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3- parzeller in Fulda. Wochenbeilage: „Illustrierte Sonntagszeitung"

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Druck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda (Harmonie) Fernsprecher Nr. 9.

M 107.

flllda, Dienstag, den 12. Mai 1903.

Jahrgang.

** Vie Romsahrt des Deutschen Kaisers.

Es hat alles seinen Grund. Wenn diesmal im In- und Auslande über den Besuch des Kaisers im Vatikan so auffallend viel geschrieben wird, haben wir nach den Gründen nicht allzu­weit zu suchen. In Deutschland stehen die Wahlen bevor. Gewisse Leute glauben nun, mit der Ausnutzung protestantischer Stimmungen und Vorurteile bei den Wahlen gute Geschäfte machen zu können. Der evangelische Bund hat in plumper Weise schon den Verzicht der Kaiserin auf die Romreise zur Aufstachelung der konfessionellen Leidenschaften benutzt. Das Lob, das man der Kaiserin spendete, sollte zugleich ein Tadel gegen den Kaiser sein. Man wollte die Gemüter erbittern, indem man den bevorstehenden Besuch beim Papste als verletzend für das evangelische Bewußtsein, als demütigend für einen evangelischen Mann und als Triumph für die herrschsüchtigen Ultramontanen hin- stellte.

Nachdem der Besuch einen so glänzenden und herzlichen Verlauf genommen hatte, kam der Verdruß in noch stärkerem Maße zum Ausdruck, merkwürdiger Weise in ganz besonders scharfer Form in Blättern, hinter denen niemand evangelisches oder christliches Bewußtsein suchen wird. Es verdient Anerkennung, daß ein großer Teil der angesehensten Blätter den Lärm nicht mitgemacht hat, sondern es für ziemlich selbst­verständlich hält, daß der Kaiser, wenn er nach Rom kommt, auch dem Papste einen Besuch ab­stattet, zumal er als Haupt eines über 20 Mil­lionen Katholiken zählenden Reiches auch auf diese Rücksicht nehmen und schon aus politischen Gründen das Bedürfnis empfinden muß, mit dem geistigen Oberhaupte dieser 20 Millionen in guten Beziehungen zu stehen. An dem „Pomp" und „Glanz", der bei der Fahrt zum Vatikan entfaltet wurde, nahm die besonnenere Presse um so weniger Anstoß, als wir an so etwas daheim doch gründlich gewöhnt sind.

Es verdient auch Anerkennung, daß von offi­ziösen Seiten den protestantischen Heißspornen ent­gegengetreten wird. Die Zurechtweisung, die die ,Nordd. Allg. Ztg/ der .Agence Havas' ange­deihen ließ, können diese Heißsporne ruhig als zugleich auf sich gemünzt ansehen. Denn sie haben dasselbe gesagt, was die offiziöse französische Agentur Jagte: Die amtlichen Kreise Italiens müßten sich durch den Besuch beim Papst verletzt fühlen. Die Wiener ,Neue Fr. Pr/, deren „pro­testantisches Bewußtsein" sich verletzt fühlt, weil der Kaiser, der Kanzler, die Söhne des Kaisers eine „tiefe Verbeugung vor dem Papste" gemacht haben, wird in der offiziösen ,Südd. Reichskorresp/ mit verdientem Spotte abgefertigt und dann be­lehrt, daß cä der auch in Italien anerkannten

Consuelos Schicksale.

Novelle von Marg. Schlichter.

6 ■ (Nachdruck verboten.)

Man bedeutete ihr mit einem stostigen „Gute Nacht", daß ihre Gegenwart in der Familie nicht erwünscht sei.

Sie zog sich denn auf ihr Zimmer zurück und überdachte die Eindrücke, die sie bis jetzt von ihrer neuen Stellung empfangen hatte. Es fröstelte sie, aber weniger, weil es an jenem Herbstabend ziemlich kühl war, sondern weil sie sich von der Atmosphäre, in die sie versetzt war, angekältet fühlte. Hier sollte sie, die nach Glück und Liebe dürstete, einen Teil ihrer Jugend verbringen; noch nie hatte sie sich so einsam und verlassen gefühlt und unaufhaltsam rollten ihr die Tränen über die Wangen. Dann aber raffte sie sich gewaltsam auf und schalt sich, daß sie schon in der ersten Stunde so zaghaft sei, da sie sich doch vor­genommen hatte, mutig den Kampf mit dem Leben aufzunehmen.

