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30. Jahrgang.

flllda, Freitag, den 15. Mai 1903.

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Deutsches Reid),

Ausland

seine Hauptversammlung ab. Dem Jahresberichte entnehmen wir, daß die Zahl der Mitglieder einschließlich der Frauen ganze 1703 beträgt, wozu noch einige angeschlossene Vereine mit etwa 900 Mitgliedern kommen. Für die Millionen- tadt Berlin, die „protestantisch bis auf die knochen" sein soll, ist das eine geradezu klägliche Zahl. Und dabei machen die Herren einen Lärm, als ob sie einige hunderttausend Mann stark wären. Der Vorsitzende, Oberlehrer Professor Schmidt, gab in seinem allgemeinen Ueberblick u. a. dem Bedauern darüber Ausdruck, daß bei »en jüngsten Vorgängen in Rom auf das pro- estantische Empfinden nicht diejenige Rücksicht genommen worden sei, die man berechtigt war ju erwarten. Weiter gab er wieder dem Ver- )ruß des Evangelischen Bundes darüber Aus­druck, daß die Krankenpflege in den Berliner Garnisonlazaretten fast ausschließlich von katho­lischen Nonnen geübt wird, „trotz aller Vor­stellungen und Verhandlungen". Der Evangelische Bund wird aber die Angelegenheit nicht mehr loslaffen. Nach einer Besprechung hierüber be­schloß die Versammlung folgende Kundgebung: „Die Versammlung nimmt mit lebhaftem Be­dauern davon Kenntnis, daß trotz mehrjähriger Verhandlungen der zuständigen Behörden noch in keiner Weise für evangelische Krankenpflege in den Berliner Garnisonlazaretten gesorgt ist, und beauftragt ihren Vorstand, dafür Sorge zu tragen, daß dieser schreiende Notstand in den bevor­stehenden Generalsynoden und eventuell in den Parlamenten energisch zur Sprache gebracht werde."

* Metz, 14. Mai 1903. Das neue Christus- portal des hiesigen Domes wurde heute nachmittag in Gegenwart des Kaiserpaares und hoher kirchlicher Würdenträger feierlich ein- geweiht. Die kirchliche Einweihung nahm der Hochw. Herr Bischof Benzler unter Assistenz aller Metzer Pfarrer vor. Se. Eminenz Kardinal Kopp wohnte als päpstlicher Delegat mit dem Erzbischöfe Dr. Fischer von Köln der Feier bei. Nach der Feier fand em Diner im Bezirks­präsidium statt. — Das neue Portal hat bis zu seiner Fertigstellung einen Kostenaufwand von 1300 000 Mark erfordert. Hierzu treten noch die Kosten für die bronzenen Türflügel, deren Anfertigung eingeleitet ist, deren Vollendung je­doch erst nach fünf bis sechs Jahren zu erwarten sein wird.

lassen. Dasselbe Schutzrecht beanspruchen die anderen Großmächte für ihre Staatsangehörigen. Wenn daneben noch ein besonderes Protektorats­recht für die Franzosen übrig bleibt, so mögen ie es sich nehmen; wir machen es ihnen nicht tteitig. Unser Recht wird auch von Rom aner- ännt. Was also war zu verhandeln? Offiziös st erklärt worden, „daß bei den jüngsten Zu- ammenkünften des Kaisers wie des Reichskanz- ers mit dem Papst oder vattkanischen Würden- räaern Fragen des Katholikenprotektorats im Orient überhaupt nicht erörtert worden ind. Das halten wir für vollkommen glaubhaft.

Im Zusammenhang mit angeblichen Verhand­lungen bei der Protektoratsfrage ist dann noch das .Ergebnis" gemeldet worden, Bischof Anzer in Schantung soll durch eine jüngere (?) Kraft ersetzt werden, der die Aufgabe zufallen würde, die deussche katholische Mission in China kräftiger auszugestalten. Obs wahr ist? In das Gebiet der Personalien fällt noch eine Reche von Meldungen. Die „interessanteste" ist wohl die, allerdings wohl nur als „Kombination" und „Gerücht" wiedergegebene Meldung, Bischof Korum von Trier solle mit dem Titel eines Erzbischofs abgedankt werden. Von an­derer Seite wird gemeldet, der Kaiser habe den Papst um die Ernennung eines zweiten deut­schen Kardinals gebeten, und zwar des Bischofs Benzler von Metz, der Papst werde aber wohl dem Erzbischof Fischer von Köln die Würde verleihen. Daß der Kaiser die Kardinalswürde für den Metzer Bischof ge­wünscht habe, ist bereits dementiert worden.

