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Lrschrint täglich, mit >«rnah«e bet Somt= «nb Stiertage, viertel- Mrl.vezugrpreir ohne Sringerlohn unb BefteBgdb in Zulda unb eusroärts \ Ml. 50 Pfg.

J. parzeller in Zulba. Wochenbeilage: „Illustrierte Zonntagzzeitung"

Zeitung

monatsMiage: „gidöacr Geschichtsblätter".

Anzeigen: Vie ein» fpaltige Petitzeile ober beten Raum 15 pfg. Reklamen bie Petitzeile 25 Pfg ; bei Wieben Holungen wirb entfpr. Rabatt gewahrt.

Druck unb Verlag bet Snlbaer Actienbruckerei in Sulba (Harmonie) Zernfprecher Nr. 9.

Xs 109.

fuldd, Donnerstag, den 14. Mai 1903.

30. Jahrgang.

Berlin, den 13. Mai 1903.

** Dieser Tage wußten einige Blätter zu be­richten, verschiedene Landräte hätten in amt­lichen Bekanntmachungen sich bereit erklärt, die von der Berliner Firma Büxenstein in den Handel gebrachten Kaiserbilder zu vertreiben. Heute veröffentlicht der .Vorwärts' das Rund­schreiben an die Landräte, m't dem die Firma Bärenstein diese für den Verkauf ihrer Bilder mobil gemacht hat. Es lautet im wesentlichen: „Die Verfügung des königlichen Ministeriums des Innern vom 6. ds. Mts. wird Ihnen durch den Herrn Regierungspräsidenten zugegangen sein. Mit bezug auf die Präsidialverfügung, welcher voraussichtlich ebenfalls das inliegende Rundschreiben unserer Firma bestiegen wird, bitten wir Euer Hochwohlgeboren ganz ergebens», in etwa zu erlassenden Bekanntmachungen, soweit lolche für das Publikum bestimmt sind, die in unserem Rundschreiben erwähnten Vorzugspreise für die Angehörigen der Armee und Marine, sowie für die Beamten nicht zu nennen, sondern den Beamten diese Vorzugspreise hochgeneigtest aus dem Dienstwege bekannt zu geben. Da nach den allerhöchsten Intentionen unsererseits beab­sichtigt ist, in der Tagespreise das große Pub­likum auf diese Bildnisse besonders auf-merksam zu machen, so würde man diesen Kreisen ein un­angenehmes Empfinden verursachen, wenn sie es erführen, ba;< sie einen bis um 50 rom H. höheren Preis bezahlen müßten wie die Beamten. _ Im Interesse der Verbreitung der Bildnisse müssen wir dies möglichst zu vermeiden suchen und bitten wir Euer Hochwohlgeboren ganz ergebens!, soweit öffent­liche Blätter, also auch die Kreisblätter, zu amt­lichen Publikationen benutzt werden, in diesen lediglich den sür das Publikum bestimmten Preis von 1 Mk. pro Bild zu nennen. Sollten Euer Hochwohlgeboren zur Verbreitung an die unter­geordneten Dienststellen von unserem Rund­schreiben, von welchem wir uns ein Exemplar beizufügen erlauben, noch weitere Exemplare wünschen, so bitten wir uns dies geneigtest wissen zu lassen, dieselben stehen in beliebiger Anzahl zur Verfügung." Der Macher vom Ganzen ist also der Minister des Innern, Frei­herr von Hammerstein. Mit beißendem Spott bemerkt der ,Vorwärts': „Damit wirkt die preußische Staatsregierung vorbildlich auf dem Gebiete der Organisation des Handels; ein so umfangreiches, wohlorganisiertes Handelsunter­nehmen mit einigen Dutzend Generalagenturen (Regierungspräsidenten), gegen 600 Hauptagen- luren (Landräten) und mehreren tausend Filialen (die untergeordneten Dienststellen) hat Deutsch­land noch nicht gesehen."

