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30. Jahrgang.

Mama zu

beschmutzte schmollend und sagte

Anzeigen: Vie ein­spaltige petitzeile oder deren Saum 15 Psg. Neklamen die petitzeile 25 pfg.; bei ltzieder- holunaen wird entspr. Rabatt gewahrt.

Lonsuelos Schicksale

Novelle von Marg. Schlichter.

ging der kleine Wlldfang neben ihr her schließlich:

„Ick bin Dir böse!"

„Dann gebe ich Dir den Rat, an

Druck und Verlag der Fuldaer Aetiendruckerei in Zu!da <<-rrmonie). zernsprecher Ur. 9.

guten BaronS Clemens sind; Ihre gütige Fürsorge für andere ist ein Erbteil Ihres seligen Vaters- Wenn der als Knabe einen zerlumpiea Jungen im Dorse sah, so ruhte er nicht eyer, bis seine Eltern ihn vom Kopfe bis zu den Füßen anständig gekleidet hatten. Uebrigens haben Sie richtig vermutet, der Kötter Älthövel ist ein durchaus braver, fleißiger und nüchterner Mann, der aber geradezu vom Mißgeschick verfolgt wird. Führen Sie daher nur Ihre gütige Lbsicht aus, auch inbetreff seiner armen, kranken Frau; der Himmel wird eS Ihnen lohnen. Ich werde morgen früh wegen dieser Angelegenheit bei Ihrem Großvater vo-sprechen, auch ein Wort wegen seines sauberen Rentmeisters mit ihm reden. Es wäre gut, wenn dem ein bischen auf die Finger gepaßt würde; er treibt es öfter zu bunt mit den armen Leuten, aver davon hat der Herr Baron keine Ahnung. Er setzt ein blindes Vertrauen in diesen Weber, welches ich durchaus nicht teilen kann."

Consuelo und Adelheid empfahlen sich jetzt. Der Pfarrer blickte ihnen nach, als sie durch das Gärtchen gingen und sprach für sich: „Wie ein Engel deS Trostes kehrt sie in die Hütten der Armen und Kranken ein. Gott möge sie segnen." ES war wie der Priester sagte; als sie bei der alten Frau Harten eintrat, glitt ein glückliches Lächeln über deren welke Züge. Consuelo unterhielt sich eine Zeitlang teilnehmend mit der Alten.

Unterdesien machte Adelheid allerlei Kapriolen mit der großen schwarzen Katze, die sich all den Mut­willen des Kindes unter Verleugnung ihrer Katzen­natur ruhig gefallen ließ.

Inzwischen waren, von Consuelo nicht bemerkt, schwere Gewitterwolken am Himmel aufgozoge«, uuö als sie sich nun zum Heimweg anschickte, verkündete ein in der Ferne rollender Donner bereits das Nahen des Unwetters. Es blieb ihr also nichts übrig, als dasselbe vorerst abzuwarten. Obgleich das Gewitter nicht lange anhielt, so war es doch ein so schweres, wie man in der Gegend lange nicht erlebt hatte. Blitz folgte auf Blitz und die Donnerfchläge, die dem

Unpolitische Zeitlause.

(Nachdruck verboten.)

(0 Berlin, 28. Mai 1903.

Zum Feste einen verneinenden Wunsch: möge den verehrlichen Lesern niemals ein Auto­mobil oder eine Waffe geschenkt werden! Sollte trotzdem einem Leser so ein Danaergeschenk an den Hals fliegen, so rate ich ihm, den Kraft­wagen oder das Mordinstrument durch versicherte Leute zum nächsten Althändler schaffen und dort versilbern zu lassen, ohne lange zu feilschen.

Ach, wie schön ist so ein Fußspaziergang zu Pfingsten! Das frische Grün, die warme Luft,

S1 (Nachdruck verboten.)