Sodann kamen noch ein paar Me.dungen, die darauf berechnet zu sein schienen, den evangelischen Bund in Aufregung zu versetzen. Graf Bülow soll dem Vatikan versichert haben, er werde fernen ganzen Einfluß für die Aufhebung des § 2 des Jesuitengesetzes aufbieten. Unseres Erachtens ist er dazu in seinem eigenen Interesse verpflichtet, auch wenn er :tn Rom nichts versprochen hat. Weiter soll sich die deutsche Regierung der Kurie gegenüber er­boten haben, soweit als möglich den vertriebenen französischen Ordensgesellfchaften Ob- dach zu gewähren, indem ihre Aufnahme in den Niederlassungen der gleichen deutschen Orden — es soll sich besonders um die beschaulichen han­deln — gestattet wird. Es wäre ja recht an­erkennenswert, aber einstweilen glauben wir es nicht recht; jedenfalls hat derjenige, der das be­richtet, die Absicht, den evangelischen Bund mobil zu machen. Schon vor einiger Zeit wurde vor dem Uebertritt französischer Ordensmitglieder nach Deutschland berichtet und gleich entstand Lärm.

Die Geschichte von dem „apostolischen Delegaten", der nach Berlin kommen sollte, hat sich mittlerweile als ein grobes Mißver- ständniß herausgestellt. Vermutlich sind bei den Berichten über diplomatische Geheimnisse aus dem Vatikan noch mehrere „Mißverständnisse" untergelaufen.

rchristtettenZos.vaum

3. wochmbell-ge: „Illustrierte Sonntagzzeitung

* Paris, 14. Mai 1903. Der Unter­richtsminister sperrte dem Pfarrer in Aubervilliers das Gehalt, weil er dem Jesuiten Coube, der einer staatlich nicht ge­nehmigten Kongregation angehöre, gestattete, in seiner Kirche zu predigen. Als in Versailles die Gräfin De lang es, welche kürzlich zu acht Tagen Gefängnis verurteilt worden war, weik

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verantwortlicher

Berlin, den 14. Mai 1903.

** Der Bundesrat wird verschiedenen Blättern zufolge wahrscheinlich bis Anfang Juli Sitzungen abhalten, zur Diäten- und Je suite n- rage aber erst später Stellung nehmen. Für )ie Aufhebung des Jesuitengesetzes soll außer auf die Stimmen Preußens und Bayerns im Bundes­rate nur noch auf die einzige Sttmme eines kleinen Bundesstaates gerechnet werden. Die Regierung von Reuß älterer Linie, die im Jahre 1872 gegen den Erlaß des Jesuitengesetzes ge­stimmt hat, soll, nachdem dort ein Systemwechsel eingetreten ist,» mit den übrigen thüringischen Staaten gegen die Aufhebung stimmen.

** Als eine aus deutscher Quelle stammende Meldung bezeichnet der Pariser,Figaro' in einem römischen Telegramm die Nachricht, worauf Papst Leo XIII. auf „lebhaftes Drängen" des deut­schen Kaisers sich bereit erklärt haben soll, dem Bischof vo» Metz im nächsten Konsistorium den Kardinalshut zu verleihen. Auf Grund zuverlässiger Mitteilungen kann die ,Nat. Ztg/ versichern, daß Kaiser Wilhelm dem Papst gegen­über in keiner Weise einen solchen Wunsch ausgesprochen hat. Der ,Figaro' hebt selbst her­vor, daß Bischof Benzler seit allzu kurzer Zeit sein hohes Kirchenaknt verwaltet, als daß er be­reits für den. Kardinalshut in betracht kommen könnte.

** lieber die Zeiten für die diesjährige» Flottenmanöver ist folgendes festgesetzt: 15. August Zusammentritt der Uebungsflotte unter dem Befehl des Admirals von Köster in Wilhelmshaven, 15. August bis 5. September Manöver in der Nordsee und Marsch nach Kiel, 5. September bis 15. September Manöver in der Ostsee. 15. September Auflösung der Flotte in Kiel.