** Se. Eminenz Kardinal Kopp ist heute mit dem Frühschnellzuge von Breslau zur Ein­

weihung des Portals der Kathedrale nach Metz abgereist. — Die Bestellung des Kardinals zum päpstlichen Legaten bei der Metzer Dom­seier ist, wie der,Germ.' von sonst zuverlässiger Seite geschrieben wird, nicht auf Anregung von deutscher Seite erfolgt, sondern entstammt der persönlichen Entschließung des Papstes, die in Berlin dankbar gewürdigt wird, zumal dieser Akt als besondere Anerkennung der Reichslande als deutschen Besitzstandes gelten darf, was sich gewiffe Chauvinisten merken können.

* Der hl. Vater hat dem Herrn Erbdroften Grafen Drofte zu Bischering bei feiner gegenwärtigen Anwesenheit in Rom das Groß­kreuz des St. Gregorius-Ordens ver­liehen. Der Herr Graf ist bekanntlich Präsident des Zentralkomites für die Generalversammlungen der Katholiken Deutschlands, welches im vorigen Jahre zu Mannheim mit der Veranstaltung und Führung der diesjährigen Jubelwallfahrt nach Rom beauftragt wurde.

% Gegenüber französischen Erfindungen wird offiziös konstatiert, daß bei den jüngsten Zu­sammenkünften des Kaisers wie des Reichs­kanzlers mit dem Papste oder mit vatikanischen Würdenträgern Fragen des Protektorats über die Katholiken int Orient überhaupt nicht erörtert worden sind. Das „Protektorat", das Deutschland erstrebt, besteht lediglich in der Aus­übung des nationalen Schutzes über die im Orient lebenden deutschen Katholiken, wie auch geeigneten Falles deren Besitz und Eigentum, in demselben Sinne, wie Rußland und Italien ein Schutzrecht über ihre Angehörigen geltend machen. Die überlieferten Protektoratsrechte Frankreichs werden dadurch nicht bedroht. Sie können nur nicht die Kraft haben, einen anderen Staat an Handlungen zu hindern, die er als Aus­fluß seiner Souveränität in der Fürsorge für seine eigenen Untertanen und zur Pflege nationaler Interessen vornimmt.

** Heute trat öie Berliner Kreissynode Friedrichs-Werder H. zusammen. Der Be­richt des Superintendenten über die kirchlichen und sittlichen Zustände in dem Bezirke der Synode enthält auch einige Liebenswürdigkeiten für die Katholiken, lieber die Aufhebung des § 2 des Jefuitengesetzes sagt er u. 21.: „Man wende nicht ein, die Ankunft der Jesuiten werde den Reform­katholizismus aufrömischen Kanzeln und Kathedern fördern. Die Kirchengeschichte lehrt, daß gerade der Einfluß dieser Intransigenten die maßvollen Priester teils unterdrückt, teils zum Fanatismus fortgerissen hat. Wo also ein erträgliches Ver­hältnis zwischen den Konfessionen bestand, wird es nur unerträglicher werden. Will man aller­dings durch die Zulassung der Jesuiten den lauen Protestantismus aufrütteln, fo werden wir von dieser Geißel uns zur Einkehr und Umkehr treiben lassen, die nicht ganz unverdient ist. Indes geben wir denen, welche sie senden, zu bedenken, daß Gift — Gegengift eine Medizin von zweifelhaftem Wert ist und daß das Gift in charakterschwachen Nationen allzu verheerende Wirkung tun kann." Diese Ungezogenheiten sind

Lonsuelos Schicksale.

Novelle von SR arg. Scylichter.

8 (Nachdruck verboten.)

