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30. Jahrgang.

Fulda, Donnerstag, den 28. Mai 1903.

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(Nachdruck verboten.)

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In Veutscsies Reich,

jungen Mannes in die Offizierslaufbahn ent­scheiden. Was würde daraus geworden fein, wenn man diesen „schneidigen" Menschen als Offizier auf die Mannschaften losgelasien hätte? Und man hätte es aller Wahrscheinlichkeit nach getan, wenn er sich nicht so frivol ins Unglück gestürzt hätte.

Sodann muß auch bei der Erzrehung und der Belehrung des Offiziersnachwuchses über seine Rechte und Pflichten nicht alles in Ordnung sein. Hüssener ist verurteilt worden, wegen vor­sätzlicher Mißhandlung, unbefugten Waffenge­brauchs und Ungehorsams gegen die Dienstvor­schriften. Der Gerichtshof hat aber angenommen, daß er sich in gutem Glauben befunden habe. Die Aussagen des Angeklagten, womit er sein Verhalten glaubte rechtfertigen zu können, finden nach der Erklärung des Gerichtshofes „keinerlei Unterstützung in der Instruktion". Wenn dennoch der gute Glaube bei ihm angenommen wurde, so ist damit gesagt, er habe die Instruktion nicht hinreichend gekannt. Jeder gewöhnliche Soldat, der auf Posten zieht, muß ganz genau seine Rechte und Pflichten insbesondere in bezug auf den Gebrauch der Waffen kennen, und das ist keine Kleinigkeit. Ein Fähnrich, der, wie Hüffener, bereits das Offigiersexamen bestanden hat, also jeden Tag Offizier werden kann, sollte aber doch erst recht genau wissen, was die Instruktion über seine Rechte als Vorgesetzter und über den Waffengebrauch sagt. War Hüssener so unbegabt, um die Instruktion richtig erfassen zu können, wie konnte er dann das Offiziersexamen be­stehen?

Aus dem Verhandlungsberichte gewrnnt man den Eindruck, als ob es in dieser Hinsicht beim Unterrichte gemangelt hat. Es scheinen dem See­kadetten die Vorschriften nicht ausreichend er­läutert und eingeprägt worden zu sein. Es ist offenbar nicht Hüssener allein, der eine fatsche Auffassung davon gewonnen hat. Zum Teil scheint er erst nachträglich von den Vorschriften Kenntnis erhalten zu haben. Da mag nun noch so sehr versichert werden, es fei alles instruiert worden urd davon, was Hüssener sälschlich gehört haben will, fei nichts gesagt worden, es bleibt doch der Eindruck r entweder war der Unterricht ungenügend oder die Vorschriften ermangelnder nötigen Klarheit und Ausführlichkeit.

Weiter erscheint die Erziehung der jungen Seeleute auch eine falsche Schneidigkeit und einen falschen Ehrbegriff zu fördern, oder die Erzieher geben nicht genug acht, daß die Kadetten unter­einander nicht die falsche Schneidigkeit und den mißverstandenen Ehrbegriff pflegen. Man ent­nimmt aus der Verhandlung, daß die jungen Leute beim Antritt des Urlaubs doch so eine Art Verabredung getroffen haben, recht schneidig auf die ihnen zukommende Ehrenbezeugung zu drängen, und daß der Begriff der Standesehre bei ihnen teilweise schon bis zur Karrikatur ausgebildet ist. Hüffener berief sich zu seiner Verteidigung auf einen Fall, der ihnen in der Instruktion vorge­tragen worden war, und der ihn zu feiner Schnei­digkeit angetrieben habe und sprach von seiner

Langsam, von häufigen Tränen unterbrochen, hatte Consuelo den Brief ihres Vaters vorgelesen; nur ab und zu drang dazwischen das unterdrückte Schluchzen ihrer Großmutter Keine von ihnen batte auf die Baronin Albert geachtet, welche regung-los an die Wand gelehnt das Schreiben von Anfang bis zu Ende angehört hatte. Ein dumpfer Laut ließ die beiden aufblicken und im selben Augenblick lag die Baronin ohnmächtig am Boden. Consuelo umpfing sie mit ihren Armen, während ihre Großmutter die Schläfen der Besinnungslosen mit kaltem Wasser feuchtete. ES dauerte denn auch nicht lange, bis sie wieder zu sich kam.