Nachdem die drei in das einfach möblierte Wohn­zimmer eingetreten und Platz genommen hatten, be­achtete Consuelo über den Grund ihres heutigen Be­suches. Sie erzählte kurz die Szene, deren Zeugin sie soeben gewesen und erkundigte sich nach den Verhält­nissen und der Aufführung der betreffenden Familie. Der Pfarrer hatte ihr aufmerksam zugehört und seine Augen wurden feucht, als er den Worten der lieb­lichen Menschenfreundin lauschte.

Er hatte Consuelo» Vater seit seiner stühesten Jugend gekannt und geliebt, er batte niemals erfah­ren, obschon er häufig im Schlöffe verkehrte, welche Ursache das Zerwürfnis der Baron Clemens mit seinen Eltern hatte; dieselben sprachen nie darüber und sein Zartgefühl verbot ihm, danach zu fragen. Er war aber überzeugt, daß der junge Baron Clemens keiner Handlung fähig war, die eine solche Härte von Seiten seines Vaters gerechtfertigt hätte. Nachdem er Kunde von den jüngsten Ereigniffen auf dem Schlöffe erhallen hatte, die allerdings ausgeüattet mit allerlei Erdich­tungen die Runde durchs Dorf gemacht, war er zu der freiherrlichen Familie gegangen, nm sie wegen ihrer Enkelin 'zu beglückwünschen. Bei dieser Gelegenheit hatte der Baron dem priesterlichen Freunde sein Herz ausgeschüttet und ihn das ganze tiefe'Weh erkennen lasieu, woran er und seine Gattin all' die Jahre so schw r getragen. Er hatte auch nicht verschwiegen, daß wahrscheinlich ihr Sohn Albert, von dem Wunsche ge­trieben, seine« älteren Bruder zu verdrängen, so schmählich an diesem gehandelt. Hierüber hatte sich der Priester nicht so schr gewundert. Jetzt reichte der ehrwürdige Greis Consuelo die Hand.

„Daran erkenne ich, daß Sie die Tochter des

Welch' ein Unsinn, daß man die Straßen dem vernünftigen Gebrauche entzieht, um die Sport­narrheit sich dort austoben zu lassen! Uebrigens gibt das Absperren, auch wenn es mit russischer Gründlichkeit betrieben werden sollte, doch noch keine Sicherheit. Bei den Wettfahrten folgen sich die Kraftwagen in kurzen Abständen und der eine sucht den andern zu überholen. Das Ueber- hole» ist an sich schon sehr gefährlich, da die beiden Wettbewerber eine längere Strecke neben einander fahrend jeder Teil die Neigung hat, dem andern das Fortkommen zu erschweren. Noch schlimmer wird die Sache durch den Staub, den so eine schienenlose Lokomotive in riesigen, dichten Wolken aufwirbelt. Wenn nicht gerade ein tüchtiger Regen fällt, kommen die Wagen gerade an der kritischen Stelle, wo das lieber« holungs - Manöver ausgeführt werden muß, in die heillose Staubwolke hinein und müssen die entscheidenden Bewegungen machen, ohne den Weg und die Mitläufe genau übersehen zu kön­nen. Der Staub auf unseren Chausseen ist schon für den gewöhnlichen Verkehr fehr lästig; für schnellfahrende Kraftwagen eignen sich diese Wege mit ihrer zolldicken Staubschicht überhaupt nicht, -dafür müßten erst schon Asphaltstraßen mit täg­licher Reinigung vorgesehen werden.

