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Anzeigen: Vie tin- spaltig« petitztiie obtr deren Baum 15 Pfg. BeNamen die Petitzeiit 25 pfg.; bei Wieder­holungen eitb enrspr. Babatt gewahrt.

Druck und Verlag der Sulbaer Actiendruckerek in Zulba (Harmonie). Zernsprecher Nr. 9.

flllda, Freitag, bett 29. Mai 1903.

M 121.

30. Jahrgang.

** Die neueste „ultramontane Gefahr".

Die Zeitungsmeldung, daß die neugeweihten katholischen Geistlichen in der Breslauer und an­deren Diözesen einen sechswöchigen Kursus an einem preußischen Lehrerseminar durchzumachen haben, damit sie Einblick in den Unterrichtsbetrieb der Volksschulen gewännen, und so der Agitation gegen die geistliche Schulaufsicht der Boden ent­zogen werde, hat sofort die liberalen und „ortho­doxen" Zionswächter auf die Mauern gerufen.

" Die „liberale" ,Voss. Ztg/, die immer eine schlotternde Angst vor der „Reaktion* und der „finsteren Orthodoxie" hat, erkennt alsbald, daß es sich hier um eine „ftitte Arbeit" handele, die dem gleichen Ziele diene, wie die kecken und ge­waltsamen Vorstöße der eccleaia militans. Die sechswöchigen Kurse seien nur das Feigenblatt, das die ultramontanen Ansprüche auf die Herr­schaft über die Volksschule wenigstens etwas ver­bergen solle. In sechs Wochen könne man von der Pädagogik nicht genug lernen, um geeigneter Schulinspektor zu werden. Es komme den Ultra­montanen auch weniger darauf an, geeignete Schulinspektoren zu erhalten, als die Schulauf­sicht ganz in die Hand der Geistlichkeit zu bringen. Leider fei ihnen die Schulverwaltung schon auf halbem Wege entgegengekommen u. s. w. Daß ein liberales Blatt so redet, kann uns ja am Ende nicht wundern. Aber der „christliche" ^Reichsbote' springt ihm bei. Die Erwartung, daß durch die getroffene Aenderung der Agi­tation gegen die geistliche Schulaufsicht der Boden entzogen werde, sei etwas sehr optimistisch. Den Mangel einer wirklichen Fachbildung könne doch diese geringe Bekanntmachung mit dem Betriebe des Unterrichts bei den katholischen Geistlichen so wenig ausgleichen wie bei den evangelischen.

Der ,Reichsbote' will sonst ein Anhänger der christlichen Volksschule und der christlichen Schul­aufsicht sein. Für die evangelischen Geistlichen besteht bereits seit mehreren Jahren die Vor- lschrfft des sechswöchigen Kursus an einem Lehrer­seminar. Die ,Kreuzztg.' nimmt wohlwollend an, der ,Reichsbote* habe mit seiner Bemerkung nicht die geistliche Schulaufsicht überhaupt verurteilen, sondern nur für die Verlängerung der Zeit, welche die Geistlichen beider Bekenntnisse an Lehrer­seminaren zubringen müssen, die Notwendigkeit darlegen wollen. Ach nein, der ,Reichsbote' hat nur den „Römlingen" Eins versetzen wollen und in seinem blinden Haffe nicht bemerkt, daß er auch die protestantischen geistlichen Schulinspektoren treffe. Das wackere Blatt möchte wie nur der verbissenste Liberale die katholischen Geistlichen aus der Schule verdrängen jund es ärgert sich, daß durch die neue Anordnung diesem Streben der Vorwand genommen wird. Darum erklärt

Consuelos Schicksale.

Novelle von Marg. Schlichter.

20 (Nachdruck verboten.)

