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Maer

J. parzeller in Znlda. Wochenbeilage:Illustrierte Zormtagszeitung"

«rscheint täglich, mit Ausnahme der Sonn= undZeiertage. viertel- jShrl.V«;»grpreis ohne vringerlohn und VeßcllgeldinZuldaund auswärts lM.5VPfg.

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MonatrbeAage:Zuldaer Eeschichttblätter".

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Druck und Verlag der Zuldaer Aetiendruckerei in Zulda (Harmonie) Fernsprecher Nr. 9.

fulda, Mittwoch, dm 6. Mai 1903.

3« 102.

30. Jahrgang.

r$tes Llsti

%Konzentration der Geschäfte".

Handelsminister Möller bekannre sich im ver­stossenen Winter im Abgeordnetenhause gelegent­lich zu der Ansicht, es wäre besser, wenn weniger geredet würde. Er selbst aber redet, wenigstens außerhalb des Parlaments, häufiger als irgend ein anderer Minister. Daß es ihm dabei aber in der Regel nicht gelingt, es allen recht zu machen, kann ihm nicht zum Vorwürfe gereichen. Er ist Handelsminister und ha: zunächst die ihm anvertraulen Interessen wahrzunehmen, die manchmal mit anderen In- teresien schwer in Einklang zu bringen sind. Aber wenn er Anschauungen vertritt, die mit dem G e- samtwohl nicht zu vereinbaren sind, dann müssen wir widersprechen.

Am Montag hat er aus Anlaß einer Brücken- Eröffnung in der Magdeburger Handelskammer eine Rede gehalten, die zu solchem Widerspruch herausiorderr. Wenn er an die kaufmännischen Kreise die Mahnung richtet, sich auch am öffent­lichen und politischen Leben zu beteiligen, insbe­sondere zu sorgen, daß die jüngeren Söhne wohl­habender Familien sich politische Bildung aneig- neten, und wenn er den Wert der praktischen Arbeit gegenüber dem theoretischen Wissen hervor­hob, so haben wir dagegen nichts einzu- wenden. Sehr bedenklich erscheint uns aber, was er über dieAusschaltung des 'Zwischenhandels" und dieKonzentration der Geschäfte" sagte. Er meinte, gegen die Bewegung aus Ausschaltung des Zwischenhandels könne man nichts anderes tun, als die dadurch geschädigten Kreise zu größerer Konzentration, sei es in ge­nossenschaftlicher, fei es in anderer Form, zu be­wegen. Dem bedrohten Mittelstände in Handel utid Gewerbe haben auch wir den genossenschaft­lichen Zusammenschluß stets empfohlen. Minister Möller aber kommt auf die Empfehlung der Trusts und Kartelle hinaus. Er sagte zwar, er habe, als er vor einigen Monaten in Hannover die Konzentration der Geschäfte als die einzige Waffe und Wehr bezeichnete, die wir namentlich gegenüber Amerika hätten, damit das Trust- und Syndikatunwesen nicht verteidigt, sondern nur sagen wollen, daß dasjenige Land, das dem Zuge der Zeit nach Konzentration nicht folge, den Wettbewerb der großen Nationen nicht aushalren und den Wettstreit auf dem Welt­märkte nicht bestehen könne.

Aber dann berief er sich auf einen Teilhaber des Herrn Morgan, des Beherrschers des nordamerikanischen Stahltrusts, der ihm vor einiger Zeit persönlich auseinandergesetzt habe, daß das Mißtrauen, das dem Trust entgegen­gebracht werde, unbegründet fei; es siele dem Trust gar nicht ein, fo einfältig zu sein, für eine kurze Zeit die Konsumenten auszubeuten;

sein Ziel sei, die Arbeit zu teilen und da zu produzieren, wo es rationell sei, und den Zwischenhandel auszuschallen, wo er nicht nötig sei. Diese Versicherungen des Morgan-Mannes scheinen den Minister überzeugt zu haben. Er meinte, wie in den Vereinigten Staaten, so werde auch bei uns der Kampf gegen den Zwischenhandel seinen Fortgang nehmen. Dagegen werde nichts zu machen sein. Wenn wir ja zu so gewaltigen Organisationen, wie in den Verewigten Staaten, kommen würden, so würden wir uns damit absinden müssen, daß die Einschränkung des Zwischenhandels fort« schreite. Das schließe jedoch nicht aus, daß zahlreiche Handelszweige nach wie vor gedeihen würden. Die Konzentration unter tunlichster Aufrechterhaltung der Jndivi dualität der ein­zelnen Glieder sei das Ziel, auf das wir ohne Zweifel steuern müßten. Man werde dabei die Aufmerksamkeit darauf zu richten haben, daß die Hebelstände, die damit verbunden seien, ver­mieden würden. Man werde das Bewußtsein in diese konzentrierten Geschäftssormen hinein­zutragen haben, daß Gewaltmaßregeln Reaktionen Hervorrufen würden, daß daher vor Gewaltmaß- regeln möglichst gewarnt werden müsfe.

