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Druck unb Verlag der Zuldaer Actienbruckerei in Zulba (Harmonie). Zernsprecher ttr. 9.
flllda, Dienstag, den 26. Mai 1903.
M 118.
30. Jahrgang.
rhi penfions- und Reiittenversorgung der Privatbeamten.
Keine andere Frage ist für den Stand der Privatbeamten von solch grundlegender Bedeu- rung und keine ist den verschiedenen Berufs- gruppen innerhalb dieses Standes von einer solch gemeinsamen Bedeutung, als gerade diese Frage, die gegenwärtig von den meisten bestehenden Vereinigungen von Privatbeamten erwogen und auch von der Tagespresse warm besprochen und erörtert wird.
Den eigentlichen Anlaß für die Bewegung im deutschen Reich gab das Einbringen eines bezüglichen Gesetzentwurfes im österreichischen Abgeordnetenhause.
Am 1. Dezember 1901 traten dann auf eine Einladung des deutschen Gruben- und Fabrikbe- amten-Verbandes die Vertreter folgender Verbände in Hannover zusammen, um ein gemeinsames Vorgehen zu verabreden: der Verband katholischer kaufmännischer Vereinigungen, der Deutschnationale Handlungsgehilfen-Verband, der Verein für Handlungs-Kommis von 1858, der Verband deutscher Handlungsgehilfen, der Deutsche Privat-Beamten-Verein, der Deutsche Bankbeam- len-Verein, der Deutsche Techniker-Verband und der Verband technischer Grubenbeamten-Vereine im Oberbergamtsbezirk Dortmund.
Nach ausführlichen Erörterungen einigten sich die Versammelten auf folgende Entschließung:
Die versammelten Vertreter sind der Ueber- zeugung, daß eine Jnvaliditäts- und Altersversicherung, sowie Witwen- und Waisen-Ver- sorgung der Privatangestellten nötig ist, daß die bestehenden Verbände und Vereine, soweit sie solche Einrichtungen besitzen, von den Prinzipalen in dieser Hinsicht zu unterstützen sind, daß aber in letzter Linie die zwangsweise staatliche Regelung der Frage wünschenswert ist, um allen Privatangestellten die Wohltat einer solchen Versicherung zu teil werden zu lassen. Der in Hannover eingesetzte Ausschuß beschloß dann in einer Sitzung vom 19. Januar 1902 in Berlin, die ihm übertragene weitere Förderung des Ausbaues der Pensions- und Hinterbliebenen-Versorgung der deutschen Privatangestellten zu beginnen mit einer Einladung an alle maßgebenden Verbände und Vereine dieser Berufskategorien zum Anschluß an das in Hannover beschlossene gemeinsame Vorgehen und an die dort gefaßte Entschließung.
Die Folge dieser Einladung war zunächst nur eine lebhaftere Erörterung der Angelegenheit in den Versammlungen der verschiedenen Verbände und ferner die Bildung besonderer Kommissionen, bestehend aus Vertretern der Privatbeamtengruppen aller Art aus den Städten Aachen, Köln, Düsseldorf, Kalk, Quedlinburg, u. a., von denen
Lonsuelos Schicksale.
Novelle von Marg. Schlichter.
17 (Nachdruck verboten.)
Als diese aufblickte und die beiden Damen gewahrte, malte sich eine unverkennbare Freude auf ihren Zügen; aber ihre Augen wurden immer größer, je länger sie auf Consuelo haften blieben; sie fuhr flch mit der Hand über die Stirn, als besinne sie fich auf etwas. „Baronesse Maria; es kann ja nicht sein; ist sie nicht schon mehr als zwanzig Jahre tot? Ach, sie war so gut, wie sie schön war. Und diese junge Dame gleicht ihr auf's Haar. Wer ist sie? Ist sie Baron Alberts Tochter?"
Die Baronin hatte Mühe, der Schwerhörigen begreiflich zu machen, wer Consuelo war.
