Einzelbild herunterladen
 

30. Jahrgang

PMA, Samstag, den 9. Mai 1903

JVs 105

n

Reklame«- und Anzeigenteil

Drittes Blatt <

fee Aufgabe, sich in dem Trümmerfeldes zurechtzu- es notwendig, um vor dem ns einigermaßen die ver-

nd die gefchichtliche Größe i-en, welche hier einst ihre

bereiten Schaaren heiliger Märtyrer fangen!

Ein Besuch im Mamertinischen Kerker soll unseren heutigen Rundgang abschließen. Von dem Großartigen, das einst aller Glanz auszeich­nete, kommen wir in das Schaurige und Enge. Es ist verfehlt, sich eine' große Anlage vorzustel­len, wo für viele Verbrecher ein gemeinsamer Aufenthalt geboten war. Zwei übereinander lie­gende niedere Keller von 6 zu 3 Meter Ausdeh­nung, das ist der Aufenthalt, dem die wichtigsten Staatsverbrecher Roms zugeführt wurden. Hier, bei den Halseisen, die man noch zeigt, wurden Jugurtha und Vereingetorix erdrosselt. Hier fand auch der hl. Petrus seinen Kerker. Wir trinken aus der Quelle, welche er schlug, um mit deren Wasser seine bekehrten Wächter zu taufen und steigen wieder empor zum Lichte, zum Leben, dessen Wegweiser er und seine Nachfolger ge­blieben sind, mochten fie auch noch so sehr von der Welt verspottet und in die Banden der Ge­fangenschaft geschlagen fein. Der Engel des Herrn hat Petrus einst aus den Fesseln befreit, er wird auch, so hoffen wir, das Papsttum wieder frei machen, damit es die Welt und nicht zuletzt Rom desto mehr mit seinem Segen beglücken könne!

die Verbrecher sich bedienten, soll aus bulg arischen Regierungsarsenalen stammen. Aus diesen soll es nebst vielen Gewehren und Munition mit.els Ein­bruch gestohlen worden sein. Aber niemand wird glauben, daß das möglich wäre, wenn die bulgarische Regierung ihre Pflicht täte. Man weiß aber, daß sie immer mit den mazedonischen Komitees unter einer Decke gesteckt hat. Nach den furchtbaren Attentaten in Saloniki dürste ihr nun doch wohl von den Mächten und von der Pforte die Hölle ernstlich heiß gemacht werden. Abermals haben an verschiedenen Orten Kämpfe zwischen türkischen Truppen und bulgarischen Banden stattgefunden. Die Albanesen scheinen sich dank den Bemühungen der Pforte wegen der Reform beruhigen zu wollen. Der Albanese Ibrahim, der den russischen Konsul Schtscherbina tötlich verwundet hatte, und zum Tode verurteilt worden war, ist auf Wunsch des Zaren mcht hingerichtet worden. Er wurde jedoch zu lebenslänglicher Zwangsarbeit verurteilt.

In China scheint Rußland in der Tat nicht die bösen Absichten zu haben, die ihm in englischen Meldungen nachgesagt werden. Graf Lamsdorff hat den Vereinigten Staaten die feierliche Erklärung ge­geben, daß die Mitteilungen über ein von Rußland China vorgeschlogenes Abkommen vollständig unrichtig seien. Rußland, denke nicht daran, andere Mächte der Vorteile zu berauben, die fie in der Mandschurei be­säßen, die Häfen zu schließen und irgendwelche Ver­günstigungen ausschließlich Russen zu gewähren. Dabei beruhigten sich denn auch die Vereinigten Staaten. Daß Rußland in der Mandschurei bleibt, versteht sich von selbst. Auch England wird es nicht daraus vertreiben. In Südchina soll es wieder einmal zu fremdenfeindlichen Ausschreitungen ge­kommen sein. Fünf amerikanische und fünf japanische Ingenieure, die beim Bau einer Eisenbahn Hankau- Kanton beschäftigt find, wurden von eir em Volkshaufen angegriffen und flüchtete in einen Tempel, den fie ver­barrikadierten.

