30. Jahrgang.
fUldd, Mittwoch, den 6. Mai 1903.
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Der Thronsaal der deutschen Botschaft in Rom
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Mittelstraße 5.
Zweites Blatt ।
3.00
1.75
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Capes und Kragen Kindermäntel Blusen
Einlagen auf Sparkassenbücher und Schuldverschreibungen werden mit
Staubmäntel und Kostüm-Röcke in allen Preislagen.
NI|«m A. H. Wertheim.
Lrfcheint täglich, mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, viertel- rährl. Bezugspreis ohne Bringerlohn und VesteageldinZuldaund auswärts t M. 50 Pfg
Verantwortlicher §christletter:Züs.Baum für die Inserate z. parzcller in Zulda.
Kaiser Wilhelm ist in Rom in der deutschen Botschaft abgestiegen. Hier empfängt er den deutschen Künstlerverein und Abgesandte der deutschen Kolonie in Rom. Wir geben unseren Lesern beistehend eine Ansicht des herrlichen Thronsaales im Botschaftsgebäude, als welches bekanntlich der Palazzo Caffarelli f. Zt. vom deutschen Reiche erworben wurde. Der Palast ist nn
16. Jahrhundert von Ascanio Caffarelli, einem Mitglieds eines alten Adelsgeschlechtes gleichen Namens, aus dem kapitolinischen Hügel erbaut. Der zu offiziellen Empfängen dienende Thronsaal weist prächtige Fresken von der Hand Prelis auf und erregt durch seine prunkvolle Einrichtung allgemeine Bewunderung.
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verzinst. Einlagen, die in den ersten drei Tagen der Monats gemacht smd, werden vom ersten desselben Dlonots verzinst.
Ausleihung von Darlehen gegen hypothekarische Sicherheit.
Zinsfuß 4°|0 ohne Verzugszinsen.
50 M. Sklohmuß zahlen wir demjenigen, welcher uns einen in unseren Jagden Wildernden, auch Schli». gensteller so zur Anzeige bringt, daß derselbe gerichtlich bestraft wird 8 Mark dem, der den Besitzer eines jagen- den Hundes anzeigt.
H. Klostermanii. Und. Backhaus.
Rom kein Unglück, denn abgesehen von dem ganz veränderten Bilde, welches die Stadt bietet, wird auch gerade durch.den kühlenden Regen der Aufenthalt in den Museen erträglicher. Bald nach 9 Uhr macht man sich mit seinem Schirm auf den Weg, die elektrischen Bahnen sind überfüllt, nachdem man „3—4" besetzt hat vorbeifahren lassen, sieht man sich nach einem Wagen um. Wenn man sonst nur ausspähend den Kopf wendet, so hat man gleich ein halbes Dutzend vor sich stehen. Heute geht, man durch den widerlichen Straßenschlamm fein auf dre Suche. Endlich hat man einen gefunden, der noch frei ist. Der Mann sitzt unter einem großen Schirm, wie ihn wohl die Obsthändlerinnen auf den öffentlichen Plätzen bei uns haben, wohl geborgen, man schlüpft in die enge, halb überspannte Kiste hinein, und wenn dann die Fahrt los geht, merkt man, daß der Kutscher fein vor dein Regen geschützt ist, baß, man aber selbst den Wasserabfluß seines Riesenschirmes in den Wagen erhält.
Vor den Museen, namentlich den päpstlichen, wogt es vor der Eröffnungsstunde, 10 Uhr, wie ein bunter Bienenschwarm, von Leuten der verschiedensten Auffassungen. Hier Engländer, dre nur einmal dagewesen sein wollen, hier oberflächliche Beschauer, die am äußern Glanze der Einrichtung ihre Hauptbefriedigung finden und endlich dort Männer der Forschung, die mit ernsten kritischen Falten in der Stirne her antreten und deren Auge dann aufglänzt, wenn sie den vollen Sinn der Kunstwerke erfaßt haben und die sich nicht losreißen können aus dem Banne der in Stein und Erz gemeißelten Schönheit.