Nun, wird mancher denken, wenn ich einen Kraftwagen geschenkt bekäme, würde ich ihn doch nehmen und behalten; ich würde natürlich recht vorsichtig und langsam fahren! Gewiß, mit guten Vorsätzen sind auch die Straßen der Automobile gepflastert. Das Ding reizt aber in unwider- stehl,cher Weise zum Schnellfahren. Das lang­same Tempo der Maschine und der Räder wird nicht bloß langweilig, sondern geradezu unan­genehm, sodaß bald die Parole heißt: Schneller ober gar nicht! Die Versuchung ist zu groß. Darum sollte nach meiner Ansicht die Polizei auf den Straßen und Chauffeen kein Automobil zulassen, das überhaupt eine gewisse Höchst­geschwindigkeit (sage in etwa 30 Kilometer in der Stunde) zu überschreiten vermag. Wenigstens sollte kein vernünftiger Familienvater jemals eine größere Geschwindigkeit, als etwa das Vierfache der Fußgänger-Bewegung, sich oder seinen An­gehörigen gestatten.

„Nicht in die Hand!" ist die beste Taktik.

Ebenso ist es mit den Waffen, lieber den Fähnrich Hüffener, der in seinem Größenwahn als Vorgesetzter den Kanonier Hartmann tot- gestochen, ist jetzt das Urteil gesprochen worden: 4 Jahre Gefängnis und Degradation. Das Gericht ist milde gewesen; wie manche meinen, zu milde. Aber unglücklich ist der junge Mensch doch geworden. Die „betrunkene Geschichte" hat sich zu einem Trauerspiel gestaltet, das ein Leden und ein Lebensglück gekostet hat. Und woher die verhängnisvolle Wendung? Weil der unreife, aufgeregte Mensch eine Waffe bei sich trug. Wäre er bei der nächtlichen Bummelei ohne äßaffe. gewesen, so hätte das Verhaften, Flüchten, Festhalten ohne Blutvergießen und ohne schlimme Nachwehen sich als komischer Zwischenfall abge­spielt. Aber „du Schwert an meiner Linken,

den Vogelsang kann man nicht besser genießen, als wenn man sich auf Schusters Rappen recht gemächlich durch die aufgeblähte Natur bewegt. Wohl dem, der noch gesunde Beine zum Wandern hat! Reiten auf dem Fleischroß oder auf dem Stahlroß ist ja auch nicht schlecht, wenn man eine größere Strecke in kurzer Zeit zurücklegen muß; aber einen so gemütlichen Naturgenuß, wie beim Gehen, kann man beim Reiten oder Radeln nicht haben. Besser ist noch das Fahren ober Gefahrenwerben. Denn wenn man als verant- wortungBloser Fahrgast auf bem Wagen sitzt, kann man feine Sinne unb feine Stimme ruhig ber Außenwelt widmen, während der Reiter ober Rabler immer auf ben Weg unb fein Beförde­rungsmittel achten muß. Das allerbummste ist nun aber, sich auf ein Motorrad oder einen Mo­torwagen zu fetzen unb fo sich zum Diener unb Spielball einer gefährlichen Maschine zu machen.

Wer noch nicht gewußt hat, baß bie Auto­mobile gefährlich sind, hat es auf ber „Strecke" Paris-Borbeaux erfahren können. In derJagd- sprache nennt man „Strecke" bie Reihen des ge­töteten Wilbes, bas zur Besichtigung ausgelegt wirb. Auf bem Wege, ben bie mitfahrenden Automobile durchrast hatten, lagen in ähnlicher Weise tote und schwerverletzte Menschen als Jagd­beute dieses Sportes umher. Kein Wunder; denn diese höllischen Kraftwagen sind mit der doppelten Geschwindigkeit eines Schnellzuges über bie Chaussee gerast! In ber Welt geht's fonberbar zu: bie Eisenbahnverwaltung roenbet viele Millionen auf, um die fog. Niveau-Ueber- gänge- zu beseitigen, d. h. bie Fahr- unb Fuß­wege entroeber ein Stockwerk tiefer ober ein Stockwerk höher so burchzusühren, baß bie Fuhr­werke unb Fußgänger gar nicht auf ben Bahn­körper kommen unb bie Schienenwege also fort« währenb frei bleiben. Währenb fo bie Eisen­bahn, bie ihre Züge mit 60 bis 80 Kilometer in ber Stunde fahren läßt, sich abfchließt von dem andern Verkehr, rasen über bie gewöhnlichen Chauffeen, mitten durch Fußgänger, Radfahrer und Wagen, tauchende Ungeheuer mit einer Schnelligkeit von 100 bis 140 Kilometer dahin, ohne Vorsicht und ohne Rücksicht, ohne Vernunft und ohne Erbarmen.