Im Somalilande wollen die Engländer den Feldzug gegen dentollen Mullah" einstellen, nach­dem ihre Truppen in einem Gebiet, das nicht englisch ist, geschlagen worden find. Sie mögen sich nicht ohne Not neue Scherereien und Schwierigkeiten schaffen.

gewesen.

Seit Romulus, des Gründers der Stadt, Zeiten hat sich an dieser Stelle das Hauptleben der stolzen Roma abgespielt. Hier stehen wir auf den alten Platten derVia sacra", des heiligen Weges, den die Opfer zogen, auf dem die Triumphzüge der mächtigen ins Vaterland zurückgekehrten Eroberer einherjauchzten, auf denen die Ketten der unterjochten Völker kckrrten, welche seufzend den Beutestücken folgten, welche einst der Stolz der eigenen Heimat gewefen waren. Dort, gerade zu Füßen des eapitolinischen Berges stand die von den Schiffsschnäbeln der eroberten Schiffe umgegebene Rostra, die Rednerbühne, von der aus die Männer das Volk zu glänzenden, edlen wie zu unheilvollen Taten anfeuerten.

Adolf Grieder & C*e, Zürich (Schweii).

Kffi. Hoflieferanten.

Es ist keine f Gewirr dieses c;v'. finden, und doch . geistigen Auge wr: schwenderische Prfe

Nonpareil-Silk

für Sie der u. Bleisten ist der neueste Seidenstoff, der nicht bricht, nicht reißt, nicht knittertl Unerreichte Aus­wahl in Seidenstoffen jeder Art und Foulards, zu Hk liasten EngroS < Preisen, meter- und robenweise au Private Porto und zollfrei. Proben franko. Brief­porto 20 Pfg.

wieder erstehen zu

Heimstätte hatte. Daß unser Fuß nicht planlos umherirrte, dafür sorgte in liebenswürdiger Weise der päpstliche Archäologe Vüscher-Bechi, dessen ausgezeichnete Rekonstruktionspläne das lebhafte Wort bestens unterstützten und uns so die Monumente in alter Gestalt wieder aufleben ließen. Unter seiner Führung besuchte ich auch die neu aufgedeckte älteste römische Kirchenruine Santa Maria antiqua, welche in den alten das Forum mit dem Palatinberge verbindenden Kaiserpalast eingebaut war, in btm sich über der Kirche jedenfalls die Wohnung der Päpste be­funden hat. Die aufgefundenen Bildwerke, ins­besondere auch die sehr gut erhaltenen Malereien bilden heute noch das Objekt eingehender Studien dec Forscher und sorgsam ist der Ort namentlich auch vor den .^Knipsern", den wandernden Photo-

«rscheint täglich, mit _ K W ~ »

Ausnahme der Sonn- M W A W > \ Mfe. Ak JE, und Feiertage, viertel- K MM» ZW

iährl. Bezugspreis MM M Wvl M W gJF W

ohne Srinserlohn und W Ui fei fei WM W W

Bestellgeld in Fuldaund WWW M. M MW Wk

auswärts MI. 50 pfg MM 'Mfe G

verantwortlicher W

§chrfftleiter:Zof.Baum WüF

z. parzeller in Fulda. wochenbeilage:Illustrierte Sonntagrzeitung

IubilSumrfahrten.

Reisebilder zum Papstjubiläum.

Von Jos. Grunau.

VIII. (Nachdruck »erboten.)

Nur einen scheuen Blick haben wir in den ersten Tagen unseres römischen Aufenthalts auf die Ueberreste des heidnischen Roms geworfen; die Seele dürstete eben zu sehr nach all den Stätten, welche dem christlichen Glauben und der Liebe so hohe Befriedigung verleihen.

Heute foll aber unsere Parole zunächst lauten: Jn's alte Rom", und gleich mitten hinein in die Stätte, wo in vorchristlicher Zeit das Leben der weltbeherrschenden Stadt pulsierte, wo heute noch, nach zwei Jahrtausenden nahezu, die Ruinen von Glanz und Herrlichkeit, von kühnem Wagemut und großem Geiste zeugen.