ConsueloS Großeltern standen noch lange unter dem erschütternden Eindruck, den die Entdeckung von der Unschuld ihres Sohnes auf sie gemacht hatte. Consuelo mußte immer und immer wieder berichten, was von dem Leben ihres Vaters in Mexiko ihrem Gedächtnisse noch vorschwebte, und es war ihnen ein kleiner Trost, zu hören, daß er drüben wenigstens keinen Mangel gelitten hatte. Es begann nun eine Zeit für das junge Mädchen, wie es solche seit den Tagen ihrer frühesten Kindheit, wo sie von der Liebe und Zärtlichkeit ihrer Eltern behütet ward, nicht mehr gekannt hatte. „Ihr verwöhnt mich ja," pflegte sie zu sagen, wenn die Großeltern ihr wieder eine neue freudige Ueberraschung bereitet hatten. Einmal bei einer gemeinschaftlichen Fahrt mit ihren Großeltern und Adelheid bat sie den Kutscher, ihr die Zügel zu überlassen, und fortan übte sie sich ein, die Pferde zu kutschieren, was ihr eine ungemeine Freude verursachte. Kurze Zeit darauf, als sie wieder ausfahren wollten, stand ein reizendes Korbwägelchen mit zwei hell­braunen Ponnies geschirrt vor der Freitreppe des Schloßes. Consuelo blickte fragend bald ihre Groß­eltern, bald das Gefährt an. Der Baron weidete sich an ihrem Erstaunen.

„Ein nettes Fahrzeug, nicht wahr, liebes Kind?" „Es ist reizend, aber ich habe ja gar keinen Besuch gesehen, der in dem Wägelchen gekommen sein könnte."

„Nun, das glaube ich wohl, das Wägelchen mit den Ponnies ist für Dich bestimmt und Du kannst jetzt täglich damit kutschieren, soviel Du dazu Lust hast "

Consuelo dankte mit einem herzlichen Kuß und meinte, sie komme sich vor, wie eine Märchenprinzessin, deren Wünsche erfüllt würden, noch ehe sie dieselben geäußert.

es barsch: sechs Wochen reichen durchaus nicht hin, um den Betrieb des Unterrichts ausreichend kennen zu lernen. Daß sie bei den protestantischen Geistlichen hinreichen, kam ihm nicht zum Be- wußffein. Er war in dem Glauben, deren pädagogische Vorbildungszeit dauere länger. Wollte der ,Reichsbote' nur sagen, die Zeit müsse für die Geistlichen beider Konfessionen verlängert werden, so hätte er sich deutlicher ausdrücken müssen.

Daß bei der durch die Bischöfe getroffenen Anordnung von einem „ultramontanen Vorstoße" nicht die Rede sein kann, liegt auf der Hand. Wenn man bisher gegen die Geistlichen als Schulinspektoren eingewandt hat, sie hätten nicht die nötige pädagogische Vorbildung, so mußte man es doch anerkennen, daß diesem Mangel (der übrigens in dem behaupteten Maße gar nicht bestand, da die jungen Theologen auch Unterricht in der Pädagogik erhalten) nunmehr abgeholfen werden soll. In Wahrheit nehmen unsere Liberalen aber gar nicht Anstoß an dem Mangel pädagogischer Kenntnisse. Oder haben sie sich zur Zeit des Kulturkampfes etwa daran gestoßen, daß die Ortsschulaufsicht Apothekern, Gemeindevorstehern, Oberförstern und allen mög­lichen nichtpädagogisch vorgebildeten Leuten über­tragen wurde? Sie wollen lediglich den Geist­lichen nicht in der Schule haben, und wenn er ein pädagogischer Fachmann ersten Ranges wäre. Die ganze Schulaufsicht soll verweltlicht werden.

Und so ist es im letzten Grunde die christ­liche Schule, gegen die man anstürmt. Was man da „klerikale Herrschaft über die Schule" nennt, ist nichts anderes als der christliche Geist der Schule. Wenn man erst den Geistlichen ganz aus der Schule herausgebracht hätte, würde man auch darangehen, den Unterricht zu verweltlichen und jedes religiösen und christ­lichen Charakters zu entkleiden. Die beffere pädagogische Vorbildung der Geistlichen erschwert deren Verdrängung aus der Schule und damit Erreichung des „Endzieles". Hine illae irae.

