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flllfla, Dienstag, den 2. Juni 1903.

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„Religion ist Privatsache" in die Wirklichkeit übersetzt, heißt: „Wir wollen keine Konstitution — Wir wollen den Stock und den Kantschu (Peitsche)." Das ist zwar russisch und die Sozial- lemokratie tobt wie ein angeschoffener Eber gegen russischen Absolutismus, aber gegenüber der Religion und der Kirche ist ihr Ideal die russische Knutokratie und mit solchen Beweisstücken wie Stock und Kantschu will sie die Religion als „Privatsache" ins Grab hinein—privatisieren.

Möge es daher die sozialdemokratische Presse unterlassen, ihr Gehirn noch weiter zu verrenken, um allerhand Ausreden zu ersinnen, die Leute hinters Licht zu führen und geistige Falschmünzerei zu treiben. In Frankreich ist das Geschwür jetzt aufgebrochen und die graue Salbe der Heuchelei, von welcher die deutsche sozialdemokratische Presse ganze Tonnen aufwendet, reicht nicht mehr aus, um es zu überdecken. Wozu also noch länger die Maskerade, zu welcher das anwidernde Re­nommieren mit dem offenen Visier so jämmerlich schlecht paßt?

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„Gestern noch aus stolzen Rossen — heute durch die Brust geschossen" — diese Worte des Dichters kann man mit Recht für das Schicksal der Bebel'schen Agitationstour für die Reichs­tagswahlen geltend machen

“ Zweck dieser Agitationstour war kein anderer, als die Sozialdemokratie zu feiern als die Partei der religiösen Duldung und sie rein zu waschen von der so unangenehm empfundenen Anklage auf Religionsfeindlichkeit. Der abgegriffene und in seiner inneren Verlogenheit tausendmal auf­gezeigte Satz „Religion ist Privatsache" und andere gleichlautende Phrasen mußten dazu dienen, um die gläubigen Mitläufer der Sozial­demokratie über das eigentliche Endziel in religiöser Hinsicht hinwegzutäuschen.

Eben erst hat Bebel als Wanderbarbier auf seiner Agitationstour versucht, mit diesen Phrasen seine Hörer einzuseifen und die ganze fozial- demokratische Presse hat sich beeilt, die von Bebel neu geprägten Phrasen urbi et orbi (der Stadt und dem Weltkreis) als Ehrenrettung der so un­schuldig angeklagten Sozialdemokratie zu ver­künden. Aber rasch hat beide ihr Schicksal ereilt und ihre Redensarten in ihrem wahren Sinne aller Welt enthüllt.

Und dieses jähe und bitterböse Schicksal ist der Sozialdemokratie bereitet worden durch die Sozialdemokratie in Frankreich, welche sich, an­gespornt von den Genoffen, rasch an die Spitze der französischen radikalsten Kirchenstürmer ge­setzt hat.

Die französischen Sozialdemokraten brauchen nicht mehr wie die deutschen aus ihrem Herzen ein überÜlnchtes Grab zu machen und sich in den Faschingsanzug der Religionsfreundlichkeit zu stecken. Sie haben freie Bahn vor sich und, der ängstlichen Rücksichtnahme ledig, können sie ihrem Herzenstrieb freien Lauf lassen und zeigen, wie man in sozialdemokratischen Kreisen den Satz „Religion ist Privatfache" praktisch handhabt. Deshalb gibt es keine bessere Erklärung dieser Phrase, als eben die Anträge, welche die fran­zösischen Sozialdemokraten unter dem Beifall ihrer deutschen „Genossen" an die französische Kammer eingebracht haben.

Wir wollen nur Hinweisen auf den Artikel 22 dieser Anträge, in welchem bestimmt wird, daß die Kirchen und alle Kultusgebäude vom Staate eingezogen und nach seinem Gutdünken vermietet werden zu allen beliebigen Veranstal­tungen. Damit aber die Katholiken ja nicht etwa auf den Ausweg kommen können und mit ihrem eigenen Gelde Kirchen bauen, wird ein für alle-

DetMhMi $*rif Hefter: für dteZtl

deutsches Reich,

,. wocheiiix«-,«-„Illustrierte Sonntagrzeitung"

Berlin, den 30. Mai 1903.