„Wenn die Toten wieder zu uns kommen könnten, wurde ich doch behaupten, es sei Baronesse Maria."
Die Baronin erkundigte sich nach dem Befinden der alten Frau, stellte die für sie mitge- orachten Erfrischungen auf den Tisch und empfahl der im Zimmer hantierenden Tochter, es der Mutter an nichts fehlen zu lasien; wenn sie etwas benötige, 0 wr 6 Schloß kommen und neuen Vorrat holen.
Als sie wieder im Freien waren, kämpfte die Baronm einen Augenblick mit der Bewegung, welche die Worte der Alten in ihr hervorgerufen hatten.
„Es ist sonderbar, wie diese zufällige Aehnlichkeit mit unserer verstorbenen Tochter auch mir und meinem Gatten aufgefallen. Aber Sie gleichen ihr nicht nur äußerlich, Ihr ganzes Wesen erinnert an unser in der Blüte der Jugend dahingerafftes Kind, und das ist gewiß der Hauptgrund, daß Sie sich so schnell ein Plätzchen in unseren Herzen erobert haben. Daß ich's nur kurz sage: Wollen Sie bei uns bleiben und uns einsamen, alten Leuten eine lieb- Gesellschafterin
die Aachener Kommission eine rührige und anerkennenswerte Tätigkeit entwickelte, während man an anderen Stellen nicht besonders weiter kam. Eine ganz unschätzbare Förderung erhielt aber die Bewegung durch das Eintreten des Reichstagsabgeordneten Sittart (Zentrum) aus Aachen für die Interessen der Privatbeamtenschaftinder Sitzung des deutschen Reichstags vom 31. Jan. 1902. Diese Ausführungen werden, mag nun aus der Bewegung werden, was will, bei der deutschen Privatbeamtenschaft unvergeßlich bleiben. Der Rede des Abgeordneten Ssttart entnehmen wir folgenden Passus:
„Nun habe ich zum Schluß noch einen Wunsch. Die Krisis, welche wir auf dem Gebiete der Industrie und im Handel erleben, läßt mich hier doch den Gedanken aussprechen, daß der Bundesrat recht bald dazu übergehen möge, dem schönen Beispiel, welches von Oesterreich uns gegeben wird, zu folgen und sich einmal ernstlich mit der Fürsorge für die Privatbeamten zu beschäftigen. ES ist eine ganz eigentümliche Sache, datz über die Privatbeamten bisher so wenig geredet worden ist. Man spricht vom Aufschwung in unserer Industrie und im Handel, wir bewundern die Produkte und Erzeugnisse der Schiffsbauwerften, der Eisenbahn-Fabriken, der großen Maschinen- und anderer Fabriken, wir bewundern die Leistungen unserer kaufmännischen Institute, und nun fragen wir uns doch einmal: wer sind die Männer, die eigentlich diese Leistungen vollbringen? Ist es denn nur der Unternehmer, der Besitzer, dem da Ehre und Anerkennung gebührt? Die Produtte, die aus diesen Werkstätten hervorgehen, entspringen doch der geistigen und körperlichen Arbeit der Privatbeamten, die in manchen Fällen selbst den Leiter vertreten muffen. Und in dieser Zeit der Krisis müssen wir erleben, wie zu tausenden diese Leute nicht aus Bosheit der Besitzer, sondern weil es den Unternehmern unmöglich ist, diese Leute länger zu behalten, hinausgetrieben werden und mit ihren Familien der Not und dem Elend preisgegeben sind. Ich kann Sie versichern, es sind mir eine ganze Reihe von Fällen bekannt, und Ihnen sind gewiß auch solche bekannt, in denen geradezu traurige Zustände herrschen, und ich kann es nur als eine Pflicht der ausgleichenden sozialen Gerechtigkeit bezeichnen, daß endlich etwas für diese Privatbeamten geschehen möge. Bestimmte Andeutungen zu machen, kann mir nicht ein« fallen, die Sache ist nicht spruchreif; aber ich möchte doch den Herrn Staatssekretär bitten, einmal ernstlich in Erwägung zu ziehen, ob nicht durch Veranstaltung einer Statistik er zu einer gesetzlichen Regelung dieser Materie den Weg ebnen kann."