Wir steigen hinauf zum Kapitol, wo heute noch der römische Stadtrat seine Verfügungen (mit Senat und Volk von Rom) erläßt. Seine heutige Gestalt verdankt es Michel Angelo, und nur die antike Statue des Kaisers Marc Aurel auf dem freien Platze mahnt an die Kaiser- zeit, während nebenan in einem Käfig eine auf Stadtkosten unterhaltene träge Wölfin die Sage der Gründung Roms durch Romulus und Remus wachhält. Wir wenden uns rechts und stehen vor dem P al aste Caffarelli, wo die deutsche Botschaft ein glänzendes Heim gefunden, und wo im großen Saale der Thron des deutschen Kaisers in diesen Tagen genau an der Stelle her­gerichtet war, wo einst die römischen Cäsaren ihren Sitz gehabt. Der Weg zieht sich in kurzen Windungen um den tarpejischen Fels, der heute nur mehr an einer Stelle den grausen Ab­sturz verrät, an dem die Staatsverbrecher vom Leben zum Tode befördert wurden.

Und nun stehen wir unter dem Kapitol, auf der engen Straße drängt sich ein lebhafter Ver­kehr, durch den sich die elektrische Bahn nur mühsam den Weg zu erzwingen vermag. Zu unfern Füßen das feit einigen Jahren Dank den eifrigen Arbeiten der italienischen Regierung aus dem tiefen Schutt erstandeneForum Romamun", der Marktplatz des alten Rom. Es sind ganz eigenartige Gefühle, welche uns dieser gewaltige Weltkirchhof bet vorchristlichen Zeit beim ersten Anblick wachruft.

Wir steigen nach Zahlung unserer Lire hinab, mitten hinein in bieses weite und doch so eng bestandene Gemisch hochragender Säulen, niederer, wieder aneinander gefügter köstlicher Bildwerke, stolzer, dem Sturme aller Zeiten und Wetter ttotzender Triumphbogen. Hier die Fundamente, der langen Säulenrechen der beiden Basiliken, der Rechtsprechung, wie dem Welchandel ge° weiht, dort noch die stolze Front eines heidnischen Tempels. Vor uns dehnt sich die weite Anlage des Hauses der Vestalinnen, welche in dem vor­liegenden Tempel das heilige Feuer hüteten.

vermischtes.