* In der Kreissynode Berlin-Fried- richswerder war bekanntlich der Versuch, dem vom evangelischen Bunde formulierten, auf das Jesuitengesetz bezüglichen Anträge eine andere Fassung zu geben, gescheitert, weil er bei einem Teile der positiven Mehrheit keine Unterstützung fand. Hierbei handelt es sich u. a. auch um eine Ergänzung des Antrages nach der Richtung, daß die Stärkung des inneren religiösen Lebens und die Festigung des Glaubens an die Heilstatsachen als das wirksamste Mittel zur Abwehr der Jesuitengefahr bezeichnet wurde. Jetzt hat wenigstens eine der Berliner Kreissynoden, näm­lich Berlin III, die Notwendigkeit einer Ergänzung des Antrages in diesem Sinne anerkannt. Ganz leicht war es allerdings nicht, dies zu erreichen, denn man hatte bei den maßgebenden Stellen mit dem Wunsche zu kämpfen, daß der Antrag des evangelischen Bundis ohne Besprechung zum Beschluß erhoben werde. Trotzdem wurde die Annahme des folgenden Zusatzes durchgesetzt: „Doch ist sie (d. h. die Kreissynode) der Heber» zeugung, daß zur Heberwindung deS jesuitischen Einflusses vor allem eine Stärkung des eigenen evangelischen Geistes auf dem Grunde des Wortes GotteS notwendig ist, und ermahnt alle (Seift- lichen und Gemeindekirchenräte des Dynodalkreises, alles zu tun, was zur Erweckung und Belebung des Glaubens nach dem leuchtenden Vorbilde unserer glaubensstarken Reformatoren beitragen kann." Dazu bemerkt die ,Kreuzztg.': „Die Synode Berlin HI hat also der Versuchung widerstanden, den Gegenstand rein äußerlich zu behandeln und im Sinne des liberalen Predigers Kirmß, der in der Synode Friedrichswerder den

Träumen unterbrochenem Schlafe meine Augen öffnete, so fragte ich mich, welches Unheil der kommende Tag über meinem schuldigen Haupte entladen werde. Ich nehme meinen Tod mit Recht als Strafe Gottes für meine Ucbeltaten hin und hoffe, daß er meiner armen Seele gnädig fein werde. Aber ich könnte nicht ruhig sterben, wenn auch Sie mir nicht barmherzig vergeben würben."

Weber hatte die letzten Worte m>t großer An­strengung gesprochen; sein Antlitz war leichenblaß geworden und ermattet schloß er die Augen. - Jetzt ließ Consuelo ihren Tränen freien Laus. Vor ihrer Seele stand das Bild ihres Vaters, wie sie sich seiner noch erinnerte, des schönen, edlen Mannes mit dem unendlich traurigen Ausdrucke in den großen, blauen Augen und dem schwermütigen Zug um den Mund, der selbst, wenn er lächelte, eine tiefe Melancholie nicht verbergen konnte. Was mußte er in all den Jahren gelitten haben! Aber dennoch reichte sie dem Rentmeister, der jetzt die Augen wieder aufschlug und angstvoll fragend zu ihr aufblickte, ihrt Rechte.

„Ich vergebe Ihnen im Namen meines seligen Vaters und weiß, daß er mich für diese Worte segnet."

Der Baron hatte sich abgewandt; seine Brust hob und senkte sich. All die bitteren Schmerzen, alle Zweifel und Qualen und die verzehrende Reue von mehr als zwanzig Jahren durchwühlten fein Inneres. Dort auf dem Sterbebette lag der Mann, deffen Haß ihm den Sohn, dem stets der größte Teil seiner Liebe gehört hatte, vom Herzen geriffen, dessen Leben vergiftet und mit frevler Hand das Glück seines Hause» zerstört hatte. Der Tod durch die Kugel des Brudermörders wäre noch ein kleines Unglück gewesen gegen dasjenige, welches Haß und Bosheit seinem armen Sohne bereitet hatten. Beide waren sie zu Mördern geworden, fe n Sohn Albert, den jetzt der Menschen schrecklichstes Los getroffen, und dieser Mann, der in wenigen Stunden vor dem Richterstuhle des Ewigen erscheinen sollte.

„Seid barmherzig, wie euer Vater im Himmel barmherzig ist!"

