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wollte der Ritter fein, dessen treue Minne Dich aus den Dornen, die Dein Dasein umgaben, zu einem Leben frohen Genüsse» und heiteren Glanzes führen sollte, wie es solch lieblichem Wesen gebührt. Und da bot ihm das Schicksal alles, was ich ihm so gern mit vollen Händen zu Füßen gelegt hätte. Und traurig habe ich mich abgewendet; ich hatte Dir ja nun nichts mehr zu bieten als meine treue Liebe."

Als ob Du mir einen größeren Schatz zu bieten vermöchtest, Du Ritter mit dem hochgemuten Sinne! So war Dein Stolz das Hindernis, das unserm Glücke im Wege stand und uns um manche schöne Stunde betrogen hat. Denn daß auch mein Herz Dir schon lange in Liebe entgegen schlug, mußtest Du doch schon längst bemerkt haben. Ich habe kaum vermocht, dieselbe vor anderen zu verbergen, so wenig, wie es Dir gelungen ist. Sieh' hier diesen Brief; er ist von Käthe. Ich werde ihr heule noch schreiben, daß sie mit ihrer Hellseherei recht gehabt hat, und daß mein Ritter erschienen ist, um sein Dornröschen zu werben. Denn wisse, daß Küthe mir schon lange diesen Namen beigelegt hatte.

Und Hand in Hand lasen sie nun den Bries der Freundin noch einmal durch, und als sie an die Stelle kamen:Meine Schwiegermutter sagt immer, Baron Rudolf verdient die beite Frau, die die Erde trägt, und ich denke, daß er sie sich bald holen wird", sahen sie sich beide selig lächelnd an, und ihre Lippen begeg- ueten fich in einem innigen Kusse; und als sie den Brief zu Ende gelesen hatten, meinte Baron Rudolf:

Deine Käthe hat eine viel zu hohe Meinung von mir. Denke nur richt, daß Du einen Mustermenschen zum Gemahl bekommst!"

Und wenn ich es doch denke, so weiß ich gewiß, daß ich nicht enttäuscht werde. Aber nun laß uns zu den Großeltern gehen u"d um ihren Segen bitten "

(Schluß folgt.)

Ernst hat schon eine ausgedehnte Praxis, und daß ich's nur sage, meine Schwiegereltern haben sich ein bischen den Narren an mir gefressen und dringen noch au£ e*ne baldige Heirat, als mein Bräutigam selbst. Ernst's Mutter will an den langen Winter­abenden ihremuntere Käthe" gern öfter um sich haben, und darum haben meine Eltern eingewilligt, daß unsere Hochzeit schon Ende Ottober stattfinden soll, vtch rechne sicher darauf, daß meine liebe Con- fuelo meinen Ehrentag durch ihre Gegenwart ver- schöne-n wird. Wenn Deine Großeltern Dich auch nicht längere Zeit entbehren können, so werden sie doch nichts dagegen haben, wenn Du meine Bitte erfüllst.

Nun leb' wohl, lieber Schatz! Wenn ich in der nächsten Zeit seltener schreibe, so kennst Du jetzt den Grund dafür und mußt es damit nicht so genau nehmen, darfst vielmehr öfter eine Deiner Muße­stunden Deiner treuen Käthe widmen.

Meine Eltern und Geschwister senden Dir die herzlichsten Grüße, b sonders Elisabeth. Für heute denn ade, Herzliebchen! Antworte mir recht bald; alles, auch das Geringfügigste, was Dich betrifft, findet einen Nachhall in dem Herzen Deiner Dich treu liebenden Käthe Braun."

Confuelo hatte die Lektüre des Briefes beendet; ein glückseliges Lächeln umspielte ihre Lippen. Ach, wenn Käthe mit ihrer Vermutung doch Recht hätte ! Noch ein Weilchen träumte sie still vor sich hin. Dann begann sie zu fingen:

Letzte Rose, wie magst du

So einsam noch blüh'n;

Deine lieblichen Schwestern Sind längst schon dabin."

Leise und traumhaft klangen zuerst die Töne des Liedes, aber je weiter sie kam, desto mehr legte sie die ganze Sehnsucht ihres liebenden Herzens in ihren Gesang:

Lonsuelor Schicksale

Novelle von Marg. Schlichter.

25 (Nachdruck verboten.)