** Deutsche Kolonisten aus Rußland sind neuerdings von der Ansiedelungskom­mission in größerer Zahl geworben und mit Erfolg im Posenschen angesiedelt worden. Russische Blätter verbreiten nun die Mitteilung, daß deutsche Kolonisten, die bisher in Südruß­land ansässig waren, sich aber auf Besitzungen der Ansiedelungskommission seßhaft machen wollten, enttäuscht über die preußischen „Beutel­schneider" nach Rußland zurückkehrten. Diese Angaben, schreibt das ,Pos. Tagebl/ beruhen au Erfindung. Die Deutschen aus Rußland, die sich mit Hilfe der Ansiedelungskommission in ihrem alten Vaterlande wieder angesiedelt haben, sind mit dem Tausch sehr zufrieden, und sie fehnen sich nicht nach Rußland zurück. Die Ur­fache der russischen Falschmeldungen dürfte darau : zurückzuführen sein, daß verschiedene südrussische Kolonisten in die Hände von Schwindlern oder Güterschlächtern gefallen sind.

** Der Zweigverein Berlin des Evan­gelischen Bundes hielt am Mittwoch abend

** Erfindungen und Vermutungen.

Bei Besuchen und Begegnungen von Monarchen rmd Staatsmännern erfährt die profane Welt in der Regel etwas, manchmal sogar unheimlich viel amtlich Beglaubigtes nur über die Aeußer- lichkeiten, die int Grunde immer und überall so ziemlich dieselben find. Es gibt ja Leute, die die Berichte über die Aeußerlichkeiten mit großem Interesse lesen, im allgemeinen hörte man doch lieber einiges über das, was hinter diesen Aeußer­lichkeiten steckt, über die intimen Unter­redungen und Verhandlungen. Glück­licherweise fehlt es dann nicht an „wohlunter­richteten" Zeitungen und „zuverlässigen" Bericht­erstattern, die diesem Bedürfnis entgegenkommend, durch möglichst umfangreiche und interessante „Einzelberichte" den Mangel authentischer Mit­teilungen zu ersetzen bemüht sind.

Ein dankbares Arbeitsfeld war für diese Zeitungen und Zeitungsberichterstatter der Be­such des Kaisers beim hl. Vater. Alle Welt wüßte gern, was da während der 25 Minuten dauernden geheimen Unterredung zwischen den beiden und was sonst im Vatikan gesprochen und verhandelt worden ist, und unsere Geschichten- träger wissen Rat. Nicht eins, sondern ein halbes Dutzend Themata und Fragen können sie nennen, über die verhandelt worden ist, und meist kennen sie auch das Ergebnis. Miß­trauischen Lesern wird es allerdings ouffallen, daß es fast immer und ausschließlich liberale Blätter sind, denen die tiefsten diplomatischen und kirchlichen Geheimnisse enthüllt werden. Es ist doch nicht gerade wahrscheinlich, daß der Reichskanzler oder gar der Kardinalstaatssekretär sich gerade liberale Journalisten hätten kommen lassen, um sie fchleunigft einzuiveihen, oder daß sie der Unterredung zwischen Kaiser und Papst hinter einem Vorhänge oder in einem Kamin mit Bleistift und Papier in der Hand hätten zuhören dürfen. Da die „Unterrichteten" das selbst fühlen, berufen sie sich dann auch regel­mäßig auf einen „römischen Monsignore" oder „hohen kirchlichen Würdenträger", der ihnen alles brühwarm zugetragen haben soll. Da ist ja denn wohl kein Zweifel mehr erlaubt, voraus­gesetzt, daß der „römische Monsignore" und „hohe kirchliche Würdenträger" selbst etwas gewußt hat. Damit scheint es aber diesmal bedenklich zu hapern.

Das meiste haben die „eingeweihten" Zeitungen über Verhandlungen und Abmachungen in der Protektoratsfrage zu berichten gewußt. Sie begegneten sich da vielfach mit französischen Blättern. Was da eigentlich noch zu verhandeln war, ist allerdings nicht recht klar. Es könnte sich nur um ein Schutzrecht handeln, das die Franzofen zu haben sich einbilden, das aber gar nicht existiert. Deutschland beansprucht au Grund des Völkerrechts den Schutz der deutschen Staatsangehörigen im Auslande also auch der deusschen katholischen Missionäre im Orient, sonst nichts, und dies Schutzrecht besitzt es, übt es und wird es sich von niemand mehr nehmen

guföaer W Zeitung

“ “ monafsbeUage: „Fuldaer Geschichtsblätter".

Lonsuelos Schicksale.

Novelle von Marg. Schlichter.