Aus diesen Worten können wir nicht viel anderes herauslesen als die Verkündigung des iaissez faire gegenüber den Syndikaten und Kartellen: Wir müssen uns damit absinden, daß sie denZwischenhandel" weiter ruinieren, und haben ihm nur das Bewußtsein beizubringen, daßGewaltmaßregeln" für sie selbst gefährlich sind. Wenn die Regierung sich auf diesen Stand­punkt stellt und das Ergebnis der Kartell-Enquete nach dieser Richtung hin dirigiert, dann werden sich die Kartelle bei uns noch lange eines unge­störten Daseins erfreuen, nämlich bis sie sich so­weitentwickelt" haben, daß wir ihrer nicht mehr Herr werden können und sie unser ganzes wirt­schaftliches nicht nur, sondern auch politisches Leben beherrschen, wie es in Nordamerika zum guten Teile bereits der Fall ist.

Es ist ja richtig, daß viel unnötiger und un- wirtschastlicher Zwischenhandel besteht. Aber wenn wir den Grundsatz proklamieren: Aus­schaltung des Zwischenhandels, wo es nicht nötig ist, wo finden wir da die Grenze? Es bleiben schließlich nur Wertheim u. Tietz übrig. Bei ihnen kann man alles haben, die übrigne Geschäfte sind nicht nötig, also finden wir uns damit ab,daß die Einschränkung des Zwischen­handels fortschreittt". Für uns hat derZwischen­handel" doch eine zu große soziale und politische Bedeutung, als daß wir uns mit seinerEin­schränkung" leichten Herzens abfinden könnten. DieseEinschränkung" bedeutet die Ver­nichtung zahlreicher selbständiger Existenzen, die ein wichtiges Fundament für unser Staatsleben bilden. Uns scheinen die Trusts, Syndikate, Ringe, Kartelle und das konzentrierte" Großkapital viel wenigernötig" zu sein, als derZwischenhandel". Sie haben auch, wie schon vor Abschluß der Enquete dreist behauptet werden darf, fo zahlreiche Uebelstände im Gefolge gehabt, daß es nicht mehr angeht.

ihnen mit verschränkten Armen zuzusehen. Es ist keineswegs das Interesse für das Gemeinwohl oder die Begeisterung für die wirtschaftlich beste Form der Produktion und Verteilung das trei­bende Element bei den Ringen und Kartellen, sondern die Sucht nach möglichst großen Gewin­nen. In dieser Sucht haben sie sich Gewalttätig­keiten, vor denen der Minister warnt, auch bei uns schon in Menge zu schulden kommen lasten, sowohl gegen Konsumenten wie gegen Konkurren­ten. Hier handelt es sich nicht mehr um eine gemeinnützige und berechtigte Ausnutzung des ge- nosfenschaftlichen Prinzips, sondern um seinen gröblichen Mißbrauch.

Tas Zentrum fordert in feinem Wahlauf­rufe gefetzgeberische Maßnahmen gegen diese Auswüchse der Kartelle. Wir hoffen, daß es diese Forderung durchsetzen und nicht die Theorie des Handelsministers siegen wird, wo­nach man alles ruhig mit sich geschehen lassen, ja sich über dieEntwickelung" noch freuen muß.

Berlin, den 5. Mai 1903.

** Der Kaiser soll nach einer Mitteilung der ,Augsb. Abendzeitung' auf seiner Rückreise aus Rom incognito in München eintreffen und mehrte Stunden dort verweilen. Diese Mit­teilung, gemerkt dazu die ,Nal. Ztg.', ist ebenso unzutrestend, wie die abgeschmackten Meldungen über die angeblichen Ursachen, aus denen der Kaiser auf der Reise nach Rom München nicht berührt hat. Die Gotthardroule bot sich eben als der bequemste Weg dar, sodaß für phan­tastische Kombinationen auch nicht die geringste Veranlassung vorlag.

