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Schriftleiter:».wehler

i.ÄYiS»«. Wschend-Uag-: „Illustrierte Sonntagrzeituüg

Mcheiut täglich, mit Auauahme der Somt» und Zeiertage. viertel- Mrl. vezugspreir ohne vringerlohn und Bestellgeld in 8ulda und auswärts 1Mk. 50 psg.

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Aabatt gewährt.

Druck und Verlag der Zuldaer Acttendruckerer in Zulda (Harmonie).

Zernsprecher Rr. 9.

fulda, Mittwoch, den 20. Mai 1903.

30. Jahrgang.

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(Nachdruck verboten.)

> erstes Blatt

Wegen des Feiertags Christi Himmel­fahrt wird die nächste Nummer unserer Zeitung erst am Freitag ansgegeben.

„Ach wüßte wohl einen Ausweg," fiel hier Baro« Rudolf ein, es ist ein junge Dame hier im Hause, die eine vorzügliche Stimme hat, fich auch ihrer lieb- llchen Erscheinung wegen sehr gut für die Rolle der Martha eignen würde, und was das Einstudiercn derselben anbelangt, so wird ihr dies kaum noch Mühe machen. Denn, wissen Sie, wir baben unsere Rollen fleißig nachgeübt, und Fräulein Bruchhausen hat dabei stets Ihre Stelle vertreten."

„Das trifft sich ja herrlich! Kann ich die Dame sehen und ihre Stimme prüfen?"

Florentine warf dem Baron einen mißbilligenden Blick zu; sie hatte ihn stets als ihren zukünftigen Hatten betrachtet und es an k inem Mittel fehlen lasten, ibn an fich zu fesseln. Aber seitdem sein Interesse für die Erzieherin sich so auffallend äußerte, erfüllte ein glühender Haß gegen dieselbe ihre unedle Seele. Zu stolz, um das arme, einfache Mädchen al» ihre Nebenbuhlerin ernstlich in Betracht zu ziehen, konnte fie ihr doch ihre Schönheit und reiche Begabung nicht verzeihen, und nun sollte ihr sogar Gelegenheit gegeben v-rden, ihre Vorzüge vor einem distinguierten Pub­likum glänzen zu lasten! Nein, das durste nicht sein. Vs würde fich aus ihren Kreisen doch gewiß noch jemand für die Rolle find n lasten. Sie sprach denn auch offen ihre Mißbilligung zu dem Vorschlag Ru- dolss aus.

„Ich halte eS für durchaus unstatthaft, eine Gou- »ernante, die, wie Fräulein Bruchbausen, so leicht ge- »eigt ist, ihre untergeordnete Stellung zu vergessen, iu einem Wahne zu bestärken, fix sei uns in der Ge­sellschaft gleichberechttgt, was doch der Fall sein würde, wenn Sie auf des Barons Vorschlag entgingen. Die Darstellung selbst wurde den Mitgliedern des Adels­

Lonsuelor Schicksale

Rouelle von Marz. Schlichter.

** Der hakatismus und Oberschlefien.

Kaum war gemeldet worden, der Oberpräsi­dent von Schlesien Fürst Hatzfeld werde wegen eines schweren Augenleidens nach den Wahlen von seinem Posten zurücktreten, da versetzte ihm die ,Nat. Ztgck auch schon einen hakatistischen Fußtritt. Sie will nicht recht glauben, daß Fürst Hatzfeld seines Augenleidens wegen gehe, sondern nimmt an, daß seine Haltung gegenüber der polnischen Bewegung in Oberschlefien ihn zum Rücktritt genötigt habe. Er habe die Polengefahr unterschätzt und sei in der Ergreifung der zu ihrer Abwehr erforderlichen Mittel säumig ge­wesen. Zum höheren Ruhme seiner Verwaltung habe er den Glauben zu erwecken gesucht, daß in Oberschlesien die Polen nach wie vor harmlos und in unerschütterlicher Treue zu Preußen dahin­lebten. Die Gefahr sei erst erkannt worden, als die Erfolge der polnischen Wühlarbeit zur Ent­rüstung aller deutschenKreise der Provinz klar zuTage getreten seien. Die Abwehr sei in ausgesprochenem Gegensätze gegen das Oberpräsidium begonnen worden, und dem Leiter des Ostmarkenvereins fei es schwer genug geworden, die leidenschaft­lichen Ausfälle deutscher Versammlungen gegen die Provinzialregierung zu regeln.