Bitter bemerkt die ,Kreuzztg.: „Hoffentlich haben sich die konfessionellen Gegensätze nicht so weit zugespitzt, daß die Kreise,' die neuerdings die Bewegung gegen die Aufhebung des § 2 des Jesuitengesetzes ins Leben gerufen oder unter­stützt haben, im Hinblick auf den Kopp'schen Erlaß nunmehr auch die geistliche Schulaufsicht grundsätzlich bekämpfen." Wir halten diese Leute zu allem fähig. Es ist sehr leicht möglich, daß sie hinter dem Erlasse eine „ultramontane Ge­fahr" und ein „Jesuitenstückchen" sehen und nun einen neuen Entrüstungssturm zum Schutze des „Evangeliums" gegen die „furchtbare Macht Roms" und zum Schutze des „konfeffionellen Friedens" ins Werk setzen. Es ist doch für sie eine Kleinigkeit, alle Schlechtigkeit der Jesuiten mit dem Erlasse in Verbindung zu bringen und zu „beweisen," daß unsere Schule durch das jesuitische Gift zu Grunde gerichtet werden solle. Ob dabei die geistliche Schulaufsicht selbst zu Schaden käme, wäre ihnen gleichgiltig. Sind doch gerade unter den evangelischen Bündlern

Der Freiherr hatte seinen Rentmeister zur Haupt­stadt geschickt, um das zierliche Fuhrwerk zu kaufen. Dieser schien übrigens von dem Auftrage nicht sehr erbaut; er zeigte vielmehr der Enkelin seines Herrn stets eine finstere, unfreundliche Miene, und wich ihr auS, wo er nur konnte. Er war aber wohl der einzige Bewohner des Schlosses und des Dorfes Schwarzburg, der sich nicht über die Wendung der Dinge gefreut hätte. So war z. B. Consuelo am Tage nach den oben genannten Ereignissen auf ihrem Zimmer, als es an die Tür klopfte und auf ihr „Herein" das alte freundliche Gesicht der Haushälterin zum Vorschein kam. „Störe ich nicht, gnädiges Fräulein?"

„Nein, gewiß nicht; treten sie näher."

„Ach, ich wollte Ihnen nur sagen, wie sehr wir nnS alle freuen, daß sie die Tochter des guten Barons Clemens find. Jedermann mochte ihn gern leiden und niemand begriff, weshalb et damals so plötzlich von hier fort mußte. Wir hatten immer noch gehofft, er werde wiederkommen, er hatte doch weit und breit keinen Feind, es müßte denn sein egener Bruder ge­wesen sein. Wissen Sie, ich habe mir damals meine eigenen Gedanken gemacht. Aber leid hat er uns allen getan; er war ja so freundlich und leutselig. Als er das letztemal aus seiner Residenz in seiner schönen Uniform hierher zu Besuch kam, ach wie stattlich und hübsch sah er da aus! Er selbst kam zu mir in die Speisekammer. „Guten Tag, Anna; nun, wie geht's? Gelt, aus dem kleinen Schlingel, den Deine süßen Spenden so oft beglückten, ist jetzt ein großer Junge geworden, dem eine gute Havanna besser mundet als früher Deine Mandeln und Rosinen; ober ich bin Dir doch noch gut und wollte es Dir gern in etwa beweisen. Sieh' her, gefällt Dir das?"

Und die Alte zeigte bei diesen Worten Consuelo ein schönes Gebetbuch mit Goldschnitt, welches ihr der junge Leutnant damals mitgebracht hatte.

