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30, Jahrgang.
fttlda, Donnerstag, den 7. Mai 1903.
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Wartung größerer Geschenke mache und die ganze Hand nehme, wenn man ihm den kleinen Finger biete. Nur verbohrter Fanatismus kann mit olchen kleinlichen und törichten ^Auslassungen an dem Verhalten des Kaisers Kritik üben und die konsessionelle Engherzigkeit verraten. Glücklicherweise hat so etwas auf den Kaiser nie Eindruck gemacht. Wir Katholiken sind ihm für dre Achtung, die er dem hl. Vater erwiesen hat, dankbar ohne alle politischen und kirchen- wlitischen Nebengedanken.
Die Gläser klangen hell an einander und doch schien es dem Doktor, als höre er fernes Totengeläute. Ach er wußte ja nur zu gut, wie es um die Gesundheit Bruchhausens bestellt war; aber er konnte es richt über sich gewinnen, jenem von der Reise abzuraten, da ja sein Freund von ganzem Herzen nach -der alten Heimat verlangte.
Ziemlich früh ging die kleine Gesellschaft an diesem Abend auseinander, weil die Reisenden am folgenden Morgen den ersten Zug nach Verakruz benutzen wollten, wo das Schiff, welches sie nach Europa tragen sollte, vor Anker lag. Der Arzt und seine Gattin gaben ihm das Geleite zum Bahnhofe; der Abschied war von beiden Seiten recht traurig.
. Bruchhausen und Doktor Lange hatten sich vor einigen Jahren zufällig kennen gelernt, ihre beiderseitige Abstammung aus Württemberg, denn auch Lange war aus Schwabenland gebürtig, batte für sie fo viele Berührungspunkte, daß sie bald zu intimen Freunden wurden, wozu auch die Gleicharligkeit ihrer nicht wenig beitrug. Auch Dolores, die lebhafte Spanierin und des DoktorS Gattin, Franziska, die stille, sanfte Deutsche, die selbst kinderlos war, liebte die kleine Consuelo mit einer Zärtlichkeit, die fast jener der eigenen Mutter des Kindes gleichkam, und für die Kleine war es jedesmal ein Freudenfest, wenn sie einige Stunden, bisweilen auch einen ganzen Tag bei Donna Paquita zubringen durste.
So lange derZug sichtbar war, der die Scheidenden davontruz, blieben der Arzt und seine Gattin auf dem Bahnsteig stehen; dann wandten sie sich zum Rückwege, und die gute Doktorin ließ jetzt ihren Trärren freien Laus. Der Arzt seufzte: „Gebe Gott,
seine Beichte abgelegt hatte, empfing er mit großer Rührung das heiligste Sakrament. Mit dem Ausdruck eines tiefen, überirdischen Friedens auf den bleichen Zügen ruhte das Haupt des Kranken auf den blendend weißen Kissen. Aber schon schwebte der Engel des Todes über seinem Lager, ein kalter Schweiß trat ihm auf die Stirn und nach einem _ kurzen, aber schmerzlosen Todcskampfe, während dessen der Geistliche die Sterbegebete sprach, hatte er seine Seele in die Hände seines Schöpfers zurückgegeben.
Das über Dolores so schnell und unerwartet hereingebrochene Unglück übte eine Wirkung auf sie aus, welche die Anwesenden mit Schrecken erfüllte. So bleich wie ihr Heimgegangener Gatte, die Äugen stier auf sein Antlitz gerichtet, kniete sie regungslos am Sterbelager. Der Geistliche versuchte vergebens, sie durch sausten Zuspruch zu trösten; es war, als höre und sehe sie ihn nicht. Die mitleidige Wirtin berührte leise ihren Arm, um sie aus dem Zimmer zu führen; sie aber wie« mit der Hand nach der Leiche ihres Gatten und verharrte in derselben Stellung. Man hielt es für geraten, sie vorerst mit ihrem Schmerze allein zu taffen. Ab und zu blickte die Wirtin durch die Tür und fand sie noch immer wie zuvor, einem Marmorbilde ähnlich, am Bette des Verblichenen knieen. Lange Zeit hatte sie so Der Teilt, als die Tür sich abermals vorsichtig öffnete; leise Schritte näherten sich dem Bette; Plötzlich legten sich zwei weiche, runde Aermchen um den Hals der Knienden; ein blondes Lockenköpfchen lehnte an ihrer Schulter und, während die kleine Consuelo die Wangen ihrer Mutter streichelte, flüsterte sie zärtlich: „Mein liebes Mütterchen!" Bei dem Ton dieser Stimme und der sanften Berührung ihres Kindes wich die Starrheit ihrer Glieder, ein heftiges Beben durchfuhr ihren Körper und in einem Strom von Tränen machte ihr geq lältes Herz sich Lust. Mit Inbrunst preßte Dolor s das Kind an ih:e Brust, als fürchte sie, auch dieses Kleinod zu verlie-en, und die Tränen di- *o gewaltsam Bahn getrauten. wollten schirr !nn C nebmen.