Dem gewöhnlichen Besucher, der schon meint, in 14 Tagen ganz Rom mit sich nach Hause tragen zu können, fehlt leider absolut die Zeit, auch nur das allersehenswertheste nach Gefallen betrachten zu können. Ein solches Uebermaß von ernsten Kunstdenkmälern aller Zeiten birgt eben auch im Entferntesten keine andere Stadt der Welt. Wer weise Auswahl trifft und von vornherein sich sagt, nur das allerhervorragendste genießen zu wollen, steht sich am besten und auch in diesem Rahmen kann er nicht enge genue sein. Wer einen Gang durch die vatikanische! Sammlungen, durch die Museen am Kapitol und durch die im Nationalmuseum befindliche Ludowisi'sche Sammlung gemacht hat, der darf schon recht mit sich zufrieden sein.
An vornehmer Haltung, an praktisch wissenschaftlicher Anordnung und an Gesamtwert bei Kunstschätze stehen die päpstlichen Museen uner reicht da, wie sie auch für den Besucher weitaus die meisten Vergünstigungen aufweffen. Respek vor allem, was Staat und Stadt auf , diesem Gebiete geschaffen haben, aber in der Gesamtwirkung stehen sie doch nur wie schwache Nach- ahmer weck hinter dem glänzenden Vorbilvc zurück. Es ist ja heutzutage Mode, die katholische Kirche und das sie regierende Papsttum als „eine Feindin der Kunst" darzustellen. Niemand, der diese ersten Museen der Welt durchwandert hat, kann anders sagen, als daß sie eine Geschichte des Kunstverständnisses und der opferfreudigen Kunstliebe der Päpste sind.
Engherzigkeit und Vandalismus selbst haben Unwissende der Kirche anhängen wollen und doch hier herrscht in den Idealen jeder Auffassung ein so freier Hauch, wie er nur irgend zu finden.
Aber, welch großer Unterschieb auch selbst in diesen freien Meisterwerken, gegen die schnöden.
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Druck und Verlag der Zuldaer Actiendruckerer in Zulda (Harmonie)
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dekorierte Hauptsaal ist eine große Sehenswürdigkeit. In dem Seitenflügel, wo wir auch die größten Bücherschätze finden, entfalten sich unserem Blick die großartigen Geschenke, welche Kaiser und Könige, Republiken und Städte namentlich dem jetzigen Papste bei seinen mannigfachen Jubiläen verehrt haben.
Reiche Sammlungen aus der ersten christlichen Zeit, namentlich die wertvollsten Funde der Katakomben geleiten uns bis ans Ende des großen Ganges, den ein von dem Aachener Künstler Hub. Schmitz gemaltes Glasfenster mit dem Bilde Pius IX. anschließt. Es gilt dies farbenprächtige Kunstwerk als die beste Wiedergabe des Papstes, der bei allem Leid seine Sanftmut und unaussprechliche persönliche Liebe bewahrte.
In diesem Raume befinden wir uns in einem kleinen Museum der katholischen Liebe. Denn alle die Adressen, die Millionen Unterschriften, oft schlicht, oft mit königlichem Glanze umgeben, die in den Tagen der Freude und des Leides Pius IX. zugeschickt worden sind, finden sich hier vereinigt. Wer Glück hat, dem ergeht es vielleicht wie mir, daß er die Adresse feiner Vaterstadt aus den 60er Jahren entdeckt und sie als eine liebe Erinnerung wieder mit in die Heimat bringt, wo man sie beinahe vergessen.
Wie mir übrigens Exzellenz der Oberst-Hofmeister Sr. Heiligkeit mitteilte, besteht die Ab- ficht, in einem besondern Raume auch alles das zu sammeln, was Leo X JIL die Liebe der Welt zu seinen vielfachen Jubiläen gewidmet hat.
C.MühlinghausPet.Joh.Sohn, alleinig concess.Fabrikant der: Lennep| ÄXD5THOMALLħ GESUNDHEITS UNTERKLEIDER.
wenn auch mit prikelnder Feinheit ausgeführten Verherrlichungen niederer Leidenschaftlichkeit. Dort fällt die Hülle, um reineren, edleren Atmosphären entgegenzustreben, hier reißt das Laster sie in wilder Gier vom Leibe. Verzeihung, wenn ich etwas drastisch wurde, aber es ist so.
In der Tat, nirgends lassen sich die allbe- liebten Schlagworte gegen die katholische Kirche besser widerlegen, als in Rom selbst. Bildungsfeindlichkeit, Geschichtsverdrehung rc., das sind Vorwürfe, deren Aussterben wir und auch unsere Kinder und Kindeskinder schwerlich überleben werden.