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Monatsbettage: „gulbacr Geschlchkvlattrr". senket nr.9.

mal verboten, daß überhaupt Kirchen gebaut werden. r

Wird sich über eine solche Gewaltherrschaft die Sozialdemokratie nicht entrüsten? wird sie nicht genötigt sein, zu erklären, daß dieses Vor­gehen der französischen „Genossen" ihrem Satz „Religion ist Prioatsache" nicht entspräche, vi l- mehr im schärfsten Widerspruch damit stehe? Ja, das müßte, sie wenn sie unter diesem Satz „Religion ist Privatsache" etwas anderes ver­stände, als was jetzt die „Genossen" jenseits der Vogesen praktizieren! Aber sie sindet kein Wort der Entrüstung und schweigt, und das tut sie aus dem sehr einfachen Grunde, weil dieser brutale Hnterdrückungskampf der Kirche ganz ihren eigensten Absichten entspricht! Es sei hier nur erinnert an den Antrag des Genossen Kunert in der Kommission für Beratung des Toleranz­antrages des Zentrums: „Die Religionsunter­weisung kommt in allen Schulen des deutschen Reiches als Hnterrichtsgegenstand ausnahmslos in Wegfall." Bei der Begründung dieses An­trages führte der Genoffe Kunert unter dem Beistand Vollmar's aus: „Unter die vorge­schlagene gesetzliche Bestimmung sollen alle Schulen, auch die Privatfchulen, fallen, damit nicht durch ein Hintertürchen wieder einschleiche, was man hier beseitigen wolle." (Heiner, der sog. Toleranzantrag S. 178ff.)

Daß ein solches Vorgehen der Ausdruck des intolerantesten Standpunktes und der schwerste Eingriff in die Gewissensfreiheit ist, das leuchtet allen Menschen ein, nur den eigentümlich organi­sierten Denkorganen der Sozialdemokratie erscheint das als Behandlung der Religion als „Privat- fache"!

Selbst liberale Zeitungen, die niemand in den Verdacht der Kirchenfreundlichkeit Bringen wird, gestehen es offen zu, so z. B. die liberale,Köln. Ztg/ (Nr. 431 vom 20. Mai 1903), welche schreibt:

„Der Gesetzantrag ist nicht im neutralen Sinne, sondern in einem kirchenfeindlichen Geiste aufgefaßr. ... Der polizeiliche Geist, der fich in dem ganzen Antrag kundgibt, ist echt französisch, von einer amerikanischen Kultusfreiheit ist da nichts zu er­kennen. Revolutionär, wie der ganze Entwurf erscheint, mit der Absicht, den Kultus zu erschweren bis zur Vernichtung, bedeutet er vom staatsmännischen Standpunkt einen verwerflichen Schritt."

Ja, wenn sonst sozialdemokratische Agitatoren bei ihrem aufdringlichen Auftreten die gebührende Antwort empfangen, oder wenn einmal die Ge­nossen in unliebsame Berührung mit der Polizei kommen, da erhebt sich ein großes Lamento in der sozialdemokratischen Presse über solch' uner­hörte Knebelung der freien Meinungsbetätigung. Aber gegen die Religion: — ja halt, Bauer, das ist etwas anderes! Wenn ich, die Sozial­demokratie, von „Freiheit" und „Toleranz" rede, so mache ich den geheimen Vorbehalt, den man fälschlich den Jesuiten zuschiebt, und denke dabei nur an die „Freiheit" und „Toleranz" für mich, nehme aber die Religion dabei ganz aus!

Ja, die Großmut der Sozialdemokratie gegen die Religion ist so groß, daß ihr Programmsatz

"Da kam Baron Albert eines Tage» triumphierend zu mir. Er zeigte mir einen Brief seine» Bruders an Sie, Herr Baron; jener bekannte, daß er fich abermals zu Extravakanzen habe hinreißen (affen und Verpflichtungen eingegangen fei, denen er nicht nach­kommen könne, und bat unter den h.iligsten Be­teuerungen fürderhin ein sehr sparsames und solide» Leben führen zu wollen, um Hülfe aus der augen­blicklichen Verlegenheit. Das übrige wissen Sie ja; Baron Albett sollte seinem Bruder Ihren endgültigen Entscheid, der eine entschiedene Weigerung war, mit- teilen. Da wußte ich, tote ich meinen Plan ausführen konnte. Ich setzte Ihren Namen unter einen Wechsel. Ihre Handschrift hatte ich meisterhaft nachgeahmt, und Baron Albert sandte ibn seinem Bruder mit der Bemerkung, daß Sie sich jede Dankesäußerung ent­schieden verbäten und nicht weiter an die mißliche Geschichte erinnert sein wollten; die Zukunft werde ja zeigen, ob Baron Clemens sein Versprechen halten wolle. Darauf, daß sie in Ihrem Jähzorn der Sache nicht auf den Grund gehen würden, wenn die Fälschung ans Tageslicht käme, hatten wir natürlich g-rechnet. Und es kam alles, wie wir vorgesehen hatten.