Man hört aus diesen Angriffen ja deutlich genug heraus, worin das eigentliche Verbrechen des Oberpräsidenten besteht: er hat nicht Polen­hetze nach hakatistischen Rezepten treiben wollen; darum versteht er nichts von der Polenfrage, hat die Gefahr verkannt und seine Pflicht versäumt. Daß Fürst Hatzfeld von den Vorgängen in Ober­schlesien nichts gewußt, oder sie nicht genügend gewürdigt, oder vertuscht habe, klingt von vorn­herein sehr unwahrscheinlich. Seit Jahren ist ja in der Presse und im Landtage von der groß­polnischen Agitation in Oberschlesien wieder und wieder die Rede gewesen. Die »Staatsregierung insbesondere hat sich ja immer wieder auf sie be­rufen, wenn die oberschlesischen Centrumsabge« Ordneten Beschwerde über die Behandlung der Polen führten. Und da soll der Oberpräsident zu seinem höheren Ruhme bei ihr und beim Kaiser den Glauben zu erwecken gesucht haben, daß es keine polnische Agitation in Oberschlesien gebe? Das ist ja ganz unverständlich.

Fürst Hatzfeld hat sich durch seine Amts­führung offenbar das Vertrauen und die Hoch­achtung der großen Mehrheit der schlesischen Be­völkerung erworben. Man kann das schon daraus «sehen, daß liberale und konservative Blätter gleichmäßig ihr Bedauern üb« seinen beabsichtigten

Rücktritt aussprechen und seiner Verwaltung ein glänzendes Zeugnis ausstellen. Das sind keine polnischen Blätter, sondern Blätter, die der pol­nischen Agitation gegenüber immer sehr scharf aufgetreten sind und mit den Hakatisten stark sympathisieren. Es scheint uns ausgeschlossen, daß diese Blätter für das Verbleiben des Fürsten Hatzfeld, im Amte eintreten sollten, wenn er der polnischen Bewegung gegenüber nach ihrer An­sicht sich so schwere Verfehlungen und Verfäum- niffe hätte zu Schulden kommen lassen. Betonen sie doch ausdrücklich, daß er der Polengefahr wegen auf seinem Posten bleiben müffe.

Gleichwohl ist es möglich, daß die Polen­frage bei seinem Rücktritt eine Rolle spielt. Ein manchmal recht gut unterrichtetes Berliner Blatt versichert ausdrücklich, sein Entschluß, das Ober­präsidium niederzulegen, beruhe nicht lediglich auf Gesundheitsrücksichten, sondern sei auch aus poli­tischen Erwägungen hervorgegangen. Man darf also annehmen, daß er vor dem Hakatismus weichen muß. Seine besonnenere, vorsichtigere Politik genügt nicht mehr, es soll schärfer drein­gehauen werden. Die Hetzer des Ostmarken- Vereins haben es „erreicht". Fürst Hatzfeld ist bekanntlich katholisch, wenn er auch zu der stark kulturkämpserischen freikonservativen Partei ge­hört, er ist doch katholisch und deshalb mag er den Hakatisten doppelt verdächtig und verhaßt sein. In Posen haben sie vor einigen Monaten ihr Ziel erreicht, daß der im Kampfe gegen das Polentum nicht schneidig genug auftretende Ober­präsident v. Bitter beseitigt wurde. Nun scheint ihnen auch über den schlesischen Oberpräsidenten Sieg beschieden zu sein.

Wenn die Hakatisten nur auch auf irgend­welche Erfolge den Polen gegenüber Hinweisen könnten. Dann Möchte man ihre Berechtigung, nichthakatistische Oberpräsidenten zu stürzen, ja anerkennen. Aber ihre „Erfolge" beschränken sich auf eine gewaltige Stärkung des Polentums und der großpolnischen Agitation einerseits und die Verhetzung der Deutschen anderseits. Uns ist es völlig unverständlich, wie das Fiasko der Hakatistenpolitik in Polen die Regierung reizen könnte, diese Politik nun in vollem Umfange auch auf Oberschlesien auszudehnen. Sie hat mit ihren falschen Maßnahmen, namentlich auf dem Schulgebiete, der jetzt so laut bejammerten groß­polnischen Agitation in Oberschlesien den Boden geebnet. Mit der Hakatistenpolitik würde sie nur dieselben Früchte ernten, wie in Posen. Es ist ihr aber so oft vergebens das Verkehrte ihrer bisherigen Politik in Oberschlesien vorgehalten worden, daß wir ihr zutrauen, sie werde nun­mehr mit vollen Segeln in das Fahrwaffer des Hakatismus einlenken. Die Folgen sind uns keinen Augenblick zweifelhaft. Man wird noch einmal, wenn auch vermutlich zu spät, erkennen, daß die vorsichtigere Polenpolitik des Fürsten Hatzfeld doch noch immer den Vorzug verdient vor der Politik rabiat« „Ostmärker".

klubS von vornherein verleidet werden, wenn fie er­führen, welch obfeure Elemente zur Mitwirkung heran­gezogen find."

