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Monakb-llage: „Fuldaer Geschichtrblaner
wschenbeilage: „Illustrierte Somtagrzeitung
30. Jahrgang.
flllda, Freitag, den 8. Mai 1903.
Druck nnd Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda (Harmonie) Fernsprecher Nr. 9.
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% Die „Reichsfinanzreform".
Ein liberales Blatt hat sich gewundert, daß der Wahlaufruf des Zentrums nichts von der „Reichsfinanzreform" fage. Unseres Erachtens lag gar kein Anlaß vor, darüber zu reden. Das Zentrum will von einer Reform, wie sie bisher gedacht war, nichts wifsen, weil es den Einfluß der Bundesstaaten' auf die Ausgaben des Reiches nicht schwächen will. Warum sollte es diese bekannte Tatsache noch ausdrücklich hervorheben, wo doch der jetzige Reichstag mit der „Reform" nichts zu tun gehabt hat und irgend ein Plan, der etwa in den nächsten Jahren verwirklicht werden sollte, .nicht vorliegt.
Diejenige Reichsfinanzreform, die das Zentrum will, ist übrigens in dem Wahlaufruf deutlich genug gekennzeichnet: man übe größtmögliche Sparsamkeit, dann werden die Einzelstaaten sich über die Anforderungen des Reiches nicht beklagen können und zu sonstigen „Reform"- Forderungen liegt kein Bedürfnis vor. Wenn erst der neue Zolltarif seine Wirkung geltend macht, so ist unter der Voraussetzung, daß wir die Ausgaben nicht „entsprechend" erhöhen, darauf zu rechnen, daß das Reich aus den Finanznöten der letzten beiden Jahre von felbst herauskommt. Sollte aber die Erschließung neuer Einnahmequellen ganz unvermeidlich sein, so hat auch für diesen Fall das Zentrum sein Programm längst bekannt gegeben: keine neue Steuern, die den Massenverbrauch belasten. Sollen die neuen Steuern im Reiche selbst eingeführt werden, so wird man, mag es sich um direkte oder indirekte Steuern handeln, eine Form wählen müssen, die lediglich die wohlhabenden Klassen belastet. Will das Reich sich an die Matrikularumlagen halten, so mögen die Einzelstaaten, falls sie das Geld nicht zur Verfügung haben, die größeren Einkommen und Vermögen stärker heranziehen. Daß der Zolltarif eine stärkere Belastung des Massenverbrauchs mit sich brachte, war nötig im Interesse der Allgemeinheit. Es war aber auch nur damit zu rechtfertigen. Unsere Landwirtschaft usw. brauchen stärkeren Zollschutz, also müssen wir uns damit abfinden. Aber lediglich zur Deckung neuer Ausgabebedürfnisse die Gegenstände des Massenverbrauchs noch weiter mit Steuern zu belasten, geht nicht an.
Die „Reichsfinanzreform", die die Nation al- liberalen fordern, ist ohneZweifel so gedacht, wie Herr v. Miquel sie früher versucht hat: Tabak, Bier und dergl. soll mehr „bluten" und die Einzelstaaten sollen an das Reich nicht mehr zu zahlen haben, als dies ihnen an Zöllen und Verbrauchssteuern überweist. Das finanzielle Verhältnis der Einzelstaaten zum Reiche ist dann nur noch ein buch- und rechnungsmäßiges. Tatsächlich wäre vollständige Trennung eingetreten und man könnte zur Ersparung der Kalkulaturarbeit gleich die Frankenstein'sche Klausel aufheben. Käme nun noch der Reichsfinanzminister hinzu, den die,Nationalliberalen sich immer gewünscht haben, so würde erst recht deutlich gemacht, daß die Einzelstaaten matt
Lonsuelos Schicksale.
Novelle von Marg. Schlichter.
3 (Nachdruck verboten.)
Die schöne junge Witwe im Trauerkleide und das liebliche Kind, deffen eigenartige Schönheit durch seine schwarze Kleidung wirkungsvoll gehoben wurde, erregten Aufsehen und Teilnahme bei den Mitreisenden. Der Kapitän des Schiffes, ein Deutscher, nahm sich mit ritterlicher Höflichkeit der Witwe und ihres Kindes «n. Dolores hielt sich, soviel sie konnte, allein und überließ sich ihren trüben Gedanken. Die kleine Lonsuelo war bald der Liebling aller geworden. Wie entzückend sah sie aus, wenn sie sich mit des Kapitäns großem Neufundländer, der ihr treuester Spielkamerad geworden war, auf dem Deck des Schiffes umher- tmnmelte. Bald zauste sie an seinen langen Ohren, bald machte sie Reitübungen auf dem Rücken des geduldigen Tieres.