„O Gott, wie schrecklich, mein Gatte ein Bruder­mörder ! Er ist's, der Clemens vernichtet hat. Aus seinem eigenen Munde habe ich's gehört, als das Furchtbare geschah, als Egon tot zu seinen Füsen lag, und sein Geist sich umnachtete. Was er damals sprach, das hat der Wahnsinn aus der Tiefe seiner Seele zu Tage gefördert. Was war die Unruhe, die ihn verzehrte, anders, als der stete Mahnruf seines schuldbeladenen Gewissens? Deshalb mußte Egon sterben, deshalb ist das Entsetzliche über meinen Gatten gekommen. O, es gibt einen gerechten Gott im Himmel! Und' heute Florentinens schnöde Handlung! Ist sie nicht ihres Vaters würdige Tochter? O, der Schande, die mich drückt! Könnte ich mich niederlegen und sterben, um allem Elend zu entgehen!"

„So darfst Du nicht sprechen meine Tochter. Dein Gatte ist auch unser Schn, und das Leid, das Dich beugt, hat es richt seil mehr als zwanzig Jahren unser Leben vergällt ? Unser Sohn und Deine Tochter, sie haben beide schwer gefehlt, ab-r trifft uns deshalb die Schuld? Selbst die beste Erziehung vermag den

Hang zum Bösen in der Brust des Menschen nicht zu ersticken und wehe, wenn er seine Leidenschaften die Oberhand gewinnen läßt! Und hast Du denn nur das eine Kind? Besitzest Du nicht in Adelheid einen Schatz, der jedes Mutterherz beglücken könnte.

„Für mich gibt es kein Glück mehr auf Erden. Aber laßt mich allein, daß ich mich mit meinem Schicksal abftnde. Gebe der Himmel, daß das Maß seiner Strafe jetzt erschöpft ist."

Langsam entfernte sich die schwer geprüfte Frau, sie, die stets so stolz auf ihre hohe Herkunft, auf die Vorrechte ihres Standes, ihr Ansehen und ihren Reichtum gepocht hatte, fühlte sich jetzt so unsäglich arm und geoemütigt. Einsam in ihrem Gemache stehend, richtete sie ihre brennenden, tränenlosen Augen zu den funkelnden Sternen am Abendhimmel, die still und friedlich die ihnen von ihrem Schöpfer gewiesenen Bahnen wandeln und sie sagte sich, daß ein reines, makelloses Leben alle Scheingüter dieser Welt weit übertreffe.

Unterdessen saß Consuelo allein in ihrem Zimmer, noch ganz im Banne der verschiedenen Eindrücke, welche in den letzten Stunden auf sie eingestürmt waren Ihre Großmutter hatte sich in den Salon begeben, um ihren Gattin auf die Enthüllungen, die ihm bevor­standen, vorzubereiten; Consuelo sollte ihr nach einiger Zeit folgen.

Baron Rudolf und der Freiherr hatten, nachdem die Damen aus dem Zimmer gegangen waren, sich eine Weile schweigend gegenüber gesessen, jeder mit seinen eigenen Gedanken beschäftigt; dann war Rudolf, dessen innere Erregung mit der ihn umgebenden Sülle so schlecht harmonierte, durch die offenstehende Balkontür iu den Garten gestürmt.

„Weshalb laste ich sie noch länger solchen In­sulten ausgesetzt? O, hätte ich doch schon das Recht, sie zu beschützen, meine süße, holde ^artha!" —

Tatsächlich hatte die Rücksicht auf die Trauer in der Schwarzburg'schen Familie ihn bisher abgehalten, um Consuelo zu werben.

Der alte Freiherr saß im Sopha, eine Zeitung

Lonsuelor Schicksale

Novelle von Marg. Schlichter.

„Offiziersehre", wiewohl er erst Fähnrich war. Bei gutartigem, ruhigem Charakter mag ja die Erziehung zur „Schneidigkeit" keine schlimmen Folgen haben, was sie aber bei zweifelhaften Charakteren für Folgen haben kann, das sehen wir eben am Fall Hüffener.

Hoffentlich sieht die Marineverwaltung den Fall mit der Verurteilung des Schuldigen nicht für erledigt an, sondern unterwirft die Erziehung des Nachwuchses und die geltenden Instruktionen einer sorgfältigen Prüfung und trifft Vorkehrungen gegen die Wiederholung eines so traurigen Falles.

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Verantwortlicher

»chriftleiter: L. Vehler

5.Ä?Ä*. wochenbeiiag-:„Illustrierte Sonntagszeitung

*. dum Prozeß hüffener.