Seit jenem Abend war das junge Mädchen von den widerstreitendsten Gefühlen erfüllt, aber alle be­wegten sich um den schönen jungen Offizier, der ihr augenscheinlich ein so großes Jntereffe zuwandte. Sie redete sich ein, daß das Mitleid mit ihrem Schicksal und ihrer vereinsamten Stellung den Baron veran­laßte, ihr so gütig entgegen zu kommen; aber der eigentümliche Glanz seiner Augen, so ost ihre Blicke sich trafen, redete eine ganz andere Sprache. Gegen diese Annahme stritt dann wieder ihre beffere Einsicht. Wie konnte sie, die arme, unbedeutende Erzieherin, ihre Augen zu einem jungen Manne erheben, der ge­sellschaftlich so hoch über ihr stand? Dergleichen Ge­danken gingen ihr stets durch den Sinn; die Gefühle chres eigenen Herzens, so ost sie Baron Rudolf sah, eder sein Bild vor ihrem Geiste austauchte, wagte sie sich nicht recht zu deuten. Es war jenes süße Ahnen und Empfinden, welches nichts anderes als die dem selbst noch unbewußte, erwachende Lieve ist. Ihe Jnstintt sagte ihr, daß die zunehmende Unfreund- .ichknt Florentinens in dem Benehmen Baron Rudolfs , rhr gegenüber ihren Grund habe, und darum wich ne ihm aus, so ost sie konnte. Es war Neujahrstag. Lonfuelo war mit ihrer Schülerin in der Frühmesse gewesen und fand, auf ihr Zimmer zurückgekehrt, einen Brief mit dem Poststempel H., er war von ihrer Freundin Käthe Braun.

Ein so umfangreiches Schreiben hatte sie noch nie »on ihr bekommen; sie las und las, und je weiter sie kam, wuchs chr Erstaunen und Interesse. Käthe hatte sich verlobt und erzählte ihrer Freundin alle Phasen hres kleinen Romans. Schon auf ihrem ersten Balle, den sie widerwillig, nur auf den dringenden Wunsche chrer Eltern besucht hatte, war Doktor Eichwald ihr

ausgesprochener Verehrer gewesen, und seit acht Tagen war sie dessen glückliche Braut.

„Mit dem Schulmeistern wird es nun nichts", schrieb sie, „und ich hoffe, daß Du, liebe Consuelo, eines Tages meinem Beispiele folgen wirst; denn daß demnächst ein Ritter erscheint, der mein armes ver­wunschenes Dornröschen enfführen will, ist für mich zweifellos."

Sie schrieb dann, daß sie über's Jahr Hochzeit machen wolle und ihrem Bräutigam in das kleine Städtchen Waldhausen folgen werde, wo derselbe die Praxis seines Vaters zu übernehmen gedenke. Schließ­lich kam ein Passus, der Consuelo besonders interessierte, er lautete:

„Mein Ernst, der gerade Deine Adresse las, sagte, er sei feit seinen Knabenjahren mit einem Baron von Horten befreundet, dessen Vormund sei ein Baron von Schwarzburg gewesen; er meint, derselbe müsse ein Verwandter der Familie sein, in der Du weilst."

Nachdem Consuelo den Brief gelesen, saß sie lange Zeit, die Hände im Schoß, in tiefes Sinnen verloren. Eine ganze Flut von Empfindungen hatte derselbe in ihr hervorgerufen. Wie sehr sie sich auch des Glückes ihrer Freundin freute, konnte sie doch nicht umhin, ihr eigenes freudloses Dasein mit demjenigen Käthes zu vergleichen, und wieder wallte diese heiße Sehnsucht nach Glück und Liebe in ihr auf, die sie schon so ost zum Schweigen gebracht hatte.

Indessen störte sie in ihren Reflexionen hie kleine Adelheid, welche mit ihrem gewohnten Ungestüm ins Zimmer gesprungen kam.

„O, Fräulein Bruchhaufen, kommen Sie schnell mit aufs Eis; Friedrich hat eine Bahn zum Schlitt­schuhlaufen fteigemacht (es hatte nämlich in der Nacht und am Tage vorher geschneit) und Rudolf ist daran, mir einen Schneemann zu machen. O, kommen Sie schnell, es ist so herrlich draußen!"

Consuelo zögerte; fie wollte es vermeiden, mit Baron Rudolf zusammen zu kommen, damit es nicht ven Anschein habe, als ob fie ihn auffuche. Aber die Kleine ließ nicht nach. Zudem war es solch ein

rein frivol vom Zaun gebrochen. Was hat § 2 des Jesuitengesetzes mit den kirchlichen und sitt­lichen Zuständen einer protestantischen Berliner „Diözese" zu tun?

