechtigung erringen. Lebhafter Beifall lohnte die warmen Worte.
Die Vorsitzende dankte hierauf zunächst dem Hochw. Herrn Erzbischof für seine Teilnahme und den gespendeten Segen, dann den Vertretern der Regierung und der Stadt für die anerkennenden Worte. Der Verein katholischer deutscher Lehrerinnen sei nicht zusammengekommen, durch Reden oder Beschlüsse Aufsehen zu erregen, sondern um öffentlich Antwort zu geben auf die Frage: „Was bezweckt der Verein?"
Herr Sekretär Oberl«-M.-Gladbach hielt einen Vortrag über die Kommffston Jugendfürsorge und ihre Aufgaben.
Frl. Simon erstattete den Geschäftsbericht, aus dem sich ein erfreulicher Zuwachs des Vereins ergab: traten doch noch 1200 Lehrerinnen als ordentliche Mitglieder bei.
Frl. Herber berichtete eingehend über den Empfang der katholischen deutschen Lehrerinnen in Rom im April ds. Js.
Frl. Behnneck-Breslau hielt einen sehr beachtenswerten Vorttag über die Erziehung der Mädchen zu einer ästhetischen Lebensanschauung.
Nach 2 Stunden wurde die öffentliche Versammlung geschloffen.
An dem Mittagsmahl in der Tonhalle beteiligten sich die Ehrengäste und etwa 600 Lehrerinnen. Der Hochw. Herr Erzbischo brachte den Trinkspruch auf Papst und Kaiser aus. Hinweisend auf das lebhafte Jntereffe, das der hl. Vater den katholischen deuffchen Lehrerinnen in der Audienz am 6. April dS. Js. befunbet habe, sprach er die Ueberzeugung aus, 6e. Heiligkeit eine große Freude zu bereiten, wenn er bei seiner oemnächstige» Anwesenheit in Rom über die heutige Versammlung berichten nmcke. Dem Kaiser, unserem geliebten Monarchen, feien wir zu besonderem Danke ver- pflichtet für fein Getreten für das Christentum. Das Hoch auf Papst und Kaffer wurde freudigst ausgenommen.
Die Tätigkeit des Vorstandes und der Ausfchüffe wurde in den einzelnen Kommissionen »esprochen.
Unpolitische Zeitlaufe.
(Nachdruck verboten.)
(£) Berlin, 4. Juni 1903.
Gut ist's doch, daß die Frauen kein Wahlrecht haben. Was sollte denn werden, wenn abends nicht bloß der Vater, sondern auch die Mutter sich in die Wahlversammlungen stürzte und kein vernünftiger Mensch zu Hause wäre, um die Kinder rechtzeittg in's Bett zu bringen ! Ind wie würde es um die Volksernährung und die Gesundheit stehen, wenn die Frauen am vormittag lauter Wahlschriften und Flugblätter esen würden, statt in der Küche nach dem Rechten zu ehen! Da die Unzufriedenheit meisten- aus dem Magen kommt, würde mancher Hausvater infolge »er verunglückten Mittagsmahlzeiten fozialdemo- !ratisch angehaucht werden und nebenbei lästerlich auf die Verfasser von Wahlbroschüren schelten, zu denen ich leider auch gehöre.
Wenn es überhaupt jemals dahin kommen ollte, daß dem weiblichen Geschlecht der Stimmzettel in die zarte Hand gegeben wird, so stelle ich zwei Amendement-: 1) die Damen wählen nicht mit den Männern zugleich; 2) die Damen dürfen keine Männer wählen. Die Gleichzeitigkeit möchte ich vermeiden, damit während der Wahlagitation das Haus nicht ganz verwaist ist. Die Beschränkung der Wählbarkeit auf d»S eigene Geschlecht erscheint mir nötig, damit die Wahl nach sachlichen Gesichtspunkten erfolgt und nicht der Stimmenfang mit den Mitteln des HerzenS- fanges betrieben wird.
Mein fchwarzgalliger Freund, ein alter Junggeselle, behauptet allerdings in seiner Verbohrtheit, so ein weibliches Stimmrecht sei überhaupt unmöglich. Denn erstens würden die Frauen nicht einen Stimmzettel mit dem bloßen Namen abgeben können, da sie nach erblicher Sitte eine „Nachschrift" dazu setzen.müßten, wodurch der Stimmzettel gesetzlich ungiltig werde. Und zweiten- würden sich die Damen über eine Kandidatin überhaupt nicht einigen, viel eher noch über einen Kandidaten. Diese Einwürfe deS Weiberfeindes sind natürlich sehr albern, ebenso wie seine Frage, wer denn all' die Strümpfe tragen soll, die von den Abgeordnetinnen in den langen Plenar-, Kommissions» und Fraktions- Sitzungen gestrickt würden. Der gute Mann kennt die moderne Weiblichkeit nicht; wieviel v»n den jüngeren Damen stricken denn noch?