„Sehen Sie, das hatte er von seinem Taschengelde für mich gekauft. Ach ich habe eS so in Ehren gehalten; anfangs habe ich es öfter mit in die Kirche genommen, aber ich mußte immer meinen, wenn ich daraus beten

und ihren Affiliierten genug Leute, die religiös­liberal oder nihilistisch gesinnt sind. Die Unter« ricktsverwaltung würde voraussichtlich vor einer solchen „Bewegung" nicht fo ängstlich zurück­weichen, wie verschiedene Bundesregierungen vor dem Jesuitenrummel zurückgewichen sind. Vie - leicht würde fit es aber zu beklagen haben, daß sie sich noch immer nicht dazu hat ermannen können, der christlichen Schule durch ein Schul­gesetz eine feste Unterlage zu geben.

Berlin, den 28. Mai 1903.

* Der ,Staatsanzeiger' veröffentlicht das Ge­setz betr. den weiteren Erwerb von Eisen­bahnen für den Staat, nämlich der Marien- burg-Mlawkaer, Altdamm-Kolberger, Stargard- Küstriner, Kiel-Eckernsörde-Flensburger und der Dortmund-Gronau-Enscheder Eisenbahn, sowie das Gesetz betreffend den Erwerb des ostpreußi­schen Südbahnunternehmens für den Staat, das mit dem Tage der Verkündigung in Kraft tritt, und den Vertrag betr. Uebergang dieses Unter­nehmens auf den Staat.

** Die amtliche Ausgabe der „Jahres­berichte der preußischen Regierungs- und Gewerberäte und Bergbehörden für 1902" ist in R. von Deckers Verlag erschienen. Die Berichte enthalten auch diesmal mancherlei Mitteilungen über die praktische Handhabung der Arbeiterschutzgesetzgebung und beachtens­werte, durch Beschreibungen und Skizzen näher erläuterte Vorschläge für Unfallverhütung und der Bekämpfung gewerblicher Krankheiten sowie auch für weitere Kreise intereffante Mitteilungen aus dem Gebiete der Arbeiterwohlfahrtsein­richtungen. Der Ladenpreis des 47 Druckbogen umfaffenden Werks beträgt für den gehefteten Abdruck 6 Mk. 41 Pfg. und für den in Ganz­leinen gebundenen Abdruck 7 Mk. 11 Pfg.

** Wie aus Marinekreisen verlautet, beab- sichttgen die Bereinigte« Staaten zur Er­öffnung der St. Louis-Weltausstellung im Mai 1904 auf der Hampton-Reede bei Newport News eine große Flottendemonstration zu veranstalten, zu der die auswärtiaen Mächte ein­geladen werden sollen. Die amtliche Einladung steht noch aus, inoffiziell ist jedoch das deutsche Marineamt bereits davon verständigt worden. Wie es heißt, wird Deutschland durch ein Geschwader auserlesener Schiffe vertreten fein. Eine gleiche internationale Flottenparade fand 1893 gelegentlich der Chicagoer Weltausstellung im New-Porker Hafen statt.

** Wegen der sozialdemokratischen Ge­heimorganisation, die nach den Behauptungen des srüheren Sozialdemokraten Fricke bestehen soll, läßt die Antisozialdemokratische Korrespon­denz, deren Herausgeber Max Lorenz gleichfalls früher Sozialdemokrat war, nicht locker. Sie

wollte. Ich dachte dann an den lieben jungen Baron, der nun vielleicht elend und unglücklich in der Welt umherirrte, und darum verschloß ich es in meine Kommode; jetzt will ich es aber wieder öfter gebrauchen."

Consuelo war ganz gerührt über die Worte der alten treuen Seele, sie reichte ihr die Hand und bat sie, ihr doch öfters etwas von ihrem lieben seligen Papa zu erzählen, den sie so früh verloren. Die alte Dienerin übertrug von dieser Stunde an die treue Anhänglichkeit, die sie dem Baron Clemens stets be­wahrt, auf dessen Tochter.