** Heber den Besuch des Kaisers beim Papste wird nachträglich gemeldet: Viel bemerkt wurde, daß der Kaiser bei dem Empfang durch den Papst das Großkreuz des Ordens vom hl. Grabe angelegt hatte, den er bei der Palästina­reise erhalten hatte. Der Kaiser begrüßte den Papst mit den Worten:Ich bin glücklich. Eure Heiligkeit so wohlauf wiederzusehen." Der Papst antwortete:Und ich schätze mich glücklich. Eure Majestät zum dritten Male im Vatikan zu be­grüßen. Ich habe, wie Eure Majestät wissen, die vatikanische Bibliothek den deutschen Gelehrten geöffnet und wünsche herzlich, daß Rom und Deutschland durch die Wissenschaft immer enger verbunden werden." Der Papst kam fodann auf die biblischen Studien zu sprechen und sagte dem Kaiser, er habe eine Kommission ernannt, um diese Studien zu fördern. Das Weitere entzieht sich der Oeffentlichkeit. Das Gespräch des Kaisers mit dem Papste dauerte 26 Minuten. Darauf wurden die Prinzen dem Letzteren vorgestellt. Er fragte sie, ob ihnen Rom gefalle.Oh, sehr", ant­worteten fie.Nun, so bleibet denn noch einige Tage", erwiderte der Papst; doch der Kaiser

meinte, sie hätten nun schon zu lange Ferien ge­nossen und sie müßten wieder zur Arbeit. Nach den Prinzen wurde Graf Bülow allein vorgestellt. Der Papst sprach zehn Minuten mit ihm in der leutseligsten Weise. Kardinal Rampolla wurde vom Kaiser des Gegenbesuchs enthoben. Im Privatgemach des Papstes nahm der Kaiser mit großem Jntereffe die dort aufgestellte kunstvolle Uhr in Augenschein. Als der Kaiser sich vom Papste verabschiedet hatte, soll dieser an das be­kannte historische Eckfenster im Vatikan getreten sein und dem kaiserlichen Zuge noch lange nach- geschaut haben. Graf Waldersee und Graf Eulenburg erhielten den Großcordon des Pius- ordens, von Pl essen den Großcordon des Gregoriusordens. Ebenso wurden die übrigen Herren des kaiserlichen Gefolges durch Orden ausgezeichnet. Der Kaiser verlieh seinerseits den Kronenorden erster Klasse dem päpstlichen Major­domus Monsignor Cagiano de Azevedo, dem Stellvertreter des Kardinals-Staatssekretärs Monsignor Della Chiesa und dem Kom­mandanten der päpstlichen Palastgarde Graf Pecci.

** Heber die Zollbehandlung Kanadas schreibt die,Nat.-Lib. Korr.': In Bundesrats- treifen herrscht die Meinung vor, dafür, wie die zu erwartende Beschlußfassung über die Erhebung von Zuschlagzöllen auf die kanadischen Haupt- ausfuhrartikel ausfallen werde, könne nicht in erster Linie maßgebend sein der Wert des Waren­austausches zwischen Deutschland und Kanada. Es habe vielmehr in betracht zu kommen der Um­stand, daß, wenn Deutschland in diesem Falle nicht eine feste Entschlossenheit zur Abwehr be­kunde, die übrigen britischen Kolonien, und be­sonders auch Transvaal, der deutschen Ausfuhr binnen kurzem nicht minder großen Schaden zu- fügen würden.

% Der,Reichsbotc^ weiß doch immer das rechte Wort zu finden. Zu dem Wahlaufrufe des Zentrums heißt es im Anschlüsse a t die For­derung wegen Abschaffung des § 2 des Jesuiten­gesetzes:Recht muß doch Recht bleiben." Dazu bemerkt das Pastorenblatt:Wenn das Zentrum die Abschaffung des Jesuitengesetzes zur ausschlaggebenden Wahlparole macht, dann darf es sich nicht beklagen, wenn das auf der andern Seite mit der Erhaltung dieses Jesuitengesetzes gemacht würde." Der,Reichsbote' geht in seinem konfessionellen Fanatismus also so weit, daß er Gesetz und Recht für gleichbedeutend erklärt. Zu welchen Konsequenzen dieser Grundsatz führen muß, Konsequenzen, die auch dem Protestantismus sehr unbequem werden könnten, ist ihm wohl nicht recht zum Bewußtsein gekommen. Das Jesuiten­gesetz ist zwar Gesetz, aber es ist ein Unrecht, und der ,Reichsbote' spricht mit feinem Diktum aus, daß das Hnrecht bleiben solle. Wenn die Katho­liken sich gegen dieses Hr recht wehren, so begehen sie ein Verbrechen und die evangelischen Bündler und sonstigen Fanatiker, die das gehässige Aus­nahmegesetz aufrecht erhalten wollen, verteidigen das Recht"!