Jndeffen sah ihre Mutter von Tag zu Tag bleicher und kummervoller aus; ab und zu hörte man sie jenen trockenen, hohlen Husten ausstoßen, der für den, der damit behaftet ist, stets das Schlimmste befürchten läßt. Sie aber verbarg eS sorgfältig vor den anderen, daß häufige kleine Blutergüsse diesem Husten zn folgen pflegten.
Einmal hatte sie eine sehr unruhige Nacht gehabt, der Husten hatte fie mehr denn je belästigt, und sie fühlte sich sehr ermattet. Nichtsdestoweniger wollte sie aufstehen, weil fie dachte, die stische Seeluft auf dem Verdeck werde ihr gut tun. Doch als sie sich «ufrichtete, bekam fie einen heftigen Hustenanfall, zugleich entquoll ein Strom dicken Blutes ihre» Lippen. Sie drückte auf den Knopf der Schelle an ihrer Hängematte; gleich darauf erschien die Warteftau, »Ache sofort den Arzt herbei rief; aber schon folgte ein neuer, noch heftigerer Bluterguß. Mit brechendem
gesetzt seien. Er würde sich mit den einzelnen Ressorts über deren Forderungen herumstreiten, den Herren im Bundesrate, die sich um die Ausgaben kümmern wollten, aber zurufen: was gehr denn euch die Sache an? Ich bin mit den verschiedenen Reichsämtern einig; da ihr nichts dazu zu zahlen habt, braucht ihr euch nicht emzu- mischen. , .,
Die Konservativen drücken sich m ihrem Wahlaufrufe nicht ganz klar über ihr Stellung zur „Reichsfinanzreform" aus. „Wir wünschen, sagen sie, „die Finanzkraft des Reiches tunlichst auf die Grundlage selbständiger Einnahmequellen gestellt zu sehen, damit nicht durch die fortdauernd gesteiaerten Zuschüsfe der Einzelstaaten deren eigene Steuerkraft und damit schließlich ihre politische Selbständigkeit, welche eine der Voraussetzungen des söderativen Charakters des Reiches ist, gefährdet werden". Ob damit die „reinliche Scheidung" zwischen den Finanzen des Reiches und denen der Einzelstaaten gemeint ist, bleibt unklar. Anscheinend wünschen sie, unter Beibehaltung der bestehenden Form tatsächlich die Trennung herbeizusühren durch eine solche Erhöhung der Reichssteuern, daß an die Einzelstaaten keine Anforderungen über die Matrikularumlagen hinaus gestellt werden. Die erhöhte Biersteuer dürfte also eines ihrer vornehmsten Ideale sein.
Wenn sie aber nun eine derartige „Reform wollen, um, wie sie sagen, den föderativen Charakter desReiches zu erhalten, so meinen wir doch, daß dieser weit mehr gewahrt wird, wenn die Einzelstaaten an den finanziellen Freuden und Leiden des Reiches teilnehmen, als wenn man sie durch Reichssteuern vor allen Sorgen bewahrt. Es ist schon oft gesagt worden: nur dann haben die Einzelstaaten Einfluß auf die Reichspolitik, wenn sie gegebenenfalls den Daumen auf den Beutel halten können. Einer Reichsfinanzpolitik, die ihnen keinen Ersatz verschafft für den Einfluß, den sie im Punkte der Finanzen verlieren, können wir nicht zustimmen.
Berlin, den 7. Mai 1903.