Es mag hier konstatiert werden, daß die Ausführung des Herrn Abgeordneten bei der überwiegenden Mehrheit des Reichstages eine durchaus sympathische Aufnahme gefunden haben. Seit dieser bedeutsamen Rede ist diese Angelegenheit nicht mehr zur Ruhe gekommen und bereits am 28. Februar dieses Jahres hatten die Vertreter der Aachener Kommisiion durch die Vermittelung und unter Anwesenheit des Herrn Reichs- und Landtagsabgeordneten Sittart, die Ehre im Reichsamt des Innern empfangen zu werden.
lieber die im Reichsamt des Innern zwischen der Reichsregierung und der vorgenannten Kommission stattgefundene Aussprache liegt folgender Bericht vor:
„Durch die Vermittelung des um die Interessen der Privatbeamten hochverdienten Reichs- und Landtagsabgeordneten Herrn Sittart-Aachen wurde nach Rücksprache mit dem Herrn Staatssekretär des Innern, Grafen von Posavowsky, eine Abordnung von Privatbeamten am 28. Februar d. Js. im Reichsamte des Innern von dem Herrn Geheimrat Dr. Kauf-
Consuelo küßte gerührt die Hand ihrer Gönnerin. „Ach, wie gern töt' ich das! Aber Adelheid ist mir sehr zugetan, und ich habe das Kind auch recht lieb gewonnen; zudem weiß ich ja nicht, ob die Frau Baronin bereit ist, mich zu entlaffen."
„Ich habe die Angelegenheit schon mit ihr besprochen; sie ist damit einverstanden, und wenn sie es auch sind, so wird meine Schwiegertochter sich um eine andere Erzieherin bemühen."
Consuelo gab gern ihre Einwilligung. Durch Florentinens liebloses Benehmen war ihr ihre Stellungschon lange verleidet worden, und Sie hatte sich auf Schloß Schwarzburg vom ersten Tage an heimisch und glücklich gefühlt.
Es trat aber bald eine ganz andere, viel glücklichere Wendung in dem Leben des verwaisten jungen Mädchens ein, eine Wendung, welche durch ihre Feindin selbst herbeigeführt wurde. Baron Rudolf war herübergekommen, und man saß plaudernd zusammen im Salon, als Florentine plötzlich den Wunsch äußerte, ein Armband, das sich schon seit vielen Generationen im Besitze der Schwarzburg'schen Familie befand, dem jungen Baron zeigen zu dürfen. Ihre Großmutter ging an den Schreibtisch, öffnete eines der vielen Fächer und entnahm demselben ein zierliches Kästchen von Ebenholz; aus einen Druck gegen eine Springfeder flog der Deckel auf. Die alte Dame lüftete eine Ueberlage von hellblauer Seide, und eine wahre Flut von Glanz und Licht strömte den Beschauern entgegen. Dac betreffende Armband aber war von ganz eigc. ^ümlicher r.:». Ein aus purem Golde gewundener Schlang'nleib war über und über mit Diamanten besät, und wenn man denselben in das hell ins Gemach strömend Licht der Sonne hielt, so mußte man die Augen schlichen vor den: Gefunkel und Geflimmer der Edelsteine, die in die kunstvoll geformten Schuppen des Tieres eingefügt waren. Der Kopf desselben war mit Sm ragden, S phieren und Rubinen besetzt und schillert in allen Farben; die Zunge, welche der offene Rachen desselben
mannunb Herrn Regierungsrat Dr.Beckmann empfangen. Die auf bie Alters- und Hinterbliebenen-Versicherung der Privatbeamten gerichteten Wünsche der Abordnung wurden von den Herren Direttor Groeningen-Aachen und Müller-Leipzig vorgetragen und dabei insbesondere die bei den Privatbeamten bestehende Notlage hinsichtlich der Alkers- und Hinterbliebenen-Versorgung dargelegt.