Der Fähnrich Hüffener ist bei seinen Richtern 1 recht gnädig davongekommen. Während der i Staatsanwalt 6 Jahre Zuchthaus und Aus- ■ ftoßung aus der Marine beantragt hatte, erkannte i der Gerichtshof nur auf 4 Jahre Gefängnis und । Degradation. Auf Ausstoßung aus der Marine konnte er, nebenbei bemerkt, bei einer Gefängnis- i strafe von 4 Jahren nicht erkennen, da sie gesetz- ' lich nur möglich ist bei Gefängnisstrafe von fünf- 1 jähriger Dauer und bei Zuchthausstrafe. Wenn ' man bedenkt, daß man es mit einem unreifen jungen Menschen von zwanzig Jahren zu tun 1 hat wird man die Milde des Urteils trotz aller ' sittlichen Empörung über die frivole Tat Hüffeners nicht schelten. Die öffentliche Meinung kann sich, ' denken wir, zufrieden geben, zumal da einerseits prompte Justiz geübt worden ist, anderseits der ganze Prozeß sich in voller Oeffentlichkeit abge­spielt und nichts von den bedenklichen Erschei­nungen gezeitigt hat, die s. Zt. im Gumbinner Prozeß so viel Aufsehen erregten. Die Oeffent­lichkeit war die Marineverwaltung sich freilich auch selbst schuldig und diese kann daher nicht als besonderes Verdienst gebucht werden.

Wir sind nach wie vor bereit, den Fall Hüffener als einen Ausnahmefall und den blut­dürstigen Fähnrich als eine Einzelerscheinung gelten zu lassen. Wir schieben also das traurige Essener Vorkommnis nicht ohne weiteres dem „System" in die Schuhe. Noch weniger sind wir willens, mit dem .Vorwärts' zu behaupten, die Verurteilung Hüffeners sei eine Konzession an die erregte öffentliche Meinung, „um das System des Militarismus zu retten". Das würde heißen, Hüssener sei unschuldig verurteilt worden; er habe durchaus seiner Instruktion gemäß, also pflicht­gemäß gehandelt, man wolle das aber mit Rück­sicht auf die öffentliche Meinung nicht gestehen.

Von jeglicher Mitschuld können wir indes das „System" auch nicht freisprechen. Es ist schon früher bei dem Bekanntwerden der Charakter- sigenschaften und der Vergangenheit Hüffeners mit Erstaunen gefragt worden: wie konnte dieser zum Offizier möglichst ungeeignete junge Mensch nicht allein in die Marine hineinkommen, sondern sich auch darin halten? Nach den Zeugnissen, die über ihn in der Gerichtsverhandlung bekannt geworden sind, muß man die Frage mit doppelter ■Entschiedenheit wiederholen. Es konnte bei seinen Vorgesetzten doch kaum ein Zweifel be­stehen, daß dieser unbegabte, dünkelhafte, affektierte, aufgeregte, unangenehme junge Mensch zum Offizier nicht tauge. In einem seiner Führungs­attests wird das ja auch ziemlich unumwunden bekannt. Wenn er seine schlimmen Eigenschaften nicht ablege, heißt es da, sei er zum Offizier unbrauchbar. Konnte man wirklich noch die Hoffnung hegen, er werde sich ändern? Allem Anschein nach sind dieselben „Kräfte", die ihn in die Marine gebracht haben, auch wirksam ge­wesen, ihn darin länger zu halten, als er ver­diente. Man muß aber verlangen, daß nur die militärischen Interessen über die Aufnahme eines

Berlin, den 27. Mai 1903. i

** Wegen des Berliner Domes kann sich die Korrespondenz' des Evangelischen Bundes immer noch nicht beruhigen. Zwar das Stand- ' bild Karls V. muß sie fahren taffen, aber jetzt ' hat sie ein neues Unheil entdeckt, das dem Dome — beinahe zugestoßen wäre. Der Berliner Kirchenhistoriker und Archäologe Nikolaus Müller habe, so berichtet sie, in feinem Seminar eines , Tages erzählt, er habe die Modelle des Domes, die damals öffentlich ausgestellt waren, eingehend besichtigt und dabei entdeckt, daß über dem Haupt- portal Embleme und Wappen angebracht seien, die sich sonst nur auf Bauwerken des Jesuiten­ordens finden. Dazu bemerkt nun die .Deutsche Evangel. Korrespondenz': „Man lachte damals über die Geschichte, weil die kirchenpolitische Sage damals noch nicht so ernst sich gestaltet hatte, wie heute, und Baurat Raschdorf entschuldigte sich auf eine Vorstellung damit, daß er die Be­deutung der Embleme nicht gekannt habe und sie allgemein für altchristliche Symbole gehalten hätte. Warum sollte solche Unkenntnis sich nicht auch auf die historische Rolle Karls V. erstreckt haben?" Die Bernsung auf den „Ernst der kirchenpolitischen Sage" ist in diesem Zusammen­hänge einfach lächerlich. Man ärgert sich im Evangelischen Bunde, daß ein Katholik den Dom baut; das hört man deutlich heraus. Aber das war bei der Entrüstung über das Standbild Karls V. offenbar nicht der eigentliche Grund. Man wollte Mißtrauen und Erbitterung gegen eine höhere Stelle schüren. Nachdem die Bündler durch den Kaiser so scharf abgefertigt sind, fagt die Korrespondenz' zwar, jeder unbefangene Befer der Nachricht habe geglaubt, daß es sich nicht um eine höhere Direktion, sonders ausschließlich um eine Saune oder Fahrlässigkeit der künstlerischen Abteilung handle, aber der Särm und die Ent­rüstung verdienen doch etwas ganz anderes, als diese „unbefangene" Auffassung. Man scheint stark mit der Vergeßlichkeit der Befer zu rechnen.