Auf der Versuchsstrecke für elektrischen Schnell­verkehr zwischen Berlin und Zoffen hat man es nach langen Bemühungen und unter den größten Vorsichtsmaßregeln bis auf 140 Kilometer in der Stunde gebracht. Dann folgte eine große Pause; diese gewaltige Geschwindigkeit soll erst verdaut werden, ehe man Schritt für Schritt weiter geht auf 200 Kilometer zu. Unterdessen fliegen auf offener Landstraße die schienenlosen Automobile mit 140 Kilometer dahin.

Angesichts der vielen Toten und Schwerver­letzten hat die französische Regierung sich endlich zu dem Entschlüsse aufgerafft, die Automobil- Wettfahrten auf den öffentlichen Straßen zu ver­bieten. Aber trotz der traurigen Erfahrungen scheiflt in Irland ber Unfug fortgesetzt werden zu sollen; dort hofft man durch Absperrung der Rennstraßen den Unglücksfällen vorzubeugen.

schreiben, sie möge sich doch beeilen, eine andere Er­zieherin für Dich ausfindig zu machen; Du könntest es bei mir gar nicht mehr aushalten."

„Ach was, das tue ich nicht! Dann krieg ich wieder solch eine Hopfenstange, wie Fräulein Dreher eine war, oder solch' eine Zigeunerin aus Ungarn; da beide ich doch lieber noch bei Dir."

„Trotzdem Du mir böse bist?"

„Ach, es ist schon nicht mehr schlimm."

Und nun lachten beide hell auf. Aber was war das? — Drang da nicht etwas wie ein schmerzliches Stöhnen an ihr Ohr!

Sie folgten den Lauten und sahen bald, daß sie sich nicht geirrt hatten. Unter einem Baume, der wahrscheinlich vom Blitze getroffen war, lag der Rentmeister. Ein schwerer Ast hatte ihm Brust und Schulter zerschmettert; auch blutete er aus einer Stirnwunde, die aber ungefährlich war. Nur mühsam konnte Consuelo durch das Gewirr von Besten und Zweigen zu dem Unglücklichen gelangen. Regungslos, mit geschloffenen Augen, einem Toten ähnlich, lag er da unter seiner schweren Last. Wie sollte hier Hülfe geschaffen werden! So viel sie und Adelheid sich auch bemühten, fie vermochten den Ast nicht zu heben, der von dem Stamme des Baumes abgebrochen, auf der Brust des Unglücklichen lag. Da nahten sich Schritte, und das junge Mädchen erkannte in dem Nahenden den Bauer, der vorhin mit dem Rentmeister in Streit gewesen. Der starke Mann befreite den Unglücklichen von feiner schweren Last; er hob den Ast mitsamt den Zweige«, welche Webers Körper beschwerten, und brachte diesen mit Hülfe Consuelos in eine etwas beffere Lage, wo­bei das weiche Moos, welches si: in der Eile zu­sammengerafft hatte, mit dem Filzhute des Rentmeisters darüber eine Stütze über dessen Kopf abgab. Adelheid hatte in einem nahen Bach ihre Taschentücher ange­feuchtet und Consuelo begann nun recht behutsam die Stirnwunde des Verletzten zu kühlen. Die Blutung hörte denn auch bald auf. Me kalten Kompressen hatten aber den Bewußtlosen wieder zu sich gebracht.

(Fortsetzung folgt.)