Der Wunsch dieser Beamten gebe dahin, es möchten gesetzliche Bestimmungen erlaffen werden, wonach die Privatbeamten einer Alters- und Jnvalidenverstche- rnngspflicht unterworfen werden, und zwar in der Weise, daß die Beiträge für diese Versicherung von den Arbeitgebern und Arbeitnehmern gemeinsam getragen werden. Die Herren Vertreter der Reicys- regierung betonten in ihrer Entgegnung auf diese Vorträge in erster Linie, daß ihre Erllärungen zur Stunde nur privater Natur sein könnten, schon mit Rücksicht darauf, daß die verschiedensten Körperschaften über diese schwerwiegende Frage zu entscheiden, sie auch naturgemäß nur die Wünsche der Abordnung entgegenzunehmen hätten. — Die Herren Vertreter der Reichsregierung legten der Abordnung nahe, zunächst über folgende Fragen: 1) Wie ist die neu zu schaffende Gesetzgebung mit der bestehenden Alters- und Invaliditäts-Versicherung in Einklang zu bringen; 2) welche Berufsklassen fallen unter den Begriff „Privatbeamter" ? Aufklärung zu verschaffen und durch statistische Erhebungen den Nachweis von der Notwendigkeit des gesetzgeberischen Eingriffes zu erbringen. Die Abordnung gab hierauf die Erklärung ab, daß sie im Interesse des nach Millionen zählenden Standes zu handeln alle Zeit bestrebt sei und es als Ehrenpflicht betrachte, die erforderlichen Unterlagen zu beschaffen. Die Zusammenstellung dieser Unterlagen soll Gegenstand einer weiteren Aussprache fein, die von den Herren der Reichsregierung von vornherein gerne in Aussicht gestellt wurde".
Daß die Vertreter der Reichsregierung weitere bindende Zusagen nicht machen konnten, muß einleuchten. Es wird im Leben stets Aufgabe eines Antragstellers sein, seine Anträge zu begründen und für seine Behauptungen Beweise beizubringen. So ist es auch Aufgabe des Privatbeamtenstandes, für seine Anträge Unterlagen zu schaffen, soweit es ihm möglich ist, und hieran mitzuarbeiten liegt im persönlichen Interesse jedes einzelnen Privatbeamten selbst.
Die zu diesem Zwecke gegründete .Zeitschrift für die gesetzliche Regelung der Pensions- und Hinterbliebenen-Versicherung der Privatanstellten im Deutschen Reiche", die in Eberswalde erscheint und vierteljährlich 1 Mark kostet, fei hiermit bestens empfohlen.
Da aber bekanntlich mit vereinten Kräften sich viel eher und leichter etwas erreichen läßt, haben die für Fulda in Betracht kommenden Korporationen eine Vereinigung gegründet, die lediglich die Agitation für diese Angelegenheit energisch ins Werk setzen soll. Alleinstehende Privatbeamten werden sich in ihrem eigenen Interesse dieser Vereinigung schleunigst anschließen; Anmeldungen sind an den Vorsitzenden der Vereinigung, Herrn Georg Singer in Fulda, zu richten.
Berlin, den 25. Mai 1903.
** Einen Ausspruch des Kaisers über die Notwendigkeit des konfessionellen sehen ließ, bildete ein Rubin von seltener Schönheit.
Rudolf bewunderte das wertvolle Kunstwerk, welches mindestens drei Jahrhunderte alt sein müsse, und wollte gern näheres über den Ursprung desselben wissen. Die Baronin meinte, es stamme aus Spanien; ein Schwarzburg, der im Gefolge Karls des Fürsten in Spanien gewesen sei, habe es in Granada von einem spanischen Händler erworben.