Nach meinem Gefühle wäre die dunkelste Schattenfeite des weiblichen Wahlrechtes die Beteiligung der Frauen an den Versammlungen. Rein, die modernen Wahlversammlungen verderben so die guten Sitten, daß man wirklich nicht wünschen kann, unsere besseren Hälften möchten dieser schlechten Luft für Körper und Seele sich aussetzen. Außerhalb der Wahlzeit gibt es noch schöne und erbauliche Versammlungen, wenn Leute, die auf gemeinsamer Grundlage stehen, zu brüderlichem Meinungsaustausch zusammenkommen, z. B. auf den Katholikentagen. Innerhalb der Wahlzeit bilden die friedlichen und freundlichen Versammlungen die Ausnahme. Unter dem Einflüsse der Sozialdemokraten und der Kulturkämpfer wird der Ton immer roher, der Frieden immer mehr gefährdet. In manchen Wahlkreifen geht die Sozialdemokratie systematisch darauf aus, den anderen Parteien die Versammlungs-Freiheit zu verekeln. Die roten Parteiknechte werden in die Versammlungen der anderen Parteien kommandiert, um dort gemäß den Anweisungen ihres Führers „Krach zu machen". Man nimmt den Veranstaltern möglichst viele der besten Plätze fort, verlangt Bureauwahl und freie Zeit für Dauerreden, hält sonsttge Reden „zur Geschäftsordnung", um die Geschäfte, zu stören, macht Lärm und wirft dem gegnerischen Redner möglichst viele beleidigende Zurufe an den Kopf, so daß er entweder wütend oder verwirrt wird. Wenn der Präsident und die Redner sich doch nicht unterkriegen lassen, so führt man einen großen Tumult herbei, damit die Polizei die Versammlung auflöse. Gelingt auch das nicht, so erhebt sich auf ein gegebenes Zeichen die ganze Spreng-Kolonne, um mit dem größten Geräusche unter Hochrufen auf die revolutionäre Sozialdemokratie oder Absingen der Arbeiter-Marseillaise das Lokal zu verlassen. Kommt es ausnahmsweise einmal zu einer regelrechten Debatte, so sorgen die Roten dafür, daß sie sofort auf das persönliche Gebiet übergeht. Man tischt die ältesten Verleumdungen gegen die gegnerische Partei und deren Wortführer auf, die Richtigstellungen werden üb«schrieen und verhöhnt, man schimpft alle Andersdenkenden Schurken und Verräter usw., man trampelt auf den heiligsten Gefühlen der Gegner
herum, um sie zu ärgern und zu reizen, und wenn eS dann zum Krach kommt, so spielen die Friedensstörer sich als die gekränkte Leberwurst aus. In den großen Städten und Industrie- Bezirken ist es vielfach dahin gekommen, daß das Vereins- und Versammlungsrecht gerade durch diejenige Partei vernichtet wird, die sich als die einzige Hüterin der Volksrechtr aufspielt. Wie im Reichstage, so wird auch in den Wählerverammlungen der Ton immer roher, die Stimmung immer gespannter und unfruchtbarer, so daß die Teilnahme an dieser Arbeit immer schwieriger, ür ältere und empfindliche Personen unmöglich vird. Dem Himmel fei Dank, daß unsere Frauen ich nicht in diese ungemütlichen Wahlversamm- ungen zu stürzen brauchen. Es herrscht ja bei den Sozialdemokraten vielfach die Unsitte, daß ie ihren weiblichen Anhang an den Verfamm- ungen teilnehmen lassen. Dadurch werden aber die Versammlungen nicht veredelt, sondern vielmehr die Weiblichkeit verroht. Wenn die Männer, die rücksichtslos schelten und schimpfen, so ist es chon kein lieblicher Anblick; aber wenn sich nun Frauen erheben und mit schriller Stimme darauf oskeisen, so wird die Geschichte geradezu wider- ich. Der Dichter sagt, wenn man wissen wolle, was sich ziemt, so solle man nur bei edlen Frauen anfragen. Die Versammlungsfrauen hat er gewiß nicht zu diesen edlen Frauen gerechnet; sie wissen am allerwenigsten, was sich ziemt.
