Einzelbild herunterladen
 

«rfcheml täglich, wit Hesnabme bet $otm= gitb Feiertage, viertel- Mrl. Bezugspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in 8ulda und auswärts 1 Mit. 50 Pfg

Verantwortlicher rchriftleiter:Zos.Baum für die Inserate 3. Porzeller in Zulda.

Maer W Zeitung

wochmd-wge: „Illustrierte banntagrzeitung" Monakbciiogc: „Zuldaer Geschichtsblätter".

Anreise«: Vie eht» fpattige peritzeile »der deren Meum |5 psg. Reflamen die Petitzeile 25 Psg.; bet Wieder­holungen wird entspr Rabatt gewährt.

Druck und Verlag der Fuldaer Aetiendruckerei in Fulda (Harmonie). Fernsprecher Nr. 9.

Ns 105.

TUlda, Samstag, den 9. Mai 1903.

** Jesmtengesetz und kein Ende.

Das Karnickel hat wieder einmal angefangen. Von allen Seiten regnet es Vorwürfe gegen das Zentrum, weil es die Jesuitenfrage zur „Wahlparole" gemacht habe. Am entrüstetsten geberden sich gerade die Leute, welche ihrerseits die Wahlparole: „Kampf gegen Jesuitismus und Uliramontanisnms!" unablässig ins Land hinaus­schreien. Und wie sie ihr Gejammer über die „ultramontane Gefahr" und ihre Klagen, daß die Regierung und die Parteien so wenig zum Schutze des „Evangeliums" tun, regelmäßig mit der stolzen Versicherung schließen: „Wir fürchten uns nicht vor Rom und feinen Jesuiten," so heißt es auch jetzt : „Uns kann's recht sein, wenn das Zentrum die Jesuitenfrage zur Wahlparole macht."

Gewiß, es ist den Herren sehr recht, denn sie wollen ja eben die konfessionelle Hetze in den Wahlkampf tragen. Wenn nun das Zentrum leinen Anhängern sagt: „Gebet keinem Kandi­daten die Stimme, der sich nicht für die Auf­hebung des § 2 des Jesuitengesetzes erklärt hat," w hoffen sie, daß diese „Herausforderung" end­lich den von ihnen ersehnten Erfolg haben wird und alle Parteien auf die Parole der „antiultra­montanen Wahlvereinigung" hören werden. Wir unferseits können ja das weitere in aller Ruhe abwarten. Nachdem das Zentrum ganz andere Stürme bestanden hat, wird es heute von dem „antiultramontanen" Winde wohl nicht mehr zu Boden geschmettert werden. Aber im Interesse der Wahrheit müssen wir doch nochmals fest­stellen, daß das Zentrum nicht „artgefangen" hat. Selbst die ,Kreuzztg/ hat bezeugt, daß es die Nationalliberalen und die dem evange­lischen Bunde nachlaufenden Konservativen gewesen sind, die dem Zentrum sein Verhalten aufgezwungen haben. Es würde doch nicht im entferntesten daran gedacht haben, die Wähler zur Erkundigung nach der Stellung des Kandi­daten zum Jesuitengesetze auszufordern, wenn die protestantischen Zeloten nicht eine so wüste Hetze gegen die Aufhebung des § 2 ins Werk gesetzt und damit anscheinend eine ganze Reihe von Bundesregierungen und von Abgeordneten aller Parteien eingeschüchtert hätten.