** Kriegsminister von Goßler tritt am 15. d. Mts einen dreimonatlichen Urlaub an, der der Vorbote seines Uebertritts in den Ruhestand sein dürfte. Herr v. Goßler trägt übrigens seinen Abschied von den Geschäften mit heiterer Ruhe. Am Mittwoch hat er die Vermählung seiner Tochter mit dem pommerschen Rittergutsbesitzer v. Redei gefeiert. „Der Tag", schreibt die,Pr. Korrespondenz", „an dem definitiv bekannt geworden ist, daß er nun doch „geht", trug für General v. Goßler sicher kein trübseliges Antlitz! Auch ohne das Fest in seiner Familie und auch ohne den jungen Lenz würde er übrigens keine Veranlassung haben, sich gedrückter Stimmung
Auge blickle sie auf das Kind, das in seiner Angst sein Beitchen verlassen hatte und am Bett der Mutter stand. Diese machte verzweisklte Anstrengungen, noch etwas zu sagen, während der Arzt sich vergeblich bemühte, das hervorquellende Blut zurückzudrängen; aber menschliche Hilfe konnte hier nichts mehr ausrichten. Noch einmal belebte die Mutterliebe ihre schwindende Kraft. Sie ergriff die Hand der Kleinen und stieß mühsam hervor: „Consnelo nach Schloß —"
Weiter kam sie nicht, sie erstickte in einer neuen Blutwelle »nd sank leblos auf ihr Lager zurück. In diesem Augenblicke war der Schrecken des Todes, der sich unter einer so furchtbaren Gestalt seiner Mutter genaht hatte, dem Kinde zum Verständnis gekommen. Con- suelo begriff, daß sie keine Mutter mehr habe und brach in rin herzbrechendes Schluchzen aus. Lange kniete sie, immer heftiger weinend und jammernd, neben dem Lager der Verblichenen. So fand sie der Kapitän, den der Arzt von dem Oinscheiden der Frau Bruchhausen benachrichtigt hatte; und der starke Mann, der beim Toben des Sturmes mehr denn hundertmal dem Tode furchtlos in die Augen geschaut hatte, blickte aufs Tieffte ergriffen auf die traurige Gruppe, während er leise vor sich hinmurmelte: „Du armes, verlassenes Bögelchen."
Es bedurfte seiner ganzen Ueberredungskunst, die arme Waste von der Leiche ihrer Mutter zu entfernen. Als das Kind später auf dem Verdeck erschien und seine Puppe im Arm sich still und traurig neben seinen Spielkameraden, den großen Neufundländer, setzte, fand eine ernste Beratung statt, die über den Verbleib des Kindes e»tscheiden sollte.
Der Kapitän hatte die Effekten der Verstorbenen bereits durchgesehen, um nach Papieren zu suchen, die über die Heimat des Vaters des Kindes hätten Auf- schluß geben können. Er hatte eine Brieftasche gefunden, welche indeß nur einige Wertpapiere enthielt, sowie ein schwarze- Kästchen von Ebenholz, wozu er nach längerem Suchen auch den Schlüssel fand. Da» Kästchen enthieft mehrere Fächer, die bis zur halben
zu fühlen." Die Korrespondenz behauptet dann, daß ausschließlich Gesundheitsrücksichten zum Rücktritt des Ministers geführt haben. Er ist in den Feldzügen wiederholt schwer verwundet worden. Seit kurzem begann namentlich der rechte Arm, der übrigens seil den Kriegsjahren geschwächt war, neuerdings zu schmerzen; eine Durchleuchtung mit Röntgen-Strahlen führte zu dem Ergebnis, daß in ihm einige Geschoßfrag- mente sitzen, die seinerzeit eingeheilt find, während ihr Vorhandensein bisher unbemerkt geblieben ist. Minister v. Goßler beabsichtigt, nach Antritt seines Urlaubs zunächst nach Marienbad und dann nach der Schweiz zu gehen. Seinen Wohnsitz wird er dauernd in Berlin behalten. Nach dem ,Berliner Lok. Anzeiger" hat Herr von Goßler vor der Abreise des Kaisers nach Rom diesem den Wunsch zu erkennen gegeben, von seinem Amte zurückzutreten und aus dem aktiven Heeresdienst auszuscheiden, worauf ihm vom Kaiser ein dreimonatiger Urlaub bewilligt wurde. Die Neubesetzung der Stelle wird sich dem genannten Blatte zufolge jedenfalls bis zum Monat August, wenn nicht vielleicht bis zum Kaisermanöoer hinausziehen.
% Der Minister der öffentlichen Arbeiten, Budde, hat sich zur Beseitigung von Hämorrhoidal - Beschwerden in klinische Behandlung begeben und heute einer Operation unterzogen, die glücklich verlaufen ist.
% Der Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens gegen Prinz Prosper Arenberg stützt sich dem ,Berl. Lok.-Anz." zufolge u. a. auf das Gutachten eines ehemc ligen Schutztruppen-Arztes, der den Nachweis erbringen will, daß der Verurteilte schon bei Begehung der grauenvollen Tat sich in einem unzurechnungsfähigen Zustande befunden habe. Zugleich wird aus Hannover gemeldet, daß das dortige Amtsgericht den Prinzen Arenberg wegen Geistesstörung entmündigt hat. Die Ueberführung des Prinzen aus dem hannoverschen Gerichtsgefängnis in eine Jrren- oder Heilanstalt wird-als bevorstehend bezeichnet.