Lonsuelos Schicksale
Novelle von Marg. Schlichter.
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3.woch-nb-ilage:„IllustrierteSonntagzzeitung
Der Besuch des Baisers im Vatikan foU nach der Behauptung der liberalen und dem Evangelischen Bunde zugetanen Preffe von den Klerikalen" ganz gewaltig aufgebauscht worden sein und nicht entfernt die Bedeutung haben, die „ultramontane" Uebertretbung ihm beilegt. Aus solchen Klagen können rotr nichts weiter herauslesen, als den Schmerz über den Besuch und seinen glänzenden Verlauf. Es tft doch nun einmal Tatsache, daß die Fahrt des Kaisers zum Vatikan und seine Zusammenkunft mit dem ehrwürdigen Oberhaupte der katholischen Kirche in der gesamten Welt weit mehr Beachtung gefunden hat, als der Besuch im Quirinal und alle Festlichkeiten, Paraden usw., die von diesem dem Kaiser zu Ehren veranstaltet wurden. Der Besuch im Quirinal, das sagen gerade die verärgerten Blätter, ist durch den Besuch im Vatikan völlig in Schatten gestellt worden.
Das ist nicht, wie diese Blätter zu eigenem Tröste behaupten möchten, der „geschickten Regie", der „prunkvollen Inszenierung" der „seinen Psychologen im Vatikan" zu verdanken, sondern dem Umstande, daß eben das Papsttum eine unvergleichlich größere und erhabenere Erscheinung — Macht würden die Gegner sagen, und auch dagegen haben wir nichts — ist, als das italienische Königtum. Man mag sich sträuben, wie man will, der Größere und in jeder Hinsicht Ehrwürdigere, auf den sich immer an erster Stelle die Blicke richten, ist in Rom doch nun einmal der Papst und nicht der König, und das wird sich nie ändern. Nicht als Sitz des italienischen Königshauses, sondern als Sitz des Papsttums zieht Rom die Blicke der Welt auf sich. Und wenn ein Monarch dahin kommt, dann erregt es sehr wenig Interesse, ob er den König besucht und welche Aufnahme er am italienischen Hofe findet, sehr viel aber, ob er dem Vatikan einen Besuch abstattet und wie viel Minuten er mit dem Papste allein ist. Ueber die Feste und Trinksprüche am italienischen Hofe wird berichtet, und dann sind sie vergessen; die Vorgänge im Vatikan dagegen werden noch lange nachher erörtert, gedeutet und ihrer Tragweite gewürdigt. An dieser weltgeschichtlichen Tatsache kann keine Kritik und kein Aerger etwas ändern.
Man braucht uns nicht zu sagen, der Besuch des Kaisers beim Papste habe keine politische Bedeutung und könne das innige Verhältnis . zwischen dem deutschen Reiche und Italien nicht alterieren. Wir haben uns niemals eingebildet, daß der Kaiser sich in den Streit zwischen dem Vatikan und dem Quirinal zu gunsten des Papsttums einmischen werde, und wünschen durchaus keine Trübung des Bündmsses zwischen Deutschland und Italien. Wir bezweifeln sogar, ob der Besuch irgendwelche direkte Wirkung auf die innerdeutsche und preußische Kirchenpolitik haben werde. Wir freuen uns über den Besuch einfach deshalb, weil freundschaftliche Beziehungen zwischen dem Träger der deutschen Kaiserkrone und dem Träger der Tiara eine Gewähr für die Er hal-
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Die Freunde des bisherigen Zustandes hatten von vornherein eine schwächere Stellung, weil sie eine lange Erfahrung gegen sich hatten. Es ist nun einmal eine gar nicht wegzuleugnende Tatsache, daß Adlige und ehemalige Korpsstudenten ein ganzunverhältnißmäßiges Uebergewicht in der Verwaltung haben. Wenn nach einer vor etwa vier Jahren veröffentlichten und zweifellos im Wesentlichen noch heute giltigen Statistik der Adel unter den Regierungsreferendaren mit 40 v. H., unter den Regierungsräten,' auf denen die eigentliche Arbeit lastet, nur mit 13, unter den Regierungspräsidenten dagegen mit mehr als 70 v. H. vertreten war und wenn nach einer jüngst von den Akademischen Monatsheften', dem Organ der Korps, aufge- stelltenStatistik unter den 35 Regierungspräsidenten mindestens 21 ehemalige Korpsstudenten sind, so wird man das doch ehrlicher Weise nicht damit erklären können, daß Adlige und Korpsstudenten an Talent und Wissen die Bürgerlichen und Nichtkorpsstudenten so außerordentlich überragen, um in diesem auffälligen Maße ihnen den Rang in der Verwaltung abzulaufen. Das muß Diel „natürlicher" zuqehen. Jeder, der kein Interesse daran hat, die Wahrheit zu vertuschen, wird es auch einfach so erklären: Adlige und ehemalige Korpsstudenten haben seit undenklichen Zetten die besten und entscheidenden Stellen inne und bringen nun ihre Standesangehörigen und Korpsbrüder ebenfalls in die Verwaltung und helfen sie vorwärts fchieben.