Der Baron äußerte an diesem Abend zu seiner Gattin: „Adelheids neue Erzieherin ist eine bild­hübsche Person, und weißt Du, an wen sie mich leb­haft erinnert?"

„Nun?"

„Sn meine verstorbene Schwester Maria; sie hat ganz dieselben feinen Züge, ganz dasselbe gold­blonde Lockenhaar; nur ihre Augen sind noch schöner, als die der seligen Maria."

„Pah, wie magst Du unsere Gouvernante nur mit Deiner Schwester vergleichen?" —

Am anderen Morgen begann Consuelo sich ihrer Aufgabe mit großen Eifer zu widmen. Anfangs hatte sie mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen. Adel­heids Kenntniffe waren noch sehr mangelhaft und der unruhige Geist des Kindes wollte sich durchaus nicht

völkerrechtlichen Stellung entspreche und ganz selbstverständlich sei. daß der Kaiser den Papst besuchte. Er hätte das auch getan, wenn es nicht gerade 20 Millionen deutscher Katholiken und keine Zentrumspartei gäbe. In ihrer Wochen­rundschau, die allerdings einen nichtoffiziösen Stempel trägt, drückt die ,Nordd. Allg. Ztg/ sich ähnlich aus. Das Verhältnis zwischen Deutsch­land und Italien hat, sagt sie, „keine Schwächung, sondern eine wesentliche Ergänzung erfahren durch den Grad persönlicher Hochschätzung, den Kaiser Wilhelm als weltliches Oberhaupt von 20 Mill katholischer Deutscher ihrem geistlichen Oberhaupt, dem Papst bezeigte." Dem ,Hann. Kourier' der einem englischen Blatte allerlei von der Klerikali- sierung Deutschlands und der Aufsaugung des protestantischen Preußen nachgeredet hat, sagt die ,Südd. Reichskorresp.' ohne Umschweife, das sei „dummes Zeug". Bitter fügt sie hinzu: „Ueb- rigens wird man sich über die Absurdität aus­ländischer Urteile weniger wundern, wenn man an die jüngsten Leistungen evangelischer Polemik denkt, an die Vorwürfe der „sich schämenden" Preußen gegen einen Herrscher, der aufrichtig religiös und ein treu evangelischer Mann, zum engherzigen Orthodoxen aber allerdings durch seinen geistigen Weitblick und die Freiheit seines Sinnes wohl für immer verdorben ist."

Die Fanatiker werden sich natürlich durch keine Belehrung und keine Heimleuchtung von ihrem Treiben abbringen lassen. Aber die Hoffnung schöpfen wir aus dem bisherigen Verlaufe der Wahlbewegung doch, daß mit der Aufregung der konfessionellen Leidenschaften nur in einigen Oasen des evangelischen Bündlertums auf die Wahlen merklich eingewirkt wird.

Daß man in Frankreich das Bedürfnis empfindet, Deutschland und Italien aus Anlaß des Kaiserbesuches im Vatikan zu verhetzen, er­klärt sich schon aus dem Interesse, das Frank­reich an der Störung des Dreibundes und ins­besondere der Ablockung Italiens von ihm hat. Es kommt hinzu, daß die französische Regierung durch ihre rübe Kulturkämpferei mit dem Vatikan in ein gespanntes Verhältnis geraten ist. Haben die Combes und Genoffen schon ohnehin keine Freude daran, den Papst geehrt und geachtet zu sehen, so muß es doppelte Eifersucht bei ihnen erregen, wenn das Oberhaupt des gehaßten Deutschen Reiches ihn ehrt und die freundschaft­lichsten Beziehungen zu ihm unterhält. Unsere ,Nordd. Allg. Ztg/ ist nun freilich zu weit ge­gangen, wenn sie meinte, die glänzende Fahrt des Kaisers zum Vatikan werde den katholischen Deutschen ein neuer Beweis fein für die Frei­heit, die Macht und das Ansehen, dessen der Papst sich in der Hauptstadt des geeinten Italiens erfreue, denn andere Tatsachen beweisen, daß es mit dieser Freiheit sehr übel bestellt ist. Aber sie hat die namhafte italienische Presse und die italienischen Regierungskreise für sich, wenn sie die Unterstellung zurückweist, als könnte Italien durch den Besuch verletzt sein. Denn diese legen ihn geflissentlich als glänzenden Beweis für die Vortrefflichkeit ihres Garantiegesetzes und für die Freiheit des Papstes im Genuß feiner Rechte als

fesseln kaffen und war bald hier, bald dort auf der Wanderschaft, aber selten da, wo er sein sollte. Die Lehrerin wußte aber den Unterricht so anziehend zu machen, daß die Kleine allmählich Gefallen daran fand; auch gewann sie in kurzer Zeit die L ebe und das Vertrauen ihrer Schülerin in hohem Grade und übte einen so günstigen Einfluß auf dieselbe aus, daß das bisher so störrische und unlenksame Kmd gänzlich umgewandelt wurde.