Vielleicht erhebt nun eine angehende oder angegangene Frauenrechtlerin Widerspruch und fragt, ob denn die Frauen nur arbeiten und dulden, aber nicht mitraten und mittuen sollen, ob denn die Frau ewig rechtlos bleiben muffe. Rechtlos? Das bischen formelles Wahlrecht macht den Kohl nicht fett. Die Frauen haben wirksame Rechte und starken Einfluß auf da« öffentliche Leben, wenn sie auch nicht wählen oder gewählt werden. Die Frau muß auf ihre Art ihr natürliches Recht geltend machen. Versucht sie es auf Männerart, durch Teilnahme an öffentlichenVersammlungenoderanParlamentenrc., so kommt sie in einen ungünstigen Wettbewerb, weil ihr auf diesem Gebiete an Körperkraft, Entschlossenheit und ©erlebet beit der Mann überlegen ist. Als Herrin der Lage steht aber die Frau da, wenn sie auf ihrem natürlichen Gebiet ihre eigenartigen Waffen gebraucht. Sie ist die Erzieherin der Jugend, sie ist die Beraterin des Mannes. Sie kann durch ihre Kinder und durch ihren Mann einen viel größeren mittelbaren Einfluß ausüben, als wie sie ihn jemals unmittelbar geltend machen könnte. Die Wurzel ihrer Kraft ist die Familie; wenn sie den häuslichen Boden verläßt, ist sie eine schwächliche Konkurrentin des Mannes; wenn sie vom häuslichen Herde aus arbeitet und schafft, ist sie die wahre Frau, d. h. Herrin.
Also häusliche Wahlpolitik soll die Frau treiben? Wie man das Kind nennen will, ist schließlich gleichgiltig. Die Frau ist vor allem berufen, das heilige Feuer der Religion und Sittlichkeit auf dem Familienherde zu erhalten und zu pflegen. Wenn sie selbst eine Christin ist, die diesen Namen verdient, so wird sie dafür sorgen, daß ihre Familie christlich is und von ihr das Wort gilt: Ich und mein Haus wir wollen dem Herrn dienen! Wenn dieser Geist im Hause Herrscht, bann erledigt sich die Wahlfrage von selbst. In einem Hause wo man betet, kann nicht die Sozialdemokratie Würze fassen. Eine christliche Hausfrau, welche die Augen offen und das Herz auf dem rechten Fleck hat, wird sich auch nicht täuschen lassen durch das heuchlerische Gerede von der Religion als Privatsache: Sie weiß den sozialdemokratischen Heuchlern auf den Kopf zu sagen, daß sie nicht bloß die Religion sondern auch die Familie vernichten wollen, und ihre ganze erzieherische Klugheit und Kunst als Frau und Shutter wird sie daran setzen, um die ihrigen von dieser Verirrung fern zu halten. Und ebenso entschieden muß sie als religiös gesinnte Hausfrau Fron machen gegen die Kulturkämpfer, mag deren Maske so oder anders sein.
Die Frau wählt nicht selbst, aber sie kann ihren Mann und ihre erwachsenen Söhne für sich wählen lasten. Sie hat von Natur und Gottes wegen das gute Recht, ihre Stimme im Familienintereffe geltend zu machen. Es ist nicht nur ihr Recht sondern auch ihre Pflicht, ihren Mann und ihre erwachsenen Söhne anzuhalten, daß sie ihre Wahlpflicht erfüllen, die mit dem Wahlrecht verbunden ist.
Die Gegner fürchte« den Einfluß der katholischen Frauen. Wir aber sehen darin, daß die braven Frauen zu unserer Sache stehen, ein Beweis, daß wir auf dem rechten Wege sind nmb ein Gewähr deS Erfolges.
3ubiläum$fal)rten.
Reisebilder zum Papstjubiläum.
Bon Jos. ©tunau. .
m (Nachdruck verböte«.)
Wie ein Kind, das die erste Ferienreise macht, o rüstig und frohgemut sind wir an dem Morgen aufgestanden, an dem es galt, nach Capri zu ahren. Capri, die dustumwobene Jnfel, die unS vom ersten Tage an so zauberhaft nach dem Strand von Neapel herübergewinkt hat. Reichlich eine Stunde zu frühe waren wir an der Abfahrtstelle, übrigens nicht die ersten, denn den vielen Andern erging es wie uns; die ungeduldige Sehnsucht eilt der Zeit immer ein gutes Ende voraus und indet alsdann, daß der Zeiger an der Uhr weit angsamer geht, als sonst.