Wir erkennen ohne weiteres an, daß Erziehung und Tradition in Adels- und Be- amten-Familien erheblich dazu beitragen, die jungen Leute mit denjenigen Eigenschaften aus- zurüsten, die sie zu Verwaltungsbeamten hervor-- sagend befähigen. Wir würden datum auch nichts besonderes darin sehen, wenn die Spröß- linge dieser Familien verhältnißmäßig stark in der Verwaltung vertreten wären. Aber sie sind dort ganz unverhältnismäßig vertreten und das läßt sich nicht allein durch ihre Fähigkeiten, sondern nur durch künstliche Inzucht erklären.
Minister Freiherr von Hammerstein hat das im Abgeordnetenhause bei seinem Versuche, eine Bevorzugung des Adels und der Korpsstudenten zu bestreiten, wider Willen bestätigt. Indem er versichert, daß allein die persönliche Tüchtigkeit entscheide, bekannte er zugleich ziemlich unumwunden, daß ihm Adlige und ehemalige Korpsstudenten die liebsten seien. Zu alledem kommt, nun in neuerer Zeit noch ein unberechtigter Einfluß, der sich insbesondere im Westen zeigt, das ist der Einfluß des Geldsacks. Eigentlich muß man sich wundern, daß die Konservativen diesen Einfluß so wenig würdigten. Er droht ihnen doch gerade das Monopol auf die höheren Beamtenstellen streitig zu machen. Wir unsererseits halten ihn für den gefährlichsten.
Einstweilen haben die Freunde des bisherigen Systems es ja erreicht, daß alles beim Alten bleibt. Es wird das gleichzeitig die Wirkung haben, daß das Beamten-Material sich immer mehr verschlechtert. Denn der Zweck der Vorlage war doch, eine bessere Vorbereitung der
Als dieser den Kranken untersucht hatte, machte er ein sehr ernstes Gesicht. Er konstatierte, daß Bruchhausen bedenklich erkrankt und an eine Reise nach Europa vorerst nicht zu denken sei. Nachdem er dem Kranken einen kühlenden Trank verordnet hatte, empfahl er sich mit dem Versprechen, am Abend wieder nach dem Patienten zu sehen.
Er äußerte gegen Dolores, die ihm aus dem Zimmer gefolgt war, daß sie sich auf das schlimmste gefaßt machen müsse. Diese konnte und wollte das Entsetzliche nicht glauben, und die Hoffnung auf Genesung ihres Mannes, an der sie mit aller Zähigkeit festhielt, suchte sie auch ihm einzuflößen.
Dieser blickte sie lange Zeit traurig an, faßte ihre Hand und sagte mit schwacher Stimme: „Dolores, sei stark! Gott will nicht, daß ich mein irdisches Vaterland wiedersehe, sondern ich soll bald in jene Heimat einziehen, die unser aller wahres und einziges Ziel ist. Versprich mir, daß Du sofort nach meinem Heimgange die Reise mit Consuelo antreten willst. Im Vorgefühle meines nahen Endes schrieb ich gestern an meine Eltern, nimm den Ring und diesen Brief und verschli'ße beides in das schwarze Ebenholzkästchen."