Blättern und Gräsern hingen. Consuelo trat jetzt mit Adelheid den Rückweg an; nur well die Lust so er­quickend und angenehm war, machten fie den kleinen Umweg durch den Buchenwald. Ein wahrhaft balsamischer Duft, wie ihn die Pflanzenwelt nach einem Gewitter auszuströmen pflegt, empfing sie, als fie den wohlgevflegten Weg durch das Gehölz be- traten. Adelheid wäre gar zu gern zwischen das feuchte Unterholz gelaufen, um Blumen zu einem Strauße zu sammeln. Denn Fingerhut, Glockenblume, Königskerze, Rittersporn und wie die Kinder Floras alle beißen, lugten und lockten dort in sommerlicher Pracht zwischen dem dunklen Grün hervor. Aber Consuelo legte hiergegen ein entschiedenes Veto ein; fie solle sich keine naffen Füßchen und Kleidchen und Röckchen dort holen. Und

Schadenfreude sind bie Haupttriebfebern in ber Wahlarbeit unb roieber ist es bie katholische Partei, bie barunter am meisten zu leiben hat!

So traurig inbeffen ber Anblick von aliebem ist, wir haben keinen Grunb, barob kleinmütig zu werben. Es waren ein paar arme ver­achtete Männer, bie am Pfingstfeste in Jerusalem versammelt waren; sie haben mit ber Kraft bes heiligen Geistes bie Welt erobert. Daß sie Slnfeinbungen schwerster Art erleiden würden, hatte der Herr ihnen vorausgesagt. Wir dürfen uns also weiter nicht wundern, wenn das Werk des heiligen Geistes noch nicht vollendet ist, ja manchmal rückwärts zu gehen scheint. Der Geist der Wahrheit und ber Liebe ist doch unüber­windlich. Die Weltgeschichte geht im Zickzack vorwärts; mit dem Christentum ist es nicht anders. Auf trübe Zeiten folgen Zeiten des Sonnenscheins, auf Rückschritte um fo größere Fortschritte und das Gesamtergebnis bleibt schließ­lich ein Forschrift.

Nach der Pfingstpredigt des Apostels Petrus fragten die ergriffenen Zuhörer: Männer, Brüder, was sollen wir tun?" Darauf kommt es an, daß jeder roiffe, was er zu tun hat. Wenn dann jeder feine Pflicht tut, fo arbeitet er mit am Werke des hl. Geistes, fo bescheiden auch jeweils seine Stellung unb fein Beruf fein mag. An bem Wissen von bem, was zu tun ist, mangelt es bei uns Katholiken im allgemeinen ja wohl nicht. Wenn nur auch danach gehandelt würde. Aber da haben wir leider vielfach mit Lauheit, Gleichgültigkeit, Nachlässigkeit. Bequem­lichkeit manchmal auch mit Eigensucht und Menschenfurcht zu kämpfen. Wir wollen hier keine Predigt halten und von ben religiösen Pflichten reden. Das ist nicht unsere Aufgabe. Aber von den weltlichen Pflichten, den politischen und sozialen müssen wir reden. Angesichts der Wahlen tritt die Mahnung zur Pflichterfüllung ganz besonders ernst an alle heran, nicht blos an die Männer, sondern auch an bie Frauen. Wie bie Dinge bei uns liegen, barf man ruhig behaupten, daß auch das Wählen eine Handlung mit religiösem Charakter ist, nicht blos insofern als all unser Werk in Gott und Gott zu Ehren getan sein soll, sondern weil es sich hier direkt um die Erzeugung unb Verteibigung des Glaubens und besChristentums hanbelt. „Männer, Brüber, was sollen wir tun?"

W Zum pfingstfeste.