Da kann dem Zentrum doch die Jesuitenfrage bet den Wahlen unmöglich gleichgiltig fein, eoü es etwa ruhig zusehen, daß ein Kandidat nach dem andern von den evangelischen Bündlern verpflichtet wird, gegen die Aufhebung des § 2 zu stimmen und so vielleicht im nächsten Reichs- rag eine Mehrheit für die Beibehaltung zustande kommt? Pflicht und Ehre gebieten ihm, sich dagegen zu wehren, fo gut es geht; und da hat es kein^anderes Mittel, als von den Kandidaten, deren Schicksal von Zentrumsstimmen ab hängt.

eine Erklärung gegen § 2 zu verlangen. Man denke sich doch einmal den Fall, eine protestanten­feindliche katholische Mehrheit hätte ein gehässiges Ausnahmegesetz gegen die Diakonissen zustande gebracht, nach langem vergeblichem Bemühen der Diakonissenfreunde hätte endlich die Regierung die Aufhebung des Gesetzes in Aussicht gestellt und nun veranstalteten katholische Hetzer eine wilde Bewegung gegen die Aufhebung und suchten die Reichstagskandidaten in ihrem Sinne zu be­einflussen — würde es da nicht jeder aufrichtige Protestant für seine Pflicht ansehen, keinem Kandidaten die Stimme zu geben, der sich nicht verpflichtete, für die Aufhebung des Gesetzes zu stimmen? Was man bei den Protestanten für Pflicht erachtete, wird in gleichem Falle den Katholiken doch noch wohl erlaubt sein!

Die ,Berl. Pol. Nachr.' haben die Zentrums­wähler mit der Versicherung zu beruhigen versucht, daß die Aufhebung des § 2 ja doch erfolgen werde, wenn es nur erst wieder etwas ruhiger geworden sei. Leute, die die Unterredung des Reichskanzlers mit dem Kardinal­staatssekretär Rampolla belauscht haben wollen, behaupten, Graf Bülow habe dem Kardinal­staatssekretär etwas Aehnliches gesagt. Wenn wir nun auch überzeugt sind, daß die Auf­hebung einmal erfolgen wird, so müssen wir doch sagen, daß die Rolle, die man ihm und dem Bundesrate da zugedacht hat, doch wenig impo­nierend, ja geradezu unwürdig ist. Man glaubt es glücklich so weit gebracht zu haben, daß die Mehrheit des Bundesrates gegen die Aufhebung ist. Hessen, Württemberg, Sachsen, Baden und vielleicht noch andere Einzelstaaten sollen in dieser Frage Fühlung mit einander ge­nommen haben und eine einheitliche Haltung im Bundesrate beobachten wollen. Und nach einiger Zeit wird ein Teil von ihnen wieder anders stimmen, so daß eine Mehrheit für die Aushebung herauskommt! Ist das nicht eine Komödie? Wo hofft man denn Dank für eine solche schwächliche Haltung zu erwarten, die von sachlichen Erwägungen auch so gar nichts verspüren läßt? Hat man wirklich so wenig Respekt vor den Schreihälsen des evangelischen Bundes, daß man der Aufhebung des § 2 doch zuftirnrnen will, warum denn jetzt vor ihnen zurückweichen? Fürchtet man sie aber so, wie kommt es denn, daß man nocy eine Weile ihren Zorn mutig herauszufordern beabsichtigt? Die Verschiebung der Entscheidung heißt nur die Hetze ins Unendliche ausdehnen zum Schaden des konfessionellen Friedens und des Landes.

Wie weit übrigens der Fanatismus geht, dafür liegt eine charakteristische Probe aus dem ebenso duldsamen wie hellen Sachsen vor. Ein Herr Arthur Pleißner, der gegenwärtig auf dem Königstein eine Festungshaft wegen Majesläts- beleidigung absitzt, veröffentlicht in der Münchener Wochenschrift .Freistatt' einen Artikel, worin kurzer Hand mit der Revolution der Sachsen gedroht wird für den Fall, daß Sachsen für die Aufhebung des § 2 stimme.

Consuelos Schicksale.

Novelle von Marg. Scylichter.

4 (Nachdruck verboten.)

Als Consuelo sechs Jahre alt war, wurde ein Erzieherin für sie engagiert, eine fein gebildete, liebens­würdige junge Dame, der Consuelo sehr zugetan war. Es zeigte sich, daß sie eine große musikalische Be­gabung besaß, und Fräulein Dalm:r ließ es sich an­gelegen sein, das schöne Talent ihrer Schülerin ganz besonders zu pflegen.