Bei diesen Worten gab er ihr zu fleich nut dem Briese einen kostbaren Ring von ganz eigentümlicher Faffung. Derselbe stellte eine, aus purem (Selbe gewundenen Schlangenleib dar, dessen Schuppen mit Diamanten besetzt waren, während der mit Rubinen und Smaragden besetzte Kopf in allen Farben schillerte. Dolores nahm das Schriftstück entgegen und brach in lautes Schluchzen aus:
„Es kann, es darf nicht sein, Clemens, Du wirft mich nicht allein in die frembe Welt ziehen lasten; ich kann bas Leben nicht ertragen ohne Dich."
„Wir müssen uns in Gotte« Willen fügen, mein armes, liebes Weib, laste mir je?t einen Priester rufen, bamit ich wohl gerüstet die Reise in die Ewigkett antrete."
„Dolores tat, wie ihr geheißen, und als der Kranke
Die Annahme der Regierungr- referenöare.
Der Gesetzentwurf über die Befähigung zum höheren Verwaltungsdienste ist bekanntlich gescheitert. Abgeordnetenhaus und Herrenhaus vermochten sich nicht über die Frage zu einigen, wer über die Annahme der Regierungsreferendare zu entfcheiden haben solle, die Regierungspräsidenten oder die Minister des Inneren und der Finanzen. Die Regierung und das Herrenhaus wollten die Entscheidung den Regierungspräsidenten belaßen, das Abgeordnerenhaus sie den Ministern übertragen. In letzter Stunde versuchte der Minister des Inneren im Abgeordnetenhause, die Vorlage durch einen Vermittelungsvorschlag zu retten. Den von den Regierungspräsidenten nicht angenommenen Referendaren solle das Beschwerderecht an den Minister zustehen und es sollten bestimmte Normen festgesetzt werden, nach denen die Regierungspräsidenten sich bei der Anstellung der Referendare zu richten hätten. Dieser Vorschlag fand indes bei der Mehrheit des Abgeordnetenhauses gar keinen Anklang. Sie blieb bei ihr?m früheren Beschlüsse.
Darin war sie wohl nicht wenig bestärkt worden durch die Rede, die Minister Freiherr von Hammerstein am letzten Samstag zugunsten der Regierungsvorlage gehalten hatte. In der Hauptsache" handelt es sich bei dieser Streitfrage darum: wo wird in größerem Maße ein unberechtigter Einfluß ausgeübt, bei den Regierungspräsidenten oder bei den Ministern ? Die Gegner des bisherigen Zustandes, d. h. das Zentrum und die Liberalen, behaupten, die Regierungspräsidenten vermöchten sich auch beim besten Willen einer fachlich nicht berechtigten Rücksichtnahme auf persönliche Beziehungen bei der Annahme der Referendare nicht immer zu entziehen, die Minister ständen unbeeinflußter und unabhängiger da und wären daher bei ihren Entscheidungen unparteiischer. Die Minister und die Konservativen dagegen behaupten, wenn die Entscheidung bei den Ministern liege, so würde sich ein unberechtigter parlamentarischer Einfluß geltend machen und man werde es mit politischen Schachergeschäften zu tun bekommen. Was sonst für die beiden Meinungen an Erwägungen und Bedenken praktischer Natur vorgebracht wurde, sällt nicht ins Gewicht, da eben die Besorgnis vor dem unberechtigten Einfluß für beide Teile ausschlaggebend war.
tung des Friedens zwischen Staat und Kirche sind und weil die Ehrung des Papstes durch den Kaiser ein neues Zeugnis für die Stellung und Bedeutung des Papsttums ist. , „ ,
. Aus eben diesem Grunde aber ärgern sich untere „ Antiultramontanen" aller Schattierungen. Man haßt in dem Papst die katholische Kirche und kann es nicht ertragen, daß das abfällige Urteil, das man über beide zu fallen liebt, vom Kaiser Lügen gestraft wird. Die Kirche soll eine verkommene, überlebte Institution, das Papsttum ein Petrefakt oder ein Völkerverderb, der Papst ein Verfolger und Beleidiger des Protestantismus fein, und nun muß man erleben, daß der mächtige deutsche Kaiser dem greisen Oberhaupte der Kirche feine Hochachtung zollt und zur Erhöhung des Glanzes und Ansehens des Papsttums beiträgt.