Ich rüste mich jetzt mit aller Gewalt zu dem großen Schritte, den ich bald tun werde und Du glaubst nicht wie entzückend es ist, all die vielen Dinge nnzuschaffen und herzustellen, die zur Begründung eines eigenen Hausstandes notwendig find. Du weißt, meine Eltern haben nicht über große Schätze zu ver­fügen, und ich mache mir manchmal Sorge, sie möchten sich zu große Opfer auferlegen, indem sie mir alles so hübsch und geschmackvoll auswählen, wie ich es mir mir wünschen kann. Das Leinenzeug nähen wir zum größten Teile selbst; ich habe in dergleichen Dingen große Fortschritte gemacht und glaube, ich könnte mein Examen in den verschiedensten Zweigen des Haushalts bald ebenso gut bestehen, wie in den Wissenschaften, mit denen wir uns den Kopf vollpftopfen mußten, und wobei doch so manches Ueberflüffige ist. Ernst lachte neulich furchtbar, als ich unfern Tertianer half, Quadratwurzeln ausziehen. Er meinte, ob ich denn auch wohl Möhren von Rüben unterscheiden könnte; das sei für eine Ehestandskandidatin doch viel wichtiger. Ich stellte mich ganz beleidigt und erklärte ihm, in den ersten vier Woche« unserer Ehe kämen nichts als Rüben und Möhren auf den Tisch. Er erklärte fich aber ganz damit einverstanden, falls ich sie selber kochen wolle. Ich glaube, der verliebte Junge würde sich ruhig solch einen Streich von mir gefallen lassen! Ich habe indes nicht vor, meine Kenntnisse ganz ja vernachlässigen; aber vor allem will ich mich doch bemühen, eine recht tüchtiqe Hausfrau zu werden und diesem Ziele gehe ich mit Riesenschritten entgegen.

Sollst ruh'n mir am Herzen Und mit mir im Grab", fang sie mit rührender Innigkeit, und

Sollst ruh'n mir am Herzen Und mit mir im Grab", klang es ebenso zurück.

War das ein neckisches Echo, womit die Geister des Waldes sie äffen wollten? ober war es ein Traum ?

Sie kannte die Stimme ja so gut, undsjetzt tönte sie ihr wie der Widerhall ihrer eigenen Empfindung entgegen. Der Sänger hatte, hinter einem Baume stehend, sie eine Zeit lang beobachtet; jetzt trat er hastig vor und sank vor ihr auf's Knie:

Galt dies Lied Deinem Lionel, und willst Du meine Martha sein?"

Da blickte sie ihn mit ihren großen Augen järt lich an, legte ihren Arm um feinen Nacken und flüsterte:Meinem Lionel!" Dann zog Confuelo ihren Gelieb en zu sich auf die Bank

Ich glaubte, mein Liinel wolle nichts mehr von seiner Martha wissen; er hatte sie ja ganz in Acht und Bann getan. Und sie konnte sich nicht el­itären, weshalb er ihr grollte und weshalb sie ihm mit einemmale so gleichgültig geworden war."

Du mir gleichgültig? Ach, wenn Du wüßtest, wie ich Dich geliebt habe vom ersten Augenbl'cke an, da ich Dich gesehen! Hätte ich Dir nur früher das Geständnis meiner Liebe gemacht! Aber die traurigen Verhältnisse bei meinen Verwandten hielten mich so lange zurück; ich mochte nicht des Lebens süßeste Freude kosten, während ihr Herz mit bitterem Schmerze blutete. Und als dann aus der armen Gouvernante eine reiche Erbin wurde, mochte ich nicht sprechen, weil ich es vorher versäumt hatte. Denn sieb', ich habe Dich immer im Stillen mein holdes Dorn­röschen genannt, das zu einem schöneren Lose bestimmt war, als zu dem einer armen Erzieherin. Und ich

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flllda, Donnerstag, den 4. Juni 1903.

30. Jahrgang.

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vnttk mb Verlar der zaldaerActtendruckeret i» Zulda (harmouiez. Zenisprecher Nr. 9.

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% SozialdemokratischeSelbst­verleugnung".

Es ist schon vielfach darauf hingewiesen worden, daß die Sozialdemokraten in der gegen» wärtigen Wahlbewegung mehr als je ihre eigent­lichen Ziele verleugnen. Sie reden am liebsten gar nicht darüber; wenn sie es nicht vermeiden können, weil die Gegner sie dazu nötigen, so suchen sie ihre Bestrebungen doch möglichst zu vertuschen und zu verstecken. Sie folgen damit nur der in ihrem Wahlaufrufe gegebenen Direktive. So lang dieser war, für dasEnd­ziel" hatte er nur sechs Zeilen am Schluß übrig.