Sie wuchs heran, zärtlich gehegt und gehütet, bis ein Ereignis eintrat, welches eine merkliche Aenderung in dem Benehmen der Frau Brauer gegen sie zur Folge hatte. Die Ursache dieser Wandlung lag eines Morgens in Gestalt eine« winzig kleinen, zappelnden Menschenkindes in der Wiege im Schlafzimmer der Frau Konsul. Consuelos Freude, ein Schwffterchen bekommen zu haben, war ungemein groß. Daß aber dieses kleine Wesen sie vollständig aus dem Herzen

Pflegemutter verdrängen sollte, ahnte Consuelo puht. sind doch war dem so; sie war bei jener jetzt angewies'g ®elt,or^cn un& ganz auf ihre Erzieherin

Die kleine Amanda war em sehr zartes Geschöpf- chen das sich nur langsam entwickelte und seine C-2n flften Sorgen und Aengsten hielt. Wenn >lc "!• Kinderzimmer weilte und Consuelos *>on Gesundheit trotzendes Aeußere mit dem bleichen, kränklich ausgehenden Gesichtchen ihrer Amanda verglich, w ging thr ein Stich durch's Herz; ein Gefühl von Neid wallte m ihr auf und steigerte sich in dem Maße, dag sie Consuelos Anblick nicht mehr ertragen konnte, und sie entschloß sich, das Kind aus ihrem Hause zu entfernen. Dabei stieß sie aber auf heftigen Widerstand von fetten ihres Mannes. Gewohnt, sich immer den Wünschen seiner Frau zu fügen, hielt er in diesem Punkte den seinigen austecht. Er bestand darauf, daß

sein Haus Conine os Heimat sein und bleiben solle, und alles, was seine Gattin erreichen konnte war das Versprechen, daß Consuelo nach vollendetem dreizehnten Lebensjahre für längere Zeit einer Erziehungsanstalt übergeben werden sollte. Der Konsul war hiermit ganz einverstanden; denn er hielt es für notwendig, daß das Kind, welches bis jetzt sehr wenig mit anderen Kindern in Berührung gekommen war, mehr mit Altersgenossinen verkehren müsse. So blieb denn Con­suelo im Hause ihrer Pflegeeltern bis zum Tage ihrer ersten heiligen Kommunion.

Schon am folgenden Tage brachte der Konsul sie in eine feine klösterliche Erziehungsanstalt in der ober- bayerischen Gebirgsgegend und er überzeugte sich sofort, daß hier sein kleiner Augentrost gut aufgehoben sei. Consuelo wurde bald der Liebling ihrer Lehrerinnen und Mitschülerinnen und die Jahre im Kloster Marien­burg schwanden ihr tote ein schöner Traum. Sie war nun siebzehn Jahre alt und sollte in einigen Wochen auf den Wunsch des Konsuls für immer in das Haus ihrer Pflegeeltern zurückkehren. Allein das Schicksal hatte es ganz anders bestimmt.

An einem Nachmittag, als Consuelo in der Er- holungsz it sich mit ihren Gefährtinnen im Freien belustigte, er chien die Oberin auf dem Spielplätze und forderte sie auf, ihr iu's Sprechzimmer zu folgen. Lange blickte die gute Schwester Florentia mit ihren milden klugen Augen auf Consuelos erglühtes Gesicht­chen, strich ihr sanft die widerspenstigen Löckchen aus der Stirn und sprach, indem sie sich Mühe gab, ihre Bewegung zu verbergen:

„Ich habe soeben einen Brief von Deiner Pflege­mutter erhalten, der leider keine guten Nachrichten für Dich enthält."

Consuelo sah geängstigt in das Antlitz der würdigen Mut'er: „Was ist geschehen? O, sagen Sie es mit; ist Papa vielleicht erkrankt?" Als ich das letztemal zu Hause war, klagte er häufig über Kongestionen und hatte fast beständig Kopfschmerzen."