** Der „Cfhnarfcn - Verein" hat einen Wahlaufruf erlassen, in dem er sehr entschieden zu einem gemeinsamen Vorgehen aller Deutschen in den vom Polentum bedrohten Kreisen auffordert. Das ist die Theorie; wie steht es aber, fragt die,Deutsche Tagesztg/, mit der Praxis? „Der dritte Vorstand des Ostmarken- Vereins, der nationalliberale Justizrat Wagner in Berlin, hat sich als Gegenkandidat gegen den bisherigen konservativen Abgeordneten Hilgen­dorff aufstellen lassen und bereits mehrere Wahl­reden gehalten. Was er zur Unterstützung seiner Sonderkandidatur vorgebracht hat, ist nicht im mindesten stichhaltig. Der Abg. Hilgendorff hat niemals ein Wahlkompromiß für die Landtags­wahlen mit den Polen abgeschloffen, sondern lediglich mit den deutschen Katholiken. Daraus kann ihm vom nationalen Standpunkte aus kein Vorwurf gemacht werden. Unsere Freunde, die dem Ostmarken - Verein noch angehören, werden erwägen müssen, ob sie aus diesem Vorgehen eines Vorstandsmitgliedes des Vereins nicht die naheliegenden Konsequenzen ziehen sollen."

* Berlin, 13. Mai 1903. Der Bundesrat wird seine Sommervertagung voraussichtlich gegen Ende Juni oder anfangs Juli anlreten. — Der Ausschuß des Bundesrats für Zoll- und Steuerwesen und die vereinigten Ausschüsse für Zoll- und Steuerwesen und für Rechnungswesen, die vereinigten Ausschüsse für Zoll- und Steuerwesen und für Handel und Ver­kehr, sowie die vereinigten Ausschüsse für Zoll- und Steuerwesen, für Handel und Verkehr und für Elsaß- Lothringen hielten heute Sitzungen. — Dem Minister Budde, der bekanntlich unlängst operiert worden ist, geht es den Umständen nach vortrefflich, und es steht baldige Genesung in Aussicht. Unter den behandelnden Aerzten befindet sich der Sanitätsrat Dr. Thielen, ein Bruder des früheren Verkehrsministers. — Der Kriegs­minister, General der Infanterie v. Goßler, wird den ihm bewilligten dreimonatigen Urlaub am 15. ds. Mts. antreten. — Der, .Reichsanzeiger' veröffentlicht heute in einer besonderen Beilage die .Verhandlungen der Konferenz am 4. April 1903 betreffend die Wur m. krankheit". Der Bericht des amtlichen Organs um­faßt ä'a Seiten. — Als Nachfolger des Erbprinzen von Meiningen im Generalkommando des sechsten Korps wird neben dem Herzog Albrecht von Würt­temberg und dem Divisionskommandeurv. Woyosch der Kommandeur der neunten Division, Generalleutnant v. Eichhorn genannt. — Die Sitzungen der K a r t e l l- Enquete-Kommission sind gestern wieder ausge­nommen worden. Es sind dazu einige 70 Herren ge­laden, darunter auch die Gelehrten und Parlamentarier, die bereits zu den früheren Verhandlungen zugezogen waren. Den Verhandlungsstoff bildet das rheinisch­westfälische Kohlensyndikat, die Beratungen werden voraussichtlich auch noch den morgigen Tag in Anspruch nehmen. Die .Köln. Ztg.' dementiert auf Grund von Erkundigungen an maßgebender Stelle die Meldung der .Post', Minister Budde habe die allmähliche Aus­schaltung der ersten Wagenklasse aus den Per­sonenzügen der preußischen Staalsbahn angeordnet. — Die Verhandlungen der preußischen Eisenbahnverwal­tung mit der Warschau-Kalischer Bahn wegen unmittelbaren Anschlusses letzterer an das preußische Eisenbahnnetz sind, wie aus Posen telegraphiert wird, wegen unerfüllbarer russischer Forderungen auf ge­geben.