Von großem Vertrauen auf die Zugkraft des sozialdemokratischen Programms zeugt so etwas gewiß nicht. Es ist das auch weiter nicht be­fremdend. Die sozialdemokratischen Führer und Agitatoren wissen ja nur zu gut, daß sie die Masse ihrer Anhänger nicht der Begeisterung für den Zukunftsstaat verdanken. Woher sollte denn diese Begeisterung kommen, da von 1000 Ar­beitern noch nicht einer die sozialistische Lehre versteht. Man braucht sich ja nur zu vergegen­wärtigen, daß die Führer selbst über manche Punkte dieser Lehre nicht einig sind, daß sie es hartnäckig ablehnen, ein Bild von ihrem Zu­kunstsstaate zu geben, weil sie es nicht können, und daß sie ihren Gegnern immer vorwerfen, sie verstünden von dem Sozialismus nichts. Woher soll denn da die Masse der ungelehrten Arbeiter die Einsicht in die sozialistische Lehre haben? Nein, ihre Anhänger verdanken die Sozial­demokraten fast allein ihrer Kritik an den be­stehenden Zuständen und der Hoffnung der Ar- bester, daß die Sozialdemokratie ihre Lage im Gegenwartsstaate zu verbessern imstande sei. Wollte man sie lediglich mit Wechseln auf eine ferne Zukunft abspeisen, dann würden sie sich wohl wenig um die ganze Sozialdemokratie kümmern. Daher begreift es sich, daß die Führer kein Bedürfnis nach Erörterungen über den Zu­kunftsstaat fühlen und Bebel stundenlange Reden halten kann, ohne von den eigentlichen Zielen der Sozialdemokratie auch nur mit einer Silbe zu reden.

Dazu kommt, daß manche Bevölkerungs- fchichten auch gar wenig lüstern nach dem Zu- kunftsstaate fein würden, wenn man ihnen die Wahrheit darüber sagte. Besonders die klein­bäuerliche Bevölkerung würde sich abgestoßen fühlen. Daher übt man nicht nur vielfach die Selbstverleugnung", von dem Zukunftsprogramm zu schweigen, man verleugnet es sogar und ent­stellt es. Dem kleinen Bauern wird nur zu häufig vorgeredet, er könne feinen Grund und Boden auch im Zukunstsstaate behalten. Be­sondersgewissenhafte" Agitatoren drücken sich darüber zweideutig ans, so daß der Hörer meinen soll, das Privateigentum an Grund und Boden bleibe auch im sozialistischen Staate bestehen, während nur gemeint ist, daß der Bauer auch in Zukunft auf dem ihm jetzt als Privateigentum gehörenden Besitztum arbeiten dürfe. Nach der Deutschen Volkswirtsch. Korrespondenz' hat sogar eine in die Enge getriebene sozialistische Orts« !röße auf einer Wahlversammlung in einem rein ändlichen Bezirke des äußersten Ostens geäußert,

als Sozialdemokraten würden die Landarbeiter mehr Lohn bekommen, sie könnten bann so viel sparen, daß sie kleine Landstellen kaufen könnten. Sogar der große Bebel verleugnet sich selbst und das Programm. In Freiberg in Sachsen er­klärte er es für eine Lüge, daß er gesagt haben solle, man müsse die kleinen Existenzen vernichten. Den Kleinen würden vielmehr die Sozialdemo­kraten nichts tun; sie hielten sich an die Großen. Sagt etwa das Programm, das Privateigentum der Kleinen solle fortbestehen und nur das der Großen solle vergesellschaftet werden?