„Du hast's erraten, mein Kind, es steht nicht gut mit ihm."

Nachdem allerlei törichtes Zeug über den in Sachsen herrschenden „latenten Ultramontanismus" ge­redet und einige Ungezogenheiten gegen das Königshaus von dem Majestätsbeleidiger ange­bracht worden sind, heißt es, Sachsen wolle in Sachen des Jesuitengesetzes nur deshalb den Status quo gewahrt sehen, „weil im Lande der königlichen Wettiner das Volk im anderen Falle nur zu leicht mit einer unzweideutigen Demonstration wider fein römisch- katholifches Königshaus antworten könnte, mit einer Massenkundgebung, die von einer — Revolution kaum zu unterscheiden wäre". Also Revolution, wenn Sachsen im Bundesrate mit Preußen für die Aufhebung des 8 2 zu stimmen wagte. Nun roiffen wir allerdings aus der Geschichte, daß man auf protestantischer Seite oft sehr rasch mit der Revolution bei der Hand war, wenn katholische Monarchen sich den Forderungen protestantischer Wortführer nicht fügen wollten, aber daß die Hetzer es in Sachsen bereits so weit gebracht hätten, daß auf ihren Wink eine Revolution gegen das katholische Königshaus ausbräche, wollen wir nun doch nicht glauben. Jedoch merken wollen wir uns die Drohung als kennzeichnend für die „loyalen" Leute, die hinter den Jesuitenhetzern stecken und die Jesuiten als staatsgefährlich verschreien. Neugierig sind wir, was die übrigen Hetzer zu dem guten Dienste sagen werden, den Herr Arthur Pleißner in seinem llebereifer ihrer Sache erwiesen hat.

Berlin, den 8. Mai 1903.

** Gewisse politische Kreise im Auslands haben den Augenblick, in dem der Kaiser den Boden Italiens wieder verlassen würde, kaum erwarten können, um ihre Treibereien zwischen Deutschland und Italien von neuem in Scene zu setzen. Nach einem Pariser Zeitungstelegramm verbreitet die .Agence Havas' aus Rom datierte Depeschen, die sich zu der Behauptung versteigen, die Art des Kaiserbesuches beim Papst habe in offiziellen italienischen Kreisen einen peinlichen Eindruck gemacht, der immer mehr zunehme. In­folgedessen sei die politische Wirkung der Reise des Kaisers, soweit die italienische Regierung in Frage komme, gleich Null. Dazu bemerkt die ,Nordd. Allg. Ztg/: Ob die Verbreitung solcher Tendenzdepeschen auf eine Irreführung der öffent­lichen Meinung in Frankreich berechnet ist, mag dahingestellt bleiben. Sollte damit die Absicht verbunden fein, in Italien gegen Deutschland Stimmung zu machen, so dürfte der Versuch sein Ziel völlig verfehlen. Tatsächlich konnten die äußeren Formen des Besuches Sr. Majestät beim Papst in Rom nur den gerade entgegengesetzten Eindruck erwecken, wie ihn die ,Agence Havas' charakterisiert, da durch die Ein-

„O, bann lassen Sie mich zu ihm, baß ich ihn pflegen kann."

„Ich fürchte, liebes Kinb, selbst bie beste Pflege wirb bas Schlimmste nicht mehr abroenben können."

„O, dann ist er bereits gestorben; mein armer, lieber Papa." Consuelo barg ihr Gesicht in ben Hänben unb schluchzte heftig. „Ach, jetzt habe ich niemanden mehr auf der weiten Welt, der mich lieb hat, unb bin gerabe so einsam unb verlassen wie ba- mals, als mein liebes Mütterchen in die bunklen Fluten hinabgesenkt würbe."

Damit hatte Consuelo nur zu wahr gesprochen; beim mit bem Tobe ihres Pflegevaters war sie heimatlos geworben; unb so schwer es ber Oberin auch würbe, sie mußte ihrem Liebling den Inhalt des Briefes ihrer Pflegemutter Mitteilen.