* Verzweifelte Lage. Wir berichteten dieser Tage über die Rettung des Kapitäns einer klemen Tjalk, der in dem wrack gewordenen Fahrzeuge 12 Tage unter größten Entbehrungen zugebracht hat. Äus dem jetzt, vorliegenden Berichte ergibt sich erst, wie oer= zweifelt die Lage des Kapitäns gewesen ist, da er durch die Art des Schiffsunqlücks gewissermaßen Gefangener in der durch das Wasser zugedrückten Kajüte, und zwar unter Wasser, geworden war. Die .Danz. Ztg" be­richtet darüber: Am IG. April war die eiserne T;alk Ernte", beheimatet in Breiholz bei Rendsburg und geführt von Kapitän Engellandt, mit Holz beladen, von Memel ausgegangen. Gleich am Tage darauf hatte sie schwere Stürme, setzte aber mit kleinen Segeln die Fahrt fort. Als am 18. April Kapitän Engellandt in die Kajüte ging, um hier eine kleine Besorgung zu machen, setzte plötzlich ein so starker Orkan ein, daß das Schiff mit einem Ruck kenterte. Das Wasser druckte sofort die Kajütsluken zu und schloß so den Kapitän in derselben ein, während die Besatzung wahrscheinlich weggespült wurde und ertrunken ist. Das Fahrzeug trieb kieloben als Wrack weiter. Der Unfall geschah aus der Höhe von Rixhöft. In diesem Gefängnis unter Wasser bat Kapitän Engellandt nun fast zwölf Tage lang lebend zugebracht, bis er aus folgende Weise ge­rettet würde: Am 29. April nachmittags sichtete der norwegische DampferAurora" Kapitän Lörensen, das Wrack und ließ ein Boot aussetzen, um das Schlepptau daran festzulegen. Bei diesen Arbeiten vernahmen die Leute ein Klopsen, das aus dem Schiffsrumpf des ge­kenterten Fahrzeuges gegen den Eisenboden desselben geführt wurde. Auf lautes Anrufen hörte man auch eine Stimme. Es wurde nun von dem Maschinen­personal des Dampfers an der Stelle, von wo aus das Klopfen zu hören war, ein Loch durch die eisernen Rumpfblanken gebohrt, durch welches darauf von innen heraus der Finger eines Menschen zum Vorschein kam. Es war also ein lebendiger Mensch in dem nur wenige Fuß über den Meeresspiegel hervorragenden Schiffs­wrack. Durch Befragen konnte festgestellt werden, daß die unfreiwillige Gefangenschaft des lebendig Begrabenen bereits vom 18. Aprll, also 11 Tage, gedauert hatte, daß derselbe sogar Nahrungsmittel gesunden und solche noch für etwa drei Tage vorrätig habe. Da eine weitere Oefsnung des Schiffsbodens aus See unmöglich war, dieselbe auch ein sofortiges Unterstnken des Wracks herbeigeführt hätte, so wurde das Bohrloch wieder ver­spundet und das Fahrzeug von derAurora" nach Neufahrwasser geschleppt. Schlosser und Schmiede der königl. Hafenbauverwaltung machten sich hier, m Gegenwart einer großen Menge von Zuschauern an die Arbeit, durch Wegstemmen der Meten und Schiffs­planken eine größere Oeffnung im Schiffsboden herzu­stellen. Man konnte dabei die Antworten des Ange­rufenen deutlich hören. Er gibt seinen Rettern Weisungen über die Lage der Spanten unter den zum Teil schon durchgehalrenen Planken; er jammert um schnelle Hilfe, da das Wasser unter ihm, das bisher nach feiner Schätzung 5 Fuß hoch war, stetig steigt. Nach stundenlanger Arbeit macht sich eine Oeffnung bemerkbar, durch die der Eingeschlossene seine Hand steckt. Aber noch dauert es lange Zeit, ehe ein größeres Loch geschaffen ist. Endlich war die Oeffnung groß genug, einen menschlichen Körper durchzulassen. Mit Hurra" wird der lebendig Begrabene herausgehoben und dem bereits wartenden Arzte übergeben, auf dessen Rat und Veranlaffung er in das Hotel zu den Pro­vinzen gebracht wird, wo er eine Taffe Kaffee zu sich nahm. Der so wunderbar Gerettete ist bet vollem Be­wußtsein, vollständig bei Kräften, selber zu gehen.

, wochen-Rundjchau.

(Nachdruck verboten.)

Fulda, 9. Mai 1903.

Der Kaiser ist mehrere Tage in Rom gewesen. Ihn begleiteten der Kronprinz und Prinz Mel Friedrich. Den ersten bedeutsamen Schritt, den er tat, war ein Besuch im Vatikan. Der Kaiser sprach fast '/z Stunde allein mit dem hl. Vater, dann stellte er ihm seine Söhne vor. Den päpstlichen Kammer­dienst taten Herren aus dem deutschen katholischen Adel. Zahlreiche deutsche Bischöfe begrüßten den Kaiser und auch viele deutsche Pilger. Später feierte der Kaiser bei einem Festmahl im Quirinal die freundlichen Beziehungen zwischen dem deutschen und italienischen Volke. Am Montag besuchte der Kaiser mit seinen Söhnen die Geburtrstätte des Benediktiner­ordens, die Abtei Monte Cassino.

Der Reichstag ist am 30. April geschlossen worden. Das Bemühen des Zentrums, die Kranken- kaffennovelle zu Stande zu bringen, war von Erfolg. Da der Reichstag beschlußunfähig war, war ein Resultat allerdings zu erreichen, wenn die Sozial­demokraten die Obstruktion aufgaben. Das Zentrum machte ihnen ein wenig erhebliches Zugeständnis hin­sichtlich der Geschäftsregulatioe für die Kassen, worauf die Sozialdemokraten die Verabschiedung des Gesetzes nicht weiter hinderten. Wahltaktisch hätte das Zentrum klug gehandelt, wenn es das wichtige Gesetz an dem Eigensinn der Sozialdemokraten hätte scheitern lassen. Wichtiger als die Wahltaktik war dem Zenttum aber das Interesse der Arbeiter an dem Zustandekommen des Gesetzes.