* Die nationalliberale Partei hat für die bevorstehenden Reichstagswahlen ungefähr 140 Kandidaten aufgestellt. Einstmals hatte sie mehr als 140 Abgeordnete. So nach und nach find 100 davon verschwunden, und die Partei ist schon glücklich, wenn sie diese als Abgeordnete wiedersieht.
% Nach einer Meldung der der Regierung nahestehenden,Jtalie" haben die Besprechungen des deutschen Reichskanzlers Grafen Bülow mit dem Ministerpräsidenten Zanardelli und dem Minister des Aeußeren Morin wegen Erneuerung der Handelsverträge einen alle Teile befriedigenden Verlauf genommen und eine Grundlage für die demnächst einzuleitenden Verhandlungen geschaffen. _____________
Ausland.
* Paris, 7. Mai 1903. Die Kapuziner, die sich vor dem Zuchtpolizeigericht zu verantworten hatten, wurden bis auf einen in Abessynien ansässigen Missionar zu je 25 Frs. verurteilt.
Höhe desselben reichten. In den Fächern befanden sich eine Anzahl Schmuckgegenstände, die zum Teil sehr wertvoll waren. Die meiste Aufmerksamkeit des Kapitäns erregte der Ring, den Bruchhausen seiner Fran vor seinem Ende gegeben hatte, sowie ein Petschaft, welches über den Buchstaben C. v. S. ein adliges Wappen aufwies; der vordere Teil des Kästchens und der Deckel waren mit verschiedenen Rosetten von Perlmutt verziert.
Der Kapitän stand bei einem Herrn und einer Dame, denen er das Resultat seiner Nachforschungen mitteilte. „Mir scheint, Bruchhausen war nicht der Name von dem Vater des Kindes; es wird aber schwer halten, nach den geringen Anhaltspunkten, die wir hier haben, die Verwandten der Kleinen in Deutschland ausfindig zu machen und ich bin gesonnen, das arme Ding meiner Frau als Christbescherung ins Haus zu bringen. Der Himmel hat un- vier Kinder geschickt, zwei Knaben und zwei Mädchen, und deren gute, warmherzige Mutter wird auch das fünfte nicht zurück- weisen.
Diejenigen, zu denen der Kapitän so sprich, waren der Konsul Brauer und seine Gattin. Der Konsul, ein hochgewachsener Mann mit dunklem Haupthaar und gleichem Vollbart, mit wohlwollenden, angenehmen Gesichtszügen, stand im besten Mannesalter. Er hatte es in Mexiko in wenigen Jahren zu einem bedeutenden Reichtum gebrach». Da aber das tropische Klima auf die Gesundheit seiner Gatttn einen nachteiligen Einfluß ausübte, so hatte er dem Rate des ArzteS folgens, seine Geschäfte einer bewährten Kraft übertragen und kehrte jetzt mit seiner Gattin nach Deutschland zurück, um sich dauernd daselbst niederzulaffen. Seine Gemahlin, von deutscher Abkunft, wie ihr Gatte, war trotz ihrer dreiunddreißtg Jahre eine Schönheit, deren klassische Züge wir bewundern, als ob wir ein Kunstwerk vor uns sähen, der aber jener sanfte Rest mangelte, den ein edles, echt weibliches Gemüt einem Franenantlitze aufzuprägen pflegt. Ein Zug von Stolz und Kälte verwischte den Eindruck, den ihre Schönheit
Der Richterspruch wurde mit Hochrufen auf die Republik, andererseits mit Hochrufen auf die Freiheit und die Kapuziner ausgenommen. . Auf dem Rückwege vom Justizpalfft nach ihrem Kloster bildeten die Kapuziner Gegenstand von Beifallsäußerungen und Gegenkundgebungen. Eine größere Schar Studenten stieß die Rufe aus: „Nieder mit den Pfaffen! Hoch die Republik". Einige Verhaftungen wurden vorgenommen.
* Rom, 7. Mai 1903. Der Papst empfing den Pater Jean Baptiste, welcher vom Erz- nfchof von Baltimore, Kardinal Gibbons, beauftragt war, dem Papste anläßlich des Pontifikats-Jubiläums die Glückwünsche des Präsidenten Roosevelt zu übermitteln und eine aus zehn Bänden bestehende Sammlung von Botschaften und offiziellen Schreiben der Präsidenten der Vereinigten Staaten von 1789 bis 1897 zu überreichen. Die Sammlung trägt eine eigenhändige Widmung des Präsidenten Roosevelt.