Eines Nachmittags, es war im Juni und sehr warm, bat die Baronin Consuelo, ins Dorf zu der alten Frau Harten zu gehen und ihr einige Er­frischungen zu bringen. Consuelo machte sich in Be­gleitung der kleinen Adelheid auf den Weg. Als sie über den Hof an der Wohnung des Rentmeisters kamen, hörten sie aus dem geöffneten Fenster einen lauten Wortwechsel. Unwillkürlich hemmte Consuelo ihren Schritt, sie erkannte die Stimme des Rent­meisters, dessen Worte ihre Aufmerksamkeit erregten.

„Ich sage Euch nochmals, Althövel, es nutzt nichts, Euch an den Baron zu wenden; er will mit Leuten Eures Schlages nichts zu tun haben. Faules Gesindel seid Ihr und verdient es, daß man Euch den Stuhl vor die Tür setzt. Es ist mein letztes Wort, wenn Ihr die Pacht in drei Tagen nicht bezahlt habt, so müßt Ihr vom Hof herunter, und könnt Euch ein anderes Feld für Eure Mißwirtschaft suchen."

„Was sagt Ihr? Faules Gesindel? Mißwirt­schaft? Ach, Herr, Ihr kennt das Elend nicht, das bei uns zu Hause ist, oder vielmehr, Ihr wollt es nicht kennen. Ihr wißt es recht gut, daß mein armes Weib seit drei Monaten auf dem Krankenlager liegt, und daß drei meiner Kinder nach einander schwer krank waren; das vierte starb vor Mangel an guter Pflege. Jeden sauer verdienten Groschen muß ich für Arznei ausgeben, daher fehlt es überall am Nötigsten. Aber das kümmert Euch nicht, Ihr habt kein Herz für solche Not. Aber heute noch will ichs dem Herrn Baron sagen; ich bin sicher, wenn er alles wüßte,

behauptet, die Beweise für das Bestehen einev solchen Organisation in Händen zu haben und fordert die Genoffen Dr. Gradnauer, Dr. Süde- kum, Fleißner und Sindermann, die Redakteure sozialdemokratischer Zeitungen, die die Existenz der Geheimorganisation bestritten haben, persön­lich auf, nochmals wörtlich die ableugnenden Er­klärungen ihrer Blätter zu bekräftigen. Mon darf auf die Antwort gespannt sein. Ein Grund, der Aufforderung nicht zu entsprechen, ist nicht erfindlich. Es würde im Gegenteil im Interesse der Sozialdemokratie liegen, ihr nachzukommen, wenn man es nämlich kann. Suchen die Herren sich in Redensarten oder Schimpfereien an einer klaren Antwort vorbeizudrücken, so ist das min­destens verdächtig.

** Von einer Erbschaft Bebels wurde dieser Tage berichtet. Die,Leipz. Volksztg/ weiß nun über die Sache folgendes Nähere zu erzählen: Bebel erhielt die Nachricht von der ihm zugedachten Erbschaft erst vor einigen Tagen zugestellt, be­gleitet von der in sranzösischer Sprache abgesaßten Willensmeinung des Verstorbenen. Dieser er­klärt darin, er legiere 10 000 Franken an Herrn Bebel, nicht weil er einer der Führer der sozia­listischen Partei, sondern ein Freund der Wahr­heit fei, weil Bebel den Mut habe, alle Zeit zu sagen wie er denkt, so weit ihm dies erlaubt sei und wenn er glaube, daß dieses die Wahr­heit sei, weil Bebel mit ihm (dem Erblasser) in dem auf die Spitze getriebenen Militarismus das stärkste Hindernis der Entwicklung der Mensch­heit sehe, das entweder damit endigen werde, das kontinentale Europa zum Nutzen Englands und Nordamerikas zu Grunde zu richten ober zu einem schrecklichen Siege führe, den zu verhüten die Aufgabe jedes Menfchenfreundes sein müsse. Im weiteren, führt der Erblasser aus, sei er auch zu dem Legat veranlaßt worden, weil Bebel wiederholt den Mut gehabt zu erklären, daß das einzige Heilmittel, diese verfahrene Situation ins Gleichgewicht zu bringen, eine Verständigung zwischen Deutschland und Frank­reich in bezug auf Elsaß-Lothringen sei, daß wenn diese beiden ersten Kulturnationen des europäischen Kontinents fick verständigt hätten, für beide Länder eine Periode innerer Wohlfahrt beginne und der Friede der Welt gesichert fei. — Der Erblasser hält es auch für angemeffen, in dem Schriftstück zu erklären, daß Bebel von dem Legat keine Kenntnis habe. Das Testament ist am 6. März 1900 ausgestellt, als der Erb­lasser bereits im 84. Lebensjahre stand.