* Breslau, 13. Mai 1903. Zum Rücktritt des Erbprinzen von Sachsen-Meiningen

schöner, klarer Wintertag und das Jagen auf dem Eis in der stärkenden Winterluft war ja Erholung und Vergnügen zugleich. Mit diesen Vernunftgründen beschwichtigte sie ihre Bedenken, und ließ sich nur zu gern von dein Kinde entführen.

Unterdessen hatte Baron Rudolf oft und sehn­süchtig nach ihr ausgeschaut und legte gerade die letzte Hand an sein Kunstwerk. Adelheid klatschte vor Ver­gnügen in die Hände, als sie den wohlgelungenen Krieger mit dem martialischen schwarzen Schnurrbart und dem alten Soldatenhelm auf dem Kopfe bewunderte.

„Dafür sollst Du auch ein Küßchen haben", rief die Kleine, und bot dem jungen Mann ihr niedliches Mündchen zum Kusse hin. Der nahm den freundlichen Dank von ihren Lippen lachend entgegen. Dann bot er der Erzieherin die Hand:

„Fräulein, heute ist Neujahrstag, wo man sich gegenseitig viel Liebes und Gutes wünscht. Wenn die Wünsche, die ich für Sie hege, in Erfüllung gehen, so wird der Erde höchstes und reinstes Glück dereinst Ihr Dasein verschönern."

Consuelo dankte mit einem warmen Blick ihrer schönen, dunklen Augen.

„Auch ich wünsche Ihnen viel Glück und Segen, oder vielmehr bm Fortbestand des Glückes, das Sie genießen; denn soviel ich beurteilen kann, besitzen Sie doch alles, was ihr Herz begehrt."

„Da Sie nicht in meinem Herzen lesen können, so können Sie auch nicht wissen, daß es einen Wunsch beherbergt, dessen Erfüllung seinem Glück erst die Krone aufsetzen würde", sagte der Baron lachend. „Vorläufig erwarte ich aber vom Schicksal keine größere Gunst, als daß es mir gestatte, einer holden, blond­lockigen Fee die Schlittschuhe anschnallen und in ihrer Gesellschaft ein Stündchen jagen zu dürfen."

Dabei langte er nach Consuelos Schlittschuhen, um sie ihr anzulegen.

„Aber, Herr Baron, wissen Sie denn nicht, daß eine Fee feinen Ritter für dergleichen Dienste nötig hat, sondern daß sie sich in allen Lagen vorzüglich selbst zu helfen weiß."

schreibt die ,Schlesische Morgenzeitung', daß der Erlaß des Erbprinzen über die Soldatenmiß­handlungen tatsächlich zurückgenommen worden sei.

* N)ctz, 13. Mai 1903. Der Bezirkspräsi­dent von Lothringen, Gras Zeppelin-Asch- hausen, überreichte gestern dem Bischof Benzler den diesem vom Kaiser verliehenen Stern zum Kronenorden 2. Klaffe. General­vikar Karst erhielt den Kronenorden 2. Klaffe.

* Stuttgart, 13. Mai 1903. Die Kam­mer der Abgeordneten nahm einstimmig heute unter geringer Abänderung den Gesetzent­wurf betr. Tilgung der Staatsschuld und Um­wandlung der 4proz. Staatsanleihe vom Jahre 1891/92 in eine neue 3'/-proz. Schuld an. Durch das Gesetz wird an Stelle der bestehenden vertragsmäßigen Schuldentilgung die gesetzliche Schuldentilgung eingeführt und ihre Höhe auf 3/n pCt. der im Anfang eines jeden Rechnungs­jahres bestehenden verzinslichen Staatsschuld festgesetzt. Außerdem wird bestimmt, daß von dem Ueberschuß des Staatshaushaltes 2/& zur Schuldentilgung verwendet werden sollen.