**Der deutsche Reichstag von 1898 bis 1903. Unter diesem Titel haben die

Lonsuelor 5chicksale

Novelle von Marg. Schlichter.

herrliche Säle mit kunstvoll bemalten Decken und einen weit über's Land hinaus ragenden Wartturm. Mit seiner an's Feenhafte grenzenden Einrichtung ist es heute die beliebte Sommerresidenz des jeweiligen Präsidenten der Republik.

Was aber für den Besucher des Chapultepccs den Hauptanziehungspunkt bildet, das ist das überwältigende Panorama, welches sich von der Terrasse des Schlosses aus dem Auge des Beschauers bietet, lieber die blüten­reichen Gärten und über den graugrünen Park hinweg blickt man aus die Stadt Mexiko mit ihren flachen Häusern, den eigenartigen Türmen ihrer Kirchen und den herrlichen Zinnen ihrer öffentlichen Gebäude. Zur Rechten glänzt der See von Texcoro; int Hintergründe der Stadt erblickt man die beiden Vulkane Popocate- petle und Jztacciuatle, und das Ganze wird im Halb­kreise von einem schneebedeckten Gebirgszuge umrahmt.

Versunken in den Anblick des prachtvollen Ge­mäldes standen ein Herr und eine Dame an der teinernen Ballustrade der Terrasse. Die Sonne stand bereits tief am Horizonte, und der Abglanz der rosigen Abendwolken legte sich über die Schneefelder der Gebirge und überhauchte fie mit wunderbaren Tinten, vob ein goldig, glühendes Netz um die Türme und >ie Zinnen der Hauptstadt, sodaß das Auge der beiden Beschauer sich nicht satt sehen konnte an all der Pracht und Herrlichkeit ringsum. Es war ja auch das letzte Mal, daß fie diesen imposanten Anblick genießen sollten. Der Herr, welcher in der Mitte der dreißiger Jahre tehen mochte, war groß und schlank gebaut, fast zu chlank für seine Jahre. Sein blasses Gesicht mit der einen gebogenen Nase war edel und ansprechend; )ie blauen Äugen und der blonde Bart kennzeichneten auf den ersten Blick feine germanische Abkunft.

Eine Spanierin in ihrem vollendeten Typus ist die junge Frau an seiner Seite; klein und zierlich ist hre anmutige Gestalt; die großen, mandelförmigen lugen find tief dunkel, das reiche Haar ist glänzend chwarz. Zärtlich an ihren Gatten geschmiegt steht fie >ort, und wie fie jetzt mit einem Ausdruck röhrender

Sorge auf dem reizenden Madonnengesichtchen zu ihm emporblickt, entringt sich ein leiser Seufzer ihren Lippen; sie wendet sich ab, um die hervorquellenden Tränen zu verbergen, und, wie um Trost zu suchen, blickt sie auf ein kleines Mädchen, das mit einem Blumenstrauß in der Hand herangehüpft kommt und sich neben den Vater stellend ihre kleine Hand in die feinige legt.

Wer die kleine Consuelo (der eigentliche Name Maria del Consuelo, Maria vom Tröste; der Haupt­name wird aber in der Anrede weggelassen), sah, mußte unwillkürlich denken, eine lichte Wolke habe sich geöffnet und aus ihren Falten sei eine jener lieblichen Engelsgestalten geschlüpft, die wir so häufig auf den Gemälden berühmter Meister bewundern. Sorglos und fragend blickten die großen, dunklen Augen in die Welt; in den goldenen Locken, die ihr Köpfchen wie ein Glorienschein umwogten, spielte kosend der Wind nnd wenn der kleine Mund lächelte und die reizenden Grübchen zum Vorschein kamen, so wurde die Illusion erst vollständig. Nur die von langen, dunklen Wimpern beschatteten Augen hatte das Kind von seiner Mutter geerbt; im übrigen zeigte dasselbe unverkennbar die Züge feines Vaters.

Aber während bei der Kleinen alles Lebenslust und heiterer Sonnenschein war, hatte die ver­heerende Gewalt einer tückischen Krankheit dem Antlitze des Vaters das Siegel des Todes ausgeprägt. Noch einmal ruhte dessen Auge mit nnem traurigen, schwärmerischen Blicke auf dem herrlichen Bilde; dann raffte er sich gewaltsam auf: Komm, Dolores, laß uns jetzt Abschied nehmen von der Stätte, die Zeuge meine- tiefsten Elendes, aber auch meines süßesten Glückes in diesem Lande ge­worden ist. Am Tage, der unseres unglücklichen Kaisers Schicksal befiegÄte, hatte ich mich mit meinem Jammer in diese Einsamkeit geflüchtet. Unsäglich trostlos und düster lag die Zukunft vor mir; wie G hätte ich mit dem Kaiser getauscht und meine

dkm Schergen von Cueretarc zum Ziele ge-

(Nachdruck verboten.)