„Also Schönheit, Talent und Geschicklichkeit dürfen nicht in den Dienst der notleidenden Menschheit ge­stellt werden, wenn der Träger solcher Eigenschaften zwällig nicht das Wörtchen „von" vor seinem Namen stehen hat? Alle Achtung, Baroneffe, dann find die Dienste eines niebrig geborenen Kapellmeisters bei dies« Gelegenheit auch nicht am Platze und suchen Sie fich gefälligst einen hochgeborenen Ersatzmann für meine Niedrigkeit. Ich habe die Ehre, mich Ihnen zu empfehlen!"

Damit wandte er fich zur Tür. Baron Rubslf vertrat ihm aber den Weg und gleichzeitig trat von der entgegengesetzten Seite die Baronin von Schwarz­burg em.

„Verzeihen Sie dem gnädigen Fräulein ihre un­überlegten Worte! Da kommt meine verehrte Tante; ich weiß, daß fie anders über die Sache urteilen wird."

Der Kapellmeister zögerte noch einen Augenblick; denn Rudolf teilte der Baronin in Kürze mit, um was es sich handelte, und ersterer war fest überzeugt, daß die Mutter in bezug auf den streitigen Punkt derselben Ansicht sei, wie ihre Tochter, weil der Hoch­mut der Baronin von Schwarzburg genügend be­kannt war.

Letztere besaß aber bei allem Standesvorurteil . tugbeit und Mäßigung genug, das Unziemliche einer direkten Weigerung einzusehen, und wenn die Auf­führung nicht stattsinden konnte, so fiel die gute Ge­legenheit fort, die nach ihrer Ansicht außergewöhnlichen Talente ü;rer Tochter zu produzieren; denn sie über« schätzte Florentinens mittelmäßige musikalische Be­gabung und unterschätzte Consuelos herrliche (Stimme und die bezaubernde Wirkung ihrer liebreizenden Persönlichkeit. Sie meinte daher, es gehöre zwar nicht zu ihren Prinzipien, eine Erzieherin aus ihrer Sphäre hervortreten zu lassen und iu solch« Wesse an die Oeffentlichkeit zu ziehen; aber tat Interesse der

Berlin, den 19. Mai 1903.

** Auf dem dieser Tage in Thorn ver­sammelt gewesenen Delegiertentage der polnischen Volksvereine West Preußens und der an­grenzenden Kreise ist die Gründung eines Ver­bandes dieser Vereine beschlossen worden. Bevor man jedoch zur Gründung schritt, hatte man an den Äisschof der Diözese Kulm das Ersuchen gerichtet, den Patron des zu gründenden Ver­bandes der polnischen Volksvereine zu ernennen, oder doch zum mindesten den seitens der Dele­gierten gewählten Patron zu bestätigen. Beides hat, wie die.Danziger Allg. Ztg/ berichtet, der Bischof abgelehnt und zwar mit der Begründung, daß die für den Verband in Frage kommenden Vereine mehr oder minder sich mit Politik be­schäftigen, während er als geistlicher Oberhirte auf politische Fragen nicht eingehen dürfe.

** Allen evangelischen Bündlern stehen seit acht Tagen die Haare zu Berge vor Ent­setzen. Generalfeldmarschall Graf Waldersee hat während seines Aufenthaltes in Rom dem Jesuitengeneral einen Besuch gemacht. Eng­lische Blätter haben es zuerst berichtet und Deutsche bestätigen es nun. Nur daß Graf Waloersee dem Jesuitengeneral im Namen des Kaisers die baldige Zulassung der Jesuiten in Deutschland in Aussicht gestellt habe, wird be­stritten. Der Feldmarschall habe den Besuch überhaupt nicht im Auftrag des Kaisers oder auf Veranlassung der deutschen Regierung ge­macht. Man kann das Furchtbare imm« noch nicht fassen. Beim Jesuitengeneral, das heißt ja in der Höhle des Löwen, ja beim leibhaftigen Gottseibeiuns gewesen sein. Gott erhalte den tapferen Feldmarschall- an Leib und Seele gesund!