Das Pfingstwunber von Jerusalem ist das Gegenstück zu ber Sprachenverwirrung von Babel. Die gottentfrembete Menschheit verstand einander nicht mehr; die vom heiligen Geiste erfüllten Apostel redeten in verschiedenen Sprachen, so daß „gottesfürchtige Männer aus allerlei Völkern die unter dem Himmel sind" jeder sie in seiner Sprache reden hörte. Der heilige Geist ist der Geist der Wahrheit und der Liebe. Seine Sprache ist jedem verständlich, der hören will. Die heilige Schrift fagt von ihm, er erfülle ben Erbkreis unb habe das Antlitz ber Erbe erneuert. Das ist wahr und durch die Geschichte der Kirche bezeugt, soweit der christliche Glaube gedrungen ist. Und doch, sieht es nicht aus, als ob eine neue Sprachen­verwirrung herrsche? Wir verstehen einander nicht mehr, hat schon mancher edle Mann geseufzt, wenn er all ben Hader auf allen Gebieten sah und die Vergeblichkeit seines Bemühens um eine Verständigung.

Nicht einmal über Dinge des Glaubens und des Christentums kann man sich verständigen; ja über diese am allerwenigsten. Es gibt sogar förmliche Organisationen, bie sich bie Hinter­treibung jeber Verstänbigung zur Aufgabe ge­macht haben und systematisch darauf hinarbeiten, den Frieden unter den Christen zu stören, dabei aber keine Scheu tragen, sich für ihr Treiben auf den „Geist des Friedens", zu berufen. Weite Kreise der Bevölkerung in allen christlichen Ländern sind schon dahin gelangt, daß sie oen hl. Geist und sein Werk überhaupt leugnen und die Wahr­heit, die er gelehrt hat, als Lüge und Aber­glauben verspotten und verfolgen. Nehmen wir dazu die tausend Fragen auf andern Lebensge­bieten, in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft usw. in denen die Menschen sich nicht mehr verstehen, sondern einander bitter befehden, fo möchte man wirklich glauben, daß wir wieder bei der baby­lonischen Verwirrung angelangt feien.

Bei uns in Deutschland ist in diesen Tagen des Pfingstfestes die „Sprachverwirrung" noch weit ärger als gewöhnlich, weil die Wahlen be­vorstehen und das Chaos vermehrt haben. Wie wenig ist doch da von dem Geiste der Wahrheit und Siebe zu merken, der den Erdkreis erfüllt. Nicht mit der Wahrheit, sondern mit Lüge, Ver­leumdung und Verdächtigung wird da gearbeitet. Es ist sogar sprichwörtlich geworden, daß nie­mals mehr gelogen werde, als vor einer Wahl. Am meisten haben die Katholiken und die Zen­trumspartei darunter zu leiden, wohl weil sie die Wahrheit haben und eine Partei für Wahrheit bilden. Und ber Geist ber Liebe? Schon bie Unwahrhaftigkeit mit ber im Wahlkampfe ge­fochten wirb, zeigt ja, wie wenig Liebe ba zu finden ist. Haß, Neid, Rachsucht, Eifersucht,

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Blitz unmittelbar folgten, ließen schlimmes befürchten. Klara, die Tochter der Frau Harten, kauerte ängst­lich in einer lecke des Zimmers und kreischte laut auf, wenn ein heftiger Donnerschlag die Lu't erschüt­terte.

„Ja, so tut sie immer bei einem Gewitter," sagte ihre Mutter, „ich habe ihr schon so oft geklagt, daß sich auch in dem Toben der Elemente die Größe und Majestät Gottes offenbare, und daß wir, wenn wir ein gutes Gewissen in der Brust tragen, die Boten Gottes nicht zu fürchten brauchten."

Die frommen Worte berührten Consuelo angenehm und steigerten die Verehrung, bie fie für die Dulderin hegte.

„Ja, Klara, Ihre Mutter hat Recht; fetzen Sie fich zu uns, wir wollen lieber ein wenig beten."

Inzwischen ließ das Gewitter nach, ein wohl­tuender Regen erquickte die dürre Frucht auf Feld und Flur und nach Verlaus einer halben Stunde zeigte die Sonne wieder ihr strahlendes Antlitz und spiegelte fich in den Millionen von Tropfen, bie an