Ausland

* Paris, 13. Mai 1903. Bekanntlich hat der französische Ministerpräsident Combes die Absicht, das Konkordat aufzulösen. Dieser Tage brachte-das monarchistische Blatt ,So teil' eine Unterredung, in welcher Combes erklärt haben soll, die zahlreichen Proteste der Bischöfe gegen seine Zirkulare und seine Politik gegen die Ordensleute haben ihn geärgert, und er werde bei der am 19. Mai erfolgenden Wieder­eröffnung der Kammer die Trennung von Staat und Kirche beantragen und das Ver­trauensvotum stellen. — Inwieweit die Nachricht auf Wahrheit beruht, entzieht sich unserer Be­rechnung, jedenfalls aber klingt sie unwahr­scheinlich, es sei denn, Combes sei amtsmüde, denn für genannten Vorschlag dürfte er schwer­lich eine Mehrheit finden.

* Rom, 13. Mai 1903. Heute Mittag wurden in anderthalbstündiger Audienz, die aus 700 Personen bestehende dritte Abteilung. des deutschen Pilgerzuges im Thronsaale vom hl. Vater empfangen. Die Vorstellung erfolgte durch den Grafen Droste-Vischering Der Vize­präsident des preußischen Landtags Dr. Porsch und Brentano waren anwesend, ebenso die Bi­schöfe von Mainz und Linz, die Familien von Droste, von Galen re. Der hl. Vater war sehr herzlich erfreut und spendete wiederum dem Zentrum seine wärmste Anerkennung. Er hoffe besonders viel Gutes von den bevor­stehenden Wahlen. Auf die Bemerkung des Herrn Justizrats Dr. Porsch, daß viel von den Gebeten der Katholiken zu erhoffen sei, erwiderte der Papst: Ich werde es an meinen Gebeten

Schon kniete fie am Boden und bald saßen die Schlittschuhe an ihren reizenden kleinen Füßen.

„Sehen Sie, so geht es", lachte sie vergnügt; „ich werde nun mit Adelheid jagen, und wenn Sie sich anschließen wollen, so ist es uns recht lieb."

Aber der kleine Witdsang war nicht zum Schlitt­schuhlaufen aufgelegt, sondern amüsierte sich auf andere Weise weit besser, indem er nämlich den alten Diener Friedrich mit Schneebällen bombardierte, die dieser freigebig erwiderte. Nur zu gern ließ Consuelo sich jetzt des Barons Gesellschaft gefallen. So schwebten sie denn Hand in Hand auf der glatten Fläche dahin, den frohen Genuß des Augenblicks voll auskostend und nur ab und zu gleichgiltige Redensarten austauschend, bis Consuelo sagte:

„Herr Baron, ich erhielt soeben einen Brief von meiner besten Freundin; derselbe enthält eine Nachricht, die Sie vielleicht interessieren dürfte. Wenn ich recht gehört habe, liegt Ihr Stammschloß unweit des Städtchens Waldhausen, nicht wahr?"

„Ja, fteilich, verehrtes Fräulein."

„Meine Freundin schreibt mir, sie habe sich vor acht Tagen mit einem Arzt, Ernst Eichwald mit Namen verlobt. Derselbe fei aus Waldhaufen ge­bürtig."

„Ernst Eichwald? Ja, das ist ein lieber Freund von mir. Wir haben manchen dünnnen Streich zu­sammen ausgeführt und unseren Lehrern manches Schnippchen geschlagen. Ernst war aber doch immer der Verständigere von uns beiden und sein Kopf weit zugänglicher für die Verse eines Horaz als der meinige. Da Waldhausen keine höhere Schule hat, so baten meine Eltern die Eichswalds, sie möchten ihren Ernst an dem Unterrichte meines Hauslehrers teilnehmen lassen. Sie versprachen sich für mich einen guten Erfolg davon, und Eichwalds waren froh, auf diese Weise ihren einzigen Sohn noch eine Zeitlang bei sich behalten zu können. Er ist ein guter Kerl unb da­für, daß seine Wahl eine glückliche ist, spricht der Umstand, daß seine Braut sich Ihre Freundin nennen darf."