Nachdem der älteste Sohn verstoßen war, stand Baron Albert nichts mehr im Wege, in dessen Rechte einzutreten. Aber die Rache des Himmels ist so gewiß, wie seine Gerechtigkeit, wenn eS auch lange wähtt, bis sie den Schuldigen erreicht. Baron Albert ist in seinem eigenen Dohne gestraft, dessen leicht­sinniger Lebenswandel eine stete Quelle der Sorge und des Berdrusie» für ihn war und die Ursache eines neuen Betruges geworden ist, den ich in Ge­meinschaft mit Baron Albert ausgefühtt habe. Die Hälfte der Summe, die Sie in Ihrer Mildtätigkeit zur Unterstützung der Abgebrannten von S. bestimmt hatten, haben wir verwandt, um einen Teil von Egons Schulden zu tilgen. t

Dann kam das Schreckliche: Baron Egons Tod und seines Vaters Wahnsinn. Als ich hiervon erfuhr, wußte ich, daß auch mein Schicksal besiegelt sei. Wenn ich des Morgens nach unruhigem, von schweren

2rscheftt?S-l«ch.m" Aufnahme bet Semv gefertigt, viertel.

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Lonsuelos Schicksale.

Novelle von Marg. Schlichter.

23 --------- (Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung aus dem zweiten Blatt.)

Eines Tages ging ich mit den beiden jungen Baronen auf die Jagd; es war an dem Tage, als Baron Clemens durch einen Streifschuß an der Schulter verwundet wurde. Dieser Unfall war aber kein zufälliger, wie Baron Clemens damals selber glaubte, sondern die Folge eines absichtlichen Anschlags auf sein Leben durch — verzeihen Sie, wenn ich Ihr Vaterherz durch diese Mitteilung schwer betrüben muß! — durch seinen eigenen Bruder. Ich weiß, er hat sich kürzlich selber dazu bekannt; wenn seine Worte auch im Wahnsinn gesprochen sind, so bezogen sie sich doch auf tatsächlich Geschehenes. Ich lag in der Nähe von Baron Albert auf dem Anstand, in einiger Entfernung, uns den Rücken kehrend, stand Baron Clemens. Da sauste ein Rehbock an uns vorbei; ich sad, wie Baron Albert zielte, aber nicht nach dem flüchtigen Tiere'; der Lauf feiner Waffe war auf den Bruder gerichtet, und die Kugel traf dessen Schulter, ohne ihn schwer zu verletzen. Denn Baron Clemens machte in diesem Augenblicke eine Bewegung, die ihm das Leben rettete.

Baron Albert erkannte an meinen Blicken, daß ich fein Gebahren bemerkt hatte, und ich machte mir seine böse Abficht zu nutze. Als ich später allein mit ihm war, schlug ich ihm vor, seinen Bruder auf anbere Weise aus bem Wege zu räumen, man müsse nur eine passende Gelegenheit dazu abwarten. Ich wußte, daß der junge Herr schon einmal wegen leichtfinniger Schulden Ihren Zorn int höchsten Grade erregt hatte, und daß er auf eine abermalige Hülfe Ihrerseits nicht rechnen dürfe. Hierauf baute ich meinen teuflischen Plan, wenngleich ich über die Art der Ausführung noch nicht mit mir im Reinen war.

30. Jahrgang.

evangelischen Bund vertrat, das Hauptgewicht >es Antrages auf die politische Seite zu legen' Vorläufig handelt es sich aber hier um einen ver­einzelten Fall. Wir können die Befürchtung nid)t unterdrücken, daß der jetzt unter der Leitung des evangelischen Bundes geführte Feldzug gegen die römische Kirche von einflußreichen Kreisen zur Be­kämpfung derjenigen Anschauungen mißbraucht wird, die den gläubigen Christen beider Konfes- ionen gemeinsam sind. Das ist auch der Grund, aus dem wir die Ausführungen der ,Voff. Ztg/ über den Erlaß des Kardinals Kopp wegen der Verpflichtung der katholischen Geistlichen zur Teil­nahme an einem sechswöchigen Seminar-Kursus mit der Bewegung gegen die Aufhebung des § 2 des Jesuitengesetzes in Verbindung brachten. Wir befürchten, daß die Versuche nicht ausbleiben wer­den, den Kampf gegen den Mramontanismus zu einem Kampfe gegen die christliche Schule auszu- gestalten. Diefen Versuchen möchten wir vor- beugen, und in diesem Sinne richten wir an alle positiven evangelischen Christen, die mit uns der Meinung sind, daß die Bekundung des evange- ischen Bewußtseins mit dem Kampfe gegen die römische Kirche nicht erschöpft ist, die Mahnung, ich wenigstens die Gesellschaft genau anzusehen, in die sie bei der Beteiligung an jenem Kampfe geraten."