Consuelo gewöhnte sich inzwischen schnell an ihre neuen Verhältnisse. Der Oktober war unge­wöhnlich schön gewesen und sie hatte sich täglich längere Zeit mit ihrer Schülerin im Freien bewegen können. Die Gegend um Lahrenstein bot Gelegenheit zu den schönsten und angenehmsten Spaziergängen, und diese, sowie der sonntägliche Besuch der Dorfkirche brachten die einzige Abwechslung in ihr einförmiges Leben. Aber dann kam dex Winter mit seinen Schneegestöbern und seinen langen Abenden. Wege und Stege waren ver­schneit, und wer nicht draußen zu tun hatte, blieb hübsch daheim im gewärmten Zimmer.

Wie oft stand Consuelo jetzt am Fenster, blickte auf die grauen Wolken und die niederschwebenden Schneeflocken, die alles ringsum in ein Leichentuch hüllten. Der Anblick der ersterbenden Natur stimmte sie unendlich traurig und manch leiser Seufzer kam über ihre Lippen, manche heimliche Träne stahl sich aus ihrem umflorten Auge. Endlich aber ließ das Schneegestöber nach; ein heiterer blauer Himmel dehnte sich über der weißen Erde aus; ein starker Frost hatte alles Wasser in Eis verwandelt, dem rieselnden Bächlein Halt geboten, sodaß es jetzt schlummernd in des Winters starren Armen lag, unbekümmert um den lauten Jubel der tollen Dorf­jugend, die sich auf seinem Rücken tummelte. Auch der Schloßgraben war mit dichter Eisschicht bedeckt, und Consuelo und ihre Schülerin benutzten die Er­holungsstunden, um sich im Schlittschuhlaufen zu üben; d. h. das Neben galt mehr von der letzteren, denn Consuelo war eine vorzügliche Eisjägerin. _

Souverän aus. Darum kann der französische Versuch, Zwietracht zu säen, nicht gelingen.

Berlin, den 11. Mai 1903.

** Der ,Reichsanzeiger' veröffentlicht das Abkomme» zwischen Deutschland und Venezuela über die zur Feststellung der deut- schenReklamationenberufenen gemischtenKom- misfion und das Abkommen zwischen Deutsch­land und Venezuela über die schiedsrichter­liche Entscheidung gewisser Fragen wegen Bezahlung der deutschen Reklamationen bei der Kommission von dem deutschen Gesandten in Caracas bis zum 1. Juli 1903 anzumelden. Die Interessenten werden daher möglichst bald die ihre Schadenersatzansprüche betreffenden Ein­gaben unmittelbar an den Kaiserlichen Gesandten zu richten haben. Dabei werden die einzelnen Ansprüche genau zu begründen, auch die erforder­lichen Beweisstücke beizufügen fein.

** Der Staatssekretär des Inneren hat dem Centralverband Deutscher Handlungs­agentenvereine mitgeteilt, daß er der Ein­reichung des ihm in Aussicht gestellten Materials zu der Erhebung über die Wirkungen der Kartelle auf Zwischenhandel und Agenten gern entgegensehe und dem Centralverband anheim­gestellt, ihm Vertreter zu bezeichnen, die in der Lage sind, sich auf Grund der von ihnen im geschäftlichen Verkehr mit Syndikaten gesammelten Erfahrungen gutachtlich zu äußern. Der Central­verband hat jetzt die Vorstände der Verbands­vereine aufgefordert, die Emsammlung der an ihre Mitglieder verteilten Fragebogen betreffend die Kartellerhebung aufs äußerste zu beschleunigen, refp. das Material oder einen die Ergebnisse zufammenfassenden Bericht alsbald einzusenden oder ihm gleichzeitig Agenten namhaft zu machen, welche geneigt sind, den Centralverband in dieser Frage zu vertreten.