% In einer Wähler-Versammlung in Hage­nau erklärte der Bezirkspräsident des Oberelfaß, Prinz Alexander von Hohenlohe - Schil­lingsfürst, der Sohn des verstorbenen Reichs- in der Hand; aber er hatte sich von dem Inhalt der­selben keine Rechenschaft zu geben gewußt; seine Ge- vanken, von der Gegenwart ausgehend, wanderten zu der Vergangenheit zurück, zu jenem Ereignis, welches das Glück seines Hauses gestört hatte. Wenn Fräulein Bruchhausen unschuldig war, was er nicht bezweifelte, obschon der Schein gegen sie zeugte, konnte es dann nicht auch sein Sohn gewesen s.in?

Leise trat seine Gattin ein und setzte sich zu ihm; er nahm aber erst Notiz von ihrer Gegenwart, als sie seine Hand in die ihrige nahm und ihm mit einem Blick, in dem sich Freude und Schmerz zugleich be­kundeten, in die Augen sah.

„Wie ist es mit dem Armband?" stieß er hastig hervor.

„Natürlich ist sie unschuldig, das Ganze ist eine erbat mliche Jntrigue Florentinens." Ein tiefer Seufzer war des Freiherrn einzige Antwort.

„Konrad, ich weiß, woran Du denkst; wie, wenn ich Dir beute beweisen könnte, daß Clemens damals unschuldig war?"

Es war das erste Mal, daß seit all den Jahren der Name zwischen ihnen genannt wurde. Der Freiherr zuck'e zusammen-

„O, wenn Du das könntest! Aber würde der Beweis seiner Unschuld nicht eine neue Quelle von Kummer und Schmerz für mich sein?"

„Got schick: uns kein unverschuldetes Leid ohne uns einen Engel des Trostes an die Seite zu stellen. Hast Du Dich in der Uebereitung an Deinem eigenen Kinde schwer versündigt, so hast Du auch schwer dafür büßen müssen. Clemens war unschuldig und Denjenigen, der die Schuld beging, hat die Hand des Herrn schwer getroffen. In unheilbarem Wahn­sinn bleibt sein Geist umnachtet, und in seinen schreck­lichen Phantasien steht immer die Vorstellung, daß die Rache des Himmels ihn verfolge, vor seiner Seele."

„So ist es Albert? O Gott, hat meine Ahnung sich bestätigt? Er laar m unserm Clemens stets so übel gesinnt. Aber wover weißt Du das alles? i Und sage mir das Eine, lebt Clemens noch?"

kcmzlers, dem ,Elsäffer' zufolge in feiner Kandi­datur - Rede, die Regierung müsse leider mit dem Zentrum gehen. Gern tue sie es nicht. Der jetzige Kanzler würde auf dem politi­schen Schachbrett sicher lieber mit einer großen liberalen Partei operieren, als mit den schwarzen Figuren. Etwas neues hat uns der Prinz damit kaum gesagt. Die ,Voff. Ztg.' meint, es sei doch „eine verwunderliche Politik, mit dem Zentrum zu gehen, wenn man mit den Siberalen gehen möchte." Das Blatt wird doch auch wohl wissen, daß zwischen „mögen" und „können" ein Unter­schied besteht. Die Siberalen „möchten" z. B. eine „große liberale Partei" bilden, aber sie „können" es nicht.

% Der „Direktor" des Bundes der Landwirte, Dr. Hahn, scheint zu dem Bunde kein rechtes Vertrauen mehr zu haben. Er gründet eine deutsch-nationale Partei. Dem Hannov. Cour.' wird aus Otterndorf vom 25. Mai berichtet, er fordere int dortigen Kreisblatt „alle Anhänger einer deuffch - nationalen Wirtschafts- Politik" zur Begründung eines „Wahlvereins der deuffch-nationalen Wähler" im 13. hannoverschen Wahlkreise auf.