Der Konsul, bei vom Schlagftusie getroffen in seinem Zimmer aufgefunben worden war, hatte zwar noch einige Stunden gelebt, die Sprache war aber nicht zuiückgekehrt. Sein l.tzter Gedanke hatte Consuelo gegolten, und da er seine Gatttn genugsam kannte, so harte er seinen letzten Willen in bezug auf sein Pflege­kind nieberschreiben wollen. Auch bies war ihm nicht möglich gewesen; er verschied aber, nachdem seine Ge­mahlin ihm bas beruhigende Versprechen gegeben hatte, baß sie gut für Consuelos Zukunft sorgen wolle. In sehr einfacher Weise entlebigte sie sich dieses Ver­sprechens.

Consuelo erfuhr durch bie Oberin, baß ihre Pflege­mutter wünsche, sie solle so lange im Pensionat bleiben, bis sie ihr Examen als Lehrerin bestanden habe, da sie sich später als solch« ihr Brot verdienen müsse. Das junge Mäbcken nahm indessen diese Mit­teilung ruhig entgegen; sie freute sich, baß sie vorerst in ber Obhut ber guten Schwestern bleiben bürste.

An einem schönen Herbsttage bewegten sich bie Pensionärinnen in größeren unb kleineren Gruppen in ben Anlagen des Klostergartens. Es war der letzte Tag, ben sic gemeinschaftlich an dieser ihnen allen so lieb gewordenen Stätte zubringen sollten.

Consuelo stand im Kreise einiger gleichalteriger

30. Jahrgang.

Haltung feierlicher Formen bei der Fahrt nach dem Vatikan vor den Augen der Welt bezeugt wurde, wie wenig der Papst in dem Ge­nuß der ihm zustehenden Rechte eines Souveräns beschränkt ist. Die erwähnten französischen Ausstreuungen erhalten durch den Umstand ein eigenartiges Gepräge, daß sie in die Oeffentlichkeit durch die,Agence Havas' gebracht werden, die bekanntlich in der Pariser Publizistik eine besondere Stellung einnimmt." Aehnlich äußert sich der ,Berl. Lok. Anz.', wohl gleichfalls in offiziösem Auftrage. Hoffentlich soll aber da­mit nicht gesagt werden, es sei die Absicht des Kaisers gewesen, „vor der Welt zu bezeugen", wie wenig der Papst in dem Genuß seiner Rechte beschränkt sei.

**• Ein Besuch des Kaisers in Mainz ist für den 10. Juni ds. Js. in Aussicht ge­nommen. An diesem Tage findet auf dem Großen Sande daselbst in Gegenwart des Großherzogs von Hessen eine Truppenschau statt, welcher auch der Kaiser, von Wiesbaden kommend, beizu­wohnen gedenkt.

** Eine Erinnerung an den Unfall der Kaiserin ist durch den Kaiser dem Hohen- zollern-Museum überwiesen worden. In dem großen Glasschrank im Zimmer Kaiser Wilhelms IL liegt neben kostbaren Gegenständen von Gold und Silber ein einfaches Stück Borke von etwa 45—50 Zentimeter Länge. Aufschluß erteilt ein beiliegender Zettel mit folgender Aufschrift: „Baumrinde, mit der Se. Majestät der Kaiser am 27. März 1903 Ihrer Majestät der Kaiserin im Grünewald den ersten Notverband um den gebrochenen Arm anlegte, bis ärztliche Hülfe kam." Nach allem, was wir auf dem Gebiete der „Kaiser-Erinne­rungen" schon erlebt haben, wundert uns auch dies nicht mehr. Die Leute, die dieses Stück Baumrinde mit der gebührenden Ehrfurcht be­trachten, werden meist sehr verächtlich reden von dem katholischen Reliquienkultus.