** Minister Budde hat die allmälige Ausschaltung der 1. Wagenklaffe aus den Personenzügen der preußischen Staatsbahnen angeordnet. Diese Maßregel wird voraussichtlich schon im Herbst ds. Js. beendet fein.

**, Für das abgelaufene Etatsjahr haben aus den im Etat der Staatseifenbahnver- waltung zur Prämiierung nützlicher Er­findungen vorgesehenen Mitteln 16 Beamten und Arbeitern der Eisenbahnverwaltung Be­lohnungen im Gesamtbeträge von 5950 Mark für Erfindungen und Verbesserungen, die für die Erhöhung der Betriebssicherheit oder in wirt­schaftlicher Beziehung von Bedeutung find, be­willigt werden können.

Ausland.

* Barcelona, 11. Mai 1903. In Tar- rafa kam es gestern abend zu einem Zusrm-

So waren sie auch an einem sonnigen Dezember- Nachmittag, zwei Tage vor dem Weihnachtsfest, zu­sammen auf dem Eise und gingen nach Herzenslust ihrem Vergnügen nach, und es wäre schwer zu sagen gewesen, wer sich bei dieser Gelegenheit besser amü­sierte, die junge Lehrerin, die hierbei ihre Rolle als solche ganz vergaß, oder das vor Freude strahlende kleine Mädchen an ihrer Seite.

Unterdeffen durchschritten zwei junge Offiziere in der kleidsamen Uniform des Garderegiments die Lindenallee, welche zum Schloß führte. Der eine, Egon mit Namen, der Sohn des Hauses, mit bleichen, blasierten Gesichtszügen, kurzem blonden Haar und einem kecken, an den Enden spitz aufstrebendem Schnurrbärtchen, sowie einem Monofte vor dem Auge, war der Typus eines routinierten Lebemannes. Der andere, hoch und kräftig von Gestalt, mit angenehmen Zügen, starkem dunkelblonden Haar und einem üppigen Vollvart, bot ein Bild von Kraft, männlicher Schön­heit und Gesundheit.

Rudolf von Horten, so hieß der junge Mann, hatte seine Eltern stütz verloren. Sein Vater starb, als er fünfzehn Jahre alt war, seine Mutter zwei Jahre später; bei ihrem Tode übernahm deren un­verheiratete Schwester die Leitung des Hauswesens in seinem Stammschloß und ein tüchtiger Rentmeister verwaltete seine Güter. Obschon er mit der Familie von Schwarzburg nicht verwandt war, so wurde er doch stets von ihr wie ein Verwandter behandelt. Die Familien von Schwarzburg und Horten, deren Güter nahe bei einander lagen, waren von jeher eng mit einander befreundet gewesen, die Kinder waren o zu sagen mit einander ausgewachsen, und als Rudolf das Unglück hatte, seinen Vater zu verlieren, hatte der alte Baron von Schwarzburg auf Schwarzburg gern die Vormundschaft des verwaisten Knaben über­nommen.

„Habe ich Dir schon gesagt," begann Egon, „daß Aron Sllbersiein mir noch eine Galgenfrist von acht Tagen bewilligt hat? Ich kann somit die unliebsame

menftoß zwischen Republikanern und Polizei. Mehrere Schüsse wurden abgegeben, durch die ein Polizist und ein Manifestant ge­tötet und mehrere andere Personen verwundet wurden.

* Madrid, 11. Mai 1903. Als die In­fantin Maria Isabella von Spanien am Samstag nachmittag vor ihrer Villa nach ihrem Spazierritt vom Pferde stieg, schlug das Pferd ihr mit dem Hinterhuf mitten ins Ge­sicht. Wie leblos sank oie Infantin zusammen. Die herbeigerufenen Aerzte konstatierten eine leichte Gehirn sch ütterung und eine Wunde an der Lippe, die mit sechs Stichen genäht werden mußte. Die königliche Familie, die Regierungsbehörden und die Aristokratie sprachen im Palais vor, um sich nach dem Befinden der allgemein beliebten Infantin zu erkundigen. Die Jnsantm Maria Isabella Franziska, eine Schwester König Alfons' XII., ist am 30. Dezember 1851 zu Madrid geboren, sie vermählte sich im Jahre 1868 mit dem Prinzen von Bourbon-Sizilien, der 1871 starb.