** Die Sozialdemokraten scheinen die unbedingte Gegnerschaft gegen neue Han­delsverträge, die von Bebel in Stuttgart und dann auch in dem sozialdemokratischen Wahlauf­rufe proklamiert worden war, aufgegeben zu haben. In dem Ausrufe der Parteileitung vom 1. Mai hieß es: „Als entschiedene Anhänger einer Handelsvertrags-Politik, die den Austausch von Waren und Kulturmitteln mit allen Völkern der Erde nach Möglichkeit erleichtert, müssen wir aber Handelsverträge, welche, auf Grund des neuen Zolltarifes abgeschlossen, unsere Handelsbeziehun­gen mit dem Auslande und die Lebenshaltung d« großen Masse der Bevölkerung verschlechtern, aufs entschiedenste bekämpfen." Dagegen liest man in dem sozialdemokratischen Aufrufe an die Reichs­tags - Wähler Berlins, d« jetzt in der ganzen Stadt verbreitet wird: „Von dem Ausgange dieser Wahl hängt es ab, ob durch neue Handels­verträge eine kleine Besserung in unseren so überaus traurigen Erwerbsverhältniffen Platz greifen kann oder der Zollkrieg mit dem Auslande Millionen von Existenzen der ttostlosen Unsicherheit und

guten Sache wolle sie von ihren Grundsätzen ab­weichen und die Entscheidung in Fräulein Bruch­haufens Hand legen. Sie hoffte, das junge Mädchen werde aus natürlicher Schüchternheit das ihr gemachte Anerbieten zurückweisen. Dabei ging fie aber fehl.

Consuelo hatte ein entschieden schauspielerisches Talent. Bei den gelegentlich« Aufführungen, die im Penfionate Marienberg stattfanden, hatte man ihr stets die Haupttollen zugeteilt, und fie war denselben in einer Weise gerecht geworden, die ihre Zu- schauerimteu, die Lehrerinnen wie die Zöglinge mit Bewunderung erfüllte. Bei einer solchen Gelegenheit hatte die Oberin einmal besorgt den Kopf geschüttelt und geäußert: „Ich weiß nicht, ob wir gut daran tun, Consuelo so häufig Komödie spielen zu lassender Scherz könnte eines Tages zu bitterem Ernste werden. Wenn ich auch den ethischen Einfluß nicht verkenne, den eine sittenreine Künstlerin auf den Brettern, welche die Welt bedeuten, auszuüben vermag, fo möchte ich doch unser liebstes Kind nicht den Gefahren ausgesetzt wissen, welche das Bühnenleben mit sich bringt, zumal sie die gefährliche Gabe einer außer gewöhnlichen Schönheit besitzt."

Diese Worte hatte Consuelo gehört und fich die­selben seither öfters ins Gedächtnis gerufen, besonders in der letzten Zeit, wo fie einigemoie Gelegenheit ge­habt hatte, das Theater zu besuchen, und der Wunsch, zur Bühne überzugehen. fich lebhaft in ihr regte.

Sie war jetzt gerade daran, ihre Schülerin in die Anfangsgründe der Erdkunde einzuweihen, als Fried­rich, der Diener, an die Tür klopfte und ihr den Be­scheid brachte, daß die Baronin fie zu sprechen wünsche.

„Alle Setter", dachte der Kapellmeister, als er sie sah, „es wundert mich nicht, daß das hochgeborene Fräulein keine Lust hat, fich von solch einer Fee in den Schatten stellen zu lassen."

Die Baronin stellte ihr den Herrn vor und machte fie mit dem Wunsche desselben bekannt. DaS freudige Aufleuchten ihr« Augen bekundete genügend, wie gern sie bereit war, die eingetretene Lücke auszufüllen.

Wenn Fra» Baronta damit einverstanden find,

dauernder Arbeitslosigkeit überantwortet." Da „neue" Handelsverttäge einstweilen nur auf dem neuen Tarife aufgebaut werden sollen, kann dieser Satz, meint die ,Nat.-Ztgck, nur als indirekte Ablehnung der oben angeführten Stelle aus dem allgemeinen Wahlaufruf verstanden werden.

** Die zuständigen Minister haben den ,Berl. N. Nachrck zufolge an die Nachgeordneten Be­hörden eine Verfügung über die Fleischbe­schaustempel erlassen. Die Verfügung überläßt die Wahl zwischen Färb- oder Brennstempel der örtlichen Regelung. Besondere Trichinenschau­stempel sind unter allen Umständen bei solchen Schweinen zu verwenden, bei denen nur die Trichinenschau, nicht auch die allgemeine Beschau stattfindet, also in denjenigen Bezirken, in denen nur die erstere, nicht auch die letztere auf Haus- schlachtungen ausgedehnt ist.