Rudolf reichte das Armband Consuelo hinüber, die mit einer Hast darnach griff, welche die anderen in Erstaunen setzte. Florentinens beobachtenden Blicken war es vorher nicht entgangen, wie sich die Augen der Erzieherin beim Anblick des seltenen Kleinods erweitert hatten und wie sie in unverhohlenem Staunen dasselbe" betrachtete. Auch jetzt sagte sie kein Wort, als sie dasselbe in ihren Händen hielt; aber ihr Atem ging schnell, ein eigentümliches Licht glänzte in ihren Augen, und sie war so zerstreut, daß sie den goldenen Reif lange in der Hand hielt, ehe sie ihn der Baronin zurückreichte. Diese entnahm dem Kästchen noch eine Menge anderer kostbarer Schmuckstücke und zeigte sie Consuelo, die aber, obschon manches auffallend schöne darunter war, kein besonderes Interesse dafür bezeigte.
Gleich darauf wurde die Schloßherrin von der alten Haushälierin abgerufen, die sie wegen einer häuslichen Angelegenheit zu befragen hatte. Sie bat Florentine, die Gegenstände wieder in's Kästchen zu legen und dasselbe wieder einzuschließen. Florentine besorgte dies, als die Uebrigen sich erhoben, um in den Garten zu gehen; sie stellte das Kästchen in das betreffende Fach zurück, ließ aber den Schlüsselbund tm Schreibtisch stecken und schob gerade etwas Glänzendes in ihre Tasche, als ein Geräusch an der Tür sie veranlaßte, sich umzuwenden. Sie gewahrte die kleine Adelheid, deren Gummiball in's Zimmer gerollt war und die sich hinter dem Flüchtling hermachte. Florentine folgte ihr in den Garten und fand ihren Großvater, ihre Mutter, Rudolf und Consuelo in
Friedens innerhalb der deutschen Bevölkerung teilte der bayerische Zentrumsführer Freiherr von Hertling in einer Wahlversammlung zu Münster mit, wo er diesmal als Nachfolger des verstorbenen Frhrn. von Heereman für den Reichstag kandidiert. Er glaube, sagte Frhr. von Hertling, nicht indiskret zu sein, wenn er hier auch einmal öffentlich ausspreche, was er bisher nur im engeren Kreise erzählt habe, nämlich daß.der Kaiser in einem Gespräch einmal zu ihm gesagt habe: „Wir können uns doch nicht wie unsere Altvordern über religiöse Fragen die Köpfe einschlagen, wir müssen doch friedlich miteinander leben!"
** Chamberlain wird von der ,Nordd. 2111g. Z t g." in Schutz genommen. Die .Deutsche Agrarkorr." hatte behauptet, der britische Kolonialminister rufe in seiner jüngst zu Birmingham gehaltenen Rede drohend nacy Deutschland herüber: „Sollte Deuffchland wirklich nur im geringsten mucksen, dann weiß ich, was folgen wird." Die ,Nordd. Allg. Ztg.' bittet die.Deutsche Agrar- korrefp." genauer zu zitieren und druckt nach der ,Post" den Abschnitt aus der Rede ab. „Die Folgen sind leicht vorauszusagen. Wie, glauben Sie, könn-n wir uns unter solchen Umständen an unsere Kolonieen mit der Bitte um Hilfe wenden, um die Einheit des Reiches zu fördern, oder sie auffordern, einen Teil der gemeinsamen Lasten zu tragen?" Sollen wir zu ihnen sagen: „Das ist Euer Reich, seid stolz auf es, nehmt teil an seinen Privilegien" ? Sie werden darauf antworten: „Was sind denn eigentlich seine Vorteile? Sie scheinen darin zu bestehen, daß, wenn wir Euch Freundlichkeiten erweisen. Euch bevorzugen, Ihr uns schließlich trotzdem allein unsere Kämpfe gegen jene ausfechten laßt, die wir durch dieses unser Verhalten verletzt haben." Ist das Freihandel? Mein Vorsatz ist. Ihnen (den Zuhörern) diese Lage klar zu zeigen, und da ich zudem gerade aus unseren großen Kolonieen heimgekehrt bin, wünsche ich, daß Sie diese Fragen so erkennen, wie sie sich unseren Mituntertanen in den Kolonieen darstellen. Was diese denken, darüber besteht kein Zweifel, und ebenso ist auch nicht zweifelhaft, von was für wichtigen Folgen ihr Entschluß abhängt. „Eine Drohung gegen Deuffchland ist in diesen Worten nicht enthalten", bemerkt sie dazu.