* Petersburg, 11. Mai 1903. EinRund- schreiben des Ministers des Innern an die Gouverneure, Stadthauptleute und Ober- polizeimeister entwirft von der Juden hetze in Kischinew folgendes Bild: Bei den Un­ruhen, deren Urheber vorzugsweise einfache Leute waren, wurden 45 Personen getötet, 74 schwer und 350 leichter verletzt. Gegen 700 Juden gehörige Häuser und 600 Geschäfts­lokale wurden geplündert. Die Unruhen find hervorgerufen durch das zugespitzte Ver­hältnis zwischen den Christen und Juden Bessarabiens. Gerüchte über angebliche Ritual­morde im Gouvernement Cherson, in Kiew und Kischinew veranlaßten das Gerede, es müsse gegen die Juden losgegangen werden. Ge­schriebene Ausrufe dazu wurden verteilt. Den direkten Anlaß zur Judenhetze gab. am Oster­sonntag Nachmittag die Mißhandlung einer Christenfrau durch einen jüdifchen Karussell­besitzer. Die Menge warf Steine gegen die benachbarten Judenhäuser und durchzog dann verschiedene Stadtteile, überall jüdische Häuser und Verkaufsbuden zerstörend. Am Ostersonn­tag wurden bereits 9 Juden getötet. Darauf erneuerten sich die Unruhen. Die die Stadt durchziehenden Militärpatrouillen erwiesen sich als ungenügend. Neue Truppenkommandos wurden herbeigerufen und die Aufrechterhaltung der Ordnung der Militärobrigkeit übertragen. Nachdem die Truppen planmäßig auf die ein­zelnen Bezirke verteilt waren, hörten die Unruhen am Abend des Ostermontags auf. Die Vor­gänge in Kischinew riefen an vielen Orten des Reichs Unruhe hervor. In einigen Städten be­gannen sich, Judenvereinigungen zur Selbstver­teidigung zu bilden.

* Konstantinopel, 11. Mai 1903. Bei den Bandenkämpfen sind nach türkischen Angaben bei Capary und Orazari in der Nähe von Monastir 15 Bulgaren getötet und 74 ge­fangen worden, die türkischen Verluste sind gering. In einem Kampfe mit einer Bande bei Karaseria

Erörterung bis nach dem Fest verschieben; freilich wird der Wechsel auch als Nevjahrswunsch eine unwill­kommene Ueberaschung für meinen Alten fein, und ich mache mich auf ein furchtbares Unwetter gefaßt. Aber was soll ich machen? Das Geld muß Neujahr zur Stelle sein, länger wartet der Jude nicht. Ich rechne übrigens stark darauf, daß Du mir den Rücken deckst, wenn die Geschichte bei Vater zur Sprache kommt. Denke Dir, das letzte Vergnügen hat mich allein zehntausend Mark gekostet!"

„Was, und Du glaubst im Ernst, daß ich Deine Torheiten 6,ei Deinem Vater entschuldigen werde? Wie ost habe ich Dir schon gesagt, Du solltest mit den Mitteln rechnen, die Dir zu Gebote stehen. Aber fteilich, wenn man an einem Abend am Spieltisch oder in lustiger Gesellschaft Summen verschleudert, von denen eine arme Familie das ganze Jahr leben könnte, so ist man bald am Ende mit seinen Mitteln. Wollte Golt, daß Du endlich zur Einsicht kämest; bei dem Leben, das Du führst, wirst Du Dich und die Deinen ruinieren."

„Um Gottes willen nur keine Moralpredigten, an Dir ist ein Kapuziner verloren gegangen. Ich verspreche Dir, daß ich, wenn ich alt bin, der ehrsamste und solideste Landjunker von der Welt sein werde; aber jetzt will ich den Becher der Freuden bis zur Neige kosten.

„Um auch das Gift zu schlürfen, das auf seinem Grunde lauert", sagte Rudolf ernst.

„Ach, geh doch, ich bin nun einmal nicht zum Philister geboren; solch einen Mustermenschen, wie Du bist, gibt es auch nicht mehr unter uns, und Du wirst gewiß bald ein Musterehemann werden. Sagtest Du nicht, daß Du im Frühjahr den bunten Rock ausziehen und Dich der Bewirtschaftung Deiner Güter widmen wolltest?"

„So ist es; aber was das Heiraten angeht, so habe ich bis jetzt noch keine junge Dame gefunden, die ich für würdig erachtete, an Stelle meiner guten, seligen Mutter auf Schloß Groneburg zu walten, und