** Die beiden Abgeordneten Schmitz- Düsseldorf (Zentrum) und Dr. Göschen (national- liberal) sind nach der heutigen Veröffentlichung des ,Reichsanzeigers' zu Landgerichts-Präsi­denten ernannt worden; der Abg. Schmitz für den Bezirk Landsberg a. d. W., Abg. Göschen für den Bezirk Gnesen. Göschen, seit dem 6. Juli 1893 Oberlandesgerichtsrat in Frankfurt a. M., vertrat als Abgeordneter den Obertaunuskreis und Frankfurt a. M.-Land. An den Arbeiten der Kommission für die Justizausführungsgesetze ist er ebenso wie auch der Abg. Schmitz hervor­ragend beteiligt gewesen. Herr Schmitz, seit dem 10. April 1894 Landgerichtsdirektor in Düsseldorf, trat 1892 als Vertreter seines Heimatkreises Erkelenz Heinsberg-Geilenkirchen, in das Abgeordnetenhaus ein. 1898 wurde er ge­wählt für Düsseldorf Stadt und Land. Im Abgeordnetenhaufe lag fein hauptsächlichstes Ar­beitsfeld auf dem Gebiete der Landwirtschaft, der Justiz, des Unterrichtswesens und der Kunst. Mehrfach schriftstellerifch tätig, veröffentlichte er u. a.: „Das preußische Staats- und Kommunal-

Peosionärinnen, deren Mittelpunkt sie bildete. Sie hatte vor einigen Tagen mit noch mehreren anderen jungen Mädchen ihr Examen abgelegt und ein sehr günstiges Resultat erreicht. Während die übrigen sich das Wiedersehen daheim so schön ausmalten, wußte bie arme Waise noch nicht, wohin bas Schicksal sie verschlagen werbe. Dieselbe Frage beschäftigte auch bie Oberin, welche in einiger Entfernung staub und bie kleine Gruppe beobachtete. Sie wandte sich zu der neben ihr stehenden, die Aufsicht führenden Schwester: „Was mag aus unserem armen Liebling werden? So schön, so jung unb so unerfahren soll sie unbe­schützt in bie kalte, herzlose Welt! Trotz aller Be­mühungen ist es mir noch nicht gelungen, ein Plätzchen für sie ausfinbig zu machen. Ein Glück, daß die Eltern ihrer Freundin Käthe Braun sie zu sich ein­geladen haben. So haben wir vorerst Zeit gewonnen, unb bem armen Kinbe tut eine Erholung recht Not."

In biesem Augenblicke näherte sich bie Pförtnerin ber ehrwürbigen Mutter unb teilte ihr mit, baß eine Dame im Sprechzimmer sei, welche um eine Unter­redung bitten lasse. Dabei überreichte sie ihr eine Visitenkarte, auf welcher unter einem Wappen der Name: „Baronin Sophie von Schwarzburg, geb. Gräfin Schwickau" stand. Die Oberin folgte der Pförtnerin auf dem Fuße. Bei ihrem Eintritt ins Sprechzimmer erhob sich eine vornehm aussehende, einfach, aber geschmackvoll gekleidete Dame, die, nach­dem bie Oberin ihr gegenüber Platz genommen, zu bem Zweck ihres Besuches überging. Sie erklärte, daß sie für ihr achtjähriges Töchterchen eine Erzieherin suche; eine Bekannte habe sie nach Marienburg ge­wiesen, wo, wie sie ihr sagte, junge Mädchen ihre Ausbildung fürs Lehrfach erhielten. Die ehrwürdige Oberin sei vielleicht in der Lage, ihr eine „Person" zu empfehlen, welche sich für bie betreffenbe Stellung in ihrem Hause eignen werbe.

»Ich glaube wohl", entgegnete Schwester Florentia, „daß ich Ihnen eine junge Dame (b-eS letztere Wort betonte sie besonders) empfehlen könn e, welche allen von Ihnen gestellten Anforderungen genügen würde,