* In derKonfesftottsstatistikdes Deutschen Reiches sind als Römisch-Katholisch ge­zählt: Römisch-Katholisch, Katholisch, Reichs- ätholisch, Altkatholifch, Hnirt-Griechisch, Unirt- Armenisch, Neukatholisch, Maroniten, Anhänger der irischen Kirche, Papisten, Allgemein Katho- isch. — Es wäre gut, wenn aus dieser Liste als „Römisch-Katholische" gestrichen würden die Reichskatholischen, „Katholischen", Alt- und Neu- katholischen, Papisten und Allgemein Katholischen. Römisch-katholisch der Lehre nach sind: Unierte Griechen, Unirte Armenier, Maroniten, Anhänger der irischen Kirche (Kuldeer). Unterschiede mit den Römisch-Katholischen bestehen bei letzteren nur in Kultus- und kirchlichen Gebräuchen.

\ Das Oberverwaltungsgericht hat abermals in höchster Instanz entschieden, daß die Polizei nicht berechtigt ist, polnische. Der- ämmlungen wegen Gebrauchs der polnischen Sprache aufzulösen. Bisher hatte das Ober­verwaltungsgericht diesen Grundsatz nur sür die östlichen Provinzen aufgestellt, wo die polnische Sprache für einen großen Teil der Bevölkerung die Landessprache fft. Seim jetzige Entscheidung bezieht sich dagegen aus Versammlungen im west­fälischen Industriegebiet. Für den jetzt einge- treteuen Fall hat die Regierung im Landtag an­gekündigt, daß sie den Erlaß eines besonderen Sprachengesetzes in Erwägung ziehen würde.

** Die .Post' bringt noch.zwei weitere Artikel über die „Geheimorganisation der Sozial- demokratie". Wir können aber noch immer den Beweis nicht für geliefert erachten, daß eine „geheime Verbindung" im Sinne des Strafge­setzbuches bei den Sozialdemokraten bestehe. Diesen Beweis aber wollte das Blatt doch liefern Die sozialdemokratische Presse behandelt alle An-

Wie aus einer fernen Welt tönten diese Worte an fein Ohr, und wie ein milder Engel des Friedens stand der greife Priester neben ihm, nahm feine Hand und führte ihn an bas Bett des mit bem Tode Ringenden. Er bot ihm bie Hand und betete leise um ein gnädiges Gericht für denjenigen, bet seines Hauses größter Feind gewesen war.

Die Spannung war vorüber unb ber Leidende fiel in einen ohnmachtähnlichen Schlaf. Consuelo und ihr Großvater zogen sich für kurze Zeit zurück

Als bas gotbene Abendrot feine Gluten über Berg unb Tal ausgegosien hatte, unb der purpurne Schein sich burch bas Fenster ber Krankenstube stahl, erwachte ber Unglückliche aus feinem Schlummer und blickte wehmütig nach dem scheibenden Tagesgestirn.

„Bald kommt die Nacht, die schreckliche Nacht de» Tode»!"

„Der Tod hat keine Schrecken für den, der mit Gott im Frieden aus dieser Welt geht, und um Ihnen den Frieden zu bringen, kommt er selbst zu Ihnen in dieser Stunde."

Ein dankbarer Blick war des Sterbenden Antwort auf die Worte des Priesters. Bald hatte fich das Sterbezimmer mit Andächtigen gefügt. Der Baron und die Baronin, Consuelo und das Gesinde des Schlosses hatten sich eingefunden, und unter dem Gebete ber Anwesenden sand die erhabene Handlung statt. Dann blieb Webers Gattin allein bei ihrem Manne; inbrünstig betend kniete sie an seinem Lager. Nach einiger Zeit machte er ein Zeichen, daß er sprechen wolle und sie neigte ihr Ohr an seinen Mund.

„Sina, ich glaube, ich habe- es Dir zu danken, daß Gott mir noch in der zwölften Stunde gnädig ist. Du warst ber Engel meines Lebens und sollst auch nach meinem Tobe Dein Werk an mir vollenden. Da ist zunächst der Althövel, den Du entschädigen mußt. Ich hatte ihm feit drei Jahren die Pacht willlürlich erhöht; auch noch einigen andern Pächtern. Du findest bie Summen in den Büchern eingetragen. Unb ben Judaslohn, den ich damals von Baron Albert erhielt, eS waren tausend Mark, verteile unter