** Ein Teil der Tagespreffe hat sich in letzter Zeit mehrfach mit der Behandlung des Prinzen Prosper von Arenberg im Justizgefängnisse zu Hannover beschäftigt und dabei auch mit­geteilt, daß die Entlassung desselben aus der Strafhaft und die Ueberführung desselben in die maison de eante zu Schöneberg unmittelbar bevorstehe. Die ,Nocdd. Allg. Ztg.' schreibt nun in dieser Angelegenheit: „Prinz Prosper von Arenberg, der in Hannover eine Gefängnisstrafe von 15 Jahren verbüßt, ist durch Beschluß des Amtsgerichtes daselbst vom 20. März ds. Js.

so würde er uns nicht von der Scholle vertreiben, auf der wir stets ehrlich und redlich das unfrige ge­tan haben. Dreimal habe ich zu ihm gewollt, ober Ihr habt es jedesmal verhindert; heute lasse ich mich nicht durch Euch abweisen. Wenn der Herr Baron nicht zu Hause ist, wie Ihr sagt, so werde ich warten, bis er kommt, falls JhrnichtvonEuremBorhaben absteht."

„Es bleibt bei meinem Wort und ich sags noch­mals, der Baron ist für solch Lumpenpack, für solche Tagediebe nicht zu sprechen."

„Lumpenpack, Tagediebe! sagt Ihr? Sprecht das Wort nicht nech einmal aus, oder es gibt ein Unglück. Weil Ihr mich einmal schlafend beim Holzfällen träfet, nachdem ich drei Nächte bei meinem kranken Weibe gewacht hatte, glaubt Ihr das Recht zu haben, mich einen Faullenzer zu schelten. Ich habe stets mich und die Meinigen —"

Weiter kam er nicht; Consuelo, deren Anklopfen die laute Rede übertönt hatte, stand auf der Schwelle. Bestürzt blickte der Rentmeister auf die unwillkommene Zeugin dieser Szenen, während der andere, ein ärm­lich aber reinlich gekleideter Landmann, verlegen da­stand, seine Mütze in der Hand hin-und herschiebend. Es glitt aber doch etwas wie ein Hoffnungsstrahl über sein verhärmtes Gesicht, als er das junge Mäd­chen plötzlich sah.

„Ihr wolltet meinen Großvater sprechen?" wandte sich Consuelo an ihn.

„Ja, gnädiges Fräulein; wir find in so grenzen­loser Not, und da will uns der Rentmeister von Haus und Hof verjagen, weil wir die Pacht noch nichr be­zahlen konnten."

„Schon gut, ich habe einen Teil Eurer Worte gehört und will mit meinem Großvater darüber sprechen. Er ist leider jetzt nickt zu Hause. Wenn sich aber alles so verhält, wie Ihr sagtet, so gebe ich Euch mein Wort daraus, daß er Euch unbehelligt aus dem Hofe lassen wird. Kommt nur morgen wieder hierher und holt Euch Bescheid. Adelheid, führe den Mann zu Mamsell Anna und sage ihr, ich ließe fi- bitten, ihm eine Erfrischung zu geben.