** Einem Beschluß des Staatsministeriums entsprechend sind, wie der .Reichsanzeiger" meldet, die Reffortminister ersucht worden, durch geeignete Anordnungen dafür Sorge zu tragen, daß bei den bevorstehenden Reichstagswahlen den Beamten ihres Ressorts die Ausübung des Wahlrechts an den Tagen der Haupt-, Stich- und Nachwahlen möglichst erleichtert werde.
** Die falsche Behauptung, daß im Berliner Dom neben den Standbildern Luthers undMelanchthons aucheinStandbild KarlsV. aufgestellt werden solle, hatte in protestantischkirchlichen und politischen Blättern zu erregten Verwahrungen im Namen des evangelischen Bewußtseins Anstoß gegeben. So hatten z. B. die
einer Grotte fitzend. Rudolf saß neben letzterer, und Florentine gewahrte mit bitterem Groll, daß er kein Auge von ihr wandte. Sie gesellte sich zu ihnen, und als bald darauf auch ihre Großmutter erschien, rief sie mit gut gekünsteltem Bedauern: „Ach, wie fatal, ich habe Großmamas Schlüsselound im Schreibtisch stecken lassen!" Consuelo erhob sich sofort, um denselben zu holen, sie verschloß das Fach und kehrte gleich darauf mit den Schlüsseln zürück.
Als man abends wieder im Salon versammelt war, brachte Florentine noch einmal die Rede auf das Armband; sie möchte die Wirkung der Steine gern beim Schein der Lampe prüfen. Ihre Großmutter holte das Kästchen und entleerte es seines ganzen Inhalts, aber das Armband war nicht zu finden. In nervöser Hast suchte fie noch einmal alles durch, aber vergebens.
„Siehe doch noch einmal nach, Florentine, vielleicht hast Du das Armband beim Einpacken der anderen Schmuckstücke übersetzen und liegt hier irgendwo am Boden ober hat sich in irgend eine Polstervertiefung geschoben."
„Das ist unnütze Mühe, Großmutter; ich weiß bestimmt, daß ich es in das Kästchen gelegt habe."
Nichtsdestoweniger erhoben sich alle und suchten nach dem verlorenen Kleinod; keine Ecke des Zimmers blieb un» durchstöbert. Das Gesuchte fand sich aber nirgends.
„Aber da fällt mir ein", sagte Florentine plötzlich, „ich hatte ja den Schlüsselbund im Schreibtisch stecken lassen; Sie, Fräulein Bruchhausen, hatten ja die Güte, mir denselben zu holen, haben Sie dabei nichts Verdächtiges bemerkt?"
Consuelo schoß das Blut ins Gesicht. „Ich verstehe Sie nicht, gnädiges Fräulein."
„Nun, ich meine, ob wobl in dem kurzen Zeiträume jemand hi er gewesen sein könnte, dem das Armband besser gefiel, als meinen Großeltern wünschenswert wäre?"
„Nein, ich habe hier niemanden gesehen, als ich die Schlüssel holte. Es ist mir auch niemand auf dem Flur oder auf der Treppe begegnet." (F. f.)