Etwa eine halbe Stunde von der Hauptstadt Mexiko entfernt liegt der Berg Chapultepec mit dem Schlosse gleichen Namens. Die Azteken, jener Volksstamm der Indianer, der auf einer so hohen Stufe der Kultur gestanden hat, daß die noch erhaltenen Zeugen der­selben die Nachwelt in Erstaunen setzen, haben um die Mitte des dreizehnten Jahrhunderts diesen Berg zu ihrem Wohnsitz erkoren'. Um sich gegen feindliche Ueber- iälle zu schützen, umgaben fie das Plateau mit einer hohen Mauer. Sie wurden zwar bald von Chapultepec vertrieben; Cortez aber ließ bei seiner Ankunft im Lande die Befestigungen aus Chapultepec wieder Her­stellen. Das Schloß wurde indessen erst im achtzehnten Jahrhundert erbaut. Kaiser Maximilian ließ dasselbe im pompejanischen Stlle umbauen und erwählte es mit Vorliebe zu seinem Aufenthaltsorte. Hier ver­brachte er an der Seite seiner jugendschönen Gemahlin Charlotte die wenigen glücklichen Tage seiner Regierungs- JClt.

Chapultepec wird mit Recht das mexikanische Potsdam genannt; aber ein Vergleich würde ohne ^wenel zu Ungunsten von Potsdam ausfallen, denn wte vermochte auch die Kunst mit der Natur zu wett­eifern, wenn letztere ihre Schönheit in verschwenderischer Fülle über einen Ort der Erde ausgestreut hat, wie dies bei Chapultepec der Fall ist. Diese Pracht exotischer Gewäche und farbenreicher Blüten in den Gärten von Chapultepec hat kein nordisches Treibhaus auszuweffen. In den herrlichen Parkanlagen de s Schlosses gibt es Bäume, die bis zu zehn Meter im Umfange haben und feit tausend Jahren auf das in ihrem Schanen wandelnde Menschmgeschlechthernied ergeblickt haben. Das Schloß selbst hat hohe Säulenhallen,

boten, nachdem ich vergebens den erlösenden Tod im Getümmel des Kampfes gesucht hatte. Wie beneidete ich meine Kameraden, die ihr Blut für den edlen Helden verspritzt hatten und still und friedlich unter dem grünen Rasen gebettet lagen. Weißt Du noch, wie wir uns damals begegneten? Auch Dich und Deinen Vater hatte der Kummer hierher geführt, und der gemeinsame Schmerz um das Schicksal des ge« liebten Monarchen wob das erste zarte Band um unsere Herzen. Bald aber erfüllte Dein Bild mein ganzes Fühlen und Denken und mit jubelndem Ent­zücken las ich in dem schüchternen Aufblick Deiner strahlenden Augen das Geständnis Deiner Gegenliebe. Du weißt es, süße Dolores, wie glücklich Deine Liebe mich gemacht hat! Als das Schicksal uns in jener traurigen Stunde zuerst zusammenführte, hätte ich nicht geahnt, daß noch so viele holde Blumen an dem Lebenspfade des Verbannten und Ausgestoßenen sprießen würden. Aber alles Glück, das ich in unserem Bunde gefunden, konnte mich den Gedanken an die Heimat, an das bittere Leid, das ich dort er­fahren habe, nicht vergessen machen, und so ist mir der herbe Stachel zum Keim des Todes geworden. Gebt Gott, daß meine Kraft für die weite Reife noch reicht, daß ich die Eltern noch lebend finde und sie von meiner Unschuld überzeugen kann! Wenn dieses geschehen, und ich Dich und Consuela sicher in ihrem Schutze geborgen weiß, ja, dann schließe ich gerne meine Augen zum ewigen Schlaf in der deutschen Heimat, wo mir zuerst das Licht der Sonne ge­leuchtet hat."

Ach, sprich nicht vom Sterben, lieber Clemens; wie soll ich das Leben noch ertragen, wenn Du mir genommen wirst! Gewiß wird Dir die deutsche Heimat Deine Gesundheit wieder geben, und Deinet­wegen wünsche ich, daß wir erst drüben wären und daß es Dir gelingen möge, Dich von dem Verdacht einer Tat zu reinigen, wegen bereit Du schuldlos so schweres gelitten hast."

Ein trübes Lächeln war die einzige Antwort de-