Gegenüber der Kaiserin hat man es offen ausgesprochen, man wünsche nicht, daß sie als „evangelische Frau" den Papst besuche, wett das für protestantische Empfindung unerträglich fei. Man sagte das freilich auch erst, als fest st and, daß sie aus einem anderen Grunde den Kaiser nicht begleiten werde. Dem Kaiser gegenüber wagte man sein evangelisches Bündlerherz nicht ganz so rückhaltlos zu offenbaren. Man entt schuldigte ihn sogar, denn er mache den Besuch im Vatikan als politische Persönlichkeit. Doch hörte man aus dieser Entschuldigung wohl heraus, daß man sie nur mit Widerstreben gelten ließ und es dem Kaiser hoch angerechnet haben würde, wenn er auch auf den Besuch v erzichtet hätte. 9lun er stattgesunden hat, bringt man seinen Tadel noch auf die verschiedenste Weise an. So wird auseinandergesetzt, die Intimität zwischen Kaiser und Papst könnte die Italiener verdrießen und ihre Gefühle für den Dreibund ab kühlen. Es wäre also zu wünschen, daß auch in der Behandlung des Papstes mehr Rücksicht auf das deutsch-italienische Bündnis genommen werde. Wir haben schon gesagt, daß der Besuch nut der italienisch-vatikanischen Politik nichts zu tun hat. Ueberdies wird ja von denselben Leuten, die für die Dreibundfreundlichkeit der Italiener fürchten, in demselben Atem versichert, der Besuch des Kaisers im Vaükan errege nicht im geringsten die Eifersucht der königlichen Italiener, sondern gereiche ihnen zu großer Genugtuung, weil er vor der ganzen Welt abermals den Beweis liefere, wie frei der Papst in Rom fei und wie wenig die Beschwerden des Vatikans gegen Italien begründet seien.
Weiter wird dem Kaiser zu bedenken gegeben, daß er durch seinen Besuch das Selbstbewußt- fein des Papstes stärke und sein Ansehen unter den Katholiken und vor der Welt mehre. Hier kommt dann auch wieder zum Vorschein, daß das „protestantische Selbstbewußtsein" sich gekränkt fühlt. Schließlich fehlt es auch nicht an der alten.weisen Mahnung, daß man sich vor dem Vatikan in Acht nehmen müsse, der immer nur au seinen Vorteil bedacht sei, Geschenke nur in Er- daß er glücklich über den Ozean kommt! Seine Krankheit hat in letzter Zeit rasende Fortschritte gemacht."
Als die Reisenden in Verakruz anlaugten, hörten sie, daß der für Deutschland bestimmte Dampfer erst in drei Tagen abfahren werde. Sie kehrten in einen stillen Gasthof ein. und Bruchhausen freute sich über den Aufschub. Die Vorbereitungen zur Abreise, der Abschied von seinen Freunden und die Fahrt auf der Eisenbahn hatten seine Kräfte auf's äußerste erschöpft, und eine kurze Rast, bevor er sich einschiffte, war ihm daher sehr willkommen. Während Dolores mit der kleinen Consuelo einen Spaziergang am Hafen machte, wo es so viel für das Kind zu sehen und zu bewundern gab, blieb Bruchhausen im Hotel zurück. Er setzte sich an das auf den Garten hinausgebende geöffnete Fenster und sog den Duft der herrlichen Pflanzen ein, die nach einem kurzen, aber heftigen Regen die Luft mit ihrem Balsam erfüllten. Es be- ■ «nächtigte sich seiner eine unüberwindliche Müdigkeit, aber von einem plötzlichen Impuls getrieben, raffte er sich auf, berührte den Knopf der Schelle und bat das einttetende Hausmädchen, ihm Schreibmaterial zu besorgen. Er setzte sich an den Schreibtisch und schrieb mit Aufbietung aller seiner Kraft einen langen Brief; aber je weiter er kam, desto undeutlicher wurden die Schriftzüge, ein beständiges Zittern der Hand erschwerte ihm das Schreiben; schließlich war er zu Ende vnd ganz erschöpft lehnte er sich in den Sessel zurück. Als Dolores mit dem Kinde zurückkam, erschrak sich über das geisterhafte Aussehen ihres Gatten. Er ließ sich gern überreden, sofort sein Lager aufzusuchen, und bald fiel er in einen lethargischen Schlummer. Derselbe währte indes nicht lange. Dolores, welche in der Sorge um ihren Gatten an besten Lager wachte, gewahrte bald eine unheimliche Röte auf seinen Wangen, das Anzeichen eines heftigen Fiebers, welches fich auch bald durch einen brennenden Durst geltenb machte Langsam schlichen die Stunden der Nacht dahin, und sobald der Morgen dämmerte, schickte sie den Hausknecht zu einem Arzte.