Schließlich wird es nun doch rege; die nicht allzuzierlichen, aber desto sicheren Rachen nähern ich dem Ufer, und hinein geht es in dieselben, damit sie uns zur „Nixe" bringen, ein famose« Schiff des „Norddeutschen Lloyd", das im Winter die Ueberfahrt nach Capri besorgt, während e« m Sommer zwischen Hamburg und Helgoland reuzt.
Solch eine Nachenfahrt auf den spielenden Wogen des Meeres, das sich unter einer frischen Brise in kräftigen Schlägen gleichmäßig hebt und en ft, ist etwas köstliches, und nur zu bald sind wir durch das Gewirre von großen Seedampfer« und kleinen Seglern, welche die Früchte von Sizilien herüberholen, zu unfern Dampfer gebracht.
Die „Nixe", resp. ihr Kapitän, genießt den Ruf der größten Pünktlichkeit, und selbst Reichskanzler Graf Bülow soll mit ihm in Konflikt geraten sein, als unlängst sein Gepäck nicht rechtzeitig eintraf und er so „ohne Ar und Halm" nur mit dem Stock versehen, nach dem lieblichen Sorrent abdampfen mußte. Auch heute geht es auf die Minute los; drei langgezogene Tu-u-u, der Anker schnarrt in die Höhe und mit sanfte« Vor- und Rückwärtsbewegungen gleiten wir, Tücher schwenkend, an den großen Schiffskoloffen vorbei, in das sonnenfunkelnde Meer hinaus.
Wohin das Auge sich wenden mag, überall bannen es neue Bilder, in denen die Lieblichkeit sich mit dem Großartigen überwältigend paart. Ein Blick zurück auf das vom Meere zu den Höhen aufsteigende Neapel; im Kern das phantastische, übereinandergetürmte Häusergewirre; nach beiden Seiten die langen, schlanken, in üppiger, grüner und blumendurchwirkter Pracht sich um die blauen Fluten ausspannenden Arme!, O Neapel, wie bist du wirklich schön, so als stolze und doch liebreizende Königin de« königlichen Meeres. Das ist ein Bild, das man unauslöschbar durchs Leben trägt, und ich muß einem vielgewanderten Freunde recht geben, welcher mir 9um Voraus sagte: „Neapel muß man zuerst vom Meere aus sehen, in seinem Königsmantel der Natur, und wenn man anfängt, es zu riechen, setzt man sich schleunigst auf die Räder und fährt davon."
Erst als sich die Umrisse deS zurückliegenden Festlandes mit bläulichem Dufte umweben, vermögen wir uns von dem Bilde loszureißen, um jetzt dem Meere uns zuzuwenden, dessen gleißende Pracht, der helle Sonnenschein des Morgens unS so blendend zuführt, daß wir vor dem lieber- maße zuweilen das Auge schließen müssen.
Auf viele hundert Meter hinaus zieht unser Schiffskiel eine lichtblaue Wasserstraße, gleich einem in Fluß geratenen Gletscher. Rechts und links umsäumen sie blitzende Wellenkämme, wie Wegraine, die Bahn gegen das tiefblau-grüne Meer einfaffend. Die weißen Möven, welche i« elegantem Fluge hinter uns herziehen, reizt die wie leuchtende Türkisen ausschauende Flut, sie streifen in das Waffer hinein und ritzen silberne Bänder hinein.
Auch der Vesuv scheint sich des schöne« Tages zu freuen und läßt feine Pfeife lustig qualmen; er gehört zur Landschaft, und so sehr man sonst sich von den Schönheiten berücke« lassen mag, immer wieder muß man sich nach ihm umwenden und sich freuen, wenn ihm die „Friedenspfeife" schmeckt. Wir stehen vor Sorrent, das sich aus dem Meere auf braunem Fels erhebt wie eine unzugängliche Festung. Da unten hat der Wellenschlag der Flut das Gestei« ausgehöhlt und selffame Grotten gebildet; es sind Unterbauten, wie sie nur der große Weltenbaumeister, Gott, dem alle Kräfte den Natur dienstbar ffnd, schaffen konnte. Und über diesem, die Urkraft repräsentterenden Unterbau strebt da« elegante Leben unserer Zeit auf, die Schwierigkeiten überwindend und meisternd, und froh sich mit den Kränzen schmückend, welche die Natur hier so verschwenderisch allen bietet, welche sie pflücken weiten.
Ein freundliches Grüßen denen, welche in den Seinen Beeten der Küste znfchaukeln, um »en