Die Wahlaufrufe der Reichstagsparteien sind jetzt erschienen. Durch Ruhe, Sachlichkeit, Klar­heit und Vielseitigkeit zeichnet sich der Aufruf des Zentrums aus. Es will weiter wie bisher eine wahre Volkspartei sein. Die Nationalliberalen lassen das Kulturkampfbanner flattern.

Der preußische Landtag wurde am 1. Mai geschloffen. Im Herbste sind die Neuwahlen. Das Gesetz über den höheren Verwaltungsdienst ist ge­scheitert, da die Regierung die Herrschaft der Korps durch den zunehmenden Einfluß des Parlaments auf die Besetzung der Verwaltungsstellen bedroht sah und sich den Beschlüssen des Abgeordnetenhauses gegenüber ablehnend verhielt.

In Ungarn muß die Regierung einen Kampf gegen die Obstruktion aushalten. Da das Budget nicht rechtzeitig bewilligt war, ist ein ex lex-Zustand ein­getreten.

König Eduard von England war in Rom und besuchte den Papst. Gewisse Hetzer in England verdenken ihm das. Später besuchte der König Paris; doch hat sein dortiger Aufenthalt keine politische Be­deutung.

In Frankreich wird der Kampf gegen die Orden zielbewußt fortgesetzt. Die Zahl der Bischöfe, denen das Gehalt gesperrt wird, mehrt sich. Die Bevölkerung nimmt überall für die Orden Partei. Eine Reihe von Offizieren, die gegen Klöster vorgehen sollten, hat den Dienst quittiert.

In Spanien haben abermals an verschiedenen Orten Unruhen stattgefunden, teils im Zusammenhang mit den Wahlen, teils im Zusammenhang mit der Arbeitslosigkeit.

Auf der Balkanhalbinsel haben die bulgarisch- mazedonischen Unruhestifter nunmehr zu Dynamitbomben gegriffen. Am Mittwoch Abend voriger Woche wurden in Saloniki und seiner Umgebung an etwa 50 Punkten Dynamitanschläge von ihnen verübt. Die Filiale der ottomanischen Bank wurde zum großen Teile zerstört. Auch auf den deutschen Klub, die deutsche Schule, das Pettoleumdepot der Bahn, einen ftanzöfischen Dampfer, mehrere Restaurants und das türkische Hauptpostamt wurden Bomben geworfen. Eine große Anzahl Per­sonen wurden durch die Bomben und bei den Kämpfen, die sich bei der Verfolgung der Uebeltäter durch Polizei und Militär entspannen, getötet oder verwundet, da­runter mehrere Fremde. An den folgenden Tagen dauerten die Bombenattentate fort. Verschiedentlich wurden solche dann auch an anderen Orten verübt. Auch Dynamitminen sollen in Saloniki gelegt worden sein. Die Absicht der Verbrecher ist offenbar, die Dinge so weit zu treiben, daß die europäischen Mächte eingreifen und die Regelung der mazedonischen Frage selbst in die Hand nehmen. Die friedliche Bevölkerung soll aufgerüttelt und die Mohamedaner sollen zu blutigem Widerstände angereizt werden, damit man über türkische Greuel zetern und Europa zur Ein­mischung veranlassen könne. Die Mächte haben aber gar keine Lust, den Revolutionären den Gefallen zu tun, sondern erwarten, daß die Pforte mit aller Energie gegen fie vorgehe, um Ruhe und Ordnung wiederherzustellen. Die erbitterte Bevölkerung er­greift auch schon von selbst energifche Gegen­maßregeln. Am Freitag wurden mehrere Per­sonen, die auf der Sttaße mit Dynamit abgefaßt wurden und dann die Bomben aust Geradewohl fort» warfen, von der Menge kurzer Hand niedergeschlagen. Es sanden viele Haussuchungen und Verhaftungen statt und da dabei Widerstand geleistet wurde, solle» mehrere Hundert Menschen getötet worden fein. Das Kriegsgericht ist bereits gegen die Verhafteten in Tätigest getreten. Die Verbrecher find meist Bulgaren «iS Mazedonien und Bulgarien. Das Dynamit, dessen

Man hat oft dieses Gebäude der heidnischen wie ins Herz schneidend die Akkorde, wo des Jungfrauen ein Vorbild unserer christlichen Christentums helle Sonne scheinen und; das Te Klöster genannt, jedenfalls ist die Üeppigkeit vfe Deum laudamus erklingen sollte, welches im Selbstverherrlichung, welche noch heute dfe....; ! Glaubensmute unter Todesqualen hier die froh- verraten, bei unfern Klosterfrauen niemals - ' '

graphen, gehütet.