H (Nachdruck verboten.)

„Der Schmuck", stotterte Egon, „ach, ich wollte Dich mit der Kleinigkeit nicht belästigen; ich war mit dem Juwelier übereingekommen, daß ich ibn in Raten von meiner Gage bezahlen wollte; der Mann scheint es aber recht eilig damit zu haben."

„Wer hat ihn bekommen?" drängte sein Vater wieder.

„Ich habe einer Dame ein Geschenk damit gemacht."

„Eine saubere Pflanze von Sohn habe ich mir da groß gezogen. Und Du glaubst, ich sei bereit, um Deiner Torheiten willen uns alle zu ruinieren?"

Jetzt ergoß sich eine Flut von VorwüSfen über Egons Haupt, aus welchen dieser nur das eine heraus­hörte, daß sein Vater bei dem Vorgesetzten seines Sohnes um dessen Abschied einkommen und denselben mit dessen Verschwendungssucht motivieren wollte. Das aber war es, was Egon am meisten befürchtete. Er bat und flehte, . die Baronin unterstützte jetue Bitten; es half aber nichts. Der Baron schien bei seinem Entschluß beharren zu wollen. Er ließ sich fein Pferd satteln und raste von bannen, niemand wußte, wohin.

So blieb denn Egon in einer nichts weniger als rosigen Stimmung zurück. Wenn er morgen den Wechsel nicht einlösen konnte, so war er entehrt und seine fchimpfliche Entlastung aus der Armee unzweifelhaft.

Ties sagte sich auch sein Vater, während er in fliegender Hast auf der Landstraße dahinjagte, als ob alle Wucherer der Welt ihm auf den Fersen säßen. Egons Leichtsinn batte ihn schon Unsummen gekostet, und er war tatsächlich an der Grenze seiner Leistungs­fähigkeit angelangt. Gut Lahrenstein war schwer be­lastet; sein Vater, der alte Baron von Schwarzbarg,

würde ihm in diesem Falle nicht helfen; er durfte es auch wegen früherer, trauriger Vorkommnisse nicht wagen, ihn mit der unerquicklichen Angelegenheit zu behelligen. Aber konnte er sich nicht dennoch das Geld verschaffen? Sein Vater brauchte es ja nicht zu wissen; über kurz oder lang würde ja doch alles ihm gehören. So galt es.denn, mit dem Rentmeister zu unterhandeln, und de: würde sich schon gefügig zeigen. So sehr der Baron auch seines Sohnes Leicht­sinn verurteilte, so scheute er doch kein Opfer, die fchlimmsten Folgen desselben von dessen Haupte abzu­wenden. Denn die Hoffnung, seinen Stamm zu er­halten, beruhte ja einzig auf seinem Sohne, und was hatte er früher nicht getan, Stammerbe der väterlichen Güter zu werden!

Bei diesen Reflexionen etwas ruhiger geworden, mäßigte der Baron in etwa den bisherigen raschen Lauf seines geplagten Renners, und nach einem vier­stündigen Ritt langte er vor Schloß Schwarzburg, dem Wohnsitze feiner Eltern, an.

Das Schloß hatte Aehnlichkeit mit Lahreustein; nur war es weitläufiger und imposamer. Es lag am Fuße eines Hügels, auf dessen Rücken ein aus Quader­steinen gebauter Wart türm weit über das Land hinaus ragte. Die in demselben angebrachten Schießscharten ließen erkennen, welchem Zwecke der Turm früher ge­dient hatte, von hier aus hatten verderbenbringende Wurfgeschosse die Reihen der Feinde gelichtet, die in mancher Fehde die alte Burg belagert hatten. Diese mit den umliegenden Gräben und hohen Manern hatte allzeit den feindlichen Angriffen gegenüber stand- gehalten. Sie bot noch jetzt den Anblick einer kleinen Festung; aber die Türmchen, welche die M .uern flankierten, waren von Epheu überwuchert; in den Schießscharten des WartturmeS nisteten die Eulen, und die Spinnen woben ungestört ihre Netze in den Gelassen, in denen früher so mancher Gefangene ge­schmachtet hatte. Innerhalb der Mauern rings um das Schloß waren prächtige Gärten und Bauman­lagen, und auch jetzt, in der schneeigen Hülle des

Winters, bot das Ganze das Bild eines schönen Herrensitzes.