Die also sprechen, mögen einige Schritte in die vatikanische Bibliothek wagen, in der etwa 28,000 Handschriften und über 200,000 gedruckte Werke das Gesamtwisfen aller Zecken vereinigen. Allerdings, es wäre schlimm, wenn die prächtigen Schränke des 318 Meter langen Hauptsaales unter Schloß und Riegel gehalten würden. Nein, jeder, Freund oder Feind der Kirche, erhält Einsicht und findet in einem großen Studren- saale alle Bequemlichkeiten zur wissenschaftlichen Forschung, mag ihn nun der^Haß oder die Liebe zur katholischen Kirche zum Studium getrieben haben. Es gibt heute für niemand ein unzugängliches Aktenstück, das ist der Ausfluß des Willens unseres glorreich regierenden Jubelpapstes Leo XI I, den der Gedanke mit Recht beseelt: „Die Wahrheit wird siegen!" Die vatikanische Bibliothek bietet auch für andere Leute als professionelle „Bücherwürmer" ein reiches Interesse. Schon der ein drittel Kilometer lange, reich mit Fresken aus der jüngsten Papstgeschichte
3ubiläumsfat)rten.
Reisebilder zum Papstjubiläum.
Von Jos. Grunau.
VII. (Nachdruck verboten.)
Mit lachendem Sonnenschein sind wir aus der Heimat ausgefahren und er ist unser Beateiter gewesen selbst dort, wo noch des Winters strenges Regiment solch seltsamen Kontrast zu der milden Frühlingswärme bot. Und nun, da wir uns einmal in Italien, im Lande mit dem ewig blauen Himmel" befanden, da hielten wir es einfach für ein Ding der Unmöglichkeit, daß es anders werden könnte.
Und es kam anders, ganz gründlich!
Seit drei Tagen lagerte schon ein feiner, eigenartiger, gelblicher Nebel über der ewigen Stadt.' Am Abend wirbelte in den belebteren Straßen, wo die kleinen Wägelchen in halsbrecherischer Schnelle daherzogen, ein dichter Staub auf, der drohte, zum Verkehrshindernis zu weiden. Wir armen Pilgrime aber, die wir vom frühen Morgen bis zur Dämmerung unfern Weg durch diesen Staub machen mußten, wurden recht trocken in der Kehle, sodaß die besten Vorsätze der solidesten Leute naturgemäß zu Schanden wurden. Den größten Vorteil von dieser unsoliden Witterung hatte jedenfalls der biedere Wirt Ahbrecht in „Capo le Cafe", der am Abend ein ausgezeichnetes Glas Münchener vom Faß spendet und wohl jeder Deutsche mehr als einmal nach der Tageslast bei seinem römischen Aufenthalt in deffen behaglichem Hause Einkebr hält. Hier findet sich wieder, was sich am Tage verloren hat, hier versöhnt sich, was geteilter Ansicht war, hier braucht man sich nicht zu wundern, wenn man plötzlich aus einer Ecke eine bekannte Stimme seinen Namen nennen hört und einen alten Freund findet, den man meilenweit entfernt dachte, und der nun auch zufällig in Rom ist.
Vor allzulangen Sitzungen bewahrt uns übrigens am Abend die Müdigkeit. Wohl nie habe ich mich so nach dem Bette gesehnt, als in Rom. In diesen Tagen, wo der „Scirocco", so heißt der leichte, dahinbrütende Staubwind, wehte, da war die Abspannung doppelt groß. „Morgen wirds anders," sagte uns die freundliche Schwester Pförtnerin, als wir noch einmal unserem Unmut über die böse Witterung Ausdruck verliehen.
Sie war ein guter Wetterprophet, denn am Morgen weckte uns die Musik der an das Fenster trommelnden Regentropfen aus dem Schlafe. Froh, den. Staub los zu sein,' und wieder eine reine Luft zum Einatmen zu haben, begrüßten wir diesmal auch den Regen als eine Wohltat, was bei Reisenden sonst selten der Fall sein dürste.
Beim Morgenkaffee war infolge des Witterungsumschlages sogar in der Gesellschaft der Pensionäre eine gehobene Stimmung und weil's so gemütlich war und niemand vorerst etwas zu versäumen hatte, so mußten die guten Schwestern diesmal die gewohnten Kaffeetöpfe doppelt füllen. Ein Regentag ist tatsächlich m
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