* Madrid, 7. Mai 1903. Aus Melilla eingegangenen Nachrichten zufolge, fand in der Nähe von Fez ein blutiger zehnstündiger Kampf zwischen Aufständischen und Sultanstruppen statt. Die Aufständischen bemächngten sich der Stellung der kaiserlichen Truppen, welche zahlreiche Tote und Verwundete zurückließen. Auch die Aufständischen erlisten große Verluste und verlangten vom Prätendenten Verstärkungen.
* Konstantinopel, 7. Mai 1903. Zu den Wirren in Macedonien lauten die neuesten Meldungen ziemlich beruhigend. Die Pforte hat es verstanden, wenigstens ins Saloniki und Umgegend der bulgarischen Unruhestifter Herr zu werden, wobei ziemlich rücksichtslos eingegriffen wurde. Um ein etwaiges Uebe^greifen der Bewegung nach Konstantinopel zu verhindern, wo sich zahl- reid)e Bulgaren aufhalten, denen man eventuell auch verbrecherische Attentate nach Art der in Saloniki verübten zutraut, waren von türkischer Seite in den letzten Tagen umfassende Sicherheitsmaßregeln getroffen worden. — Das Verhältnis zwischen Bulgarien und der Türkei ist überaus gespannt. Es verlautet, der Sultan habe in Folge der Salonikier Vorfälle persön- sönlich an den Fürsten Ferdinand appelliert, im beiderseitigen Interesse noch ernster als bisher gegen die mazedonischen Komitees vorzugehen, deren Herd sich zweifellos in Bulgarien befinde, von wo aus die Bewegung wach er- halten werde. — Die Pforte beabsichtigt, alles Material, welches sich bei der Untersuchung der Angelegenheit der Anschläge in Saloniki als für Bulgarien belastend herausstellt, den Großmächten mitzuteilen oder zu veröffentlichen. — Ein Zusammenstoß türkischer Truppen mit Bulgaren fand am 8. d. Mts. beim Dorfe Krapeichta unterhalb Florina im Vilajet Monastir statt; der Führer der letzteren und 6 Mann wurden getötet, der Rest flüchtete. Aus Albanien meldet vom Mittwoch das Wiener offiziöse Telegraphenbureau, in Prizrend und Umgebung sollen bisher über dreißig die Opposition gegen die Resormen leitende alba- nesische Chefs und Notabeln verhaftet worden sein.
auf den ersten Augenblick hervorrief: Alle zärtliche« Gefühle, deren ihr Herz fähig war, hatten sich bisher auf ihr einziges Kind, ein Töchterchen von fünf Jahren, konzentriert, da erkrankte das Kind am Scharlachfieber und starb nach einigen Tagen. Ihr Schmerz war grenzenlos und bis zur Stunde hatte sie denselben noch nicht überwunden. Nun stellte sich ihr so unerwartet ein Ersatz für ihre AgneS in den Weg, dl- arme, kleine Consuelo. „ ,,,
„Was meinst Du, Adolf," wandte fie sich an den Konsul, „wenn wir das Kind zu uns nähmen?"
„Für Ihre Familie, Herr Kapitän, wurde et« Zuwacks doch eine Bürde sein, und uns soll da» liebreizende Kind unser jüngst verstorbenes Töchterchen ersetzen." ,
„Wenn Sie darauf bestehen, so will ich znruck- treten, obgleich ich die Kleine gern mit mir genommen hätte. Was sagen Sie denn, Herr Konsul, zu dem Vorschlag Ihrer Frau Gemahlin?"
„Ich kann demselben nur bedingungsweye zustimmen ; denn erstens müssen alle erdenklichen Schritte getan werden, diejenigen aufzusindeu, die eventuell em Anrecht auf das Kind haben könnten, und dann, Uebe Amanda, mache ich zur Bedingung, daß das Kind, waS immerhin für Verhältnisse auch eintreten mögen, Zeit unseres Leben» unter unserem schütze verbleibt und daß für seine Zukunft in ausgiebiger Weise gesorgt tvccbc.N
„Natürlich bin ich damit einverstanden; die Kleine soll gehalten werden, al» wäre fie unser eigenes Kind.
Damit war über Consuelos Zukunft ent« schieden und die Gemahlin des Konsuls schickte sich sofort an, ihr Recht als Beschützerin des Kindes zu wachen. ,
Am Abend desselben Tages, als bte scheidmde Sonne das Meer mit seinem purpurnen Glanze übergossen hatte, wurde die Leiche der jungen Witwe unter den üblichen (Zeremonien den Fluten des Meere» übergeben. Alle Passagiere hatten sich zu der getet auf dem Verdeck eingefunden. Und wenn auch keine Toten-