Daß auf der erwähnten Versammlung im Osten der Sozialdemokrat behauptete, die Sozial­demokraten seien königstreue und gute Preußen, istin Anbetracht der Verhältniffe" kaum aus­fallend, aberprogrammäßig" ist es nicht. Noch weniger harmoniert es mit dem Programm, wenn die Genossen sich als gute Christen aufspielen. Daß sie sich als diewahren Christen" ausgeben und wie der ftühere Pastor Göhre behaupten, sie wollten diewahre Religion der Bruderliebe" zum Siege führen, sie täten, was Christus tun würde, wenn er jetzt auf die Welt käme, sie ver­träten die Grundsätze des Christentums, die Ord- nungs - Parteien träten sie mit Füßen alles das läßt sich ja formet! mit dem Programm in Einklang bringen. Die Herren sagen einfach: Das, was wir wollen, ist das richtig verstan­dene Christentum." Allein in Wahrheit ist es eine Verleugnung des Programms. Noch immer besteht Bebels Erklärung in Kraft, daß die Sozialdemokratie auf religiösem Gebiete den Atheismus anstrebe. Das Christentum, das die Genossen vor den Wählern vertreten, ist nur eine Maske. Die Masse der naiven Wähler soll sich bei den christlich klingenden Redewendungen ganz etwas anderes denken, als damit gemeint ist. Es handelt sich also um eine große Heuchelei zur Täuschung der Wähler. Für das Christentum ist es am Ende ja ganz schmeichelhaft, daß die Sozialdemokratie es für nötig hält, in feiner Maske aufzutreten. Aber doppelt nichtswürdig ist es, sich bei der Hintergehung der Wähler der christlichen Maske zu bedienen.

Mögen doch die Sozialdemokraten, statt ihr Prog. amm zu verleugnen oder zu vertuschen und fich zu maskieren, einmal in eigener Gestalt vor die Wähler hintreten und statt auf die anderen Parteien zu schimpfen, ehrlich und rückhaltlos ihr Zukunftsstaats-Programm entwickeln. Dann wür­den wir sehen, wie weit wirklich unser Volk dem Sozialismus verfallen ist. Daß sie das aber nicht wagen, ist das denkbar ungünstigste Selbst­zeugnis, das sie sich ausstellen können.

Berlin, den 3. Juni 1903.

** Die Aeußerungen des Prinzen Hohen­lohe, die Regierung würde, statt mit dem Zentrum, lieber mit einer großen liberalen Partei gehen, hat den Liberalen das He^ geschwellt. Wir haben schon daraus

hingewiesen, daß doch zunächst diese große liberale Partei da sein müßte. Aber da soll nun wieder die Regierung helfen. Der nationalliberale ,Hannov. Kurier' veröffentlicht ein ihm aus ©üb» deutschland zugegangenes Schreiben, worin es heißt, es würde von nicht zu unterschätzender Bedeutung fein, zu erfahren, ob Prinz Hohen­lohe nur feine eigene Ansicht, ober die des Reichs­kanzlers ausgesprochen habe; wenn das letztere der Fall fei, so fei zu wünschen, daß die Er­klärung des Prinzen von Berlin aus in unzwei­deutiger Weise bestätigt würde. Die Bestätigung werde, sofern sie nicht lediglich in Worten erfolge, von großem Einfluß auf den Ausfall der Wahlen und die Stellung des Liberalismus im Reiche sein. Wörtlich heißt es dann am Schluffe:Die Verworrenheit der wahlpolitischen Lage rührt ja hauptsächlich davon her, daß man nicht weiß, wie man mit der Regierung daran ist. Durch eine klare und deutliche Stellungnahme wird sie wesentlich zur Gesundung unserer parlamentari­schen Verhältnisse beitragen. Dazu ist in erster Linie eine Stärkung des gemäßigten Liberalismus von nöten." Also der Reichskanzler soll die große liberale Partei" schaffen helfen und zu dem Ende die Aeußerungen des Prinzen Hohen­lohe öffentlich bestätigen. Und wenn trotzdem die große liberale Partei" einIdeal" bliebe? Graf Bülow wird sich hüten.

% Wie aus Chicago gemeldet wird, wird sich der preußische Fiuauzmiuister Freiherr v. Rheinbaben mehrere Tage in Chicago auf­halten und dort einige der großen industriellen Anlagen besichtigen. Alsdann beabsichtigt er, eine ausgedehnte Rundfahrt durch den Westen der Vereinigten Staaten zu unternehmen.

** Nunmehr bringt auch die ,Antisoz. Korre­spondenz' des Herrn Max LorenzEnthüllungen" über die sozialdemokratischeGeheim- organisation". Die ,Post' ist ganz entzückt über diese Bestätigung ihrer Behauptungen, ärgert sich, daß die übrige Presse so wenig Geschmack an diesenEnthüllungen" findet und ruft eifrig nach dem Staatsanwalt. Die Angaben des Herrn Lorenz, die sich hauptsächlich auf Dresden beziehen, scheinen uns auch kaum etwas zu ver­raten, was man bisher nicht gewußt hat und was insbesondere die Polizei nicht gewnßt'haben sollte. Es ist immer nur, daß Gruppen besonders erprobter Genoffen bestehen, die von Zeit zu Zeit zur Besprechung von Parteiangelegenheiten zusammenkommen, über ihre Verhandlungen Stillschweigen beobachten und sich zum Teil als Schieß-, Skat- und Rauch-Klub maskieren. Ob sich auf dieseEnthüllungen" hin die Staats­anwaltschaft zum Einschreiten veranlaßt sehen wird, bezweifeln wir einstweilen.