** Der,Reichsanz.' meldet amtlich, daß dem Prinzen Ludwig von Savoyen-Aosta, Her­zog der Abruzzen, der Schwarze Adler- or'de n verliehen worden tst.

** Ein Majestätsbeleidignngsprozesi, der um deswillen noch besonderes Interesse ver­dient, weil er gegenüber anderwärts ergangenen Verurteilungen wegen derselben Sache mit einer Freisprechung endete, fand am Dienstag in Halle a. S. seine Erledigung. Ängeklagt war der bisherige sozialistische Reichstagsabgeordnete, ,Volksblatt'-Redakteur Thiele. Er hatte im Jahr 1900 in feinem Blatt unter der Rubrik „Heileres' einen „Scherz" abgedruckt, worin ein Gruben­besitzer nach einem schweren Grubenunglück feinen Betriebsleiter fragt, ob denn bestimmt alle Berg­leute im Schacht umgekommen seien, und erst bei der Bejahung IOC Mark Belohnung für die Rettung jedes Einzelnen öffentlich gebietet :.^,fo_ etwas mache sich sehr nett in der Oeffentlichkeit". Da der Artikel erschien zur Zeit des Boxer- aufstandes und der Erstürmung der Pekinger Botschaften, sah der Staatsanwalt eine Beziehung auf Kaiser Wilhelm darin und erhob Anklage. Thiele bestritt jede Absicht dieser Art, und auch der Verteidiger Rechtsanwalt Harmening-Jena meinte, es habe sich lediglich um eine Satire auf das wirtschaftliche Gebiet hinaus gehandelt. Der Staatsanwalt beantragte sechs Monate Ge­fängnis, die Strafkammer sprach ihn jedoch frei, da kein ausreichender Nachweis einer Majestäts- beleidigung erbracht sei. Der Redakteur der Magdeburger Voltsstimme' ist wegen desselben Artikels zu sechs Monaten, der Redakteur der .Erfurter Tribüne' zu einem Jahr Gefängnis verurteilt worden, was das Reichsgericht be­stätigte.

* Unfreiwillig ausgeschiedene Offiziere. Die Offiziere, welche unfreiwillig aus dem Heere geschieden, d. h. mit schlichtem Abschied ent-

„Nein, wir können an ihm nicht wieder gut machen, was wir an ihm gesündigt haben aber er hat uns fein Kind geschickt und es unserer Liebe empfohlen."

„Sein Kind, wo ist es? Laß es mich seben, -damit ich aus seinem Munde höre, daß Clemens mir verziehen hat."

In diesem Augenblick trat Consuelo ein und sank mit dem Ausruf „Mein Großvater!" zu seinen Füßen. Dieser hob das jungeMädchen auf und preßte es innig an sein- Brust.

Der starke Mann, der mit keiner Wimper gezuckt hatte, als er das Band zerriß, das ihn an seinen Sohn fesselte, er weinte seit jener Zeit die ersten Tränen, Tränen des Glückes und des Schmerzes zugleich. „Mein Kind, meine Enkelin," war alles, was er zu stammeln vermochte.

„Sie heißt Consuelo, lieber Konrad, Maria del Consuelo die Trösterin, als letztes Vermächtnis unleres armen Clemens nehmen wir sie an unser Herz und mit innigem Danke gegen Golt, der uns in ihr eine .zweite Tochter Maria geschenkt bar, damit sie die Stelle der ersten einnehmen und den Abend unseres Lebens verschöne."

Und nun erzällke te Baronin ausführlich, was sich zagetragen, wie die böse Absicht Florentinens solch einen guten Aus gang genommen und zu einer für sie so bedeutungsvollen Entdeckung geführt habe; auch die Mitteilung ihrer Schwiegertochter verschwieg sie nicht, wonach die Schuld Alberts so gut wie er­wiesen war. Nachdem Consuelo dem Freiherrn den Brief ihres Vaters überreicht hatte, nahm ihreGroß- muiter sie mit sich in den Garten. Ihr Gatte sollte ■ die Worte seines sterbenden Sohnes ohne Zeugen in sich aufnehmen, und tijr war es ein Bedürfnis, ; in der friedlichen Stille des herrlichen Sommer­abends das verlorene Gleichgewicht ihrer Seele I wiederzust den. Am Arme ihrer Enkelin wandelte > sie zwischen den duftenden Blumenbeeten und immer 1 wieder wußte sie sich sagen, daß dies junge, li bltche Geschöpf an ihrer Seite wirk'ub die Tochter ihres

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