Wir steigen auf den bequemen stufen freien Treppen, welche Jahrtaufende überstanden haben, hinaus zudem Palatin, von dem dieKaiser­pfalzen" ihren Namen entlehnt haben. Aus einem vielzerklüfteten Berge, an dem sich einst nur Hirten angesiedelt, haben die ersten römischen Kaiser sich ihre riesenhaften Residenzen geschaffen, jeder bestrebt, seinen Namen noch an ein ge­waltigeres Bauwerk zu heften, als es der Vor­gänger getan. Schwierigkeiten kannte man nicht, dassic volo, sic jubeo,So will ich's, fo befehl' ich's", überbrückte Täler und ebnete Berge mit einer Willenskraft, die wir heute, wo wir gewiß im Zeitalter kühner Konstruktion leben, mit Bewunderung anstaunen müssen. Heute treten uns in diesen Bauten nur mehr die ge­waltigen Größenverhältniffe gegenüber, von der verschwenderischen Pracht und Kunst, die man nach allen Seiten zerstreut, zeugen nur hier und dort noch einige Ansätze, die man in der letzten Zeit recht sorgsam hütet, um treue Ueber- lieserer der Vergangenheit an Ort und Stelle zu bleiben. Von dem aussichtsreichen Berge lockt uns in der Tiefe wiederum der imposante, in dem hochragenden, abgerissenen Mauerwerk geisterhaft dreinschauende Rundbau des Ko­losseums. Nicht nur an Größe, 187 Meter zu 155 Meter bei 48'/» Meter Höhe stehen wir hier vor dem gewaltigsten Theater der Welt, sondern auch an geschichtlicher Bedeutung, denn hier haben sich die herrlichsten Taten christlicher, aufopfernder Liebe, die zahllosen Martyrien ab­gespielt, damals wahre Trauerspiele, die aber die siegreiche Wahrheit des Christentums zu Triumph­zügen, umstrahlt von dem hellen Sonnengolde göttlicher Vergeltung, gestaltet hat.

Allerdings, wenn wir hente mit heiligem Schauder in diesen leeren Mauernkranz hinein­treten, so gähnt uns von allen Seiten eine öde Verlassenheit, wie tausend Fragen ohne Antwort entgegen.

Und doch hat es eine Antwort hier gegeben, bis im Beginn der 70er Jahre der Glaubenshaß der aus der Revolution geborenen italienischen Regierung das ho he Kreuz entfernen ließ, das Kreuz, der Triumph über alle Verfolgung, der Segen des Volkes, wohin es feine Wuseln ge­schlagen. Ob wohl Italien, demneugeeinten", die Entfernung des Kreuzes Heil gebracht hat? Allenthalben rufen uns die heute bestehenden Ver­hältnisse ein lautes Nein zu.

Trostlos ist heute die Stätte der Märtyrer, wo sonst an jedem Freitage sich das gläubige Volk versammelte, um den heiligen Kreuzweg unter Führung eines Franziskanerpaters zu beten.

Neues Leben sucht man zuweilen den Ruinen durch bengalische Beleuchtunsen und Konzerte ein­zuhauchen. Aber wie grell dieses künstliche Licht,

j&üsQr Ä Anzeigen: Oie ein-

jA. AL- A. spaltige Detitzeile oder

A deren Raum 15 pfg.

M w. W n W W fl i fl i Reklamen die Petitzeile

25 pfg.; bei rvieder- fe. ' W M W W Kj M. D W W Holungen wird entfpr

ja - Rabatt gewährt.

Druck und Verlag der Fuldaer Aetiendruckerei Nonaisbeilage: (5cfd)id)t$b!ättCt,<. Fernsprecher Nr. 9?