* Urville, 19. Mai 1903. Der Kaiser unternahm heute vormittag einen Spazierritt in die Umgegend von Urville und kehrte um 1 Uhr in das Schloß zurück. Die Kaiserin empfing mittags drei Arbeiterinnen der Dagsburger Stickereifirma Eduard Siegel, welche zahlreiche Arbeiten, darunter die in Seide, P«len und Gold ausgeführte prächtige Darstellung des Dags­burger Felsens mit der Kapelle, vorlegten. Die Kaiserin, welche zahlreiche Aufträge erteilte, über­reichte jeder der Erschienenen eine goldene Brosche.

* Magdeburg, 19. Mai 1903. lieber eine Feier beim 66. Infanterie-Regiment meldet die ,Magdeburgtsche Zeitung" aus Alten - grabow: Dort trafen am Sonntag der spa­nische Botschafter Ruata y Sichar mit 2 Sekretären, der Generaladjutant des Königs von Spanien, Bascaran, mit einigen anderen höheren Offizieren ein, um dem Infanterie- Regiment Nr. 66 das Bild des Königs von Spanien zu überreichen, welches dieser ihm geschenkt hatte. Das Regiment war um 12 Uhr zur Parade aufgestellt; der Oberst v. D ehn- Rotf elser hielt eine Ansprache, worin er dem König von Spanien zum Geburtstage die Huldi­gungen des Regiments darbrachte und mit einem Hoch auf den König schloß. Der Botschaft« verteilte darauf eine Reihe von Ordensaus­zeichnungen. Nachmittags fand im Offizier­kasino ein Festmahl statt. Hierbei teilte der Generaladjutant Bascaran mit, der König hoffe, im nächsten Jahre im Kreise des Offizierkorps weilen zu können.

* Paris, 19. Mai 1903. In Marseille verurteilte der Gerichtshof 6 Kapuziner wegen Vergehens gegen das V«einsgesetz zu je 25 FrS. Geldstrafe. Als die Mönche das Gerichtsgebäude verließen, veranstaltete die Volksmenge Kund­gebungen und rief: „Es leben die Kapuziner, es lebe die Freiheit". Wegen Aufteizung wurde»

und der He« Kapellmeister meint, so bin ich gern bereit, dieselbe zu übernehmen."

Dieser setzte fich «ns Klavier [unb intonierte die reizende Arie: „Letzte Rose, wie magst du so einsam hier blüh'n."

Cousuelo hatte aber erst ein paar Takte gefangen, als ter Herr mit einer für seine Wohlbeleibtheit seltenen Elastizität auffprang, ihr die Hand bot und begeistert sagte:

„Mein Fräulein, ich gratuliere Ihnen zu Ihrer klangvollen Stimme; fie ist von seltener Reinheit und Frische, einer Perle gleich, die still im Me«esgrunde ruht und des Fischers wertet, der den Schatz an die Oberfläche bringt."

O, wie, glühten jetzt ihre Wangen! Die Kunst, die von ihr fo geliebte, herrliche Kunst, durfte fie ausüben im Dienste der notleidenden Menschheit und das an der Seite des Mannes, den fie über alles liebte.

Unterdessen hatten sich die and«en Teilnehmer an d« Aufführung im Schauspielhause eingefunden; die Nachricht von der Erkrankung der Komtesse hatte die Gemüter in große Aufregung und Sorge versitzt, und allerlei Befürchtungen wurden laut, als bet Kapellmeister endlich in Begleitung von Consuelo Florentine und Rudolf erschien. Die Mitteilung, daß die einfache Erzieherin an die Stelle der Komtesse treten wollte, rief zuerst b i den jungen Damen Er­staunen, Unwillen und vornehmes Nasenrümpfen her- vor. Aber der Gedanke, daß ohne die Mitwirkung des jungen Mädchens aus d« Aufführung nichts werden könne, söhnte sie mit der nicht ebenbürtigen Mil Wirkerin aus, und als Consuelo schließlich m ihrer Rolle als Marlha auftrat, konnte niemand ihr das Zeugnis verweigern, daß man keinen besseren Ersatz für die erkrankte Komtesse hätte finden könne«. Da sie den ge anglichen Teil ber Rolle bereits inne hatte, so machte ihr bas Emüben b«selben nicht viel Mühe. Als man noch eine britte Probe zugegeben hatte, war fie ihr« Sache ganz sicher.

So waren benn alle Vorbereitungen getroffen und mit einem Gemisch von ängstlich« Spannung,