Der Baron ließ fein Pferd vor der Wohnung des Rentmeisters halten, die sich in einem Nebengebäude des Schlosses befand. Hastig klopfte er an die Tür, welche in das Bureau des Verwalters führte. Dieser erhob sich bei seinem Eintritt und begrüßte ihn auf eine mehr vertrauliche, als unterwürfige Weise.

Es Worein Mann zwischen fünfzig, sechzig Jahren, von mittelgroßer Gestalt, mit spärlichem, bereits stark meliertem dunklen Haar, einem bartlosen Gesicht, dem b'e düster blickenden Augen, die zufammengekniffenen Lippen und die schmale Nase mit den stets vibrierenden Nasenflügeln etwas abstoßendes gaben.

„Guten Tag, Herr Baron, Was verschafft mir die Ehre?"

Hiermit bot er seinem Besucher einen Sitz an und nahm ihm gegenüber Platz. ,

„Fatale Geschichte, mein lieber Rentmeister."

Wenn es „mein lieber Rentmeister" hieß, so wußte dieser schon, daß der Baron einen Gefallen von ihm haben wollte.

„Mein Sohn ist zu Haus, hat den Weihnachts­urlaub bei uns zugebracht, wird morgen wieder ab­reisen ; hat mich da mit einer netten Neujahrsbe­scherung bedacht; er muß einen Wechsel von 15000 Mark einlösen, und ich habe für den Augenblick keine 3000 Mark flüssig. Was nützt es, daß ich ihm gründlich den Kopf gewaschen habe? Das Geld muß zur Stelle fein, oder es ist um ferne Karriere ge­schehen. Seine tollen Wetten und Spiele haben mich schon ein Heidengeld gekostet, und ich habe bei solchen Gelegenheiten bereits mein möglichstes geleistet. Sie müsien mir helfen, lieber Rentmeister!"

„Wollen sich der Herr Baron nicht an den gnädigen Herrn Vater wenden?"

„Ich kann nicht; Sie wissen ja, das Wort „Wechsel" darf in feiner Gegenwart nicht ausge­sprochen werden. Er würde auch kategorisch verlangen, daß mein Sohn sofort seinen Abschied nimmt. Ich

hübe ihm zwar auch damit gedroht, würde meine Drohung sb?r ungern wahr machen. Was soll er zu Hause anfangen? Ich hoffe immer noch, daß er mit der Zeit seinen Leichtsinn ablegen wird, und bin ent* schloffen, für diesmal noch das Aergste von ihm ab- zuwenden. Sie haben doch gewiß schon einen Teil der heule fälligen Pachtgelder in Händen und können mir leicht damit aus der Klemme helfen."

„Das habe ich alle-dinzs; aber wie soll ich die fehlende Summe buchen?"

„Ach, dafür ließe sich schon ein Posten anführen."

„Ich wüßte schon etwas; aber was Wird schließlich der Lohn für alle meine Dienste sein?"

Und dabei traf des Fragenden kalter stechender Blick das Auge des Freiherrn. „Man trägt nicht Jahre lang an den Folgen einer Tat, mit dem man fein Gewissen belastet hat, um schließlich den Dank des Mohren zu ernten?"

Der Baron brach in ein höhnisches Gelächter aus.

„Na, Weber, ich meine, das Gewissen ist bei Ihnen eine überstandene Kinderkrankheit; wenn Sie nur Ihr Profitcben bei einem Geschäfte haben, so machen Sie sich über das „Wie" und „Warum" keine besondere Skrupeln. Ich habe es damals doch nicht an klingendem Lohn fehlen lassen und übrigens haben Sie mein Ehrenwort, das Ihnen gesicherte und sorgen­freie Zukunft verbürgt. Genügt Ihnen denn das noch nicht?"

„Worte sind Worte gnädiger Herr, ich verlange eine vollgültige Garantie dafür, daß Sie dereinst Ihr Versprechen halten werden. Wenn Sie bereit sind, einen diesbezüglichen Revers zu unterschreiben, so will ich Ihnen das erforderliche Geld verschaffen. Ich habe zufällig eine Summe in Händen, die für den entsprechenden Zweck verwandt werden könnte. Ihr Herr Vater hatte mich angewiesen, 18,000 Mk. an das Hülsskomitee für die Abgebrannten in Z. ab= gehen zu lassen. Ich werde die Summe zwischen letzteren und Ihrem abgebrannten Herrn Sohne teilen. Dadurch würde das Geld doch im ganzen d r Ansicht