** Die Verwendung der Warenhaussteuer im Interesse der Gemeinden betrifft ein gemeinsamer Erlaß des Finanzministers, des Ministers des Innern und des Handelsministers. Bei der Verwendung der Warenhaussteuer durch die Gemeinden haben sich an einzelnen Orten dadurch Unzuträglichkeiten herausgestellt, daß infolge erst spät zur endgiltigen Entscheidung gelangter Rechtsmittel die den Gemeinden über­wiesenen Steuersummen erheblich herabgesetzt wurden, nachdem das betreffende Steuerjahr ab»

gelaufen und die ursprünglich überwiesene Summe in Gemäßheit des § 14 des Warenhaussteuer- gesetzes vollständig zur Verwendung gelangt war. Es ist zwar boran festzuhalten, heißt es weiter, daß das Aufkommen an Warenhaussteuer grund­sätzlich denjenigen Klein-Gewerbetreibenden zu Gute kommen soll, die während des jeweils in betracht kommenden Steuerjahres unter der Kon­kurrenz der Warenhäuser besonders zu leiden haben. Bei der Beschlußfassung über die Ver­wendung der Warenhaussteuer ist der zu schätzende Betrag nach Möglichkeit dem voraussichtlichen Aufkommen entsprechend zu bemessen. Indes findet sich mchDk dagegen zu erinnern, daß an solchen Orten, wo das Ergebnis der Veranlagung zu keinem hinreichend sicheren Anhalt für diese Schätzung bietet, das wirkliche Aufkommen des Vorjahres bei der Verwendung zu Grunde ge­legt wird. Ist in einer Gemeinde dieses Ver­fahren einmal eingeschlagen, so muß es auch in künftigen Jahren beibehalten werden.

** Der deutschen Tabak- und Zigarren­industrie scheint eine nicht unerhebliche Kon­kurrenz dadurch erwachsen zu sollen, daß seitens der amerikanischen Trusts versucht wirb, einen Teil des Geschäfts auf dem Kontinent, besonders aber in Deutschland, an sich zu reißen. Bei den großen Mitteln, über die der Konkurrent ver- fügt, ist es nicht ausgeschlossen, daß dies um so rascher geschieht, als er zunächst darauf ausgeht, durch unerhört billige Preise das Publikum zu verblüffen. Nicht ohne Interesse ist, daß eine Gegenbewegung im Gange ist, an der sich haupt­sächlich diejenigen Geschäfte beteiligen, die in den Vereinigten Staaten von Nordamerika ihren Hauptsitz haben, jedoch eine feindselige Stellung gegenüber den Trusts einnehmen.

* Papis, 3. Juni 1903. Die Kplomal- gruppe des Senats besprach heute mit dem Ministerpräsidenten Combes di'e Ereignisse inSüdoran. Combes erklärtes die Regierung habe alle nötigen Maßnahmen ergriffen. Drei Kolonnen seien gebildet worden, um von bre? verschiedenen Seiten vorzugehen und eine energische Unterdrückung zu sichern. Im Bedarfsfälle würde man die Streitkräfte in Südoran noch verstärken und neue Militarposten errichten. Die Regierung beabsichtigte, in keiner Form neue Gebietsteil; zu gewinnen, aber sie sei gewillt, den statu» quo und die Sicherheit der französischen Besitzungen in Algerien zu erhalten.

* Petersburg, 3. Juni 1903. Eine Milderung der russischen Judengesetze wird dem ,B. T.' aus Petersburg berichtet: Die Gesetzsammlung vom Mittwoch veröffentlich: in Abänderung des Gesetzes vom Jayre 1882 eine Liste von 101 Ortschaften, in denen Juden das freie Wohnrecht und Grunderwerbungrecht zugesichert wird. Anderseits wird den Alden temporär verboten, außerhalb des Gebietes, wo ihnen die Ansiedelung gestattet ist, Grundkäufe abzuschließen.

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